Donnerstag der 2. Woche der Fastenzeit

Jer 17,5-10; Ps 1,1-2.3.4 u. 6; Lk 16,19-31

Jer 17
5 So spricht der HERR: Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt und dessen Herz sich abwendet vom HERRN. 

6 Er ist wie ein Strauch in der Steppe, der nie Regen kommen sieht; er wohnt auf heißem Wüstenboden, im Salzland, das unbewohnbar ist. 
7 Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut und dessen Hoffnung der HERR ist. 
8 Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, er hört nicht auf, Frucht zu tragen. 
9 Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen? 
10 Ich, der HERR, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem zu geben nach seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten.

Die heutigen Lesungen sind sehr paränetisch, geben also ein bestimmtes moralisches Verhalten vor und verwerfen einen unmoralischen Lebenswandel. Das Stichwort ist dabei das Vertrauen. Im Buch Jeremia überbringt der Prophet den Menschen folgende Botschaft Gottes: Auf Menschen zu vertrauen, ist verwerflich. Gott sagt sogar „verflucht“. Das hebräische Wort אָר֤וּר arur ist dabei mit „verflucht“ oder „verdammt“ zu übersetzen und meint nicht die Verfluchung Gottes, sondern die Konsequenz des Vertrauens auf Menschen: Wenn man so lebt, wird man in die ewige Verdammnis kommen und auch schon in diesem Leben die Verdammnis zu spüren bekommen – wenn dieses Vertrauen früher oder später missbraucht wird. Und das ist vorprogrammiert, weil kein Mensch perfekt ist. Gewiss soll das nicht heißen, dass man keinem Menschen mehr vertrauen darf, aber wenn das Vertrauen auf Menschen größer ist als das Gottvertrauen, ist es eine Vergötzung. Deshalb wendet sich das Herz von Gott ab, wie es in Vers 5 heißt.
Wer auf Menschen vertraut und Gott hinter sich lässt, wird keinen Segen haben. Erstens ist das Vertrauen auf Menschen begrenzt und unvollkommen, es ist fahrlässig, denn die Menschen sind nicht Gott. Zweitens haben sie keinen Segen, deshalb sind sie wie „ein Strauch in der Steppe“ ohne Wasser und leben auf Wüstenboden und Salzlandschaft.
Dagegen hat der Mensch, der auf Gott vertraut, überreichen Segen. Er ist wie ein Baum direkt an der Quelle. Wenn die Hitze kommt, also Probleme, Leiden und Prüfungen, hat er nichts zu fürchten, denn das Wasser der Quelle ist genug auch in trockenen Jahren. Der Mensch bringt weiterhin Frucht, auch in schweren Zeiten. Wir kennen es aus unserer heutigen Zeit: Vertrauen wir auf Menschen, geht das nur so lange gut, bis der Andere es sich anders überlegt, seine Grenzen erreicht und irgendwelche Dinge passieren. Dann ist er schneller weg, als wir denken und wir stehen alleine da. Das betrifft viele Bereiche, so zum Beispiel auch die Berühmtheit. Solange wir unseren Erfolg nur von Menschen abhängig machen, wird dieser nur so lange anhalten, wie die eigene Leistung, Kreativität etc. anhalten. Sobald man nicht mehr interessant ist, wenden sich die Menschen anderen Stars, Sportlern etc. zu und die eigene Karriere ist dahin. Überlässt man aber Gott die eigene Karriere und vertraut darauf, dass wenn es einem zuerst um sein Reich geht, dass er dann für alles Andere sorgt, so wird der Mensch sein Leben lang versorgt werden und muss nicht in Verzweiflung geraten.
Das Herz des Menschen ist arglistig. Das ist eine allzu verbreitete Beobachtung, die wir machen können. Da muss Gott wirklich daran wirken, dass es zu einem geradlinigen Herz wird, ohne krumme Wege und Hinterhältigkeiten. Wie oft ist der Mensch stur und verstockt?
Gott durchschaut jeden Hinterhalt und verleiht jedem Mensch, was er verdient bzw. gibt je nach „Frucht seiner Taten“. Wer Gottes Willen tut, wer dabei ein gutes Herz hat, der wird reichlich gesegnet. Jesus wird später sagen: „An den Früchten erkennt man den Baum“. Zwar ist das Entscheidende das Herz mit den Absichten hinter den Handlungen, aber es kann nicht das Gegenteil in der Handlung bestehen. Ein Kausalzusammenhang zwischen Herz und Tat ist schon erkennbar.

