Erster Fastensonntag

Gen 2,7-9; 3,1-7; Ps 51,3-4.5-6b.12-13.14 u. 17; Röm 5,12-19; Mt 4,1-11

Gen 2
7 Da formte Gott, der HERR, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. 
8 Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. 
9 Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? 
2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; 
3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. 
4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. 
5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. 
6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert war, um klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. 
7 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. 

Heute wird es richtig spannend! Am ersten Fastensonntag hören wir den Anfang, den Grund für Jesu Kommen in diese Welt und vor allem für seine Erlösung:
Gott hat den Menschen als sein Abbild geschaffen, so der erste Schöpfungsbericht. Aus dem zweiten Schöpfungsbericht wird uns heute erzählt, dass der Mensch aus dem Staub vom Erdboden geschaffen worden ist. Deshalb heißt der erste Mensch auch Adam. Denn das hebräische Wort für Boden/Erde ist אֲדָמָ֔ה adamah. Vor diesem Hintergrund verstehen wir auch besser, warum wir am Aschermittwoch mit einem Aschekreuz bekreuzt werden und dazu gesagt wird: Staub bist du und zu Staub kehrst du zurück. Mit anderen Worten: Du bist Adam, du bist Mensch und deshalb vergänglich. Denn du bist der Mensch nach dem Sündenfall, der unter der Sünde Adams leiden muss. Gott hat diesen Erdhaufen zum Leben erweckt, indem er ihm den Lebensatem eingehaucht hat. Damit ist die ewige Seele gemeint, die im Hebräischen mit dem Wort נֶ֥פֶשׁ nefesch ausgedrückt wird. Erst durch diese ist der ganze Mensch zu einem lebendigen Wesen geworden.
Gott hat dem Menschen einen Garten als Lebensraum gegeben und viele Bäume dort hineingepflanzt. In der Mitte pflanzte Gott zwei Bäume, von denen Adam aber nicht essen sollte. Die ganze Passage der Erschaffung Evas und des Verbots Gottes, davon zu essen, wird uns heute nicht vorgelesen. Dort heißt es unter anderem, dass die Menschen sterben würden, wenn sie davon äßen. Diese beiden Bäume sind der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Alles, was im Nachhinein passiert, hat mit dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu tun. Vom Baum des Lebens werden sie sich nicht bedienen.
Nun hören wir aus dem dritten Kapitel, wie die Schlange schlauer als alle anderen Tiere ist. Es ist aber nicht die Schlange selbst, die Eva verführen wird, sondern der Satan, der sich der Schlange bemächtigt, der Geist ist und deshalb einen Körper verwendet, um seine Unheilstat zu vollbringen. Warum aber hat sich der Teufel das schlaueste Tier ausgesucht? Er ist durch und durch hochmütig. Ein anderes Tier wäre für ihn nicht in Frage gekommen. Es zeigt wiederum seinen abgrundtief bösen Charakter.
Wir erfahren von seiner Strategie. Er stellt der Frau eine Frage und streut somit Misstrauen. Das, was das erste Menschenpaar ausmacht, ist eigentlich die maximale Vertrauensbeziehung und das dadurch absolute Beschenktwerden der Menschen. Sie lassen sich alles schenken und glauben fest daran, dass Gott ihnen nur Gutes will. Und dann kommt die Schlange daher und stellt Gottes Worte infrage: „Hat Gott wirklich gesagt?“ Das ist der Anfang der Sünde – das Misstrauen.
Die Schlange ist so schlau, die Frage so zu stellen, dass offensichtlich etwas Falsches Gott unterstellt wird: „Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?“ Sie weiß, dass Gott das so nicht gesagt hat, entlockt der Frau aber so die eigentliche Aussage Gottes: „Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.“ Damit hat die Schlange Eva dort, wo sie sie haben will. Denn ihre Pointe ist, der Frau einzureden: „Nein, ihr werdet nicht sterben.“ Sie stellt sich nun auf dieselbe Stufe wie Gott, ja sogar über Gott, denn sie korrigiert den Allmächtigen, der die Bäume geschaffen hat.
