Pfingstmontag

Apg 10,34-35.42-48a; Ps 117,1-2; Eph 4,1b-6; Joh 15,26-16,3.12-15

Apg 10
34 Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht,
35 sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.
43 Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.
44 Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.
45 Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.
46 Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Petrus aber sagte:
47 Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?
48 Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen.

Heute ist Pfingstmontag und da müssen wir bedenken, dass im Neuen Bund, den Christus am Kreuz besiegelt hat, gleichermaßen Juden und Heiden einbezogen werden. Das heißt für uns als konkrete Folge, dass nach dem gestrigen Pfingstfest der Apostel in Jerusalem heute ein Pfingstfest der Heiden erfolgt. Diese steht im Hintergrund der heutigen Lesung. Petrus hielt sich zunächst in Joppe auf und wurde dann mit einer bemerkenswerten Vision beschenkt, bei der Gott ihm zu verstehen gab, dass Gott selbst entscheidet, was rein ist und was nicht. Petrus war noch ganz den jüdischen Reinheits- und Speisegeboten verpflichtet, doch Gott hat ihn dafür vorbereitet, die ganz in ihm verwurzelte jüdische Auserwählungmentalität nun abzulegen für das kommende heidnische Pfingsten in Caesarea. Dort wurde ein Hauptmann namens Kornelius wiederum auf das Kommen des Petrus vorbereitet. Der Geist führte Petrus letztendlich ins Haus des Hauptmanns und nachdem ihm die Hintergrundgeschichte der wunderbaren Vision des Hauptmanns geschildert worden ist, setzt er nun zu der Ansprache an, die wir in der Lesung hören.
„Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht.“ Seine Aussage zeigt uns, dass er es lange nicht verstanden hat. Gott hat ihm in einer Vision alle möglichen Tiere gezeigt, die er essen soll, die aber nach jüdischem Speisegesetz unrein sind. Gottes Offenbarung hat sich die ganze Heilsgeschichte hindurch immer dynamisch gezeigt. Das göttliche Gesetz ist immer dasselbe geblieben, aber Gott hat den Menschen stets ein wenig mehr von seiner Wahrheit begreiflich gemacht. Und nun ist es an der Zeit, dass bei Petrus Jesu Worte vom Neuen Bund mit allen Menschen guten Willens sowohl aus den Juden als auch aus den Heiden durchsickert. Und er lässt sich belehren von Gottes Geist, der ihn in dieses Haus geführt hat. Wir müssen bedenken, dass er bei einem Heiden eingekehrt ist, was einem Juden aus kultisch-rituellen Gründen nicht gestattet ist. Aber das sagen die Ritualgebote, über die sich Gott selbst nun erhoben hat durch die Worte der vorbereitenden Vision: „Was Gott für rein erklärt hat, das nenne du nicht unrein!“
Gott sieht nicht auf die Person, da ihm jedes Volk willkommen ist, das seinen Willen tut. Dies ist nun das ausschlaggebende Kriterium. Der Wille Gottes steht über den Ritualgeboten.
Er nennt seine Aufgabe als berufener Apostel und verbindet sie mit der Bekenntnisaussage, dass Christus der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten ist. Diese Aussage fußt auf den protphetischen Ankündigungen des Alten Testaments. Der Glaube an Christus bewirkt die Vergebung der Sünden. Hier deutet er die Taufe zur Vergebung der Sünden an, die diesen Glauben bezeugt.
Und plötzlich geschieht es. Ganz unangekündigt wie in Jerusalem kommt der Geist Gottes auf Petrus Zuhörer herab. Dies wird sich sofort an den Petrus bekannten Manifestationen des Heiligen Geistes bemerkbar gemacht haben wie in Jerusalem. Ganz offensichtlich ist hier die Zungenrede.
Petrus hat auch gläubig gewordene Juden mit sich gebracht, das heißt Judenchristen. Diese können es nicht fassen. Dass sie ausgerechnet bei diesem Ereignis mit dabei sind, ist kein Zufall. Gott hat es so gefügt, damit jene, die immer noch so fest an ihrer Auserwählungsmentalität festhalten, am konkreten Beispiel erkennen, dass Gott in der Heilsgeschichte nun in eine neue Etappe getreten ist. Seine besondere Auserwählung umfasst nicht mehr ein irdisches Volk, das aus biologischen Gründen mit ihm in einem Bund steht, sondern mit allen Menschen, die ihn annehmen und durch die Taufe den Neuen Bund eingehen. Dieser ist nun geistiger Art und deshalb spielt die „Vergangenheit“ keine Rolle mehr. Denn nun werden alle zusammengeschlossen zu einem geistigen Volk.
Und wenn auf sie der Geist herabgekommen ist, weiß Petrus, dass sie ihre Herzen ganz dafür geöffnet haben. Und wo der Wille da ist, ja wo der Durst so stark ist, kann er das Wasser der Taufe nicht verweigern. Deshalb ordnet er die Taufe an. Das ist interessant, weil das bedeutet, dass er sie nicht selbst vornimmt. Wir vermuten, dass die mit ihm gekommenen Judenchristen Geweihte der Jerusalemer Urgemeinde sind. Sie werden dies übernehmen.