Ps 1
1 Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, 
2 sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt. 
3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen. 
4 Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. 
6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber verliert sich.

Auch der Psalm zeigt beide Wege auf, die der Mensch einschlagen kann. Das zwei-Wege-Schema ist typisch für paränetische Texte. Sie dienen der Ermahnung des Menschen zu einem gottgefälligen Lebenswandel. Selig ist dabei jener Mensch, der nicht auf das hört, was die Menschen vorgeben, der nicht nach der Meinung der Gesellschaft lebt. Wir würden heute sagen: Selig, wer kein Mitläufer ist, wer nicht mit der Masse geht, wenn die Masse aus „Spöttern“ besteht. Gemeint ist damit der Gotteslästerer, der keine Gottesfurcht oder zumindest Achtung vor Gott hat, wer sich über den Glauben lustig macht.
Selig ist, wer dagegen am Wort Gottes festhält, auch wenn er alleine dasteht. „Bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt“ deutet das „Sch’ma Israel“ an, das wichtigste Gebot, das in Dtn 6,4-9 belegt ist und jeder fromme Jude täglich beten sollte. Es geht um die Gottesliebe, darum, die Tora Gottes im Herzen zu tragen und stets darüber nachzudenken, so wie man ständig an den geliebten Menschen denkt.
Wenn das Herz des Menschen so an Gott hängt, ist er wie ein Baum an den Wasserbächen. Es ist wie bei Jeremia beschrieben ein Weg des Segens. Man wird alles von Gott erhalten, was man zum Leben braucht. Man wird nicht welken, denn dieses Vertrauen auf Gott ist ein Schöpfen aus der unvergänglichen Quelle. Menschen haben eine Grenze und sie missbrauchen das Vertrauen. Gott dagegen ist immer treu und unendlich großzügig im Geben. Wenn man auf seinem Weg geht, wird einem alles gelingen. Das ist der Ausdruck überreichen Segens.
Wer sich auf Irdisches stützt, vor allem auf sündige Menschen, wird wie Spreu vom Winde verweht. Es hat überhaupt keinen Bestand und bringt keine Frucht.
Wir müssen den letzten Vers richtig verstehen: Gott ist allwissend und kennt natürlich nicht nur den Weg des Gerechten, sondern auch dessen, der von ihm abgekehrt ist. Dieser Vers drückt aber aus, dass Gott jenem all den Segen gibt, der auf seinem Weg wandelt. Es ist wie mit der Endzeitrede Jesu in Mt 25, wo der Menschensohn zu den Böcken auf der linken Seite sagt: „Weg von mir, ich kenne euch nicht.“ Natürlich kennt Gott jeden Menschen, doch das ist ein Ausdruck des Absagens. Entscheidend ist dabei, warum Gott den Menschen von sich absagt: Weil dieser es sich so ausgesucht hat. So ist es auch hier im Psalm. Gott akzeptiert, dass der Mensch von Gottes Weg abkehrt und von der Quelle weggeht. Er trägt also die Konsequenzen des ausbleibenden Segens. So verliert sich der Frevler, der auf Abwege gerät. Diese führen nämlich in die Gottesferne und ins ewige Leiden.

Lk 16
19 Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag glanzvolle Feste feierte. 