Sie korrigiert Gott aber nicht, um zu zeigen, dass sie es besser weiß, sondern um das Misstrauen noch zusätzlich zu nähren: „Gott weiß das wohl, dass es nicht stimmt. Er hat euch angelogen. Er macht das, um euch im Dunkeln zu lassen und eben doch nicht alles zu schenken.“ Eine pure Lüge! Denn was Gott den Menschen vorenthalte, sei: „Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ Eva wird sich bei diesen Worten ganz naiv gefragt haben: Was ist Gut und Böse? Bis dato haben die Menschen nur das Gute kennengelernt und einfach alles von Gott angenommen, ohne selbst eine Beurteilung und Unterscheidung vornehmen zu müssen. Dass es neben Gott einen Gegenspieler geben könnte, war ihr in dem geschützten und behüteten Rahmen des Gartens Eden bisher nicht bekannt. Am meisten wird sie wohl auf den anderen Teil des Satzes angesprungen sein: „Ihr werdet wie Gott.“ Das wollte der Satan! Er wollte wie Gott sein und hat es nicht geschafft. Dafür musste er aus dem Himmel verbannt werden und versucht nun andere mit eben dieser Schiene von Gott wegzubringen. Das ist bis heute die Urversuchung des Menschen: Er will wie Gott sein, Herr über Leben und Tod. Das ist uns in diesen Tagen besonders schmerzlich bewusst geworden, als die deutsche Gesetzgebung den Weg für die Euthanasie freigegeben hat. Auch der Beginn des Lebens wird nicht mehr als Geschenk Gottes angesehen, weder bei Abtreibung noch bei der Pränataldiagnostik noch bei der Embryonalforschung. Aber diese Undankbarkeit gegenüber Gott, der jedes Leben als Geschenk gibt, führt uns nicht zum Segen, sondern zum Fluch. Es endete nie gut für den Menschen, der sich über Gott erhöhen wollte, z.B. beim Turmbau zu Babel.
Eva merkt, wie köstlich die Früchte aussehen. Wir verwenden gerne das Sprichwort: „Das Gras des Nachbarn ist immer grüner.“ Was wir nicht haben, scheint uns immer attraktiver als das eigene. Besonders intensiv beobachten wir das bei Kindern. Da möchte ein Kind dem anderen immer das gerade verwendete Spielzeug wegnehmen, weil es das selbst haben will. Wenn dasselbe Spielzeug dann aber unbenutzt herumliegt, denkt es gar nicht mehr daran. So ist der Mensch. Er will, was ihm nicht gehört oder was nicht erlaubt ist. Das Verbotene birgt schon von Anfang an einen Reiz.
Und so geschieht das Fatale, unter dem auch wir heute leiden müssen: Eva nimmt von der Frucht und wird Gott ungehorsam. Noch schlimmer. Sie isst nicht nur selbst, sondern zieht auch Adam mit hinein. So ist es bis heute. Der eine Mensch sündigt und zieht die Anderen in sein Unheil mit hinein. Entweder sündigen diese dann auch oder sie müssen an den Konsequenzen der Sünde unschuldig mitleiden.
Den beiden gehen die Augen auf. Das heißt, ihr Erkenntnishorizont ändert sich bzw. ihr Blick ändert sich. Bisher waren sie auch schon nackt (abgesehen von dem Licht der Gnade, das sie umgeben hat), aber sie bemerken es erst jetzt. Zuvor haben sie es nicht als Nacktheit wahrgenommen, weil sie vor Gott und voreinander nichts zu verbergen hatten. Es lag alles offen, weil es weder Begierde noch Scham gab. Doch nun kam die Begierde in ihre Herzen, denn sie haben sich etwas genommen, statt mit dem Geschenkten zufrieden zu sein. Dieses Habenwollen ist eben diese Begierde, die Auslöser für so viele verschiedene Sünden ist. Und weil diese Begierde in sie hineingekommen ist, ist auch ihr Blick anders geworden. Auch der Vertrauensblick ist ihnen abhanden gekommen, das heißt aufgrund ihres Misstrauens fühlen sie ihre Nacktheit als Bedrohung: Der Andere kann mich sehen, wie ich bin, aber ich habe jetzt Dinge, die ich verheimlichen möchte! Vor allem schämen sich die Menschen nun vor Gott, dem sie etwas verheimlichen wollen. Dass wir uns bis heute schämen, ist ein Phänomen nach dem Sündenfall. Es ist zugleich Schutzmechanismus vor dem veränderten Blick der anderen Menschen. Da nun die Begierde in der Welt ist und andere Menschen etwas haben wollen, es an sich reißen können, muss ich mich selbst davor schützen, indem ich meinen Körper verdecke, eine Privatsphäre habe und private Dinge nicht jedem erzähle. Ich verhalte mich auch nicht schamlos in der Öffentlichkeit, sondern achte darauf, was ich vor anderen Menschen tue. Das ist alles eine Lebensweise, die wir uns nach dem Sündenfall angeeignet haben. Und doch schützt uns die Scham nicht vor habgierigen und wolllüstigen Übergriffen. Leider werden vor allem Frauen und Kinder missbraucht, schwache Menschen ausgebeutet und Abertausende immer wieder ausgenutzt.
Es ist interessant, wie das Menschenpaar sich Kleidung macht, um ihre intimen Körperteile zu bedecken. Das ist etwas Neues. Bisher gab es keine intimen Körperzonen, denn alles lag offen und wurde auch nicht missbraucht. Nun sieht es aber anders aus. Die Begierde wohnt nun in dem Menschen und so ist er in sich geteilt, zerrissen und verzerrt. Er ist entmenschlicht.

