Zweiter Adventssonntag (A)

Jes 11,1-10; Ps 72,1-2.7-8.12-13.17; Röm 15,4-9; Mt 3,1-12

Jes 11
1 Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. 
2 Der Geist des HERRN ruht auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. 
3 Und er hat sein Wohlgefallen an der Furcht des HERRN. Er richtet nicht nach dem Augenschein und nach dem Hörensagen entscheidet er nicht, 
4 sondern er richtet die Geringen in Gerechtigkeit und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt das Land mit dem Stock seines Mundes und tötet den Frevler mit dem Hauch seiner Lippen. 
5 Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften und die Treue der Gürtel um seine Lenden. 
6 Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. 
7 Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. 
8 Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus. 
9 Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des HERRN, so wie die Wasser das Meer bedecken.
10 An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Feldzeichen für die Völker; die Nationen werden nach ihm fragen und seine Ruhe wird herrlich sein.

Diese Jesajalesung ist uns in der letzten Woche bereits begegnet (Lesen Sie gerne die Ausführungen vom Dienstag der ersten Adventswoche!). Jesaja sieht eine Friedensvision, die zunächst auf eine konkrete historische Situation zu beziehen ist/war: Gerade der erste Teil der Vision lässt auf eine Figur hoffen, die das Volk aus der Fremdherrschaft, der Unterdrückung und später aus dem Exil befreit. Viele Andeutungen wie der Nachkommenschaft Isais und der politischen Funktion lassen auf König David schließen, der aber schon 300 Jahre zuvor gelebt hat. Im Hebräischen sind die Verbformen jedoch zukünftig formuliert und weisen auf ein noch ausstehendes Ereignis hin. Wir denken als Christen an den Messias, der aus dem Stamm Juda kommt und als Sohn Davids bezeichnet worden ist. Es kann also in Jesaja schon vom Text selbst her nicht bei der Erwartung einer politischen Figur bleiben. Der Text gibt bereits her, dass es sich nicht um einen einfachen Menschen handeln kann: Kein Mensch kann bewirken, dass die uns bekannte Nahrungskette und das gegenseitige Fressen der Tiere verändert wird. Kein Mensch kann die Sünde der Welt ausmerzen. Das kann nur Gott. Jesajas Text ist durch und durch messianisch. Besonders interessant ist der oft überlesene Satz „ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht“. Auch hier heißt es wörtlich „wird Frucht bringen“. Im Kontext des Kommens des Messias wird das Fruchtbringen noch nicht seinen Tod und seine Auferstehung, sein Erlösungswirken meinen. Was kann es also sonst heißen? Gott konnte die Verheißung, als Davidide Mensch zu werden, nur erfüllen, wenn er durch eine Davididin zur Welt kommen würde. Und das führt uns zur Lösung: Maria war Davididin! Sie war der Schößling aus den davidischen Wurzeln, wie es wörtlich heißt. Und wird Frucht bringen. Dieser Text ist also nicht nur eine Verheißung des Messias, sondern auch der Frau, durch die er in die Welt kommt! Interessant ist, dass der Wortstamm des hebräischen Wortes נֵצֶר nezer derselbe wie im Namen der Stadt Nazaret ist! Es fällt also eine Mehrdeutigkeit in dem Text auf, der sowohl auf den Messias als auch auf die Davididin hinweist, die ihn gebären wird.
Dann wird angekündigt, dass die kommende Heilsgestalt geistbegabt sein werde (Vers 2). Es werden die Gaben des Hl. Geistes genannt, die auch uns vertraut sind. Dabei fehlt die Frömmigkeit. Das hängt damit zusammen, dass wir die Gottesfurcht zweiteilen und die Frömmigkeit als andere Seite der Gottesfurcht verstehen. Später wird es in der Offb heißen, dass das Lamm sieben Augen besitzt und diese die Geister Gottes seien (Offb 5). Wir verstehen die Geistbegabung des Messias in diesem Bild in der Tiefe erst, wenn wir Jesaja kennen. Es ist wieder die Rede vom Gericht. Wie die letzten Tage auch schon genannt sind die Maßstäbe anders als diejenigen hier auf Erden. Man liest die Verse weniger als Bedrohung, sondern als tröstende Verheißung, weil es bei dem Gericht um die Abrechnung mit den Ungerechten geht. Bemerkenswert ist auch, dass diese angekündigte Figur mit dem Stab ihres Mundes richten werde – das erinnert uns an Hebr und Offb, wo der Stab zum zweischneidigen Schwert wird und das Wort Gottes umschreibt. Auch dieses Bild wird im NT zum messianischen Code, wenn man Jesaja als Hintergrundfolie kennt. Unerwartet ist zudem das Richten mit dem „Hauch seiner Lippen“. Das hat ebenfalls eine messianische Dimension. Wir denken an die Auferstehungsberichte der Evangelien, in denen der Auferstandene den Aposteln erscheint und sie anhaucht mit den Worten: „Empfangt den Hl. Geist!“ Diesen hat er zuvor am Kreuz ausgehaucht (Mk 15,37 ἐξέπνευσεν exepneusen, darin steckt pneuma, der Geist). Dies macht auch Sinn, weil auf dem angekündigten Messias ja der Geist Gottes ruht. Im Anschluss werden dem Messias die Eigenschaften der Gerechtigkeit und Treue zugeschrieben – zwei absolut göttliche Kennzeichen. Sie werden bildhaft als dessen Gürtel bezeichnet, der Träger ist also vorbereitet oder gerüstet (für den Kampf oder den Kult). 
