Freitag der Osteroktav

Apg 4,1-12; Ps 118,1 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Joh 21,1-14

Apg 4
1 Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.

2 Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
3 Und sie legten Hand an sie und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Es war nämlich schon Abend.
4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
5 Es geschah: Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
6 dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas, Johannes, Alexander und alle, die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
7 Sie stellten die beiden in die Mitte und forschten sie aus: Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
9 Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
10 so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
11 Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Heute hören wir die nachfolgenden Ereignisse, nachdem Petrus seine Bekenntnisrede in der Halle Salomos gehalten hat.
Die religiöse Elite bestehend aus dem Tempelhauptmann, den Sadduzäern und Hohepriestern tritt herzu und regt sich über die ganze Aktion auf.
Es passt ihnen überhaupt nicht, dass Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu predigen, den sie nach umfassender Intrige endlich ans Kreuz bekommen haben.
So werden die beiden festgenommen und über Nacht gefangen gehalten. Das ist ihre erste Erfahrung mit Anfeindungen, weil sie im Namen Jesu gepredigt haben. Auch wenn sie festgehalten werden, kann die Tempellobby nichts dagegen tun, dass eine riesige Menge sich dem Glauben anschließt und die Zahl der Jerusalemer Urgemeinde auf 5000 ansteigt.
Am nächsten Tag werden die Apostel ähnlich wie Jesus damals verhört.
Es sind dieselben Hohepriester versammelt, die ähnliche Fragen stellen wie damals bei Jesus. Ihnen geht es um die Kraft, mit der die Apostel das Wunder vollbracht haben.
Auch jetzt ist Petrus nicht eingeschüchtert, sondern erfüllt vom Hl. Geist, der ihm den Mut verleiht, bekennt er Christus: In seinem Namen ist diese gute Tat an einem kranken Menschen vollzogen worden, den eben jene Hohepriester ans Kreuz gebracht haben, den der Tod aber nicht festhalten konnte. Jesus ist von den Toten auferstanden, so hat er den Tod und die Intrige der Hohepriester besiegt.
Genau diese Aussage untermauert Petrus mit dem sehr bekannten und viel verwendeten Zitat aus Ps 118: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ Er zitiert die Hl. Schrift, weil er in der Sprache der Gelehrten sprechen möchte und die Erfüllung der Verheißungen unterstreichen möchte. Er versucht, ihnen den Wald begreiflich zu machen, von dem sie bisher nur die einzelnen Bäume betrachtet haben.
Petrus ist wie ausgewechselt. Er spricht freimütig, er zitiert dabei die Schrift und bezieht sie auf Christus. All dies verstand er zuvor nicht und er fürchtete sich davor, irgendeinen Nachteil zu erleiden dafür, dass er Jünger Jesu ist. Doch der Geist Gottes ist auf die Apostel hinabgestiegen und wirkt nun auch durch ihn. Er nimmt es sehr ernst, dass Christus ihn zum Felsen seiner Kirche gemacht hat. Wahrlich, er ist wirklich ein Fels in der Brandung, der die aufkommende Kirche mit allen Mitteln verteidigt! An ihm sehen wir, was möglich ist, wenn wir uns ganz und gar dem Wirken Gottes hingeben. Wenn wir uns ihm anbieten und ihm wirklich sagen: „Tue mit mir, was du willst! Nimm mein Leben hin!“, dann wird er aus uns glänzende Diamanten machen. Er wird uns schleifen, sodass wir unvorstellbar über uns selbst hinauswachsen. Wir werden selbst erstaunt sein, zu was Gott fähig ist mit uns!
Gott liebt auch die Hohepriester, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, alle, die ihn ablehnen. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Und so ist die ganze Situation für sie eine einzige Lektion. Sie sollen die Chance bekommen, die Ablehnung Jesu wieder gut zu machen. Stattdessen geht ihre Sturheit mit seinen Jüngern weiter.
So ist Gott. Er gibt uns immer wieder Chancen zur Umkehr. Er versucht einfach alles, um unsere Liebe zu erhalten. Er hat aus Liebe alle Menschen ins Dasein gerufen und möchte, dass jeder ihn zurückliebt. Deshalb wirbt er um jeden, deshalb versucht er, sich begreiflich zu machen. Bis zur letzten Sekunde unseres Lebens versucht er alles, damit wir nicht verloren gehen!

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.

23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.