Ps 51
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! 
4 Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! 
5 Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen. 
6 Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. 
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! 
13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! 
14 Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
17 Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde! 

Im heutigen Psalm bittet König David um Gottes Barmherzigkeit. Dieser Psalm wäre ein perfektes Gebet für das erste Menschenpaar, das alles hatte und hätte glücklich werden können. Stattdessen hat es alles verspielt.
Es ist auch ein passender Psalm für uns, die wir den ersten Fastensonntag haben. Es ist perfekt für jeden Einzelnen von uns, die wir uns vornehmen, in dieser österlichen Bußzeit in Vorbereitung auf Ostern anders zu leben.
„Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde“, ist ein Vers, den die Priester bei der Gabenbereitung zum Schluss beten, während der Messdiener ihnen Wasser über die Hände gießt. Auch Adam und Eva könnten dies nun beten, die dem Satan auf den Leim gegangen sind. Es ist wohl ihre Sehnsucht gewesen, die Zeit zurückzudrehen.
Aber auch wir beten diesen Vers, jedesmal wenn wir uns versündigt haben und umkehren. König David bittet Gott um sein Erbarmen und um die Vergebung der Schuld, wobei er gleichzeitig seine Sünden bekennt. Er hat schwere Sünden begangen, vom Ehebruch bis hin zu einem Mord. Und doch glaubt er, dass Gottes Liebe größer ist als seine größte Sünde. So tut es auch der verlorene Sohn im Gleichnis vom barmherzigen Vater, so möchte Jesus auch, dass wir tun. Gott kennt unsere Sünden schon längst, aber er möchte uns sprechen lassen, er gibt uns Gelegenheit, die eigene Schuld laut auszusprechen und somit einzugestehen. So gibt Gott auch Adam und Eva die Chance, als er sie dann im Garten suchen wird und fragen wird: „Adam, wo bist du?“ Und „was hast du getan?“ Er weiß es schon längst, aber er gibt dem Menschen die Chance, umzukehren. Er wird die Chance nicht nutzen, denn er wird die Schuld von sich schieben auf die Frau. Diese wiederum wird die Schuld auf die Schlange schieben. Sie werden sich hinter dem Verführer verstecken, obwohl Gott ihnen die Entscheidungsfreiheit gegeben hat.
So wie David sich nach einem reinen Herzen und einem festen Geist sehnt, so sehnen sich die ersten Menschen nach einer Erneuerung, nach einer neuen Chance. Auch wir sehnen uns nach einem Neuanfang und dürfen beten: Herr, schenke mir ein neues Herz, ein neues Leben in deinem Segen. Und wenn wir mit derselben Haltung zu ihm kommen wie König David hier im Psalm durchblicken lässt, dann wird Gott auch nicht zögern, unser Leben zu erneuern.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt. Und so bitten auch wir Gott darum, dass er den Bund mit uns nicht kündigt, aber nun den neuen Bund. Gott ist treu. Er bleibt bei uns, aber es hängt von uns ab, ob wir uns selbst durch die Ablehnung Gottes aus dem Stand der Gnade verabschieden oder nicht. Mit diesem Stand der Gnade ist der Hl. Geist verbunden. Dieser kann in einem nur dann wirken, wenn die Leitung nicht verstopft oder sogar abgeschnitten ist. Und so ist Gott auch dem ersten Menschenpaar treu. Er nimmt seinen ersten Bundesschluss nicht zurück, aber die Konsequenz der Sünde müssen die Menschen dennoch tragen.
Davids Sünde hat ihn unglücklich gemacht. Das wird uns deutlich aufgrund der Bitte hier im Psalm „mach mich wieder froh mit deinem Heil“. Die Sünde macht uns immer unglücklich, weil sie uns in einen Streit mit Gott bringt. Wenn wir uns aber von Gott entfernen, entfernen wir uns von der Lebensquelle. Dann kann es uns seelisch nur schlecht gehen. Wir werden innerlich einsam und unzufrieden. Wir werden traurig, weil Freude eine Frucht des Hl. Geistes ist. Diese verlieren wir aber durch die Sünde. David möchte wieder zur glücklichen Beziehung zu Gott, zu seiner ersten Liebe zurückkehren. Er bittet Gott um die Frucht der Freude, die nur der Hl. Geist wieder verleihen kann. Er kann sich nicht selbst glücklich machen. Es ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Das hat David verstanden. Und auch wir müssen einsehen, dass nur Gott uns wirklich glücklich machen kann, kein Mensch, auch nicht wir selbst uns, ebenso keine materiellen Dinge oder Ruhm und Ansehen. Und auch das erste Menschenpaar hat sich ins Unglück gestürzt. Es hatte alles, ein wunderbares behütetes Paradies. Von nun an muss es ein hartes Leben führen.
Gott möge David die Lippen öffnen, damit er wieder Lobpreis machen kann. Dies kann er zurzeit nicht, denn sein Herz ist nicht bereit dafür. Dieses muss Gott erst verwandeln. Für David kommt kein oberflächliches Loben in Frage. Schließlich möchte er mit dem Herzen immer dabei sein und es ist für David ein Ausdruck der innigen Beziehung zu Gott. Diese ist jetzt aber gestört. Auch wir Menschen können Gott wieder loben und preisen, wenn alles Störende ausgeräumt ist. Wenn wir wieder im Stand der Gnade sind, können wir wieder feiern. Dann ist die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt. Wir denken da besonders an die Eucharistie. Bei dieser antizipierten Hochzeit des Lammes können wir den Leib Christi erst empfangen, wenn die Gemeinschaft intakt ist. Wie traurig man sich fühlt, wenn man nicht nach vorne gehen kann, weil man sich schwer versündigt hat! Dann beten auch wir „verschaffe mir Gott ein reines Herz! Mach mich wieder froh mit deinem Heil, mit deinem Jesus!“ Auch uns möchte Gott die Schuld vergeben und hat deshalb das Sakrament der Versöhnung gestiftet. Wie wohltuend ist es für die Seele, dieses Heilmittel in Anspruch zu nehmen! Umso trauriger ist es, dass so wenige Menschen diese Chance nutzen. So werden sie aber auch zeitlebens unglücklich sein. Dabei ist gerade die Fastenzeit eine gute Gelegenheit, diese besonderen Heilmittel zu beanspruchen!

Röm 5
12 Deshalb: Wie durch einen einzigen Menschen die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise der Tod zu allen Menschen gelangte, weil alle sündigten – 
13 Sünde war nämlich schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt; 
14 dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist. 
15 Doch anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade; sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheimgefallen, so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteilgeworden. 
16 Und anders als mit dem, was durch den einen Sünder verursacht wurde, verhält es sich mit dieser Gabe: Denn das Gericht führt wegen eines Einzigen zur Verurteilung, die Gnade führt aus vielen Übertretungen zur Gerechtsprechung. 
17 Denn ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht diejenigen, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteilwurde, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus. 
18 Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung, die Leben schenkt. 
19 Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.