20 Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. 
21 Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. 
22 Es geschah aber: Der Arme starb und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. 
23 In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von Weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß. 
24 Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. 
25 Abraham erwiderte: Mein Kind, erinnere dich daran, dass du schon zu Lebzeiten deine Wohltaten erhalten hast, Lazarus dagegen nur Schlechtes. Jetzt wird er hier getröstet, du aber leidest große Qual. 
26 Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. 
27 Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! 
28 Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. 
29 Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. 
30 Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, aber wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. 
31 Darauf sagte Abraham zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Auch im Evangelium hören wir eine zwei-Wege-Geschichte. Es handelt sich dabei um ein Gleichnis, das Jesus erzählt: Ein armer Mann namens Lazarus lag vor der Tür eines reichen Mannes, der ein Leben voller Saus und Braus führte. Lazarus bekam von ihm nicht mal die Reste der übertriebenen Festmähler und litt unter schlimmen Geschwüren. Es kommt nun dazu, dass beide sterben. Während der reiche Prasser schlimme Qualen erleiden muss, ist Lazarus in Abrahams Schoß. Dies kann der reiche Mann von weitem sehen, aber zwischen ihnen befindet sich ein unüberwindlicher Abgrund. Er kann immerhin mit Abraham und Lazarus kommunizieren. Was Jesus hier beschreibt, können wir vielleicht besser erahnen, wenn wir den größeren heilsgeschichtlichen Kontext bedenken: Zu jener Zeit ist das Paradies für alle Menschen unzugänglich. Also ist auch Abraham mit den anderen Gerechten des Alten Testaments an einem Ort, an dem er zwar nicht leidet, aber an dem er voller Sehnsucht warten muss. Die Kirche hat diesen Ort Limbus oder Vorhölle genannt. Er war für die Gerechten bestimmt, die nach der Erlösungstat Jesu Christi aber in den Himmel durften. Dieser „Ort“ ist nun also „leer“. Der arme Lazarus wird also in diese Vorhölle gekommen sein, wo Abraham ihn getröstet hat. Dieser Trost ist als Abrahams Schoß bezeichnet worden. Jesus greift hier jüdische Vorstellungen auf, mit denen seine Zuhörer etwas anfangen können. So wählt Jesus immer Gleichnisse, die die Lebensbereiche der Zuhörer aufgreifen.
Der reiche Prasser leidet schwere Qualen und es ist die Rede von Feuer. Er kann nicht von dort weg und er erhält seine Straße für sein Verhalten im Leben. Es handelt sich wohl um die Hölle (das griechische Wort ist ἅιδης haides). Mit Hades ist nicht automatisch die Hölle gemeint, sondern das gesamte Totenreich. Wie es hier beschrieben wird, können wir dennoch davon ausgehen, dass Lazarus in die Hölle gekommen ist. Da er aber mit denen in der Vorhölle kommunizieren kann, bleibt die Unsicherheit, ob er nicht doch im Fegefeuer ist.
Er bittet um ein wenig Wasser für die Zunge, um die Feuerqualen für einen Moment zu erleichtern. Wir Christen glauben, dass wir dies für die Seelen im Fegefeuer wirklich tun können, für die Seelen in der Hölle aber nicht. Wir glauben, dass mit dem Besprengen von Weihwasser für die Armen Seelen im Fegefeuer diese kleine Erleichterung erwirkt wird. Deshalb spritzen wir auf dem Friedhof am Grab vermehrt das Weihwasser im Gebet für die Toten. Das können wir zuhause aber immer wieder tun. Unterschätzen wir nicht die Kraft des Weihwassers, auch jetzt in der Corona-Pandemie…
Der reiche Prasser bittet Abraham darum, Lazarus zu seinen noch lebenden Brüdern als Warnung zu schicken. Das erzählt Jesus, um seinen Zuhörern klarzumachen: Mit dem Tod ist es zu spät, umzukehren. Und Spiritismus ist eine Sünde. Wir können keine Geister beschwören, um Gottes Willen zu erfragen. Was wir tun können, ist die Umkehr zu Lebzeiten. Und Abraham trifft es auf den Punkt, wenn er entgegnet: Sie sollen auf die Propheten hören. Wenn sie das nicht getan haben, werden sie auf einen Auferstandenen ebenfalls nicht hören. Wir denken alle an Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist. Wer die Torah schon missachtet hat – auch gerade jene, die ihre Bedeutung umgekehrt hat oder ein menschliches Konstrukt darum gebaut haben – glauben auch nicht an den auferstandenen Messias. Wer nicht glauben will, glaubt auch bei spektakulären Wundern nicht. Das Herz ist verhärtet. Nichts reicht an das Herz heran.
Jesus erzählt dieses Gleichnis, nicht um zu sagen: Alle Reichen kommen in die Hölle und alle Armen in den Schoß Abrahams (für uns ist das Höchste nun der Himmel). Der reiche Prasser kam nicht wegen seinem Reichtum in die Hölle, sondern weil er davon nichts dem armen Lazarus gegeben hat. Dieser lag direkt an seiner Haustür und er hat nichts für ihn getan, sodass dieser arme Mann in absoluter Schande verreckt ist (Hunde sind hier sehr negativ konnotiert und betonen die Schändlichkeit und Ohnmacht). Der reiche Mann verprasste alles und lebte ein unmoralisches Leben. Er hat die große Verantwortung, die mit einem großen Vermögen einhergeht, nicht übernommen, sondern sich selbst sein Grab geschaufelt. Wir müssen auch umkehrt sagen, dass ein armer Mensch nicht gleich arm im Geiste ist. Wer wenig Geld hat, kommt nicht automatisch in den Himmel. Auch finanziell Mittellose können wie Reiche denken und habgierig sein, nach Macht streben und ihr Herz kann an weltlichen Dingen hängen, die sie nicht besitzen. Dann ist das ebenfalls ein unmoralisches Verhalten. Lazarus kam nicht wegen seiner Armut in Abrahams Schoß, sondern wegen seiner Haltung. Er war offensichtlich nicht neidisch oder böse auf den reichen Prasser, sondern er vertraute sein Leben ganz Gott an. So hat dieser ihn nach dem Tod getröstet.
Jesus möchte uns heute mit dem Evangelium nicht Angst einjagen, sondern sagen: Kehr noch heute um, bevor es zu spät ist. In welchem Lebensstand du auch stehst – entscheide dich dafür, dein Herz mir ganz anzuhängen, sodass dein Reichtum sowie deine Armut dich nicht vom Weg Gottes abbringen. Bist du reich, setze dein Vermögen für das Reich Gottes ein und nicht für ein Leben in Saus und Braus. Hast du weniger, strebe nicht danach, reich zu werden, sondern bringe dich anders in das Reich Gottes ein. Hadere nicht mit Gott, denn er wird schon wissen, warum er dich nicht zum Millionär macht. Das Geld, das Gott uns schenkt, ist nicht für uns allein. Ebenso die Talente. Wer viel bekommt, soll viel geben, denn Gott hat immer einen Plan mit uns, wenn er uns Gaben schenkt. Gehen wir verantwortungslos damit um, nimmt er es uns ganz schnell weg, nicht weil er so gemein ist, sondern damit wir zur Besinnung kommen und nicht wie der reiche Prasser in der Hölle landen.