Ps 117
1 Lobt den HERRN, alle Völker, rühmt ihn, alle Nationen!
2 Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja!

Der heutige Psalm ist sehr kurz. Er besteht aus nur zwei Versen. Er ist betitelt mit „Aufruf an alle Völker zum Lob Gottes“. Wir, die wir im Grunde zu den sogenannten „Heidenchristen“ gehören, die also nicht zuvor Juden waren, haben allen Grund, Gott zu loben. Wir tun dies gemeinsam mit den Heiden im Hause des Kornelius heute. Gemeinsam besingen wir den, der nicht auf die Person sieht, wie Petrus es trefflich formuliert hat. Seine Huld waltet mächtig über allen Menschen und Gottes Treue zeigt sich an dem Ereignis der ersten Lesung. Wie die Propheten angekündigt haben, werden wirklich Menschen aus allen Sprachen, Stämmen, Nationen und Völkern zum heiligen Tempel Gottes kommen – und nicht mehr als heterogene Pilgergruppe, die im Tempel schön getrennte Bereiche einhalten muss, sondern als ein gemeinsames Volk Gottes, als eine einzige Familie. Gott möchte alle Menschen mit sich in einem Bund vereinen und deshalb sendet er seinen Geist nicht nur auf die Juden von Jerusalem herab. Er ist wirklich ein guter Vater, der alle Durstigen mit seinem lebendigen Wasser versorgt. Dies ist ein Hallelujaruf wert, mit dem dieser kurze Psalm endet.

Eph 4
1 Ich, der Gefangene im Herrn, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging.
2 Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe
3 und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!
4 Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung:
5 ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
6 ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.

In der zweiten Lesung hören wir einige paränetische Aussagen, das heißt ethische Unterweisungen. Mit der Taufe ist nicht das Ziel erreicht, sondern erst der Anfang. Nun ist es am Getauften, durch die Befähigung des Heiligen Geistes ein gottgefälliges Leben zu führen. So sagt der „Gefangene im Herrn“ Paulus, dass es ein Leben sein soll, „das des Rufe würdig ist, der an euch erging.“ Er meint die Berufung zur Heiligkeit, die mit der Taufe verknüpft ist. Er zählt einige konkrete Verhaltensweisen auf, die der getaufte Mensch aufweisen sollte: Demut, Friedfertigkeit, Geduld, Langmut und Liebe. Das sind alles Punkte, die durch maximale menschliche Bemühungen angestrebt werden sollen (menschliche Tugenden aufgrund der Befähigung durch die Taufe). Zugleich wird Gott dem so eifrigen Menschen die maximale Gnade dafür schenken, was den Weg des Getauften zu einer Kooperation mit dem Geist Gottes führt (göttliche Tugenden, wir sagen auch Früchte des Heiligen Geistes).
Paulus ermahnt die Epheser, die er so lieb gewonnen hat, zur Einheit des Geistes und zum Band des Friedens. Der erste Begriff erinnert uns an die Bitte Jesu im hohepriesterlichen Gebet: „Lass sie eins sein, wie wir eins sind.“ Diese spendet der Geist Gottes, der Menschen an einen gemeinsamen Ort bringt, heute in Caesarea, gestern in Jerusalem. Das meint nicht mehr nur die lokale Versammlung, sondern die gemeinsame Gesinnung und Ausrichtung.
Die Christen sollen ein Leib und ein Geist sein. Ein Leib sind sie durch Christus, der die Kirche gestiftet hat und sie durch die Eucharistie immer mehr zu seinem Leib werden lässt. Ein Geist ist die Kirche nun durch die Einhauchung des Gottesgeistes an Pfingsten. Dadurch sind die Christen nun eine gemeinsame neue Schöpfung, die sich moralisch gesehen nun an der göttlichen Weisheit orientieren, nicht mehr an der Weisheit der Welt.
Sowohl Juden- als auch Heidenchristen haben nun eine gemeinsame Hoffnung – sie eint der Glaube an die Auferstehung von den Toten. Die Betonung der Einheit ist für uns heute besonders bemerkenswert, denn für die Apostel und Jünger Jesu ist das eine neue Herausforderung. Sie müssen sich an diese Einheit zwischen zwei bisher ganz unterschiedlich gesehenen Völkern erst einmal gewöhnen.
Die Einheit der Christen gründet in der Einheit des gemeinsamen Gottes und Vaters. Dieser ist es nun in der Familie Gottes, die der Neue Bund ist. Wir sind alle seine Kinder und Erben in seinem Reich.

Joh 15
26 Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.

27 Und auch ihr legt Zeugnis ab, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
1 Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt.
2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.