27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Im Kontext der Osteroktav beten wir wiederholt Psalm 118. Er wird uns die nächsten Tage immer wieder begleiten – wir haben ihn schon in der Osternacht gebetet. Es gibt kaum einen Psalm, der besser in die Osterzeit passt.
Gottes große Heilstaten verdienen stets unser Lob und unseren Dank. Wir können gar nicht genug danken für alles, was Gott uns Gutes tut! Und im Anschluss an den Mut des Petrus, der zur Heilung des Gelähmten steht, der die Chance für eine Bekenntnisrede nutzt und weitere 2000 Männer zum Glauben an Christus führt, können wir wirklich nur in einen Lobpreis verfallen!
Ganz im Psalmenstil beginnt das Danklied mit einer Aufforderung zum Dank, denn Gottes „Huld währt ewig!“
Alle Gottesfürchtigen sollen dies gläubig bekennen. Heute sind ganze 2000 Männer hinzugekommen, die gottesfürchtig geworden sind – sie waren es schon vorher, nun aber sind sie zugleich christusfürchtig geworden!
Dann beten wir Vers 22, den Petrus vor der Tempelelite auf Christus bezieht, auf ihn, dessen Verwerfung und Hinrichtung am Kreuz die Erlösung aller Menschen gebracht hat!
Gott hat diese Erlösung erwirkt, indem er selbst am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Kein anderer Gott hat auf diese Weise die Menschheit erlöst und so können wir nicht anders, als zu jubeln und uns über ihn zu freuen. Diese Freude ist mehr als nur eine situative Emotion. Es handelt sich um eine innere Gewissheit, dass am Ende der Zeiten das Heil Gottes steht. Diese Gewissheit trägt den österlichen Menschen durch alles Leid hindurch, sodass er nicht anders kann, als optimistisch zu sein. Das hat nichts mit billiger Jenseitsvertröstung zu tun, sondern ist vielmehr ein gewandeltes irdisches Dasein mit einem österlichen Blick.
„Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN!“ Diesen Ausruf haben die Jünger Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem gesungen, als er auf einer Eselin hineingeritten kam und so als Messias die Hl. Schrift erfüllt hat. Wir beten diesen Ausruf in der Messe im sogenannten Benedictus, das heutzutage mit dem Sanctus gekoppelt ist.
„Wir segnen euch vom Haus des HERRN her“ ist für die Juden die höchste Form von Segen. Im Haus des HERRN, das heißt im Jerusalemer Tempel, ist Gott gegenwärtig. Der Tempel existiert heute nicht mehr. Dieser Vers ist für uns Christen nun auf den eucharistischen Segen zu beziehen, der die höchste Form von Segen darstellt. Gott wohnt im Haus des HERRN, das heißt jetzt in jedem Tabernakel der Kirche. Von dort aus geht ein Segen aus, der gleichzusetzen ist mit dem Segen Christi, den er den Menschen durch seine Heilstaten erwiesen hat. Er ist genauso leibhaftig anwesend wie vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er in Menschengestalt auf Erde wandelte.
Gott ist der HERR und er hat uns Licht geleuchtet – Christus, das Licht der Welt. Er ist der Messias, der die Finsternis erleuchtet hat, wie Jesaja schon 700 Jahre vor Christi Geburt angekündigt hat und wie Christus selbst über sich gesagt hat.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im Evangelium hören wir nun von einer dritten Erscheinung Christi vor seinen Aposteln.
Die Apostel sind am See von Tiberias, womit der See Gennesaret gemeint ist. Bevor der Hl. Geist auf sie herabkommt, sind sie unschlüssig, wie sie ihr Leben fortsetzen sollen. Zwar hat Jesus ihnen gesagt: „Wie mich der Vater sendet, so sende ich euch!“ Doch sie verstehen das alles noch nicht. Deshalb tun sie das, was sie kennen und was sie vor ihrer Berufung als Jünger Jesu getan haben – fischen.
Petrus ist es ausgerechnet, der wieder als erstes das Wort ergreift und die anderen mitzieht. Er sagt kurzerhand „ich gehe fischen“. Die anderen anwesenden Apostel sagen daraufhin: „Wir kommen auch mit!“ Sie tun, worin sie am besten sind. In einer Situation der Ungewissheit bringt es einem Sicherheit, wenn man alte Gewohnheiten aufleben lässt.
Gott nutzt diese Situation, um ihnen wieder etwas Wichtiges beizubringen. Er lässt zu, dass sie in der gesamten Nacht nichts fangen.
Gegen Morgen erscheint ihnen Jesus am Ufer und fragt sie nach Fisch. Er weiß ganz genau, dass sie nichts gefangen haben, doch er möchte, dass sie dies von sich aus selbst sagen.
Währenddessen erkennen sie Jesus noch nicht. Man könnte annehmen, dass sie es langsam verstanden haben sollten, dass es der Auferstandene sein muss. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind ja mehr als eindeutig. Man kann es vielleicht auf die Tageszeit beziehen. Die Sonne geht gerade erst auf und so ist es noch zu dunkel, Jesus zu erkennen. Wir können es auch auf das besorgte Kreisen der Apostel um sich selbst beziehen, die so von ihren Zukunftsängsten geplagt sind, dass sie gar nicht darauf achten, wer hier mit ihnen spricht.
Eines ist eindeutig: Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet im Morgengrauen zu ihnen tritt. Für die Juden ist es verbreitet, den Messias vom Osten kommend zu erwarten. Im Osten geht die Sonne auf. Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Er kommt im Morgengrauen. Dies haben wir auch schon beim Osterereignis selbst gemerkt! Er ist im Morgengrauen auferstanden und hat somit die Schrift erfüllt! Und nun kommt er wieder im Morgengrauen zu jenen, für die Nacht ist – die in ihrer Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit dahinleben, die nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist ihre Sonne, ihre Hoffnung, ihre Orientierung, ihr Segen. Und deshalb gibt er ihnen dann den Rat, nochmal die Netze auszuwerfen.
Er gibt ihnen Anweisungen, obwohl sie die Profis sind. Womöglich merken sie schon, dass hier etwas passiert, und werfen deshalb nochmal die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Als sie es wieder einholen wollen, ist es so brechend voll, dass die Netze zu reißen drohen!
So ist Gottes Gnade. Wenn er gibt, dann im Überfluss!
Wir können diese ganze Szene bis hierhin absolut auf unser eigenes Leben beziehen: Wenn Christus mit uns ist und wir alles tun, was er uns aufträgt, dann gelingt unser Leben. Wenn wir nach Gottes Willen leben und Hand in Hand mit ihm unser Leben leben, wird er uns überreich segnen. Dann werden wir große Zeichen in unserem Leben erkennen und die Größe Gottes mit eigenen Augen erfahren.
Johannes, der Jesu Herz am besten verstanden hat, der an diesem Herzen geruht hat im Abendmahlssaal und unter dem Kreuz bei der Durchbohrung, er ist der erste, der Jesus erkennt.
Als Petrus das erfährt, zieht er sich das Obergewand an, weil er nackt ist, und springt in den See. Was soll diese seltsame Reaktion? „Nackt sein“ bedeutet in diesem Fall nicht das Splitternacktsein, sondern die fehlende Oberbekleidung. Petrus fühlt sich bloßgestellt. Die eigentliche Nacktheit, die er verspürt, ist das Offenliegen seiner Ohnmacht vor dem Herrn. Er vermag nichts ohne ihn. Die ganze Nacht hat er versucht, das zu tun, was er am besten kann. Und selbst das hat nicht funktioniert. Seine ganze Armut liegt hier vor dem Auferstandenen bloß. Er springt in den See vor lauter Beschämung. Was ist denn daran so schlimm, sich vor Gott so hilflos zu fühlen, wenn dieser einem alles schenken kann? Für Petrus ist das ein Prozess der Demütigung. Er hat noch vor dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu große Töne gespuckt. Er hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt und sich grenzenlos überschätzt, als er zu Jesus sagte: „Mein Leben will ich für dich geben!“ DAS hier ist nun der echte Petrus. Ein einfacher Fischer, der selbst bei seinem Beruf nicht große Töne spucken kann. Der Mensch ist selbst bei den kleinsten Dingen auf Gott angewiesen. Petrus lernt endlich seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit kennen. Er lernt, endlich echt zu werden, authentisch. So lässt Gott auch in unserem Leben zu, dass wir lernen, uns im Angesicht Gottes so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit allen Ecken und Kanten, mit allen Begrenzungen, mit Stärken und Schwächen. Erst wenn wir uns richtig erkannt haben, was Demut heißt, können wir Arbeiter in seinem Weinberg sein oder mit dem Bild dieses Evangeliums – Menschenfischer sein.
Petrus schämt sich vor Jesus, weil er ihn dreimal verleugnet hat. Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, wird Christus ihn dreimal fragen, ob er ihn liebt. Er wird ihn konfrontieren und eine tiefe Versöhnung herbeibringen.
Es hat übrigens eine tiefe Bedeutung, dass sie am Ende die Fische zählen und es sich um 153 Exemplare handelt. So viele Länder sind zu jenem Zeitpunkt bekannt. Es zählt die Weltkarte, was für die Jünger ein Hinweis darauf sein soll, dass sie bald zu Menschenfischern in der ganzen Welt werden!
Jesus nimmt von den Fischen und bereiten den Jüngern ein Mahl. Ja, Jesus ist der Gastgeber auch der Eucharistie, zu der er uns immer wieder einlädt. Er ist es, der die Gaben wandelt und sich darin selbst opfert. Er ist es, der uns in unserem Leben nährt und Kraft schenkt. Er wird uns am Ende der Zeiten alle der Reihe nach bedienen bei der Hochzeit des Lammes. Es wird ein einziges Festmahl sein!
Das ist also die dritte Erscheinung des Auferstandenen. Petrus wird all dies in sich aufgenommen und nach der Spendung des Hl. Geistes begriffen haben. Von seiner Beschämung, von seinem gekränkten Ego, von seiner Furcht wird nichts mehr bleiben. Er wird voll von Erkenntnis und Weisheit freimütig für Christus einstehen und wahrlich ein vorbildlicher Menschenfischer werden. Wir sehen, dass dieser Petrus und der spätere Petrus das großartige Werk Gottes ist. So kann es auch mit uns gehen. Der Hl. Ignatius von Loyola hat es ganz trefflich ausgedrückt, als er sagte: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Genau so ist es. Petrus hat es gewagt und Gott sein Ja gegeben. So hat er eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen mithilfe der Gnade Gottes. Und so können auch wir zu ganz neuen Menschen werden, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, wenn wir ihm nur täglich unser Ja geben.

