Mittwoch der 9. Woche im Jahreskreis

2 Tim 1,1-3.6-12; Ps 123,2; Mk 12,18-27

2 Tim 1
1 Paulus, durch den Willen Gottes Apostel Christi Jesu, gemäß der Verheißung des Lebens in Christus Jesus,
2 an Timotheus, sein geliebtes Kind: Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserem Herrn.
3 Ich danke Gott, dem ich wie schon meine Vorfahren mit reinem Gewissen diene. Unablässig denke ich an dich in meinen Gebeten bei Tag und bei Nacht.

6 Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteilgeworden ist!
7 Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
8 Schäme dich also nicht des Zeugnisses für unseren Herrn und auch nicht meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit mir für das Evangelium! Gott gibt dazu die Kraft:
9 Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Taten, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde;
10 jetzt aber wurde sie durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart. Er hat den Tod vernichtet und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium,
11 als dessen Verkünder, Apostel und Lehrer ich eingesetzt bin.
12 Darum muss ich auch dies alles erdulden; aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich Glauben geschenkt habe, und ich bin überzeugt, dass er die Macht hat, das mir anvertraute Gut bis zu jenem Tag zu bewahren.

Heute gedenken wir des ugandischen Märtyrers Karl Lwanga und seiner Gefährten. Passend zu diesem Tag geht es in den heutigen Lesungen um das rechte Ablegen von Zeugnis, um das Sterben und um den Schutz Gottes über seinen Nachfolgern.
In der Lesung hören wir den Beginn des zweiten Timotheusbriefes. Er gehört zu den Pastoralbriefen, die Paulus seinen einzelnen pastoralen Mitarbeitern schreibt, während er in Abwesenheit ist. Sie sollen die Gemeinden aufbauen bzw. ausbauen. Speziell 2 Tim ist wie ein Testament geschrieben, das jemand kurz vor seinem Tod verfasst. Paulus schaut auf sein Leben zurück und erahnt seinen baldigen Tod.
Der Anfang des Briefes ist nach dem klassischen antiken Briefformular gestaltet. Er besteht aus einem Präskript, der den Absender und den Empfänger nennt. Paulus, der bei der Nennung seines Namens ein ihn legitimierendes Attribut anhängt, schreibt an Timotheus, den er „sein geliebtes Kind“ nennt. Das ist geistig zu verstehen, da er sich um ihn gekümmert hat und sie gemeinsam in der Familie Gottes gelebt haben. Timotheus war schon Christ, als Paulus ihn kennenlernt, und er begleitet Paulus auf dessen Missionsreisen.
Das Präskript wird mit einem Gruß abgeschlossen.
Zu der Selbstvorstellung Pauli: Er nennt sich einen Apostel durch den Willen Gottes, was verdeutlichen soll, dass er sich dieses Amt nicht erwählt hat und dass er kein selbsternannter Apostel sei. Das weiß Timotheus natürlich schon alles, aber vielleicht schreibt Paulus diese Worte wiederum für die Mitarbeiter des Timotheus. Es ist unabhängig vom Adressaten schon zum festen Kern der Paulusbriefe geworden.
