Hochfest des Leibes und Blutes Christi (Fronleichnam)

Dtn 8,2-3.14b-16a; Ps 147,12-13.14-15.19-20; 1 Kor 10,16-17; Joh 6,51-58

Heute feiern wir das Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Wir verehren die Eucharistie heute ganz besonders festlich, normalerweise tragen wir den Herrn auch durch die Straßen und bringen ihn zu den Menschen. Darin tun wir es Maria gleich, die Jesus in ihrem Leib zu Elisabet getragen hat. Warum feiern wir das im Sommer? Eigentlich haben wir die Eucharistie an Gründonnerstag gefeiert, als Jesus sie beim letzten Abendmahl gestiftet hat. Doch mitten in der Karwoche und so kurz vor seinem Leiden kommen wir natürlich nicht so in Feierstimmung. Deshalb feiern wir dieses Fest nun nach, die wir jetzt die Osterzeit und auch Pfingsten hinter uns gelassen haben.

Dtn 8
2 Du sollst an den ganzen Weg denken, den der HERR, dein Gott, dich während dieser vierzig Jahre in der Wüste geführt hat, um dich gefügig zu machen und dich zu prüfen. Er wollte erkennen, wie du dich entscheiden würdest: ob du seine Gebote bewahrst oder nicht.

3 Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist, das du nicht kanntest und das auch deine Väter nicht kannten. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des HERRN spricht.
14 Dann nimm dich in Acht, dass dein Herz nicht hochmütig wird und du den HERRN, deinen Gott, nicht vergisst, der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat;

15 der dich durch die große und Furcht erregende Wüste geführt hat, durch Feuernattern und Skorpione, durch ausgedörrtes Land, wo es kein Wasser gab; der für dich Wasser aus dem Felsen der Steilwand hervorsprudeln ließ;
16 der dich in der Wüste mit dem Manna speiste, das deine Väter noch nicht kannten.

