Mittwoch der 6. Osterwoche

Apg 17,15.22 – 18,1; Ps 148,1-2.11-12.13-14; Joh 16,12-15

Apg 17
15 Die Begleiter des Paulus brachten ihn nach Athen. Mit dem Auftrag an Silas und Timotheus, Paulus möglichst rasch nachzukommen, kehrten sie zurück.
22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm.
23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.
24 Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.
25 Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.
26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt.
27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.
28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht.
29 Da wir also von Gottes Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.
30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass überall alle umkehren sollen.
31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.
32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.
33 So ging Paulus aus ihrer Mitte weg.
34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen.
1 Hierauf verließ Paulus Athen und ging nach Korinth.

Gestern ging es in der Apostelgeschichte um das pfingstartige Ereignis im Gefängnis von Philippi. Am Ende bekehrte sich der Gefängniswärter, ließ sich mit seinem ganzen Haus taufen und nahm die Missionare bei sich auf. Um die Nachgeschichte ein wenig zusammenzufassen: Am nächsten Tag will man die beiden freilassen (es war wohl nicht bekannt geworden, dass die Missionare gar nicht mehr im Gefängnis saßen). Paulus lässt jene, die die Anordnung überbringen, wissen, dass Silas und er römische Bürger seien und eigentlich Anspruch auf einen Prozess gehabt hätten. So kommen die obersten Beamten, um Paulus und Silas hinauszuführen. Daraufhin gehen sie zu Lydia, wo sie den Brüdern Mut zusprechen. Das heißt, dass im Hause der Purpurhändlerin mittlerweile eine christliche Gemeinde entstanden ist. Daraufhin reisen Paulus und seine Gefährten weiter und kommen unter anderem nach Thessalonich und Beröa. Wie schon zuvor ernten sie eigentlich viel Offenheit und Verständnis, sodass viele zu Christen werden. Da aber auch viele Gottesfürchtige der Oberschicht den Glauben annehmen, stößt die Mission auf Eifersucht bei den ansässigen Juden. Diese hetzen die Stadt gegen die Missionare auf, sodass diese weiterziehen müssen. Jene Feinde kommen später dann in die Nachbarstadt, um auch dort gegen die Missionare anzugehen.
Dann bringen Silas und Timotheus Paulus nach Athen und bleiben selbst in Beröa zurück. folgen ihm später nach. So ist Paulus nun in der griechischen Stadt allein und ist aufgebracht wegen der vielen Götzenbilder. Er hat Kontakt zu den ansässigen Juden und tauscht sich gleichzeitig mit epikureischen und stoischen Philosophen aus. Diese bringen ihn eines Tages dann zum Areopag, von wo er eine ganz berühmte Bekenntnisrede hält.
Dabei setzt er rhetorisch sehr geschickt an, indem er den Zuhörern nicht gleich den Götzendienst vorwirft, sondern ihre Frömmigkeit lobt. Damit gewinnt er schon einmal die Gunst der Anwesenden. Dann kommt er auf den Altar für den Unbekannten Gott zu sprechen, den er in der Stadt gesehen hat. Dies dient ihm als Anknüpfungspunkt, über den Schöpfer des Himmels und der Erde zu sprechen, dem rein transzendenten Gott der Christen. Er braucht keinen Tempel, in dem er wohnt und in dem ihm geopfert wird (Kritik an den vielen Tempeln der Stadt). Er braucht auch nicht die Hilfe von Menschen, denn er ist der Helfer all seiner Geschöpfe. Er ist auch der Herr der ganzen Welt, nicht mehr nur eines bestimmten irdischen Bereichs wie bei den Griechen.
Dieser Gott hat die Menschen geschaffen, indem er sie alle von einem einzigen Menschen abstammen lässt (Adam).
Paulus erklärt sodann, dass in allen Menschen die Sehnsucht nach Gott eingepflanzt ist, sodass jeder nach Gott sucht. Er verweist auf griechische Philosophien, denen nach der Mensch von Gottes Geschlecht sei. Das heißt natürlich nicht, dass Paulus an die Göttlichkeit des Menschen glaubt, sondern dass er eine gemeinsame Basis schaffen möchte. So kann er auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen kommen: Wenn wir Menschen also von göttlichem Geschlecht sind, können wir nicht Gebilde aus irdischen Materialien und von Menschenhand verehren.
Deshalb ruft Gott universal zur Umkehr auf. Es werde nämlich ein Gericht geben und dieses wird mit Jesus Christus zu tun haben, den er von den Toten auferweckt hat. Als Paulus dies anspricht, spotten einige der Anwesenden darüber, andere wiederum lassen ihn nicht weiterreden und vertrösten ihn auf ein nächstes Mal. Durch die Blume sagen sie ihm eigentlich: Das interessiert uns nicht und geht zu weit.
Dies ist für Paulus jedoch kein Grund zur Kränkung, sondern er geht einfach weg. Einige Menschen bekehren sich auf seine Worte hin, so zum Beispiel Dionysios der Areopagit und eine Frau namens Damaris. Dann geht Paulus nach Korinth. Dort wird er eine Gemeinde gründen, die zu einer beachtlichen Größe heranwachsen wird.

Ps 148
1 Halleluja! Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Heerscharen,
11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde,
12 ihr jungen Männer und auch ihr jungen Frauen, ihr Alten mit den Jungen!
13 Loben sollen sie den Namen des HERRN,/ denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
14 Er hat erhöht die Macht seines Volks, zum Lob für all seine Frommen, für die Kinder Israels, das Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!

Auch heute beten wir im Anschluss an die Lesung einen Lobpreispsalm. Trotz der abrupten Unterbrechung an entscheidender Stelle spricht Paulus inmitten der Heiden über den christlichen Glauben. Das muss man sich einmal genauer vorstellen: Er spricht hier zu Menschen, denen Athena Promachos und der olympische Zeus alles bedeuten. Nicht der griechische Vatergott ist der Vater, Herr und Geber von allem, sondern der sich offenbarende jüdisch-christliche Gott.
Der heutige Psalm gehört zum Schluss-Hallel, der Psalmengruppe, die von Halleluja-Rufen gerahmt wird.
„Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen“ ist ein Lobaufruf an die himmlischen Wesen, das heißt an die Engel und Heiligen, die bei Gott sind. Dies wird uns dann auch im nächsten Vers explizit gesagt („Lobt ihn, all seine Engel…“).
Auch die irdischen Wesen sollen Gott loben, vor allem die Mächtigen der Welt: „ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde“. Ihre Macht ist von Gott her betrachtet geringer als die königliche und richterliche Gewalt Gottes. So müssen selbst diese irdischen Mächte dem Allmächtigen die Ehre geben.
Alle Menschen werden zum Lobpreis aufgerufen, Jung und Alt, Mann und Frau, denn Gottes Name ist erhaben. Er ist zwar ganz und gar von der Schöpfung verschieden, doch seine Herrlichkeit erstrahlt das All. In seiner Macht hat er seinem auserwählten Volk, „das ihm nahe ist“, Israel, Macht verliehen. Er hat ihm besondere Gnaden zuteil werden lassen und diese sind Anlass für das Lob Gottes.
Paulus als Kind Israels hat auch heute Anlass, Gott für diese Gnade zu loben und zu preisen. Zwar haben die Athener ihn beim Thema Auferstehung abgelehnt, ihn die Heilsgeschichte bis dahin aber erzählen lassen. Sie haben ihm Gehör geschenkt, als er ihre vielen Götzenbilder und Tempel kritisiert und eben jenen Gott beschrieben hat, den dieser Psalm zeichnet: als Herrscher des Himmels und der Erde, dem allein die Ehre gebührt.
Für Psalmen ist bezeichnend, dass Lobaufforderungen formuliert werden, besonders auch die Aufforderung an die verschiedenen Bereiche der Schöpfung.
Das Halleluja schließt auch hier den Lobgesang ab.

Joh 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
16 Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.

Jesus spricht heute wieder einen Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Am liebsten möchte er noch so viel mehr sagen, kann seine Apostel aber nicht überfordern. Sie haben in den letzten Jahren schon so oft seine Worte nicht begriffen. Aus sich selbst heraus können sie die göttliche Weisheit nicht begreifen. Sie brauchen den Heiligen Geist dafür, der sie erfüllt und ihnen die Augen öffnet. Und so kündigt Jesus an, dass wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, sie in der ganzen Wahrheit leiten wird. Das bedeutet nicht, dass er ihnen etwas Neues offenbaren, sondern Jesu verkündete Lehre begreiflich machen wird. Jesus erklärt ihnen auch, dass er mit dem Geist etwas gemeinsam hat: eine Lehre zu verkünden, die er nicht aus sich selbst besitzt, sondern vom Vater. Es ist eine gemeinsame Offenbarung, auch wenn der Geist und er nicht einfach identisch sind. So wie Christus der authentische Exeget des Vaters ist, weil er an dessen Herzen ruht, ist auch der Geist Zeuge der Wahrheit, weil er offenbart, was er „hört“. Auch er ist vom Vater gesandt und so bringt auch er authentische Kunde. Er wird den Jüngern seine Gaben geben, wodurch sie sehen werden „was kommen wird.“ Es klingt die Gabe der Prophetie an, die unter anderem eine Schau kommender Dinge ermöglicht. Man kann es auch so verstehen, dass Gottes Geist den Aposteln den göttlichen Willen in kommender Zeit aufzeigen wird.
Dieser Geist ist es, der Christus verherrlichen wird. Wir glauben, dass mit der Himmelfahrt Jesu dieser die Entäußerung ablegen wird, die er mit der Menschwerdung auf sich genommen hat. Dann wird er seine Göttlichkeit nicht mehr verbergen, sondern in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit wieder beim Vater sein. Hier sagt Jesus selbst, dass dies durch den Heiligen Geist geschieht. Die Herrlichkeit Gottes hängt also mit dem Heiligen Geist zusammen, was uns den Psalm tiefer verstehen lässt. Dort heißt es, dass Gottes Hoheit über die ganze Erde erstrahlt. Es ist ein und dieselbe Glorie, der Glanz Gottes. Durch den Heiligen Geist ist Gott in der Welt gegenwärtig. Mit der umfassenden Geistgabe an Pfingsten wird seine Gegenwart auf Erden intensiviert. Dann wird er umfassend das Wort Gottes, Jesus Christus nach dessen Heimkehr zum Vater offenbaren. Er wird von dem nehmen, was Jesus gehört – gemeint ist die Fülle der Offenbarung (Jesus hat ALLES gelehrt, auch wenn die Jünger nicht alles verstanden haben). Von derselben Offenbarung wird er nehmen und den Jüngern zugänglich machen, sodass sie nichts Neues hören, sondern daran erinnert werden. Es wird eine pneumatische Wiederholung sein.
Zum Schluss spricht Jesus noch ein Wort, das die Apostel ziemlich verwirrt. Eine kurze Zeit wird bis zum Weggang Jesu vergehen, doch auch nur eine kurze Zeit bis zu seiner Wiederkehr. Dies können wir zunächst auf das Osterereignis beziehen: Die Worte spricht Jesus am Abend vor seinem Tod. Nicht einmal 24 Stunden später ist er tot, was die Apostel im Abendmahlssaal noch nicht erahnen. Und dann wird es keine 48 Stunden dauern, bis er von den Toten wieder auferstehen wird. In dieser wörtlichen Lesart können wir die „kurze Zeit“ wirklich auf wenige Stunden beziehen. Da er aber im Kontext des Heiligen Geistes diesen Vers spricht, müssen wir weitergehen: Er ist nicht mehr lange auf Erden, bevor er zum Vater heimgeht. Das feiern wir morgen! Dann wird er nur noch verborgen in eucharistischer Gestalt in der Welt sein, bis er als verherrlichter Menschensohn am Ende der Zeiten wiederkommt. Diese Zeiträume sind schon größer zu fassen, aber was ist von der Ewigkeit her gesehen schon ein Tag? Wir leben in der Endzeit, so können wir nachvollziehen, was er mit der kurzen Zeit meint. Seine Wiederkunft ist schon sehr bald. Und bei seinem zweiten Kommen werden nicht nur die Apostel ihn sehen, sondern die ganze Welt.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 5. Osterwoche

Apg 14,19-28; Ps 145,10-11.12-13b.20-21; Joh 14,27-31a

Apg 14
19 Von Antiochia und Ikonion aber kamen Juden und überredeten die Volksmenge. Und sie steinigten den Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot.
20 Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf und ging in die Stadt. Am anderen Tag zog er mit Barnabas nach Derbe weiter.
21 Als sie dieser Stadt das Evangelium verkündet und viele Jünger gewonnen hatten, kehrten sie nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.
22 Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.
23 Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.
24 Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien,
25 verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab.
26 Von dort segelten sie nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes übereignet hatte.
27 Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.
28 Und sie blieben noch längere Zeit bei den Jüngern.

