Mittwoch der 4. Osterwoche

Apg 12,24 – 13,5; Ps 67,2-3.5.7-8; Joh 12,44-50

Apg 12
24 Das Wort Gottes aber wuchs und breitete sich aus.
25 Nachdem Barnabas und Saulus in Jerusalem den Dienst erfüllt hatten, kehrten sie zurück; Johannes, mit dem Beinamen Markus, nahmen sie mit.
1 In der Gemeinde von Antiochia gab es Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, Lucius von Kyrene, Manaën, ein Jugendgefährte des Tetrarchen Herodes, und Saulus.
2 Als sie zu Ehren des Herrn Gottesdienst feierten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe!
3 Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen.
4 Vom Heiligen Geist ausgesandt, zogen sie nach Seleukia hinab und segelten von da nach Zypern.
5 Als sie in Salamis angekommen waren, verkündeten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Johannes hatten sie als Helfer bei sich.

Zwischen der gestrigen und der heutigen Lesung passiert sehr viel in der Apostelgeschichte: Jakobus wird hingerichtet, Herodes wütet gegen die Christen in Jerusalem und lässt Petrus inhaftieren, der auf wundersame Weise befreit wird. Und Herodes stirbt. Das Wort Gottes verbreitet sich weiter trotz der Bedrängung der Christen. Paulus und Barnabas sind nach Jerusalem entsandt worden, um eine Kollekte für die Jerusalemer Gemeinde durch die Antiochener zu überbringen. Dieser Dienst ist gemeint, der in der heutigen Lesung erwähnt wird. Sie kommen also zurück nach Antiochia, von deren Gemeinde uns heute ein bisschen mehr beschrieben wird. Es gibt dort nämlich Propheten und Lehrer, die der Gemeinde dienen. Es werden sogar ganz konkrete Namen genannt, wobei auch Paulus und Barnabas dazugezählt werden. Sie gelten als Lehrer, denn sie erklären das Wort Gottes.
Während der Liturgie und der Fastenzeiten erhalten Geistbegabte die Eingebung, dass Barnabas und Saulus (Paulus) zu einer Mission berufen sind. Uns ist schon klar, worum es geht, nämlich um die erste Missionsreise. Die Reaktion der Gemeinde darauf ist das Fasten und Beten. Das ist bemerkenswert. Auch Jesus hat vor seinem öffentlichen Wirken eine Zeit lang im Fasten und Beten verharrt, sich dabei sogar in die Wüste zurückgezogen. Immer wenn er große Massen vor sich hat und viele Heilstaten tut, lange Predigten hält etc., zieht er sich für das Gebet zurück. Er holt sich immer wieder die Kraft von seinem Vater, der ihn gesandt hat. Und auch hier ist es eine Sendung zur Verkündigung des Reiches Gottes. Auch dies ist eine wichtige Mission, die viel Kraft und Mut kosten wird. Zu dieser Sendung werden die beiden Missionare vorbereitet, nicht nur durch das Fasten und Beten, sondern auch durch die Handauflegung der Gemeindevorsteher. Es muss sich um eine sakramentale Weihe handeln, durch die die beiden dann befähigt sind, anderen Menschen die Sakramente zu spenden. Weil wir später davon lesen werden, dass sie Älteste weihen, ihnen die Hände auflegen, handelt es sich bei ihrer eigenen Weihe um den höchsten Grad, die Bischofsweihe. Durch sie sind sie beide bevollmächtigt, alle Sakramente zu spenden (die es auch schon gibt, auch wenn noch nicht in der Form oder Bezeichnung wie heute). Der Geist führt sie zunächst nach Seleukia, von wo aus sie nach Zypern reisen. In der zyprischen Stadt Salamis lehren sie in den Synagogen das Wort Gottes. Johannes Markus begleitet sie auf ihrer ersten Missionsreise als Helfer. Die kirchliche Tradition identifiziert diesen Johannes Markus mit dem Evangelisten Markus und auch mit dem Gefährten des Petrus.
Wir lernen aus diesem heutigen Bericht der Apostelgeschichte, dass das Leben mit Gott nie langweilig ist. Er hat große Pläne mit jedem Menschen und sendet ihn dort hin, wo er ihn braucht. Wichtig ist, dass der Mensch diese Berufung einerseits erkennt, andererseits gehorsam umsetzt und dabei die Gnade Gottes in Anspruch nimmt. Es führt ganz schnell in eine Sackgasse, wenn man aus eigener Kraft versucht, die Berufung zu leben. Es ist auch entscheidend, dass der Mensch nicht nur betet, sondern auch in dem Anliegen fastet. Dies birgt ein ganz großes Potenzial, das nicht zu unterschätzen ist. Je größer der Anlass/die Mission, desto mehr muss der Mensch sich im Vorfeld darauf vorbereiten. Und dann wird er sich wundern, welche großen Zeichen durch ihn geschehen!

Ps 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern.
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, denn du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen auf Erden.
7 Die Erde gab ihren Ertrag. Gott, unser Gott, er segne uns!
8 Es segne uns Gott! Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.

