Freitag der 19. Woche im Jahreskreis

Ez 16,1-15.60.63 oder Ez 16,59-63; Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Mt 19,3-12

Ez 16
1 Das Wort des HERRN erging an mich:

2 Menschensohn, mach Jerusalem ihre Gräueltaten bekannt
3 und sage: So spricht GOTT, der Herr, zu Jerusalem: Deiner Herkunft und deiner Geburt nach bist du aus dem Land der Kanaaniter. Dein Vater ist ein Amoriter und deine Mutter eine Hetiterin.
4 Bei deiner Geburt, am Tag, als du geboren wurdest, wurde deine Nabelschnur nicht abgeschnitten, du wurdest zur Reinigung nicht mit Wasser abgewaschen, nicht mit Salz eingerieben, nicht in Windeln gewickelt.
5 Kein Auge zeigte dir Mitleid, um dir eines von diesen Dingen zu tun, um sich deiner zu erbarmen, sondern du wurdest auf das freie Feld hingeworfen, weil man dich verabscheute am Tag, an dem du geboren wurdest.
6 Da kam ich an dir vorüber und sah dich in deinem Blut strampeln; und ich sagte zu dir in deinem Blut: Bleib am Leben! Ich sagte zu dir: In deinem Blut, bleib am Leben!
7 Wie eine Blume auf dem Feld ließ ich dich wachsen. Und du bist herangewachsen, bist groß geworden und herrlich aufgeblüht: Deine Brüste wurden fest; dein Haar begann zu sprießen. Doch du warst nackt und bloß.
8 Da kam ich an dir vorüber und sah dich und siehe, deine Zeit war da, die Zeit der Liebe. Ich breitete den Saum meines Gewandes über dich und bedeckte deine Blöße. Ich leistete dir den Eid und ging mit dir einen Bund ein – Spruch GOTTES, des Herrn – und du wurdest mein.
9 Dann wusch ich dich mit Wasser, spülte dein Blut von dir ab und salbte dich mit Öl.
10 Ich kleidete dich in bunte Gewänder, zog dir Schuhe aus Tahasch-Leder an, band dir Byssus um und hüllte dich in Seide.
11 Ich schmückte dich mit Schmuck, legte dir Spangen an die Arme und eine Kette um den Hals.
12 Ich gab einen Ring an deine Nase, Ohrringe an deine Ohren und eine herrliche Krone auf dein Haupt.
13 Mit Gold und Silber konntest du dich schmücken, aus Byssus, Seide und buntem Gewebe war dein Gewand. Feinmehl, Honig und Öl aßest du. So wurdest du überaus schön, du wurdest tauglich zu königlicher Herrschaft.
14 Der Ruf deiner Schönheit drang zu den Völkern hinaus, denn sie war vollkommen durch meinen Schmuck, den ich dir anlegte – Spruch GOTTES, des Herrn.
15 Doch dann hast du dich auf deine Schönheit verlassen, du hurtest in deinem Ruhm und hast mit deiner Hurerei jeden überschüttet, der vorbeiging, ihm wurde sie zuteil.
60 Ich aber, ich werde meines Bundes mit dir aus den Tagen deiner Jugend gedenken, und ich werde einen ewigen Bund für dich aufrichten.
63 So sollst du gedenken, sollst dich schämen und wirst vor Scham den Mund nicht mehr öffnen können, weil ich dir Versöhnung gewähre für alles, was du getan hast – Spruch GOTTES, des Herrn.