Heute werden uns die beiden Wege noch einmal vor Augen geführt, die wir nun in der Fastenzeit bewusster eine Entscheidung zwischen beiden Wegen treffen sollen: Gehen wir auf dem Weg Gottes oder machen wir uns auf dem Weg in die Gottesferne? Der Umgang mit Finanzen ist nur ein einziges Beispiel von vielen, die die Früchte unserer Entscheidung darstellen. Jesus führt uns immer vor die Entscheidung. Wir können uns nicht einbilden, dass wir einen Zwischenzustand ohne Entscheidung leben können.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 6. Woche im Jahreskreis

Jak 2,1-9; Ps 34,2-3.4-5.6-7; Mk 8,27-33

Jak 2
1 Meine Brüder und Schwestern, haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, frei von jedem Ansehen der Person! 
2 Wenn in eure Versammlung ein Mann mit goldenen Ringen und prächtiger Kleidung kommt und zugleich kommt ein Armer in schmutziger Kleidung 
3 und ihr blickt auf den Mann in der prächtigen Kleidung und sagt: Setz du dich hier auf den guten Platz! und zu dem Armen sagt ihr: Du stell dich oder setz dich dort zu meinen Füßen! – 
4 macht ihr dann nicht untereinander Unterschiede und seid Richter mit bösen Gedanken? 
5 Hört, meine geliebten Brüder und Schwestern! Hat nicht Gott die Armen in der Welt zu Reichen im Glauben und Erben des Reiches erwählt, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? 
6 Ihr aber habt den Armen entehrt. Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken und euch vor die Gerichte schleppen? 
7 Sind nicht sie es, die den guten Namen lästern, der über euch ausgerufen worden ist? 
8 Wenn ihr jedoch das königliche Gesetz gemäß der Schrift erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!, dann handelt ihr recht. 
9 Wenn ihr aber nach dem Ansehen der Person handelt, begeht ihr eine Sünde und werdet vom Gesetz überführt, dass ihr es übertreten habt.