3 Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Heute hören wir im Evangelium den Abschluss der zweiten und den Beginn der dritten Abschlussrede. Jesus spricht wieder vom Parakleten, dem Heiligen Geist als Beistand, den Christus vom Vater senden wird. Wir haben in den vergangenen Wochen diese Worte schon gehört. Heute dienen sie der Gedächtnisstütze, damit wir erkennen, dass der angekündigte Paraklet nun sowohl auf Juden als auch auf Heiden herabgekommen ist. Dieser Geist der Wahrheit, wie Jesus es zuletzt erklärt hat, wird Christus bezeugen. Dies wird er dadurch tun, dass er einerseits den Jüngern die Augen öffnen, andererseits durch sie die Heilstaten Christi wirken wird. Da Gott die Apostel als seine Werkzeuge gebrauchen wird, werden auch sie Zeugen Christi sein. Sie haben Jesus drei Jahre lang begleitet und alles gesehen und gehört. Sie sind wirklich authentische Zeugen für das Evangelium.
Jesus spricht diese Worte, damit sie keinen Anstoß nehmen. Das Wort σκανδαλισθῆτε skandalisthete heißt eigentlich „Anstoß nehmen“, steht hier aber im Passiv. Als Passivform müsste man viel mehr übersetzen mit „Anlass zum Anstoß geben“ oder sogar „stolpern“. Jesus sagt ihnen den Beistand zu, damit sie auf dem Weg in die Ewigkeit nicht straucheln. Sie sollen standhaft bis zum Schluss sein. Er kündigt die Widerstände an, mit denen die Apostel für das Evangelium rechnen müssen: mit dem Ausschluss aus der Synagoge und dem Martyrium. Er erklärt ihnen, dass die Juden das mit ihnen tun werden, weil sie es gut meinen. So sollen die Apostel darauf vorbereitet werden, dass sie wie er dann am Kreuz beten können: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Sie werden den Christen gegenüber so feindselig sein, weil sie die Wahrheit nicht erkannt haben. So sollen die Apostel nicht mit Gegenhass antworten, sondern Mitleid haben mit jenen. Sie sollen für sie beten und ihr Leiden für eben jene aufopfern. Das ist es, was Paulus im Epheserbrief anmahnt, wenn er von Geduld und Langmut spricht.
Die Apostel sollen standhaft bis zum Schluss sein. Er kündigt die Widerstände an, mit denen sie für das Evangelium rechnen müssen: mit dem Ausschluss aus der Synagoge und dem Martyrium. Er erklärt ihnen, dass die Juden das mit ihnen tun werden, weil sie es gut meinen. So sollen die Apostel darauf vorbereitet werden, dass sie wie er dann am Kreuz beten können: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Sie werden den Christen gegenüber so feindselig sein, weil sie die Wahrheit nicht erkannt haben. So sollen die Apostel nicht mit Gegenhass antworten, sondern Mitleid haben mit jenen. Sie sollen für sie beten und ihr Leiden für eben jene aufopfern.
Am liebsten möchte er noch so viel mehr sagen, kann seine Apostel aber nicht überfordern. Sie haben in den letzten Jahren schon so oft seine Worte nicht begriffen. Aus sich selbst heraus können sie die göttliche Weisheit nicht begreifen. Sie brauchen den Heiligen Geist dafür, der sie erfüllt und ihnen die Augen öffnet. Und so kündigt Jesus an, dass wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, sie in der ganzen Wahrheit leiten wird. Das bedeutet nicht, dass er ihnen etwas Neues offenbaren, sondern Jesu verkündete Lehre begreiflich machen wird. Petrus ist heute in der ersten Lesung ein perfektes Beispiel für diese Augenöffnung durch den Heiligen Geist. Er hat es mehrfach nicht verstanden, selbst als Gott ihm eine vorbereitende Vision geschenkt hat. Doch bei der Ausgießung des Geistes auf die Heiden hat er endlich verstanden, wie der Neue Bund gedacht ist.
Jesus erklärt in der Abschiedsrede auch, dass er mit dem Geist etwas gemeinsam hat: eine Lehre zu verkünden, die er nicht aus sich selbst besitzt, sondern vom Vater. Es ist eine gemeinsame Offenbarung, auch wenn der Geist und er nicht einfach identisch sind. So wie Christus der authentische Exeget des Vaters ist, weil er an dessen Herzen ruht, ist auch der Geist Zeuge der Wahrheit, weil er offenbart, was er „hört“. Auch er ist vom Vater gesandt und so bringt auch er authentische Kunde. Er wird den Jüngern seine Gaben geben, wodurch sie sehen werden „was kommen wird.“ Dies müssen wir nicht mehr zukünftig denken, denn nun ist es wahrgeworden. Die Apostel sind durch den Pfingstgeist voll ausgestattet worden, um das Evangelium in die ganze Welt zu bringen und alle Menschen – auch die Heiden! – zu Christi Jüngern zu machen.
So wie Vater und Sohn alles miteinander teilen, werden die Christen alles gemeinsam haben und teilen. Sie sollen lieben, wie der dreifaltige Gott in sich Liebe ist.

Heute haben wir sehr schöne Texte gehört, die zu Pfingsten dazugehören. Wir können nicht das Jerusalemer Pfingsten allein als Erfüllung der Verheißung Christi bei den Abschiedsreden betrachten. Schließlich ist der Neue Bund Gottes ein Bund mit der ganzen Welt.

Ihre Magstrauss

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