Der heutige Psalm, den wir als Antwort auf die Lesung beten, stellt die Bitte um Gottes Segen dar. Er erinnert uns an den aaronitischen Segen aus dem Buch Numeri. Die beiden Bestandteile „Gnädigsein“ und „Leuchten seines Angesichts“ werden auch dort verwendet. Es wird aber nicht nur wiederholt, sondern hier weitergeführt. Der Zweck des Wunsches wird nämlich an dieser Stelle erklärt: Die Israeliten sollen durch das Leuchten des Angesichts Gottes seinen Weg erkennen, das heißt seinen Willen. Der aaronitische Segen wird hier paränetisch fortgesetzt, also zur Unterweisung im moralischen Verhalten. Der nächste Nebensatz geht darüber hinaus. Die Rettung unter allen Völkern klingt in unseren christlichen Ohren sehr messianisch (hebr. בְּכָל־גֹּ֝ויִ֗ם יְשׁוּעָתֶֽךָ b’chol-gojim jeschu’atecha, der Name Jesu ist enthalten und wird auf die nichtjüdischen Völker bezogen). So müssen wir den Vers mit folgender Interpretation lesen: Lass dein Angesicht leuchten, damit wir den Messias erkennen, der die ganze Welt erlösen wird.
Im Anschluss erkennen wir wieder die positive Sicht auf das göttliche Gericht, über das die „Nationen“ sich freuen. Hier sind die „Nationen“ die Stämme Israels ( עַמִּ֥ים ammim), kann in der Mehrzahl aber auch allgemein alle Nationen der Erde bezeichnen. Die Stämme können dann endlich aufatmen, nachdem sie so viel Leid durch Fremdherrschaft und Tyrannei erleiden mussten. Gott bringt endlich die ersehnte Gerechtigkeit! Und wenn alle Völker gemeint sind, dann lesen wir hier die Erleichterung der ganzen Welt, da nun die Weltmission startet, durch die sie mit der erlösenden Botschaft Jesu Christi in Berührung kommen.
Der Psalm wird mit einem Segenswunsch abgeschlossen, der wiederum an den aaronitischen Segen von Num 6 anknüpft.
Die Psalmen bringen immer wieder zum Ausdruck, dass Gottes Erlösungsplan, der sich mit Jesus erfüllt hat, über die jüdischen Grenzen hinausgeht, aber v.a. dort beginnt.
Es ist ein Gebet, das wir uns so richtig aus dem Mund der Gemeinde Antiochias vorstellen können. Sie beten um den Segen für die kommende Mission und auch für die Menschen, die mit dem Evangelium in Kontakt treten werden.

Joh 12
44 Jesus aber rief aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat,
45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.
46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.
47 Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten.
48 Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Jüngsten Tag.
49 Denn ich habe nicht von mir aus gesprochen, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll.
50 Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.

Im Evangelium geht es ebenfalls um Sendung, nämlich um die ursprüngliche, an die die Apostel lediglich anknüpfen: die Sendung des Sohnes durch den Vater. Jesus ist von seinem Vater gesandt worden. Dies erklärt er besonders im Johannesevangelium den Menschen. Er ist vom Vater auf die Erde gesandt worden und hat somit die höchste Autorität und Bevollmächtigung. Was er über Gott aussagt, ist absolut authentisch. Und wer an ihn glaubt, glaubt an den Sender. Denn Jesus und der Vater sind eins. Jesus ist die Auslegung Gottes in Person. Deshalb kann man Gottes Wesen erkennen, wenn man ihn anschaut.
Jesus sagt, dass er das Licht der Welt ist, durch das keiner mehr in der Finsternis bleiben muss. Er ist Licht als Orientierung, Wahrheit/Erkenntnis, Reinheit von der Sünde, Beginn des ewigen Lebens (mit dem Tagesanbruch wird es hell). Wenn Jesus diese Worte spricht, knüpft er an Jesaja an, der prophezeit hat: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht (Jes 9,1).“ Er spricht hier also ein Stichwort aus, das für die Zuhörer ein Signal darstellt.
Jesus kritisiert die Haltung, das Wort zu hören, es aber nicht zu befolgen. Er kritisiert noch mehr, wenn man nicht einmal die Worte hören will. Er selbst ist es aber nicht, der richtet. Es ist das Wort selbst, das zum Richter wird. Wer sich nicht danach richtet, hat sich letztendlich selbst gerichtet – das heißt durch die eigene Entscheidung gegen Jesus schon das Urteil gewählt.
Jesus sagt, dass er in die Welt gekommen ist, um sie zu retten, nicht um sie zu richten. Das ist ein wichtiger Punkt: Das heißt nicht, dass jeder gerettet wird und wir hier dem zugrunde liegenden Text eine Allversöhnungslehre unterstellen können. Das bedeutet, dass Jesus alles tut, damit wir gerettet würden, bis zum Tod am Kreuz! Er ist nicht gekommen, um zu richten, weil die Zeit noch gar nicht da ist. Sein erstes Kommen durch die Menschwerdung hatte den Zweck, das Erlösungswerk zu vollbringen, das vor aller Zeit schon feststand. Das meint die Rede vom Retten. Er wird aber wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Ende der Tage und dann wird er die Welt richten. Und dann wird er nicht nach eigenem Gutdünken richten wie ein korrupter Richter, sondern der Maßstab ist ein ganz klarer – das Wort Gottes. Die Sache ist nur: Letztendlich IST er das Wort Gottes in Person und aus dieser Perspektive ist er es doch wieder persönlich, der richtet. Jesus macht hier aber die Abgrenzung, um zu betonen, dass die Richtschnur eine ganz objektive ist und er diese Richtschnur den Menschen klar und deutlich erklärt hat. Wenn sie dieses Wort hören und sich dennoch nicht daran halten, haben sie ihr Urteil schon gesprochen.
Wenn Jesus betont, dass er nichts Anderes sagt als das, was der Vater ihm aufgetragen hat, möchte er die Einheit von Vater und Sohn verdeutlichen. Alles, was Jesus sagt und tut, ist in Einklang mit dem Vater. Für die Juden ist das wichtig, weil wer in absoluter Übereinstimmung mit dem transzendenten Gott ist, der muss autoritär nicht nur ganz hoch angesehen werden, sondern auch absolut authentisch sein.
Jesus erklärt auch, was für ein Auftrag es ist: das ewige Leben. Wer sich also an Jesu Worte hält, für den steht dieses ewige Leben bereit.

