Dienstag der 9. Woche im Jahreskreis

2 Petr 3,12-15a.17-18; Ps 90,1-2.3-4.14 u. 16; Mk 12,13-17

2 Petr 3
12 Die Ankunft des Tages Gottes erwarten und beschleunigen! An jenem Tag werden die Himmel in Flammen aufgehen und die Elemente im Feuer zerschmelzen.
13 Wir erwarten gemäß seiner Verheißung einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt.
14 Deswegen, Geliebte, die ihr dies erwartet, bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler in Frieden angetroffen zu werden!
15 Und die Geduld unseres Herrn betrachtet als eure Rettung.
17 Ihr aber, Geliebte, da ihr dies im Voraus wisst, gebt Acht, dass ihr nicht von dem Irrtum der Frevler mitgerissen werdet und eure eigene Standfestigkeit verliert!
18 Wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus! Ihm gebührt die Herrlichkeit, jetzt und bis zum Tag der Ewigkeit. Amen.

Es ist zwar sehr gewöhnungsbedürftig nach all den Wochen besonderer Zeit, doch wir sind jetzt tatsächlich wieder im Jahreskreis angekommen.
In der Lesung hören wir heute aus dem zweiten Petrusbrief über die Wiederkunft Christi. Es ist ein sehr apokalyptischer Abschnitt, wobei die Unvollständigkeit des Verses 12 sich aus den vorherigen Satz ergibt. Dort heißt es: „Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: Wie heilig und fromm müsst ihr dann leben.“ Das Verb dieses Satzes gilt auch für Vers 12. Mit der Ankunft des Tages Gottes ist die Rückkehr des verherrlichten Menschensohnes auf einer Wolke gemeint. Zuvor erklärt Petrus, dass mit fortschreitender Parusieverzögerung (der Jüngste Tag bleibt immer länger aus) einige über „Verzögerung“ sprechen, dabei sollten die Christen es als die letzte Chance ansehen, noch umzukehren, weil Gott sie nicht der Verdammung überlassen will.
So beschreibt er die drastische kosmische Katastrophe, die mit dem Jüngsten Tag einhergeht: Die Himmel werden brennen und die Elemente in Feuer zerschmelzen. Wir lesen im Alten Testament, dass Gott verzehrendes Feuer ist. Seine Liebe ist es, die so heiß brennt. Und wenn Christus in seiner Herrlichkeit dann wiederkommt, wird dieses Feuer alles zum Brennen bringen, was nicht selbst brennende Liebe ist. Die alte Schöpfung geht so zugrunde, damit sie der neuen Schöpfung Platz mache. Das ist mit dem neuen Himmel und der neuen Erde gemeint – ein Terminus, der auch in der Johannesoffenbarung aufgegriffen wird. Und in dieser neuen Schöpfung wohnt Gottes Gerechtigkeit. Es heißt wiederum in der Johannesoffenbarung, dass Gott mitten unter ihnen wohnen wird und kein Tempel mehr notwendig sein werde – denn er wird ja ganz bei ihnen sein.
So schlussfolgert Petrus aus diesen drastischen Dingen, die auf sie zukommen, eine Umkehr und wachsame Lebensweise in Bereitschaft auf den Jüngsten Tag. Wenn es dann soweit ist, sollen sie nicht auf falschem Fuß erwischt werden, sondern ohne Fehl und Makel sein. Das wird theologisch als „Stand der Gnade“ bezeichnet.
Ist es in den ältesten Paulusbriefen noch eher so, dass die Parusie Christi als total positiv verstanden wird und ihr baldiges Eintreffen mit Eifer und großer Sehnsucht erwartet wird, betrachtet Petrus hier die Verzögerung als Segen für jene, die bisher noch unbußfertig gewesen sind. Die Parusie ist hier also eher negativ konnotiert – zumindest für jene, die sich noch nicht bekehrt haben. Man sollte beide nicht gegeneinander ausspielen, sondern bei Paulus eher die Perspektive der Gläubigen, bei Petrus noch die Perspektive der Unbußfertigen zugrundelegen.
Weil er sie gewarnt hat, schärft Petrus ihnen ein, im Wissen um die kommenden Dinge die Standhaftigkeit zu bewahren, um durch schlechten Einfluss der Frevler nicht vom Glauben abzukommen. Doch er geht nicht davon aus, dass eine wachsame Tugendhaftigkeit von heute auf morgen funktioniert. Vielmehr wünscht er den Adressaten, „in der Gnade und Erkenntnis“ Gottes zu wachsen. Es ist ein Prozess, bei der die Heiligkeit des Christen immer mehr zunimmt.