Heute hören wir einen Abschnitt aus dem Buch Ezechiel, bei dem der Prophet der treulosen Braut Jerusalem vorwurfsvolle Worte Gottes übermitteln soll.
Gott selbst spricht zu seiner ehebrecherischen Braut, dass sie eigentlich von ihrer Herkunft an Kanaaniterin sei, Kind eines Amoriters und einer Hetiterin. Ihre ganze Herkunft sei unrein, denn weder ihre Nabelschnur wurde abgetrennt, noch wurde sie gewaschen oder gewickelt. Jerusalem ist ja kein Mensch, geschweige denn geboren worden. Das sind Bilder für einen bestimmten Sachverhalt. Hier geht es um die Urbevölkerung der Stadt, die sich aus der Trias Kanaaniter, Amoriter und Hethiter zusammensetzt. Diese Dreiernennung findet sich in verschiedenen Völkerkatalogen des Alten Testaments, z.B. Ex 3, Ex 33 und Dtn 20. Es ist also tatsächlich „Kind“ dieser Völkergruppen. Doch es ist kein Wunschkind. Es ist verlassen worden auf freiem Feld, weder in Liebe geborgen noch anerkannt worden.
Doch dann hat Gott Jerusalem entdeckt und ihr das Leben gerettet, ein Kind, das beinahe gestorben wäre. Wir können diese Ausführungen womöglich auf seine moralische Verderbnis beziehen, in die es durch die „Verwahrlosung“ ihrer Eltern geraten ist. Gott aber ließ Jerusalem wie eine Blume wachsen. Er verhalf dem Baby zur Reife einer erwachsenen Frau. Und doch war sie „nackt und bloß“. Das heißt, dass sie ausgeliefert und ehrenlos war. Doch Gott erbarmte sich ihrer und breitete den Saum seines Gewandes über sie, um ihr die Ehre zu schenken, die sie nicht hatte. Er ging den Bund mit ihr ein, was sich auf den Bundesschluss mit Israel bezieht, das die Stadt zum Sitz ihres Königs gemacht hatte. Wir denken vor allem an den großen König David. So ist die „herrliche Krone“ ein Hinweis auf die königliche Bedeutung Jerusalems. Gott schmückte sie mit Gold und Silber, Bysus, Seide und buntem Gewebe. Er stattete sie aus mit Feinmehl, Honig und Öl. Die Pracht der Regierungszeit Salomos kristallisiert sich heraus. Die einst ehrenlose nackte Frau ist zur wunderschönen Braut Gottes geworden, der große Ehre zuteil geworden ist. Selbst die Königin des Südens hat ihre Pracht und Schönheit anerkannt („Der Ruf deiner Schönheit drang zu den Völkern hinaus“ ist ein deutlicher Hinweis darauf).
Doch dann kam die Wende. Die überaus schöne und ehrenvolle Braut Gottes begann, die Ehe zu brechen und sich mit Anderen herumzutreiben. Sie verkaufte sich an jeden, „der vorbeiging“. Alles, was Gott für das einst verlassene Baby auf dem freien Feld getan hat, vom ehrenlosen Wesen hin zur allseits verehrten königlichen Braut, hat sie vergessen. Sie ist undankbar geworden und hat ihre Ehre freiwillig auf den Müll geworfen.
Und doch wird Gott sie nicht aufgeben, sondern sich des Bundes erinnern, den er geschlossen hat in ihren jungen Jahren. Ja, Gott selbst spricht zu Jerusalem: „Ich werde einen ewigen Bund für dich aufrichten.“ Gott ist treu und egal, wie sehr seine geliebte Braut ihn verletzt, er wird sie nicht verlassen. Es ist sogar so, dass Gottes absolute Barmherzigkeit die untreue und undankbare Braut beschämen soll: „So sollst du gedenken, sollst dich schämen und wirst vor Scham den Mund nicht mehr öffnen können, weil ich dir Versöhnung gewähre für alles, was du getan hast.“
In meinem Bekanntenkreis gibt und gab es viele Menschen, die solche Dinge gesagt haben wie: „Wenn ich sterbe und vor Gott trete, werde ich mit ihm schimpfen für dies und das.“ Oder: „Dann werde ich ihn fragen: Warum hast du dies und das zugelassen.“ Oder: „Dann werde ich ihm heftige Vorwürfe machen!“ Mein Gedanke dabei ist dann immer: Glaubst du, dass wenn du vor den Allmächtigen trittst und ihn schaust, wie er ist, noch irgendein Wörtchen aus deinem Mund kommt? Du wirst zittern vor seiner Herrlichkeit und vor Scham im Boden versinken, weil du all deine Sünden sehen wirst. Da werden dir dein Warum und deine Vorwürfe aber ganz schnell vergehen…Das habe ich natürlich nur gedacht und für diese Menschen gebetet. Ezechiel weist uns heute darauf hin, dass Gottes brennende Liebe und Vergebungsbereitschaft für uns ganz schmerzhaft sein werden, weil unser Gewissen wie Feuer brennen wird, unsere Scham uns gleichsam zerfressen wird und unsere Reue über uns hereinbrechen wird, wie ein heftiger Brand.
Gottes Vergebungsbereitschaft ist unendlich groß. Er hat für Jerusalem alles getan, er hat auch für uns alles gegeben, bis auf den letzten Blutstropfen am Kreuz. Und doch sind wir Menschen undankbar und beleidigen ihn mit jeder Sünde. Doch Gott verlässt uns nicht. Er vergibt uns auch dann unsere Schuld. Das ist das Wesen Gottes.

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil.