Das ist eine österliche Freudenbotschaft für alle Getauften und die, die es werden wollen! Es ist nicht zu spät, selbst wenn wir sehr große Sünder sind. Wenn wir den Mut aufbringen, umzukehren und auch den Demütigungsprozess zu durchlaufen, dann kann Gott auch uns ein neues Leben schenken.

Ihre Magstrauss

Samstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 12,1-7a.10-17; Ps 51 (50), 12-13.14-15.16-17; Mk 4,35-41

2 Sam 12
1 Darum schickte der HERR den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. 

2 Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder, 
3 der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter. 
4 Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war. 
5 Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod. 
6 Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat. 
7 Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. 
10 Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. 
11 So spricht der HERR: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. 
12 Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun. 
13 Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den HERRN gesündigt. Natan antwortete David: Der HERR hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben. 
14 Weil du aber durch diese Tat den HERRN verworfen hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben.
15 Dann ging Natan nach Hause. Der HERR aber schlug das Kind, das die Frau des Urija dem David geboren hatte, und es wurde schwer krank. 
16 David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde. 
17 Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewegen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen.

Heute hören wir davon, dass David Gott nicht egal ist. König David ist auf Abwege geraten, weil er der Begierde nachgegeben hatte. Dadurch hat er die Gnade verloren, doch Gott möchte ihn konfrontieren. Es ist wie in einem zwischenmenschlichen Konflikt: Einer der Beteiligten sucht das Gespräch, um den Streitpunkt auszuräumen und Versöhnung zu ermöglichen. So teilt Gott über den Propheten Natan David ein Gleichnis mit. Das ist sehr schlau, denn so betrachtet David die ganze Situation aus einem distanzierteren Blickwinkel. Er fühlt sich nämlich weder angesprochen noch angegriffen.
Das Gleichnis ist insofern passend, weil es die Begierde des David umschreibt: Ein reicher Mann, der unzählige Schafe und Rinder besitzt, nimmt einem Armen, der nur ein einziges Lamm hat, dieses eine Tier weg. David, der reich ist, der mit Gottes Gnade ausgestattet ist und mehrere Frauen hat, nimmt Urija die eine Frau weg, die er hat – und die vor allem nicht seine Frau ist!
Als David das Gleichnis hört, ist er empört und zornig über das Verhalten des reichen Mannes. Er verlangt die Todesstrafe für ihn. Da löst Natan auf, wer mit diesem verabscheuungswürdigen Mann gemeint ist. Was Gott durch Natan David also vorwirft, ist dass er des Nächsten Frau begehrt hat (neuntes der zehn Gebote). Diese Sünde hat zunächst den Ausschlag gegeben, erst mit der Umsetzung des Ehebruchs kommt es zum Verstoß des sechsten Gebots.
David muss von nun an die Konsequenz seiner Sünde tragen. Ihm werden die Frauen weggenommen werden. Was er heimlich getan hat, wird nun in ganz Israel über seine Frauen bekannt werden. Aus seiner eigenen Familie wird sich das Schwert gegen ihn erheben. Das Kind, das beim Ehebruch entstanden ist, wird sterben. David tut es von Herzen leid, was er getan hat, nicht weil er jetzt bestraft wird, sondern weil er Gott wirklich liebt und er es bereut, ihn beleidigt zu haben. Er bekennt vor Natan, dass er sich vor Gott schwer versündigt hat. Natan sagt ihm zu, dass Gott ihm vergeben hat und er deshalb nicht sterben werde. Diese unscheinbaren Verse sind für uns Christen besonders interessant, weil sie uns typologisch auf die Sündenvergebung Christi und auf das Sakrament der Beichte vorbereiten: David bereut von Herzen, sagt Natan, aber eigentlich Gott selbst, dass er sich vor ihm schwer versündigt hat, bekommt von Gott über den Propheten Natan zugesagt, dass ihm vergeben wird. Er wird nicht sterben – das lesen wir dann seelisch. Gott vergibt die Sünde und deshalb ist man nicht mehr im Stand der Todsünde, die Seele stirbt nicht, man kommt also nicht mehr in die Hölle. Aber wegen der Schwere der Sünde ist die Sühne Davids besonders schwerwiegend und lang. Er muss mehrere Dinge dafür erleiden, was er getan hat. David tut Buße und fastet, um das Unheil noch abwenden zu können, aber es muss geschehen. Nur so werden seine Vergehen wieder gut gemacht. Das Kind wird dennoch sterben. Auch nach der Beichte müssen wir unsere Sünden wieder gut machen. Was wir zeitlebens aber noch nicht gesühnt haben, sühnen wir nach dem Tod, bevor wir ganz bei Gott sein können. Dass nennen wir Fegefeuer.
David hat seine Lektion gelernt, aber die Folgen seiner Missetaten werden auf ihn zurückfallen. Sein eigener Sohn wird eine Meuterei anzetteln, sein anderer Sohn stirbt, die Fremdherrschaften haben kein Ende.
Dieser König, der uns so ein großes Vorbild ist, hat gestern seine dunklen Seiten gezeigt. Das hat ihn echt gemacht, denn kein Mensch ist ohne Sünde. Er hat aber auch gezeigt, wie man sich verhalten muss, wenn man gefallen ist: Man muss wieder aufstehen. Konkret heißt das, dass man Gott aufrichtig um Verzeihung bitten, die Sünde klar bekennen, voller Reue und Vorsatz es in Zukunft nicht wieder tun soll und die Konsequenzen ausbadet. Davids Innenleben in dieser ganzen Situation ist uns gestern vor allem durch Psalm 51 deutlich geworden. Heute beten wir den zweiten Teil des Psalms, der auch heute die Sehnsucht nach Versöhnung mit Gott verdeutlicht.

