Samstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 12,1-7a.10-17; Ps 51 (50), 12-13.14-15.16-17; Mk 4,35-41

2 Sam 12
1 Darum schickte der HERR den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. 

2 Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rinder, 
3 der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus seinem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter. 
4 Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzubereiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war. 
5 Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod. 
6 Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat. 
7 Da sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. 
10 Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetiters genommen, damit sie deine Frau werde. 
11 So spricht der HERR: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. 
12 Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun. 
13 Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den HERRN gesündigt. Natan antwortete David: Der HERR hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht sterben. 
14 Weil du aber durch diese Tat den HERRN verworfen hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben.
15 Dann ging Natan nach Hause. Der HERR aber schlug das Kind, das die Frau des Urija dem David geboren hatte, und es wurde schwer krank. 
16 David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde. 
17 Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewegen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen.

Heute hören wir davon, dass David Gott nicht egal ist. König David ist auf Abwege geraten, weil er der Begierde nachgegeben hatte. Dadurch hat er die Gnade verloren, doch Gott möchte ihn konfrontieren. Es ist wie in einem zwischenmenschlichen Konflikt: Einer der Beteiligten sucht das Gespräch, um den Streitpunkt auszuräumen und Versöhnung zu ermöglichen. So teilt Gott über den Propheten Natan David ein Gleichnis mit. Das ist sehr schlau, denn so betrachtet David die ganze Situation aus einem distanzierteren Blickwinkel. Er fühlt sich nämlich weder angesprochen noch angegriffen.
Das Gleichnis ist insofern passend, weil es die Begierde des David umschreibt: Ein reicher Mann, der unzählige Schafe und Rinder besitzt, nimmt einem Armen, der nur ein einziges Lamm hat, dieses eine Tier weg. David, der reich ist, der mit Gottes Gnade ausgestattet ist und mehrere Frauen hat, nimmt Urija die eine Frau weg, die er hat – und die vor allem nicht seine Frau ist!
Als David das Gleichnis hört, ist er empört und zornig über das Verhalten des reichen Mannes. Er verlangt die Todesstrafe für ihn. Da löst Natan auf, wer mit diesem verabscheuungswürdigen Mann gemeint ist. Was Gott durch Natan David also vorwirft, ist dass er des Nächsten Frau begehrt hat (neuntes der zehn Gebote). Diese Sünde hat zunächst den Ausschlag gegeben, erst mit der Umsetzung des Ehebruchs kommt es zum Verstoß des sechsten Gebots.
David muss von nun an die Konsequenz seiner Sünde tragen. Ihm werden die Frauen weggenommen werden. Was er heimlich getan hat, wird nun in ganz Israel über seine Frauen bekannt werden. Aus seiner eigenen Familie wird sich das Schwert gegen ihn erheben. Das Kind, das beim Ehebruch entstanden ist, wird sterben. David tut es von Herzen leid, was er getan hat, nicht weil er jetzt bestraft wird, sondern weil er Gott wirklich liebt und er es bereut, ihn beleidigt zu haben. Er bekennt vor Natan, dass er sich vor Gott schwer versündigt hat. Natan sagt ihm zu, dass Gott ihm vergeben hat und er deshalb nicht sterben werde. Diese unscheinbaren Verse sind für uns Christen besonders interessant, weil sie uns typologisch auf die Sündenvergebung Christi und auf das Sakrament der Beichte vorbereiten: David bereut von Herzen, sagt Natan, aber eigentlich Gott selbst, dass er sich vor ihm schwer versündigt hat, bekommt von Gott über den Propheten Natan zugesagt, dass ihm vergeben wird. Er wird nicht sterben – das lesen wir dann seelisch. Gott vergibt die Sünde und deshalb ist man nicht mehr im Stand der Todsünde, die Seele stirbt nicht, man kommt also nicht mehr in die Hölle. Aber wegen der Schwere der Sünde ist die Sühne Davids besonders schwerwiegend und lang. Er muss mehrere Dinge dafür erleiden, was er getan hat. David tut Buße und fastet, um das Unheil noch abwenden zu können, aber es muss geschehen. Nur so werden seine Vergehen wieder gut gemacht. Das Kind wird dennoch sterben. Auch nach der Beichte müssen wir unsere Sünden wieder gut machen. Was wir zeitlebens aber noch nicht gesühnt haben, sühnen wir nach dem Tod, bevor wir ganz bei Gott sein können. Dass nennen wir Fegefeuer.
David hat seine Lektion gelernt, aber die Folgen seiner Missetaten werden auf ihn zurückfallen. Sein eigener Sohn wird eine Meuterei anzetteln, sein anderer Sohn stirbt, die Fremdherrschaften haben kein Ende.
Dieser König, der uns so ein großes Vorbild ist, hat gestern seine dunklen Seiten gezeigt. Das hat ihn echt gemacht, denn kein Mensch ist ohne Sünde. Er hat aber auch gezeigt, wie man sich verhalten muss, wenn man gefallen ist: Man muss wieder aufstehen. Konkret heißt das, dass man Gott aufrichtig um Verzeihung bitten, die Sünde klar bekennen, voller Reue und Vorsatz es in Zukunft nicht wieder tun soll und die Konsequenzen ausbadet. Davids Innenleben in dieser ganzen Situation ist uns gestern vor allem durch Psalm 51 deutlich geworden. Heute beten wir den zweiten Teil des Psalms, der auch heute die Sehnsucht nach Versöhnung mit Gott verdeutlicht.

