18. Sonntag im Jahreskreis

Jes 55,1-3; Ps 145,8-9.15-16.17-18; Röm 8,35.37-39; Mt 14,13-21

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch!
2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen!
3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig.

In der ersten Lesung dieses Sonntags geht es um die Einladung Gottes an die Durstigen, bei ihm Erquickung zu finden. Hier geht es um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Jeder Mensch sehnt sich als Gottes Abbild nach ihm, ob bewusst oder unbewusst. Und diese Sehnsucht kann nur Gott wirklich stillen. Wenn wir sie versuchen, woanders zu erfüllen, werden wir sehr unglücklich, denn die irdischen Güter können uns nicht glücklich machen. Die Seele schreit dabei nach Nahrung, denn heutzutage vergisst der Mensch, dass auch diese etwas zu essen braucht. Die Quelle der Seele, die ihren Hunger und ihren Durst stillen kann, ist allein Gott.
Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!

Ps 145
8 Der HERR ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld.
9 Der HERR ist gut zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.
15 Aller Augen warten auf dich und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
16 Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.
17 Gerecht ist der HERR auf all seinen Wegen und getreu in all seinen Werken.
18 Nahe ist der HERR allen, die ihn rufen, allen, die ihn aufrichtig rufen.

Als Antwort beten wir den Davidpsalm 145, der die letzte Psalmengruppe vor dem Kleinen Hallel abschließt. Er thematisiert die Barmherzigkeit Gottes. Diese hat König David in seinem Leben wahrlich erfahren, denn Gott hat ihn trotz seiner schweren Sünden nicht einfach aufgegeben. Er hat ihn die Konsequenzen seiner Sünde spüren lassen, aber er hat den Bund treu gehalten, den er mit David eingegangen ist. Gott ist wirklich langmütig, das heißt geduldig. Er hat David weiterhin als König über die zwölf Stämme regieren lassen.
Gott vergibt jedem Menschen seine Schuld, wie groß sie auch ist, wenn er aufrichtig bereut. Das hat er nicht nur David gegenüber gezeigt, sondern allen Menschen. Er ist „gut zu allen“. Und was auch immer Gott erwirkt, es ist letztendlich Ausdruck seines Erbarmens. Wenn der Mensch leiden muss, dann ist das kein Widerspruch zu diesem grenzenlosen Erbarmen Gottes. Er möchte unsere Liebesbeziehung, aber wenn wir sie ablehnen und deswegen dann leiden, kann er nichts tun. Zu sehr schätzt er unseren freien Willen. Und wenn andere Menschen sündigen und uns unschuldig mit hineinziehen, ist das kein Ausdruck der Ungerechtigkeit Gottes, sondern das Wesen der Sünde.
Die Sehnsucht nach Gott ist jedem Menschen ins Herz gelegt. Deshalb warten „aller Augen“ auf Gott. Und er nährt ihre Sehnsucht, wenn sie zu ihm kommen, eben „zur rechten Zeit“. Bei Gott muss keine Seele verhungern. Er tut es in der Zeit der Kirche vor allem durch die Eucharistie, das Himmelsbrot, das die Seelen nährt auf dem Weg in die Ewigkeit. Er tut es durch sein heiliges Wort, die Bibel. Er tut es auch durch die vielen anderen Sakramente und Sakramentalien.
Gott tut wirklich seine Hand auf und sättigt. Er ist großzügig mit allen Geschöpfen. Er gibt im Übermaß, seine Gnade kennt keine Grenzen.
Gott ist gerecht und lässt niemanden ins offene Messer laufen. Er erzieht seine Geschöpfe auf ihrem Lebensweg und hilft ihnen dabei, ihre Schwächen zu Stärken zu machen. Durch seine helfende Gnade hilft er jedem Menschen dabei, heilig zu werden.
Gott ist nicht taub für seine geliebten Kinder, sondern hört ihre Gebete. Wichtig ist, dass sie ihn aufrichtig rufen und keine niederträchtigen Absichten dabei haben. Gott ist wirklich ein barmherziger Vater und der Retter aller Seelen.

