Donnerstag der 4. Woche der Fastenzeit

Ex 32,7-14; Ps 106,19-20.21-22.23-24; Joh 5,31-47

Ex 32
7 Da sprach der HERR zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben.
8 Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht, sich vor ihm niedergeworfen und ihm Opfer geschlachtet, wobei sie sagten: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.
9 Weiter sprach der HERR zu Mose: Ich habe dieses Volk gesehen und siehe, es ist ein hartnäckiges Volk.
10 Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt! Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.

11 Mose aber besänftigte den HERRN, seinen Gott, indem er sagte: Wozu, HERR, soll dein Zorn gegen dein Volk entbrennen, das du mit großer Macht und starker Hand aus dem Land Ägypten herausgeführt hast.
12 Wozu sollen die Ägypter sagen können: In böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Lass ab von deinem glühenden Zorn und lass dich das Unheil reuen, das du deinem Volk antun wolltest!
13 Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du selbst geschworen und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben und sie sollen es für immer besitzen.
14 Da ließ sich der HERR das Unheil reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.

Heute hören wir aus dem Buch Exodus die große Sünde des Volkes Israel, das noch nicht einmal vom Sinai weggezogen, jedoch schon untreu geworden ist. Mose verbringt lange Tage auf dem Berg, um von Gott die Zehn Gebote zu erhalten. In seiner Abwesenheit wird das Volk unruhig und fordert Moses Bruder Aaron dazu auf, ein Kultbild zu gießen, das sie als Gott anbeten können. Warum aber gießen sie ein Kalb? Dies hängt mit dem in Ägypten importierten Baalskult zusammen, wo eine Verschmelzung mit dem ägyptischen Gott Seth stattgefunden hat. So wird der Stier zum Symbol des Fruchtbarkeits- und Wettergottes Baal, der mit Stierhörnern dargestellt worden ist. Die Israeliten haben viele Jahrhunderte in Ägypten verbracht und so ist der Baalskult für sie etwas Vertrautes.
Gott warnt Mose nun, dass das Volk ins Verderben läuft. Er möchte nicht, dass sein auserwähltes Volk, seine Braut, mit der er den Bund geschlossen hat, ins offene Messer läuft. So schickt er Mose hinunter, um den Götzendienst des Volkes zu beenden. Innerhalb kürzester Zeit haben sie all das Gute vergessen, dass Gott ihnen getan hat. Sie haben sich ein Kultbild gemacht und Opfer dargebracht. Sie sagen sogar: „Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.“ Sie tun so, als ob dieser Götze der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sei. Warum heißt es eigentlich „Götter“ und nicht „Gott“, wenn es nur ein Kultbild ist? Im Hebräischen wird hier das Wort אֱלוֹהִים elohim verwendet. Grammatikalisch handelt es sich um einen Plural. Das Wort für Gott gibt es dabei nur als Pluralform, sodass man in der Übersetzung entscheiden muss, ob es wörtlich mit „Götter“ zu übersetzen ist (bei Religionen mit Polytheismus macht das Sinn) oder mit „Gott“ (und dann auf den Monotheismus der Juden bezogen). Hier hat die Einheitsübersetzung sich entschieden, die wörtliche Übersetzung zu verwenden, um den Vielgötterglauben der Ägypter zu betonen.
Das Volk Israel ist hartnäckig, so sagt es Gott zu Mose. Wir könnten auch ein typisch neutestamentliches Wort hier einsetzen, nämlich verstockt. Es ist stur und will nicht auf den Herrn hören. Es lässt sich nicht formen nach Gottes Willen, da es aus einem ganz harten Material ist. Auch die Pharisäer und Schriftgelehrten sind so hart, dass sie sich nicht belehren, das heißt von Jesus formen lassen. Er möchte ihnen so viele Lektionen geben, so viele Chancen, dazu zu lernen. Doch sie erkennen das alles nicht, sondern sehen immer wieder das Haar in der Suppe. Sie haben die Zeit der Gnade weder erkannt noch genutzt. Auch wir Menschen heute sind oft so verstockt, dass Gott gar nicht an uns wirken kann. Das liegt nicht an seiner mangelnden Allmacht, sondern an unserem fehlenden Willen. Er schätzt unsere Freiheit so sehr, dass er nur dann an uns wirkt, wenn wir es freiwillig zulassen. Wie sehr ist doch unser Herz verstockt, dass wir so viele Zeiten der Gnade erhalten und doch nicht erkennen, dass es die Zeit der Umkehr ist! Beten wir füreinander, dass unsere Herzen weich werden und wir ihn in unser Leben lassen, bevor es zu spät ist und er dann nicht auch zu uns sagt: „Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt.“ So möchte Gott sein Volk vernichten, doch Mose versucht alles, um ihn zu besänftigen. Er erinnert ihn daran, dass er doch das Volk aus Ägypten herausgeführt hat, nicht um es dann umzubringen. Das würde den Heiden die Bestätigung geben, dass er kein guter Gott sei. Was wir hier lesen, das Zwiegespräch des Mose mit Gott, ist sehr menschlich geschrieben und so spüren wir den Einfluss des Mose, der diesen Text niedergeschrieben hat. Gott muss sich nicht reuen lassen, denn er ist allein der Gute. Das ist, wie Mose es beschreibt. Reue ist eine menschliche Emotion aufgrund der Sünde. Gott sündigt nicht und muss nicht bereuen. So beschreibt es Mose aber, weil er es zu seiner Zeit nur so ausdrücken kann.
Mose erinnert Gott an die Verheißungen, die er Abraham und seinen Nachkommen gemacht hat. Er erinnert Gott an seinen eigenen Heilsplan.
So lässt sich Gott besänftigen und er verschont sein Volk. Im weiteren Verlauf wird Mose hinuntergehen und dem Volk Israel im wahrsten Sinne des Wortes die Leviten lesen lassen.

Ps 106
19 Sie machten am Horeb ein Kalb und warfen sich nieder vor dem Gussbild.

20 Die Herrlichkeit Gottes tauschten sie ein gegen das Abbild eines Stieres, der Gras frisst.
21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der einst in Ägypten Großes vollbrachte,
22 Wunder im Land Hams, Furcht erregende Taten am Roten Meer.
23 Da sann er darauf, sie zu vertilgen, wäre nicht Mose gewesen, sein Erwählter. Der trat vor ihn in die Bresche, seinen Grimm abzuwenden vom Vernichten.
24 Sie verschmähten das köstliche Land, sie glaubten nicht seinem Wort.