Gestern hörten wir von dem skurrilen Missverständnis der Bewohner von Lystra. Sie dachten aufgrund eines Heilungswunders, dass Paulus und Barnabas Zeus und Hermes in Menschengestalt seien. Mit Mühe schaffte Paulus es, die Volksmenge von Zeusopfern abzubringen. Das ist aber noch nicht das Ende vom Lied. Heute wird uns nämlich davon berichtet, dass nun die Gegener aus Antiochia und Ikonion nach Lystra anreisen, um auch dort die Menschen von den Missionaren abzubringen. Sie hetzen die Bewohner regelrecht gegen die Missionare auf, sodass sie Paulus steinigen und aus der Stadt hinausschleifen. Sie denken, er sei tot. Deshalb lassen sie ihn dort einfach liegen und gehen weg.
Es kommen dann aber Jünger, die ihn umkreisen. Dabei muss es sich um Bekehrte der Stadt handeln, die das Evangelium angenommen haben. Und kurzerhand steht Paulus auf und geht zurück in die Stadt. Das ist ein wahres Wunder. Von einer Steinigung stirbt man normalerweise. Doch Gott hat ihn vor dem Tod bewahrt, sogar dafür gesorgt, dass er nicht mal Erholung braucht! Tags darauf zieht er mit Barnabas weiter nach Derbe, um auch dort das Evangelium zu verkünden. Viele Menschen kommen zum Glauben.
Es ist bemerkenswert, dass die Missionare dann zurück in die Städte gehen, in denen sie viele Gegner haben und Paulus fast gestorben wäre. Warum tun sie das? Sie gehen zu denen, die Jünger Jesu Christi geworden sind. Da diese noch ganz am Anfang stehen, kümmern sie sich um den Aufbau der Gemeinde. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass sie Älteste als Gemeindevorsteher weihen. Eine Gemeinde braucht eine Führungsperson, die die Gläubigen zusammenhält und vor allem die sakramentale Vollmacht hat.
Da es sich um Neubekehrte handelt, müssen Paulus und Barnabas die Seelen der Menschen stärken. Der Weg des Christentums ist vom Grundsatz her ein Weg des Leidens. Die Missionare bereiten die Neubekehrten darauf vor, indem sie ihnen zukünftige Drangsale ankündigen.
Nachdem die Missionare durch Pisidien gezogen sind, setzen sie ihr Werk in Pamphylien fort. Sie verkünden das Wort Gottes in Perge und ziehen dann weiter nach Attalia.
Als sie auch dort fertig sind, reisen sie zurück ins syrische Antiochia, von wo aus sie sich auf den Weg gemacht haben. Dort erzählen sie von ihren Erlebnissen und vor allem von dem Erfolg bei den Heiden. Sie bleiben längere Zeit dort.
So endet die erste Missionsreise, auf der sie schon bis an ihre Grenzen gehen mussten. Paulus hat sogar eine Steinigung überlebt. Sie sind wirklich durch Drangsale gegangen und konnten ihr Leiden ganz mit dem Leiden Jesu Christi vereinen. All die Strapazen haben sie auf sich genommen als Leiden für jene, die zum Glauben kommen sollten. Bei solch großen Missionsreisen reicht Gebet und Fasten einfach nicht. Gott lässt zu, dass seine auserwählten Apostel zusätzlich viel erleiden müssen. Auf das große Leiden folgt dann aber die große Gnade. Schon durch die erste Missionsreise sind viele Menschen zum Glauben an Christus gekommen.
Wie viel nehmen wir heute als Kirche auf uns, um den Menschen Jesus Christus zu verkünden?

Ps 145
10 Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, deine Frommen sollen dich preisen.
11 Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, von deiner Macht sollen sie sprechen,

12 um den Menschen bekannt zu machen seine machtvollen Taten und die glanzvolle Herrlichkeit seines Königtums.
13 Dein Königtum ist ein Königtum aller Zeiten, von Geschlecht zu Geschlecht währt deine Herrschaft.
20 Der HERR behütet alle, die ihn lieben, doch alle Frevler vernichtet er.
21 Das Lob des HERRN spreche mein Mund,/ alles Fleisch preise seinen heiligen Namen auf immer und ewig!

Als Antwort auf den Erfolg der ersten Missionsreise loben wir Gott im Psalm. Es ist wieder ein Aufruf zum Lobpreis bzw. Dank, der diesmal in dritter Person formuliert ist. Der Aufruf an die Frommen, ihn zu preisen, färbt den Psalm sehr liturgisch. Es ist ein Appell, hinter dem ursprünglich wohl wirklich ein liturgischer Kontext stand.
Es ist bemerkenswert, dass die Rede vom Königtum Gottes ist. Gott ist ein Herrscher und seine Königswürde ist Herrlichkeit. Das hebräische Wort כָּבוֹד kavod ist auch dasselbe, das für die Gegenwart Gottes im Tempel verwendet wird und das zum Gottesprädikat δόξα doxa wird – sowohl im griechischen AT als auch im NT. Die Herrlichkeit des Reiches Gottes macht auch Jesus zum Kern seiner Verkündigung. Und am Ende seines Wirkens, bevor er nämlich zum Vater zurückkehrt, trägt er seinen Jüngern auf, diese Herrlichkeit des Gottesreiches allen Menschen zu verkünden. Somit wird das umgesetzt, was hier im Psalm schon gesagt wird: „Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden…um den Menschen bekannt zu machen“. Die Kirche tut dies in ihren Vollzügen: Sie verkündet das Reich Gottes (martyria), sie feiert das Reich Gottes (leiturgia), sie lebt das Reich Gottes (diakonia). Und wir Menschen ersehnen das Reich Gottes jedes Mal, wenn wir im Vaterunser beten „dein Reich komme“. Das Reich Gottes ist ewig, so sagt es schon der Psalm. Es ist das Himmelreich, das unter anderem auch mit dem Begriff „himmlisches Jerusalem“ bezeichnet wird.
Paulus und Barnabas gehören zu den Frommen. Sie verkünden Jesus Christus und nehmen dabei alles auf sich. Sie riskieren sogar ihr Leben. Sie sind wirklich gute Hirten, die ihr Leben für die Schafe hingeben, bevor diese überhaupt zu ihrer Herde gehören.
Auch wenn ihnen so einiges zustößt, verhindert Gott das Schlimmste. So ist Vers 20 ganz vor dem Hintergrund der Lesung zu verstehen, wenn es heißt: „Der HERR behütet alle, die ihn lieben“. Er lässt nicht zu, dass Paulus durch die Steinigung stirbt. Gott vernichtet die Frevler. Das tut er aber deshalb, weil sie es sich selbst ausgesucht haben. Er tut es auch nicht sofort, sondern setzt alles daran, sie zur Umkehr zu bewegen. Er versucht sie zu retten, solange es geht. Aber wer bis zum Schluss am Frevel festhält, den nimmt Gott beim Wort. Wer nein sagt, bekommt auch die Konsequenz des Nein zu spüren.
Der Psalm endet mit einem erneuten Lob, wobei dieses nun als Gelübde oder Versprechen in Ich-Form formuliert ist. Das Loben Gottes ist zwar im liturgischen Kontext eine Sache der Gruppe, doch jeder einzelne Mensch muss dies auch ganz persönlich tun. Und die Entscheidung für Gott kann ich nicht als Gruppe treffen. Ich muss mich ganz persönlich entscheiden. So ist es auch mit den Menschen in Pisidien und Pamphylien. Letztendlich verstecken sich die Gegner der Missionare hinter den Menschenmengen, indem sie diese gegen sie aufhetzen. Doch die Entscheidung, den Glauben anzunehmen, muss man als Einzelmensch treffen.

Joh 14
27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.
29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.
30 Ich werde nicht mehr viel zu euch sagen; denn es kommt der Herrscher der Welt. Über mich hat er keine Macht,
31 aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat.

Heute hören wir im Evangelium den Abschluss der ersten Abschiedsrede.
Jesus endete den Abschnitt gestern mit den Worten vom Beistand. Er kündigt das Pfingstereignis an, bei dem der Heilige Geist in Fülle auf sie herabkommen und sie ganz durchdringen wird, sodass ihnen alles wieder in Erinnerung gerufen wird. Dabei ist es kein Zufall, dass Jesus direkt im Anschluss vom Frieden spricht, der den Anfang des heutigen Abschnitts bildet. Friede ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Er ist nichts, was die Menschen sich selbst machen können. Der Friede der Welt ist allenfalls ein Waffenstillstand, etwas Vorübergehendes, das politischer Natur ist. Der Friede Gottes ist verbunden mit dem ewigen und umfassenden Heil, das nur Gott schenken kann. Das hebräische Wort שלום schalom bedeutet zugleich „Frieden“ und „Heil“. Im Griechischen wird dafür immer das Wort εἰρήνη eirene gebraucht. Jesus hinterlässt etwas. Wenn er so spricht, ist für die Apostel klar, dass er sich verabschiedet. Sie verstehen noch nicht, was als nächstes passieren wird. Sie werden trotz der mehrfachen Leidensankündigungen Jesu von der Auslieferung und den Geschehnissen der Nacht überrumpelt werden. Es wird sie ganz überfordern, sodass nur Johannes in der Sterbestunde Jesu bei ihm sein wird. Der Apostelführer Petrus wird ihn sogar verleumden und Judas Iskariot sich aus Verzweiflung umbringen. Und dennoch wird Jesus ihnen sein Testament zurücklassen, sein göttliches Wort. Er hat ihnen alles gesagt und es ihnen durch Taten verdeutlicht. Sie werden nicht alles begriffen haben und deshalb vergessen. Doch deshalb wird der Geist sie an Pfingsten an all diese wichtigen Aussagen Jesu wieder erinnern. Und das, was sie von Jesu Worten und Taten dann verkündet und weitergegeben haben, ist das Testament Jesu. Nicht umsonst nennen wir den verschriftlichen Teil von dieser Überlieferung das Neue Testament.
Jesus beruhigt die Apostel im Vorfeld schon, indem er ihnen zuspricht: „Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ Vielleicht spüren die Apostel im Abendmahlssaal schon, dass sich etwas anbahnt.
Jesus greift die Rede von seiner Heimkehr zum Vater wieder auf, die er einige Verse zuvor schon angedeutet hat: „Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.“ Was meint Jesus damit? Anscheinend haben die Apostel traurig reagiert, als er dies angedeutet hat. Jesus wird sie schließlich verlassen, den sie so lieb gewonnen haben. Dabei können sie sich freuen, denn wenn Jesus zum Vater geht, wird er seine Entäußerung ablegen und verherrlicht werden. Er wird wiederkommen in seiner ganzen Macht und Stärke. In dieser Hinsicht ist der Vater stärker als der irdische Jesus vor seiner Auferstehung und Himmelfahrt. Er nimmt seine Göttlichkeit auf Erden ja nicht in Anspruch.
Die Apostel können sich freuen, weil sie von der sich durchsetzenden Macht Gottes nur profitieren können, so wie die ganze Welt, die das Heil Gottes schauen wird. Zudem können sie sich freuen, weil der Vater ja auch den Geist senden wird, der den Aposteln als Beistand dienen wird und sie noch viel größere Zeichen sehen lassen wird.
Jesus sagt zu seinen Aposteln, dass er ihnen das alles voraussagt, damit sie dann zum Glauben kommen, wenn es geschieht. Das heißt nicht, dass sie jetzt Ungläubige wären, sondern dass sie dann alles begreifen werden. Was man richtig verstanden hat, kann man auch bewusst gläubig annehmen. Das wird geschehen, wenn der Geist Gottes ihnen die Augen öffnen wird. Momentan nehmen sie es an, obwohl sie es noch gar nicht richtig verstehen.
Dann sagt Jesus ein rätselhaftes Wort, das man richtig auslegen muss: Er wird nicht mehr viel sagen, außer dass der Herrscher der Welt kommt, der aber keine Macht über ihn hat. Wer ist denn dieser Herrscher der Welt, dass er nicht einmal Macht über Jesus hat? Damit ist der bis zum Erlösungswerk Jesu Christi herrschende Satan gemeint. Er hat die Welt im Griff, bis Jesus ihm durch Tod und Auferstehung einen Strich durch die Rechnung macht. Von da an ist Christus der Herrscher der Welt, auch wenn der Böse noch für eine begrenzte Zeit seinen Handlungsspielraum hat.
Jesus deutet den Aposteln hier noch einmal sein Leiden an. Der Herrscher der Welt kommt und bedient sich eines Apostels, der also zu den engsten Freunden Jesu gehört: Judas Iskariot. Der Satan wird dafür sorgen, dass Jesus am Ende gekreuzigt wird. Doch weil Jesus auferstehen wird, hat er keine Macht über ihn. Der Tod als Konsequenz der Sünde hat somit auch keine Macht über Christus, den Österlichen.
Durch die Hingabe am Kreuz wird die Sühne der Sünde aller Menschen erwirkt und zugleich möchte Jesus seine Liebe zum Vater zum Ausdruck bringen, dessen Willen er bis zum Schluss gehorsam ausübt. Darin ist er Vorbild jenen, die ihm nachfolgen und als Christen ebenso den Willen des Vaters auszuführen bereit sind.

So endet die erste Abschiedsrede. Zwei weitere folgen. Jesus hat gerade in diesen Ansprachen sehr entscheidende Dinge zu sagen, die auch uns gelten, die wir in seiner Nachfolge stehen und ebenso sein Testament empfangen, nämlich durch die Nachfolger der Apostel. Wir müssen also auch heute 2000 Jahre später nicht traurig sein, dass der irdische Jesus in Menschengestalt nicht mehr mit uns zusammenlebt. Er ist zum Vater gegangen und dadurch konnte uns ja die Fülle des Geistes überhaupt geschenkt werden. Dass er in eucharistischer Realpräsenz mitten unter uns lebt und wir ihn sogar in uns aufnehmen können, verdanken wir ebenso seinem Heimgang zum Vater. Von der Ewigkeit her kann er uns erst so richtig nahe sein.

Ihre Magstrauss

Montag der 5. Osterwoche

Apg 14,5-18; Ps 115,1-2.3-4.15-16; Joh 14,21-26

Apg 14
5 Als die Apostel merkten, dass die Heiden und die Juden zusammen mit ihren Führern entschlossen waren, sie zu misshandeln und zu steinigen,

6 flohen sie in die Städte von Lykaonien, Lystra und Derbe und in deren Umgebung.
7 Auch dort verkündeten sie das Evangelium.
8 In Lystra saß ein Mann, der keine Kraft in den Füßen hatte, von Geburt an lahm, der noch nie hatte gehen können.
9 Er hörte, wie Paulus redete. Dieser blickte ihm fest ins Auge; und da er sah, dass der Mann den Glauben hatte, geheilt zu werden,
10 sprach er mit lauter Stimme: Steh auf! Stell dich aufrecht auf deine Füße! Da sprang der Mann auf und ging umher.
11 Als die Menge sah, was Paulus getan hatte, fing sie an zu schreien und rief auf Lykaonisch: Die Götter sind in Menschengestalt zu uns herabgestiegen.
12 Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er der Wortführer war.
13 Der Priester des vor der Stadt gelegenen Tempels des Zeus brachte Stiere und Kränze an die Tore und wollte zusammen mit der Volksmenge ein Opfer darbringen.
14 Als die Apostel Barnabas und Paulus dies hörten, zerrissen sie ihre Kleider, eilten hinaus unter das Volk und riefen:
15 Männer, was tut ihr? Auch wir sind nur schwache Menschen wie ihr! Wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen Nichtsen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.
16 Er ließ in den vergangenen Zeiten alle Heidenvölker ihre Wege gehen.
17 Und doch hat er sich nicht unbezeugt gelassen: Er tat Gutes, gab euch vom Himmel her Regen und fruchtbare Zeiten; mit Nahrung und mit Freude erfüllte er euer Herz.
18 Mit diesen Worten konnten sie die Volksmenge mit Mühe davon abbringen, ihnen zu opfern.