All diese Worte spricht Jesus, bevor das letzte Abendmahl und die Leidensgeschichte beginnen. Es ist ein letzter Appell an die Menschen, bevor er seinen Weg der vollkommenen Vollendung antritt.

Die Texte fügen sich zusammen zu einem Sendungskorpus. Heute geht es um den Auftrag Gottes, die Verkündigung und die Rettung der Menschen. Wenn die Apostel im Namen Gottes auftreten und das Wort Gottes verkündigen, sprechen sie dasselbe authentisch aus, was Jesus gesprochen hat. Ihr Wort ist von höchster Autorität und Relevanz. Wer sich an die gehörte Verkündigung hält, der verhängt über sich schon ein positives Gerichtsurteil für das Ende der Zeiten, wenn Jesus wiederkommt.

Fragen wir uns selbst heute, ob wir nicht in manchen Bereichen unseres Lebens so sind, dass wir hören, aber nicht befolgen. Kehren wir um von falschen Haltungen und vom Ungehorsam und werden wir wieder zu Hörenden und Gehorsamen!

Ihre Magstrauss

Freitag der 3. Osterwoche

Apg 9,1-20; Ps 117,1.2; Joh 6,52-59

Heute am 1. Mai feiern wir Josef den Arbeiter. Doch in diesen Tagen hören wir aus der Brotrede Jesu, die so wichtig ist, dass wir deshalb die Lesungen des Tages nehmen. Gestern am Fest der Heiligen Katharina haben wir sie ja schon unterbrochen.

Apg 9
1 Saulus wütete noch immer mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohepriester
2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des Weges Jesu, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.
3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.
4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?

5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst!
7 Die Männer aber, die mit ihm unterwegs waren, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden.
8 Saulus erhob sich vom Boden. Obwohl seine Augen offen waren, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein.
9 Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht.
10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Siehe, hier bin ich, Herr.
11 Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zu der Straße, die man Die Gerade nennt, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus! Denn siehe, er betet
12 und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht.
13 Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat.
14 Auch hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen.
15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mir ein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen.
16 Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.
17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte ihm die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg, den du gekommen bist, erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.
18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen.
19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus;
20 und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen: Dieser ist der Sohn Gottes.

