Freitag der Osteroktav

Apg 4,1-12; Ps 118,1 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Joh 21,1-14

Apg 4
1 Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.

2 Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
3 Und sie legten Hand an sie und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Es war nämlich schon Abend.
4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
5 Es geschah: Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
6 dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas, Johannes, Alexander und alle, die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
7 Sie stellten die beiden in die Mitte und forschten sie aus: Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
9 Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
10 so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
11 Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Heute hören wir die nachfolgenden Ereignisse, nachdem Petrus seine Bekenntnisrede in der Halle Salomos gehalten hat.
Die religiöse Elite bestehend aus dem Tempelhauptmann, den Sadduzäern und Hohepriestern tritt herzu und regt sich über die ganze Aktion auf.
Es passt ihnen überhaupt nicht, dass Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu predigen, den sie nach umfassender Intrige endlich ans Kreuz bekommen haben.
So werden die beiden festgenommen und über Nacht gefangen gehalten. Das ist ihre erste Erfahrung mit Anfeindungen, weil sie im Namen Jesu gepredigt haben. Auch wenn sie festgehalten werden, kann die Tempellobby nichts dagegen tun, dass eine riesige Menge sich dem Glauben anschließt und die Zahl der Jerusalemer Urgemeinde auf 5000 ansteigt.
Am nächsten Tag werden die Apostel ähnlich wie Jesus damals verhört.
Es sind dieselben Hohepriester versammelt, die ähnliche Fragen stellen wie damals bei Jesus. Ihnen geht es um die Kraft, mit der die Apostel das Wunder vollbracht haben.
Auch jetzt ist Petrus nicht eingeschüchtert, sondern erfüllt vom Hl. Geist, der ihm den Mut verleiht, bekennt er Christus: In seinem Namen ist diese gute Tat an einem kranken Menschen vollzogen worden, den eben jene Hohepriester ans Kreuz gebracht haben, den der Tod aber nicht festhalten konnte. Jesus ist von den Toten auferstanden, so hat er den Tod und die Intrige der Hohepriester besiegt.
Genau diese Aussage untermauert Petrus mit dem sehr bekannten und viel verwendeten Zitat aus Ps 118: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ Er zitiert die Hl. Schrift, weil er in der Sprache der Gelehrten sprechen möchte und die Erfüllung der Verheißungen unterstreichen möchte. Er versucht, ihnen den Wald begreiflich zu machen, von dem sie bisher nur die einzelnen Bäume betrachtet haben.
Petrus ist wie ausgewechselt. Er spricht freimütig, er zitiert dabei die Schrift und bezieht sie auf Christus. All dies verstand er zuvor nicht und er fürchtete sich davor, irgendeinen Nachteil zu erleiden dafür, dass er Jünger Jesu ist. Doch der Geist Gottes ist auf die Apostel hinabgestiegen und wirkt nun auch durch ihn. Er nimmt es sehr ernst, dass Christus ihn zum Felsen seiner Kirche gemacht hat. Wahrlich, er ist wirklich ein Fels in der Brandung, der die aufkommende Kirche mit allen Mitteln verteidigt! An ihm sehen wir, was möglich ist, wenn wir uns ganz und gar dem Wirken Gottes hingeben. Wenn wir uns ihm anbieten und ihm wirklich sagen: „Tue mit mir, was du willst! Nimm mein Leben hin!“, dann wird er aus uns glänzende Diamanten machen. Er wird uns schleifen, sodass wir unvorstellbar über uns selbst hinauswachsen. Wir werden selbst erstaunt sein, zu was Gott fähig ist mit uns!
Gott liebt auch die Hohepriester, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, alle, die ihn ablehnen. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Und so ist die ganze Situation für sie eine einzige Lektion. Sie sollen die Chance bekommen, die Ablehnung Jesu wieder gut zu machen. Stattdessen geht ihre Sturheit mit seinen Jüngern weiter.
So ist Gott. Er gibt uns immer wieder Chancen zur Umkehr. Er versucht einfach alles, um unsere Liebe zu erhalten. Er hat aus Liebe alle Menschen ins Dasein gerufen und möchte, dass jeder ihn zurückliebt. Deshalb wirbt er um jeden, deshalb versucht er, sich begreiflich zu machen. Bis zur letzten Sekunde unseres Lebens versucht er alles, damit wir nicht verloren gehen!