Die wunderbare Friedensvision ist eine Beschreibung der neuen Schöpfung. Dabei erfährt man einiges darüber, wie die Schöpfung vor dem Sündenfall war. Dies ist unerlässlich im Kontext des messianischen Friedensreichs: Der Messias stellt den Anfang der neuen Schöpfung dar und deshalb wird auch der Rest der Schöpfung paradiesisch sein. Die Auswirkungen des Messias sind mehrdimensional: Einerseits deutet diese Verheißung hinaus auf den Messias, mit dem der Frieden schon spürbar gekommen ist. Jede Hl. Messe, in der der Messias sakramental kommt, ist ein Moment des Friedens und der Ordnung. Nehmen Sie der Kirche die Sakramente weg, es wird nur noch Chaos und Zerstörung herrschen. Die Eucharistie ist die Mitte des gesamten kirchlichen Lebens, das alles andere an seinen richtigen Platz stellt. Wo Gott die Mitte des Lebens eines Christen ist, da ist Ordnung. Der Mensch wird heil an Leib und Seele, wenn er nach den Geboten Gottes lebt. Und wenn auch von außen Angriffe kommen sollten, verliert er den inneren Frieden nicht. Am Ende der Zeiten wird der Messias als verherrlichter Menschensohn wiederkommen und Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen (Offb 21). Bei der Friedensvision hier bei Jesaja ist bemerkenswert, dass die Tiere sich nicht mehr gegenseitig fressen werden. Dies deutet darauf hin, dass die uns bekannte Nahrungskette ein Phänomen nach dem Sündenfall ist und ursprünglich anders vorgesehen war. Es zeigt eine umfassende Versöhnung – zwischen den Tieren untereinander und zwischen Mensch und Tier. Es ist kein Zufall, dass die Rede von einem Kind ist, das friedlich mit einer Schlange spielen kann. Das ist ein Verweis auf Gen 3,15, wo Gott nach dem Sündenfall die Feindschaft zwischen der Schlange und dem Nachkommen Evas angekündigt hat. Mit dem Christuskind, so erkennen wir Christen dieses Bild, wird diese sündige Natur überwunden. Das ist wieder ein Zeichen der neuen Schöpfung.
Wenn es dann heißt: „Man wird nichts Böses mehr tun auf meinem Hl. Berg“, dann spielt dies anagogisch natürlich auf den Himmel an, in dem nichts Böses Platz finden wird. Dann ist der Hl. Berg ein Bild für das Himmelreich. Dies erfüllt sich allegorisch gesehen schon anfangshaft mit der Kirche, die die Gemeinschaft der Heiligen ist, die zur Heiligkeit berufen sind. Diese sündigen trotz Berufung weiter und beleidigen dadurch nicht nur Gott, sondern auch die Gemeinschaft. Deshalb ist es so großartig, dass sie das Sakrament der Beichte in Anspruch nehmen und zurück zum Stand der Gnade kommen können. Ich persönlich kann stets umkehren und die Gemeinschaft mit Gott ist nur solange intakt, wie ich nicht etwas dagegen tue durch meine Sünde. Und wenn ich die Eucharistie empfange, um mich mit Gott zu vereinen, kann auch nur Gemeinschaft (communio) sein, wenn ich frei vom Bösen bin. Dann ist die Kommunion ein himmlischer Moment in meinem Herzen.
„Das Land ist erfüllt von der Erkenntnis“ – dieser ausstehende Zustand erfüllt dann dies, was 1 Joh 3,2 ankündigt: Wir werden ihn, also Gott, sehen, wie er ist. Sünde bedeutet johanneisch ja immer, dass man Gott nicht erkannt hat. Diese Erkenntnis-Aussage in Jesaja ist also zusammen mit dem vorherigen Vers zu lesen, der die Nichtexistenz von bösen Taten auf dem Hl. Berg prophezeit.
Der letzte Vers ist erneut mehrdeutig. Entweder ist er auf den Spross Christus oder auf den Spross Maria zu beziehen: Zum Zeichen für die Völker (das hebräische Wort hat die primäre Bedeutung „Wunder, Zeichen“) wird der Messias insofern, als er selbst auf wundersame Weise Teil dieser Welt wird und im Laufe seines Lebens Wunder vollbringen wird. Zum Zeichen wird aber auch seine Mutter, da sie ihn als Jungfrau vom Hl. Geist empfängt. Spätestens in Offb 12 wird dies deutlich, wo sie zum Archetypen der Kirche wird. Zum Feldzeichen wird der Messias durch den Kampf mit dem Wort Gottes (seinem zweischneidigen Schwert) und dem Hl. Geist, dem Hauch seiner Lippen. In Offb 19 wird dieses Kämpfen mit spirituellen Waffen deutlich, wo der Feldherr der himmlischen Heerscharen bei der Endschlacht als das Wort Gottes bezeichnet wird und mit dem zweischneidigen Schwert kämpft.
Wenn es am Ende heißt „Seine Ruhe wird herrlich sein“, kann man das hebräische Wort und dessen Stamm נחת nachat auch mit „Ruhestätte“ übersetzen (das Verb dazu ist „herabfahren“), so z.B. die Elberfelder Bibel. Dies wiederum lässt eine christologische Deutung des Verses zu: Die Ruhestätte auf dem Zion erinnert an den Todesort und die Begräbnisstätte Christi in Jerusalem. Dieser ist zum Ort der Herrlichkeit geworden aufgrund der Auferstehung!