In der Lesung hören wir von der wunderbaren Bekehrung des Paulus/Saulus. In der Osterzeit hören wir ja immer einen Ausschnitt aus der Apostelgeschichte und da ist uns neulich bereits angedeutet worden, dass mit der Tötung des Stephanus gleichsam eine Christenverfolgung in Jerusalem begann. Dort wurde schon gesagt, dass Saulus einen großen Anteil daran hat. Heute hören wir, dass er mittlerweile die Christen im Hl. Land und rings umher verfolgt, weil er meint, Gott damit einen heiligen Dienst zu leisten (vgl. Joh 16,2). Er versucht sogar, mehr Systematik in die Tötung der Christen zu erlangen, indem er beim Hohepriester um Briefe für die Synagogen in Damaskus erbittet, damit auch dort die Christen festgenommen und in Jerusalem verurteilt würden.
Dann passiert etwas, das sein ganzes Leben ändern wird: „Ein Licht vom Himmel umstrahlte“ ihn. Alles, was himmlisch ist, wird von Visionären und Mystikern voller Licht beschrieben. Es ist die Gnade und Herrlichkeit Gottes, die heller ist als jegliches irdische Licht. Deshalb ist die Lichtmetapher auch so verbreitet für den Messias und in den vielen Himmelsvisionen des Alten und Neuen Testaments.
Er stürzt zu Boden, was ebenfalls eine typische Manifestation der Gegenwart Gottes ist. Wir kennen das aus charismatischen Kreisen. Dort fallen auch Menschen zu Boden, weil sie keine Kontrolle mehr über ihren Körper haben. Sie werden nicht ohnmächtig, sondern für einen kurzen Moment gelähmt. Das ist weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes, sondern einfach die Reaktion eines schwachen Menschen auf die überwältigende Kraft des Hl. Geistes. Und dann spricht Jesus zu ihm. Er fragt ihn gerade heraus: „Warum verfolgst du mich?“ So ist der Herr. Er konfrontiert uns mit einer Frage, damit wir uns selbst hinterfragen. Er hat dies vor dem Hohen Rat getan, als der Diener des Hohepriesters ihm ins Gesicht geschlagen hat („Warum schlägst du mich?“). Dabei ruft er Saulus auch beim Namen. Dadurch fühlt er sich nicht nur persönlich angesprochen, sondern weiß auch, dass Jesus ihn kennt. Er wird sich in dem Moment ganz und gar durchschaut gefühlt haben.
Auf die Frage hin, wer er sei, antwortet Jesus ihm: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Er sagt nicht: „Ich bin Jesus, dessen Jünger du verfolgst.“ Das ist wichtig. Jesus hat einmal erklärt, dass was wir den geringsten Brüdern getan haben, wir ihm getan haben und umgekehrt. Derjenige, den Saulus also am meisten verletzt, ist Jesus selbst.
Jesus fordert den Christenverfolger auf, nach Damaskus zu gehen, wo ihm alles Weitere aufgetragen werde. Die Begleiter des Saulus müssen total irritiert sein, weil sie Jesu Stimme hören, jedoch nichts sehen.
Sie merken aber, dass etwas passiert sein muss, denn Saulus ist blind. Das Licht der Herrlichkeit Gottes hat ihn so geblendet, dass er nichts sehen kann. Er muss nach Damaskus geführt werden. Insgesamt hat die Begegnung mit Jesus ihre Folgen. Er kann drei Tage weder etwas sehen noch etwas zu sich nehmen. Auch dies ist eine Manifestation des Hl. Geistes. Viele Menschen berichten, dass sie bei Exerzitien oder anderen geistlichen Veranstaltungen kaum etwas essen, weil sie kein Hungergefühl oder keinen Appetit verspüren.
Gott führt daraufhin Saulus mit einem Christen namens Hananias zusammen so wie an anderer Stelle Petrus und Kornelius. Gott bereitet den Jünger darauf vor, dem großen Christenverfolger die Hände aufzulegen, damit er wieder sieht. Er hakt beim Herrn nach, weil er nur Schlimmes von Saulus gehört hat, doch Gott ermutigt ihn. Er kündigt Hananias an, dass Saulus noch ein großes Werkzeug Gottes werden würde. Er wird dabei den Christus nicht nur den „Söhnen Israels“ bringen, sondern gerade den „Völkern“.
Hananias gehorcht dem Herrn und geht zur Unterkunft des Saulus. Er legt ihm die Hände auf, was eventuell schon auf einen sakramentalen Akt hinweist (Hananias ist wahrscheinlich geweiht, also Diakon, Priester oder Bischof). Denn bei der Gabe des Hl. Geistes kann er wieder sehen, steht auf und lässt sich taufen. Dieses „wie Schuppen von den Augen“ können wir mehrfach verstehen. Der Geist Gottes hat ihm die biologischen Augen geöffnet, aber dadurch, dass er sich sofort taufen lässt, müssen auch die Augen seines Glaubens geöffnet worden sein. Er wird erkannt haben, dass er sein bisheriges Leben falsch gelebt hat. Nun kann er auch wieder essen und zu Kräften kommen. Er verbringt noch einige Tage bei der Gemeinde in Damaskus und beginnt sehr schnell mit der Verkündigung Jesu Christi in den Synagogen. Man muss sich vorstellen, wie verwirrt die dort Ansässigen gewesen sein mussten, dass der eifrige Christenverfolger, der ein richtiger Prominenter war, plötzlich FÜR Christus gesprochen hat.
So groß ist Gottes Gnade. Er kann in einem kurzen Moment unser ganzes Leben auf den Kopf stellen und aus dem größten Sünder den begeistertsten Jünger machen. Das Problem ist, dass Menschen das oft nicht anerkennen und immer noch den alten Menschen sehen. Sie haben einen schon längst in eine bestimmte Schublade gesteckt und einen Stempel aufgedrückt. Sie werden einen unter Umständen ewig als diesen alten Menschen betrachten, so als ob man sich nicht ändern könne. Gott ist aber anders. Er sieht immer das Potenzial und möchte dieses immer aus uns herauskitzeln, uns zu echten Diamanten schleifen, zu wunderbaren Werkzeugen seines Heils. Freuen wir uns heute darüber, dass Saulus alias Paulus sich bekehrt hat! Ohne ihn wären wir womöglich gar keine Christen geworden. Die Heidenmission ist größtenteils ja ihm zu verdanken.

Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen!

2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm ist sehr kurz. Er besteht aus nur zwei Versen. Er ist betitelt mit „Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes“. Genau darin knüpft er an die Bekehrung des Paulus an. Wir, die wir im Grunde zu den sogenannten „Heidenchristen“ gehören, die also nicht zuvor Juden waren, haben allen Grund, Gott zu loben. Er hat Paulus zum Werkzeug der Heidenmission eingesetzt, sodass der Glaube in unseren Breitengraden überhaupt ankommen konnte. Auch wenn er nicht direkt hier gewirkt hat, hat Paulus die Weichenstellungen gesetzt. Hier lesen wir die Aufforderung zum Lob an die heidnischen Völker, das hebräische Wort גֹּויִם gojim wird verwendet.
Gott ist treu. Er hat schon damals mit Paulus an unsere Gotteskindschaft gedacht und alles schon so geplant, dass das Evangelium wirklich allen Geschöpfen verkündet werden konnte. Das ist immer und überall den Hallelujaruf wert!