Ps 51
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! 
13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! 
14 Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut! 
15 Ich will die Frevler deine Wege lehren und die Sünder kehren um zu dir. 
16 Befreie mich von Blutschuld, Gott, du Gott meines Heils, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit! 
17 Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde!

„Erschaffe mir Gott ein reines Herz“ ist die Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst nicht gut machen kann. Vor allem wenn man sich schuldig gemacht hat, kann man nicht selbstständig wieder den Zustand der Schuldlosigkeit zurückerlangen. Gott ist es, der uns wieder in den Stand der Gnade zurückversetzen kann, indem er uns die Schuld vergibt, uns reinigt, uns erneuert durch den Hl. Geist. Er kann unser Herz wieder rein machen und uns einen „neuen beständigen Geist“ schenken.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt.
Davids Sünde hat ihn unglücklich gemacht. Das wird uns deutlich aufgrund der Bitte hier im Psalm „mach mich wieder froh mit deinem Heil“. Die Sünde macht uns immer unglücklich, weil sie uns in einen Streit mit Gott bringt. Wenn wir uns aber von Gott entfernen, entfernen wir uns von der Lebensquelle. Dann kann es uns seelisch nur schlecht gehen. Wir werden innerlich einsam und unzufrieden. Wir werden traurig, weil Freude eine Frucht des Hl. Geistes ist. Diesen verlieren wir aber durch die Sünde. David möchte wieder zur glücklichen Beziehung zu Gott, zu seiner ersten Liebe zurückkehren. Er bittet Gott um die Frucht der Freude, die nur der Hl. Geist wieder verleihen kann. Er kann sich nicht selbst glücklich machen. Es ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Das hat David verstanden.
David verspricht, Gott auch vor den Abtrünnigen zu bekennen und anderen Sündern auf den Weg zurück zu Gott zu führen. Gott möge ihn von der Blutschuld befreien, die er durch den Mord Urijas auf sich geladen hat, dann wird David Gott loben und preisen. Gott möge ihm die Lippen öffnen, damit er wieder Lobpreis machen kann. Dies kann er zurzeit nicht, denn sein Herz ist nicht bereit dafür. Dieses muss Gott erst verwandeln. Für David kommt kein oberflächliches Loben in Frage. Schließlich möchte er mit dem Herzen immer dabei sein und es ist für David ein Ausdruck der innigen Beziehung zu Gott. Diese ist jetzt aber gestört. Auch wir Menschen können Gott wieder loben und preisen, wenn alles Störende ausgeräumt ist. Wenn wir wieder im Stand der Gnade sind, können wir wieder feiern. Dann ist die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt. Wir denken da besonders an die Eucharistie. Bei dieser antizipierten Hochzeit des Lammes können wir den Leib Christi erst empfangen, wenn die Gemeinschaft intakt ist. Wie traurig man sich fühlt, wenn man nicht nach vorne gehen kann, weil man sich schwer versündigt hat! Dann beten auch wir „verschaffe mir Gott ein reines Herz! Mach mich wieder froh mit deinem Heil, mit deinem Jesus!“ Auch uns möchte Gott die Schuld vergeben und hat deshalb das Sakrament der Versöhnung gestiftet. Wie wohltuend ist es für die Seele, dieses Heilmittel in Anspruch zu nehmen! Umso trauriger ist es, dass so wenige Menschen diese Chance in Anspruch nehmen möchten. So werden sie aber auch zeitlebens unglücklich sein.