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil.
7 In seinen Tagen sprosse der Gerechte und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr da ist. 
8 Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde.
12 Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, den Elenden und den, der keinen Helfer hat. 
13 Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, er rette das Leben der Armen.
17 Sein Name soll ewig bestehen, solange die Sonne bleibt, sprosse sein Name. Mit ihm wird man sich segnen, ihn werden seligpreisen alle Völker. 

Auch Psalm 72 begegnete uns schon letzten Dienstag. Salomo bittet um Gottes Gerechtigkeit und Rechtssprüche. Sowohl der König als auch der Königssohn (David und Salomo) bitten zunächst um konkrete irdische Dinge. Darüber hinaus lassen sich die Bitten aber auch messianisch deuten: Rechtssprüche im NT (da heißen sie dann δικαιώματα dikaiomata) werden für Gott verwendet im Kontext des göttlichen Gerichts. Allegorisch-typologisch muss man Salomo dann analog zu Christus verstehen, der der göttliche Königssohn und der neue Salomo ist. Liest man in dieser geistlichen Lesart weiter, findet das Richten des Volkes Israel durch den irdischen König eine antitypische Entsprechung bei Gott und Christus, die das Volk Gottes richten. Dies ist jetzt schon mit der Kirche gegeben, die als Leib Christi eine eigene Rechtsprechung besitzt. In jeder menschlichen Seele richtet Gott bereits bei jeder Tat, weshalb wir den Begriff des Gewissens dafür verwenden. Schließlich wird Gott am Ende der Zeiten richten, und zwar jeden Menschen. Der Wunsch nach der Befreiung der Armen und Elenden, nach Hilfe und Rettung ist zunächst konkret irdisch zu verstehen. Es geht um den Wunsch eines gerechten Herrschers, der ein gutes Leben ermöglichen soll. Dies denken wir als Christen jedoch weiter und schauen auf Christus, der befreit, geholfen, gerettet hat – in erster Linie aus der Sünde und mit Blick auf das ewige Leben. Wenn dann geäußert wird, dass der Name des Königs ewig bestehe, kann eine gewisse übermenschliche Andeutung ausgemacht werden. Kein normaler König kann ewig leben. Auch der Wunsch nach einer Herrschaft von Meer zu Meer gilt nicht für die Könige Israels. Hier sind messianisch zu deutende Verse im Psalm enthalten, die vieles aus Jesaja aufgreifen, z.B. das Gericht und die vollkommene Herrschaft.

