Donnerstag der 9. Woche im Jahreskreis

2 Tim 2,8-15; Ps 25,4-5.8-9.10 u. 14; Mk 12,28b-34

2 Tim 2
8 Denke an Jesus Christus, auferweckt von den Toten, aus Davids Geschlecht, gemäß meinem
Evangelium,
9 um dessentwillen ich leide bis hin zu den Fesseln wie ein Verbrecher; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.
10 Deshalb erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil in Christus Jesus erlangen mit ewiger Herrlichkeit.

11 Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben;
12 wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.
13 Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.
14 Rufe ihnen das ins Gedächtnis und beschwöre sie bei Gott, sich nicht um Worte zu streiten; das ist unnütz und führt die Zuhörer nur ins Verderben.
15 Bemühe dich darum, dich vor Gott zu bewähren als ein Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit geradeheraus verkündet!

Heute hören wir erneut aus dem zweiten Timotheusbrief, den Paulus aus dem Gefängnis seinem Mitarbeiter und „geliebten Kind“ schreibt. In dem Abschnitt geht es um die Verheißung des Glaubens und das rechte Verhalten im Einsatz für den Glauben. Der Hintergrund der Argumentation Pauli scheint eine schwierige Phase für Timotheus zu sein, der entweder neu motiviert und ermutigt werden muss oder die Gemeindemitglieder in Ephesus, wo er als Bischof wirkt.
So möchte Paulus, dass er an Jesus selbst denkt, der von den Toten auferweckt worden ist. Er ist der Grund, weshalb man Leiden auf sich nimmt. Und Paulus selbst kann das mit besonders viel Nachdruck sagen, denn er sitzt für das Evangelium Jesu Christi sogar im Gefängnis wie ein Verbrecher. Für Christus lässt er sich Fesseln anlegen. Wenn schon er trotz seiner Situation eine unerschütterliche Hoffnung behält, soll auch Timotheus nicht verzagen. Denn selbst wenn einem Steine in den Weg gelegt werden: „Das Wort ist nicht gefesselt.“ Gott findet immer Wege und Mittel, sich den Menschen zu offenbaren. Das Wort Gottes ist so fruchtbar, dass es sich immer vermehren wird. Was auch immer bei Timotheus los ist, es hindert Gott nicht daran, in dieser Welt bei den Menschen anzukommen.
Paulus nimmt sein Leiden bewusst an als Leiden für die „Auserwählten“, das heißt in diesem Fall jene, die zum Glauben kommen sollen oder sind. Er möchte alles tun, damit die anderen das ewige Leben wählen können.
Dann zitiert Paulus ein Wort, dessen erster Teil auch im Römerbrief vorkommt: „Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.“ Es bezieht sich auf die Taufe, die ein Sterben des alten Menschen mit Christus bedeutet. Dazu zählt auch die alte Lebensweise ohne Gott. Da Christus aber nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden ist und lebt, so leben auch die Getauften mit ihm. Dieses neue Leben ist ein ewiges, das eine ganz neue Lebensqualität darstellt. Das Leben mit dem auferstandenen Christus ist zugleich ein Leben nach Gottes Geboten, wie sie Christus den Menschen gelehrt hat. Dabei hat er kein neues Gesetz eingeführt und das alte entkräftet, sondern das alte Gesetz erfüllt. In der neuen Sichtweise darauf sollen die Getauften leben. Und wenn die Getauften, so auch Paulus und Timotheus, bis zum Schluss daran festhalten, werden sie auch wie Christus erhöht werden, ja sogar mit ihm herrschen. Paulus spricht sich hier natürlich nicht für eine Vergöttlichung des Menschen aus, sondern für eine Gemeinschaft der bleibenden Menschen mit Christus über den Tod hinaus. Die Herrschaft ist zudem anders zu verstehen, als im weltlichen Sinne: Jesus erklärt, dass Herrschaft eine hingebende und dienende Fürsorge sein soll.
Und selbst wenn der Mensch Gott untreu wird, indem er sündigt, bleibt Gott treu. Er tut alles, damit der Mensch zu ihm zurückkehrt. Immer wieder rührt er ihn an, appelliert an sein Gewissen, bringt ihn in Situationen, die eine Gelegenheit zur Umkehr bieten. Gott kann auch seinen Bund nicht zurücknehmen, weil das seinem Wesen nicht entspricht. Wenn der Mensch verloren geht, dann aus eigener Verschuldung.
Paulus hat Timotheus hier einen Argumentationsgang geschildert, der nicht für ihn selbst ist, sondern für seine Gemeindemitglieder. Offensichtlich gibt es dort Auseinandersetzungen, bei denen Timotheus als Streitschlichter überfordert ist. Paulus liefert ihm hier Input, mithilfe dessen er die Situation besser händeln kann. Verbale Streitereien sind unnütz und führen statt ins ewige Leben zum Verderben.
Am Ende greift Paulus auf, was er im gestrigen Abschnitt schon angeschnitten hat: Timotheus soll sich nicht für die Wahrheit des Evangeliums schämen, sondern sie geradeheraus verkünden. Er hat eine Verantwortung vor Gott, der ihn zum Arbeiter in seinem Weinberg gemacht hat. Er soll sich nun bewähren, indem er unbeirrt das Evangelium verkündet.
Die Ermutigung Pauli aus dem Gefängnis gilt nicht nur Timotheus. Auch für die heutigen Geistlichen ist es ein Appell und eine Motivation: Auch sie sollen unbeirrt und geradeheraus das Evangelium verkünden, ob gelegen oder ungelegen. Sie haben vor Gott die Verantwortung, den Menschen das Wort Gottes zu bringen. Wie können sie sich dann schämen? Doch viele schämen sich gerade dafür, dass das Wort Gottes dem Zeitgeist widerstrebt, politisch inkorrekt ist oder anderweitig provoziert. Sie entschuldigen sich noch dafür, obwohl gerade diese Botschaft, die am Zeitgeist aneckt, heilsam für die Menschen ist.