Der Psalm reflektiert, was damals am Sinai passiert ist. Es war eigentlich eine ganz wunderbare Hochzeit zwischen Gott und seinem Volk (denn der Bundesschluss ist wie ein Ehebund). Doch noch gar nicht vom Traualtar des Berges weggegangen wird die Braut dem Bräutigam schon untreu, indem sie sich „vor dem Gussbild“ niederwirft. Die Bezeichnung „Horeb“ ist übrigens ein alternativer Name für den Berg Sinai.
Der Psalm betrachtet die Degradierung der Gottesverehrung: Die Herrlichkeit Gottes wird durch ein Gras fressendes Tier ausgetauscht. Das hebräische Wort für Herrlichkeit ist כָּבוֹד kavod, auf Griechisch immer die δόξα doxa, die Glorie, das ihn umhüllende Licht der überströmenden Gnade. Wie kann dieses aufgegeben werden für einen Stier, der auf der Weide steht und Gras frisst? Der Psalm betont, wie unvernünftig das ist und wie leichtfertig das Aufgeben der Gnade Gottes ist. Dies können wir wiederum auf die Zeitgenossen Jesu beziehen, die die Gnade, die seine Menschwerdung in ihr Leben gebracht hat, leichtfertig aufgeben für das Festhalten an dem geschriebenen Wort Gottes. Was ist größer? Der Buchstabe oder das fleischgewordene Wort Gottes!? Das eine schafft das andere nicht ab, so wie ein Stier an sich nicht schlecht ist (schließlich ist er Geschöpf Gottes), aber wie kann man zurückkehren zu der Zeit vor der großen Gnade, wenn man die große Gnade schon erhalten hat? Das hat mit ganz großem Unglauben zu tun. Man glaubt nicht an den großen Gott der Herrlichkeit, der ein ganzes Volk aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit hat und der einen Bund mit ihm geschlossen hat. Man glaubt Jesus Christus nicht, der der Messias ist, der Retter der Welt, die Erfüllung der Torah, ihre Personifizierung! Und auch heute sehen wir diese Haltung bei so vielen etlichen Menschen. Sie sind getauft und so zu Erben im Reiche Gottes eingesetzt worden, doch sie leben so, als wären sie nie getauft worden. Sie gehen zurück zum Zustand vor der großen Gnade, die ihnen im Sakrament erwiesen worden ist. So wie die Israeliten am Sinai und so wie die Zeitgenossen Jesu, die ihn mit eigenen Augen gesehen haben, werden wir Menschen heute Rechenschaft ablegen müssen dafür, dass wir die Gnade Gottes mit Füßen zertreten haben. So wie die Menschen damals vergessen die Menschen heute all die Heilstaten, die Gott in ihrem Leben gewirkt hat.
Und so wie Gott damals Mose berufen hat, für das Volk einzustehen, es aus Ägypten zu führen, ihm die Zehn Gebote zu vermitteln, vor allem aber für das Volk „in die Bresche“ zu springen, so hat er zu allen Zeiten der Heilsgeschichte Propheten zu seinem auserwählten Volk gesandt, dass es zur Vernunft komme und umkehre. Wie viele Menschen sind schon für das Volk Gottes in die Bresche gesprungen! Wie viele haben auch mit dem Beginn der Kirche ihr Leben gelassen, damit die Menschen umkehren! Wenn Gott zu Mose in der Lesung sagt: „Dieses Volk ist hartnäckig“, dann können wir das nicht nur auf das Volk Israel beschränken und uns schön herausreden. Dann ist es über den wörtlichen Sinn hinaus auf das neue Volk Gottes, auf das Volk des Neuen Bundes zu beziehen. Auch wir, die wir das Volk Gottes aus Heiden und Juden gleichermaßen sind, sind so hartnäckig. Gott sendet uns so viele Chancen, umzukehren und in der Kirche aufzuräumen. Wie viele Chancen hat die streitende Kirche auf Erden aber genutzt? Wie viel musste Gott schon zulassen, bis es endlich zu einer inneren Reinigung kam? Und wie ist es heute? Ist die Corona-Pandemie nicht eine dieser großen Chancen, in denen die Kirche sich endlich wieder darauf besinnen sollte, was ihre Berufung ist? Stattdessen schließt sie die Türen statt die Heilsmittel gerade in dieser Zeit zu vermehren…
Wenn es am Ende heißt: „Sie verschmähten das köstliche Land, sie glaubten nicht seinem Wort“, dann ist es auf mehrfache Weise zu verstehen. Wörtlich-historisch heißt es zunächst, dass das Volk Israel die Verheißung Gottes ignoriert hat, der ihnen das gelobte Land versprochen hat, in dem Milch und Honig fließen. Sie haben seinem Wort, dem Wort der Verheißung nicht geglaubt, das er bereits Abraham zugesagt hat. Dies müssen wir über den wörtlichen Sinn hinaus allegorisch lesen: Das Volk hat auch das gelobte Land, das Paradies ignoriert, aus dem es durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares verbannt worden ist. Dabei hat Gott ihnen durch Abraham auch die Rückkehr in dieses gelobte Land versprochen. So hat Israel viele Jahrhunderte und Jahrtausende den Messias erwartet, der die Tür zum Paradies wieder öffnen sollte. Er ist das fleischgewordene Wort Gottes, dem die Juden nicht geglaubt haben. Sie haben dieses Heil ignoriert, indem sie Jesus als den Messias ignoriert haben. Stattdessen haben sie ihn den Römern ausgeliefert und ans Kreuz schlagen lassen. In dieser Leserichtung sprechen wir hier nicht mehr von den Vätern zur Zeit des Mose, sondern von der religiösen Elite zur Zeit Jesu: von den Sadduzäern, Pharisäern und Schriftgelehrten.
Wir müssen es auch moralisch deuten: Mit jeder Sünde, die wir Menschen begehen, ignorieren wir das verheißene Land, das den reinen moralischen Zustand meint, den Stand der Gnade. Durch die Taufe hat Gott uns einen ganz reinen seelischen Zustand geschenkt. Er hat in unserer Seele Wohnung genommen, die der Tempel des Hl. Geistes ist. Mit jeder Sünde ignorieren wir es und entweihen den Tempel Gottes. Wir verlieren das gelobte Land unseres Herzens. Wir glauben dem Wort nicht, das in uns wohnt, Jesus Christus.
Und schließlich müssen wir es anagogisch deuten: Der Herr verheißt uns nach unserem Tod und am Ende der Zeiten das gelobte Land, in dem wir ganz und gar mit ihm in Gemeinschaft leben werden, das Himmelreich. Wir ignorieren dieses ewige Leben, indem wir seinem Wort nicht glauben, indem wir die Gebote nicht halten und fern von ihm leben. So gehen wir ins Verderben und werden auf ewig von ihm abgeschnitten sein. Gott tut alles, damit wir nicht verloren gehen. Er geht uns auf unseren Irrwegen nach, damit wir zu ihm zurückkehren. Eines Tages wird es aber zu spät sein, wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit zurückkehren wird. Kehren wir noch heute um und lassen ab von den Goldenen Kälbern unserer heutigen Zeit!

Joh 5
31 Wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis nicht wahr;
32 ein anderer ist es, der über mich Zeugnis ablegt, und ich weiß: Das Zeugnis, das er über mich ablegt, ist wahr.
33 Ihr habt zu Johannes geschickt und er hat für die Wahrheit Zeugnis abgelegt.
34 Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an, sondern ich sage dies nur, damit ihr gerettet werdet.
35 Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet, doch ihr wolltet euch nur eine Zeit lang an ihrem Licht erfreuen.
36 Ich aber habe ein gewichtigeres Zeugnis als das des Johannes: Die Werke, die mein Vater mir übertragen hat, damit ich sie zu Ende führe, diese Werke, die ich vollbringe, legen Zeugnis dafür ab, dass mich der Vater gesandt hat.
37 Auch der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat über mich Zeugnis abgelegt. Ihr habt weder seine Stimme je gehört noch seine Gestalt gesehen
38 und auch sein Wort bleibt nicht in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat.
39 Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.
40 Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu haben.
41 Ehre von Menschen nehme ich nicht an.
42 Ich habe euch jedoch erkannt, dass ihr die Liebe zu Gott nicht in euch habt.
43 Ich bin im Namen meines Vaters gekommen und ihr nehmt mich nicht an. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, dann werdet ihr ihn annehmen.
44 Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander annehmt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?
45 Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde; Mose klagt euch an, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
46 Wenn ihr Mose glauben würdet, müsstet ihr auch mir glauben; denn über mich hat er geschrieben.
47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?