Im heutigen Abschnitt aus dem Jakobusbrief geht es um den Umgang mit Armen und Reichen. Jeder Mensch soll gleich behandelt werden unabhängig von seinem Ansehen (μὴ ἐν προσωπολημψίαις me en prosopolempsiais). Er bringt ein Beispiel, was auf tatsächliche Standesunterschiede selbst in den Gemeinden hinweist: Wenn ein Reicher in den Gottesdienst kommt, bekommt er einen guten Platz, Arme müssen stehen oder den anderen zu Füßen sitzen. Dadurch handeln jene Gemeindemitglieder aber nicht wie Jesus, der die Armen erhöht und die Reichen erniedrigt hat. Die Wertung ist weltlich, so wie man es von der Welt kennt, nicht vom Reich Gottes.
Jakobus sagt sogar, dass es unlogisch sei, die Reichen so zu bevorzugen, da diese die Christen ja so schlecht behandeln und vor die Gerichte bringen. Sie sind es, die Gottes Namen beschmutzen.
Das Problem ist nicht, dass die Gemeinden die Reichen gut behandeln, sondern dass sie diese bevorzugen. Denn das „königliche Gesetz“, wie es hier heißt, die Nächstenliebe ist. Auch die Reichen sind die Nächsten. Würde Jakobus nun wegen der schlechten Behandlung der Reichen das gleiche Verhalten von den Gemeinden zurück erwarten, dann würde es sich um Rache handeln, die aber nicht im Sinne Jesu ist. Er hat die Feindesliebe gepredigt. Auch die Reichen sollen also laut Jakobus aufgenommen werden, aber keine Sonderbehandlung bekommen.
Wer nämlich nach dem Ansehen der Person handelt, übertritt das Gesetz, denn dieses zusammengefasst im Doppelgebot der Liebe kennt keine Abstriche bei den Armen. Der Nächste ist der Nächste.
Solche Probleme bezeugt uns aus Paulus im ersten Korintherbrief, wo es um die Missstände bei der Liturgie und der Agapefeier geht. Die Reichen sind sogar betrunken, bevor die Sklaven überhaupt zur Hausgemeinde kommen können, da sie länger arbeiten. Dann müssen sie hungern, weil sie nichts mitbringen können, während die Reichen ein Festmahl zu sich nehmen. Die Standesunterschiede der Gesellschaft setzen sich in der Gemeinde fort. So soll es aber nicht sein, denn hier findet ein Stück Himmel statt. Das ist der Ort, wo das Reich Gottes angebrochen ist und die Menschen einander so behandeln sollen, wie Jesus es erklärt hat. Es soll schon nach Himmel „riechen“, die Ewigkeit soll antizipiert werden.
Wie ist es bei uns? Behandeln wir in unseren Kirchengemeinden alle gleich? Achten wir darauf, wie viel Geld die Person auf dem Konto hat, mit welchem Auto sie auf den Parkplatz der Kirche vorgefahren kommt? Wer hat in unserer Kirche Ehrenämter inne? Sind es die Reichen, die mitreden dürfen oder sind wir neutral? Werden die gesellschaftlich Randständigen integriert oder ausgeschlossen? Was tun wir persönlich dafür, damit jeder Mensch in der Gemeinde unabhängig von seinem gesellschaftlichen Status gleich behandelt wird? Schließlich werden wir eines Tages dafür zur Rechenschaft gezogen. Dann wird Jesus für uns hoffentlich das positive Urteil haben: „Was du einem meiner geringsten Brüder getan hast, das hast du mir getan.“

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 

3 Meine Seele rühme sich des HERRN; die Armen sollen es hören und sich freuen. 
4 Preist mit mir die Größe des HERRN, lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben! 
5 Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort, er hat mich all meinen Ängsten entrissen. 
6 Die auf ihn blickten, werden strahlen, nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten. 
7 Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn und half ihm aus all seinen Nöten.