Ps 90
1 Ein Bittgebet des Mose, des Mannes Gottes. O Herr, du warst uns Wohnung von Geschlecht zu
Geschlecht.
2 Ehe geboren wurden die Berge, ehe du unter Wehen hervorbrachtest Erde und Erdkreis, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
3 Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück! 4 Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.
14 Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
16 Dein Wirken werde sichtbar an deinen Knechten und deine Pracht an ihren Kindern.

Auf die Lesung folgt ein Bittgebet des Mose. Es ist ungewöhnlich, dass im Psalter nun auch Moses Gebet aufgeführt wird.
Sein Gebet beginnt mit einer Anamnese (Gedächtnis vergangener Heilstaten Gottes). In dieser ruft Mose Gott im Dialog ins Gedächtnis, dass er in vielen Generationen hindurch Wohnung gewesen sei. In erster Linie betrifft dies das Offenbarungszelt, das Mose hat errichten lassen. Gott hat die Wohnung deutlich bezogen, als seine Herrlichkeit sich als Wolke auf das Zelt gelegt hat. So war er gegenwärtig „von Geschlecht zu Geschlecht.“ Nun ist er es in der Eucharistie in immerwährender Form.
Auch erinnert Mose Gott an sein Schöpfungswirken, dem er selbst aber vorausgeht, da er der Anfang ist, Gott ohne Anfang, „von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Sehr bildlich wird der Schöpfungsvorgang mit einem Geburtsvorgang verglichen. Das Bild darf nicht als Beleg für eine pantheistische Weltanschauung missbraucht werden. Es ist eher auf die Schöpfung bezogen, ohne zugleich die unüberwindliche Grenze von Schöpfung und Schöpfer zu implizieren. So wie eine Mutter neues Leben hervorbringt, ist es Gott, der Leben schafft. Darin ist er mütterlich.
Vers 3 erinnert uns an Aschermittwoch (zu Staub zurückkehren). Gegen Gottes Ewigkeit ist der Mensch ein vergängliches Wesen, das in einem Augenblinzeln vergangen ist. Gott lässt den Menschen seine eigene Armut erkennen, damit er umkehrt. Und darin sind wir wieder bei der Lesung. Alles, was dort auch Petrus mit sehr drastischen Worten beschreibt, dient nicht der Angstmacherei, sondern der Motivation zur Umkehr.
Gottes Ewigkeit hat ganz andere Kategorien als wir in unserer zeitlichen Kategorie: Bei ihm ist nur ein Tag, was bei uns tausend Jahre ist. Dabei handelt es sich um Zahlensymbolik, bei der die Tausend für eine sehr lange Zeit steht.
Wenn Mose dann um die Sättigung der Israeliten mit Gottes Huld am Morgen bittet, steht hinter dieser Andeutung die wunderbare Speisung der Väter in der Wüste. Sie sind jeden Morgen mit dem himmlischen Manna versorgt worden, damit sie nicht verhungern müssen. Was Mose sich nun aber vom Himmel wünscht, ist nicht mehr das himmlische Mann für den Bauch, sondern die Huld für die Seele des Menschen.
Gottes Huld wird ein Anlass zur Freude und des Lobes werden. Gott soll dem Volk gnädig gestimmt sein und seinen Segen auf den Knechten niederlassen. Anhand von Manifestationen und Wundern soll Gottes Wirken den Außenstehenden zugängig gemacht werden.

Mk 12
13 Einige Pharisäer und einige Anhänger des Herodes wurden zu Jesus geschickt, um ihn mit einer Frage in eine Falle zu locken.
14 Sie kamen zu ihm und sagten: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und auf niemanden Rücksicht nimmst; denn du siehst nicht auf die Person, sondern lehrst wahrhaftig den Weg Gottes. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen?