Mk 4
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 

36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 
37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 
38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 
39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 
40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 
41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Nachdem Jesus jetzt mehrere Gleichnisse erzählt hat (wir hörten davon die letzten Tage), fährt er nun mit seinen Jüngern in einem Boot zum anderen Ufer des Sees Genesaret. Vor einigen Wochen haben wir über diese Fahrt von einem Ufer zum anderen vierfach nachgedacht. Dann war dieses Boot als die Kirche zu betrachten, die auf dem See der Endzeit durch allerlei Stürme hindurch auf die Ewigkeit zusteuert. Es ist auch das Boot unseres Lebens, in dem wir durch die Stürme unseres Alltags hindurch auf das ewige Leben zusteuern, ebenso die gesamte Menschheitsgeschichte, die sich auf die Endzeit zubewegt, auf den Tag des Jüngsten Gerichts zu.
Entscheidend ist, dass Jesus mit im Boot ist. So kann das Boot nicht kentern, weder als Kirche Christi betrachtet, die die Mächte der Finsternis nicht überwältigen werden, noch als unser eigenes Leben betrachtet, in denen die Versuchungen des Teufels uns mit Jesu Beistand nichts anhaben können. Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten und dem Gericht Gottes wird uns ein gutes Gerichtsurteil erwarten, wenn Jesus im Boot ist.
Und wenn die schweren Stürme kommen, vergessen wir manchmal, dass er da ist. Dann werden wir panisch, weil Wasser ins Boot läuft. Dann schreien wir zu Gott, dass er uns helfe und rütteln am schlafenden Jesus. Wir verstehen dann nicht, warum Gott so gelassen bleibt, obwohl die Situation so dramatisch erscheint. Das ist sowohl im kirchlichen Leben als auch im alltäglichen Leben des Einzelnen so. Wir haben den Eindruck, dass wenn ein Schisma droht, wenn Angriffe von innen und außen kommen, die Kirche untergehen wird. Dabei vergessen wir, dass dies nicht passieren kann. Jesus hat es uns versprochen und er wird uns auch helfen. Das ist auch so, wenn wir schlimmen Versuchungen ausgesetzt sind oder schwierige Probleme im Leben bekommen. Dann haben wir schnell den Eindruck, dass alles den Bach hinuntergeht. Wir schöpfen wie wild eimerweise das hineinlaufende Wasser aus und reagieren hektisch, unüberlegt. Genau dies möchte der Teufel auch, er will uns verrückt machen, dass wir die Orientierung verlieren. Dabei müssen wir dann erst recht ruhig bleiben, uns besinnen und uns an Christus wenden. Wenn wir Versuchungen ausgesetzt sind, sollen wir beten, Kontakt zu Gott suchen. Er wird sie vertreiben. Er muss nur ein Wort sagen und alles wird verwandelt werden. Wir sollen auf Gott vertrauen und seinen Worten glauben, wenn er sagt: Es wird euch nichts passieren. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir uns vornehmen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihn besser kennen lernen zu wollen. Dann kommen tausend Ablenkungsmanöver durch die alltäglichen Sorgen, Probleme und Zwischenfälle. Wir werden davon so abgelenkt, dass wir weder die Zeit noch die Kraft, noch den Gedanken übrig haben, unser ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es sind die typischen Schachzüge des Teufels, uns von Gott wegzuziehen. Wenn im Alltag so viele Probleme auftauchen und uns wieder aufzuzehren versuchen, seien wir uns dann bewusst, wer eigentlich dahintersteckt. Zeigen wir es ihm dann so richtig, indem wir uns dann gerade an Gott klammern, uns dann gerade mehr Zeit zum beten nehmen und vor allem noch mehr die Sakramente in Anspruch nehmen, häufiger beichten, häufiger die Kommunion empfangen. Dann tun wir dadurch genau das, was die Jünger Jesu auch tun – mit dem Wasserschöpfen aufhören und Jesus wecken. Mit seiner Hilfe wird uns alles gelingen.

Und wenn wir dies nun zurückbeziehen auf König David, erkennen wir, dass die Zuhilfenahme Gottes und das absolute Vertrauen auf ihn gerade auch in Schuldsituationen zu suchen ist. Was mit David passiert ist, ist ein großes Loch in seinem Boot durch einen besonders starken Sturm. Er hat den Versuchungen des Teufels nachgegeben, die man mit diesem Bild hier als Sturmböen beschreiben kann. Er hat nicht wie wild angefangen, das Loch selbst zu stopfen und das Wasser selbst auszuschöpfen, sondern er hat den Herrn sofort geweckt. Er bat ihn um Verzeihung und betete – so haben wir im Psalm gehört- erschaffe mir Gott ein reines Herz und gebe mir einen beständigen Geist! Er hat Gott geweckt, weil er verstanden hat, dass er dieses angerichtete Chaos nicht selbst wieder in Ordnung bringen kann. Er vertraute dabei darauf, dass Gott das Boot nicht verlassen wird, sondern sein Versprechen des Bundes hält. Gott hat ihm vergeben und sein Boot ging nicht unter. Natan hat David ja zugesagt „du wirst nicht sterben“. Aber er musste für den entstandenen Schaden aufkommen.

Beide Geschichten sind für uns ganz hilfreiche Hinweise, wie wir uns in den Stürmen des eigenen Lebens und der Kirche verhalten sollen, selbst da, wo wir den Stürmen nachgegeben haben. Schließlich bleibt kein einziger Mensch von den Versuchungen verschont. Jeder muss im Sturm kämpfen. Wenden wir uns dabei an Christus, der mit im Boot ist, und bleiben wir gelassen: Wir werden nicht sterben, solange wir den Herrn bei uns haben. Er ist bereit, jedes Loch zu stopfen und die Versuchungen zu vertreiben, wenn wir nur zu ihm kommen im Sakrament der Versöhnung.

Ihre Magstrauss

9. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 4,11-18; Ps 72,1-2.10-13; Mk 6,45-52

1 Joh 4
11 Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. 
12 Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. 
13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. 
14 Wir haben geschaut und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt. 
15 Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott.
16 Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. 
17 Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt.
18 Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe
.