Ps 51
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! 
13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! 
14 Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut! 
15 Ich will die Frevler deine Wege lehren und die Sünder kehren um zu dir. 
16 Befreie mich von Blutschuld, Gott, du Gott meines Heils, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit! 
17 Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde!

„Erschaffe mir Gott ein reines Herz“ ist die Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst nicht gut machen kann. Vor allem wenn man sich schuldig gemacht hat, kann man nicht selbstständig wieder den Zustand der Schuldlosigkeit zurückerlangen. Gott ist es, der uns wieder in den Stand der Gnade zurückversetzen kann, indem er uns die Schuld vergibt, uns reinigt, uns erneuert durch den Hl. Geist. Er kann unser Herz wieder rein machen und uns einen „neuen beständigen Geist“ schenken.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt.
Davids Sünde hat ihn unglücklich gemacht. Das wird uns deutlich aufgrund der Bitte hier im Psalm „mach mich wieder froh mit deinem Heil“. Die Sünde macht uns immer unglücklich, weil sie uns in einen Streit mit Gott bringt. Wenn wir uns aber von Gott entfernen, entfernen wir uns von der Lebensquelle. Dann kann es uns seelisch nur schlecht gehen. Wir werden innerlich einsam und unzufrieden. Wir werden traurig, weil Freude eine Frucht des Hl. Geistes ist. Diesen verlieren wir aber durch die Sünde. David möchte wieder zur glücklichen Beziehung zu Gott, zu seiner ersten Liebe zurückkehren. Er bittet Gott um die Frucht der Freude, die nur der Hl. Geist wieder verleihen kann. Er kann sich nicht selbst glücklich machen. Es ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Das hat David verstanden.
David verspricht, Gott auch vor den Abtrünnigen zu bekennen und anderen Sündern auf den Weg zurück zu Gott zu führen. Gott möge ihn von der Blutschuld befreien, die er durch den Mord Urijas auf sich geladen hat, dann wird David Gott loben und preisen. Gott möge ihm die Lippen öffnen, damit er wieder Lobpreis machen kann. Dies kann er zurzeit nicht, denn sein Herz ist nicht bereit dafür. Dieses muss Gott erst verwandeln. Für David kommt kein oberflächliches Loben in Frage. Schließlich möchte er mit dem Herzen immer dabei sein und es ist für David ein Ausdruck der innigen Beziehung zu Gott. Diese ist jetzt aber gestört. Auch wir Menschen können Gott wieder loben und preisen, wenn alles Störende ausgeräumt ist. Wenn wir wieder im Stand der Gnade sind, können wir wieder feiern. Dann ist die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt. Wir denken da besonders an die Eucharistie. Bei dieser antizipierten Hochzeit des Lammes können wir den Leib Christi erst empfangen, wenn die Gemeinschaft intakt ist. Wie traurig man sich fühlt, wenn man nicht nach vorne gehen kann, weil man sich schwer versündigt hat! Dann beten auch wir „verschaffe mir Gott ein reines Herz! Mach mich wieder froh mit deinem Heil, mit deinem Jesus!“ Auch uns möchte Gott die Schuld vergeben und hat deshalb das Sakrament der Versöhnung gestiftet. Wie wohltuend ist es für die Seele, dieses Heilmittel in Anspruch zu nehmen! Umso trauriger ist es, dass so wenige Menschen diese Chance in Anspruch nehmen möchten. So werden sie aber auch zeitlebens unglücklich sein.