In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief hören wir nun etwas richtig Spannendes! Es geht um die Verbindung zwischen dem ersten und dem zweiten Menschen. Der erste Mensch – Adam – hat uns alle ins Verderben gestürzt. Aber Gott hat uns so sehr lieb, dass er uns einen zweiten Menschen gegeben hat, den ersten Menschen der NEUEN Schöpfung! Und das ist Jesus. Und so wie durch einen einzigen Menschen das Unheil über alle gekommen ist, so ist durch die gerechte Tat eines anderen – nämlich Jesus! – Heil über alle Menschen gekommen!
Paulus erklärt, dass auch bevor es die Torah zur Zeit des Mose gab, schon gesündigt worden ist. Die Vergehen gegen die Torah können aber außerhalb des Wissens der Torah, also in der Zeit davor, nicht angerechnet werden. Das wäre auch sehr ungerecht, denn man kann nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, von dem man nicht wusste, dass es Sünde ist. So ist es ja auch bis heute: Wir nennen eine Sache Todsünde, also wirklich schwere Sünde, die den seelischen Tod zurfolge hat, was wir unter anderem wissentlich tun.
Adam hat also schon gesündigt, auch wenn es kein Vergehen gegen die Torah war. Diese Sache, die er gesündigt hat, wusste er ja auch ohne Torah, ohne das mosaische Gesetz: Gott hat etwas verboten und er hat es dennoch getan. Das nennen wir Ungehorsam.
An dieser Stelle sagt Paulus, dass Adam ein Urbild des Kommenden ist. Das ist ein wichtiges Stichwort, weil Jesus und Adam in einer typologischen Beziehung zu betrachten sind. Deshalb wird Adam im Griechischen auch als τύπος typos bezeichnet!
Man muss an der Stelle bemerken, dass das Anliegen des Paulus im Römerbrief ist, die Gemeinden vor einer Rejudaisierung zu bewahren in dem Sinne, dass man die gesamte Torah auch als Christ halten müsse. Alles, was Paulus in diesem theologischen Traktat also schreibt, ist argumentativ darauf abgezielt, den Glaubensgehorsam gegenüber dieser Torah-Gesetzestreue zu verteidigen.
Paulus stellt die Sünde des einen Menschen und die Gnade des einen Menschen nebeneinander und zeigt die gegenteilige Wirkung: Während durch Adam eine Verurteilung aller Menschen ohne ihr eigentliches Zutun geschehen ist (die Menschen konnten nicht in den Himmel, egal wie gerecht sie waren. Alle Gerechten des AT sind in die sogenannte Vorhölle gekommen, der einzige Trost war der „Schoß Abrahams“), sind durch die Gnade der Erlösung Christi die Menschen vor Gott gerecht geworden, haben also den Zutritt zum Himmel ohne ihr eigentliches Zutun erhalten! Die Gnade ist dabei unendlich größer als die Sünde. Denn während eine Übertretung alles zerstört hat, kann die Gnade alle Übertretungen wiedergutmachen, alle Sünden, die jemals begangen worden sind und noch begangen werden!
Der erste Mensch ist ungehorsam geworden. Das war seine Sünde. Und so ist der zweite Mensch durch seinen absoluten Gehorsam zur Sühne für uns alle geworden, damit wir nun wieder das Paradies in Aussicht haben, das von Anfang an für die Menschen bestimmt war und eine so lange Zeit geschlossen wurde!