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.

23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.

27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Im Kontext der Osteroktav beten wir wiederholt Psalm 118. Er wird uns die nächsten Tage immer wieder begleiten – wir haben ihn schon in der Osternacht gebetet. Es gibt kaum einen Psalm, der besser in die Osterzeit passt.
Gottes große Heilstaten verdienen stets unser Lob und unseren Dank. Wir können gar nicht genug danken für alles, was Gott uns Gutes tut! Und im Anschluss an den Mut des Petrus, der zur Heilung des Gelähmten steht, der die Chance für eine Bekenntnisrede nutzt und weitere 2000 Männer zum Glauben an Christus führt, können wir wirklich nur in einen Lobpreis verfallen!
Ganz im Psalmenstil beginnt das Danklied mit einer Aufforderung zum Dank, denn Gottes „Huld währt ewig!“
Alle Gottesfürchtigen sollen dies gläubig bekennen. Heute sind ganze 2000 Männer hinzugekommen, die gottesfürchtig geworden sind – sie waren es schon vorher, nun aber sind sie zugleich christusfürchtig geworden!
Dann beten wir Vers 22, den Petrus vor der Tempelelite auf Christus bezieht, auf ihn, dessen Verwerfung und Hinrichtung am Kreuz die Erlösung aller Menschen gebracht hat!
Gott hat diese Erlösung erwirkt, indem er selbst am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Kein anderer Gott hat auf diese Weise die Menschheit erlöst und so können wir nicht anders, als zu jubeln und uns über ihn zu freuen. Diese Freude ist mehr als nur eine situative Emotion. Es handelt sich um eine innere Gewissheit, dass am Ende der Zeiten das Heil Gottes steht. Diese Gewissheit trägt den österlichen Menschen durch alles Leid hindurch, sodass er nicht anders kann, als optimistisch zu sein. Das hat nichts mit billiger Jenseitsvertröstung zu tun, sondern ist vielmehr ein gewandeltes irdisches Dasein mit einem österlichen Blick.
„Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN!“ Diesen Ausruf haben die Jünger Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem gesungen, als er auf einer Eselin hineingeritten kam und so als Messias die Hl. Schrift erfüllt hat. Wir beten diesen Ausruf in der Messe im sogenannten Benedictus, das heutzutage mit dem Sanctus gekoppelt ist.
„Wir segnen euch vom Haus des HERRN her“ ist für die Juden die höchste Form von Segen. Im Haus des HERRN, das heißt im Jerusalemer Tempel, ist Gott gegenwärtig. Der Tempel existiert heute nicht mehr. Dieser Vers ist für uns Christen nun auf den eucharistischen Segen zu beziehen, der die höchste Form von Segen darstellt. Gott wohnt im Haus des HERRN, das heißt jetzt in jedem Tabernakel der Kirche. Von dort aus geht ein Segen aus, der gleichzusetzen ist mit dem Segen Christi, den er den Menschen durch seine Heilstaten erwiesen hat. Er ist genauso leibhaftig anwesend wie vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er in Menschengestalt auf Erde wandelte.
Gott ist der HERR und er hat uns Licht geleuchtet – Christus, das Licht der Welt. Er ist der Messias, der die Finsternis erleuchtet hat, wie Jesaja schon 700 Jahre vor Christi Geburt angekündigt hat und wie Christus selbst über sich gesagt hat.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im Evangelium hören wir nun von einer dritten Erscheinung Christi vor seinen Aposteln.