Letzten Samstag endete die Zeit in Antiochia mit hetzenden und missgünstigen Bewohnern. Die Missionare schüttelten den Staub den Füßen und zogen nach Ikonion. Es ist auch dort ähnlich: Sie predigen bei den Juden und ernten zunächst eine große Offenheit und positive Rückmeldungen. Doch auch dort kommt es bald zu Auseinandersetzungen und so beginnt der heutige Abschnitt mit der Bemerkung, dass sie von Ikonion fliehen müssen. Sowohl Juden als auch Heiden möchten sie nämlich steinigen.
So ziehen sie ins lykaonische Gebiet. Die Menschen dort sprechen zusätzlich zu Griechisch noch ihre lykaonische Sprache. Es handelt sich bei den genannten Städten um heidnisches Gebiet. Dies ist wichtig zu wissen, um das sich im Folgenden zutragende Missverständnis zu verstehen.
Sie predigen in Lystra das Evangelium und da fällt Paulus ein gelähmter Mann auf, der ihm fest in die Augen schaute. Er merkt, dass der Mann ein offenes Herz hat für den Glauben und so befiehlt er ihm, aufzustehen. Sogleich steht er auf und kann umhergehen, obwohl er von Geburt an gelähmt war. Dies ist ein großes Wunder und die anwesenden Menschen reagieren so, wie es für Heiden zu erwarten ist: Sie denken, dass ihre Götter Zeus und Hermes in Menschengestalt vor ihnen stehen und dies erwirkt haben. Dies ist die religiöse Welt, die sie kennen und so versuchen sie es sich zu erklären. Paulus und Barnabas bekommen derweil nichts davon mit, denn sie verstehen die lykaonische Sprache nicht. Erst als sie gemäß des in der Stadt etablierten Zeuskults Opfer darbringen wollen, realisieren die Missionare das fatale Missverständnis und versuchen, die Menschen von den Opfern abzubringen.
Paulus erklärt den Bewohnern, dass sie ja gerade deshalb das Evangelium verkündet haben, damit sie von ihrer paganen Verehrung Abschied nehmen. Er betont dies durch die Bezeichnung „Nichtse“ für die Götter. Das Wort μάταιος mataios heißt „nichtig, eitel, ohne Kraft/Wirkung“. Die Götter der Heiden, z.B. Zeus und Hermes, sind in Wirklichkeit nichts. Es gibt sie nicht. Der Gott, den sie verkünden, ist dagegen der lebendige Gott. Er existiert wirklich und hat vor ihren Augen soeben seine Macht offenbart.
Paulus stellt klar, dass Barnabas und er nur schwache Menschen sind und keine Götter. Deshalb umschreibt er den lebendigen Gott auch als Schöpfer, „der den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen hat und alles, was dazugehört.“ Er ist von der Schöpfung strikt zu unterscheiden. Er ist der ganz Andere und deshalb kann auch kein Mensch göttlich sein. Dieser Schöpfergott hat allen Menschen bisher Gutes erwiesen, auch den Heiden. Er hat durch die gute Schöpfung alle Menschen mit reichen Gaben beschenkt.
So schaffen die Missionare es, die Bewohner von Lystra vor dem Götzendienst zu bewahren. So endet die heutige Episode. Für die beiden birgt die erste Missionsreise sehr viele Überraschungen und Ungewissheit. In einem Moment ernten sie reiche Zustimmung, im nächsten Moment trachten die Menschen nach ihrem Leben. Sie gehen wirklich bis an ihre Grenzen, um Jesus Christus zu den Menschen zu bringen.

Ps 115
1 Nicht uns, HERR, nicht uns, nein, deinem Namen gib Herrlichkeit, wegen deiner Huld, wegen deiner Treue!
2 Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?
3 Unser Gott, er ist im Himmel, alles, was ihm gefällt, vollbringt er.
4 Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.
15 Gesegnet seid ihr vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
16 Der Himmel ist Himmel des HERRN, die Erde aber gab er den Menschen

Der heutige Antwortpsalm ist in der Einheitsübersetzung betitelt mit dem Thema „Der Gott Israels und die Götzen der Völker“. Er passt also perfekt zum lykaonischen Missverständnis der heutigen Lesung.
Er beginnt mit einer Bitte und zugleich einer Abgrenzung: Nicht die Menschen, sondern Gott allein soll verherrlicht werden. Paulus und Barnabas sind ja als Götter behandelt worden, was Götzendienst darstellt. Es ist ein Verstoß gegen das erste Gebot, denn nur Gott allein gebührt die Anbetung. Nur ihm darf ein Opfer dargebracht werden.
„Wegen deiner Huld, wegen deiner Treue“ deutet an, dass Gott seinem Volk immer wieder die Treue bewiesen hat, die er durch die Bundesschlüsse des Alten Testaments versprochen hat. Gott ist selbst dann seinem Volk treu, wenn es ihm untreu geworden ist.
„Warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn ihr Gott?“ Solche Wendungen finden wir häufig bei den Psalmen. Sie drücken aus, dass wenn dem auserwählten Volk etwas Schlimmes widerfährt, die umliegenden Völker mit Schadenfreude und Spott reagieren im Sinne von „wo ist ihr Gott jetzt, wo er sein Volk doch aus dem Leiden herausführen soll!“ Diese Art von Verspottung muss auch Jesus erleiden, wenn er am Kreuz hängt und sowohl die Hohepriester als auch die Jerusalempilger und sogar die Mitgekreuzigten zu ihm sagen: „Wenn du der Sohn Gottes bist, hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz.“ Hier beten es die Juden, um deutlich zu machen: „Herr, hilf uns, damit die umliegenden Völker deine Macht erkennen und gläubig werden!“
Vers 3 betont Gottes Anderssein. In der Theologie wird dafür der Begriff der Transzendenz verwendet. Gott ist der rein Transzendente. Nichts in der Schöpfung ist Gott. Er ist davon ganz zu unterscheiden. Er ist im Himmel, was nicht das Himmelsgewölbe über uns meint, sondern die Dimension der Ewigkeit. Er ist außerhalb von Raum und Zeit, denn auch diese Kategorien sind von Gott geschaffen.
„Alles, was ihm gefällt, vollbringt er.“ Alles hängt von Gottes Willen ab. Er wirkt ganz nach seinem Willen, der ein Heilswille ist.
„Ihre Götzen sind nur Silber und Gold, Machwerk von Menschenhand.“ Götzen sind aus irdischem Material und auch ihre Gestalt ist geschaffen, nicht mal von Gott, sondern von Menschenhand. Sie sind gar nicht zu vergleichen mit diesem ganz anderen Gott, der über seine Schöpfung steht. Sie sind wirkungsloses Stück Edelmetall, das keine eigene Kraft besitzt, weder einen Willen noch die Macht hat, irgendetwas zu vollbringen. Um mit Paulus zu sprechen: Es sind Nichtse.
Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde – von sichtbarer und unsichtbarer Welt. Die unsichtbare Welt ist jene, in der er selbst ganz gegenwärtig ist. Die sichtbare Welt ist jene, in der wir Menschen leben.
Wir sind gesegnet von diesem Schöpfergott, der alles vermag. Segen kann kein Stück Silber oder Gold verleihen. Gott ist ein persönlicher Gott, zu dem wir eine Beziehung haben können, zu ihm, der der Herrscher des ganzen Universums ist! Wie überwältigend ist das?

Joh 14
21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
22 Judas – nicht der Iskariot – fragte ihn: Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?
23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Heute hören wir im Evangelium die Fortsetzung aus der ersten Abschiedsrede.
„Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“ Das ist ein wichtiger Grundsatz, der eigentlich das ganze christliche Leben zusammenfasst. Sie zu haben heißt, dass sie einem offenbart worden sind. Mose hat sie den Juden bereits übergeben, aber Jesus hat sie den Menschen einerseits richtig ausgelegt, andererseits mit seinem ganzen Sein erfüllt. Er ist die Personifikation der Gebote. Christus ist uns geoffenbart worden und wir haben ihn gläubig angenommen durch die Taufe. Wir haben ihn in der Taufe gleichsam angezogen und nehmen ihn in der Eucharistie immer wieder in uns auf, sodass wir immer mehr zu seinem Leib werden. Wir haben die Gebote wirklich in unser Herz aufgenommen. Und diese zu halten, und zwar vollständig und mit rechter Absicht, das ist der Erweis unserer Gottesliebe. Wenn wir einen Menschen lieben und ihm am Traualtar lebenslang die Treue versprechen, nehmen wir ihn ganz an mit allen seinen Facetten. Wir erklären uns bereits, alles für ihn zu tun, egal wie schwer es uns in den schlechten Tagen auch schwerfallen sollte. Aus Liebe sind wir bereit, über unsere Komfortzone hinauszugehen. Was wir mit dem Ehebund eingehen, ist Abbild des eigentlichen Bundes mit Gott! Wir nehmen ihn ganz an mit allen seinen Facetten, wie auch er uns ganz annimmt mit unseren Stärken und Schwächen. Bund heißt „ich gehöre ganz dir und du gehörst ganz mir“. So funktioniert Liebe. Es ist also ganz falsch zu fragen, welche Gebote wir halten sollen und welche uns nicht gefallen. Wir halten ALLE Gebote, weil wir Gott GANZ annehmen und ALLES für ihn tun, weil wir ihn LIEBEN. Es ist keine Einbahnstraße, sondern unsere Liebe ist schon Antwort auf die zuerst von ihm ausgegangene Liebe. Der Mensch, der Christus in der Taufe annimmt, wird vom Vater geliebt werden zusammen mit dem Sohn.
Judas Thaddäus fragt Jesus, warum er sich nur den Aposteln offenbaren will, denn Jesus spricht seine Apostel im Abendmahlssaal direkt an.
Jesus antwortet mit einer Umschreibung der Situation, aufgrund dessen er sich einem Menschen offenbart: Es geht darum, auf sein Wort zu hören. Dieses ist ausgestreut in alle Richtungen. Er ist schließlich von Ort zu Ort gezogen und hat überall das Reich Gottes verkündet. Das Wort hat er also allen angeboten – und somit sich selbst, denn er ist dieses Wort Gottes in fleischgewordenener Form! Dieses kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht an, wie der Johannesprolog ausdrückt. Es gibt also solche, die auf sein Wort hören, und solche, die nicht darauf hören. Wer es aber annimmt, den wird der Vater lieben und zusammen mit dem Sohn bei diesem Menschen Wohnung nehmen. Sie offenbaren sich somit auch jenem Menschen. Die Apostel haben so wie der erweiterte Jüngerkreis Jesus angenommen und so offenbart er sich ihnen auch zusammen mit dem Vater. Gott nimmt den Willen des Menschen ernst. Er offenbart sich eigentlich der ganzen Welt durch sein Wort, doch wer es nicht annimmt, für den bleibt Gott dunkel – nicht weil Gott Bedingungen stellt, sondern der Mensch selbst dafür sorgt.
Jesus sagt auch, dass das von den Aposteln gehörte Wort vom Vater stammt. Jesus sagt nichts, was nicht im Einklang mit dem Vater ist. Sie sind eins.
Er erklärt zum Ende hin auch, dass er ihnen das alles in seiner Zeit auf Erden gesagt hat. Doch durch den Heiligen Geist, der der Beistand ist, werden sie an alles erinnert werden. Das können wir als Leser und Hörer der Apostelgeschichte wirklich unterschreiben. Sie werden dann erst so richtig verstehen, was Jesus mit bestimmten Aussagen meinte. Sie werden das schon längst Vergessene als sehr entscheidende Dinge begreifen und sie voller Begeisterung auch den anderen Menschen verkünden, sodass auch diese zum Glauben an Jesus Christus kommen. Allein die Pfingstpredigt ist ein absolutes Meisterwerk von Schriftenauslegung auf Christus hin. Ein einfacher Fischer ist von einem Moment auf den anderen zum Exegeten Gottes geworden mit so einem Enthusiasmus, dass er 3000 Menschen auf einen Schlag für Christus gewinnt. Das hat der Heilige Geist in ihm bewirkt und das kann der Geist auch mit uns tun, wenn wir ihn nur lassen.
Dieser Geist geht vom Vater aus, aber auf den Namen Jesu Christi, somit auch von diesem.

Wir lernen heute so einiges über Götzendienst und Monotheismus. Allein Gott ist der Schöpfer von Himmel und Erde. Allein ihm gebührt Anbetung. Offenbart hat er sich in Jesus Christus auf der Höhe der Zeit. Diese wunderbare Offenbarung des Heils gilt es, allen Menschen zu verkünden, auf dass sie auf das Wort Gottes hören und es befolgen. Zwingen werden auch die Apostel die Menschen nicht. Wer es ablehnt und ihnen sogar nach dem Leben trachten will, vor denen schütteln sie den Staub von den Füßen als Zeichen gegen sie. Sie machen sich nichts daraus und ziehen zur nächsten Stadt. Und immer mehr Menschen nehmen das Wort an und lassen sich taufen. Gott nimmt auch in ihren Herzen Wohnung und offenbart sich ihnen. Das Christentum wächst immer weiter.