Heute beten wir einen Lobpreispsalm, der unter anderem das Thema der Lesung aufgreift:
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
Mit „meine Seele“ wird das hebräische Wort נַפְשִׁ֑י nafschi übersetzt, was eigentlich viel mehr als nur die Seele meint. Das biblische Menschenbild ist nicht geteilt, sodass man sagen kann, er hat einen Körper und eine Seele. Vielmehr ist der Mensch ein Körper und eine Seele. Das hebräische Wort ist also umfassender zu übersetzen im Sinne von „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz des Menschen, die sich des HERRN rühmen soll. David möchte Gott in allen Lebenslagen, mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Die Armen sollen es hören und sich freuen“ erinnert uns an die Lesung. Aber warum haben die Armen einen Grund zur Freude? Wenn ein Mensch Gott mit allem preist, was er ist und hat, dann tut er dies auch durch die gelebte Nächstenliebe. Und deshalb können die Armen aufatmen, das heißt die Randständigen, Rechtlosen, die Witwen und Waisen, die Fremden und Kranken. Hier geht es um das Doppelgebot der Liebe. Je mehr jemand in Gott lebt, desto mehr gibt er sich auch für den Nächsten hin.
Auch die Lobaufforderung in Vers 4 ist typischer Psalmenstil. Oft ist diese auch so formuliert, dass der Psalmist die ganze Schöpfung oder Bereiche der Schöpfung zum Lob auffordert.
„Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort“ ist, was Jesus in seiner Verkündigung aufgreift, wenn er sagt: „Wer sucht, der findet. Wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Hier könnte man die Verform דָּרַ֣שְׁתִּי daraschti mit „ich habe aufgesucht“ übersetzen, denn Gott antwortet dem Suchenden. Gott ist es, der auch unsere Ängste von uns nimmt. Angst ist nicht vom Hl. Geist und deshalb ist der Mut/die Tapferkeit auch eine Frucht des Hl. Geistes.
Vers 6 ist eine wunderbare Reflektion dessen, wen man eigentlich anschauen soll – nämlich Gott. Wenn man auf ihn schaut und von ihm aus dann auf die Menschen, dann ist es die richtige Haltung. Dann wird man nicht auf das Ansehen der Person achten und sich vom Strahlen des Reichen beeinflussen lassen. Denn Gottes Licht übertönt alles Andere. Es wird auch auf das eigene Gesicht zurückfallen, sodass das einzige Ansehen der Person, auf die wir bei unseren Mitmenschen beachten sollen, die Reflektion des Lichtes Gottes ist. Und da ist es dann egal, ob es das Gesicht eines Armen oder Reichen ist. Und wenn sie die Ärmsten sind, so werden sie keinen Grund zur Scham haben. Gottes Gnade zeichnet sich in ihrem Gesicht ab, was gibt es Höheres?
So lesen wir in Vers 7, dass Gott die Gebete eines Armen erhört und ihn aus seinen Nöten erlöst.
Bei Gott gibt es kein „Nein“, nur ein „Ja“, „Anders“ oder „Später“.
Wie verhalten wir uns? Achten wir auf das Gesicht eines „Gott-Reflektors“? Erkennen wir seine Spuren auf dem Antlitz unserer Gemeindemitglieder oder achten wir auf das weltliche Strahlen teurer Markenklamotten und dicker Autos? Wie sind wir selbst? Polieren wir uns und unseren Besitz lieber selbst, anstatt uns mit der Gnade Gottes auszustatten, die anderen Menschen als Licht leuchten soll? Wählen wir selbst. Diese Fähigkeit hat uns Gott geschenkt.

Mk 8
27 Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Auf dem Weg fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? 