Joh 6
52 Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
55 Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.
56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.
57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.
59 Diese Worte sprach Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte.

Nun hören wir die letzten Ausführungen aus der Brotrede Jesu. Die Juden streiten sich, gemeint ist untereinander. Dieser Streit muss in verbalen Auseinandersetzungen bestehen, wie das Wort μάχομαι machomai unter anderem verstanden werden kann. Sonst wird im Johannesevangelium auch gerne gesagt, dass „unter ihnen Spaltung entsteht“. Es gibt viele Zuhörer, die Jesus widersprechen und das nicht annehmen wollen, was er sagt. Sie fragen deshalb ganz verwirrt nach: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ Jesus könnte jetzt schon einhaken und sagen, dass er es symbolisch meint. Stattdessen setzt er noch einen drauf: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ Wir können also nur das ewige Leben haben, wenn wir ihn essen und trinken. Es ist auch logisch: Er ist das ewige Leben und es ist nur in uns, wenn wir es in uns aufnehmen.
Jesus rudert nicht zurück und versucht sich zu erklären, damit die Menschen keinem kannibalistischen Missverständnis aufsitzen. Sie können es noch nicht verstehen, weil Jesus die Eucharistie erst viel später etablieren wird.
Er spricht weiter: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.“ Sein Fleisch und Blut sind für uns existenziell. Wir werden mit unseren Leibern wieder vereint und als neue Schöpfung ewig bei Gott leben in seinem Reich, wenn wir Jesus in uns aufgenommen haben. Auch jetzt sagt Jesus nichts davon, dass er es symbolisch meint.
Im Gegenteil. Er betont noch einmal und stellt klar: „Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ Nichts mit reinem Gedächtnismahl. Er selbst ist es, den wir als wahre Speise und wahren Trank in uns aufnehmen sollen, um das ewige Leben zu haben! Es ist wahre Nahrung für den Leib (also essen und trinken wir es wortwörtlich). Doch sie nährt und tränkt nicht nur den Leib, sondern vor allem auch die Seele des Menschen auf dem Lebensweg bis hin in die Ewigkeit.
Das Essen und Trinken Jesu ist ein Akt, der uns ganz mit ihm vereinigt, so dass er wirklich in uns ist und wir in ihm. Das ist die intimste Begegnung, die wir mit ihm haben können. In ihm zu sein und umgekehrt ist bei Johannes auch immer die Wendung für den Stand der Gnade. Uns werden überreiche Gnaden geschenkt, wenn wir ihn immer wieder in uns aufnehmen. In dieser intimen Vereinigung mit Jesus können wir wirklich durch ihn leben, ihn, den der Vater gesandt hat.
Auch heute lesen wir davon, dass Jesus sich als Himmelsbrot mit dem Manna der Väter in der Wüste vergleicht. Sie sind leiblich gestärkt worden durch dieses Brot, doch irgendwann sind sie gestorben. Ja noch mehr: Sie konnten auch in Ewigkeit nicht leben (das ewige Leben meint das Himmelreich). Sie mussten ausharren, bis das wahre Himmelsbrot kommt, Jesus Christus! Durch ihn würden sie aus dem Exil befreit.
Wer aber dieses Himmelsbrot isst, das auch leiblich stärkt, wird zugleich seelisch am Leben gehalten. Seine Identität als Himmelsbrot führt die Menschen ins Himmelreich.
Wir brauchen dieses Himmelsbrot so sehr, dass wir ohne es das ewige Leben beim Vater nicht haben können. Denn es verhilft uns zu einem Ineinandersein mit Jesus Christus.
Diese Predigt hält Jesus in Kafarnaum und danach werden viele Menschen von ihm weggehen. Sie haben ihn gefeiert, als er sie mit reichlich Brot und Fisch satt gemacht hat. Nun, wo er die Pointe dieser Heilstat erklärt, wollen sie ihm nicht mehr folgen. So ist es bis zum Schluss: Wo Jesus angenehme Sachen predigt, viele Menschen heilt und spektakuläre Wunder vollbringt, kommen die Menschen in Scharen zu ihm. Je mehr es aber um die entscheidenden Dinge geht und je mehr es um Umkehr, Leiden und Opfer geht, desto mehr verringert sich der Kreis um ihn. Je näher er dem Kreuz kommt, desto mehr Menschen wenden sich von ihm ab. Am Ende steht nur ein einziger von zwölf Aposteln unter dem Kreuz und einige Frauen mit der Mutter Jesu.