Die Apostel sind am See von Tiberias, womit der See Gennesaret gemeint ist. Bevor der Hl. Geist auf sie herabkommt, sind sie unschlüssig, wie sie ihr Leben fortsetzen sollen. Zwar hat Jesus ihnen gesagt: „Wie mich der Vater sendet, so sende ich euch!“ Doch sie verstehen das alles noch nicht. Deshalb tun sie das, was sie kennen und was sie vor ihrer Berufung als Jünger Jesu getan haben – fischen.
Petrus ist es ausgerechnet, der wieder als erstes das Wort ergreift und die anderen mitzieht. Er sagt kurzerhand „ich gehe fischen“. Die anderen anwesenden Apostel sagen daraufhin: „Wir kommen auch mit!“ Sie tun, worin sie am besten sind. In einer Situation der Ungewissheit bringt es einem Sicherheit, wenn man alte Gewohnheiten aufleben lässt.
Gott nutzt diese Situation, um ihnen wieder etwas Wichtiges beizubringen. Er lässt zu, dass sie in der gesamten Nacht nichts fangen.
Gegen Morgen erscheint ihnen Jesus am Ufer und fragt sie nach Fisch. Er weiß ganz genau, dass sie nichts gefangen haben, doch er möchte, dass sie dies von sich aus selbst sagen.
Währenddessen erkennen sie Jesus noch nicht. Man könnte annehmen, dass sie es langsam verstanden haben sollten, dass es der Auferstandene sein muss. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind ja mehr als eindeutig. Man kann es vielleicht auf die Tageszeit beziehen. Die Sonne geht gerade erst auf und so ist es noch zu dunkel, Jesus zu erkennen. Wir können es auch auf das besorgte Kreisen der Apostel um sich selbst beziehen, die so von ihren Zukunftsängsten geplagt sind, dass sie gar nicht darauf achten, wer hier mit ihnen spricht.
Eines ist eindeutig: Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet im Morgengrauen zu ihnen tritt. Für die Juden ist es verbreitet, den Messias vom Osten kommend zu erwarten. Im Osten geht die Sonne auf. Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Er kommt im Morgengrauen. Dies haben wir auch schon beim Osterereignis selbst gemerkt! Er ist im Morgengrauen auferstanden und hat somit die Schrift erfüllt! Und nun kommt er wieder im Morgengrauen zu jenen, für die Nacht ist – die in ihrer Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit dahinleben, die nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist ihre Sonne, ihre Hoffnung, ihre Orientierung, ihr Segen. Und deshalb gibt er ihnen dann den Rat, nochmal die Netze auszuwerfen.
Er gibt ihnen Anweisungen, obwohl sie die Profis sind. Womöglich merken sie schon, dass hier etwas passiert, und werfen deshalb nochmal die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Als sie es wieder einholen wollen, ist es so brechend voll, dass die Netze zu reißen drohen!
So ist Gottes Gnade. Wenn er gibt, dann im Überfluss!
Wir können diese ganze Szene bis hierhin absolut auf unser eigenes Leben beziehen: Wenn Christus mit uns ist und wir alles tun, was er uns aufträgt, dann gelingt unser Leben. Wenn wir nach Gottes Willen leben und Hand in Hand mit ihm unser Leben leben, wird er uns überreich segnen. Dann werden wir große Zeichen in unserem Leben erkennen und die Größe Gottes mit eigenen Augen erfahren.
Johannes, der Jesu Herz am besten verstanden hat, der an diesem Herzen geruht hat im Abendmahlssaal und unter dem Kreuz bei der Durchbohrung, er ist der erste, der Jesus erkennt.