Der Gruß des Paulus ist eine gängige Formulierung in christlichen Kreisen durch die Stichworte χάρις charis und εἰρήνη eirene.
Auf dieses Präskript folgt ein Proömium, einleitende Worte des Dankes und Lobpreises Gottes. Paulus dankt Gott, dem er unablässig dient. Von seinen Missionsreisen haben wir ja schon so einige Strapazen und Leiden gehört. Paulus denkt Tag und Nacht an seinen Mitarbeiter. Er macht sich wohl Sorgen um dessen Wohlergehen und seine Aufgabe beim Aufbau der Gemeinden in der Abwesenheit des Paulus. Timotheus trägt die Gemeinde in Ephesus als erster Bischof.
Ab Vers 6 lesen wir dann paränetische Aussagen, das heißt ethische Unterweisungen. Timotheus soll den Geist Gottes wieder entfachen – in der Gemeinde, die in letzter Zeit so abgekühlt ist. Auch Timotheus selbst soll wieder erneuert werden.
Deshalb argumentiert Paulus auch mit der Verleihung eines Geistes des Mutes und nicht der Verzagtheit. Paulus erinnert seinen Mitarbeiter an die Weihe, die er von Paulus erhalten hat. Dies wird durch die Geste der Handauflegung angedeutet. Timotheus hat dabei den Geist Gottes erhalten (was dann vielleicht weniger auf die Weihe und vielleicht eher auf die Firmung hindeutet).
Mit dem erhaltenen Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit soll Timotheus nun für das Evangelium leiden und soll sich nicht schämen. Wohl fällt es dem Mitarbeiter schwer, hart durchzugreifen, wenn es notwendig ist. Für Christus zu leiden, ist nie ein Alleingang. Gott steht einem bei und verleiht dem Menschen Kraft für das Tragen dieses Kreuzes.
Dass Timotheus diese ehrenvolle Aufgabe tut, ist nicht zufällig, sondern er ist aus Gnade gerufen worden. Das Geschick des Timotheus ist im Erlösungsgeschehen Christi eingebettet, demgegenüber Paulus ein Bekenntnis formuliert. Jesus hat durch sein Kreuz und seine Auferstehung den Tod vernichtet und das ewige Leben verliehen. Das ist der Grund, an dem sich jeder pastorale Mitarbeiter in schwierigen Zeiten ganz besonders klammern kann.
Paulus legitimiert sich dann noch einmal, indem er seine persönliche Einsetzung durch Christus erwähnt. Womöglich soll dieser Pastoralbrief auch andere Personen erreichen, für die Paulus diese Bemerkungen einfügt.
Am Ende wird ein Leiden Pauli selbst erwähnt. Er deutet seinen Gefängnisaufenthalt an, von wo aus er diesen Brief abfasst. Er hält an seinem Glauben an Christus auch jetzt in der hoffnungslos scheinenden Situation fest. Er ist überzeugt, dass trotz der gegenwärtigen Lage Christus seine Verheißung des ewigen Lebens nicht zurücknimmt, sondern das auch wahrmachen wird, was er versprochen hat: seinen geliebten Kindern einen Platz im Himmelreich zu bereiten. Paulus erahnt seinen baldigen Tod, weshalb er solche Bemerkungen im Brief immer wieder einfügt.