Heute hören wir die Fortsetzung des ersten Johannesbriefes. Es geht heute weiterhin um die Konsequenz des Geliebtseins von Gott. Gestern fassten wir als Kern der Lesung zusammen: Unser ganzes Leben soll Antwort darauf sein, dass Gott uns zuerst geliebt hat.
Heute geht es noch weiter: Die Nächstenliebe leitet sich von der Gottesliebe ab.
Es wird sogar noch mehr zugespitzt: Gottes Liebe wird in uns vollendet, wenn wir unseren Nächsten lieben. Das heißt, dass Gott seiner Liebe Ausdruck verleiht durch die Mitmenschen. Dies ist komplementär und ergänzend zu betrachten zu dem, was Jesus z.B. im Matthäusevangelium sagt: Wir tun durch die barmherzigen Taten am Mitmenschen eigentlich Gott einen Dienst (Mt 25, „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“). Hier lesen wir jetzt die andere Seite der Medaille: Wenn uns jemand liebt, wenn er uns etwas Gutes tut, ist es eigentlich Gott, der durch diese Person handelt. Das heißt nicht, dass der Mensch keinen Anteil daran hat. Es ist vielmehr ein Teamwork der Liebe, denn Gottes- und Nächstenliebe hängen untrennbar miteinander zusammen. Wir Menschen geben durch die Liebe, die wir unserem Nächsten schenken, unser Ja. Wir entscheiden uns für den anderen, das heißt wir wirken aktiv mit als freiwillige Werkzeuge der Liebe Gottes.
Wenn wir das so tun, sind wir im Stand der Gnade. Dies wird durch diese Wendung ausgesagt, dass Gott in uns ist und wir in ihm. Das macht auch Sinn. Leben wir nach den zehn Geboten, leben wir die Gottes- und Nächstenliebe. Während die ersten drei Gebote die Gottesliebe betreffen, sind die anderen sieben Gebote auf die Nächstenliebe zu beziehen. Gehen Sie mal in Ruhe die zehn Gebote durch…
Ab Vers 13 erfahren wir, woran wir den Stand der Gnade erkennen: Der Geist Gottes wirkt in uns. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir im Stand der Sünde den Geist nicht in uns haben. Dabei liegt das nicht daran, dass Gott uns seinen Geist verweigert, sondern dass wir selbst ihn von uns wegschieben.
Ab Vers 14 werden noch einmal die Glaubenswahrheiten angedeutet, die die Kirche bekennt und die von bestimmten häretischen Gruppierungen geleugnet werden: Der Vater hat den Sohn als Retter der Welt gesandt und dieser ist tatsächlich Mensch geworden. Und Jesus ist dieser Sohn, den Gott zur Erlösung hat Mensch werden lassen. Diese Inhalte sind so grundlegend und entscheidend, dass ihre Leugnung zum Verlust des Stands der Gnade führen kann! Das müssen wir wirklich verinnerlichen. Wenn wir die Lehre der Kirche nicht annehmen, die ja nicht einfach gesetzt ist so nach dem Motto „glaub das oder tritt aus!“, sondern die schon geglaubt worden ist vor ihrer verbindlichen Verkündigung als Dogma – geführt durch den Hl. Geist. Jesus ist der Sohn Gottes. Er ist nicht einfach nur ein gewöhnlicher Mensch, wie Arius im 4. Jh. behauptete (das wird hier weniger angedeutet), er ist auch nicht eine „Fata Morgana“ ohne Materie (darum geht es hier vor allem, das ist Doketismus). Die Aposteln und die ganzen Jünger, die seine Augenzeugen waren, haben seinen echten Körper gesehen, sie haben ihn berührt, sie haben ihn essen gesehen. Er ist echt.
Wenn in Vers 16 steht, dass wir die Liebe erkannt und gläubig angenommen haben, deutet das die Taufe an. Wir sind zu seinen Kindern und Erben geworden. Wir haben Gott selbst angenommen und angefangen, ihn zurückzulieben. Gott ist nämlich selbst die Liebe und in der Liebesgemeinschaft mit ihm haben wir den Stand der Gnade geschenkt bekommen.
Das hat Auswirkungen auf unseren Lebensausgang und dadurch auch auf unseren jetzigen Lebensstil: Durch den uns geschenkten Stand der Gnade ist uns die Angst genommen worden (φόβος  fobos). Wir müssen vor dem Gericht Gottes, vor dem Tod und vor dem Ende der Welt keine Angst haben, wenn wir im Stand der Gnade sind. Angst kommt nicht vom Hl. Geist, sondern hängt mit Schuldgefühlen zusammen. Wir haben Angst vor der Strafe, weil wir wissen, dass wir etwas Böses getan haben. Wenn wir uns aber stets um den Stand der Gnade bemühen, haben wir nichts zu befürchten. Dann haben wir Zuversicht, wie es hier in der Einheitsübersetzung heißt. Das griechische Wort ist παρρησία parresia, was eigentlich „Offenheit, Redefreiheit“ bedeutet. Wir werden uns vor Gericht offen und frei rechtfertigen, weil wir auf seine Liebe vertrauen. Das alles ist auch der Grund, warum im Alten Testament das göttliche Gericht so positiv und erleichternd dargestellt wird. Es ist nichts Bedrohliches, sondern eine Erlösung für die ungerecht Behandelten, die aber gerecht vor Gott sind.
Man kann die heutige Lesung mit einem Satz zusammenfassen: Das höchste Ziel im Leben und darüber hinaus ist die Liebesgemeinschaft mit Gott.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil.   
10 Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben, mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba. 
11 Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, es dienen ihm alle Völker. 
12 Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, den Elenden und den, der keinen Helfer hat. 
13 Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, er rette das Leben der Armen
.

Diesen Psalm beten wir die Tage besonders oft, weil wir uns erstens noch in der Weihnachtszeit befinden, zweitens weil wir zwischen Epiphanie und Taufe des Herrn stehen.
Gott wird um die Gabe gerechten Richtens gebeten (Vers 1). David bittet auch um die Gabe gerechten Herrschens für Salomo. Es geht aber über seinen Sohn hinaus, wenn wir lesen, dass die Herrschaft von „Meer zu Meer“ und „an die Enden der Erde“ gehen soll. Dies ist für einen israelitischen Herrscher natürlich unrealistisch. Man könnte solche Wendungen hier als rhetorisches Stilmittel erklären, was auch nicht falsch ist. Dennoch lesen wir über den Text hinaus: Hier wird ein übermenschlicher Herrscher erbeten. König David wird sich dessen noch nicht bewusst gewesen sein, was der Hl. Geist ihm im Gebet eingegeben hat, aber hier wird um Jesus Christus gebeten: Nur er ist wirklich ganz gerecht. Das kann ein gewöhnlicher Mensch nicht sein. Er ist wahrlich der Befreier der Armen – und nicht nur materiell, sondern umfassend. Er wird die Randständigen wieder in die Mitte der Gesellschaft setzen wie die blutflüssige Frau oder die Aussätzigen und die Besessenen, die nicht mehr in der Stadt leben durften. Er wird aber vor allem uns alle, die wir durch die Sünde arm sind, befreien von der Knechtschaft der Erbsünde, die uns das Paradies verschlossen hat. Was in den Versen 10 und 11 beschrieben wird, hat sich teilweise bei Salomo erfüllt. Wie oben erwähnt kam die Königin von Saba und bewunderte den Reichtum und die Herrlichkeit des salomonischen Reiches. Sie kam auch mit Gaben. Aber es hat sich mit Salomo nicht erfüllt, dass alle Könige sich ihm unterstellt haben. Das steht auch noch aus, wie wir an der hebräischen Verbform וְיִשְׁתַּחֲווּ w’jischtachavu erkennen. Sie „werden niederfallen“ – und zwar vor dem kleinen Jesuskind in der Grotte von Bethlehem, vor dem Kreuz (der heidnische Hauptmann, der Jesu Gottessohnschaft erkennt), vor dem Leib Christi in der Eucharistie (wir sind aus allen Völkern, Sprachen, Nationen). Die Sterndeuter repräsentieren alle Herrscher dieser Welt sowie die Völker, von denen hier die Rede ist (übrigens wiederum ausgedrückt durch das hebräische Wort gojim).

Mk 6
45 Gleich darauf drängte er seine Jünger, ins Boot zu steigen und ans andere Ufer nach Betsaida vorauszufahren. Er selbst wollte inzwischen die Leute nach Hause schicken. 

46 Nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. 
47 Als es Abend wurde, war das Boot mitten auf dem See, er aber war allein an Land. 
48 Und er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See, wollte aber an ihnen vorübergehen.
49 Als sie ihn über den See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf. 
50 Alle sahen ihn und erschraken. Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! 
51 Dann stieg er zu ihnen ins Boot und der Wind legte sich. Sie aber waren bestürzt und fassungslos. 
52 Denn sie waren nicht zur Einsicht gekommen, als das mit den Broten geschah; ihr Herz war verstockt.