Ps 25
4 Zeige mir, HERR, deine Wege, lehre mich deine Pfade!
5 Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heils. Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.

8 Der HERR ist gut und redlich, darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
9 Die Armen leitet er nach seinem Recht, die Armen lehrt er seinen Weg.
10 Alle Pfade des HERRN sind Huld und Treue denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse wahren.
14 Der Rat des HERRN steht denen offen, die ihn fürchten, und sein Bund, um ihnen Erkenntnis zu schenken.

Der kurze Ausschnitt aus dem Psalm heute ist eine Bitte um die rechte (moralische) Unterweisung und um Erkenntnis des Heilsplans Gottes. Darin knüpft er an die paränetische Lesung mit ihren Handlungsanweisungen an.
Die Bitten des Psalms sind für uns alle eine wunderbare Vorlage: Wenn wir von unserer Seite aus unsere eigene Läuterung unterstützen und weitere Verunreinigungen vermeiden möchten, dann müssen wir aktiv darum bitten, dass Gott uns seinen Willen zeigt. Denn das Tun seines Willens ist der richtige Weg, die Berufung zur Heiligkeit umzusetzen, die uns durch die Taufe geschenkt worden ist.
Gott zeigt uns seinen Willen und führt die vom Weg abgekommenen Sünder wieder zurück. Er möchte, dass keines seiner Kinder verloren geht. Uns geht es gut, wenn wir auf seinem Weg bleiben.
„Auf dich hoffe ich den ganzen Tag“ ist wiederum eine Andeutung messianischer Hoffnung, ebenso die Bemerkung „Gott meines Heils“ (אֱלֹהֵי יִשְׁעִי elohej jisch’i). Für das Heil Gottes wird wie immer dieselbe hebräische Wurzel gewählt wie im Namen Jesu.
Auf Gott hofft das unterdrückte Volk Israel insbesondere in Zeiten der Bedrängnis. Je schlimmer die Zeiten, desto stärker ist die messianische Hoffnung. Auf Gott hoffen auch wir den ganzen Tag und vor allem in Zeiten der Versuchung. Auch Timotheus, der es in Ephesus nicht leicht hat, hofft auf den Herrn, doch seine Hoffnung braucht Unterstützung von dem intensiven Hoffnungsträger Paulus, der in Fesseln gelegt noch die anderen ermutigt. Die Kirche hofft auf den Herrn den ganzen Tag insbesondere heutzutage, da die Christenverfolgungen einen Höhepunkt erreichen. Die ganze Welt hofft auf Erlösung von all den Leiden, dem Unrecht, dem Bösen.
Der Bund Gottes steht allen offen, die ihn fürchten. Das ist ein Wort, das sich mit der Taufe tatsächlich erfüllt hat: Ist der Alte Bund noch eine Verbindung Gottes mit seinem auserwählten Volk, umfasst der Neue Bund nun gleichermaßen Juden und Heiden bzw. jene aus allen Stämmen, Sprachen, Völkern und Nationen, die gottesfürchtig sind, die die Erlösung annehmen, die Christus erwirkt hat. Es ist ein universaler Bund. Durch die Taufe gehen die Menschen diesen Bund ein. Dass sie zu Gottesfürchtigen werden, dafür geben Paulus und Timotheus sich ganz hin. Sie leiden sogar für die Menschen im Gefängnis, damit sie sich bekehren. Das ist ein Einsatz, den man sich von Geistlichen wünscht!