In der ersten Lesung hören wir aus dem Buch Deuteronomium, das eine einzige Rede des Mose darstellt. Hier fasst er das mosaische Gesetz noch einmal zusammen (deshalb der Name Deuteronomium, was soviel wie „zweites Gesetz“ heißt). Uns wird heute ein Ausschnitt aus dem Kapitel „Israel und Reichtum“ vorgelesen.
Zu Anfang erinnert Mose die Israeliten daran, was Gott in den letzten vierzig Jahren der Wüstenwanderung an seinem Volk gewirkt hat. Dabei ließ er auch die ein oder andere Prüfung zu, damit die Menschen in ihrem Glauben gestärkt würden. Auch die Menschen selbst sollten dadurch sehen, wie es wirklich um ihren Glauben steht. Wie oft denken wir, dass wir schon so weit fortgeschritten sind im Glaubensleben, doch dann lässt uns Gott in eine Situation geraten, in der wir selbst einen Spiegel vorgehalten bekommen. Und dann denken wir: „Oh je! So weit bin ich dann wohl doch noch nicht gekommen!“ Und auch dann lädt uns Gott ein, umzukehren, uns wieder auf ihn zu konzentrieren und es neu zu versuchen. Bestes Beispiel: Petrus. „Mein Leben will ich dir geben!“ Und dann verleugnet er Jesus dreimal noch in derselben Nacht.
Wenn Gott zulässt, dass der Mensch kurzzeitig Nachteile erleidet, dann steht auch dies in einem größeren Zusammenhang von Heil. So lässt Gott den Hunger der Israeliten zu, um die Lektion zu erteilen: Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern auch vom Wort, dass der Mund des HERRN spricht. Dies wird auch Jesus dann aufgreifen, wenn er in der Wüste ist, zwar nicht vierzig Jahre, aber vierzig Tage. Er wird auch hungern und der Satan wird ihn versuchen, doch Jesus wird dieses Schriftwort zitieren. Der Mensch hungert nicht nur physisch, sondern braucht auch Seelennahrung. Diese ist noch viel lebenswichtiger, als die Speise für den Leib, weil sie das ewige Leben gewährleistet. Und das Wort, das aus Gottes Mund kommt, deuten wir christologisch: Jesus Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes, das wir in uns aufnehmen dürfen. So kommt er in unser Herz und nährt unsere Seele. Er wird gleichsam ein Teil von uns. Und diesen Leib Christi feiern wir heute.
Gott hat sich um sein Volk gekümmert, als es hilflos in der Wüste herumgezogen ist. Und wenn das Volk dann im verheißenen Land ankommt, sich dort niederlässt und es sich gut gehen lässt, soll es nicht vergessen, was Gott ihm Gutes getan hat. Aus diesem Grund sagt auch Jesus zu seinen Aposteln im Abendmahlssaal: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Auch wir sollen nie vergessen, wie Gott uns in das verheißene Land geführt hat – das Himmelreich, das verschlossen war, bevor Christus nicht die Erlösung aller Menschen erwirkt hat. So wie Gott das Volk aus dem Sklavenhaus Ägypten hinausgeführt hat, so hat er uns aus dem Sklavenhaus der Sünde befreit. Und durch unsere Taufe haben wir diese Rettungstat angenommen. Wir singen an Gründonnerstag das bekannte Lied „beim letzten Abendmahle“. Dort heißt es auch in einer Phrase „damit ihr nie vergesset, was meine Liebe tut.“ So ist es. Wir feiern Eucharistie, damit wir nie vergessen, was Jesus für uns getan hat. Und dies sollen wir auch durch einen bestimmten Lebensstil zeigen. Indem wir Gottes Gebote halten und unserem Bund mit ihm treu sind, zeigen wir ihm unsere Dankbarkeit und Gegenliebe.
Gott hat Israel durch das verdorrte Wüstenland geführt, ohne dass das Volk verdursten musste. Er hat immer dort, wo kein Ausweg zu sein schien, einen Weg ermöglicht. Er hat aus einer Felswand Wasser hervorsprudeln lassen und die gefährlichen Tiere von seinen geliebten Kindern ferngehalten. So tut er auch mit uns. Wir leben in einer noch viel drastischeren Wüste als die Israeliten zuvor. Denn diese Art von Wüste ist eine geistliche Öde. Und wo wir verzweifelt nach einem Tropfen Wasser suchen, nach dem Heiligen Geist in einer toten Gesellschaft, vor allem in einer toten Kirche, da ermöglicht er es. Da lässt er geistliche Oasen entstehen, damit wir nicht verdursten müssen. Zu diesen Pilgerorten, Gebetsstätten, Gemeinschaften können wir kommen, um wenigstens einmal so richtig zu schöpfen und dann im verdorrten Alltag wieder aushalten zu können.
Und so tut er es auch mit der Speise, die wir für unsere Seele empfangen. So wie die Israeliten mit dem Manna gespeist worden sind, dem Himmelsbrot im wahrsten Sinne (es kam von oben herabgeregnet), so speist uns der Herr inmitten unserer geistlichen Wüste mit dem Leib Christi, den wir heute verehren. Es ist wie mit Elija, von dessen Speisung und Tränkung wir am Montag gehört haben. Gott lässt seine Kinder nicht im Stich, sondern kümmert sich um sie.

Ps 147
12 Jerusalem, rühme den HERRN! Lobe deinen Gott, Zion!
13 Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet.
14 Er verschafft deinen Grenzen Frieden, er sättigt dich mit bestem Weizen.
15 Er sendet seinen Spruch zur Erde, in Eile läuft sein Wort dahin.
19 Er verkündet Jakob sein Wort, Israel seine Gesetze und seine Entscheide.
20 An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, sie kennen sein Recht nicht. Halleluja!