Mt 4
1 Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. 
2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 
3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. 
4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. 
5 Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel 
6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. 
7 Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. 
8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht 
9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. 
10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. 
11 Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Dass Jesus der zweite Adam ist, sehen wir an seinem ganzen Leben. Er musste alles, aber wirklich alles durchleben, was Adam schon durchgemacht hat. Er aber machte nicht dieselben Fehler. Das hören wir heute in der Versuchungsgeschichte in der Wüste!
Der Geist Gottes führt Jesus in die Wüste, das heißt dieser Ort der vollkommenen Einsamkeit und Isolation ist absolut gottgewollt und eine Erprobung des Menschen.
Dabei wird Jesus zugleich an den Ort des Nichts geführt, wo es keine wunderbaren Bäume mit leckeren Früchte gibt wie im Garten Eden. Dort fastet er vierzig Tage und Nächte. Deshalb dauert auch unsere Fastenzeit vierzig Tage und deshalb sollen auch wir von der Ernährung her fasten (körperliche Askese) sowie die Einsamkeit aufsuchen (Stille, keine Ablenkung, Ruhe statt Hektik).
Jesus ist isoliert und das ist immer der Moment, wo der Satan den Menschen angreift – wenn er alleine ist, wenn er niemanden zum Reden hat, der einen warnen kann und stützen kann in Versuchungen.
Jesus hat Hunger, weil er ganz Mensch ist. Diesen physischen Zustand nutzt der Teufel, um die erste Versuchung an ihm auszuführen. Er tritt an ihn heran und sagt: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Der Bedingungssatz „Wenn du Gottes Sohn bist“ ist typisch für den Bösen. Als das Wort Gottes Mensch geworden ist, hat es seine Göttlichkeit verborgen. Jesus hat sich entäußert, verzichtet also auf seine Göttlichkeit in dieser Welt. Deshalb greift der Böse dies an. Er will statt der Ohnmacht seiner Liebe die Allmacht Gottes provozieren, damit Jesus eben nicht mehr die Sünde der Menschen sühnt. Der Erlösungsplan scheitert, wenn Jesus die Entäußerung nicht bis zum letzten Atemzug durchzieht.
Der Teufel redet Jesus ein, dass er ja aus Steinen Brot machen kann. Es ist interessant, dass dies die erste Versuchung darstellt. Wenn wir auf den ersten Menschen zurückschauen, ist es aber absolut logisch: Das erste Menschenpaar ließ sich von der Schlange verführen wegen leckeren Früchten, also wiederum einer kulinarischen Versuchung. In beiden Fällen geht es um Essen! Und deshalb fasten wir vor allem in den wichtigen Bußzeiten auf Nahrung. Jeden Freitag verzichten wir auf Fleischprodukte und an Aschermittwoch sowie Karfreitag essen wir nur eine volle Mahlzeit sowie zwei kleinere. Das hat darin seine tiefe Bedeutung! Und dass Jesus sich uns ausgerechnet als etwas zu essen schenkt, nämlich in der Eucharistie, ist deshalb absolut zu der verbotenen Frucht im Garten Eden zu beziehen!
Jesus reagiert und besiegt den Satan mit der Heiligen Schrift. Er zitiert Dtn 8,3, wo es in Jesu Variante heißt: „Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ Es steht 1:0 für Jesus. Das Wort Gottes ist köstlicher und nährender als Brot für den Magen. Jesus ist selbst dieses Wort Gottes, das er zitiert. In der Johannesoffenbarung wird er mit einem zweischneidigen Schwert umschrieben, das aus seinem Mund kommt. Er wird mit diesem Schwert als Feldheer die himmlischen Heerscharen anführen. Seine Waffe gegen den Satan ist das Wort Gottes bis zum Schluss!