3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils.
4 Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben!
5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort beten wir diesmal keinen Psalm, sondern ein Danklied aus dem Buch Jesaja. Es geht um den Dank der Geretteten vom Zion aus. Es ist kein Danklied, das bereits von jemandem gesungen worden ist, sondern das zukünftig gesungen wird (Vers 1: „An jenem Tag wirst du sagen“). Es hängt zusammen mit der messianischen Verheißung von Jes 11, die vom Spross aus der Wurzel Isais spricht. Was zur Zeit des Jesaja noch aussteht, erfüllt sich mit dem kommenden Messias. Mit Blick auf die Lesung müssen wir sagen: Es handelt sich um das Danklied Jerusalems, das gerettet worden ist, obwohl es das nicht verdient hat.
„Siehe, Gott ist mein Heil“. Das kann man wortwörtlich sagen, weil יְשׁוּעָתִ֛י jeschuati „mein Heil“ den Namen Jesu umfasst. Er wird Mensch, um unter uns zu leben! Und weil er so weit geht, nur um uns zu retten, können wir ganz vertrauen. Wir brauchen keine Angst zu haben, so wie Maria ohne Angst alles Gott anvertraut hat. Auch das Volk Israel kann aus Erfahrung sagen, dass Gott es aus der Misere herausgeholt hat, schon aus dem Exil, dann aber auch durch den Messias. Gott war stets Stärke und Lied seiner Braut Israel. Er hat ihr den Rücken gestärkt im Krieg und in der Versuchung. Die Lieder, die David gedichtet haben, sind vom Hl. Geist selbst inspiriert und dadurch eine gesalbte Musik. Maria als Repräsentantin der Braut Israel sowie als Tochter Zion hat Gott ihr Lied gesungen im Magnificat und in der ungewissen Situation der Schwangerschaft Gottes Rückendeckung erfahren. Mit ihr zusammen kann das Volk Gottes des neuen Bundes diese Worte sprechen, denn durch den Kreuzestod hat er das Heil aller Menschen erwirkt!
Das freudige Schöpfen von Wasser aus den Quellen des Heils wird demnach schon im Buch Jesaja nicht nur wörtlich verstanden. Es handelt sich um das lebendige Wasser, das von Gott kommt und Totes wiederbelebt. Es handelt sich um ein Bild für den Heiligen Geist. Allegorisch verstanden handelt es sich dabei um das Wasser der Taufe, durch das der Mensch zum ewigen Leben wiedergeboren wird. Es ist derselbe Geist, der die Auferstehung Jesu Christi bewirkt hat. Es ist derselbe Geist, durch den wir die Vergebung der Sünden auch nach unserer Taufe erhalten, wenn wir beichten. Und es ist der Geist, der die neue Schöpfung am Ende der Zeiten bewirken wird. Mit ihm ist die Freude verbunden. Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes und deshalb wird die Ewigkeit ein einziges Freudenmahl sein.
Gott hat an den Israeliten schon so viel Gutes bewirkt. Es ist schon jeden Lobpreis wert. In Vers 4 lesen wir einen regelrechten Missionsauftrag. Was Gott an uns Gutes getan hat, muss weitererzählt werden bei den umliegenden Völkern. Freude muss geteilt werden! Und durch die Verkündigung des Namens Gottes werden auch die anderen Völker zum Glauben an diesen Gott des Heils kommen.
Auch Vers 5 ist in dieser Linie zu lesen. Gottes Heilstaten ziehen als einzig angemessene Reaktion den Gesang für Gott nach sich. Die ganze Erde möge von diesem Gott erfahren! Es erinnert uns sehr an die Worte Jesu vor seiner Himmelfahrt. Die Apostel sollen in die ganze Welt hinausgehen und alle Menschen zu seinen Jüngern machen. Dieser Sendungsauftrag hat somit eine lange Vorgeschichte!
Zum Schluss erfolgt ein weiterer Lobpreisaufruf, denn Gott in ihrer Mitte ist groß. Die „Bewohner Zions“ können unterschiedlich ausgelegt werden. Es meint wörtlich zunächst die Bewohner Jerusalems zur Zeit dieser Prophezeiung. Es sind die Verschleppten im Exil, die aus ihrer Misere befreit werden. Zugleich betrachten wir es tiefer und erkennen die Bewohner Zions zur Zeit Jesu. Er ist wahrlich Gott in ihrer Mitte. Wenn er real bei ihnen ist, ist der Bräutigam zur Braut gekommen. Das kann keine Trauerzeit sein, sondern ist Grund zur Freude! Der Tempel ist noch da, aber bald ist er zerstört. Gott ist dann aber in eucharistischer Form in ihrer Mitte – bis heute! „Zion“ ist dann nicht mehr das in Trümmern liegende Jerusalem, das durch die Römer zerstört worden ist, sondern die Kirche. Sie ist der Bau, der aus lebendigen Steinen besteht – die Gemeinschaft der Gläubigen. In ihrer Mitte ist Christus real gegenwärtig in den eucharistischen Gestalten. Wir sehen ihn nicht mehr als Menschen, doch er ist genauso präsent wie damals. Wenn uns dies einmal bewusst wird, können wir nicht mehr anders als in der Heiligen Messe voller Lobpreis im Herzen und auf den Lippen zu verweilen. Eucharistie ist Danksagung. Wir preisen in der Messe Gott für seine Heilstaten auf intensivste Weise. Und wenn wir im Stand der Gnade sind, wohnt Gott mitten in uns. Er nimmt Wohnung in unserer Seele, wenn wir getauft werden. Bemühen wir uns, diesen inneren Tempel nicht zu verunreinigen, und preisen wir den Herrn Tag für Tag! Tun wir dies nicht nur mit unseren Lippen, sondern führen wir ein entsprechendes Leben! Dann sind wir wirklich eine treue und makellose Braut, als die er uns durch den Bundesschluss angenommen hat.