Ist uns bewusst, dass Gott in uns wohnt? Handeln wir so, dass wir uns vor ihm nicht schämen müssen, der uns ja innerlicher ist als wir uns selbst? Er hat sich uns offenbart als Gott des Heils. Er hat so etwas Unglaubliches für uns getan, um uns das ewige Leben zu schenken. Ist unser Leben eine würdige Antwort darauf?

Ihre Magstrauss

Gründonnerstag

Ex 12,1-8.11-14; Ps 116,12-13.15-16.17-18; 1 Kor 11,23-26; Joh 13,1-15

Heute beginnt das große Ostermysterium, das wir an drei Tagen feiern. Die heutige Liturgie wird offen enden, denn sie wird an Karfreitag fortgesetzt und in der Osternacht abgeschlossen. Diese drei Tage werden auch Triduum Sacrum bzw. Triduum Paschale genannt. Es sind die intensivsten drei Tage des gesamten Kirchenjahres und wir gehen mit Jesus mystisch gesehen vom Abendmahlssaal über den Garten Getsemani bis hin zum dunklen Kerker des Gefängnisses und weiter bis zum Golgota. Wir sind Zeugen seiner Kreuzigung und treten in eine Grabesruhe ein bis zum triumphalen Halleluja der Osternachtsliturgie.

Ex 12
1 Der HERR sprach zu Mose und Aaron im Land Ägypten:

2 Dieser Monat soll die Reihe eurer Monate eröffnen, er soll euch als der Erste unter den Monaten des Jahres gelten.
3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus.
4 Ist die Hausgemeinschaft für ein Lamm zu klein, so nehme er es zusammen mit dem Nachbarn, der seinem Haus am nächsten wohnt, nach der Anzahl der Personen. Bei der Aufteilung des Lammes müsst ihr berücksichtigen, wie viel der Einzelne essen kann.
5 Nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm darf es sein, das Junge eines Schafes oder einer Ziege müsst ihr nehmen.
6 Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. In der Abenddämmerung soll die ganze versammelte Gemeinde Israel es schlachten.
7 Man nehme etwas von dem Blut und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz an den Häusern, in denen man es essen will.
8 Noch in der gleichen Nacht soll man das Fleisch essen. Über dem Feuer gebraten und zusammen mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern soll man es essen.
11 So aber sollt ihr es essen: eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach für den HERRN.
12 In dieser Nacht gehe ich durch das Land Ägypten und erschlage im Land Ägypten jede Erstgeburt bei Mensch und Vieh. Über alle Götter Ägyptens halte ich Gericht, ich, der HERR.
13 Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt, soll für euch ein Zeichen sein. Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen, wenn ich das Land Ägypten schlage.
14 Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!

Die Wahl ausgerechnet dieser ersten Lesung markiert schon alles, was wir über das letzte Abendmahl wissen müssen, das wir an Gründonnerstag in besonderer Weise feiern: Jesus setzt mit diesem Mahl die Eucharistie ein, die ein Opfer ist! Und dieses Opfer ist der Antitypos des Paschalamms, von dem wir nun hören:
Gott schreibt Mose und Aaron vor, dass der aktuelle Monat von nun an den Beginn des Jahres markieren soll. Es handelt sich um den Monat Nisan, der umgerechnet den Monaten März/April entspricht. Dies hat auch die Katholische Kirche in gewisser Weise beeinflusst, denn in der Osternacht wird die Osterkerze des seit dem ersten Advent laufenden Kirchenjahres geweiht und von da an verwendet. Ein gewisser Neuanfang wird somit auch in der Kirche vorgenommen. Es hat mit der Befreiung aus der Sklaverei zu tun, an die das Paschafest der Juden und in ihrer typologischen Erfüllung das Osterfest mit der Auferstehung Jesu Christi erinnert (er erlöst uns von der Sklaverei der Sünde und der Knechtschaft des Todes!). Mit dieser Rettung ist ein neues Leben ermöglicht worden, weshalb der Neubeginn gefeiert wird.
Dann schreibt Gott vor, wie das Paschafest zu feiern ist, ein von Gott selbst nun gestiftetes Fest:
Am Zehnten des Nisan soll das Fest gefeiert werden, dessen Zentrum das Paschalamm ist, das pro Haushalt zubereitet werden soll. Dabei darf es „nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm“ sein, „das Junge eines Schafes oder einer Ziege“.
Ein solches Opfer ist gottgefällig und dessen Blut an den Türpfosten der Häuser bewirkt, dass die Bewohner vor dem Tod verschont werden. Wir schauen vom Pessachlamm weiter auf den, dessen Opfer endgültig für alle Generationen den ewigen Tod abwenden wird – Jesus Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt (Joh 1,29 – die Worte des Täufers beim Anblick Jesu, die Worte des Priesters in der Messe beim Anblick des sakramentalen Leibes Christi). Jesus ist makellos, er ist ohne Sünde. Er ist männlich, was wichtig ist. Es ist kein Zufall, dass Gott als Mensch Mann geworden ist. Nur so hat sich dieser Kreis der Opfer geschlossen.
Dadurch, dass pro Haushalt ein Lamm zubereitet und im Kontext eines Mahls gegessen werden soll, handelt es sich um ein Familienfest.
Es ist wichtig, dass vom Lamm nichts mehr übrig bleibt, sodass die Portionen gut bedacht sein sollen. Das liegt daran, dass es ein Abschiedsmahl darstellt, bevor sich die Israeliten auf den Weg machen. Sie können also keine Reste hinterlassen.
Zum Paschalamm sollen ungesäuerte Brote und Bitterkräuter verzehrt werden. Diese Zutaten werden uns auch im Abendmahlssaal Jesu begegnen, wenn er das Brotstück in die Bitterkräuter taucht und Judas Iskariot reicht. Das Lamm wird fehlen, weil Jesus selbst das Opferlamm ist.
Hier soll das Lamm über dem Feuer gebraten werden. Schauen wir auf Jesus als Opferlamm, dann erahnen wir schon seine gesamte Passion, die er bis zu seinem Tod erleiden muss. Er wird förmlich durchs Feuer gehen, was die Reinigung aller Menschen von der Sünde bewirken wird. Nicht umsonst wird das Feuer auch später zum Symbol der Reinigung und ist es auch schon in der Hl. Schrift, wenn Gold im Feuer geprüft wird (Spr 17,3; Sach 13,9).
Entscheidend zur Abwendung des Übels ist das Blut des Lammes. Die Bestreichung des Hauseingangs mit diesem Blut wendet den Tod des Erstgeborenen jedes Haushalts ab. Beziehen wir es schon auf Jesus Christus, dann wendet auch das Vergießen seines Blutes unseren Tod ab, nämlich den seelischen Tod. Johannes berichtet davon, dass beim Lanzenstich mitten ins Herz Jesu Blut und Wasser herausfließen. Hier erkennen wir, dass dieses herausfließende Blut auf uns herabkommt, um den Eingang unserer Seele zu tränken und unsere Seele zu besiegeln, die so vor dem ewigen Tod gerettet wird. Sein kostbares Blut schützt auch uns, die wir unter dem Kreuz stehen, die wir in jeder Hl. Messe das Kreuzesgeschehen und den Golgota in die Gegenwart holen.
Es ist kein Zufall, dass das Paschalamm kein Brandopfer ist, sondern wirklich gegessen werden muss. So wird die Grundlage geschaffen für die Eucharistie, bei der ebenfalls das Lamm Gottes über den Essvorgang empfangen wird. Es ist auch bemerkenswert, wie es gegessen werden muss: „eure Hüften gegürtet, Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand. Esst es hastig! Es ist ein Pessach für den HERRN.“ Auch für Jesus und seine Apostel im Abendmahlssaal ist es ein Essen, das vor dem Aufbruch gegessen wird. Jesus wird mit drei seiner Jünger in den zweiten Garten der Versuchung aufbrechen (der erste ist der Garten Eden!). Von dort aus wird Jesus aufbrechen in den schmerzhaften Prozess des Leidens und Sterbens. Und auch wir empfinden dieses Aufbrechen in jeder Eucharistie mystagogisch nach, wenn wir nämlich ziemlich bald nach dem Empfang der Kommunion die Liturgie abschließen und in die Welt zurück gehen. Schließlich ist die Kirche das pilgernde Gottesvolk auf dem Weg in die Ewigkeit. So ist die Eucharistie als Mahl des Opferlammes Christus die Wegzehrung auf dem Weg ins Himmelreich.
Das Gürten ist nicht nur Zeichen für den Aufbruch und die Reise. Es bedeutet auch das Rüsten für den Krieg. Die Eucharistie wird so auch zur Stärkung im Kampf gegen den Bösen. Seine Versuchungen kommen schon nach dem letzten Abendmahl Jesu und seiner Apostel nicht umsonst direkt danach im Garten Getsemani. Die gesamte Passion ist für Jesus ein Kampf gegen den Bösen, den er nach drei Tagen im Grab endgültig gewinnen wird. Deshalb ist es für uns absolut heilsam, ein sakramentales Leben zu führen, regelmäßig zu beichten und die Kommunion zu empfangen. So können auch wir den Kampf gegen den Bösen bestehen und bis zum Ende standhaft bleiben.
„Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.“ Und damit auch die Apostel Jesu den Bezug zum Pessachmahl erkennen, die fromme Juden sind, sagt Jesus zu ihnen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
So ist es auch mit den folgenden Worten: „Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!“ Deshalb feiern wir die Eucharistie immer wieder als Fest für den HERRN und vor allem am Tag des HERRN, am Ostertag. Die Eucharistie ist unsere ewige Satzung bis zum Ende der Zeiten. Wir feiern dort sakramental, was wir dann mit dem Abbruch der Weltgeschichte und der Durchsetzung der Herrlichkeit Gottes in seiner ewigen Anschauung unverhüllt feiern werden – die Hochzeit des Lammes, das ewige Freudenmahl.
Das hier eingeführte Pessachmahl wird im Abendmahlssaal Jesu den Bogen schließen. Es wird kein Opferlamm geben. Wir werden nur von den Broten und den Bitterkräutern lesen. Das Lamm wird erst einen Tag später geschlachtet werden und nur ein einziger Apostel des Abendmahlssaales wird dieses Schlachten miterleben – Johannes. Er wird all die Erfüllungen der alttestamentlichen Schriftworte erkennen. Er wird voller Schmerz sehen, was Jesus am Abend zuvor meinte mit den Worten: „Nehmet und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird….das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird.“ (Mt 26,28 par). Er wird sehen, dass es nicht nur symbolisch gedacht war, sondern ganz wortwörtlich. Jesus ist wirklich zum Opferlamm am Kreuzesstamm geworden und dies hängt aufs Innigste mit dem letzten Abendmahl zusammen.

Ps 116
12 Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?
13 Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.
15 Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.
16 Ach HERR, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd! Gelöst hast du meine Fesseln.
17 Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.
18 Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.

Heute beten wir einen Dankespsalm, der zum sogenannten Ägyptischen Hallel gehört (ein großes Loblied bestehend aus den Psalmen 113-118). Es wird so genannt, weil es an das erste Pessachfest in Ägypten erinnert, was wir heute ja in der Lesung gebetet haben. Sie merken, dass die Zusammenstellung der Lesungen in der Liturgie wie so oft vom jüdischen Festkalender und von der intertextuellen Beziehung verschiedener alttestamentlicher Bücher inspiriert ist. Das ägyptische Hallel ist zu den großen Wallfahrtsfesten gebetet worden, also haben die Juden zur Zeit Jesu dieses Hallel zum kommenden Pessachfest ebenfalls gebetet. Wir können uns durchaus vorstellen, dass Jesus auch im Abendmahlssaal dieses Hallel angestimmt hat, denn es war Tradition, dieses Loblied am Sederabend mit der Familie zu singen (und der Zwölferkreis war Jesu Familie). Auch für uns, die wir heute der Einsetzung des Danksagungsfestes gedenken (Eucharistia=Danksagung!), ist dieser Dankespsalm absolut passend für die Liturgie:
„Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?“ Mit dieser rhetorischen Frage bringen schon die Israeliten zum Ausdruck, dass der Exodus mit der Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten absoluter Gnadenerweis Gottes ist. Das Volk hätte es nie zustande gebracht, diese Befreiungsaktion erst einmal zu verdienen durch gute Taten und Opfer. Und auch wir können nur so beten, denn wer von uns hätte das Kreuzesopfer durch eigenes Gutsein zuerst verdienen können? Die übergroße Schuld mit den hohen Wellen ihrer todbringenden Konsequenzen hätte durch menschliche Kraft nie gesühnt werden können. Es war ein einziger Gnadenakt Gottes, seinen geliebten Sohn für uns dahinzugeben, um diese übergroße Schuld zu sühnen!
„Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Jesus musste den Becher des Leidens und Todes trinken, von dem er voller Todesangst im Garten Getsemani noch gesagt hat: „Vater, nimm diesen Kelch von mir…doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Weil er ihn bereitwillig getrunken hat, ist er für uns zum Becher des Heils geworden! Wir rufen den Namen des HERRN an, bis er wiederkommt in Herrlichkeit. So geschehen in seinem Namen bis heute Zeichen und Wunder.
„Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.“ Das soll nicht heißen, dass Gott es gefällt, wenn Menschen sterben müssen. Es heißt vielmehr, dass der Preis für den Tod sehr hoch ist, weil die Frommen ihm kostbar sind. Und der Frommste ist Jesus Christus, sein eingeborener Sohn. Sein Tod ist so teuer, dass er mit dem Preis die Sünde der ganzen Welt loskaufen konnte!
„Gelöst hast du meine Fesseln.“ Dies bezieht sich zunächst auf die Fesseln des Sklavenhauses Ägypten, deren Lösung der Psalm ja dankend gedenkt. Der Kreis schließt sich aber mit der Befreiung aus der Sklaverei der Sünde durch die Erlösung Jesu Christi, der auf diese Weise noch viel existenziellere Fesseln gelöst hat! Er hat nicht nur unsere Fesseln des ewigen Todes gelöst, sondern wird am Ende der Zeiten dem Bösen endgültig die Fesseln anlegen!
„Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Dies ist eine gelübdeartige Zusage, die liturgisch im Laufe der Wallfahrt ja umgesetzt wird. Es werden Opfer im Tempel von Jerusalem dargebracht. Wir lesen es an diesem heutigen Tag eucharistisch: Ja, wir bringen ein Opfer des Dankes dar, die Eucharistie, die Danksagung, die zwar auf den ersten Blick Mahl (ja, das darf man nicht vergessen), aber zutiefst vom Kern und Wesen her Opfer ist.
„Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.“ Diese Zusage im Kontext der Wallfahrt geschieht vor den Augen der anderen. Danksagung ist ein Opfervorgang, der nicht individuell bleibt, sondern in Versammlung. Deshalb feiern wir bis heute die Eucharistie in der Gemeinschaft der Heiligen – und damit sind nicht nur jene auf Erden gemeint, sondern auch die Heiligen, die bereits am Thron Gottes stehen, auch die Engel, die Gott dienen!