Im heutigen Evangelium hören wir eine Rede Jesu, nachdem er den Gelähmten am Teich Betesda geheilt hat. Der Tag ist aber ein Sabbat und aufgrund eines Wallfahrtsfestes voller Menschen, die an Jesu Sabbatheilung Anstoß nehmen. Als er daraufhin zu den empörten Juden sagt: „Mein Vater wirkt bis jetzt und auch ich wirke“, provoziert es die Juden nur noch mehr. So hält er ihnen nun eine lange Predigt darüber, wie sein Verhältnis zum Vater ist.
Daraus hören wir heute den zweiten Abschnitt, wobei Jesus im ersten unter anderem gesagt hat: „Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.“ (V.24). Er sagt selbst, was in Ps 106 bereits angeklungen ist: Wir sollen auf sein Wort hören, damit wir beim Gericht Gottes ins Leben hinübergehen können, das heißt in der Bildsprache des Exodus in das gelobte Land!
Jesus erklärt, zu Anfang des gehörten Abschnitts heute, dass nicht er selbst über sich Zeugnis ablegt (das kann nur bedeuten, dass es falsch ist), sondern ein anderer dies getan hat – Johannes der Täufer. Das wird schon im ersten Kapitel des Johannesevangeliums erklärt und nun erneut zur Sprache gebracht: Johannes hat Jesus bezeugt, der die Wahrheit ist (V.33), doch die Juden haben ihm nicht geglaubt, sondern sich nur eine Zeit lang an seinem Licht erfreut – nämlich solange sie durch ihn die Bußtaufe erhalten konnten. Doch er endete wie viele Propheten des Alten Testaments auch als Märtyrer.
Der Vater selbst legt Zeugnis über Jesus ab, indem er ihm die ganzen Vollmachten übertragen hat. Was Jesus alles tut, sollten für die schriftkundigen Juden eigentlich erkennbare messianische Heilstaten sein, die seine Sendung vom Vater beweisen.
Jesus spricht heute harte Worte, aber nicht weil er die Juden fertig machen will, sondern damit sie wachgerüttelt werden. Sie haben die Stimme des Vaters nicht gehört, seine Gestalt nicht gesehen und sein Wort bleibt auch nicht in ihnen. Das müssen wir mehrfach auslegen: Sein Wort ist zunächst seine Weisung, die Torah, die sie nicht richtig halten, wie sie sollten. Deshalb bleibt die Torah nicht in ihnen. Es ist aber auch allegorisch auf Christus zu beziehen, der das Wort ist. Gerade zu Anfang des Johannesevangeliums haben wir feierlich davon gehört, dass Jesus das Wort Gottes ist, das auf der Höhe der Zeit Fleisch geworden ist. Dieses Wort ist zu der Zeit, als Jesus diese Predigt nach der Betesda-Heilung hält, in den Juden: Man kann die griechische Formulierung ἐν ὑμῖν en hymin auch anders übersetzen, nämlich bedeutet das Wörtchen ἐν en in Verbindung mit Personengruppen auch „unter“. Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes ist also unter ihnen! Er wird aber nicht unter ihnen bleiben, sondern sterben. Er wird am dritten Tage auferstehen, aber er wird nach einigen Tagen zum Vater heimkehren. Bleiben wird er bei denen, die den Bund mit ihm eingehen – der Kirche. Dort wird er als Eucharistie realpräsent bleiben bis zum Ende der Zeiten. Dagegen wird er von denen weggehen, die ihn ablehnen, denn Gott schätzt den freien Willen des Menschen.
Wir müssen es auch moralisch verstehen: Er ist das Wort Gottes, er ist die Erfülllung der Gebote, die wir halten sollen und die wir durch die Sünde ablehnen. Dann bleibt das Wort in uns Menschen nicht mehr. Dann lehnen wir ihn ab wie die Juden im heutigen Evangelium. Dann werfen wir ihn aus unserem seelischen Tempel hinaus. Wenn wir uns aber im Sakrament der Beichte wieder mit ihm versöhnen, nimmt er wieder Wohnung in uns.
Schließlich verstehen wir es anagogisch: Wer sich bis zum Ende der Zeiten nicht bekehrt und das Wort aufnimmt, mit dem wird das Wort in der Ewigkeit auch nicht bleiben. Dann wird es den letzten Willen des Menschen ernst nehmen, der sich für die ewige Ferne von Gott entschieden hat, die wir die Hölle nennen. Wer das Wort in seinem Leben aber angenommen hat und entsprechend gelebt hat, mit dem wird das Wort auf ewig bleiben im Himmelreich.
Dann sagt Jesus etwas, das die ganze Heilige Schrift zusammenfasst: „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.“ Die Hl. Schrift ist ein einziges Zeugnis von Jesus Christus, angefangen in der Genesis und abschließend mit der Johannesoffenbarung! Deshalb nennen wir die Bibel auch das Wort Gottes – es ist eigentlich nur ein einziges Gotteswort in vielen Menschenworten. Sie atmet Jesus Christus mit jedem einzelnen Buchstaben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben die Aufgabe, die Hl. Schrift zu lesen und zu studieren (das, was wir heute Altes Testament nennen). Und doch sehen sie so viele etliche Bäume, ohne den Wald zu erkennen. Sie sehen das Offensichtliche nicht. Sie sehen Jesus, hören seine Worte, bezeugen seine Heilstaten, doch sie zählen eins und eins nicht zusammen. Alles, was er sagt und tut, ist die Erfüllung dessen, was im Alten Testament schon angekündigt worden ist. Aber jene, die die Schrift am besten kennen, schaffen es nicht, sie auf Jesus zu beziehen.
Jesus erklärt auch, warum sie es nicht schaffen: Ihnen fehlt die Liebe zu Gott. Sie unternehmen all die Studien aus anderen Gründen, nicht weil sie die Schriften als Liebesbrief des Vaters erkannt haben. Sie suchen ihre eigene Ehre und messen die anderen nach eigenem Maßstab („Ein Mensch tritt aus eigener Ehre auf, weil ich selbst ja auch aus eigener Ehre auftrete“). Sie ziehen nicht in Betracht, dass jemand aus Liebe zu Gott auftritt und nur diesem gefallen möchte, weil sie selbst so verdorben sind.
Jesus entlarvt die Schriftgelehrten, indem er ihr eigenes Handwerkszeug gegen sie verwendet: Mose erklärt alles, doch die Schriftgelehrten halten sich gar nicht daran. Hätten sie die Worte ernst genommen, die Mose dem Volk Israel übermittelt hat, hätten sie Jesus als den Messias erkannt. Denn dieser hat über Jesus geschrieben, der das Wort Gottes ist. Jesus macht nichts Eigenes, er denkt sich nichts Neues aus, sondern er liegt ganz in der Tradition der Heilsgeschichte Gottes. Was er tut, ist die Erfüllung des Gesetzes und die richtige Interpretation dessen.
Jesu Worte sind ganz aktuell, denn auch heute gibt es so viele Schriftgelehrte, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Jesus ist ganz da in der heiligen Eucharistie. Er ist genauso präsent wie damals, als er in Menschengestalt auf Erden gewandelt ist. Er ist nun verborgen in einer kleinen Hostie und nimmt in jeder Hl. Messe Materie an. Alles, was wir in der Hl. Schrift lesen, verdichtet sich in der Liturgie! Und doch erkennen es die Gelehrten unserer Zeit kaum, weil sie eins und eins nicht zusammenzählen. Wie viele meinen, dass sie Gott ganz verstanden haben, weil sie so gelehrt sind. Sie halten es nicht für nötig, der Liturgie beizuwohnen. Dabei lehrt Jesus Christus uns in der Hl. Messe mehr, als wir im ganzen Theologiestudium gelernt haben! Dann sagt auch Jesus uns heute: „Hättet ihr die Hl. Schrift ernstgenommen, die ihr durch eure Wissenschaft so verhunzt, dann hättet ihr mich hier in der Hl. Eucharistie erkannt. Denn diese ist die Verdichtung der gesamten Schrift.“

Es ist nicht zu spät, auch jetzt noch umzukehren. Wir haben so viele Glaubensvorbilder, die als Gelehrte meinten, alles zu wissen, und dann ihre erste Hl. Messe erlebt haben, bei denen es ihnen wie Schuppen von den Augen gefallen ist. Die dann vor dem Herrn in die Knie gegangen sind und wie der Hl. Thomas gesagt haben: „Mein Herr und mein Gott!“ Schauen auch wir genau hin und nehmen auch wir in unserem kirchlichen Leben sowie Alltag den Wald wahr. Dann werden wir aufs Neue das Wort in uns aufnehmen können, sodass es in uns bleibe.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,4-17; Ps 89,4-5.27-28.29-30; Mk 4, 1-20

Liebe Freunde, die heutigen Textabschnitte sind etwas umfassend. Dies kommt einem aber nicht so vor, denn die Lesungen haben es in sich.

2 Sam 7
4 Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan: 
5 Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm: So spricht der HERR: Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?
6 Seit dem Tag, als ich die Israeliten aus Ägypten heraufgeführt habe, habe ich bis heute nie in einem Haus gewohnt, sondern bin in einer Zeltwohnung umhergezogen. 
7 Habe ich in der Zeit, als ich bei den Israeliten von Ort zu Ort zog, jemals zu einem der Stämme Israels, die ich als Hirten über mein Volk Israel eingesetzt hatte, ein Wort gesagt und sie gefragt: Warum habt ihr mir kein Haus aus Zedernholz gebaut? 
8 Sag also jetzt meinem Knecht David: So spricht der HERR der Heerscharen: Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt, damit du Fürst über mein Volk Israel wirst,
9 und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist. Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet und ich werde dir einen großen Namen machen, der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist.
10 Ich werde meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen, damit es an seinem Ort wohnen kann und sich nicht mehr ängstigen muss und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher 
11 und auch von dem Tag an, an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe. Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden. Nun verkündet dir der HERR, dass der HERR dir ein Haus bauen wird. 
12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen. 
13 Er wird für meinen Namen ein Haus bauen und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen. 
14 Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein. Wenn er sich verfehlt, werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen. 
15 Nie wird sich meine Huld von ihm entfernen, wie ich sie von Saul entfernt habe, den ich vor dir entfernt habe.
16 Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben. 
17 Natan sprach zu David genauso, wie es gesagt und offenbart worden war.