Mk 12
28 Ein Schriftgelehrter ging zu Jesus hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? 29 Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.
30 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.
31 Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.
32 Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr und es gibt keinen anderen außer ihm
33 und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer.
34 Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

Heute hören wir im Evangelium von dem wichtigsten Gebot. Das ist die eigentliche Pointe dessen, was wir bisher gehört haben. Gebote halten, sich bekehren, Gott fürchten, andere Menschen zu Gott führen, dass sie sich taufen lassen: All das muss getragen sein von der Liebe zu Gott und zu dem Nächsten. Sonst ist dies alles nutzlos (1 Kor 13).
Ein Schriftgelehrter geht mit der Frage nach dem wichtigsten Gebot zu Jesus und dieser antwortet wie jeder andere fromme Jude mit dem Sch’ma Israel, der Aussage in Dtn 6,4: „Höre , Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.“ Diese Aussage soll jeder fromme Jude täglich beten. Es geht um die Gottesliebe. Sie steht immer an erster Stelle. Sie ist deshalb der Kern der ersten drei Gebote des Dekalogs (der Zehn Gebote). Es ist der Kern dessen, was wir in Lesung und Psalm betrachtet haben. Gott verlangt unsere ganze Liebe, weil er uns zuerst geliebt hat. Unsere Antwort, nicht nur die der Juden damals, soll deshalb sein: „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.“ Wir haben viele Erfahrungen zwischenmenschlicher Art, die man mit dieser Gottesliebe vergleichen kann. Wenn wir verliebt sind, beherrscht diese Person unser ganzes Denken, wir investieren uns ganz in die Beziehung zu ihr, emotional, von unserer Kraft und Zeit. Wir lieben die Person mit unserem ganzen Sein. So sollen wir in erster Linie Gott lieben. Er soll an erster Stelle kommen. Und sodann sollen wir unseren Nächsten lieben, wie uns selbst. Jesus führt also zusätzlich zu Dtn 6,4 Lev 19,18 heran. Dadurch dass Jesus diese beiden Gebote zusammenführt, zeigt er ein tiefes Schriftverständnis und erklärt dadurch auch den Kern der Gebote 4-10 des Dekalogs als Nächstenliebe.
Das Doppelgebot der Liebe, das er in diesem Gespräch vermittelt, verleitet den Schriftgelehrten dazu, ihn zu loben. Er erkennt, dass Jesus den gesamten Sinn richtig verstanden hat. Dieser Mann hat begriffen, worum es den Propheten im Alten Testament ging, vor allem Hosea mit den vielen Beziehungsbildern. Er hat auch erkannt, worum es König David in den vielen Psalmen ging. Es geht um Beziehung und darum, diese aufrechtzuerhalten. So sagt Jesus dem Schriftgelehrten zu: „Du bist nicht fern vom Reich Gottes.“ Er hat die besten Voraussetzungen, Erbe in diesem neuen Reich zu sein, nicht nur wegen seiner Einsicht, sondern auch wegen seiner Offenheit gegenüber den Worten Christi. Viele andere Schriftgelehrten sind so voll von sich selbst, dass sie gar nicht erkennen, dass Jesus all das erfüllt, was sie in den Schriften so intensiv studieren. Sie lassen sich nicht belehren, weil sie sich für wissend genug halten. So können sie nicht in das Reich Gottes eingehen. Dieser Mann dagegen ist offen für die Worte Jesu und stellt ihm erst gar keine hinterhältigen Fragen. Sonst erfahren wir in den Evangelien immer wieder davon, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten durch ihre Fragen Jesus auf die Probe stellen wollen. Dieser ist ganz anders und deshalb ist Jesus auch ganz anders zu ihm.
Auch die heutigen Geistlichen brauchen diese Offenheit des Schriftgelehrten. Oft meinen sie, nichts mehr gelehrt bekommen zu müssen – und vor allem sich nichts von Christus sagen zu lassen. Dabei ist es für sie hilfreich und unbedingt notwendig, sich von Christus leiten zu lassen. Manchmal ist es schmerzhaft für das eigene Ego, weil Jesus den Geistlichen aus Liebe auch mal zurechtweisen muss – das beste Beispiel ist Petrus – aber umso gestärkter und geheiligter geht er daraus hervor.

Beten wir am heutigen ersten Donnerstag im Monat wie sonst auch um geistliche Berufungen und für die Umkehr unserer Geistlichen! Sie brauchen dringend unser Gebet.

Ihre Magstrauss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s