28 Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. 
29 Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus! 
30 Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen. 
31 Dann begann er, sie darüber zu belehren: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 
32 Und er redete mit Freimut darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen. 
33 Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Heute sind Jesus und seine Jünger im Gebiet von Cäsarea Philippi unterwegs, einem Ort, der zu Ehren des Kaisers Augustus in „Cäsarea“ umbenannt worden ist. Der Ort liegt am Fuße des Hermonberges und weist eine ganz bekannte Grotto zu Ehren des Gottes Pan auf.
Jesus fragt seine Jünger heute, für wen er gehalten wird. Er tut dies, um darauf zu sprechen zu kommen, für wen seine Jünger selbst ihn halten.
Die Menschen haben unterschiedliche Theorien für die Identität Jesu, z.B. Johannes den Täufer oder Elija sowie andere Propheten. Das ist typisch für Gerüchte und Gerede, es ist total unlogisch und ergibt keinen Sinn. Wie kann Jesus Johannes der Täufer sein, wenn beide gleichzeitig gesehen worden sind bei Jesu Taufe? Dass einige Jesus als den wiedergekommenen Elija halten, ist wenigstens ein wenig nachvollziehbar wegen der vielen Heilstaten, die Jesus erwirkt.
Und nun stellt Jesus die entscheidende Frage: „Für wen haltet ihr mich?“
Derjenige spricht zuerst, der immer zuerst das Wort ergreift, Petrus: „Du bist der Christus.“ Er bekennt heute, dass Jesus der Messias ist. Er spricht Jesu wahre Identität aus, die aber noch nicht öffentlich verkündet werden soll. Jesus gebietet den Jüngern deshalb, darüber zu schweigen. Wir erinnern uns daran, was Jesus gestern vor seinen Jüngern erwirkt hat, nämlich eine Blindenheilung. Er tat es im Anschluss an die Kritik an seine Jünger, dass sie blind und taub sind. Bei der Blindenheilung in Betsaida sind Petrus auch die Augen aufgegangen, aber nicht die physischen, sondern die Augen des Glaubens. Deshalb sagt er hier voller Überzeugung „du bist der Christus.“ Dass er das nicht aus eigener Erkenntnisfähigkeit herausgefunden hat, erfahren wir in Mt 16,17. Dort erwidert Jesus Petrus nämlich: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ So ist es mit unserer Gotteserkenntnis. Die Tiefen Gottes können wir erforschen mithilfe der Gnade Gottes. Er öffnet uns den Verstand und den Glauben so, dass wir ein wenig mehr von ihm erkennen können.
Petrus hat Jesu Identität auf den Punkt gebracht, doch was mit dieser Identität als Messias verbunden ist, darüber muss Jesus seine Jünger im Folgenden belehren.
Er offenbart ihnen, dass er leiden und sterben müsse, dass ausgerechnet die religiöse Elite ihn an die Römer ausliefern würde. Das müsse geschehen, aber dann werde er am dritten Tage von den Toten auferstehen. Jesus offenbart ihnen seinen Erlösungsplan, doch sie sind noch nicht soweit, es zu verstehen. Erneut ergreift Petrus als erster das Wort und meint, Jesus unter die Arme greifen zu müssen. Er macht ihm Vorwürfe. Es erinnert uns an Saul, der es auch mehrfach besser wusste als Gott selbst.
Petrus hat Jesu Messianität mithilfe der Gnade Gottes zwar erkannt, sich darunter jedoch etwas Anderes vorgestellt. Eine messianische Erwartung war zu jener Zeit gar nicht mal so selten, wie wir auch an den jüngsten alttestamentlichen Schriften erkennen können. Doch was genau man unter dem Messias verstand, war ganz unterschiedlich. Ganz prominent ist die Vorstellung eines politischen Freiheitskämpfers, der Israel von der Fremdherrschaft der Römer befreien wird.