Ps 123
2 Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so sind unsere Augen erhoben zum HERRN, unserem Gott, bis er uns gnädig ist.

Im Psalm wird das absolute Gottvertrauen des Paulus aufgegriffen. Der heute aus nur einem Vers bestehende Gesang ist eine Vertrauensbekundung der Knechte und Mägde Gottes. Ihre Augen sind zum HERRN erhoben, das heißt unablässig im Gespräch zu ihm. Das nennen wir Gebet. Sie beten, bis Gott gnädig ist. Das deutet vielleicht auf Bittgebete hin, die nicht verstummen. Es passt zu Paulus, der unablässig für seinen Mitarbeiter betet und auch im Gefängnis den Blick auf den HERRN nicht von ihm nimmt. Er ist in ständigem Kontakt mit Gott. Er versteht sein eigenes Leiden als ein Leiden mit Christus und für sein Evangelium. So verleiht es seiner Situation einen Sinn.
Wenn wir diesen Vers so betrachten, könnten wir ihn als Stoßgebet bezeichnen. Vielleicht hilft er uns, standhaft zu sein, wenn es mal schwieriger ist.

Mk 12
18 Von den Sadduzäern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung, kamen einige zu Jesus und fragten ihn:

19 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, aber kein Kind, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
20 Es lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, und als er starb, hinterließ er keine Nachkommen.
21 Da nahm sie der zweite; auch er starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, und ebenso der dritte.
22 Keiner der sieben hatte Nachkommen. Als letzte von allen starb die Frau.
23 Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. 24 Jesus sagte zu ihnen: Ihr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes.
25 Wenn nämlich die Menschen von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch lassen sie sich heiraten, sondern sind wie Engel im Himmel.
26 Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?
27 Er ist kein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr.

Im Evangelium kommen heute wieder einige Gegner zu Jesus, um ihn auf die Probe zu stellen. Es geht um die Sadduzäer, die nicht an die Auferstehung von den Toten glauben.
So beginnen sie ihre Frage mit einem Verweis auf Mose. Das ist ein strategischer Schachzug, weil sie ihr Anliegen nun mit dem für sie höchsten autoritären Fundament begründen. Mose schrieb vor, dass wenn ein Mann stirbt und seine Frau kinderlos geblieben ist, dessen Bruder die Frau aufnehmen und Kinder mit ihr zeugen soll. Auf diese Weise wird das Blut des Verstorbenen im weitesten Sinne weitergegeben. Dieses Gebot nennt sich Leviratsehe und ist als Gesetz in Dtn 25,5-10 verankert.
Nachdem die Sadduzäer sich schriftgemäß abgesichert haben, kommen sie nun zu einer überspitzten Geschichte, um Jesu Auferstehungsthese zu belächeln. Sie wollen sie gegen Jesus verwenden und fragen, wessen Frau eine Witwe im Himmel ist, wenn sie alle sieben Brüder einer Familie geheiratet hat, weil alle Brüder hintereinander gestorben sind.
Jesus antwortet nicht sofort auf die inhaltliche Frage, sondern konfrontiert die Sadduzäer mit ihrer Unkenntnis. Sie haben zwar das Levirat verstanden, aber nicht die Auferstehung. Sie trauen Gott auch nicht die Macht zu, die er hat. Sonst würden sie ein Leben nach dem Tod nicht leugnen.
Dann erklärt Jesus ihnen etwas zu dem Inhalt ihrer Frage: Die Witwe wird keinem Mann gehören, denn die Ehe geht bis zum Tod, nicht darüber hinaus. Die Menschen sind in der Ewigkeit wie die Engel. Das heißt, dass sie zunächst nur seelisch dort sind. Am Ende der Zeiten wird es eine Wiederherstellung mit dem Leib geben, aber auch dann wird man nicht mehr heiraten. Das ist eine Sache des irdischen Lebens für einen gemeinsamen Weg in die Ewigkeit.
Da wollten die Sadduzäer Jesus nun hereinlegen, doch dieser lässt dies nicht mit sich machen. Er kennt ihre Herzen und weiß um ihre Absicht.
Jesus tut dann das, was sie mit ihm versucht haben: sein Argument gegen ihn zu verwenden. So greift Jesus jetzt Mose auf, den sie als ihre höchste Autorität an den Anfang ihrer Begegnung gestellt haben: Eben jener Mose schreibt in Exodus von der Offenbarung Gottes im brennenden Dornbusch. Und dort stellt dieser sich vor als der „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“. Wieso sollte sich Gott so vorstellen, wenn diese drei schon tot sind? Dann würde sich Gott mit drei Toten schmücken. Doch Gott ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten. Folglich ist das Leben nach dem Tod keine unbiblische Lehre, sondern zutiefst mit der höchsten Autorität Israels verbunden.

Heute hören wir viel von Widerständen, Nachfolge, Leiden und Vertrauen. Es ist wirklich eine spannende Reise, Christus nachzufolgen. Manchmal erfordert diese ein Leiden für das Evangelium. So sind auch Karl Lwanga und seine Gefährten zu Zeugen für das Evangelium geworden. Sie haben die Hinrichtung in Kauf genommen, damit keiner sie von der Liebe Gottes trennen konnten. Hl. Karl Lwanga und Gefährten, bittet für uns!

Ihre Magstrauss

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