Der heutige Abschnitt aus dem Markusevangelium schließt sich an die wunderbare Speisung von gestern an. Direkt nach diesem Wunder „drängt“ Jesus seine Jünger, mit einem Boot ans andere Ufer nach Betsaida zu fahren. Das Verb ἀναγκάζω anangkazo heißt „zwingen, überzeugen, beweisen“ und muss hier so verstanden werden, dass Jesus sich durchsetzt, obwohl die Jünger davon nicht so begeistert sind. Entweder klingt noch nach, dass Jesus zuvor etwas Absurdes von ihnen verlangt hat („gebt ihr ihnen zu essen“), sodass sie immer noch verwirrt vom Wunder sind, oder es ist etwas ganz anderes, was sehr an das Taborereignis erinnert: Sie wollen nicht weg, weil es so schön ist. Sie haben mit dem Wunder der Speisung von 5000 Männern Gottes Herrlichkeit erahnt und wollen diesen wunderbaren Moment nicht direkt wieder verlassen. Sie sind Augenzeugen geworden, wie wir heute im ersten Johannesbrief gelesen haben.
Die zweite Erklärung macht mehr Sinn. Warum? Jesus tat die ganzen Wunder im Laufe seines irdischen Lebens ja in erster Linie, damit die Menschen zum Glauben an ihn kommen bzw. gestärkt werden. Seine Jünger werden da keine Ausnahme gebildet haben!
Und nun lesen wir auch die Bestätigung dessen, was wir gestern schon vermutet haben: Jesus schickt die Leute nun selbst nach Hause, was die Jünger zuvor ja schon tun wollten. Jesus will von Anfang an niemanden quälen oder das leibliche Wohl vernachlässigen. Das Wunder ist ja nun vollbracht und die Lektion Gottes erteilt worden (die Vorbereitung der Anwesenden auf die Eucharistie und das himmlische Hochzeitsmahl). Jesus wollte die Menschen ja nicht überstrapazieren, indem er sie mitten in die Pampa lockt. Er hat sie genährt – körperlich, aber vor allem seelisch! Nun sollen sie „darüber schlafen“, also alles verarbeiten, was passiert ist.
Dann tut Jesus etwas, das auf den ersten Blick absurd erscheint: Er schickt seine Jünger auf den See, geht selbst aber auf einen Berg. Das muss man richtig verstehen. Jesus zieht sich immer wieder auf einen Berg zurück, um mit seinem Vater zu sein. Jesus könnte es auch anders machen, denn egal, wo er ist, ist er eins mit seinem Vater. Er tut es aber um der Menschen willen. Sie sollen immer wieder die göttlichen Lektionen erteilt bekommen und nach und nach tiefer in das Geheimnis Gottes eintauchen. Seine Jünger sind Juden. Sie wissen aus der Hl. Schrift, dass der Berg der Ort einer besonderen Nähe zu Gott ist. Die wichtigen heilsgeschichtlichen Stationen haben auf einem Berg stattgefunden: Mose erhielt die zehn Gebote auf dem Berg Sinai, Abraham opferte seinen Sohn fast auf einem der Berge im Gebirge Morijah. Die Arche Noahs ging auf einem Berg an Land. Elijah hatte ebenfalls eine Gottesbegegnung am Horeb. Man könnte noch ewig so weiter aufzählen. Die Jünger Jesu werden verstanden haben, warum Jesus ausgerechnet nach so spektakulären Wundertaten die Nähe zu seinem Vater sucht. Für uns ist das heute besonders erkenntnisreich: Wir lasen im ersten Johannesbrief davon, dass unser Sinn im Leben genau jene Liebesgemeinschaft mit Gott ist. Wir sehen an Jesu Verhalten heute, wie das konkret aussehen soll. Wir sollen uns im Gebet mit Gott von seiner Liebe umarmen lassen und dabei unseren „Tank“ auffüllen, mit dem wir dann unseren Mitmenschen barmherzig sein sollen. Gestern lasen wir davon, dass Jesus mit den Menschen Mitleid hatte. Er hat diesen Tausenden seine ganze Liebe geschenkt. Und danach geht er wieder zum Vater und tankt neu auf. So sollen auch wir die Liebe, die wir dem Nächsten schenken, immer wieder vom Herrn holen. Sind wir ganz in seiner Gemeinschaft, werden wir selbst zu einer unerschöpflichen Quelle der Liebe. Andernfalls geraten wir sehr schnell an unsere Grenzen.
Jesus schickt seine Jünger alleine auf den See. Auch das ist eine Lektion für die Jünger. Sie sind ja eigentlich gesättigt von der wunderbaren Speise – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Das war jedenfalls das Ziel der Speisung. Und dann kommt der Gegenwind. Sie nehmen ihre ganze Kraft zusammen, haben aber Probleme, voranzukommen. Gott lässt das zu, nicht weil er sadistisch ist, sondern weil er sie lehren will. Der Unterricht des Tages ist noch nicht zuende. In der vierten Nachtwache, also im Morgengrauen, kommt Jesus auf dem Wasser ihnen entgegen. Ihre Reaktion ist Angst, da sie ihn für ein Gespenst halten. Heute haben wir bereits gelernt, dass Angst nicht vom Hl. Geist ist. Wir brauchen keine Angst zu haben, wenn wir in der Liebe Gottes leben. Deshalb sagt Jesus diesen wichtigen und so oft in der Bibel kommenden Satz „Fürchtet euch nicht!“ Mit Jesu Kommen legt sich der Wind. Das sagt etwas über seine Göttlichkeit aus. Die Schöpfung ist ihm untertan.