Wählen wir. Wollen wir zu jenen gehören, die bei Jesus bleiben, solange seine Botschaft unsere Komfortzone nicht überschreitet? Oder sind wir bereit, mit ihm den ganzen Weg bis zum Kreuz auf Golgota zu gehen, um mit ihm gekreuzigt zu werden? Paulus hat gewählt. Nachdem es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen ist, hat er sein restliches Leben ganz hingegeben für die Sendung Jesu Christi. Er hat alles gegeben und ist am Ende hingerichtet Worten für das Evangelium Jesu Christi. Er ist den Weg bis Golgota gegangen. Und auch in seinem Fall sind viele Menschen von ihm weggegangen, als er dieselbe Botschaft Jesu Christi fortgeführt hat. Auch ihn haben die Menschen sehr oft abgelehnt, weil ihnen das Evangelium einfach zu radikal oder unverständlich erschien. Doch er hat weitergemacht, weil er begriffen hat, worum es geht. Bitten wir den Herrn auf die Fürsprache seiner treuen Zeugen um Mut und Standhaftigkeit, auf dass auch wir diesen Weg bis zum Ende gehen können.

Ihre Magstrauss

Freitag der 5. Woche der Fastenzeit

Jer 20,10-13; Ps 18,2-3.4-5.6-7b.7cdu. 20; Joh 10,31-42

Jer 20
10 Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.

11 Doch der HERR steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach.
12 Aber der HERR der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
13 Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.

Heute hören wir aus dem Buch Jeremia einen Abschnitt aus der fünften Konfession. Dort beschreibt er die bösen Absichten seiner Gegner, die darauf warten, dass er stürzt. Sie sind es, die ihn verleumden und somit auch Gott. Sie wollen ihn anzeigen und sich an ihm Rächen, weil er immer wieder eine Botschaft verkündet, die sie nicht hören wollen. Jeremia muss wirklich viel für das Wort Gottes leiden und wird somit zum Typos Christi.
Gott lässt ihn nicht allein, genauso wenig wie er seinen eigenen Sohn am Kreuz allein gelassen hat. Er ist „wie ein gewaltiger Held.“ Zwar erweckt er Jeremia nicht zum Leben, doch er sorgt für Gerechtigkeit. Er wird Jeremias Gegnern keinen Segen verleihen und ihre Missetaten auf sie zurücklenken.
Gott prüft den Gerechten, er schaut auf sein Inneres, was mit „Nieren und Herz“ immer gemeint ist. Gott schaut die innersten Regungen des Menschen. Jeremia versteht sein Leiden somit als Prüfung Gottes.
Er vertraut darauf, dass Gott das Unrecht vergelten wird, das dem Propheten widerfährt. Er begründet es damit dass er Gott seinen „Rechtsstreit anvertraut“. Gott ist ein gerechter Richter. Wenn man das Gericht ihm überlässt, erhält jeder Beteiligte ein absolut angemessenes Urteil. Menschliche Gerichte sind dagegen ungerecht, wie Jeremia am Anfang der Lesung ja herausgestellt hat. Er steht für eine gute Sache ein, nämlich für Gottes Botschaft, doch die Menschen möchten ihn anzeigen, vor die Gerichte bringen.
Er vertraut Gott ganz und fordert sogar zum Lobpreis auf: „Singt dem HERRN, rühmt den HERRN; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.“ Ja, er wird auch Jesus aus der Hand seiner Übeltäter befreien und ihn über alle anderen erhöhen. Er wird auch uns immer wieder aus den Klauen des Bösen retten, der unsere Seele von Gott wegführen will. Er rettet uns vom seelischen Tod durch die Heilsmittel und schließt dafür den Taufbund mit uns. Er wird uns schließlich auch am Ende der Zeiten retten, wenn alles zusammenbrechen wird. Dann werden wir ein für allemal aus den Fängen des Bösen befreit. Dann werden wir erst recht Gott loben und preisen in Ewigkeit.

Ps 18
2 Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke,
3 HERR, du mein Fels und meine Burg und mein Retter; mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge, mein Schild und Horn meines Heils, meine Zuflucht.
4 Ich rufe: Der HERR sei hoch gelobt! und ich werde vor meinen Feinden gerettet.
5 Mich umfingen die Fesseln des Todes und die Fluten des Verderbens erschreckten mich.
6 Mich umstrickten die Fesseln der Unterwelt, über mich fielen die Schlingen des Todes.
7 In meiner Not rief ich zum HERRN und schrie zu meinem Gott, er hörte aus seinem Tempel meine Stimme, mein Hilfeschrei drang an seine Ohren.