Mt 19
3 Da kamen Pharisäer zu ihm, um ihn zu versuchen, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?

4 Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang männlich und weiblich erschaffen hat
5 und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein?
6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
7 Sie sagten zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, der Frau eine Scheidungsurkunde zu geben und sie aus der Ehe zu entlassen?
8 Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch gestattet, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.
9 Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.
10 Da sagten seine Jünger zu ihm: Wenn das Verhältnis des Mannes zur Frau so ist, dann ist es nicht gut zu heiraten.
11 Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist.
12 Denn manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer es erfassen kann, der erfasse es.

Im Evangelium geht es ebenfalls um Braut und Bräutigam, Treue und Unauflöslichkeit des Ehebundes. Diesmal hören wir von einer Intrige, auf die Jesus nicht hereinfällt. Die Pharisäer wollen ihn auf die Probe stellen und ihn dazu provozieren, gegen Mose zu sprechen. Sie fragen Jesus: „Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?“ Mose hat es erlaubt, wenn „sie ihm dann aber nicht gefällt“ (Dtn 24,1). Wenn Jesus also mit Nein antwortet, würde er sich dadurch gegen Mose auflehnen. Jesus antwortet aber ganz im rabbinischen Stil mit einer Gegenfrage: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang männlich und weiblich erschaffen hat…?“ Jesus verlässt die juristische Ebene der Pharisäer-Frage und hebt die Diskussion auf die Ebene des göttlichen Rechts. Nicht das, was Mose erlaubt hat, ist das Höchste der Gefühle, sondern was Gott von Anfang an geboten hat. Und er hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen und dann zu dem ersten Menschenpaar gesagt: „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.“ Das zitiert er, um auf die Pointe hinzuführen: Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Die Ehe ist unauflöslich, weil sie die Liebe Gottes widerspiegelt. Und wie Gottes Liebe ist, das haben wir heute in der Lesung sowie im Jesajagesang gehört: Sie ist ewig und unerschöpflich. Selbst wenn seine Braut ihn immer wieder betrügt, bleibt er ihr treu und vergibt ihr immer wieder. Das ist die göttliche Liebe, die das Ehepaar reflektieren muss. So wollte es Gott höchstpersönlich. Kein Mensch kann das antasten, selbst wenn er wollte.
Die Pharisäer lassen nicht locker und rechtfertigen ihre Frage mit Berufung auf die große Heilsgestalt Mose: „Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, der Frau eine Scheidungsurkunde zu geben und sie aus der Ehe zu entlassen?“ Daraufhin sagt Jesus klipp und klar, dass Mose dies nur wegen der Hartherzigkeit der Israeliten das zugelassen hat, obwohl es am Anfang nicht so war. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es zur Zeit Jesu in der Auslegung der Torah die Tendenz gab, zwischen Mose und Mose zu unterscheiden. Das heißt man setzte unterschiedliche Prioritäten innerhalb der fünf Bücher Mose, weil man annahm, dass die Zehn Gebote, die Gott vom Sinai aus gab das Höchste sei. Nach der Anbetung des goldenen Kalbs zerbrach Mose diese ja und erhielt neue, musste dann aber wegen der unverständigen Israeliten noch weitere Gesetze veranlassen, zu denen z.B. dieser Kompromiss der Scheidungsurkunde gehört. Aber Gottes Gebote sind das Allerhöchste und somit allem vorzuziehen. Was Gott Adam und Eva angeordnet hat, ist also das Höchste und gilt schon längt, bevor es die Zehn Gebote gibt. Jesus argumentiert also auf Basis dieser Auslegung der Torah. Deshalb schließt er daraus, dass ein Mann, der sich von seiner Frau scheiden lässt und eine andere heiratet, Ehebruch