Als Petrus das erfährt, zieht er sich das Obergewand an, weil er nackt ist, und springt in den See. Was soll diese seltsame Reaktion? „Nackt sein“ bedeutet in diesem Fall nicht das Splitternacktsein, sondern die fehlende Oberbekleidung. Petrus fühlt sich bloßgestellt. Die eigentliche Nacktheit, die er verspürt, ist das Offenliegen seiner Ohnmacht vor dem Herrn. Er vermag nichts ohne ihn. Die ganze Nacht hat er versucht, das zu tun, was er am besten kann. Und selbst das hat nicht funktioniert. Seine ganze Armut liegt hier vor dem Auferstandenen bloß. Er springt in den See vor lauter Beschämung. Was ist denn daran so schlimm, sich vor Gott so hilflos zu fühlen, wenn dieser einem alles schenken kann? Für Petrus ist das ein Prozess der Demütigung. Er hat noch vor dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu große Töne gespuckt. Er hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt und sich grenzenlos überschätzt, als er zu Jesus sagte: „Mein Leben will ich für dich geben!“ DAS hier ist nun der echte Petrus. Ein einfacher Fischer, der selbst bei seinem Beruf nicht große Töne spucken kann. Der Mensch ist selbst bei den kleinsten Dingen auf Gott angewiesen. Petrus lernt endlich seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit kennen. Er lernt, endlich echt zu werden, authentisch. So lässt Gott auch in unserem Leben zu, dass wir lernen, uns im Angesicht Gottes so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit allen Ecken und Kanten, mit allen Begrenzungen, mit Stärken und Schwächen. Erst wenn wir uns richtig erkannt haben, was Demut heißt, können wir Arbeiter in seinem Weinberg sein oder mit dem Bild dieses Evangeliums – Menschenfischer sein.
Petrus schämt sich vor Jesus, weil er ihn dreimal verleugnet hat. Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, wird Christus ihn dreimal fragen, ob er ihn liebt. Er wird ihn konfrontieren und eine tiefe Versöhnung herbeibringen.
Es hat übrigens eine tiefe Bedeutung, dass sie am Ende die Fische zählen und es sich um 153 Exemplare handelt. So viele Länder sind zu jenem Zeitpunkt bekannt. Es zählt die Weltkarte, was für die Jünger ein Hinweis darauf sein soll, dass sie bald zu Menschenfischern in der ganzen Welt werden!
Jesus nimmt von den Fischen und bereiten den Jüngern ein Mahl. Ja, Jesus ist der Gastgeber auch der Eucharistie, zu der er uns immer wieder einlädt. Er ist es, der die Gaben wandelt und sich darin selbst opfert. Er ist es, der uns in unserem Leben nährt und Kraft schenkt. Er wird uns am Ende der Zeiten alle der Reihe nach bedienen bei der Hochzeit des Lammes. Es wird ein einziges Festmahl sein!
Das ist also die dritte Erscheinung des Auferstandenen. Petrus wird all dies in sich aufgenommen und nach der Spendung des Hl. Geistes begriffen haben. Von seiner Beschämung, von seinem gekränkten Ego, von seiner Furcht wird nichts mehr bleiben. Er wird voll von Erkenntnis und Weisheit freimütig für Christus einstehen und wahrlich ein vorbildlicher Menschenfischer werden. Wir sehen, dass dieser Petrus und der spätere Petrus das großartige Werk Gottes ist. So kann es auch mit uns gehen. Der Hl. Ignatius von Loyola hat es ganz trefflich ausgedrückt, als er sagte: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Genau so ist es. Petrus hat es gewagt und Gott sein Ja gegeben. So hat er eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen mithilfe der Gnade Gottes. Und so können auch wir zu ganz neuen Menschen werden, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, wenn wir ihm nur täglich unser Ja geben.