Der Psalm stellt einen schönen Lobpreis dar, sozusagen als Fortsetzung und Vertiefung der Lesung.
„Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke“ ist ein typischer Psalmbeginn. Nicht nur die Selbstaufforderung zum Lob ist oft am Anfang zu lesen, sondern auch eine Liebesbekundung oder eine Willenszusage. Gott ist Davids Stärke, dem wir diesen Lobpreis verdanken. All die Siege hat er durch die Stärke des HERRN zustande gebracht. Er hat sich auch nie angemaßt, dass es von ihm selbst komme. Er hat seine Macht und Stärke immer von Gottes Allmacht her gesehen. So können auch wir alles, was wir zustande bringen, auf Gott verweisen, der uns die Kraft gegeben hat. So werden wir nie überheblich und sind Gott immer dankbar für den Beistand, den er uns tagtäglich sendet.
In diesem Sinne ist auch Vers 3 zu verstehen. Gott ist der Fels, die Burg und der Retter. Er ist also auch die Zuflucht, die wir suchen sollen. Wenn wir uns auf Menschen verlassen und erwarten, dass diese uns glücklich machen, werden wir immer unglücklich und unzufrieden sein. Nur Gott kann uns wirklich dauerhaft trösten und beschützen. Er ist wirklich der Verlässliche, der uns entlasten will.
Es gibt keinen unangemessenen Zeitpunkt, Gott zu loben und zu preisen, denn ihm steht es immer zu. „Und ich werde vor meinen Feinden gerettet.“ Gott rettet seine geliebten Geschöpfe wirklich immer aus allen Gefahren. Diese betreffen den ganzen Menschen, nicht nur sein irdisches Dasein. Gott rettet nämlich auch unsere Seele vor dem ewigen Tod, er rettet uns aus dem Zustand der Todsünde, er rettet uns Menschen durch die Taufe. Diese Gefahren sind alle auf ihre Weise die „Fesseln des Todes“ und „die Fluten des Verderbens“. Wir denken zurück an die Sintflut, die die Folge der Sünde der ganzen Menschheit darstellte. Diese Flut bedeckt auch die Sünde der Menschheit bei der Taufe Jesu, als dieser untertaucht. Durch sein Untertauchen ist das Wasser der Wiedergeburt im Hl. Geist für uns zum Heil geworden und nicht mehr bedrohlich. Der Geist Gottes überflutet uns in jeder Hl. Messe, durch die Heilsmittel der Kirche, jedesmal, wenn wir wieder den Stand der Gnade geschenkt bekommen. Dann wird unser Inneres, die Seele als Gefäß, mit den Fluten jenes Wassers gefüllt, sodass wir nicht verdursten in einer Welt der Wüste. Was David also rückblickend schreibt, können wir auf unser Leben vor der Taufe, vor der Versöhnung mit Gott, auf die Menschen vor der Erlösung durch Jesus Christus beziehen – und schließlich auf die gesamte Menschheit in den Wehen der Endzeit, bevor der wiederkommende verherrlichte Menschensohn sie endgültig aus den Schlingen des Todes errettet.
David rief in seiner Not zum Herrn, der ihn aus dem Tempel her erhörte. Dieser Tempel war noch kein fest erbautes Gebäude, sondern das Offenbarungszelt. Auf Jeremia bezogen können wir schon den fest erbauten ersten Tempel hier identifizieren: Gott erhört auch ihn vom Tempel aus, der ja Gottes Wohnstatt auf Erden darstellt. Dieser salomonische Tempel wird jedoch bald zerstört, weil die Israeliten auf die Warnrufe der Propheten wie Jeremia nicht gehört und weiterhin den Baalen Opfer dargebracht haben. Wir können es auch auf Jesus Christus beziehen, der in seiner Todesnot am Kreuz zum Vater geschrien hat. Dieser hat ihn erhört vom Tempel her, der aber nicht nur den herodianischen Tempel Jerusalems meint, sondern vor allem vom Tempel des Leibes Jesu Christi her. Diesen meint Jesus ja auch bei der Tempelreinigung. Vom Tempel her, der nun jede Kirche mit Tabernakel ist, erhört Gott auch auf besondere Weise unsere Rufe, die wir bei ihm in der Eucharistie Zuflucht suchen. Und am Ende der Zeiten wird Gott das Schreien der leidenden Menschen auf Erden vom himmlischen Tempel aus erhören, wenn er in die Geschichte eingreift, um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen.
Gott ist unsere Welt nicht egal. Sie ist seine Schöpfung, die er zum Heil führen will. Deshalb zürnt er und reagiert auf das Unrecht – im Kleinen wie im Großen. Das ist uns ein Trost und so dürfen wir auf das Heil am Ende schauen, auch wenn die derzeitige Situation alles andere als gut ist.

Joh 10
31 Da hoben die Juden wiederum Steine auf, um ihn zu steinigen.
32 Jesus hielt ihnen entgegen: Viele gute Werke habe ich im Auftrag des Vaters vor euren Augen getan. Für welches dieser Werke wollt ihr mich steinigen?

33 Die Juden antworteten ihm: Wir steinigen dich nicht wegen eines guten Werkes, sondern wegen Gotteslästerung; denn du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.
34 Jesus erwiderte ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?
35 Wenn er jene Menschen Götter genannt hat, an die das Wort Gottes ergangen ist, und wenn die Schrift nicht aufgehoben werden kann,
36 dürft ihr dann von dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, sagen: Du lästerst Gott – weil ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn?
37 Wenn ich nicht die Werke meines Vaters vollbringe, dann glaubt mir nicht!
38 Aber wenn ich sie vollbringe, dann glaubt wenigstens den Werken, wenn ihr mir nicht glaubt! Dann werdet ihr erkennen und einsehen, dass in mir der Vater ist und ich im Vater bin.
39 Wieder suchten sie ihn festzunehmen; er aber entzog sich ihrem Zugriff.
40 Dann ging Jesus wieder weg auf die andere Seite des Jordan, an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte; und dort blieb er.
41 Viele kamen zu ihm. Sie sagten: Johannes hat kein Zeichen getan; aber alles, was Johannes über diesen gesagt hat, erwies sich als wahr.
42 Und viele kamen dort zum Glauben an ihn.