Als Antwort auf die Worte des Mose beten wir Ps 147, der zum kleinen Hallel gehört, der Abschlussgruppe des Psalters. Diese Psalmen werden von dem Hallelujaruf gerahmt, weshalb wir hier auch im letzten Vers das Halleluja lesen.
Jerusalem wird zum Lobpreis aufgefordert. Es ist als pars pro toto gemeint, so ist also nicht nur die eingeschränkte Bewohnerzahl von Jerusalem gemeint, sondern ganz Israel. Hier geht es nur sehr um die Pilgergemeinschaft Jerusalems und um die Heiligkeit des Berges Zion. Denn auf ihm ist der Tempel Gottes errichtet, in dem Gottes Herrlichkeit wohnt.
Gott ist zu preisen, weil er die Riegel der Tore festgemacht hat. Das bedeutet, dass er das Volk beschützt hat vor den Feinden, die in die Stadt einbrechen wollen. Auch hier meint es natürlich ein Bild, denn nicht nur für die Abwendung der Angriffe auf die Stadt Jerusalem, sondern auf das ganze Volk dankt der Psalm. Es ist wie mit den Skorpionen und schädlichen Tieren der Wüste, über die Mose in der Lesung spricht. Gott wendet die Gefahren der Menschen ab. Er tut dies auch mit uns. Er verriegelt die Tore unseres Herzens, damit der Böse dort nicht hineinkann. Er beschützt und trägt uns durch die Zeiten der Versuchung, damit wir ihnen nicht erliegen.
Dieselbe Aussage wird mit dem Frieden der Grenzen ausgesagt, was auch deutlicher das ganze Volk Israel andeutet.
Gott sättigt sein Volk mit bestem Weizen – absolutes Bild von Segen. Er sättigt schon mit Manna, er sättigt nun mit großer Ernte und auch uns sättigt er mit dem besten Weizen – mit der Eucharistie. Er segnet unsere Kinder, indem er sie zu Kindern seines Reiches macht in der Taufe. Er verschafft uns einen umfassenden inneren Frieden, den die Welt nicht geben kann, den wahren Schalom, den der auferstandene Christus seinen Aposteln verheißen hat.
Wenn die Rede davon ist, dass Gott „seinen Spruch zur Erde“ sendet, meint es zunächst die Offenbarung Gottes an einzelne Propheten. Es meint aber auch weitergedacht Jesus selbst, das fleischgewordene Wort Gottes, das Gesprochene Gottes. In dieser Leserichtung ist Vers 15 höchst messianisch! In Eile läuft das Wort Richtung Erde, bald, sehr bald kommt der Messias! Wir dürfen diese Aussage neben dem ersten Kommen des Wortes Gottes auch auf das zweite Kommen beziehen, das kurz bevor steht, also das Ende der Zeiten.
In dieser Linie können wir auch Vers 19 verstehen: Das Wort, das Gott Jakob verkündet, ist nicht nur die Torah (, was hier wörtlich gemeint ist), die Gesetze und Entscheide, sondern eben auch das Wort Gottes, das fleischgeworden ist, Jesus Christus! Und da dürfen wir „Jakob“ nicht überlesen. Zuerst wird Jesus, der Messias den Juden verkündet! An sie ist die Verkündigung zuerst gerichtet. Sie waren es, zu denen Jesus als erstes gekommen ist, bevor er zu den Heiden ging. Sie sind das auserwählte Volk Gottes, zu dem das Wort Gottes gesandt worden ist und zu denen das Wort Gottes selbst gehört! Jesus hat ihre DNA!
Dies ist so ein Privileg, wie man es nie zuvor und nie danach sehen wird. Gott hat die DNA der Juden angenommen, denen die Biologie ja so wichtig ist. Als Jude wird man geboren. Gott hat sein Wort Fleisch werden lassen, damit es sein Zelt aufschlage unter den Juden. Dieses Privileg hat kein anderes Volk gesehen. Das müssen wir erstmal so für sich stehen lassen und wir dürfen das nie vergessen. Darüber hinaus kommt er auch zum neuen Volk, das aus Juden und Heiden zugleich besteht. Was Christus am Kreuz für uns getan hat, gilt allen Menschen auf der ganzen Welt. Das ist so eine große Heilsbotschaft, dass sie nur mit einem Halleluja abgeschlossen werden kann.

1 Kor 10
16 Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?
17 Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.