Röm 15
4 Denn alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schriften Hoffnung haben.
5 Der Gott der Geduld und des Trostes aber schenke euch, eines Sinnes untereinander zu sein, Christus Jesus gemäß, 
6 damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einmütig und mit einem Munde preist.
7 Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes! 
8 Denn, das sage ich, Christus ist um der Wahrhaftigkeit Gottes willen Diener der Beschnittenen geworden, um die Verheißungen an die Väter zu bestätigen; 
9 die Heiden aber sollen Gott rühmen um seines Erbarmens willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich bekennen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen.

Paulus erklärt den Römern in dem Briefausschnitt von heute etwas Wichtiges, nämlich wie man mit den Hl. Schriften (das heutige AT) umgehen muss und wie man dies im Kontext des Heidenchristentums tut. Er selbst ist von der Ausbildung her ein Pharisäer und weiß deshalb sehr genau darum, wie wichtig die Schriften auch für Christen sind. Er fordert die Römer dazu auf, einander mit derselben Integrität zu begegnen wie Jesus: Dieser hat sich dem jüdischen Gesetz unterworfen, um die Verheißungen zu erfüllen (Vers 8). Dadurch kamen die Juden zum Glauben und wurden Judenchristen. Er hat aber auch die Barmherzigkeit verkündet, die etwas Neues und Entscheidendes für die Heiden war, die dadurch zum Glauben kamen und Heidenchristen wurden. Das griechische Wort ἔθνη ethne „Nation“ wird immer für die Heidenvölker verwendet im Gegensatz zu den Juden. Das alles ist eingebettet in das Verständnis, dass man jetzt in einer Zeit des Ausharrens lebt (Vers 4, was hier mit „Geduld“ wiedergegeben wird und im Griechischen ὑπομονή hypomone „Standhaftigkeit“ heißt). Wir leben als Christen in der Erwartung der Wiederkunft Christi. Aus diesem Zustand heraus sind die Schriften wie die Friedensvision aus Jesaja 11 so tröstlich und erbauend. Sie erfüllen uns mit Optimismus trotz Negativentwicklung der Welt. Diese Zeit ist aber nicht dazu da, die Hände in den Schoß zu legen, sondern um das vorwegzunehmen, was z.B. Jesaja verheißt – Frieden zu leben, in dem man sich gegenseitig annimmt. Im Grunde legt Paulus somit Jesaja und auch den Psalm allegorisch aus: So wird das Friedensreich schon in der Gemeinde Christi Realität, von der es dann auch in der Apg heißt, sie sei ein Herz und eine Seele. Sie tut dies wiederum in der Nachfolge Christi, der Jesaja antitypisch schon erfüllt hat.