Im heutigen Evangelium ist es wieder so, dass die Worte Jesu, die sich aus seiner göttlichen Autorität speisen, die Juden sehr provozieren. So beginnt die Lesung heute mit einem Steinigungsversuch.
Jesus hält den Juden furchtlos entgegen: „Viele gute Werke habe ich im Auftrag des Vaters vor euren Augen getan. Für welches dieser Werke wollt ihr mich steinigen?“ Das trifft es auf den Punkt. Jesus hat viel verkündet, er hat aber vor allem durch seine Heilstaten überzeugt. Nun fragt er also ganz ironisch, was der Grund für seine Hinrichtung sein soll.
Die Juden entgegnen ihm, dass sie ihn aber nicht wegen der Taten, sondern der blasphemischen Worte steinigen wollen. Diese bestehe in seinem Anspruch, Gottes Sohn zu sein.
Sie haben durch ihre eigenen Worte etwas erkennen lassen: Sie haben die Einheit zwischen Jesu Worten und Werken nicht erkannt. Hätten sie von den Werken auf seine Worte geschlossen, hätte es bei ihnen Klick machen müssen und sie hätten die Erfüllung all der messianischen Verheißungen ihrer Hl. Schriften erkannt. Stattdessen sehen sie rot bei den Worten Jesu, die er mit göttlicher Autorität gesprochen hat.
Jesus verweist daraufhin auf Psalmworte, die von ihrer Formulierung her noch viel provokativer sind, die sie aber als Gotteswort einstufen und nicht abändern. Es geht um Ps 82,6. Da heißt es sogar „ihr seid Götter.“ Dies ist noch viel radikaler als Jesu Worte der Gottessohnschaft.
Bei Psalm 82 geht es um die abgefallenen Israeliten. Sie hätten „Götter“ sein können im Sinne des ewigen Lebens, doch werden wie Menschen sterben, weil sie gesündigt haben. Hier geht es um die Gegenüberstellung von „Gott“ und „Mensch“. Das Ganze ist eingebettet in einen poetischen Rahmen. Psalmensprache ist voll von rhetorischen Stilmitteln, die natürlich nicht wortwörtlich genommen werden kann. Das verstehen die Juden auch, aber im Falle Jesu zeigen sie nicht einmal den Willen, ihn zu verstehen.
Jesus nennt diese Schriftstelle, um herauszustellen: Wenn die Juden schon das Wort Gottes annehmen, selbst wenn solche Bibelstellen von ihrer Sprache her provokativ sind, umso mehr sollten sie das fleischgeworden Wort Gottes annehmen, das direkt vom Vater kommt! Seine Autorität steht doch über dem Buchstaben! Ihn sollten die Juden noch viel mehr gläubig annehmen, doch sie zeigen nicht einmal den Willen, diese scheinbare Provokation zu verstehen. Jesus will sie lehren, doch sie sind unbelehrbar. Lieber greifen sie zu Steinen und machen das fleischgewordene Wort Gottes mundtot.
Jesus versucht, von ihnen wenigstens ein Mindestmaß an Glauben zu erlangen, nämlich dem Glauben seiner Werke. Denn allein schon jene Heilstaten müssten sie erkennen lassen, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, der alles in Einheit mit dem Vater tut.
Es bringt nichts. Die Juden wollen ihm wieder etwas antun und so muss Jesus das Gebiet verlassen. Er geht auf die andere Seite des Jordan, in das Gebiet der Johannestaufe. Dort wirkt er offensichtlich viele weitere Heilstaten, denn die Menschen dort erkennen, dass alle Vorhersagen des Täufers auf Jesus zutreffen. So werden viele der Johannesjünger in jenem Gebiet Jünger Jesu.
Diese Menschen stellen heute ein Positivbeispiel dar. Sie glauben den Werken Jesu im Gegensatz zu den Juden in Jerusalem (mit „Juden“ ist im Johannesevangelium an solchen Stellen oft die religiöse Elite gemeint, die sich aus den Hohepriestern, Ältesten, Pharisäern und Schriftgelehrten zusammensetzt). Sie empfinden Jesu Wirken nicht als blasphemisch, sondern erkennen die Erfüllung messianischer Verheißungen. Sie verstehen mehr von der Hl. Schrift als die eigentlichen Gelehrten. Das ist eine einzige tragische Ironie.

Wie ist es bei uns?

Nehmen wir das Wort Gottes an, auch wenn es Kritik an uns richtet? Uns herausfordert? Uns zur Umkehr aufruft? Nehmen wir es an, wenn Gott uns durch die Propheten heutiger Zeit anspricht? Oder wollen wir sie lieber mundtot machen, weil sie in der Welt einen Störfaktor darstellen, der unsere Komfortzone bedroht?
Schauen wir immer genau hin, denn Gott spricht auch auf unerwartete Weise zu uns. Und jene, auf die wir uns allzu sehr verlassen, könnten uns in die Irre führen. Es gibt viele falsche Propheten und es werden immer mehr. Beten wir um die Gabe der Unterscheidung der Geister und suchen wir in allem immer Zuflucht bei Gott. Vergessen wir auch in unserer heutigen Zeit nie, das der Kern des Evangeliums in der Umkehr besteht und Gott uns aus unserer Not immer heraus hilft, egal was passiert.

Mit diesem Vertrauen dürfen wir auf die Karwoche zugehen.

Ihre Magstrauss