In der zweiten Lesung hören wir aus dem ersten Korintherbrief einige Gedanken des Paulus zur Eucharistie. Er erklärt, dass die eucharistischen Gestalten von Brot und Wein nicht einfach nur ein Symbol sind, sondern gewandelt in den Leib und das Blut Christi uns an ihm selbst teilhaben lassen.
Das heißt nicht, dass Christus geteilt ist im Sinne einer Spaltung. Das griechische Wort für Teilhabe ist κοινωνία koinonia. Es kann auch mit „Gemeinschaft“ übersetzt werden und worauf Paulus hinaus will, ist die absolut innige Gemeinschaft mit Gott, wenn wir die Eucharistie empfangen. Dadurch, dass wir sie empfangen, wird der Herr ein Teil von uns. Wir absorbieren ihn gleichsam mit Leib und Seele. Darin werden wir selbst immer mehr zum Leib Christi. Er erklärt diese Dinge in den beiden Versen, weil er erklären möchte, warum die Korinther kein Götzenopferfleisch essen sollen. Denn der Widersacher greift die eucharistische Vereinigung auf und wendet sie dämonisch um. Auch mit dem Bösen können wir dadurch Gemeinschaft erhalten.
Wenn wir dagegen immer mehr zum Leib Christi werden, werden wir dies auch als Gemeinschaft der Heiligen. Das, was uns als Kirche zusammenschweißt, ist nicht in erster Linie die gelebte Nächstenliebe. Diese kommt immer erst an zweiter Stelle. Zuerst kommt die Eucharistie als Stiftung von Gemeinschaft – zuerst die Gemeinschaft mit Gott, die von ihm selbst ausgeht. Und wenn wir ganz innig mit ihm verbunden sind, geht diese Liebe über in das Verhältnis zum Nächsten. Wenn wir als Kirche überleben möchten, müssen wir also alles daran tun, dass die Eucharistie niemals aufhört. Sie ist der Herzschlag der Kirche. Und deshalb danke ich Gott von ganzem Herzen für dieses Hochfest, damit wir stets an unser Herz erinnert werden. Deshalb bete ich an Fronleichnam immer sehr intensiv um Priesterberufungen. Wie können wir die Eucharistie aufrechterhalten, wenn es keine Priester mehr gibt, die sie spenden!

Joh 6
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

52 Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
55 Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.
56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.
57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58 Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist nicht wie das Brot, das die Väter gegessen haben, sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