Mk 4
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 

36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 
37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 
38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 
39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 
40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 
41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Nachdem Jesus jetzt mehrere Gleichnisse erzählt hat (wir hörten davon die letzten Tage), fährt er nun mit seinen Jüngern in einem Boot zum anderen Ufer des Sees Genesaret. Vor einigen Wochen haben wir über diese Fahrt von einem Ufer zum anderen vierfach nachgedacht. Dann war dieses Boot als die Kirche zu betrachten, die auf dem See der Endzeit durch allerlei Stürme hindurch auf die Ewigkeit zusteuert. Es ist auch das Boot unseres Lebens, in dem wir durch die Stürme unseres Alltags hindurch auf das ewige Leben zusteuern, ebenso die gesamte Menschheitsgeschichte, die sich auf die Endzeit zubewegt, auf den Tag des Jüngsten Gerichts zu.
Entscheidend ist, dass Jesus mit im Boot ist. So kann das Boot nicht kentern, weder als Kirche Christi betrachtet, die die Mächte der Finsternis nicht überwältigen werden, noch als unser eigenes Leben betrachtet, in denen die Versuchungen des Teufels uns mit Jesu Beistand nichts anhaben können. Auch mit Blick auf das Ende der Zeiten und dem Gericht Gottes wird uns ein gutes Gerichtsurteil erwarten, wenn Jesus im Boot ist.
Und wenn die schweren Stürme kommen, vergessen wir manchmal, dass er da ist. Dann werden wir panisch, weil Wasser ins Boot läuft. Dann schreien wir zu Gott, dass er uns helfe und rütteln am schlafenden Jesus. Wir verstehen dann nicht, warum Gott so gelassen bleibt, obwohl die Situation so dramatisch erscheint. Das ist sowohl im kirchlichen Leben als auch im alltäglichen Leben des Einzelnen so. Wir haben den Eindruck, dass wenn ein Schisma droht, wenn Angriffe von innen und außen kommen, die Kirche untergehen wird. Dabei vergessen wir, dass dies nicht passieren kann. Jesus hat es uns versprochen und er wird uns auch helfen. Das ist auch so, wenn wir schlimmen Versuchungen ausgesetzt sind oder schwierige Probleme im Leben bekommen. Dann haben wir schnell den Eindruck, dass alles den Bach hinuntergeht. Wir schöpfen wie wild eimerweise das hineinlaufende Wasser aus und reagieren hektisch, unüberlegt. Genau dies möchte der Teufel auch, er will uns verrückt machen, dass wir die Orientierung verlieren. Dabei müssen wir dann erst recht ruhig bleiben, uns besinnen und uns an Christus wenden. Wenn wir Versuchungen ausgesetzt sind, sollen wir beten, Kontakt zu Gott suchen. Er wird sie vertreiben. Er muss nur ein Wort sagen und alles wird verwandelt werden. Wir sollen auf Gott vertrauen und seinen Worten glauben, wenn er sagt: Es wird euch nichts passieren. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass wir uns vornehmen, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen und ihn besser kennen lernen zu wollen. Dann kommen tausend Ablenkungsmanöver durch die alltäglichen Sorgen, Probleme und Zwischenfälle. Wir werden davon so abgelenkt, dass wir weder die Zeit noch die Kraft, noch den Gedanken übrig haben, unser ursprüngliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Es sind die typischen Schachzüge des Teufels, uns von Gott wegzuziehen. Wenn im Alltag so viele Probleme auftauchen und uns wieder aufzuzehren versuchen, seien wir uns dann bewusst, wer eigentlich dahintersteckt. Zeigen wir es ihm dann so richtig, indem wir uns dann gerade an Gott klammern, uns dann gerade mehr Zeit zum beten nehmen und vor allem noch mehr die Sakramente in Anspruch nehmen, häufiger beichten, häufiger die Kommunion empfangen. Dann tun wir dadurch genau das, was die Jünger Jesu auch tun – mit dem Wasserschöpfen aufhören und Jesus wecken. Mit seiner Hilfe wird uns alles gelingen.