Der Anlass für die Eingebung Natans des Propheten hier in der Lesung ist Davids schlechtes Gewissen. Er lebt in einem festen Palast aus Zedernholz, einem Material, das in Israel eher seltener anzutreffen ist. Generell wird wenig mit Holz gearbeitet. Die Bundeslade dagegen befindet sich immer noch im Offenbarungszelt, also keinem festen Tempel. David liebt Gott sehr und erkennt deshalb selbst dieses Unverhältnis. Natan erhält im Anschluss an diese Gedanken Davids, die er ihm eröffnet hat, die heutige Eingebung durch Gott. Es ist eine Verheißung für die Zukunft. Zunächst spricht Gott etwas, das sich mit den Worten des Menschensohnes wiederholen wird: Gott hat keinen festen Wohnsitz in dieser Welt. Auch Jesus Christus wird nichts Eigenes besitzen. Vom Moment seiner Geburt an ist für ihn alles nur geliehen. Er kommt in einem Stall zur Welt, der seiner Familie nicht gehört. Er muss nach Ägypten fliehen, wo er vorübergehend einen Wohnsitz hat. Er zieht als Erwachsener umher und kommt bei Freunden unter. Nach seinem Tod bekommt er nicht einmal ein eigenes Grab, sondern es wird ihm geliehen durch Josef von Arimathäa. Jesus sagt selbst: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Mt 8,20). Und wir Christen leben auch mit einer Mentalität, dass dieses Dasein hier nur vorübergehend ist. Wir singen gerade bei Beerdigungen das Kirchenlied „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh‘ mit mancherlei Beschwerde der ewigen Heimat zu.“ Und ein Lied der Emmanuel-Gemeinschaft heißt „Unsere wahre Heimat ist im Himmel“. Dort werden wir uns wirklich etablieren, weshalb wir uns nicht so sehr an die irdischen Güter binden sollen. Mit dem Tod müssen wir sie ohnehin zurücklassen. Meine Oma pflegte immer zu sagen: „Das Totenhemd hat keine Taschen.“
Dann stellt Gott sinngemäß die Frage: „Habe ich jemals von den Israeliten verlangt, dass sie mir einen Tempel bauen?“ So ist Gott. Er gibt im Übermaß und verlangt von uns nichts außer die Gegenliebe. Seine Liebe ist nie berechnend so nach dem Motto: „Ich gebe ihnen nun dies und das. Dann werden sie so dankbar sein und in meiner Schuld stehen, dass ich jenes dafür verlangen kann.“ Die Gottesliebe ist eine maximal selbstlose Liebe.
Gott gibt David zu verstehen, dass er ihn deshalb von der Herde weggeholt hat und ihn zum König berufen hat, um Israel anhaltende Ruhe vor den Feinden zu verschaffen und ISRAEL einen festen Wohnsitz zu schaffen, nicht Gott. Die Berufung zum Tempelbau wird an seinen Sohn ergehen, dessen Namen Gott hier noch nicht preisgibt (es wird Salomo sein, wir kennen den weiteren Verlauf).
Wenn wir die Verheißung Gottes für das auserwählte Volk so lesen, kommen wir nicht umhin, über den wörtlich-historischen Sinn hinauszugehen. Dann handelt es sich beim festen Wohnsitz nicht nur um das verheißene Land für das Volk Israel, das endlich frei ist von Fremdherrschaft – denn genau diese geht ja noch weiter. Es wird sogar noch schlimmer, sodass die Assyrer und die Babylonier den Israeliten das Leben zur Hölle machen werden. Es handelt sich um den festen Wohnsitz in der Ewigkeit, und zwar für das Volk des Neuen Bundes, gleichermaßen Juden und Heiden. Sie werden frei sein von allen Angriffen, Fremdherrschaften und Leiden. Dies betrifft die neue Schöpfung am Ende der Zeiten, aber auch schon die Ewigkeit für jeden Menschen nach dem Tod. Sakramental wird dies schon mit der Kirche vorweggenommen. Sie ist auf Felsen gebaut, den man nicht einfach wegwälzen kann. Jesus verheißt im NT, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Ihr Sitz kann nicht einfach ausgelöscht werden. Die Rede von der Errichtung eines Wohnsitzes für Israel wird im Hebräischen mit Zukunftsformen ausgedrückt. Sie steht also noch aus. Umso deutlicher werden hier die Errichtung der Kirche durch Christus und das Reich Gottes angekündigt. Dieser feste Wohnsitz ist auch moralisch zu verstehen: Gott errichtet ein Haus aus Stein im Herzen jedes Menschen durch die biologische Schöpfung. Wir nennen dieses Haus die ewige Seele, die den Menschen zum Abbild Gottes macht. Bei der Taufe bezieht Gott selbst Wohnung im Herzen und stattet es aus mit seinem Geist. Er errichtet das Reich Gottes schon in der Seele des Getauften, der von da an zum Erben dieses Reiches eingesetzt wird.
Das Königtum Salomos wird Bestand haben. Diese göttliche Verheißung ist die Zusage, dass Gott Salomo segnen wird. Dieser wird einen festen Tempel für Gott errichten.
Dann sagt Gott etwas, das wir wiederum absolut typologisch lesen müssen. „Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein.“ Zunächst meint es wörtlich-historisch gelesen die innige Beziehung zwischen Gott und Salomo, der Davids Frömmigkeit ähnelt. Zugleich müssen wir es schon weiterlesen. Salomo ist ein Typos Christi, das heißt ein Vor-Bild dessen, was Jesus dann erfüllen und sogar überbieten wird. Jesus ist nämlich nicht nur sinnbildlich „wie ein Sohn“, sondern wortwörtlich. Er ist der Einziggeborene Gottes. Alle Geschöpfe sind geschaffen, er ist aber vor aller Zeit gezeugt worden. Er ist eines Wesens mit dem Vater. Er ist dann wirklich in einer Vater-Sohn-Beziehung mit Gott Vater. Wir können es mit der Kirche weiterführen: Durch die Taufe sind wir alle „von Knechten zu Freunden“ geworden (vgl. Joh 15,15). Wir sind Kinder Gottes durch die Neuschöpfung im Hl. Geist, die die Taufe ist. Wir sind aber von der Natur her trotzdem Geschöpfe und bleiben es. Wir werden nie göttlich. Wir sind durch die Gnade zu geistigen Kindern Gottes geworden, als wir getauft wurden. So wie der Vater bei der Taufe Jesu vom Himmel spricht „dies ist mein Geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe (d.h. den ich offiziell als meinen Sohn und Erben annehme)“, so sagt er auch jedem Täufling zu „dies ist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“. Und wie Salomo sind die Getauften Königskinder. Bei der Taufe wird der Täufling mit Chrisam gesalbt, dem Öl, das früher Königen und Propheten vorbehalten war. Wir gehören zur Royal Family Gottes.
Wenn in Vers 13 angekündigt wird, dass Salomo Gott einen Tempel bauen wird, müssen wir das auch typologisch weiterlesen: Denn der neue Salomo Christus wird sagen: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ (Joh 2,19). Er meint damit zunächst sich selbst, den „Tempel seines Leibes“ (Joh 2,21), aber auch die gesamte Tempelpraxis. Denn wie der Hebräerbrief ausführlich erklärt, ist Jesus für uns einmalig gestorben zur Sühne der Sünden aller Menschen damals, heute und in Zukunft. Die gesamte Tempelpraxis entfällt somit. Die Hohepriester sind dann überflüssig. Er besiegelt den neuen Bund zwischen Gott und allen Menschen, sodass der neue Tempel die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen ist. Sie ist der „Tempel seines Leibes“. Nicht umsonst wird die Kirche immer wieder bei Paulus als sein Leib beschrieben, dessen Haupt Christus ist. Und moralisch weitergelesen sind wir alle mit dem Tempel des Hl. Geistes ausgestattet, mit unserer ewigen Seele. Mit der Neuschöpfung der Taufe baut Christus diesen inneren Tempel neu auf, sodass der Geist Gottes Einzug halten kann. Und wie Christus in den Evangelien die Händler aus dem Tempel gejagt hat, eine regelrechte Tempelreinigung vorgenommen hat, so reinigt er im Sakrament der Beichte unseren inneren Tempel von allen „Händlern“ etc. die sie zu einer „Räuberhöhle“ haben verkommen lassen.
Gott wird Salomo nie seine Gnade versagen, er wird ihn nie verwerfen. Gottes ewige Treue sagt er auch Jesus Christus zu, den er am Ende von den Toten auferweckt hat. Er hat seinen Sohn wirklich nicht verlassen, sondern „ihn über alle erhöht“ (Phil 2,9). Seine ewige Treue verspricht Gott jedem Menschen. Er ruft ihn immer und immer wieder bis zum Ende seines Lebens, damit er die Chance der Umkehr nutzen kann. Er wird ihn immer wieder an sich ziehen und ihn auch züchtigen, wie es hier heißt. Er wird zulassen, dass der Mensch die Konsequenzen seiner Verfehlungen tragen muss, dass er dadurch nachdenklich und reumütig wird, dass er sich endlich Gott zuwendet und ihn zurückliebt. Gottes ewige Treue wird auf besondere Weise jedem Getauften zugesagt, der zum Erben im Reich Gottes wird. Das Versprechen, am Ende des Lebens bei Gott wohnen zu dürfen, meint Gott ernst. Er züchtigt gerade seine eingesetzten Erben, damit sie bereit gemacht werden, im Reich Gottes bestehen zu können.
Der ewige Thron, der Bestand haben wird, ist zunächst auf Salomos Herrschaft zu beziehen, aber es wird nicht ewig sein. Die oben schon erwähnten Assyrer und Babylonier, die Perser und die Römer, sie werden abwechselnd auf dem Thron sitzen und die Israeliten unterdrücken. Der Thron ist über Salomo hinaus auf den neuen Salomo zu beziehen: Christus, der zur Rechten Gottes auf dem Thron Platz genommen hat. So glauben und beten wir im Glaubensbekenntnis. Ein Thron im Himmel steht aber nicht nur für Christus bereit, sondern auch für uns Menschen. Allen voran ist Maria ein Ehrensitz bereitet worden – parallel zur Typologie Salomo-Christus wird sie zum Antitypos der salomonischen Königsmutter, für die neben ihrem Sohn ein Thron aufgestellt worden ist (1 Kön 2,19). In der Offb lesen wir auch, dass die Aposteln und die Heilsgestalten des AT bei Gottes Thron auf eigenen Thronen sitzen. Jedem von uns wird ein „Thron“ bereitet, die wir seine königlichen Kinder sind. Das ist natürlich metaphorisch zu verstehen und wir dürfen uns auf keinen Fall einbilden, im Himmel vergöttlicht zu werden.
Die heutige Verheißung Gottes an David ist sehr dicht. In jedem Vers steckt so viel drin, dass man zu jedem einzelnen Vers ein eigenes Buch schreiben könnte.