1 Kor 11
23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,

24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!
26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

In der zweiten Lesung hören wir heute die älteste Überlieferung der eucharistischen Einsetzungsworte Jesu, die uns durch das Neue Testament überliefert worden sind.
Paulus sagt selbst, dass er diese Worte empfangen hat.
„Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot“ – diese Formulierung wird auch in das Eucharistische Hochgebet aufgenommen“ – mit jüdischen Augen lesen wir hier das ungesäuerte Brot im Abendmahlssaal.
„sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Das Dankgebet ist wichtiger Bestandteil schon bei den Juden. Das Gedächtniswort habe ich bereits bei der Exoduslesung als Bogen zwischen erstem Pessachmahl in Ägypten bis zum Abendmahlssaal Jesu herausgestellt, da es in Ex 12,14 heißt „Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.“ Er nimmt Brot und nicht ein geschlachtetes Lamm, weil er selbst dieses Lamm sein wird am nächsten Tag. Er nimmt Brot, weil sich noch eine weitere Typologie erfüllen soll – er ist der Antitypos des Manna in der Wüste, das die Väter gegessen haben, nun aber zum ewigen Leben führen wird. Er ist das Himmelsbrot, von dem er zu Anfang des Johannesevangeliums gesprochen hat. Dies soll sich nun hier im letzten Abendmahl erfüllen. Er ist das tägliche Brot des Vaterunsers, er ist das Grundnahrungsmittel unserer Seele.
„Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ Auch hier ist der Bezug zu Ex 12,14 gegeben. Jesus hat mit diesen Worten selbst gekennzeichnet, dass es kein normales Sedermahl zum Auftakt des Pessachfestes (vorweggenommen, weil an den essenischen Termin angepasst) mehr ist, sondern ein Bundesmahl! Hier setzt der neue Bund an, der einen Tag später am Kreuz besiegelt wird, aber nur einer der Apostel wird dabei sein. Das ist der eigentlichste Bund aller Zeiten, denn Bundesschluss heißt „du gehörst mir und ich gehöre dir“. Während die Bundesschlüsse des Alten Testaments lediglich mit einem Tieropfer besiegelt werden, opfert sich Gott selbst. Mit dieser Auslieferung drückt er am eigentlichsten aus, dass er ganz uns gehört. Darum kommen die Märtyrer sofort zu ihm, denn sie haben es ihm am eigentlichsten gleichgetan, indem sie ebenfalls ihr Blut vergossen haben mit der Absicht: Und ich gehöre ganz dir.
Auch ohne dieses Blutvergießen antworten wir bei der Taufe mit diesen Worten des vollkommenen Gottergebenseins. Wir richten unser ganzes Leben nach ihm aus und er ist die Nummer eins in unserem Leben. Wenn wir Eucharistie feiern, dann bekräftigen wir diese Antwort immer wieder, die wir bei jeder Wandlung zugleich im Abendmahlssaal und auf dem Kalvarienberg unter dem Kreuz sind.
„Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ Dies beten wir direkt im Anschluss an die Wandlungsworte, wenn der Priester anstimmt: „Geheimnis des Glaubens“. Die Sakramente sind Antizipation der Ewigkeit. Sie dauern an bis zur Wiederkunft Christi. Dann brauchen wir keine Sakramente mehr, weil die Herrlichkeit Gottes nicht mehr verborgen ist. Dann ist Gott selbst in unserer Mitte und wir dürfen ihn schauen von Angesicht zu Angesicht!

Joh 13
1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.
2 Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.
3 Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
4 stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
7 Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
11 Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Nun hören wir von diesem schon vielbesprochenen Abend aus dem Johannesevangelium. Überraschenderweise berichtet Johannes nicht vom Mahl selbst, sondern davon, was währenddessen geschehen ist – die Fußwaschung! Aus dem Grund wird in der Kirche an diesem Abend die Fußwaschung an Gläubigen durch den Geistlichen vorgenommen. Betrachten wir die Fußwaschung als prophetischen Zeichenakt, wird uns deutlich, dass es absolut kein Zufall ist, dass sie während des letzten Abendmahls geschieht!
Johannes sagt ganz allgemein „ein Mahl fand statt“.
Die Einleitung zu diesem Ausschnitt wird in eines der Eucharistischen Hochgebete aufgenommen: „Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung.“ Es bringt auf den Punkt, weshalb Jesus alles getan hat, was von da an passiert ist. Weil er uns alle liebt, die in der Welt sind, die es damals waren und die es in Zukunft sein werden. Jesus hat alles ganz im Vertrauen zum Vater getan und auch im Gehorsam zum Vater, der ihm alles in seine Hände gegeben hat.
Es ist ein wichtiger Hinweis, dass zuerst Jesu absolutes Bewusstsein des Gekommenseins und des Gehens zum Vater genannt wird, bevor Jesus die Fußwaschung vornimmt. Er weiß, wer er vor seinem Vater ist und was seine Berufung ist. Er kennt seine Vollmacht und seinen Wert. Das ist die Bedeutung von Demut: Ich weiß, wer ich vor Gott bin. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Ich weiß, wozu ich da bin. Und von dieser demütigen Ausgangshaltung tut Jesus nun einen Sklavendienst, die Fußwaschung. Es handelt sich um eine Praxis, die unumgänglich war in einer Zeit, als die Straßen voller Staub sind und trotz eines Bades die Füße immer wieder dreckig wurden. Wenn man ein Haus betrat, haben die Sklaven des Hauses die Füße dann vom Schmutz der Straße gereinigt.
Jesus wird freiwillig zum Sklaven, nicht weil er sich so wertlos fühlt, sondern eben weil er sich die Freiheit der Entäußerung ganz nimmt! Er weiß um seinen Wert und kann deshalb frei bestimmen, sich zu demütigen. Das ist wichtig. So sollen auch wir einander dienen – nicht als Bespuckte, die das Aschenputtelsyndrom haben („ich bin nichts wert, keiner mag mich, ich armes Würstchen!“), sondern als freie Gottgeliebte, die der Ohnmacht der Liebe und der Entäußerung Jesu nacheifern.
Wir sind als Getaufte Königskinder! Wir sind mit dem kostbarsten Öl Chrisam gesalbt worden! Aber wir dienen und gehen vor dem Anderen freiwillig in die Knie. Wir müssen den Menschen nicht zwanghaft beweisen, dass wir so besonders sind, sondern in der Entäußerung kommt unsere königliche Seele zur Geltung.
Jesus tut einen Sklavendienst und wird am Ende von einem seiner engsten Freunde für den damals aktuellen Sklavenpreis ausgeliefert – für dreißig Silberstücke.
Es ist noch eine weitere Sache anzusprechen, die mit dem Waschen ausgerechnet der Füße zu tun hat. Dass damit pars pro toto gemeint ist, werden wir gleich bei der Reaktion Petri noch thematisieren, hier geht es um ein anderes Zeichen: Wir wissen aus der Schrift, dass das Abschütteln des Staubs von den Füßen ein Zeichen gegen jemanden ist, nämlich als Gerichtsankündigung. Wenn Jesus nun die Füße seiner Apostel wäscht, die gerade das Mahl des Bundes mit ihm gehalten haben, dann erfüllt sich, was Jesus in seiner Himmelsbrotrede in Joh 6,53-54 gesagt hat: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ Jesus wäscht nach dem Mahl den Aposteln den Staub von den Füßen, das Zeichen des Todes, das Zeichen des ersten Menschen, der aus dem Staub der Erde geschaffen worden ist. Jesus wäscht das Gericht von ihren Füßen, sie werden am Jüngsten Tag nicht verbannt, sondern werden leben! Sie werden den ewigen Tod nicht sterben. So werden sie vom Tod verschont wie die Israeliten in Ägypten.
Als Jesus zu Petrus kommt, um an ihm dieses Zeichen zu tun, weigert er sich. Er sieht nur die Oberfläche und erkennt das Prophetische daran nicht. Jesus erklärt ihm, dass er durch diese Waschung Anteil an Jesus hat. Das Gericht wird an ihm vorübergehen und so wird er auf ewig Teil des Reiches Gottes sein. Dieses Waschen der Füße kann dabei zeichenhaft die Taufe andeuten, die die Einsetzung jedes Christen als Erben im Reich Gottes kennzeichnet, als auch die Beichte, die die Wiederherstellung der Taufgnade erwirkt, wenn man sich auf der Straße bewegt und wieder Staub auf die Füße gelangt. Und gerade die Beichte ist ein Akt der Demütigung, weil wir unsere eigene Erlösungsbedürftigkeit vor Gott bekennen und ihn um Vergebung bitten. Petrus hat dies durch seine Reaktion verdeutlicht. Es passt ihm nicht, dass Jesus vor ihm in die Knie geht. Das auszuhalten, wäre aber ein Akt der Demütigung gewesen. Petrus lernt schnell dazu und so bittet er Jesus, ihn dann auch ganz zu waschen. Jesus erklärt jedoch, dass er schon rein ist, nur die Füße gewaschen werden müssen – die Aposteln sind vor Gott gerecht bis auf Judas Iskariot, der Jesus ausliefern wird, dies schon längst beabsichtigt und deshalb schon voller Sünde ist.
Jesus sagt im Anschluss zu ihnen: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Zuvor haben die Jünger darüber gestritten, wer von ihnen der Größte sei. Jesus hat es ihnen damals schon erklärt, dass das Herrschen in seiner Kirche das Bedienen aller bedeutet. Und heute im Abendmahlssaal zeigt er es ihnen ganz konkret auf durch den klassischen Sklavendienst. Weil Jesus Meister und Herr ist, geht er in die Knie. Und so sollen auch die Aposteln, die eine hohe Stellung in der Kirche haben werden als Augenzeugen und engste Vertraute Jesu vor ihren Gemeindemitgliedern in die Knie gehen. Es geht um das Dienen. Jesus hat ihnen ein Beispiel gegeben und er soll es auch bis heute für uns bleiben. Auch wir sollen stets einander dienen und nicht übereinander herrschen. Es soll nicht um Machtstreitereien gehen, bei denen am Ende jemand über den anderen triumphiert – insbesondere bei kirchenpolitischen Machtkämpfen unserer heutigen Zeit. Es soll darum gehen, sich im gegenseitigen Dienen zu übertreffen, nicht aus Kampfgeist, sondern aus dem Hl. Geist heraus, der die Liebesglut Gottes ist!
Heute wäscht Jesus uns rein vom Staub des alten Menschen. Der Preis, den er dafür aber zahlen muss, ist das dreimalige Fallen in den Staub der Straße mit dem Kreuz auf den Schultern. Dessen werden wir morgen beim Kreuzweg dankbar gedenken. Es ist das Hinabsinken in den Staub des Todes, wie es Psalm 22 ausdrückt, den Jesus am Kreuz beten wird. Er geht in den Tod, damit wir das Leben haben und an uns kein Staubkorn mehr übrig bleibt.
Er wäscht uns, er nährt uns, er tränkt uns. Das ist der Gott des Lebens, der uns liebt. Lassen wir uns von dieser Liebe überschütten und berühren, sodass wir dann voller Dankbarkeit seine Liebe erwidern können mit unserem ganzen Leben.

Die vielen Ansätze heute werden morgen ihre Vollendung finden. Wachen wir heute Nacht mit dem von Todesangst geplagten Jesus. Verstecken wir uns nicht wie die Apostel, sondern gehen den schwierigen Kreuzweg zusammen mit Jesus. Begleiten wir ihn bis unter das Kreuz. Stehen wir mit Johannes und mit Maria dort bei ihm und leisten wir dem sterbenden Jesus am Kreuz unseren Beistand. Nehmen wir alles in unser Herz auf wie seine Mutter, damit wir nie vergessen, was er für uns getan hat.

Ihre Magstrauss

Verkündigung des Herrn

Jes 7,10-14; Ps 40,7-8.9-10.11; Hebr 10,4-10; Lk 1,26-38

Jes 7
10 Der HERR sprach weiter zu Ahas und sagte:
11 Erbitte dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, tief zur Unterwelt oder hoch nach oben hin!
12 Ahas antwortete: Ich werde um nichts bitten und den HERRN nicht versuchen.
13 Da sagte er: Hört doch, Haus Davids! Genügt es euch nicht, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott ermüdet?
14 Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.