Und wenn wir dies nun zurückbeziehen auf König David, erkennen wir, dass die Zuhilfenahme Gottes und das absolute Vertrauen auf ihn gerade auch in Schuldsituationen zu suchen ist. Was mit David passiert ist, ist ein großes Loch in seinem Boot durch einen besonders starken Sturm. Er hat den Versuchungen des Teufels nachgegeben, die man mit diesem Bild hier als Sturmböen beschreiben kann. Er hat nicht wie wild angefangen, das Loch selbst zu stopfen und das Wasser selbst auszuschöpfen, sondern er hat den Herrn sofort geweckt. Er bat ihn um Verzeihung und betete – so haben wir im Psalm gehört- erschaffe mir Gott ein reines Herz und gebe mir einen beständigen Geist! Er hat Gott geweckt, weil er verstanden hat, dass er dieses angerichtete Chaos nicht selbst wieder in Ordnung bringen kann. Er vertraute dabei darauf, dass Gott das Boot nicht verlassen wird, sondern sein Versprechen des Bundes hält. Gott hat ihm vergeben und sein Boot ging nicht unter. Natan hat David ja zugesagt „du wirst nicht sterben“. Aber er musste für den entstandenen Schaden aufkommen.

Beide Geschichten sind für uns ganz hilfreiche Hinweise, wie wir uns in den Stürmen des eigenen Lebens und der Kirche verhalten sollen, selbst da, wo wir den Stürmen nachgegeben haben. Schließlich bleibt kein einziger Mensch von den Versuchungen verschont. Jeder muss im Sturm kämpfen. Wenden wir uns dabei an Christus, der mit im Boot ist, und bleiben wir gelassen: Wir werden nicht sterben, solange wir den Herrn bei uns haben. Er ist bereit, jedes Loch zu stopfen und die Versuchungen zu vertreiben, wenn wir nur zu ihm kommen im Sakrament der Versöhnung.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 1. Woche im Jahreskreis

1 Sam 4,1b-11 (1-11); Ps 44,10-11.14-15.24-25; Mk 1,40-45

1 Sam 4
1 Das Wort Samuels erging an ganz Israel. Israel zog gegen die Philister in den Krieg. Sie schlugen ihr Lager bei Eben-Eser auf und die Philister hatten ihr Lager in Afek. 

2 Die Philister rückten in Schlachtordnung gegen Israel vor und der Kampf wogte hin und her. Israel wurde von den Philistern besiegt, die von Israels Heer auf dem Feld etwa viertausend Mann erschlugen. 
3 Als das Volk ins Lager zurückkam, sagten die Ältesten Israels: Warum hat der HERR heute die Philister über uns siegen lassen? Wir wollen die Bundeslade des HERRN aus Schilo zu uns holen; er soll in unsere Mitte kommen und uns aus der Hand unserer Feinde retten. 
4 Das Volk schickte also nach Schilo und man holte von dort die Bundeslade des HERRN der Heerscharen, der über den Kerubim thront. Dort waren auch die beiden Söhne Elis, Hofni und Pinhas. 
5 Als die Bundeslade des HERRN ins Lager kam, erhob ganz Israel großen Jubelschall, sodass die Erde dröhnte. 
6 Die Philister hörten den Jubelschall und sagten: Was ist das für ein großer Jubelschall im Lager der Hebräer? Als sie erfuhren, dass die Lade des HERRN ins Lager gekommen sei, 
7 fürchteten sich die Philister; denn sie sagten: Gott ist zu ihnen ins Lager gekommen. Und sie riefen: Weh uns! Denn so etwas ist früher nie geschehen. 
8 Weh uns! Wer rettet uns aus der Hand dieses mächtigen Gottes? Das ist der Gott, der Ägypten mit allerlei Plagen in der Wüste geschlagen hat. 
9 Seid tapfer, Philister, und seid Männer, damit ihr nicht den Hebräern dienen müsst, wie sie euch gedient haben! Seid Männer und kämpft! 
10 Da traten die Philister zum Kampf an und Israel wurde besiegt, sodass alle zu ihren Zelten flohen. Es war eine sehr schwere Niederlage. Von Israel fielen dreißigtausend Mann Fußvolk. 
11 Die Lade Gottes wurde erbeutet und die beiden Söhne Elis, Hofni und Pinhas, fanden den Tod.