Ps 89
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen: 
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung. 
28 Ja, zum Erstgeborenen mache ich ihn, zum Höchsten unter den Königen der Erde. 
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich. 
30 Sein Haus lasse ich dauern für immer und seinen Thron wie die Tage des Himmels.

Wir beten aus gegebenem Anlass wieder den sogenannten Königspsalm 89. Die Psalmen reflektieren ja immer die Lesung aus dem AT. Gott ist es, aus dessen Sicht hier beschrieben wird: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David“. Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Das ganze ist aber auch typologisch zu betrachten – der Erwählte (hier ist wieder das Wort בָּחִיר bachir enthalten, der Jüngling im heiratsfähigen Alter) ist nun auf Jesus zu beziehen, der sich freiwillig zum bachir macht um des Himmelreiches willen. Er bezeichnet sich sogar als Eunuchen, meint dies aber natürlich nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Dieser Bund, den Gott geschlossen hat durch Christus, ist der Neue Bund mit allen Menschen. Im griechischen AT wird sogar mit Plural übersetzt, was linguistisch gesehen auch möglich ist. Dadurch wird nicht Christus in den Blick genommen, DURCH den der Neue Bund besiegelt worden ist, sondern die „Erwählten“, wir Menschen, MIT denen er ja den Bund geschlossen hat. Der griechische Begriff an dieser Stelle ist ἐκλεκτοῖς eklektois und wird auch im NT sowohl für Christus als auch für die Getauften verwendet (Lk 23,35; 1 Petr 1,1).
Auch hier wird die Zusage Gottes aufgegriffen, dem davidischen Königshaus Bestand zu verleihen. Dies wird der Fall sein, aber anders als die Menschen denken: Es wird ewig bestehen durch Christus, den Sohn Davids, der tatsächlich leiblicher „Sohn“ Davids ist. Wir lesen dies ja im Stammbaum nach Matthäus. Er trägt Davids Gene in sich. Und doch ist dies ein anderes Königtum als das des David. Es geht hier um den König des Reiches Gottes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, wie er selbst vor Pilatus erklärt hat (vgl. Joh 18,36). „Von Geschlecht zu Geschlecht“, d.h. in diesem Fall dann zu allen Zeiten, wird Christus der König derer sein, die an ihn glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen. Das „Haus“, das hier erwähnt wird, ist wörtlich gesehen zunächst das Königshaus. Wir müssen es aber tiefer verstehen als Kirche. Sie ist als Gemeinschaft der Gläubigen das Königreich Christi auf Erden, die sakramentale Antizipation der Ewigkeit. Sie wird auf ewig nicht untergehen – solange die Welt besteht, wird der Satan sie nicht überwältigen, das hat der treue Christus uns versprochen – und am Ende der Zeiten wird sie sich durchsetzen und ihren Wohnsitz einnehmen in der neuen Schöpfung Gottes.

Mk 4
1 Und wieder begann er, am Ufer des Sees zu lehren, und sehr viele Menschen versammelten sich um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot auf dem See und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer. 
2 Und er sprach lange zu ihnen und lehrte sie in Gleichnissen. Bei dieser Belehrung sagte er zu ihnen: 
3 Hört! Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 
4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 
5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 
6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 
7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat und sie brachte keine Frucht. 
8 Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, sechzigfach und hundertfach. 
9 Und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

10 Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war, fragten sie ihn nach dem Sinn seiner Gleichnisse. 
11 Da sagte er zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; für die aber, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen; 
12 denn sehen sollen sie, sehen, aber nicht erkennen; hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird.
13 Und er sagte zu ihnen: Wenn ihr schon dieses Gleichnis nicht versteht, wie wollt ihr dann all die anderen Gleichnisse verstehen? 
14 Der Sämann sät das Wort. 
15 Auf den Weg fällt das Wort bei denen, die es zwar hören, aber sofort kommt der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät wurde. 
16 Ähnlich ist es bei den Menschen, bei denen das Wort auf felsigen Boden fällt: Sobald sie es hören, nehmen sie es freudig auf; 
17 aber sie haben keine Wurzeln, sondern sind unbeständig, und wenn sie dann um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt werden, kommen sie sofort zu Fall. 
18 Bei anderen fällt das Wort in die Dornen: Sie hören es zwar, 
19 aber die Sorgen der Welt, der trügerische Reichtum und die Gier nach all den anderen Dingen machen sich breit und ersticken es und es bleibt ohne Frucht. 
20 Auf guten Boden ist das Wort bei denen gesät, die es hören und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach, sechzigfach und hundertfach.