Heute ist das Hochfest „Verkündigung des Herrn“. Es ist neun Monate vor der Geburt Jesu Christi, denn heute empfängt Maria nach ihrem Jawort den Messias in ihrem Leib, der vom Hl. Geist gezeugt wird. Es ist ein großes Fest und wir danken heute Maria so sehr, dass sie zugestimmt hat. So konnte der Messias in die Welt kommen und uns alle erlösen! Danke, unsere Mutter Maria!
In der ersten Lesung hören wir von König Ahas und Jesaja, der dem ängstlichen und an Gottvertrauen mangelndem König eine große Verheißung macht.
Lesen wir diese Verheißung zunächst einmal historisch und betrachten auch den Kontext dieses Ausschnitts. König Ahas von Juda sieht sich von seinen Feinden bedroht, die gegen ihn Krieg führen wollen. Jesaja übermittelt ihm die Zusage Gottes, dass er sich nicht fürchten muss. Die geplante Bekämpfung Judas und Ersetzung des Königs durch den Sohn Tabeals wird nicht zustande kommen, so lässt Gott Aram sagen. In der sukzessiven Eroberung des Nordreichs und der wachsenden Bedrohung Judas wendet Gott die Gefahr ab, doch Ahas lässt es kalt. Er glaubt Gott nicht und ist immer noch ängstlich. Gott fordert ihn dann auf, um ein Zeichen zu bitten. Gott ist bereit, dem König von Juda seine Pläne zu offenbaren. Dieser lehnt das Angebot zunächst ab, was Gott dennoch nicht davon abhält, ihm durch Jesaja die Botschaft zu vermitteln. Und nun kommt dieser Vers, den wir absolut messianisch weiterdenken und auf Jesu Menschwerdung beziehen: Die Jungfrau wird ein Kind empfangen, in der neuen Einheitsübersetzung „hat empfangen“ und wird ihm den Namen Immanuel geben. Dieses Kind wird es verstehen, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen. So heißt es im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören. Historisch gesehen könnten die Juden im Nachhinein die Ankündigung König Hiskijas, den Sohn des Ahas, erkannt haben. Er war ein frommer König, der es wirklich verstand, das Richtige zu tun im Gegensatz zu seinem Vater. Und doch können wir bei dieser Leserichtung nicht stehen bleiben. Schon allein die Prophezeiung einer Jungfrau lässt weiterdenken: Hier steht im Hebräischen das Wort הָעַלְמָ֗ה  ha’alma „die Jungfrau“, was ein junges Mädchen im heiratsfähigen Alter meint. Natürlich ist eine alma biologisch gesehen dann auch eine Jungfrau! Dies wird im griechischen AT deshalb mit ἡ παρθένος übersetzt, was ganz eindeutig „Jungfrau“ heißt. Hier wird ein übernatürlicher Zeugungsvorgang angekündigt, von dem wir bei Hiskija noch nicht lesen. Hier handelt es sich um einen Typos, der in Jesus Christus einen Antitypos erhält! So wie durch die Geburt Hiskijas die davidische Dynastie am Leben erhalten wurde, wird durch Jesus, dem Sohn Davids, die Genealogie der neuen Schöpfung eingeleitet, der wir durch die Taufe angehören! Und das Zeichen der Menschwerdung Christi wird zum größten Zeichen Gottes aller Zeiten. Er wird wahrlich der Immanuel sein, Gott, der mit uns ist. Dies hat er bereits im Dornbusch durch den Namen Jahwe verheißen und nun mit dem Messias noch einmal bestätigt. Jesus wird auch am Ende seines Wirkens vor der Himmelfahrt noch einmal bekräftigen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ So ist Gott. Dies ist nicht nur eine heilsgeschichtliche Entwicklung für die ganze Menschheit, sondern auch für das alltägliche Leben jedes Einzelnen. Gott ist mit uns, auch da, wo wir von allen Seiten bedrängt werden wie Juda in der heutigen Lesung. Er gibt uns viele Zeichen, die wir im Rausch des Alltags manchmal gar nicht wahrnehmen. Je mehr wir aber aus seinem Geist heraus leben, erkennen wir Gottes Handschrift in allem, was uns widerfährt. Seien wir dankbar und vertrauen wir auf seine wunderbare Vorsehung. Seien wir nicht wie König Ahas und bleiben skeptisch, obwohl Gottes Verheißung so offensichtlich vor uns ist.

Ps 40
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert.
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern.
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.
11 Deine Gerechtigkeit habe ich nicht in meinem Herzen verborgen. Ich habe gesprochen von deinem Heil und deiner Treue, nicht verschwiegen deine Huld und deine Treue vor großer Versammlung.

Im heutigen Psalm drückt König David seine Dankbarkeit über die Gebetserhörung Gottes aus. Der HERR „neigte sich zu“ und „hörte das Schreien“. So eine Formulierung lesen wir auch bei dem unterdrückten Volk Israel in Ägypten. Gott selbst spricht zu Mose im Dornbusch: „Ich habe das Schreien meines Volkes gehört.“ (Ex 3,7).
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Uns geht dies vor allem auf, wenn wir an das heutige Hochfest und den Gehorsam Mariens denken. Sie ist eine fromme Jüdin und begeht die ganzen Wallfahrten und Opfer. Und doch ist nicht dies entscheidend für den Herrn, sondern ihr Ja, als der Erzengel Gabriel ihr die wunderbare Botschaft überbringt, als geweihte Jungfrau die Mutter des Messias zu werden.
Gott hat uns „Ohren gegraben“ (Vers 7), damit wir nämlich seinen Willen hören und ge-hor-sam sein können. Es geht vor allem um die Ohren unseres Glaubens. Jesus wird immer wieder sagen: „Wer Ohren hat, der höre“. Er meint damit weniger die organischen Ohren, sondern vielmehr die Fähigkeit, gehorsam zu sein. So steht es auch bei den sieben Sendschreiben in der Johannesoffenbarung. Wenn Jesus diese Wendung immer wieder aufgreift, werden die frommen Juden eine Anspielung auf diesen Psalm erkannt haben. Diese Ohren haben zum Hören hat Maria vollkommen gelebt. Sie hat auf den Willen Gottes gehört, nicht nur hingehört, sondern auch auf ihn gehört.
„Siehe ich komme“ und „in der Buchrolle steht es über mich geschrieben“ klingt ebenfalls wie die Johannesoffenbarung. Dort sagt der Menschensohn in Offb 22,17 „siehe ich komme bald“. Und die Buchrolle ist ein Leitmotiv gerade in der himmlischen Thronsaalvision der Kapitel 4-5. So kann es sich auf den Messias beziehen, besonders heute an diesem sehr adventlichen Fest. Denn von jetzt an erwarten wir auf besondere Weise den Messias und tatsächlich haben wir durch Jesaja ein Beispiel dafür erhalten, dass in der Schrift von Jesus geschrieben ist. Er ist es, von dem in der Buchrolle geschrieben ist, nämlich in der gesamten Torah wird er schon bezeugt. Deshalb kann er bei seiner „Antrittspredigt“ in Nazaret über die Jesajarolle sagen: „Das Schriftwort, das ihr gerade gehört habt, hat sich heute erfüllt.“ Und Jesus ist es auch, der „in großer Versammlung verkündet.“ Er lehrt in den Synagogen das Reich Gottes und wie der Vater ist. König David hat auch öffentlich gesprochen, auch er ist angekündigt worden als ersehnter König für das gesamte Volk Israel.
Aber nicht nur Christus wird bei Jesaja angekündigt, sondern auch die Jungfrau. Und so können wir diese Aussage auch auf die Muttergottes beziehen!
Auch wir sollen unseren Mund auftun und den HERRN vor allen bekennen. Auch wir sollen das Wort Gottes in unserem Herzen tragen („in meinem Innern“). Dann werden auch wir Gottes Willen stets erkennen und möchten ihn auch immer erfüllen. Dann haben wir „gegrabene Ohren“, sodass wir im Stand der Gnade bleiben können. Das Wort Gottes haben wir nicht nur in geschriebener Form im Herzen, sondern wir haben das Privileg, das fleischgewordene Wort zu empfangen. Wenn wir die Kommunion empfangen, kommt Jesus in unser Herz. Er bleibt dort, wenn wir es ihm erlauben, wenn wir Gottes Willen tun und nicht den Bösen in unser Herz lassen. Die Kirche hat das Wort Gottes in ihrem Innern, nämlich die Eucharistie. Sie ist ihr Herzschlag, die sie am Leben erhält. Jesus ist das größte und endgültige Opfer, sodass wir jetzt keine Brand- und Schlachtopfer mehr bringen müssen wie das Alte Israel. Jesu Opfer wird in jeder Messe vergegenwärtigt, er stirbt nicht immer wieder, sondern sein einmaliger Tod wird in die jeweilige Gegenwart geholt. Von diesem Heilsereignis her sollen wir ein entsprechendes Leben führen und Gottes Willen erfüllen. Wir sollen von seiner Gerechtigkeit auch vor anderen bezeugen. Was David hier betet, sind die drei kirchlichen Grundvollzüge: Wir feiern Gottes Herrlichkeit, was Leiturgia genannt wird („ein neues Lied“, „einen Lobgesang“). Dies hat Jesus schon getan, wenn er gebetet hat, wenn er vor allem die Eucharistie eingesetzt hat am Abend vor seinem Tod und in seiner Kreuzigung. Wir setzen Gottes Willen um in der tätigen Liebe, was Diakonia heißt („deinen Willen zu tun war mein Gefallen“). Jesus hat immer wieder Menschen seelisch, psychisch und körperlich geheilt. Er hat sie in die Gemeinschaft zurückgeführt und dabei den heiligen Sabbat übergangen. So sehr hatte er Mitleid mit den Menschen. Schließlich verkünden wir als Kirche die Weisung Gottes, was Martyria genannt wird („in großer Versammlung verkündet“). Diese große Versammlung ist in erster Linie die Eucharistiefeier, zu der die Gläubigen sich am Sonntag versammeln. Deshalb gibt es gerade dann eine Predigt. Genau dies hat Jesus in den Synagogen getan und überall, wo er das Reich Gottes verkündet hat. Die Kirche tut, was Jesus getan hat, was er von Davids Psalm erfüllt hat. Die Kirche folgt Jesus in den drei Grundvollzügen nach! Und jetzt kommt der springende Punkt: All das hat Maria schon getan! Sie ist deshalb der Archetyp, das heißt das Urbild der Kirche: Sie hat die Leiturgia gelebt durch ihr intensives Gebetsleben, das bis in ihr Herz hineingeht (denn sie bewahrt alles im Herzen und denkt darüber nach). Sie betet das Magnificat, das eine Kompilation verschiedenster Schritstellen des Alten Testaments ist. Maria vollzieht die tätige Liebe, die Diakonia, weil sie sich um ihre schwangere Verwandte Elisabet kümmert. Sie verkündet auch das Wort Gottes, am Anfang sogar ganz ohne Worte, sondern einfach durch ihr Tragen des fleischgewordenen Wortes in die Welt hinaus! Sie verkündet als lebendiger Tabernakel, was man in Worte gar nicht fassen kann. Und ein ungeborenes Kind, nämlich der kleine Johannes der Täufer, empfängt als erstes diese Botschaft. Er reagiert mit Freude über diese Verkündigung und hüpft im Leib seiner Mutter Elisabet. Maria ist wahrlich das Urbild der Kirche und uns ein großes Vorbild! Insgesamt können wir wirklich sagen: Davids Psalm zeugt mal wieder durch und durch vom Hl. Geist. Danken wir Gott für dieses Gebet!

Hebr 10
4 denn das Blut von Stieren und Böcken kann unmöglich Sünden wegnehmen.
5 Darum spricht er bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir bereitet;
6 an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
7 Da sagte ich: Siehe, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle – , um deinen Willen, Gott, zu tun.
8 Zunächst sagt er: Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer forderst du nicht, du hast daran kein Gefallen, obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden;
9 dann aber hat er gesagt: Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun. Er hebt das Erste auf, um das Zweite in Kraft zu setzen.
10 Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt – ein für alle Mal.

In der zweiten Lesung hören wir erneut davon, dass nicht das Blut von Opfertieren die Sühnung unserer Sünden erwirkt hat. Für die Juden war es das Maximum an Sühne, die sie erlangen konnten. Das war auch eine lange Zeit die einzige Möglichkeit. Doch dann hat Gott in die Menschheitsgeschichte eingegriffen, indem er seinen einzigen Sohn hingegeben hat. Der Hebräerbrief greift die Worte des Psalms auf, über die wir bereits intensiv nachgedacht haben: „Siehe, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle – , um deinen Willen, Gott, zu tun.“
Das ist das Entscheidende: den Willen Gottes zu tun.
In diesem Brief wird reflektiert, dass das erste (nämlich die ganze Opfertätigkeit Israels) aufgehoben wird für das zweite (nämlich das Kommen des Messias). Der Messias ist gehorsam gewesen und hat bis zum Schluss den Willen des Vaters umgesetzt. Weil er gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, „sind wir (…) geheiligt – ein für alle Mal.“ DAS hat unsere Sühne erwirkt, nicht die Opfer Israels. Dies wird im Hebräerbrief deshalb so reflektiert, weil es auch nach dem Erlösungswirken Jesu Christi, nach der Gründung der Kirche und während des missionarischen Wirkens der ersten Christen Bestrebungen gab, die Opfertätigkeit, die Torah, alles Jüdische weiterzuführen wie bisher. Die ersten Christen sind ja auch noch in den Tempel zum Beten gegangen, haben den Sabbat gehalten und zugleich am ersten Tag der Woche „das Brot gebrochen“. Was der Hebräerbrief aber ausdrücken möchte, ist: Wir können nicht mehr so tun, als ob wir heilsgeschichtlich dort stehen, wo die Juden vor dem Kommen des Messias standen. Das bedeutet die Leugnung des Erlösungswirkens Jesu Christi. Wir Christen sind nun Erlöste und Nachösterliche. Wir können nicht mehr so tun, als ob Brand- und Schlachtopfer heilsnotwendig sind und unsere Sünden hinwegnehmen können. Dann würden wir Gott nicht zutrauen, dass er dies durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi bereits ein für alle Mal erwirkt habe.
All das konnte erst durch Marias Jawort in die Tat umgesetzt werden. Sie war zuerst gehorsam, damit ihr Sohn gehorsam sein konnte bis zum Tod am Kreuz. Herr, wir danken dir für unsere himmlische Mutter!