Das ist eine österliche Freudenbotschaft für alle Getauften und die, die es werden wollen! Es ist nicht zu spät, selbst wenn wir sehr große Sünder sind. Wenn wir den Mut aufbringen, umzukehren und auch den Demütigungsprozess zu durchlaufen, dann kann Gott auch uns ein neues Leben schenken.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der Osteroktav

Apg 3,1-10; Ps 105,1-2.3-4.6-7.8-9; Lk 24,13-35

Die Osteroktav greift weiterhin Texte der letzten Tage auf. So hören wir das Evangelium von Ostermontag, das wunderbare Emmaus-Ereignis. In diesen Tagen wird uns als Lesung immer ein Ausschnitt aus der Apostelgeschichte vorgelesen.

Apg 3
1 Petrus und Johannes gingen zur Gebetszeit um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.
2 Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln.
3 Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen.
4 Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagte: Sieh uns an!
5 Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
6 Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!
7 Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
8 er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
9 Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
10 Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war.

Die Apostel haben an Pfingsten den Heiligen Geist empfangen. Er hat ihnen die Früchte, Gaben und Charismen geschenkt, die sie für ihre Aufgabe in der Evangelisierung der Welt benötigen. Heute hören wir von einer Episode, in der sich diese Ausstattung mit dem Hl. Geist das erste Mal zeigt (ausgenommen die mutige Pfingstpredigt des Petrus und zuvor die Manifestationen des Geistes in Form von Feuerzungen und Sprachengebet).
Petrus und Johannes gehen zu drei Uhr nachmittags in den Tempel zum Gebet. Sie sind zwar Christen, aber ihre jüdischen Praktiken behalten sie bei. Sie sehen sich gar nicht so, als ob sie nun einer neuen Religion angehören. Es ist vielmehr so, dass Jesus ihrer Ansicht nach das Judentum erfüllt hat. Erst später wird es so viel Uneinigkeit und Spaltung mit den Juden geben, dass sich zwei unterschiedliche Stränge entwickeln – das Judentum, das Jesus als Messias nicht anerkennt und deshalb auch seine Anhänger als Sektierer ablehnt. Die Gemeinschaft der Christgläubigen wird dagegen immer unabhängiger betrachtet und erhält in Antiochien dann das erste Mal die Bezeichnung „Christen“.
Die beiden Apostel gehen also wie üblich in den Tempel und treffen dort auf einen gelähmten Mann am Tor des Tempels, das „die schöne Pforte“ genannt wird. Er verharrt dort, weil viele Menschen an ihm vorübergehen und ihm beim Betreten oder Verlassen des Tempelareals das ein oder andere Almosen spendet. Wir sehen über diese wörtliche Leserichtung hinaus noch viel mehr. Der Mann sitzt an der Schwelle vom Judentum, das auf den Messias wartet, zur Jüngerschaft Jesu Christi. Er ist an der Schwelle und die Heilung wird den Ausschlag geben, dass dieser Mensch Jesus als den Christus erkennen wird. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ Für Petrus und Johannes wird das folgende Ereignis zur Bestätigung der Worte Jesu. Ja, die Menschen, die zum Glauben an Jesus Christus kommen, übertreten wahrhaft diese Schwelle vom ewigen Tod zum ewigen Leben. Ihnen ist es schon beim Pfingstereignis aufgegangen, als nach der kraftvollen Pfingstpredigt des Petrus ganze 3000 Menschen die Taufe empfingen und so die existenzielle Schwelle übertraten, gleichsam durch die Tür Christi hindurchgeschritten sind.
Der Mann bittet die vorbeigehenden Apostel um ein Almosen. Petrus, der immer zuerst das Wort ergreift, bittet den Mann, ihn anzusehen. Dieser rechnet damit, dass er nun etwas bekommt.
Doch WAS er bekommt, übersteigt alle seine Erwartungen!
„Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, gebe ich dir.“ So sollen auch wir geben. Wir sollen aus Liebe zu Gott alles geben, was wir haben. Und damit ist nicht einfach nur materieller Besitz gemeint, sondern alles an Ressourcen, die es gibt: Zeit, Energie, Finanzen, ein zuhörendes Ohr, Bereitschaft, den eigenen Willen.
Und Petrus gibt dem Mann nun umsonst die Heilung im Namen Jesu des Nazoräers! Jesus hat seinen Jüngern schon damals gesagt: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben (Mt 10).
Und so spricht Petrus die Heilungsworte im Namen Jesu, der ja der eigentlich Heilende ist. Petrus tut nichts aus eigener Kraft, sondern in der Vollmacht Jesu Christi. Er ist es, der durch seine Hände heilt, er ist es, der durch seinen Mund spricht.
So tut Petrus genau dasselbe, was Jesus immer getan hat: Er fasst den Mann bei der rechten Hand und richtet ihn auf. Die Kraft des Heiligen Geistes durchströmt seine kranken Glieder und festigt sie. Der Mann kann aufrecht stehen und umhergehen!
Petrus hat ihn geheilt und die Reaktion des Mannes ist ideal. Die erste Tat nach seiner Heilung besteht im Lobpreis an den allmächtigen Gott, dem er dies zu verdanken hat.
Sein Umhergehen, Herumspringen und Lobpreis bleibt nicht unbemerkt. Die Menschen, die ihn noch von früher kennen, wie er an der Schönen Pforte gebettelt hat, staunen darüber, was mit ihm geschehen ist.
Gott wirkt Wunder, damit die jeweiligen Zeugen dadurch zum Glauben an ihn kommen und seine großen Taten loben.
Jesus hat angekündigt, dass in seinem Namen diese Zeichen geschehen werden. Petrus erfüllt vom Heiligen Geist erkennt die Zeit des Handelns und lässt sich von Gott als Werkzeug des Heils verwenden. So sollen auch wir sein. Uns soll es in jeder Lebenslage immer darum gehen, den Menschen die Liebe Gottes zu vermitteln. Und wohin auch immer Gott uns entsendet – wir sollen die Situation erkennen und uns gebrauchen lassen, damit er auch heute seine großen Taten offenbaren kann. Seien wir dabei ein Spiegel oder Fenster dieser Heilstaten Gottes wie Petrus! In Jesu Namen geschehen auch heute noch Zeichen und Wunder!