Ganz egal, wie Petrus sich Jesus auch vorgestellt hat, für ihn ist ein hingerichteter Messias ein Nogo. Und wir können das absolut nachvollziehen aus menschlicher Sicht: Petrus ist ein frommer Jude. Er wird aufgrund von Dtn 21,23 so reagiert haben. Für ihn ist unvorstellbar, dass der Messias hingerichtet wird, denn dann ist er nicht mehr eine Erlösergestalt. Gott wird ihn dann verlassen. Das ist für ihn ein Zeichen der Niederlage. Jesus kündigt sein Leiden mehrfach an, um seine Jünger dafür zu sensibilisieren, dass es eben nicht das Ende sein wird und dass Jesus diese absolute Schande durchmachen muss zur Erlösung der ganzen Menschheit.
Petrus wird von Jesu Hinrichtungsworten so getriggert, dass er auf den Rest gar nicht mehr genau hinhört: Jesus wird von den Toten auferstehen! Stattdessen beginnt er, seinem Rabbi die Leviten zu lesen (oder vielmehr das Deuteronomium…). Jesu Reaktion ist heftig und doch notwendig. Er wendet sich ganz bewusst seinen Jüngern zu, dass sie das mitbekommen. Petrus nahm Jesus ja etwas beiseite, um auf ihn einzureden: „Weg mit dir, Satan!“
Das sagt uns schon alles: Wo Gottes Gnade fließt, da ist der Teufel nicht weit. Nicht nur Gott kann uns Dinge eingeben, auch der Böse kann uns zu Werkzeugen gebrauchen, andere zu verführen. So merken wir an ein und demselben Menschen, wie sehr die menschliche Seele diesem geistigen Kampf ausgesetzt ist. Es ist nicht Petrus, sondern im Kern der Böse, der Jesus versuchen will, damit er die Erlösung nicht erwirkt. Deshalb ist Jesus so streng und befiehlt dem Bösen, zu gehen. Er möchte nicht, was Gott will. Er ist der Kern allen Ungehorsams. Es ist Gottes Plan, dass Jesus leiden und sterben müsse. Doch der Satan widersetzt sich Gott, denn wenn Jesus gehorsam bis zum Kreuz ist, dann wird die Macht des Teufels gebrochen.
Es ist ein Prozess des Lernens. Petrus ist einen Schritt näher zum Messias gekommen und dann wieder zurückgefallen. Es ist wie mit dem Blinden von gestern: Zuerst sieht der Blinde nur ein wenig, erst schrittweise kehrt er zur vollen Sehkraft zurück. So ist es auch mit Petrus‘ innere Blindheit. Er erkennt Jesus ein wenig, aber anhand seiner Reaktion auf die Leidensankündigung erkennen wir, dass er noch nicht vollständig sieht. Wir kennen aber auch den weiteren Verlauf der Geschichte. Petrus wird noch so einiges falsch machen, aber dann wird er Jesus immer besser erkennen, bis er schließlich so vom Hl. Geist erfüllt wird, dass er eine brennende Pfingstpredigt halten wird mit anschließender Massentaufe!
Wie ist es mit uns? Erkennen wir den Messias, wie er wirklich ist? Akzeptieren wir die unattraktive, aber erlösende Botschaft des Gekreuzigten? Akzeptieren wir, dass das Evangelium kein Wohlstandsevangelium ist und dass auch wir in Christi Nachfolge mindestens durch den Dreck gezogen werden? Oder wollen auch wir das Leiden vermeiden, aus welchen Gründen auch immer?
Es geht nicht ohne Kreuz und ohne Schande. Denn Gott hat das Unmündige gewählt, dass Arme. Es ist wie mit dem Ansehen der Person aus Jakobus und dem Psalm. Wie oft schauen wir Menschen ungern auf das Arme und Bescheidene und lassen uns vom Reichen blenden? Und dabei strahlt Gottes Gnade auf dem Antlitz des Armen auf! Gott ist nicht bei dem zu finden, der mit seinem weltlichen Reichtum alle Blicke auf sich zieht, sondern bei dem Unscheinbaren, der für die meisten Menschen uninteressant ist.

Das Evangelium Jesu Christi ist keine spektakuläre Hochzeitstorte, sondern ein Laib Brot. Auf den ersten Blick scheint die Torte attraktiver und alle stellen sich an, ein Stück von ihr zu erhalten. Doch auf lange Sicht wird sie den Menschen nicht sättigen, sondern krank machen. Das Brot ist es, das auf lange Sicht sättigt und kräftigt. Und das Evangelium betrachten wir auf sehr lange Sicht, nämlich auf die Ewigkeit hin. Weiten wir in allem unseren Blick auf die Langfristigkeit hin aus und legen wir unsere Kurzsichtigkeit ab. Dann werden wir fähig, auf kurze Sicht eine Unannehmlichkeit auf uns zu nehmen, um auf lange Sicht selig zu sein.

Ihre Magstrauss