Lk 1
26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. 34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?
35 Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.
36 Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Im Evangelium hören wir nun von diesem wunderbaren Ereignis, von dieser Weichenstellung der Heilsgeschichte:
Der Engel des Herrn, der Bote Gabriel, kommt zu einer geweihten Jungfrau nach Nazaret. Ihre Eltern haben ihre Tochter aus Dank für die Gebetserhörung Gottes nach langer Kinderlosigkeit dem Tempel geweiht. Sie ist dort aufgewachsen, erhielt eine intensive Ausbildung in der Hl. Schrift und arbeitete an dem Tempelvorhang bis zu ihrem zwölften Lebensjahr. Aus kultischen Gründen musste sie dann ihre Aufgaben von außerhalb weiterführen. Dazu bedurfte es einen Vormund und so wurde das Mädchen einem Mann aus derselben Sippe, einem Sohn Davids namens Josef versprochen. Er wird gemäß Num 30 ihrer Jungfrauenweihe zugestimmt haben, sodass sie eine enthaltsame Ehe führen würden. Womöglich war er selbst ein geweihter Mann.
Der Engel des Herrn kommt zu einer Jungfrau nach Nazaret. Für den schriftkundigen Hörer erklingt schon mit dem ersten Satz ein Signal: Von Jesaja haben hören wir von einem nezer, einer Wurzel, die nun im Namen des Ortes Nazaret wieder auftaucht. Eine Jungfrau – wir dürfen dieses Wort wörtlich nehmen. Das griechische Wort παρθένος, ist mit „Jungfrau“, also auch dem biologischen Zustand der Unberührtheit, zu übersetzen. Es ist schon in der Verheißung aus Jesaja zu lesen („die Jungfrau hat ein Kind empfangen“). Das griechische AT, die Septuaginta verwendet an dieser Stelle bei Jesaja dasselbe Wort παρθένος. Im Hebräischen steht הָעַלְמָ֗ה ha-almah „die Jungfrau“. Interessant auch, dass eine bestimmte Jungfrau gemeint ist. Das zeigt der bestimmte Artikel. Das Wort wird von heutigen Exegeten gerne bagatellisiert und in der Einheitsübersetzung steht bei Jes 7 deshalb auch eine Fußnote, in der behauptet wird, man müsse das hebräische Wort mit „junge Frau“ übersetzen. Ich kritisiere die Fußnote, weil sie irreführend ist. Sie wird nämlich gerne zum Anlass genommen, die biologische Jungfräulichkeit abzulehnen. Eine junges Mädchen im heiratsfähigen Alter (was mit almah gemeint ist), schließt den jungfräulichen Zustand selbstverständlich ein. Alles Andere wäre undenkbar (für heutige Zustände ja leider nicht mehr…).
Dass Maria verlobt ist, wird nicht gesagt, um ihren Zustand der Jungfräulichkeit zu erklären, sondern die Wunderhaftigkeit der Empfängnis. Deshalb war ihre Schwangerschaft so drastisch für die Gesellschaft, nicht in erster Linie, dass es ein uneheliches Kind war (das auch). Es ging darum, dass sie als geweihte Jungfrau überhaupt ein Kind erwartete.
Es ist auch kein Füllsatz, wenn es heißt „der Name der Jungfrau war Maria“. Zwar ist die Herleitung des Namens nicht ganz eindeutig, aber zwei Möglichkeiten sind „die Wohlgenährte“ und „die Geliebte“. Gerade die erste Übersetzungsmöglichkeit stellt einen Bezug zur Mutter der Lebenden her, wie Eva, die erste Frau bezeichnet worden ist. Damit wird schon durch den Namen Mariens ein typologischer Bezug hergestellt.
Der Engel spricht Maria an mit den Worten χαῖρε, κεχαριτωμένη chaire, kecharitomene „freue dich, du Begnadete/die, der Gnade erwiesen worden ist“. Auch Christen haben die Begrüßung χαῖρε von Anfang an verwendet, so auch Paulus in den Briefanfängen. Die Bezeichnung κεχαριτωμένη ist, was uns theoretisch allen geschenkt ist, die volle Ausstattung mit der Gnade Gottes, also die Berufung aller Getauften. Dass der Engel sie jetzt so anspricht (das ist neu), macht für uns deutlich, dass sie nicht nur theoretisch, sondern im vollen, gleichsam paradiesischen Sinne, Begnadete ist. Die Kirche liest diese Anrede als Hinweis auf ihre Bewahrung vor der Erbsünde. Dass es sich um eine unübliche Aussage handelt, sehen wir an Marias Reaktion – sie erschrickt nicht vor dem Engel selbst, sondern vor der Anrede. Man kennt es von anderen Engelserscheinungen, dass die jeweiligen Personen auf ihr Gesicht fallen und eine heftige Reaktion zeigen. Maria dagegen fällt nicht auf ihr Gesicht, sondern fragt sich, was die Anrede zu bedeuten habe. Und dass sie keine Angst vor dem Engel hat, der ja voll der Herrlichkeit Gottes leuchtet, zeigt einen weiteren Hinweis auf ihre paradiesische, sündlose Natur. Wir wissen von Gen 3, dass Angst ein nachsündlicher Zustand ist, der mit dem Sündenfall in den Menschen gekommen ist. In diesem Kontext ist die Aussage „fürchte dich nicht, Maria“ auf die Anrede zu beziehen. Das ist ja eine Aufforderung, die Engel den Menschen für gewöhnlich machen. Hier erhält sie eine neue Dimension.
Der Engel sagt ihr dann: „Der Herr (ist) mit dir.“ Im Griechischen handelt es sich um einen Nominalsatz, bei dem das Verb fehlt und deshalb steht das „ist“ in Klammern. Es ist sinngemäß hinzuzufügen und lässt eine Überzeitlichkeit zu: Es könnte sowohl eine Vergangenheitsform sowie eine Präsens- oder Zukunftsform eingesetzt werden. Gott war schon mit ihr, da er seinen Heilsplan für sie schon von Anbeginn der Zeit bereitet hat und ist jetzt mit ihr – auf so eine intensive Weise, dass er in ihr Fleisch annimmt. Er wird auch mit ihr sein, wenn Jesus dann von ihr geht und vorausgeht zum himmlischen Vater und Gott wird auch mit ihr sein am Ende der Zeiten, wenn sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wird. Auch mit uns ist der Herr, in unserem Herzen, in der Eucharistie, sogar physisch beim Kommunionempfang! Und auch wir werden am Ende der Zeiten ganz bei Gott sein. Wir glauben an eine leibliche Auferstehung, die der neuen Schöpfung verheißen wird und deren erste Exemplare Jesus und Maria sind.
Der Engel erklärt ihr, welchen Plan Gott mit ihr hat. Bemerkenswert ist wiederum ihre Reaktion. Sie stellt diese wunderbare Verheißung nicht infrage und zweifelt nicht daran. Im Gegenteil, sie versucht, es zu verstehen (Anselm von Canterbury hätte sich gefreut!) und fragt nach dem Wie. Bei ihrer Nachfrage wird das deutlich, was ich vorhin angeschnitten habe: Maria ist eine geweihte Jungfrau. Deshalb heißt es auch: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann ERKENNE“. Es steht eindeutig ein dauerhaftes Verb in der Gegenwart (οὐ γινώσκω u ginosko „nicht erkenne“). Da steht nicht „noch nicht“. Die außerbiblischen Schriften bezeugen, dass Marias Familie den Essenern nahestand, die den Messias am stärksten erwartet haben und bei denen die Enthaltsamkeit einen hohen Stellenwert hatte. Die Essener lebten eine mönchische Askese und standen der hasmonäischen Tempellobby kritisch gegenüber. Sie hielten fest an dem mosaisch eingesetzten Priestertum. Auch Johannes der Täufer sowie seine Familie, die ja mit Maria verwandt war, stand den Essenern nahe. Selbst wenn wir außerbiblische Quellen nicht berücksichtigen, wird es uns über den Bibeltext verständlich: Warum sollte Maria nach dem Wie fragen, wenn sie in absehbarer Zeit heiraten würde und eine baldige Schwangerschaft erwarten konnte? Das würde ja nichts Wundersames bedeuten, sondern den natürlichen Lauf der Dinge.
Die Erklärung des Engels ist voll von alttestamentlichen Anspielungen. Maria hat als fromme und schriftkundige Jüdin (ich erinnere nochmal an das Magnificat) diese erkannt und verstanden, dass es um den Messias geht.
Dadurch dass der Engel auf Elisabet verweist, wird Maria die übernatürliche Weise des Handelns Gottes verdeutlicht. Dieser kann über die von ihm selbst geschaffenen Naturgesetze hinweggehen und Wunder vollbringen. Für ihn ist alles möglich. Als wiederum fromme Jüdin kennt sie diese Art von Wunder bei heilsgeschichtlich bedeutenden Personen (so wie bei Isaak, Simson oder Samuel). Deshalb gibt sie voller Glauben ihr Ja. Und mit dieser schlichten Zusage „mir geschehe, wie du es gesagt hast“ wird der Vernichtungsplan des Teufels zunichte gemacht. Was der Böse mit dem ersten Menschenpaar erreicht hatte, ist mit einem einzigen Satz zerfallen. Der Ungehorsam und das Nein der ersten Frau, die auf die Schlange gehört hat, ist mit dem Ja dieser neuen Eva wieder gutgemacht worden. Während die erste Frau von der verbotenen Frucht aß und dadurch das ewige Leben verloren hat, empfing die zweite Frau die ewige Frucht, Jesus, der das ewige Leben wiederherstellen sollte.
Es ist so wunderbar, dass dieses große Hochfest, das Marias Ja und die Weichenstellung unserer Erlösung zum Thema hat, ausgerechnet in die Fastenzeit fällt. Gottes Timing ist nie willkürlich und auch die Kirche, die vom Hl. Geist geleitet wird, hat nicht zufällig die liturgischen Feste so gelegt. Jesus wird geboren, um zu sterben. Weihnachten und Ostern liegen so nah beieinander, dass Johann Sebastian Bach in seinem Weihnachtsoratorium die Melodie von „O Haupt voll Blut und Wunden“ eingebaut hat. Ich könnte Ihnen jetzt nochmal einen langen Vortrag über die Verbindungen zwischen Weihnachten und Ostern, zwischen Krippe und Grab, zwischen Windeln und Grabtuch halten. Das wird zu einer anderen Zeit erfolgen.
Wir dürfen diese heilsgeschichtlichen Knotenpunkte miteinander verbinden und so noch einmal bewusster dem Herrn danken für alles, was er uns geschenkt hat. Danken können wir heute auch besonders unserer lieben Mutter Maria, dass sie Ja gesagt hat, die wie eine Braut am Traualtar ihr Jawort gegeben hat – in guten wie in schlechten Zeiten – und gewiss waren ihre schlechten Zeiten die schmerzhaftesten, die eine Mutter unter dem Kreuz ihres Sohnes erleiden musste!

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Hochfest und lade Sie heute besonders dazu ein, den Engel des Herrn ganz aufmerksam zu beten – und lassen wir dabei den Teufel erzittern, der so große Angst vor der Frau hat, vor ihr, die seinen ganzen Plan zerstört hat!

Ihre Magstrauss

Dienstag der 2. Woche der Fastenzeit

Jes 1,10.16-20; Ps 50,8-9.16b-17.21 u. 23; Mt 23,1-12

Jes 1
10 Hört das Wort des HERRN, ihr Wortführer von Sodom! Horcht auf die Weisung unseres Gottes, Volk von Gomorra! 
16 Wascht euch, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! Hört auf, Böses zu tun! 
17 Lernt, Gutes zu tun! Sucht das Recht! Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht, streitet für die Witwen!
18 Kommt doch, wir wollen miteinander rechten, spricht der HERR. Sind eure Sünden wie Scharlach, weiß wie Schnee werden sie. Sind sie rot wie Purpur, wie Wolle werden sie. 
19 Wenn ihr willig seid und hört, werdet ihr das Beste des Landes essen. 
20 Wenn ihr euch aber weigert und auflehnt, werdet ihr vom Schwert gefressen. Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