Auch das Evangelium ist sehr dicht. Wir hören heute ein Gleichnis Jesu. Es beginnt mit Mk 4 eine Reihe von Gleichnissen, die Jesus für das Reich Gottes anbringt, dem Reich, das Gott David durch Natan schon verheißen hat und das „Bestand haben wird“.
Die Umstände der Lehre Jesu stellen ein Déjà vu dar. Er muss wieder in ein Boot steigen, um von dort aus die Menschenmassen zu lehren. Es ist einerseits voll, andererseits lehrt er dadurch seine Jünger. Eigentlich hätte er auch auf einen Felsen oder ein Podest steigen können, aber er möchte seinen berufenen Menschenfischern noch einmal demonstrieren, wie das geht. Der Köder, durch den die Fische anbeißen sollen, ist das Wort Gottes. Das Bild muss dabei richtig verstanden werden. Im Gegensatz zu den Fischen, die durch das erfolgreiche Fangen sterben, erhalten die Menschenfische durch das Gefangenwerden das ewige Leben, die Freiheit des Reiches Gottes. Und doch ist dieses Bild das Geeignetste für die „Fischer-Jünger“. Jesus wirft vor ihren Augen die Netze aus. Er beginnt zu lehren. Er erklärt dabei das Reich Gottes. Seine Worte sind der köstlichste Köder, denn die Menschenmassen nehmen dafür lange Reisen auf sich (naja, vor allem natürlich wegen der darauffolgenden Heilungen, aber dennoch…). Was Jesus heute erklärt, ist ein anderes Bild für das Menschenfischen – das Säen von Samen.
So ist der Hl. Geist. Wenn Gott uns Menschen etwas Entscheidendes eingeben möchte, wenn er uns seinen Willen kundtun will, dann tut er das nicht einmalig. Er möchte, dass wir das ja auch sicher begreifen, deshalb wiederholt er Eingebungen. Der Hl. Geist wiederholt sich. Er macht sich sogar noch mehr Mühe und gibt es einem mit unterschiedlichen Worten, auf unterschiedlichen Wegen, mit unterschiedlichen Bildern ein. Gott geht immer auf Nummer sicher, dass wir seinen Willen wirklich begreifen. Deshalb erklärt Jesus den Menschen das Reich Gottes mit vielen unterschiedlichen Metaphern und Gleichnissen. Deshalb erklärt er seinen Jüngern auch das Menschenfischen mit unterschiedlichen Bildern.
Das Gleichnis selbst deutet er nicht vor den Menschenmassen, sondern nur für den Zwölferkreis. Der Säman ist Christus, der Same das Wort Gottes. Jesus hat mit dem Gleichnis das umschrieben, was er in dem Moment auch tat: vom Boot aus den Menschenmassen, die die unterschiedliche Böden darstellen, das Wort Gottes predigen, also aussäen. Die Jünger haben seine Pointe nicht verstanden, obwohl es Jesus immer darum geht, Dinge nicht zu sagen, sondern zu zeigen. Er konfrontiert sie, um sie wach zu rütteln: „Wenn ihr das schon nicht verstanden habt, wie wollt ihr dann die künftigen Gleichnisse verstehen?“ Er möchte sie dadurch nicht niedermachen, sondern tut, was Gott David verheißen hat – züchtigen, tadeln, kritisieren, mit anderen Worten schleifen, dass sie zu schönen Diamanten werden. Sie sollen lernen, alles so zu sehen wie er selbst.
Jesus erklärt auch die verschiedenen Beschaffenheiten des Bodens, auf den das Wort Gottes fällt. Es sind die unterschiedlichen Herzenshaltungen der Menschen, mit denen sie Jesu Predigt in sich aufnehmen: Der Same auf dem Weg wird vom Satan direkt geraubt, bevor es Wurzeln schlagen kann. Warum ausgerechnet auf dem Weg? Es sind die Menschen, die im Prozess der Umkehr sind, die noch auf dem Weg zu Gott sind. Der Satan gerät in Panik und tut alles, damit die Seele nicht für Christus gewonnen wird. Er will die Seele für sich behalten. Deshalb müssen wir sehr viel für jene beten, die Gott suchen und vielleicht sogar schon auf dem Weg zur Taufe sind. Sie erleiden starke Anfechtungen und Versuchungen, denn Satan will unsere Königskindschaft mit allen Mitteln verhindern.
Der felsige Boden ist die Haltung der Menschen, die einen oberflächlichen Glauben haben, ohne Wurzeln und unbeständig. Beim ersten Widerstand geben sie auf, weil es zu unangenehm wird und es ihnen aufgrund der fehlenden Wurzeln den Boden unter den Füßen wegzieht. Solche „christlichen Sanguiniker“ sind diejenigen, die sich das Angenehme gern herauspicken und das Unangenehme ausblenden. Sie sind felsig, das heißt, sie wollen sich nicht ganz formen lassen von Gott, der auch mal züchtigen muss, der uns nicht immer nur Feierlaune, sondern auch mal den grauen Alltag bereithält. Die Felsen der eigenen Voreingenommenheit, die Patchwork-Mentalität zerstören aber die Samen des Wortes Gottes. So wächst es nicht in jenen Menschen, so werden jene Menschen also nicht zum Leib Christi, dem fleischgewordenen Wort Gottes.
Die Herzenshaltung des dornigen Gestrüpps ist besonders tödlich. Gottes ewiges Wort, seine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist, gerade auch vom Denken her, ist ganz anders als die Sichtweise der Welt mit ihren Verlockungen und ihrer Sünde. Doch in Menschen, die so weltlich eingestellt sind, auch gerade Menschen, die sich übertriebene Sorgen machen, also zu wenig Gottvertrauen besitzen, kann das Wort Gottes nicht keimen, Wurzeln schlagen, wachsen, Früchte tragen. Es stirbt sofort ab, weil das Herz voll von anderem ist. Jesus, das Wort Gottes, findet keinen Platz im Herzen solcher Menschen. Und er ist ein Gentleman. Wer ihn nicht hineinlässt, den lässt er auch in Ruhe. Dieses Dornengestrüpp breitet sich in unserer Kirche heutzutage rasant aus. Immer weniger Geistliche sind noch geistlich eingestellt. Wie viele unserer deutschen Bischöfe bestimmen ihr gesamtes Wirken noch von Christus her, dessen Reich nicht von dieser Welt ist? Es dominiert immer mehr die menschliche und weltliche Denkweise. Das Humanistische erfüllt die ganzen kirchlichen Grundvollzüge – so stark, dass für den Hl. Geist kein Platz mehr übrig bleibt.
Schließlich beschreibt Jesus die Fruchtbaren – die, die hören, aufnehmen und Frucht tragen. „Hören“ meint mehr als nur das physische Hören. Es meint den Ge-hor-sam, das Hören mit dem Glauben, das „auf ihn Hören“. In sich aufnehmen tun jene das Wort Gottes, die es an sich heranlassen. Die es akzeptieren und be-herzigen im wortwörtlichen Sinn: die es in sich verarbeiten, es betrachten, darüber nachdenken, es immer tiefer zu verstehen versuchen, die es nicht nur oberflächlich und rein informativ registrieren. Maria ist ein perfektes Beispiel für das „in sich Aufnehmen“. Sie bewahrt alle Geschehnisse in ihrem Herzen und denkt darüber nach. Das macht sie zur perfekten Jüngerin und dem fruchtbarsten Boden – auf dem das Wort Gottes deshalb auch Fleisch geworden ist! Früchte trägt das Wort Gottes dann, wenn die Menschen es in ihr eigenes Denken aufgenommen haben, wenn es von da an ihre eigenen Gedanken, Worte und Taten bestimmt, wenn es konkrete Auswirkungen hat im Verhalten.