Der Böse versucht es auf andere Weise und nimmt Jesus mit auf den Tempel in Jerusalem. Er stellt ihn oben hin und sagt erneut diesen Bedingungssatz: „Wenn du Gottes Sohn bist.“ Er lässt nicht locker, Jesu Gottessohnschaft infrage zu stellen. Wenn wir Adam und Eva in diesem Kontext betrachten, wird uns noch etwas deutlich: Damals schon hat die Schlange versucht, Misstrauen gegenüber Gott zu säen. So will der Böse nun auch zwischen Jesus und den Vater einen Keil treiben, sodass das Vertrauensverhältnis zerstört wird. Das gelingt ihm aber nicht! Der Satan ist schlau und lernt bei der zweiten Versuchung dazu. Er zitiert die Bibel! Das ist nicht zu unterschätzen! Auch heute gibt es viele Menschen, die die Bibel sehr gut kennen und sie falsch auslegen. Sie drehen Gott die Worte förmlich im Mund herum und verführen damit sehr viele Menschen! Sie streichen aus der Bibel ganze Bücher und nehmen falsche Übersetzungen vor, die die Aussagen verfälschen. Dabei geben sie sich einen christlichen Touch, sodass viele darauf hineinfallen.
Der Teufel kennt das Wort Gottes und wendet es nun gegen Gott selbst an: „Stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ Er zitiert hier Psalm 91, einen Psalm, vor dem er sehr große Angst hat, wenn wir ihn als Schutzgebet heutzutage beten!
Jesus antwortet wiederum mit dem Wort Gottes und bringt dabei eine höchst autoritäre Bibelstelle, nämlich aus dem Dekalog: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Es handelt sich dabei um das zweite Gebot. Wenn Jesus den Teufel mit der Heiligen Schrift hier schlägt, ist es nicht Schriftwort gegen Schriftwort, sondern Schriftwort höchster Autorität (göttliches Gebot) gegen falsche Bibelauslegung eines Gebetstextes, der gegenüber dem göttlichen Gebot wiederum untergeordnet ist. Es geht bei der Versuchung darum, Gott zu versuchen. Das erste Menschenpaar hat Gott in dieser Hinsicht versucht, dass sie seinem Verbot nicht geglaubt haben. Sie haben ihn auf die Probe gestellt, indem sie das Sterben nicht geglaubt haben (es ging um das Sterben der Seele).
Der Satan hat wieder verloren, denn Jesus lässt sich nicht irreführen. Es steht 2:0 für Jesus.
Dann zeigt der Böse sein wahres Gesicht, seine eigentliche Absicht hinter der gesamten Versuchung. Er stellt Jesus auf einen Berg und zeigt ihm die Reiche dieser Welt. Das ist besonders bemerkenswert, weil er sich dabei auf einen hohen Berg stellt. Wir sehen Mose auf dem Berg Sinai, der mit Gott einen Bund geschlossen hat. Der Satan will nun von Jesus, dass er mit ihm einen Bund schließt auf einem Berg! Allerdings kann man mit dem Teufel keinen Bund schließen, sondern nur einen Pakt! Er will, dass Jesus seine Seele verkauft, ihn anbetet und so die Reiche dieser Welt beherrschen kann. Der Teufel bildet sich als Geschöpf ein, wie Gott angebetet werden zu können. Dabei versucht er es bei Jesus damit, in ihm die Herrschsucht zu entfachen. Adam und Eva wollten wie Gott sein und Macht haben, die Erkenntnis von Gut und Böse. Jesus lässt sich davon nicht beirren und antwortet mit DEM Gebot, dem ersten der zehn Gebote, dem wichtigsten aufgrund der Gottesliebe: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“ Das ist es, was Satan verliert – den ersten Platz im Leben Jesu. Jesus dagegen hat die Prüfung bestanden. Er ist auf die Versuchungen nicht hineingefallen, denen Adam erlag. Im heutigen Evangelium werden wir Zeugen davon, dass Jesus wahrlich der neue Adam ist, der den alten Adam gesühnt hat.
Am Ende hören wir davon, dass der Teufel von ihm ablässt – aber nicht für immer, denn er wird ihn noch heftig versuchen, bis zum Kreuz. Dann kommen Engel und dienen Jesus. Gott lässt seinen Sohn nicht im Stich. Er gibt ihm nun, was er braucht, nämlich seinen Beistand. So ist es in vielen Versuchungssituationen. Auch im Garten Getsemani kommt ein Engel und gibt Jesus Kraft. Gott lässt Versuchungen zu, damit wir erprobt werden. Er lässt uns dabei nie allein, sondern sendet uns seinen Beistand. Deshalb müssen auch wir wie Jesus in Versuchungssituationen beten und uns vom Wort Gottes ernähren.