Auch heute geht es in der Lesung um Schuld und Umkehr. Diese Wochen der Fastenzeit lesen wir immer wieder solche Bibelstellen, in denen Gott sein auserwähltes Volk kritisiert und zur Umkehr aufruft. Das ist auch an uns gerichtet, die wir jetzt in der österlichen Bußzeit stehen.
„Hört das Wort des HERRN, ihr Wortführer von Sodom!“ Wir sind zwar nicht die Bewohner der realen Stadt Sodom, sinnbildlich kann man sie aber mit einem sündhaften Lebensstil in Verbindung bringen. Die Wortführer sind dann in diesem Bild jene, die in unserer heutigen Gesellschaft etwas zu sagen haben.
„Horcht auf die Weisung unseres Gottes, Volk von Gomorra!“ Sodom und Gomorra werden immer gemeinsam genannt als Städte der absoluten Gottlosigkeit und moralischen Verderbnis. Es ist ein Aufruf Gottes auch in unsere Zeit hinein, wieder auf seine Gebote zu hören. Mit „Weisung“ wird das hebräische Wort תּוֹרָה torah übersetzt, deshalb Gebote.
„Wascht euch, reinigt euch!“ ist an die Juden gerichtet zunächst wörtlich zu verstehen, denn die rituelle Reinigung erfolgt durch das Waschen mit Wasser. Dafür waren sogenannte Mikwen vorgesehen, Becken zur Ganzkörperwaschung. Gleichzeitig sehen wir schon anhand des nächsten Satzes, dass noch mehr zu waschen ist – es geht auch um eine moralische Waschung sozusagen: „Schafft mit eure bösen Taten aus den Augen!“ Die Umkehr von den bösen Taten gilt auch uns heute. Auch wir waschen uns – aber eben nicht äußerlich, sondern innerlich mit dem kostbaren Blut Jesu. Er macht uns wieder „rituell rein“, indem sein Blut unsere kleinen Vergehen reinwäscht, sein vergebendes Sakrament der Beichte auch die größeren Sünden. So können wir die Kommunion wieder empfangen und uns mit ihm vereinen. Zugleich waschen wir uns mit Wasser, nämlich mit dem lebendigen Wasser des Hl. Geistes. Tag für Tag rufen wir ihn auf uns herab, dass er uns erfülle und die Kraft für den heutigen Tag verleiht.
„Hört auf, Böses zu tun!“ Gott möchte, dass sein Volk mit den Sünden aufhört und ihm wieder nachfolgt. Es geht ihm nicht darum, ein Spaßverderber zu sein, sondern er möchte uns vor der Selbstzerstörung bewahren. Die Sünde schadet uns nämlich nur und macht uns unglücklich.
„Lernt, Gutes zu tun! Sucht das Recht!“ Gott möchte, dass auch wir seine Gebote halten und nach und nach uns darin einüben, es in Fleisch und Blut übergehen zu lassen. Er nennt auch einige Beispiele dafür, was man tun soll – nämlich barmherzige Taten vollbringen: „Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht, streitet für die Witwen!“ Wir sollen denen helfen, die überhaupt kein Recht besitzen. Wir sollen nicht auf uns schauen, sondern auf die Anderen.
Gott kennt die Sünden seines Volkes, möchte sie aber vergeben. Er ist bereit, ihre scharlachroten und purpurnen Sünden weiß wie Schnee und Wolle zu machen. So möchte Gott auch uns von unseren Sünden reinigen. Wir müssen es aber auch annehmen und zu ihm kommen, umkehren und unsere Schuld von Herzen bereuen. Gott kann auch heute aus dem größten Sünder den größten Heiligen machen. Das geht aber nur im Teamwork. Der Mensch muss selbst dazu bereit sein und von sich aus alles ihm Mögliche dafür tun. Es gibt unter den Heiligen der Kirche etliche Beispiele davon, ob Maria Magdalena, Augustinus oder Franziskus.
„Wenn ihr willig seid und hört, werdet ihr das Beste des Landes essen“ ist eine recht bemerkenswerte Verheißung Gottes an Israel und auch an uns: Bezogen auf das Volk Israel meint es die Aussicht auf ein sorgloses und reiches Leben im verheißenen Land, in das Gott sein Volk geführt hat. Eine gute Ernte ist dabei immer Indiz für Gottes Segen. Auch uns gilt diese Verheißung, denn einerseits haben auch wir den Segen Gottes, wenn wir seine Gebote halten. Das bezieht sich dann auf unser alltägliches Leben, in dem wir genug zu essen, finanzielle Sicherheit, beruflichen Erfolg und Gesundheit haben. Das bezieht sich aber vor allem auf die Eucharistie, die wir dann empfangen dürfen. Sie ist „das Beste des Landes“, nämlich der uns ewig nährende Leib Christi, der zum Reich Gottes gehört. Und am Ende der Zeiten werden wir auf ewig „das Beste des Landes“ essen, im übertragenen Sinn natürlich, denn dann werden wir alles in Fülle haben in Gottes Anschauung.
„Wenn ihr euch aber weigert und auflehnt, werdet ihr vom Schwert gefressen.“ Das ist eine besondere Warnung, denn das Schwert ist Sinnbild des Wortes Gottes. Gott richtet den Menschen mit seinem Wort, das Jesus Christus selbst ist. Er kommt als Richter zu richten die Lebenden und die Toten. Schon hier auf Erden bekommen wir es zu spüren, damit wir noch rechtzeitig umkehren. Denn wenn es einmal zu spät ist, können wir die Zeit nicht mehr zurückdrehen und Gott wird uns beim Wort nehmen. Wenn wir uns gegen ihn entschieden haben, wird er unsere Entscheidung auf ewig akzeptieren, sodass wir in der Abgeschnittenheit Gottes bleiben müssen.
„Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.“ Gott meint es ernst und was wir hier in der Lesung gehört haben, ist von Gott selbst dem Propheten übergeben worden. Wir sollen es beherzigen und danach handeln, das heißt konkret: Wir sollen umkehren, besser noch heute als morgen.

Ps 50
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen. 
9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.
16 Was zählst du meine Gebote auf und führst meinen Bund in deinem Mund? 
17 Dabei war Zucht dir verhasst, meine Worte warfst du hinter dich.
21 Das hast du getan und ich soll schweigen? Meinst du, ich bin wie du? Ich halte es dir vor Augen und rüge dich. 
23 Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich; wer den rechten Weg beachtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen. 

Auch im Psalm hören wir heute Gottes Vorwürfe. Er tut das nie, um uns fertig zu machen, sondern um uns wachzurütteln. Er möchte, dass wir zu ihm zurückkehren, bevor es zu spät ist. Deshalb appelliert er auch im Psalm an seine geliebten Kinder. In erster Linie kritisiert er das Volk Israel und ihre Opferpraxis: „Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“ Gott sagt nicht, dass die Opferpraxis an sich falsch ist. Er hat Mose diese ja vorgegeben. Er kritisiert aber das Wie.
Deshalb sagt er ganz drastisch: „Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.“ Opfer ist nicht gleich Opfer. Was er kritisiert, kritisiert auch die Äußerlichkeit esoterischer Angebote von heute, in denen ein wenig Meditation, Möbel umstellen oder Diät den „Stand der Gnade“ wiederherstellt ohne persönliche Umkehr. Das Volk Israel bringt Opfer dar, ohne gleichzeitig eine korrekte innere Haltung einzunehmen und einen bestimmten moralischen Lebenswandel aufzuweisen. Es ist absolut aktuell, wenn wir es auf uns heute beziehen: Wie viele Menschen kommen zur Messe und empfangen sogar die Kommunion, obwohl sie die Gebote überhaupt gar nicht halten und seit über vierzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Wir sind heute sogar schlimmer als die Israeliten damals, denn diese trugen die Worte und Gebote Gottes noch in ihrem Mund. Sie haben sie noch aufgezählt und thematisiert, aber nicht gehalten. In unserer heutigen Zeit werden die Gebote nicht einmal mehr thematisiert. Sie werden einfach ganz fallen gelassen.
„Das hast du getan und ich soll schweigen?“ Gott kann es nicht ignorieren, weil er seine Kinder auf einen riesigen Abgrund zulaufen sieht. Er möchte nicht, dass seine Kinder verloren gehen. Er hält es ihnen vor Augen, damit sie es selbst erkennen und umkehren. So ist es auch heute: Gott kritisiert auch unsere Vergehen und unsere Gottlosigkeit, unseren Unglauben selbst innerhalb der Kirche. Er tut das nicht, weil ihm langweilig ist, sondern er möchte uns vor dem Verderben bewahren! Wir steuern mit hoher Geschwindigkeit dem ewigen Tod zu. Das möchte Gott verhindern. Die Fastenzeit ist umso mehr ein Rettungsanker oder ein Rettungsring, der uns vor dem Ertrinken bewahren kann. Wir müssen aber auch nach ihm greifen.
„Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich“ ist die richtige Haltung bei der Opferung. So sollen die Israeliten opfern, so sollen auch wir opfern! Nichts Anderes ist ja die Eucharistie, die „Danksagung“ heißt. Wenn wir ein Opfer des Dankes bringen – und damit ist nicht nur die äußerlich korrekte Form gemeint, sondern vor allem unsere Haltung, mit der wir der Hl. Messe beiwohnen! – dann ist es ein gottgefälliges Opfer, das er auch annimmt.
Zugleich können wir nicht einfach nur zur Messe gehen und dann zuhause machen, was wir wollen. Auch unser alltägliches Leben soll nach seinem Willen ausgerichtet sein. Dann werden wir am Ende unseres Lebens das Heil schauen, wenn wir nämlich Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werden.

Mt 23
1 Darauf sprach Jesus zum Volk und zu seinen Jüngern 

2 und sagte: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. 
3 Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach ihren Taten; denn sie reden nur, tun es aber nicht. 
4 Sie schnüren schwere und unerträgliche Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, selber aber wollen sie keinen Finger rühren, um die Lasten zu bewegen. 
5 Alles, was sie tun, tun sie, um von den Menschen gesehen zu werden: Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Gewändern lang, 
6 sie lieben den Ehrenplatz bei den Gastmählern und die Ehrensitze in den Synagogen 
7 und wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt und die Leute sie Rabbi nennen. 
8 Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. 
9 Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. 
10 Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. 
11 Der Größte von euch soll euer Diener sein. 
12 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Auch Jesus hat die Haltung kritisiert, die schon Gott im Buch Jesaja und in den Psalmen angesprochen hat: Nur nach außen hin so tun, vielleicht sogar die Gebote lehren, sie aber nicht selbst halten.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten sind solche Menschen, die anderen die Gebote beibringen und aufs Peinlichste genau schauen, dass sie umgesetzt werden, nicht nur die Gebote Gottes, sondern auch das menschliche Konstrukt, das sie selbst darum gebaut haben! Sie erklären die Gebote Gottes schon vollständig (auch wenn mit unnötigen Erweiterungen) und so kann man auf ihre Lehre hören. Die Menschen sollen sich aber an deren Lebenswandel nicht orientieren, da sie die Gebote nicht befolgen.
Jesus spricht die maßlose Überforderung der Menschen durch die vielen Gebote und Verbote an, die die Pharisäer und Schriftgelehrten den Menschen aufbürden. Das geht an Gottes Geboten komplett vorbei, die genauestens auf den Menschen abgestimmt sind. Gott kennt uns und er weiß genau, was wir halten können und was nicht. Selbst wollen jene Lehrer aber nichts davon befolgen. Das macht ihr ganzes Lehren unauthentisch. So ist es auch heute in der Kirche: Wie viele etliche Priester stehen am Ambo und predigen Wasser, trinken aber selbst Wein. Sie stehen überhaupt nicht hinter dem, was sie predigen und deshalb hören die Gläubigen gar nicht hin, geschweige denn fehlt die Umsetzung. Bei jenen Priestern aber, die es selbst leben, die absolut hinter dem Gesagten stehen, die überhaupt auch die Gebote Gottes noch thematisieren (die Mehrheit der Priester spricht eben nicht mehr über die Gebote Gottes…), deren Kirchen sind übervoll. Die Menschen kommen in Scharen und hängen ihnen an den Lippen, weil sie spüren, dass es authentisch ist. So war es schon mit Jesus. Er hat alles, was er gelehrt hat, auch vollkommen vorgelebt. Die Menschen konnten seine Predigt an seinem Tun genauestens ablesen und so noch tiefer verstehen. Das hat Menschen aus dem ganzen Hl. Land angezogen, die weite Reisen für seine Predigten unternommen haben.
Dagegen machen die Pharisäer alles nur, um gesehen und gelobt zu werden. Sie verlagern ihr ganzes Wirken auf das Äußere, Sichtbare und vernachlässigen das Innere komplett. Ihnen fehlt es komplett an Demut, denn sie wollen die Ehrenplätze, immer zu eine Bevorzugung.
Wenn Jesus nun sagt, dass seine Jünger sich nicht Rabbi oder Vater nennen lassen soll, müssen wir das richtig verstehen. Denn zugleich hat er sich ja von seinen Jüngern Rabbi nennen lassen und seinen Ziehvater Josef wird er auch Vater genannt haben. In diesem Kontext gelesen möchte Jesus seinen Jüngern sagen: „Ihr sollt euch nicht so nennen lassen, verlangt nicht diese Anrede.“ Sie sollen das nicht anstreben so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie sollen nicht mit derselben Haltung ehrsüchtig sein, sondern sie sollen Demut haben. Nicht die Anrede selbst ist das Problem, sondern die Haltung und Absicht dahinter. Sie sollen im Grunde so eingestellt sein wie König David. Er war König und doch hat er seine Königschaft vom wahren König, Gott selbst, abhängig gemacht, sich dessen Königtum unterstellt. So soll das eigene Dasein als Rabbi sich vom eigentlichen und größten Rabbi definieren, Gott dem Lehrer und Geber der Gebote. Und auch als Vater soll man seine Vaterschaft von dem himmlischen Vater definieren. Als Lehrer soll man schließlich seine Gelehrsamkeit von dem eigentlichen Lehrer, Gott selbst, abhängig machen. So wird man immer demütig bleiben und nicht abheben. Darum geht es. David hat sich ja auch nicht geweigert, König genannt zu werden, aber er ist auf diese Weise auf dem Teppich geblieben. Das fasst Jesus auch zusammen, wenn er in Vers 11 damit schließt: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ Das ist ein deutliches Wort für all jene, die heutzutage in der Kirche nach Macht streben und das Priestertum missverstehen, wie Jesus es in der von ihm gestifteten Kirche vorgesehen hat. Je höher die Vollmacht, desto demütiger soll der Bevollmächtigte sein.
„Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Diese Umkehrung ist der Maßstab des Reiches Gottes. Was hier auf Erden erstrebenswert ist, nämlich die Anerkennung, die Macht und der Ruhm, sind nichtig vor Gott. Bei ihm sind erstrebenswerte Ziele die Demut, Einfachheit, Schlichtheit, das Dienen und der Gehorsam, allesamt unattraktive Einstellungen in heutiger Zeit.

Vor dem Hintergrund der Lesung betrachtet lernen wir heute, dass Umkehr unbedingt notwendig ist. Wir sollen dabei demütig erkennen, wer wir wirklich sind und wo wir Gottes Gebote nicht befolgen. Die eigene Demütigung als Schärfung des Selbstbildes durch eine realistische Lupe ist dabei der richtige Weg, wieder zu Gott zurückzukehren. Das ist ein schmerzhafter Prozess, denn es geht gegen das eigene Ego, doch nur so können wir das ewige Heil erlangen. Hochmut hindert uns dagegen daran, durch die Tür des Himmelreiches zu kommen. Nutzen wir die momentane Zeit der Gnade und gehen wir in uns, legen wir die Realitätslupe an, mit der wir unser armseliges Ich erkennen. Legen wir dagegen die Schablone Jesu an und kehren wir um zu seine Demut, zu seinem Dienen, zu seiner Umsetzung der Gebote Gottes. Nur so können wir auf ewig glücklich werden.

Ihre Magstrauss