Und die Krönung des heutigen Hochfestes sind die Worte Jesu Christi selbst. Er offenbart sich in der wunderbaren Brotrede von Joh 6 als Himmelsbrot. Er greift dabei das Manna der Wüstenväter auf. Die anwesenden Juden, die seinen Worten lauschen, erkennen diesen Bezug und verstehen die Typologie dahinter. Jesus ist Antitypos dieses Manna. Er ist aber noch so viel mehr als das Manna der Wüste. Er sättigt nicht nur den Magen, sondern erhält unsere ewige Seele am Leben.
Und Jesus sagt, dass er nicht einfach das Himmelsbrot spendet, sondern dass er selbst dieses Brot ist, sein Fleisch für das Leben der Welt. Er kündigt hier das letzte Abendmahl an und dessen Erfüllung am Kreuz von Golgota.
Diese Worte sind so ungeheuerlich und so schnell misszuverstehen in Richtung Kannibalismus, dass viele der Anwesenden seine Worte unerträglich finden. Sie fragen sich, wie Jesus sein Fleisch zu essen geben will.
Jesus könnte an dieser Stelle richtigstellen, dass er das symbolisch meint. Würde Jesus hier ein protestantisches Abendmahlsverständnis vermitteln wollen, wäre nun der Moment gekommen, dies zu aufzuklären. Aber nein. Er legt noch einen drauf und verdeutlicht: Die Menschen haben das Leben in sich nur dann, wenn sie sein Fleisch essen und sein Blut trinken. Das Leben in sich haben, das meint einerseits ihn selbst in sich tragen, weil er das Leben ist. Er sagt in der ersten Abschiedsrede in Joh 14 später: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Es bedeutet sodann, dass er das ewige Leben gewährleisten kann. Dies meint er aber nicht nur bezogen auf das Leben nach dem Tod, sondern auch auf dem Weg dorthin (wie gesagt, er ist nicht nur das Leben, er ist auch der Weg). Und das bedeutet, dass er den Stand der Gnade gewährleisten kann.
Jesus erklärt einen Vers später, dass er das ewige Leben meint und dass er den Menschen am jüngsten Tag auferwecken werde. Die Eucharistie zu empfangen ist also lebensnotwendig mit Blick auf die Ewigkeit hin. Sie ist Wegzehrung dorthin.
Er betont noch einmal, dass er das nicht bildhaft meint, wenn er sagt: „Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ Jesus wird sich wirklich hingeben und wahrhaft für die ganze Menschheit sein Blut vergießen am Kreuz. Das ist auch wichtig für die ersten Adressaten des Johannesevangeliums. Zu jener Zeit gab es gnostische Gruppen, die das wahre Leiden Jesu Christi leugneten und meinten, dass nur ein Scheinleib oder ein anderer gelitten habe. Gott könne nicht leiden. Das ist ja das Unfassbare: Gott hat das alles auf sich genommen und getan, weil er uns so sehr liebt!
Und Jesus sagt noch einmal, dass die Menschen leben werden, wenn sie ihn aufnehmen. Er sagt jetzt ganz eindeutig, dass die Menschen ihn essen sollen. Dass es nicht kannibalisch gemeint ist, erkennen wir daran, was er im nächsten Vers sagt und dann im Abendmahlssaal stiften wird: Das Essen Jesu ist das Essen von Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Seine reale Gegenwart wird in Brot den Menschen gegeben. So spendet Jesus im Abendmahlssaal sein Fleisch/seinen Leib den Aposteln in Form von Brot. Die reale Bedeutung dieser Geste wird ihnen erst im Moment des Kreuzes deutlich werden – dem einen Apostel, der mit ihm unter dem Kreuz steht, Johannes. Ich liebe es, wie im Film „The Passion of the Christ“ dieser Moment gezeigt wird, wie Johannes das realisiert: Er hat ein Flashback zu den Ereignissen im Abendmahlssaal, als Jesus gekreuzigt wird. Er versteht in dem Moment, was Jesus meinte, als er sagte: „Das ist mein Leib“ und „das ist mein Blut“.
Jesus sagt durch diese Worte auch, dass er nicht nur kurz bei dem Menschen ist, der ihn isst. Er bleibt in ihm, was darauf hindeutet, dass er in den ganzen Menschen übergehen wird – in Leib und Seele. Und das wird Auswirkungen haben auf das ganze Umfeld, auf den Lebenswandel, auf die Familien und weiteren zwischenmenschlichen Beziehungen. Wie gesagt ist der Empfang dieser Speise gemeinschaftsstiftend.
Jesus greift zum Ende noch einmal das Manna auf: Er ist eine viel größere Speise als das Manna, denn dieses konnte das ewige Leben der Israeliten nicht gewähren. Es erhielt sie am physischen Leben, doch die Israeliten mussten auf die Erlösung durch den Messias warten wie alle anderen Menschen auch. Jesus als Speise garantiert das ewige Leben bei Gott. Ist uns das bewusst? Nehmen wir von dieser Speise Gebrauch, damit wir das ewige Leben haben? Der christliche Mensch muss ein eucharistischer Mensch sein. Sein Leben muss sich an der Eucharistie ausrichten. Sie muss auf der Prioritätenliste ganz oben stehen. Warum? Weil wir als Getaufte diese Speise tagtäglich brauchen unterwegs in die Ewigkeit. Dann sind wir nicht irgendwie mit Christus verbunden, sondern werden nach und nach immer mehr ein Teil von ihm!

Heute feiern wir diese große Speise, die das ewige Leben für alle Menschen gewährleisten kann. Machen wir uns aufs Neue bewusst, was für ein großes Geschenk uns Gott damit gemacht hat. Nehmen wir uns heute bewusst die Zeit, ihn anzubeten in der Eucharistie.

Gelobt und angebetet sei ohne End‘ Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament!

Ihre Magstrauss

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