Die Jünger haben ihre Lektion nicht gelernt. Es heißt, dass sie verstockt waren. Das griechische Wort πεπωρωμένη peporomene heißt wörtlich „versteinert“ im Sinne von verhärtet. Sie ließen sich nicht formen wie der Töpfer aus Ton etwas Schönes formt. Sie waren nicht bereit, die Lektion Jesu an sich heranzulassen. Die Herzensbildung, um die es Jesus an dem Tag ging, ist gescheitert. Was war denn die Lektion, die Jesus sowohl mit der wunderbaren Speisung und der Bootsepisode erteilen wollte?
Wir fassen noch einmal zusammen: Jesus tut das Speisungswunder, was an die Eucharistie erinnert. Er bereitet seine Jünger auf den Neuen Bund vor, den er beim letzten Abendmahl beginnen und am Kreuz vollenden würde. Dass er dann direkt zum Berg geht und die Jünger alleinlässt, ist demnach die Vorbereitung der Jünger auf die Zeit nach seinem Tod. Er will sie dafür sensibilisieren, dass er sie durch den Kreuzestod für eine kurze Zeit alleine lassen würde, nur um in der „vierten Nachtwache“ von den Toten aufzuerstehen! Er geht auf dem Wasser, um sie darauf vorzubereiten, wie er als Auferstandener die Naturgesetze überwinden und in verschlossenen Räumen erscheinen wird. Er kommt zu ihnen zurück und mit seiner Gegenwart verschwinden ihre Probleme schlagartig. All das hätte sie zur Einsicht oder zumindest zur Erahnung führen sollen, wer Jesus und wer Gott ist.
Jesus will ihnen durch die Lektion noch etwas anderes lehren: Er will sie darauf vorbereiten, was die Eucharistie bedeuten wird. Sie ist seine Gegenwart, auch wenn sie ihn in jetziger Gestalt nicht mehr sehen. Durch diese Gegenwart soll sich ihr Verhalten auch ändern. Sie sollen verstehen, dass er da ist und dass sie ihm genauso vertrauen können, wie als er in Menschengestalt bei ihnen war. Als Jesus zu ihnen ins Boot steigt, vertrauen sie ihm immer noch nicht, sondern sind immer noch bestürzt und fassungslos. Noch sind sie nicht bereit, den Kern der Eucharistie zu verstehen.
Wir lesen die Lektion mehrdimensional. Die Speisung und die sich anschließende Episode erinnert auch an die Fortsetzung: Jesus hinterlässt der Kirche ein Testament, nämlich seinen eigenen Leib. Dann geht er heim zum Vater und beauftragt seine Kirche, in seinem Namen die Verkündigung der frohen Botschaft fortzusetzen. Das Boot/Schiff ist nicht umsonst eine gängige Metapher für die Kirche. Die Gemeinschaft der Gläubigen auf dem Boot müht sich ab in den Stürmen und Gegenwinden der Welt. Sie ist ohne Christus ganz verloren. Vielleicht deutet diese Episode schon die ängstliche Verbarrikadierung der Jünger Jesu an, die erst mit dem Kommen des Hl. Geistes den Mut erhalten, hinauszugehen und das Wort Gottes zu verkündigen. Es lehrt uns heute als Kirche jedenfalls eine deutliche Lektion. Wo wir versuchen, das Boot der Kirche zu steuern, ohne dass Jesus mit im Boot ist, ist unser Schiffbruch vorprogrammiert. Die Gegenwinde sind zu stark, als dass wir aus unserer eigenen Kraft dagegen anrudern könnten. Das betrifft jede Zeit. So war es bei den ersten Christen, so ist es auch gerade heute in den Wirren der Gegenwart. Überlassen wir auch heute als Kirche dem Herrn das Ruder, damit er uns sicher ans andere Ufer bringt, nämlich in das himmlische Jerusalem zum Vater. Die Bootsfahrt der Jünger von einem Ufer ans andere versinnbildlicht somit unsere jetzige Epoche der Kirche von Jesu Bundesschluss bis hin zum Ende der Zeiten. Wir sind in dieser Endzeit und steuern in ganz schlimmen Stürmen auf das andere Ufer zu. Ohne Jesu Gegenwart, das heißt ohne die Eucharistie, sind wir verloren. Falls wir nicht Schiffbruch erleiden, landen wir irgendwo anders, aber nicht im Himmel…Das ist so auch mit jedem einzelnen Menschen, der von einem Ufer ans andere segelt auf dem See seines Lebens. Wir erleiden im Laufe unserer Lebenszeit so viele Stürme und ganz viel Widerstand auf dem Weg zum Himmelreich. Der Böse will uns dort nicht sehen, sondern tut alles daran, dass wir Schiffbruch erleiden. Deshalb versucht er uns immer wieder, damit wir in Sünde fallen. Selbst die „Kleinigkeiten“ bohren winzige Löcher ins Boot, die mit der Zeit immer mehr aufbrechen, Wasser ins Boot laufen lassen und das Schiff zum Sinken bringen können. Rudern wir dann aus eigener Kraft wie wild dagegen an, werden wir höchstens aufgerieben und erschöpft. Irgendwann hören wir dann vielleicht sogar auf zu rudern und werden in die entgegengesetzte Richtung getrieben. Sind wir aber in Gemeinschaft mit Gott, wie heute im ersten Johannesbrief beschrieben, steigt Jesus also zu uns ins Boot, dann muss er nur einmal schnippen und die Stürme legen sich. Laden wir stets Jesus in unser Boot, dann werden wir keinen Schiffbruch erleiden!
Schließlich lesen wir die Bootsepisode anagogisch. Jesus kommt am Ende der Zeiten, also in der letzten Nachtwache, unserem Boot der Kirche bzw. der gesamten Menschheit entgegen. Seine Herrlichkeit wird viele Menschen in Furcht bringen. Wir sollen aber keine Angst haben, sondern unsere Häupter erheben, denn „die Erlösung ist nahe“. Der verherrlichte Menschensohn ist unsere Erlösung, nicht unser Untergang. Wir haben nichts zu befürchten, wenn wir in einer Liebesgemeinschaft sind. Das mussten die Jünger damals noch lernen, das müssen auch wir heutzutage noch lernen. Deshalb steht der schon genannte Satz so oft in der Bibel, nämlich 365 Mal: Hab keine Angst. Er steht für jeden Tag in der Hl. Schrift, damit wir das nie vergessen.

Heute hören wir sehr viel von Gemeinschaft mit Gott. Sie ist das A und O im eigenen Glaubensleben, sie ist es aber auch im Leben der Kirche. Getrennt von Gott können wir nichts tun. Manchmal lässt er uns seine Abwesenheit spüren, damit wir genau daran erinnert werden und ihn wieder ins Boot holen. Er verlässt uns in solchen Phasen aber nicht wirklich, sondern fiebert mit uns mit, dass wir die Lektion verstehen. Sorgen wir dafür, dass unser Herz nicht versteinert ist, sondern sich durch die Lektionen Gottes formen lässt. Dann schwindet unsere Angst und wächst unsere Liebe.
Vertrauen wir Gott, der uns seine ganze Liebe schenkt und unser Boot zum richtigen Ufer bringt.

Ihre Magstrauss