Gott hat das Gebet Davids erhört, der in Psalm 51 um Gottes Barmherzigkeit und Vergebung gebeten hat. Er hat dies auf eine Art und Weise getan, die sich so ein David nie hätte erträumen können. Er hat seinen eigenen Sohn den Menschen hingegeben und dieser ist gekreuzigt worden. Nie hätte sich ein Jude vorstellen können, dass Gott so weit gehen würde, hingerichtet zu werden. Doch die Schande des Kreuzes hat die Schande der Menschen gestern, heute und morgen vernichtet! Das steht auch für uns bereit. Und so fragen wir uns an diesem heutigen ersten Fastensonntag, wenn wir heute zur ewigen Anbetung gehen: Wie reagiere ich in der Versuchung? Lasse ich mich verführen oder handle ich wie Jesus? Einer Sache können wir sicher sein: Wo es nicht geklappt hat, dürfen wir Gott aufrichtig um Vergebung bitten. Es ist nicht zu spät für die Umkehr!

Ihre Magstrauss

Ein Kommentar zu „Erster Fastensonntag

  1. Wau. Sie übertreffen Sich. Sie haben schon viele starke Kommentierungen der Schrift insbesondere des AT gegeben. Aber das zu Gen 1 ist wirklich der Hammer. Habe schon viele Kommentare dazu gelesen, aber eine solche Klarheit und Kürze ist neu. Vergelt’s Gott für das Veröffentlichen!

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