Wir hören heute die Fortsetzung der Samuelepisode. Er ist nun ein wirkender Prophet. Was ihm eingegeben wird, ist verbindlich für das ganze Volk Israel.
Dann wird uns die politische Situation Israels geschildert, das gegen die Philister in den Krieg zieht. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass hier eine wertfreie Erzählung steht. Was hier also passiert, wird weder von Gott gutgeheißen noch verurteilt. Es wird neutral erzählt wie ein Kriegsbericht. Die Philister greifen die Israeliten in Schlachtordnung an, sie haben also einen Plan, wie sie siegen wollen. Zu jener Zeit sind die Philister eine starke Macht, die die Küstengebiete beherrscht und ins Landesinnere vorzieht. Deshalb werden sie zur Bedrohung der zwölf Stämme Israels. Bis in die frühe Königszeit hinein stellen sie die Hauptfeinde der Israeliten dar. So kommt es, dass sie in der hier beschriebenen Schlacht siegen und ganze 4000 Mann erschlagen.
Die Ältesten der Stämme fragen sich, warum Gott sie in der Schlacht haben verlieren lassen, und versuchen, seine Gegenwart zum Sieg gegen die Philister zu instrumentalisieren. So bringen sie die Bundeslade – das Allerheiligste der Israeliten! – von Schilo ins Kriegslager Eben-Esers. Die beiden Söhne Elis, von denen wir bereits nichts Gutes gehört haben, kommen mit ins Lager. Als die Bundeslade dort hingebracht wird, stimmt das ganze Volk in einen lauten Lobpreis ein, den sogar die Feinde in ihrem Lager hören können. Sie erfahren, dass die Gegenwart Gottes dort hingekommen ist, und bekommen Angst. Wie ich schon oft angedeutet habe, erkennen die Nachbarvölker Israels deren Gott an, weil der Auszug aus Ägypten für sie ein großes Zeugnis seiner Macht darstellt. Die Philister wissen genau, dass dieser Gott imstande ist, auch sie zu schlagen, die die Feinde seines auserwählten Volkes sind. Anstatt einen Rückzug zu machen, sind sie noch mehr angestachelt, die Israeliten zu besiegen, was ihnen letztendlich auch gelingt. Sie erbeuten sogar die Bundeslade, was den Israeliten ja der kostbarste Schatz ist. Die beiden Söhne Elis sterben. Dieser Tod ist schon in 1 Sam 2 angekündigt worden. Was ist hier passiert? Warum hat Gott nicht eingegriffen, sondern zugelassen, dass noch viel mehr Israeliten sterben? Hier könnten wir jetzt die allzeit gestellte Frage anführen: Warum lässt Gott das Leid zu?
Wenn wir das hier jetzt fragen, müssen wir uns selbst hinterfragen: Erstens setzen wir voraus, dass Gott sich so verhalten soll, wie wir es für gut erachten. Zweitens setzen wir voraus, dass Gott sich instrumentalisieren lässt („Bringen wir die Bundeslade her und er wird alles kurz und klein schlagen“). Drittens degradieren wir ihn zur politischen Waffe. Viertens gehen wir davon aus, dass das Erstrebenswerte im Leben ist, so wenig Leiden wie möglich zu haben. Der Tod ist dabei immer ganz ganz böse. Dabei ist es ja so: Gott lässt sich nicht instrumentalisieren, schon gar nicht von uns mikrigen Menschlein, die wir doch nur seine Geschöpfe sind. Gott ist keine Geheimwaffe im Krieg. Gott kann uns nicht alles Leid ersparen, weil Leid in den meisten Fällen dem freien Willen des Menschen entspringt, der viele Unschuldige mit ins Verderben reißt. Gott achtet den freien Willen aber. Gottes Allmacht besteht nicht darin, diese immer zwanghaft zu demonstrieren. Er hat die Freiheit, auf die Demonstration seiner Macht zu verzichten. Bestes Beispiel ist die Menschwerdung Christi als kleines armes Kind in einem erbärmlichen Stall.