Am Ende wird Jesus noch einen drauflegen. Er wird nicht nur das Wort Gottes säen in Form von gesprochenem Wort und Heilsdienst. Er wird sich selbst hingeben für die vielen Menschen am Kreuz. Er wird sein Fleisch und Blut austeilen und auch dann wird es auf unterschiedlichen Boden fallen. Der neue Bund wird allen Menschen angeboten, doch annehmen werden ihn nicht alle. Viele wird es kalt lassen, was Jesus für sie getan hat. Viele werden es zunächst annehmen und dann beim ersten Problem von ihm weglaufen. Nicht alle werden fruchtbar. Einige werden nicht glauben, dass Jesu Tat sie wirklich gerettet hat. Sie werden an ihrem fehlenden Vertrauen an Gott ersticken.
Jesus sät seinen „Samen“, d.h. sein Fleisch und Blut, in jeder Hl. Messe in das Herz der Kirche. Er sät sein Fleisch in unsere Herzen, die wir ihn in der Kommunion empfangen! Wird sein Same dort auf fruchtbaren Boden fallen? „Du bist, was du isst.“ Das ist nicht nur der Slogan von Wasa, das ist zuerst das Motto der Eucharistie. Wir werden immer mehr zum Leib Christi, indem wir ihn empfangen. Dies wird sich in unseren Gedanken, Worten und Werken immer mehr zeigen. Auch gerade im Alltag, da wo uns keiner sieht, da wo wir dann umsetzen sollen, was wir gelernt haben.
Das alles drückt Jesus heute im Evangelium aus.
Noch eine Sache ist hier zu erklären: Was meint Jesus mit diesen drastischen Versen 11 und 12? Will Jesus nicht, dass alle Menschen gerettet werden? Warum sagt er dann so etwas? Jesus zitiert hier Jesaja 6,9-10. Bei Jesaja wird dieses rätselhafte Wort im Anschluss an dessen Berufung genannt. Seine Berufung besteht darin, die Menschen vor die Wahl zu stellen: Er soll nicht so auftreten, dass weniger Menschen zu Gott umkehren, sondern damit sie sich die Mühe machen, seine Botschaft zu verstehen. Sie sollen „gezüchtigt“ werden, wie es Gott König David prophezeit hat. Diese „Hürde“ ist ein wichtiger Reifeprozess, damit jene, die ihn vollständig durchlaufen, sich wirklich ganz für Gott entscheiden können. Gott ist also kein Sadist, sondern er tut es, damit unsere Herzen für den Empfang des ewigen Heils bereitgemacht werden. So tut es auch Jesus mit den Gleichnissen. Er „verschleiert“ seine Verkündigung, damit die Menschen nicht einfach nur alles registrieren und fertig, sondern sich wirklich die Mühe machen, darüber nachzudenken. So kann er indessen ihre Herzen formen. Das Wort Gottes ist ein zweischneidiges Schwert. An ihm scheiden sich die Geister. Jene, die nur aus Sensationsgier da sind, die an dem Inhalt der Verkündigung Jesu kein Interesse haben, kehren sich davon ab, weil es zu viel Mühe bereitet, es zu verstehen. Jene, die wirklich mit offenem Herzen gekommen sind, werden sich diese Mühe aber machen und so wird die Verschleierung Jesu zu einer großen Chance für alle Anwesenden. Es hängt also nicht von Gott ab, der irgendwelche Vorbehalte macht, sondern vom Menschen selbst, ob er sich bekehrt. Und die, die noch nicht umgekehrt sind, sind jene, die „draußen sind“.
Jesus zitiert Jesaja noch wegen einer weiteren Sache, die wir heute weniger verstehen, weil wir mit dem AT nicht so vertraut sind wie seine Jünger: Liest man Jesaja 6 weiter, aus dem Jesus ja zitiert, heißt es am Ende des Kapitels: „12 Der HERR wird die Menschen entfernen, sodass die Verlassenheit groß ist inmitten des Landes. 13 Bleibt darin noch ein Zehntel, so soll es erneut abgeweidet werden, wie bei einer Eiche oder Terebinthe, von denen beim Fällen nur ein Stumpf bleibt. Heiliger Same ist sein Stumpf.“ Bei Jesaja wird die Samen-Metapher schon gebraucht! Das ist hier zwar noch genealogisch gemeint – es bleibt ein Stumpf übrig. Jesus deutet sich aber auch selbst an mit dem Jesajazitat und so verbinden die Jünger es dann auch mit Jesu Gleichnisrede.

Heute streut Jesus durch die Tageslesungen sehr viel Samen auf unseren Boden. Wir haben wirklich viel Arbeit damit, es zu hören, es in uns aufzunehmen und in uns wachsen zu lassen.
Schon im zweiten Samuelbuch wird sehr vieles verheißen, das Jesus dann erfüllt. Anhand der Gleichnisrede heute können wir dies beobachten: Er baut den Tempel Gottes auf – in den Herzen der Menschen, indem er ihnen die Tüftel-Aufgabe gibt. Er baut den Tempel durch die Sammlung der Jünger um sich, die Gemeinschaft der Gläubigen. Er sät den Samen, den „heiligen Samen des Stumpfes“, der auf ewig nicht verdorrt, sobald er wirklich gekeimt hat, Wurzeln getrieben hat, gewachsen ist und Früchte trägt.

Durch die ganzen zahlreichen Bilder hindurch zeigt uns heute der Hl. Geist, was all dies für unser Leben bedeutet: Nehmen wir das Wort Gottes in Wort und Sakrament in uns auf. Verdauen wir es im wahrsten Sinne des Wortes, betrachten wir es, verinnerlichen wir es, damit es in unser Denken, in unser Sprechen, in unser Handeln übergeht. So wachsen wir heran zu Menschen, die das Erbe Gottes antreten können in seinem Reich.

Ihre Magstrauss

Hochfest der Geburt des Herrn

Jes 52,7-10; Ps 98,1-6; Hebr 1,1-6; Joh 1,1-18

Liebe Freunde,
ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Weihnachten!

Jes 52
7 Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Heil verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König. 
8 Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der HERR nach Zion zurückkehrt. 
9 Brecht in Jubel aus, jauchzt zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der HERR hat sein Volk getröstet, er hat Jerusalem erlöst. 
10 Der HERR hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Nationen entblößt und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen.

Wir hören heute aus einem Kapitel in Jesaja, das historisch gesehen in den Kontext der babylonischen Gefangenschaft einzuordnen ist. Diese stellte für die Israeliten ein regelrechtes Trauma dar. Der Tempel war zerstört. Sie konnten Gott nicht mehr opfern und seine Herrlichkeit hatte auf Erden ihren Platz verloren. Doch nun ist das Ende des Leids gekommen.
„Die Schritte des Freudenboten“ sind all die Jahrzehnte des Exils ersehnt worden. Dies haben die Juden damals zunächst auf ihre konkret historische Situation bezogen. Sie haben die Freudenbotschaft ersehnt, endlich aus dem Exil zurückkehren zu dürfen. Dies war für sie zunächst ihr „Evangelium“. Wir ersehnen die Freudenbotschaft heute, aus dem Exil der Erbsünde heraustreten zu können und in die Heimat, in den Schoß der Kirche eintreten zu dürfen durch die Taufe. Jeder Einzelne ersehnt die Befreiung aus dem Exil der Sünde und das Eintreten in den Stand der Gnade durch die Beichte.
Wenn es heißt, dass die eigenen Wächter die Rückkehr Gottes nach Jerusalem sehen werden, ist das die Verheißung, dass Gottes Herrlichkeit in den neu erbauten Tempel wieder einziehen wird.
Dies ist Grund zur absoluten Freude. Deshalb erklingt auch durch Jesaja der Aufruf zum Lobpreis der „Trümmer Jerusalems“. Der HERR hat das Volk getröstet und erlöst.
„Vor den Nationen“ hat Gott die Heilstat vollbracht, sein auserwähltes Volk wieder zurück nach Jerusalem zu bringen. Das bedeutet, dass auch die Nichtjuden so wie damals beim Auszug aus Ägypten den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs anerkennen. Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. Wir lesen das überzeitlich und viel umfassender als auf das Exil beschränkt. Alle Enden der Erde werden das Heil erhalten, da Christus sich für alle Menschen opfern wird. Er wird nicht nur aus einer bestimmten Situation und nur bestimmte Menschen, sondern alle Menschen ein für alle Mal erlösen! Dies beginnt mit seiner Menschwerdung im Stall von Bethlehem und dies wird sich am Ende der Zeiten vollenden, wenn er in Herrlichkeit zurückkehren wird. Die frohe Botschaft, die ein Freudenbote bringt, seine Schritte auf den Bergen, all das erinnert uns an die Engel, die im gebirgigen Judäa zu den Hirten kommen, um die endgültige frohe Botschaft, das Evangelium zu verkünden – Gott ist Mensch geworden. Als Zeichen dient ein Kind in Windeln gewickelt in einer Krippe. Gott ist gekommen als davidischer König (Jes 52,7).
Diese Wächter, nämlich die Wächter der Schafe, sehen mit eigenen Augen die Herrlichkeit Gottes, der auf die Erde gekommen ist. Es ist noch nicht der Zion. Dies wird sich erst im Laufe seines Lebens erfüllen. Womöglich kann man die Wächteraussage auch auf Simeon und Hanna beziehen. Simeon betet ja schließlich, als Jesu Eltern das Kind in den Tempel auf dem Zionsberg bringen: Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast.
Dies ist ein Grund zur Freude und zum Lobpreis. Deshalb lesen wir in der Weihnachtsgeschichte von dem Engelschor, der das Gloria anstimmt.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 

3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt! 
5 Spielt dem HERRN auf der Leier, auf der Leier zu lautem Gesang! 
6 Mit Trompeten und lautem Widderhorn jauchzt vor dem HERRN, dem König!