Ps 105
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,

4 fragt nach dem HERRN und seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit!
6 Ihr Nachkommen seines Knechts Abraham, ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.
7 Er, der HERR, ist unser Gott. Auf der ganzen Erde gelten seine Entscheide.
8 Auf ewig gedachte er seines Bundes, des Wortes, das er gebot für tausend Geschlechter,
9 des Bundes, den er mit Abraham geschlossen, seines Eides, den er Isaak geschworen hat
.

Der heutige Psalm ist eine wunderbare Antwort auf die Lesung. Man könnte sagen, dass diese Psalmworte aus dem Mund des geheilten Gelähmten gekommen sein könnten, als er voller Freude in den Tempel gegangen ist und Gott gedankt hat.
Der Psalm beginnt wie so oft mit einer Selbstaufforderung zum Lob: „Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!“ Dieser heilige Name ist es, durch den die Heilung am Gelähmten an der „Schönen Pforte“ erwirkt worden ist.
„Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Der Geheilte aus der Apostelgeschichte wird sein Leben lang nicht vergessen, was für ein Wunder an ihm geschehen ist. Ihm ist im Grunde ein ganz neues Leben geschenkt worden, weil er nun arbeiten gehen kann. Er kann für sich selbst sorgen und muss nicht mehr betteln. Auch in der Gesellschaft wird er nun mehr Achtung bekommen.
„Der dir all deine Schuld vergibt und deine Gebrechen heilt“ – es ist genau diese Reihenfolge, die wir bemerken müssen. Zuerst vergibt Gott uns die Schuld. Dies ist nämlich die wichtigste Form von Heilung – die seelische. Wenn wir wieder mit Gott versöhnt sind und zurückversetzt sind in den Radius seiner Gnade, kann diese uns auch umfassend heilen. Die psychischen und körperlichen Auswirkungen unserer im Kern seelischen Probleme, können nun auch geheilt werden, weil der seelische Kern wiederhergestellt ist.
„Fragt nach dem HERRN und seiner Macht“ – die hebräische Verbform דִּרְשׁ֣וּ dirschu ist eigentlich mit „suchet, forscht“ zu übersetzen. Es geht also darum, in allem immer den Herrn zu suchen.
„Sucht sein Angesicht allezeit!“- auch בַּקְּשׁ֖וּ baqschu kann mit „suchen“ übersetzt werden, aber auch mit „wollen, begehren, bitten“. Beide Sätze sagen etwas Ähnliches aus und sind ähnlich strukturiert, was wir Parallelismus nennen. Dem Menschen soll es immer nach dem Angesicht Gottes verlangen. Es umschreibt, was mit dem Sch’ma Israel zusammengefasst wird (Dtn 6,4ff.), die absolute Gottesliebe und deshalb das stete Interesse daran, ihn besser zu verstehen. Es geht daran, das Herz an ihn zu hängen. Wenn man dies tut, wird das Herz immer wieder Heilung erfahren.
So wie wir schon oft gebetet haben, ergeht auch hier die Aufforderung an uns, Gottes Heilstaten nie zu vergessen („Gedenkt der Wunder, die er getan hat…“). So werden wir nie undankbar und auch nie etwas für selbstverständlich nehmen, was Gott uns schenkt. Dies macht der geheilte Gelähmte in der Apostelgeschichte uns heute vor. Wir gedenken der großen Taten Gottes mit dankbarem Herzen in jeder Eucharistie. Wir beten jeden Tag die Psalmen und loben Gott darüber hinaus mit Hymnen und anderen Lobliedern.
Gott ist der Herrscher des Alls und deshalb gilt, was er entscheidet. Alles ist seinem universalen Heilswillen unterworfen, was auch für uns sehr tröstlich ist! Das bedeutet nämlich, dass auch der Böse nur so viel anrichten kann, wie Gott zulässt. Sobald das Ende der Zeiten erreicht ist, wird Gott ihm sofort und ganz ohne Mühe Einhalt gebieten. Er wird den Bösen für immer zerstören und wir werden nie wieder leiden müssen.
Gott ist der Treue, der es wirklich ernst meinte, als er den Bund mit Abraham ewig nannte. Die tausend Geschlechter, die hier genannt werden, sind eine symbolische Zahl, sodass wir nicht anfangen müssen, Geschlechter auszurechnen. Es ist ein Code, der eine sehr lange Zeit umschreibt und im poetischen Kontext der Psalmen als Stilmittel fungiert.
Gott hält seine Versprechen und so dürfen wir gläubig ausharren, bis der verherrlichte Menschensohn wiederkommen wird am Ende der Zeiten. Er hat uns ja versprochen, dass er uns reich belohnen werde, wenn wir bis zum Schluss standhaft und wachsam gewesen sind. Und wenn es in unserem Leben schwer wird, trägt er uns hindurch, der vor dem Heimgang zum Vater sagte: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.

20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir wieder das Emmausereignis. Kleopas ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie reisen nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner. Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Die österliche Freude, das Heil und die Gegenwart des Auferstandenen setzen sich auch heute fort. Jesus bleibt wirklich bei den Menschen und wirkt auch weiter, obwohl er nicht mehr in Menschengestalt auf Erden wandelt. Das ist wichtig vor allem auch für uns heute! Jesus verlässt auch uns nicht und ist in der Kirche bis heute gegenwärtig, auch wenn er nicht mehr in Menschengestalt, sondern in Gestalt der eucharistischen Gaben da ist.

Schauen wir genau hin. Er tut auch heute viele Wunder. Lassen wir uns wie Petrus gebrauchen als Werkzeuge des Heils, damit die österliche Freude nie versickert, sondern immer mehr Menschen ansteckt!

Ihre Magstrauss