begeht. Dieser Vers muss richtig verstanden werden, weil die Einheitsübersetzung unglücklich ist: „Obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt“ steht im Griechischen nicht. Dort heißt es „außer bei Unzucht“. An anderer Stelle heißt es sogar, dass der Mann die Frau zur Ehebrecherin mache, wenn er sich von ihr scheiden lasse. Was hat das alles zu bedeuten? Die Ehe ist trotz Scheidung weiterhin wirksam und wenn man sie aus der Ehe entlässt, wird sie keine Mittel haben, selbstständig weiterzuleben. Sie wird gezwungen sein, einen anderen Mann zu heiraten und das wäre dann Ehebruch. Man liefert sie also dem Ehebruch aus. Es heißt „außer im Fall von Unzucht“, weil es den Fall anspricht, wo die Frau bereits Unzucht begangen hat. Dann ist nicht der Mann der Auslieferer in den Ehebruch, sondern sie hat es selbst aktiv getan. Man darf aus dieser Bibelstelle auf keinen Fall schließen, dass Jesus eine Scheidung bei Ehebruch erlaube. Die Ehe ist unauflöslich und eben nicht auflösbar unter irgendwelchen Bedingungen. Das entspricht nicht dem Wesen Gottes, dessen Liebe und Treue ewig und unauflöslich ist, wie gesagt.
Jesu Worte sind kompromisslos und schwer verdaulich. Deshalb sagen seine Jünger auch: „Wenn das Verhältnis des Mannes zur Frau so ist, dann ist es nicht gut zu heiraten.“ Vielleicht ist diese Aussage aber auch nicht auf das von Christus geforderte Verhalten zu beziehen, sondern auf den Mann, der sich von der Frau aus Gründen scheiden lässt, die total subjektiv und ungerechtfertigt sind (Dtn 24 „weil sie ihm nicht mehr gefällt“). Eines ist klar – die Ehe ist nicht für jeden etwas. Und deshalb sagt Jesus auch: „Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist.“ Zur Ehe muss man berufen sein. Das ist eine ganz große Verantwortung und ein großes Versprechen, das man abgibt. Viel zu viele Brautleute geben bis heute leichtfertig ihr Ehegelübde vor dem Traualtar ab, doch begreifen gar nicht, worauf sie sich einlassen. Sie heiraten vielleicht gar nicht den Partner, den Gott für sie bereitet haben. Sie werden unglücklich, weil sie mit dem Kopf durch die Wand rennen wollten. Jesus geht noch weiter und sagt, dass es auch Menschen gibt, die entweder von Anfang an gar nicht zur Ehe fähig sind – und das betrifft die verschiedenen Bereiche des Lebens, nicht nur die körperliche Unfähigkeit im Sinne der Impotenz (diese ist ein Ehehindernis im Gegensatz zur Unfruchtbarkeit). Es kann auch die psychische Reife meinen oder das charakterliche Unvermögen. Und dann gibt es Menschen, die sich freiwillig zu Eunuchen machen, das heißt die zölibatär Leben um des Himmelreiches willen. Das sind jene, die eine geistliche Berufung haben und mit einem Bein bereits in der Ewigkeit leben. Es gibt auch jene, die von den Menschen dazu gemacht worden sind. Dieser Fall ist zu jeder Zeit in jeder Kultur bekannt. Darauf muss ich nicht genauer eingehen.
Was Jesus hier erklären möchte, ist nicht einfach. Viele erfassen es eben nicht, was er sagt, vor allem in einer jüdischen Gesellschaft, in der es undenkbar ist, ehelos zu sein. Jeder Mann muss bis zu seinem 20. Lebensjahr verheiratet sein. Ehelose um des Himmelreiches willen werden demnach verlacht. Jesus und seine Jünger sind offensichtlich als Eunuchen beschimpft worden und gelten nicht als volle männliche Wesen. Umso revolutionärer sind Jesu Worte hier, dass die Ehe nicht ein Gut ist, auf das jeder so oft und auf welche Weise auch immer ein Recht hat. Sie ist Sakrament und von Gott selbst gestiftet. Sie spiegelt seine ewige Liebe und Treue wider, das heißt auch, dass wenn Mann und Frau eins sind, Gott der dritte im Bunde ist, er mitten unter ihnen ist. Das ist eine große Verantwortung und auch manchmal eine Bürde, die lebenslang zu tragen ist.

Ihre Magstrauss

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