Wenn Israel also nun die Bundeslade nichts genutzt hat, muss sich Israel zuerst fragen, was es falsch gemacht hat und nicht Gott die Schuld geben. Wenn diese Niederlage sogar zum Verlust der Bundeslade geführt hat, darf man nicht den Weltuntergang vermuten, sondern wir, die wir rückblickend diese Ereignisse lesen, müssen das größere Bild anschauen. Manchmal lässt Gott Krisen zu, weil er in ihnen eine wunderbare Gnade verpackt hat. Krisen können Chancen sein. Leiden ist also nicht immer Konsequenz der eigenen Sünde oder die Sünde anderer, sondern kann auch Vorbereitung oder Prüfung sein. Was passiert also? Die Lade wird nach Aschdod, dann nach Gat, dann nach Ekron gebracht. Überall bezeugen die Einwohner die Macht des Gottes Israels. In Aschdod fällt die Götzenstatue Dagons vor der Lade nieder ohne menschliches Zutun. In den Städten bricht die Pest aus. Auch Mäuse befallen die Städte. Dies alles ist die Konsequenz des Raubs, durch den die Philister sich sehr hoch verschuldet haben. Ihre Wahrsager geben ihnen zu verstehen, dass sie nicht nur die Bundeslade zurückgeben, sondern auch Sühnegeschenke mitgeben müssen, um die Schuld wieder gut zu machen. Wir lernen heute durch die Feinde Israels, dass Sünden nicht nur vergeben, sondern auch wiedergutgemacht werden müssen…
Unterm Strich besiegen die Israeliten die Philister dann doch. Warum hat Gott dann so einen „Umweg“ zugelassen, anstatt den Sieg direkt herbeizuführen? Gottes Wege sind unergründlich. Hier können wir aber erahnen, was sein Plan ist: Er möchte seine Macht auch den nichtjüdischen Völkern zeigen, damit sie an ihn zum Glauben kommen. Dafür musste er erstmal den Sieg der Philister und den Raub zulassen. Samuel wird außerdem erklären, dass der Götzendienst der Israeliten die Lage so weit hat kommen lassen. Er vermittelt den Israeliten, dass dieses Ereignis eine „Zeit der Gnade“ ist, in der sie nun endlich Nägel mit Köpfen machen, die Götzen aus ihrer Mitte entfernen und nur dem Gott Israels dienen sollen. Dann werden sie wieder Segen haben.
Das ist uns alles eine große Lehre und absolut aktuell: Auch in unserem Leben kommen Katastrophen, unter denen wir leiden. Auch da schreien wir zu Gott und er erhört uns scheinbar nicht. Es wird nur noch schlimmer. Dann sind wir ganz schnell darin, ihn zu verurteilen und ihm die Schuld an unserem Leid zu geben. Gott ist aber nur gut. Er verursacht kein Leid, sondern das tut die Ablehnung Gottes durch die Menschen. Die Sünde in der Welt ist es, die uns leiden lässt. Und selbst die größte Katastrophe kann uns zum Heil dienen, wenn wir das größere Bild sehen. Leider sieht man es aber erst im Nachhinein. Wir sehen die Zukunft nicht, wir sehen nicht, wohin Abwege oder Umwege führen. Dabei ist gerade in der Unsicherheit und verworrenen, ausweglosen Lage unser Glaube gefragt. Vertrauen wir darauf, dass Gott auch jetzt in dieser Situation nur das Beste für uns möchte, wenn wir den Überblick verloren haben. Wir wissen noch nicht, wofür das alles gut sein soll, aber wir halten trotzdem an Gott fest. Am schlimmsten musste Jesus diese scheinbare Gottverlassenheit am Kreuz spüren. Er ist in diese Lage gekommen, um uns aus unserer eigenen Gottverlassenheit zu erlösen! Er hat es ausgehalten und Psalm 22 gebetet, anstatt mit seinem Vater zu hadern. Er hielt an der Gottesbeziehung fest, auch in den letzten Momenten seines Lebens. Und wir sehen, wie es ausgegangen ist. „Darum hat ihn Gott erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.“ (Phil 2,9). Auch wir werden am Ende reich belohnt, wenn wir standhaft bleiben, auch gerade in unserem Leiden, auch gerade, wenn wir Gottes Wege nicht verstehen.