Mt 3
1 In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: 
2 Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. 
3 Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! 
4 Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung. 
5 Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; 
6 sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. 
7 Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt? 
8 Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, 
9 und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken. 
10 Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. 
11 Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
12 Schon hält er die Schaufel in der Hand; und er wird seine Tenne reinigen und den Weizen in seine Scheune sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Im heutigen Evangelium wird der letzte und zugleich bedeutendste Prophet eingeführt, der den Messias ankündigt – Johannes der Täufer. Sein ganzes Dasein besteht in der Buße und Bußpredigt. Er ist heilsgeschichtlich von sehr großer Bedeutung, sodass die Erfüllung eines Schriftwortes hier zum Tragen kommt (die konkrete Jesajastelle kommt heute in der Lesung jedoch nicht vor: Jes 40,3). Johannes‘ Botschaft lautet: Wer zum „heiligen Berg“ der heutigen Jesajalesung gehören will, muss Buße tun. Denn es heißt ja in Jesaja, dass man nichts Böses dort tun wird. Es besteht noch die Chance, diese zu vollziehen, aber es ist kurz vor 12. Johannes schildert dies durch ganz drastische Bilder wie der Axt, die an den Baum angelegt ist, oder der Schaufel in der Hand. Warum verwendet er ausgerechnet so ein Bild? Dafür müssen wir noch einmal bei Jesaja schauen: Unser heutiges Kapitel Jes 11 schließt sich an Kapitel 10 an, das mehrere Wehrufe beinhaltet. Dort heißt es unter anderem: „Prahlt denn die Axt gegenüber dem, der mit ihr hackt…“ (15) und einige Verse weiter dann: „und die Herrlichkeit seines Waldes und seines Baumgartens vernichtet er…“ (18) Schließlich heißt es: „Siehe, Gott, der HERR der Heerscharen, schlägt mit schrecklicher Gewalt die Zweige ab. Die Hochgewachsenen werden gefällt und die Emporragenden sinken nieder. Er rodet das Dickicht des Waldes mit dem Eisen und der Libanon fällt durch einen Mächtigen.“ (33-34). Es handelt sich um dieselbe Metaphorik, die Johannes aufgreift und an die Jes 11 mit dem Baumstumpf anschließt! Gott muss zuerst etwas platt machen, bevor etwas Neues entstehen kann. Diese Anspielung von Jesaja wird den Menschen bekannt gewesen sein. Sie werden den messianischen Code begriffen haben. In seiner Verkündigung verdeutlicht Johannes ja auch, dass derjenige, den er ankündigt, viel größer ist als er (nicht mal die Sandalen zu lösen ist er würdig). Die Menschen, die sich herausreden wollen und sich auf ihrer jüdischen Abstammung ausruhen, verurteilt Johannes scharf. Er nennt die Pharisäer und Sadduzäer sogar „Schlangenbrut“. Das ist typisch für ihn – er nimmt kein Blatt vor dem Mund und möchte zugleich damit aufrütteln. Nicht ihr Pharisäer und Sadduzäerdasein ist die Ursache für diese Wortwahl, sondern ihr Verhalten. Von den Sadduzäern wissen wir z.B., dass sie weder an Engel noch an die Auferstehung geglaubt haben. Und doch wollen sie auf „Nummer sicher gehen“ und sich mit der Johannestaufe taufen lassen. Diese ist aber ein Zeichen der Umkehr, die bei ihnen ganz fehlt. Jesus wird später sagen: „An den Früchten wird man sie erkennen“ und Johannes erkennt die schlechten Früchte, also das böse Verhalten der Pharisäer und Sadduzäer. Vom Römerbrief haben wir heute erfahren, dass Jesus alle Menschen ruft, Kinder Gottes zu werden, sowohl Juden als auch Heiden. Im Evangelium wird nun ein Verhalten deutlich, dass man sich auf seiner jüdischen Identität ausruht, ohne ein gottgefälliges Leben zu führen. Lesen wir das allegorisch/moralisch, können auch wir sagen: Keiner kann sich auf dem Getauftsein ausruhen. Nicht jeder Getaufte kommt automatisch in den Himmel. Wir sollen in Liebe zu Gott und dem Nächsten die zehn Gebote halten, also ein bestimmtes Leben führen. Am Ende wird Gott von uns für die Dinge in Rechenschaft ziehen, die wir getan und die wir unterlassen haben. Wir Katholiken dürfen zudem nicht vergessen, dass wir keinen Vorteil haben, katholisch zu sein, sondern mehr Verantwortung. Weil wir das Privileg der Fülle der Wahrheit haben, werden wir strenger gerichtet als die, die noch nie etwas von Jesus gehört haben.
Sowohl Paulus als auch Johannes der Täufer bereiten die Menschen auf das Kommen des Messias vor – der eine auf das erste Kommen bei der Menschwerdung Christi, der andere auf das zweite Kommen am Ende der Zeiten als verherrlichten Menschensohn. Es ist eine Zeit des Tuns – nämlich der tätigen Liebe. Nehmen wir auch heute einander an und ertragen einander in Liebe, denn der Herr kommt bald. Tun wir dies auf längere Sicht, tun wir dies aber auch ganz besonders jetzt in der Zeit des Advents. Wie auch in der Fastenzeit ist dies jetzt eine Zeit der Gnade, in der wir vermehrt Liebesdienste erweisen und unsere Beziehung zu Gott vertiefen können. Erkennen wir die Zeit der Gnade!

Ihre Magstrauss

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