Auch der Psalm ist ein Lob und Dank auf den HERRN, der Israel aus der Knechtschaft Babylons befreit hat. Gott hat wunderbare Taten vollbracht. Dass das Volk Israel zurückkehren durfte, ist alles andere als selbstverständlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es so gut ausgehen würde, war absolut gering. Deshalb erkennen auch die Völker, die hier genannt werden, den Gott Israels an (הַ֝גֹּויִם hagojim „die Völker“ meint im Hebräischen die nichtjüdischen Völker, es steht dann immer ἔθνη im griechischen AT und NT).
Was wir bereits bei Jesaja gelesen haben, steht auch im Psalm: „Alle Enden der Erde sahen das Heil unseres Gottes.“ Dies können wir bezogen auf die Weihnachtsgeschichte auch gerade mit Blick auf die Magoi aus dem Morgenland nachvollziehen. Diese kommen von den Enden der Erde und stehen schon am Anfang des Lebens Jesu für die „Völker“, die Nichtjuden, die von weit her gekommen sind, um das Heil zu schauen – Jesus („Jahwe rettet“).
Auch im Psalm geht die frohe Botschaft in einen Lobpreis über. Das ist unsere einzige angemessene Reaktion auf die Heilstaten Gottes.

Hebr 1
1 Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; 
2 am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben von allem eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen hat; 
3 er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens; er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt; 
4 er ist umso viel erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt.
5 Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt, und weiter: Ich will für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein? 
6 Wenn er aber den Erstgeborenen wieder in die Welt einführt, sagt er: Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen.

Im Hebräerbrief wird dieser Höhepunkt der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen reflektiert. Gott hat sich im Laufe dieser Geschichte immer wieder offenbart – ob am Dornbusch, am Sinai oder wo auch immer. Er hat vor allem Propheten berufen, dem Volk Israel seinen Willen zu vermitteln.
Und nun spricht Gott nicht mehr durch Propheten, sondern durch seinen eigenen Sohn. Hier wird sogar gesagt „am Ende dieser Tage“. Die Heilsgeschichte erreicht den Höhepunkt zum Ende hin. Das heißt, Gott hat sich etwas dabei gedacht, nicht sofort am Anfang der Menschheitsgeschichte selbst auf die Erde zu kommen.
Dieser Sohn Gottes, Jesus Christus, wird als Schöpfungsmittler bezeichnet („durch den er auch die Welt erschaffen hat“). Er hat ihn zum Erben eingesetzt, was sich auf die neue Schöpfung bezieht, auf das Reich Gottes. Jesus markiert den Anfang.
Jesu Natur wird weiterhin reflektiert: Er ist der Abglanz der Herrlichkeit und Abbild des Wesens Gottes. Jesus selbst hat gesagt: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“
Jesus trägt das All durch eben jenes machtvolle Wort, das immer wieder ausgesprochen die Vergebung der Sünden, die Heilung von Krankheiten und die Befreiung von Dämonen bewirkt hat („Ich will es, werde rein“, „Deine Sünden sind dir vergeben“ etc.). Dieses Wort, das hier im Hebr und auch in der Offb bildlich als zweischneidiges Schwert verstanden wird, ist Jesus selbst, durch das Gott die Welt geschaffen hat. Es heißt im Schöpfungsbericht immer wieder „und Gott sprach“. Jesus als Wort Gottes wird auch im sich anschließenden Johannesevangelium zum Kern des heutigen Tages.
Jesus hat sehr oft die Sünden vergeben. Das kann nur Gott und deshalb nahmen viele Menschen Anstoß an ihm. Sie haben nicht erkannt, dass er Gott ist und deshalb die Vollmacht zur Sündenvergebung hat.
Er ist jetzt zur Rechten des Vaters, nachdem er in den Himmel aufgefahren ist.
Dort ist er ungleich viel höher als alle Engel. Er ist der Sohn Gottes. Das ist nur er. Er ist gezeugt, nicht geschaffen wie die Engel.
Jesus wird wiederkommen auf die Erde. Wir erwarten seine Wiederkunft und stehen deshalb als Kirche in einem zweiten Advent. Alle Engel werden sich vor Christus niederwerfen, so wie wir uns vor ihm niederwerfen werden. Schon beim ersten Kommen als kleines Kind im Stall haben sich die Zeugen seiner Menschwerdung niedergeworfen und ihn angebetet, der er Gott ist.

Joh 1
1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott. 
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 
7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 
8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 
15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 
16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 
17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 
18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

Heute hören wir als Evangelium den einleitenden hymnenartigen Gesang des Johannesevangeliums.
Dabei hören wir von der „Vorgeschichte“ des menschgewordenen Gottes, nämlich seine Präexistenz bei Gott.
Nicht umsonst beginnt das Evangelium auf dieselbe Weise wie der Schöpfungsbericht in Genesis. Jesus, das ewige Wort des Vaters, war „im Anfang“, das heißt in Gott, der der Anfang ist.
Es wird auch gesagt, dass Jesus als Schöpfungsmittler an der Schöpfung mitgewirkt hat („alles ist durch das Wort geworden“).
Wenn über das Wort ausgesagt wird, dass in ihm Leben ist, dann bestätigt sich, dass Jesus Gott ist. Dieser ist nämlich ein Gott des Lebens. Als dieser ist er den Menschen Licht, nämlich Hoffnung.
Auf dieses Hoffnung spendende Licht bezieht sich auch Jesaja, wenn er prophezeit: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“ Gottes wunderbare Vorsehung hat Jesus zu einer ganz bestimmten Zeit Mensch werden lassen, in der die Menschen in besonders großer Dunkelheit waren. Er schien ihnen sein Leben hindurch, doch die Menschen nahmen es nicht an. Jesus ist gekreuzigt worden. Sein Leiden wird an diesem heutigen ersten Weihnachtstag schon mitgesagt. Das ist der Grund, weshalb er Mensch geworden ist. Und doch konnte die Finsternis das Licht nicht auslöschen. Jesus ist von den Toten auferstanden und hat somit den Tod überwunden! Auch Ostern wird heute schon mitgesagt.
Wir, die wir Jesu Erlösung angenommen haben und getauft worden sind, sind zu Kindern Gottes geworden, zu Erben in seinem Reich. Diese Taufe ist eine Geburt aus dem Geist, nicht aus dem Fleisch, wie Johannes es hier formuliert.
Und das Wort ist Fleisch geworden – das ist heute. Es hat unter uns gewohnt – 33 Jahre lang in Gestalt des Menschen und bis heute in Gestalt der eucharistischen Gaben. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, insbesondere die drei Apostel, die mit ihm auf dem Berg Tabor waren. Seine Herrlichkeit ist auch all denen offenbart worden, die Zeugen seiner Auferstehung geworden sind. Wir alle sehen seine Herrlichkeit in jeder Hl. Messe, in jeder guten Tat und am Ende der Zeiten die Fülle des verherrlichten Menschensohnes.
Johannes der Täufer ist der größte Zeuge seiner Herrlichkeit geworden, sogar noch vor seiner Geburt im Mutterleib Elisabets. Johannes der Evangelist schreibt hier, dass auch wenn Johannes der Täufer irdisch gesehen vor Jesus „war“, also geboren wurde, ist Jesus ihm Voraus. Dieser hat nämlich keinen Anfang, sondern war im Anfang, der Gott ist. Jesus wird seine Präexistenz immer wieder aussagen. Z.B. sagt er einmal: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Joh 8,58). Jesus IST, gestern, heute und in Ewigkeit.
Jesus bringt uns Gnade über Gnade. Alles haben wir dem Herrn zu verdanken. Er steht auch höher als Mose, der zwar das Gesetz gebracht hat, Jesus aber dieses mit Leben gefüllt hat, mit Gnade und Wahrheit, die er selbst ist.
Jesus ist aus dem Himmel zu uns gekommen. Deshalb ist er auch der einzige Mensch, der Gott je gesehen hat. Gott ist Geist und wir alle werden ihn erst sehen, wie er ist, wenn wir sterben. Der Kern der ganzen Verkündigung Jesu ist, uns den Vater zu zeigen. Dafür wird er heute Mensch. Gott liebt uns so sehr und will uns sein „Herz“ zeigen, seinen „Augapfel“, sein ein und alles, seinen Sohn.

Danken wir Gott für die Gnade über Gnade. Freuen wir uns heute über diese größte Heilstat Gottes, ganz unabhängig davon, wie es uns geht, wie die heutige Welt aussieht, wie unsere Laune ist. Seine Heilstat bleibt für immer das A und O unserer Hoffnung. Sie gibt uns auf ewig den Grund, in diesem Leben durchzuhalten und standhaft zu bleiben.

Ihnen und Ihren Familien heute ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedliches Beisammensein!

Ihre Magstrauss