15 Er aber durchschaute ihre Heuchelei und sagte zu ihnen: Warum versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, ich will ihn sehen.
16 Man brachte ihm einen. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers.
17 Da sagte Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Und sie waren sehr erstaunt über ihn.

Wie so oft lesen wir heute im Evangelium von einer Begebenheit, die als Fortsetzung der Versuchung des Satans in der Wüste bezeichnet werden kann. Pharisäer und Anhänger des Herodes machen sich zur Aufgabe, Jesus eine Falle zu stellen, indem sie ihn mit einer schwierigen Frage in ein Dilemma bringen wollen. Zuerst schmeicheln sie ihm, indem sie ihm die Wahrhaftigkeit seiner Lehre versichern. Das meinen sie natürlich nicht so. Jesus kann in ihre Herzen sehen und erkennt sofort die Heuchelei, durch die er zu einer verurteilungswürdigen Aussage verleitet werden soll. So stellen sie ihm die entscheidende Frage: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen oder nicht?“ Die Art der Frage ist politisch, denn vom Messias erwarteten die Juden die politische Befreiung von der Fremdherrschaft der Römer. Jesus lässt sich von all dem nicht beeindrucken oder täuschen. Vielmehr konfrontiert er sie mit ihrer gestellten Frage, die ihn versuchen soll. Stattdessen fragt er nach einem Denar. Er stellt eine Gegenfrage, was für Rabbiner eine gängige Vorgehensweise ist. Sie bezieht sich auf etwas Offensichtliches, nämlich darauf, was auf der Münze zu sehen ist. Wie für römische Münzen üblich, sehen die Fragesteller darauf die Büste des Kaisers. Auch die Legende betrifft die kaiserlichen Titel. Aus dem Grund entgegnet Jesus ihnen, dass sie dem Kaiser geben sollen, was ihm gehört, und Gott, was Gott gehört. Das erstaunt die Menschen, denn er hat es geschafft, ihrer Falle zu entgehen: Hätte er bejaht (also der Steuerabgabe an den Kaiser zugestimmt), hätte man ihn als falschen Messias entlarven können. Denn dann hätten sie den Beweis, dass er nicht der angekündigte Befreier von der römischen Fremdherrschaft ist. Hätte er jedoch verneint, hätten sie einen Anlass, ihn vor das Gericht zu bringen für seine Rebellion gegen den Kaiser.
Doch Jesus hat so geantwortet, dass er weder die eine noch die andere Antwort gegeben hat. Seine Gegner haben die möglichen Antworten nicht richtig durchdacht und Jesus hat mit göttlicher Weisheit geantwortet. Bei ihm ist ein entscheidender Punkt seine entschieden unpolitische Einstellung. Er ist kein politischer Messias, der mit politischen Mitteln das Reich Gottes herbeiführen will. Vielmehr sagt er, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist und auch die Waffen, mit denen seine Leute kämpfen, spirituell sind. Und deshalb geht es ihm gar nicht darum, gegen den weltlichen Herrscher zu hetzen. Diesem soll man entrichten, was ihm zusteht. Doch zugleich bringt Jesus Gott ins Spiel, dem in gleichem Maße das ihm Zustehende zu entrichten ist, wenn nicht noch mehr – das Gebet, der Kult, die Lebensweise nach seinen Geboten, vor allem aber die Liebe zu ihm. In unserem Alltag haben wir oft solche Situationen, in denen wir der Welt geben sollen, was ihr zusteht und zugleich sollen wir Gott an die höchste Stelle setzen. Wo kein Konflikt vorliegt, sollen wir keinen Konflikt provozieren. Das Weltliche dem Weltlichen und das Geistliche dem Geistlichen. Wenn es aber antichristliche Tendenzen gibt, die durch meine Zustimmung Gott verraten (und dazu zählen Steuern nicht), heißt es zugleich, dass man Gott mehr gehorchen soll als dem Menschen. Wir Christen bewegen uns in der Spannung zwischen diesen beiden Faktoren und müssen immer aufs Neue abwägen.

Ihre Magstrauss

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