Röm 8
35 Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?
37 Doch in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat.
38 Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten,
39 weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief erklärt Paulus, dass uns nichts von der Liebe Christi trennen kann. Wir sind ganz innig mit ihm verbunden. Er ist in uns und wir sind in ihm.  Diese Intimität mit Christus ist uns durch die Taufe geschenkt worden. Nichts an äußeren Einflüssen, die das irdische Dasein betreffen, können den Menschen in dieser Intimität beeinträchtigen. Und wenn der Christ auch „Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert“ erleiden muss. Auch wenn er das irdische Leben verlieren sollte, wird das nichts daran ändern, dass er das ewige Leben geschenkt bekommen hat. Denn Gott ist stärker als alle diese irdischen Stürme. Der Satan wütet und macht viel Lärm – um nichts. Er kann brüllen, dass die Wände wackeln, aber in Gottes Augen ist das nur ein kleines Piepen. Gegen den Allmächtigen kann der Widersacher nichts ausrichten.
Wir tragen „einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat.“ Das heißt, dass wir gar nicht verlieren können, solange wir an dieser Liebesbeziehung festhalten. Die größten Sieger sind sogar jene, die für den Glauben ihr irdisches Leben hingegeben haben! Wenn uns das so richtig bewusst geworden ist, wird es uns in eine unendliche Freiheit und Gelassenheit führen. Denn uns kann nichts passieren, was wirklich schlimm ist, auch wenn die momentanen Leiden da sind.
Nichts kann uns von der Liebe Gottes scheiden, auch nicht die Mächte der Finsternis, keine Engel, nichts Geschichtliches, was geschehen ist und was noch auf uns zukommt. Nichts, was geschaffen ist („Kreatur“), kann uns von Gott trennen, wenn wir das nicht freiwillig so entscheiden. Das ist die österliche Hoffnung, die so fest ist, dass die ersten Christen in der Arena mit Lobpreis auf den Lippen hingerichtet worden sind – durch wilde Tiere, Gladiatoren oder sonstige grausame Ursachen.

Mt 14
13 Als Jesus das hörte, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach.
14 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken.
15 Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!
16 Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!
17 Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier.
18 Er antwortete: Bringt sie mir her!
19 Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten
20 und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll.
21 Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.