Ps 44
10 Doch nun hast du uns verstoßen und mit Schmach bedeckt, du ziehst nicht mehr aus mit unseren Heeren. 
11 Du lässt uns vor unsern Bedrängern fliehen und die uns hassen, plünderten uns aus.
14 Du machst uns zum Hohn unseren Nachbarn, zu Spott und Schimpf denen, die rings um uns wohnen. 
15 Du machst uns zum Sprichwort unter den Völkern, die Nationen schütteln den Kopf. Wach auf! Warum schläfst du, Herr? Erwache, verstoß nicht für immer! 
25 Warum verbirgst du dein Angesicht, vergisst unser Elend und unsre Bedrückung?

Psalm 44 ist ein sogenannter Klagepsalm. Bei solchen Psalmen klagen wir Gott unser Leid. Wir verleihen unserem Unverständnis gegenüber Gottes Wegen Ausdruck und erinnern ihn bzw. vielmehr uns selbst an seine vergangenen Heilstaten. Das ermutigt uns, im Leid dennoch an ihm festzuhalten. So wie Jesus am Kreuz beten wir und halten somit die Beziehung aufrecht, anstatt zu hadern und die Beziehung aufzugeben.
Klagepsalmen enden aber nicht mit der Klage, sondern mit der Vertrauensbekundung und dem Lobpreis! Das Motto ist „Und doch halte ich an dir fest, mein Gott! Auch im Leid seist du gelobt und gepriesen, der du der Gute bist!“ Mit dieser Einstellung starb Jesus am Kreuz und mit dieser Einstellung durchlitt auch König David sein Leiden.
In den heutigen Passagen aus Ps 44 lesen wir noch nichts von diesem typischen positiven Ende. Dies müssen wir mit der heutigen Lesung in Verbindung bringen. Das happy ending steht ja auch in der Samuelerzählung aus und wird uns noch einige Tage in Spannung lassen. Der Psalm im Anschluss an die alttestamentliche Lesung stellt ja immer die Antwort und die Reflexion dar. Wir betrachten betend den Inhalt der Lesung. Deshalb ist auch im Psalm noch „kein Licht am Ende des Tunnels“. Wir kennen den positiven Ausgang sowohl der Lesung als auch des Psalms, deshalb können wir ganz und gar optimistisch beides in der Liturgie auf uns zukommen lassen.
Dass beides miteinander zusammenhängt, sehen wir an den Andeutungen wie „du ziehst nicht mehr aus mit unseren Heeren“. Die Bundeslade ist zwar im Lager gewesen, aber Gott war abwesend – so die Schlussfolgerung wegen der Niederlage. Die „Bedränger“, vor denen die Israeliten fliehen und die sie ausplündern, sind die Philister. Sie rauben ihnen sogar das Kostbarste, Gottes Gegenwart. Die „Nachbarn“ sind die umliegenden Völker und vor allem die Philister, die die Küstengebiete beherrschen.
„Wach auf“, „Warum schläfst du, Herr?“ kommt uns sehr bekannt vor. Gott wird auch im NT Situationen zulassen, in denen das Leiden bedrohliche Ausmaße annimmt und Gott zum Aufwachen aufgefordert wird – im Sturm auf dem See Gennesaret. Das Boot droht zu kentern und Jesus schläft in aller Seelenruhe. Warum? Es ist eine Lektion für die Jünger. Sie sollen sich an Ps 44 erinnert fühlen. Gott ist da, sie sollen vertrauen, dem die Stürme gehören. Wer ist mächtiger – Gott oder das Leid? Jesus macht nur einen Mucks und die Stürme legen sich. So mächtig ist er.
Gott ist auch in unserem Leben da, selbst in der größten Not. Wir denken nur, er sei uns fern. Und doch dürfen wir beten „wach auf“, denn damit signalisieren wir ihm, dass wir an ihm festhalten und ihn nicht aufgeben.

Mk 1
40 Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du mich rein machen. 