Im Evangelium lesen wir heute noch ein Beispiel dafür, wie Gott uns nährt: Jesus zieht sich in die Einsamkeit zurück, doch die Menschenmassen bekommen das mit. Wo er mit dem Boot hinfährt, hat sich bereits eine große Menschenmenge zusammengefunden.
Jesus hat Mitleid. Das ist ein typisches Kennzeichen der göttlichen Agape. Er leidet mit uns Menschen mit. Das Verb, das hier verwendet wird, ist σπλαγχνίζομαι splangchnizomai, was „sich erbarmen, Mitleid haben“ bedeutet. Gott ist barmherzig. Das bedeutet sein Mitleid. Jesus tut es nicht in erster Linie leid, dass die Menschen Hunger haben oder sonstiges. Sein Mitleid bezieht sich auf ihren seelischen Zustand. Sie hungern nach der Liebe Gottes und haben eine tiefe Sehnsucht, die nur er stillen kann. Jesus heilt die Kranken, die ihm extra gefolgt sind.
Der Tag neigt sich und die Menschen ohne Versorgung mitten in der Pampa bekommen ein Problem. Diese „irdischen“ Sorgen erkennen die Jünger Jesu und sprechen ihn darauf an. Jesus könnte ganz leicht ihren Vorschlag annehmen, die Menschen in die umliegenden Dörfer zu schicken, doch er hat noch eine wichtige Lektion zu erteilen. Deshalb sagt er diesen bedeutungsvollen Satz „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Das heißt natürlich zuerst wörtlich „versorgt die Hungrigen“. Das ist aber für die Jünger gar nicht machbar, da sie weder die nötige Nahrung noch das Geld haben. Sie haben nur fünf Brote und zwei Fische. Jesus bittet die Menschen, sich ins Gras zu setzen. Das Verb ἀνακλίνω anaklino wird dabei verwendet, was u.a. „sich zu Tisch legen“ bedeutet. Was hier also geschieht, ist eine Vorwegnahme des letzten Abendmahls! Es ist eine Heranführung an die Eucharistie, aber zugleich an das ewige Leben, das er sie lange gelehrt hat: Das Freudenmahl, das sie nach dem Tod erwartet – die Hochzeit des Lammes!
Dann geht Jesus so vor, wie er es immer wieder tut, auch gerade beim letzten Abendmahl: Er nimmt das Essen, schaut zum Himmel (Ausrichtung auf den Vater) und dankt ihm dafür. Er sieht das Essen als Gabe Gottes. Er bricht das Brot und gibt es den Jüngern. Das Dankgebet über das Essen ist im Judentum normale Praxis. Was Jesus nun aber tut, ist absolut eucharistisch, denn er teilt dieses eine Brot aus. Er gibt sich selbst den Menschen gleichsam zu essen. Hohepriester und Opfer sind eins. Auch das Einsammeln der übriggebliebenen Stücke wird sich in der Kirche etablieren.
Es ist bemerkenswert, dass die Menschen nicht nur irgendwie gesättigt werden, sondern regelrecht gemästet werden. Hier wird nämlich im Griechischen das Verb χορτάζω  chortazo verwendet, was „mästen“ bedeutet. Wenn Gott gibt, dann immer im Überfluss! Diese Episode beweist erneut, dass wir vom Vater „Gnade über Gnade“ bekommen.
Jesus hat diese wunderbare Speise nicht in erster Linie vorgenommen, weil die Menschen Hunger hatten, sondern weil er auf die geistige Speise, auf die Eucharistie vorbereiten will.
Jesus geht es natürlich auch um das leibliche Wohl, aber er möchte die Menschen in erster Linie innerlich stärken. Er möchte, dass wir alle in Ewigkeit leben können. Die Menschen sind zu einem abgelegenen Ort gekommen, um Jesus zu hören. Ihnen geht es heute wirklich zuerst um das Reich Gottes. Und ihnen wird auch alles andere dazu gegeben – mehr als genug! So soll es auch bei uns sein. Uns muss es zunächst um das ewige Leben gehen, auch wenn wir das leibliche Wohl nicht vernachlässigen sollen. Gott wird sich darum kümmern, dass dies nicht passiert. Wir sollen auch unsere Kinder so erziehen. Dann sind auch wir gute Hirten: Es geht nicht nur darum, ihnen ein gutes materielles Leben zu bescheren, nicht nur darum, ihre körperliche Gesundheit zu garantieren, eine gute Bildung und ein luxuriöses Leben. Wir sollen uns in erster Linie darum kümmern, dass sie das ewige Leben haben. Bringen wir ihnen bei, wie das gelingen kann, indem wir ihnen das Evangelium vorleben, indem wir ihnen die Liebe vorleben, die Gott uns geschenkt hat. Alles andere ist auch wichtig und Gott wird immer dafür sorgen, dass wir und unsere Familien genug haben, wenn wir uns aufrichtig um sein Reich bemühen.
So muss es auch in der Pastoral sein: Es muss zuerst um Jesus gehen. Es muss um sein Reich und um seine Liebe gehen. Es muss das höchste Ziel sein, die Menschen zu Jesus zu führen und ihnen das ewige Leben zu ermöglichen. Wie? Durch die Ermöglichung der Heilsmittel, der Sakramente und Sakramentalien. Dafür brauchen die Menschen unbedingt die Geistlichen. Sie ermöglichen den Menschen das ewige Leben auch durch die Verkündigung des Evangeliums. Die Menschen müssen schließlich wissen, was die Gebote Gottes sind. Die Menschen müssen die Nächstenliebe aus der Gottesliebe auch vorgelebt bekommen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie das konkret aussieht. Daraus ergeben sich die drei kirchlichen Vollzüge der Leiturgia, Martyria und Diakonia.

Gott tränkt und nährt uns körperlich und seelisch. Das ist sein Wesen. Er ist so gut und nichts Böses ist in ihm.

Ihre Magstrauss

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