41 Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will – werde rein! 
42 Sogleich verschwand der Aussatz und der Mann war rein.
43 Jesus schickte ihn weg, wies ihn streng an 
44 und sagte zu ihm: Sieh, dass du niemandem etwas sagst, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring für deine Reinigung dar, was Mose festgesetzt hat – ihnen zum Zeugnis. 
45 Der Mann aber ging weg und verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Die Heilstaten Jesu gehen weiter. Gestern hörten wir von der Heilung der Schwiegermutter des Petrus und von den vielen Menschen, die nach dem Sabbat das Haus des Petrus „überschwemmen“. Immer wieder gebietet Jesus den Dämonen, seine Identität nicht preiszugeben. Auch heute wird es um das „Messiasgeheimnis“ gehen. Die heutige Heilung eines Aussätzigen ist uns schon einmal nach der Erzählung im Lukasevangelium begegnet. Es handelt sich um einen Menschen, der einen starken Glauben hat. Er versteht, dass Gott kein Automat ist und genau so handelt, wie er selbst es will. Er versteht, dass seine Heilung von Gottes Willen abhängt. Und deshalb geht er zwar auf Jesus zu und bittet ihn um Hilfe, doch gleichzeitig sagt er „wenn du willst, kannst du mich rein machen.“
Er sagt nicht „wenn du kannst“. Er vertraut auf die Vollmacht des Messias.
Jesus hat Mitleid – hier steht im Griechischen σπλαγχνισθεὶς splangchnistheis. Das heißt auch, er ist barmherzig. SO ist Gott, wenn er das Leiden des Menschen sieht. Er sieht es und er leidet mit. Wir liegen ganz falsch, wenn wir meinen, dass Gott gegenüber unserem Leid gleichgültig ist. An Jesus sehen wir, dass das Gegenteil der Fall ist.
Jesus tut dann, was er so oft tut – die Hand ausstrecken und den Menschen berühren. Er ist der Messias und deshalb ist es für ihn kein Problem, etwas kultisch Unreines zu berühren. Aussätzige zu berühren, bedeutete nicht nur eine hohe Ansteckungsgefahr, sondern auch den Ausschluss vom Kult. Da Jesus aber Gott ist, steht er über den jüdischen Gesetzen.
Der Mann wird geheilt, denn es ist der Wille Gottes, dass er nicht mehr leidet.
Dann tut Jesus etwas Entscheidendes: Er sagt dem Geheilten, dass er es erstens geheimhalten soll, zweitens sich gemäß dem mosaischen Gesetz einem Priester zeigen soll, die vorgesehenen Reinigungsopfer darbringen soll. Das alles soll er tun „zum Zeugnis für sie“. 
Zunächst zur Geheimhaltung. Es kann als pragmatische Maßnahme angesehen werden, damit Jesus nicht verurteilt wird, bevor er seine Verkündigungszeit abgeschlossen hat.
Das ganze ist aber vor allem als pädagogische Maßnahme zu betrachten: Jesus möchte den Priestern ein Signal geben, wer er ist. Er ist nie so, dass er einfach herumreist und allen Leuten verkündet „ich bin der Messias“. Er gebietet ja immer wieder den Dämonen, zu schweigen. Wer er ist, zeigt er vielmehr durch sein Verhalten und durch die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißung. Jesus möchte also, dass die Priester die wunderbare Heilung des Aussätzigen selbst mit eigenen Augen sehen und davon ausgehend eine messianische Heilstat erkennen. Der Messias, so die Verheißungen des Alten Testaments, heilt von allen Krankheiten und Leiden. Dadurch, dass er sich dabei dem mosaischen Gesetz unterstellt, möchte er seine messianische Identität zusätzlich betonen. Als Messias kann er nicht gegen die Juden handeln, sondern ist einer von ihnen. Die Priester sollen auch sehen, dass Jesus sich nicht verschuldet. Er ist gehorsam.
Jesus hat noch eine andere Lektion zu erteilen, nämlich dem Aussätzigen: Gott heilt uns Menschen, damit wir zu ihm zum Glauben kommen (diesen hat der Mann ja schon) und damit wir in unserer Gottesbeziehung gestärkt werden (Jesus ermöglicht dem Aussätzigen wieder den Gottesdienst und den Kult). Der Mann hat gelernt, dass der Messias über dem mosaischen Gesetz steht. Nun unterstellt sich dieser aber freiwillig dem Gesetz. Das ist Gottes Allmacht. Er ist frei darin, seine Allmacht in Anspruch zu nehmen und frei darin, auf sie zu verzichten. Das haben wir schon beim ersten Samuelbuch erlebt.
Jesu Heilstaten bleiben nicht verborgen, sondern verbreiten sich rasch. Viele Menschen suchen ihn auf, um seine Botschaft zu hören und von ihm geheilt zu werden. Das ist auch im Sinne Gottes und das möchte Jesus ja auch – das Reich Gottes verbreiten. Gott möchte die Messianität seines Sohnes nicht durch explizite Worte, sondern durch Taten offenbaren „ihnen zum Zeugnis“. So werden die Menschen zu Gott heimgeführt, nicht durch bloße Rede.

Heute lernen wir viel über Leiden und Gottes Verhältnis dazu. Gott ist weder gleichgültig noch heißt er das Leiden der Menschen gut. Er leidet sogar mit den Menschen mit – am dichtesten sehen wir das am Kreuz, wo Gott als Unschuldiger den schandvollsten Tod stirbt – für uns. Er hat ein Herz mit uns Menschen und möchte, dass wir alle ganz bei ihm sind. Zugleich ist sein Wille uns ganz entzogen. Wir können ihn nicht instrumentalisieren und zum Gebetserhörungs-Automaten machen. Er lässt die Konsequenzen unserer Sünde, die die Ursache von Leiden ist, zu. Er möchte, dass wir dadurch die Chance erkennen, wieder ganz zu ihm umzukehren. Und selbst da, wo wir ihn nicht verstehen, wo wir wirklich unschuldig leiden, weil andere uns in ihr Verderben mit hineinziehen, ist Gott mit uns. Halten wir an ihm fest und vertrauen wir, dass alles zu einem guten Ende kommt so wie bei den Israeliten im ersten Samuelbuch, so wie bei Jesus, der nach drei Tagen wieder auferstanden ist.

Beten wir, dass uns dieses Vertrauen in den schlimmsten Phasen unseres Lebens geschenkt wird und Gott nicht aufgeben. Die Klagepsalmen sind dabei gute Rettungsanker.

Ihre Magstrauss