Mariä Aufnahme in den Himmel (Hochfest)

Offb 11,19a; 12,1-6a.10ab; Ps 45,11-12.16 u. 18; 1 Kor 15,20-27a; Lk 1,39-56

Offb 11-12
19 Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar:
1 Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.

2 Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
3 Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
4 Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.
5 Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt.
6 Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte;
10 Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.

Heute feiern wir das Hochfest der mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria, im Volksmund auch „Mariä Himmelfahrt“ genannt. Dieses Fest ist ein ganz ganz großes Hoffnungszeichen für uns alle, die wir getauft sind. Weil dieses Fest, das schon mindestens seit dem 5. Jh. gefeiert wird, erst im 20. Jh. eine Dogmatisierung erfahren hat, wird es von vielen Menschen gehasst. Besonders laut erklingt der Vorwurf einer unbiblischen Hinzudichtung. Doch anhand der heutigen Lesungen möchte ich Ihnen gerne aufzeigen, wie zutiefst biblisch das Fest ist und Maria heilsgeschichtliche Bedeutung viel weiter zurückreicht. Nachdem wir alles gelesen und betrachtet haben, werden wir nicht umhin können, als Marias Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele als einzige logische Konsequenz anzunehmen.
Als erste Lesung hören wir aus der Johannesoffenbarung die wunderbare Vision der Himmelsfrau. Ganz bewusst wird der letzte Vers aus Kapitel 11 hinzugenommen, da er zum himmlischen Zeichen des 12. Kapitels dazugehört. Dort öffnet sich der Tempel Gottes im Himmel, dessen „Kultpraxis“ der Visionär immer wieder schaut. Und plötzlich sieht er die Bundeslade. Wie spannend muss das für ihn gewesen sein, werden sich die Judenchristen gefragt haben, die die Johannesoffenbarung gehört haben. Denn die Bundeslade ist seit Jahrhunderten verschollen, im letzten Tempel von Jerusalem war das Allerheiligste leer gewesen. Und nun ist sie im Himmel wieder aufgetaucht! Oder doch nicht? Denn so endet das Kapitel und setzt direkt ein mit dem Zeichen der Frau. Und so werden wir zu einer ganz anderen Bundeslade geführt. Hier geht es nicht mehr um die Lade des Alten Bundes, die mit ganz viel Gold verarbeitet und auf der Platte mit Cherubimfiguren ausgestattet ist. Hier geht es nun um die Lade des Neuen Bundes, die Maria ist. Als neue Bundeslade ist sie schon von der ganz frühen Christenheit betrachtet worden. In die alte Bundeslade hat man die Tafeln der Zehn Gebote hineingelegt, die Mose auf dem Sinai von Gott erhalten hat. In die neue Bundeslade ist das Wort Gottes nun nicht mehr auf steinernen Tafeln, sondern als Mensch hineingelegt worden! Wer die alte Bundeslade berührt hat, musste auf der Stelle sterben. Und auch die neue Bundeslade ist so heilig, dass sie unberührt bleibt – in Form eines Jungfräulichkeitsgelübdes, das die Eltern für das Kind abgelegt haben. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Bundeslade, die Johannes im himmlischen Tempel sieht, ist Maria, die er direkt im Anschluss schildert. Und diese Vision fasst zusammen, welche heilsgeschichtliche Bedeutung Maria zukommt. In ihr fließen alle Betrachtungen zusammen, die die Kirchenväter von Anfang an bezüglich Maria unternommen haben:
Sie ist ein großes Zeichen. Ihre Herrlichkeit wird verglichen mit kosmischen Phänomenen, sodass ihre Kleidung gleichsam die Sonne selbst ist und der Mond sich unter ihren Füßen befindet. Zwölf Sterne schmücken ihren Kopf als Kranz bzw. Krone. Sie wird hier mit Elementen der Schöpfung beschrieben, was uns in die Genesis zurückführt. Sie ist der Antitypos der Eva, was mit einer überragenden Anzahl von Kirchenväterzitaten belegt ist. Der Kranz auf ihrem Haupt kennzeichnet die Frau als Königin. Da dieser aus zwölf Sternen besteht, führt es uns zu den zwölf Stämmen Israels. Sie ist die Königin über die Stämme des neuen Bundes und wird somit zum Antitypos der Batseba, der Mutter Salomos, die zeitlebens auf einem Thron zu seiner Rechten gesessen hat.
Als nächstes sieht Johannes, dass die Frau im Begriff ist, ein Kind zu gebären. Der christliche Leser denkt hier an die Geburt Jesu Christi. Und mit dem typologischen Blick zurück in die Genesis erkennen wir Eva, die im Begriff ist, die Menschheit zu gebären. Sie heißt Eva, was „Mutter der Lebenden“ heißt. Beide Frauen verbindet, dass sie die Mütter der Schöpfung sind – Eva ist die Mutter der ersten Schöpfung, während Maria die Mutter der neuen Schöpfung darstellt.
Und dann sieht Johannes, dass das zu gebärende Kind in Gefahr ist. „Ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen“ ist zu sehen, der die Schöpfung zerstören will und mit seinem Schwanz ein Drittel der Sterne von ihrem Kopf fegt. Er will die Schöpfung Gottes zerstören. Er versuchte es schon damals und schaffte es, die erste Schöpfung zu Fall zu bringen. Er versucht es nun auch mit der neuen Schöpfung, indem er umhergeht wie ein brüllender Löwe. Und dieser Drache steht vor der Frau, um das Kind zu verschlingen, sobald es geboren wird. Er will nicht, dass dieses Kind, die neue Schöpfung, überlebt. Er will auch diese Schöpfung zerstören. Damals schaffte er es, das erste Menschenpaar zur Sünde zu verführen. Auch jetzt würde er alle Hebel in Bewegung setzen, damit das zweite Menschenpaar – diesmal Mutter und Sohn – zu Fall kommen. Dass der Drache die alte Schlange ist, der Satan im Garten Eden, das wird uns dann im 13. Kapitel aufgelöst. Er ist derselbe Widersacher damals und nun auch zur Zeit der Menschwerdung Gottes.
Das Kind wird nun geboren. Es ist ein Sohn, der mit den Worten der Messiasankündigung Jesajas umschrieben wird. Er ist der verheißene Sohn Davids, ein königlicher Herrscher, der die Stämme (die zwölf Sterne auf dem Haupt der Frau!) mit eisernem Zepter leiten wird. Er ist der königliche Messias, den die Welt so sehnlichst erwartet hat! Er ist nicht nur der neue Adam – der Anfang der neuen Schöpfung zusammen mit der Frau, sondern auch der neue König David/Salomo. Er ist der Herrscher über die Stämme des neuen Bundes und sein Reich ist nicht von dieser Welt im Sinne der gefallenen Schöpfung. Ihm kann der Drache nichts anhaben. Er wird zum Thron entrückt. Gemeint ist der Thron Gottes und das führt uns zu seiner eigenen Himmelfahrt. Er ist nicht im Tod geblieben. Der Satan hat verloren. Nun herrscht er an der Seite des Vaters über das ganze Universum.
Die Flucht der Frau in die Wüste ist ein weiterer Hinweis auf die Weihnachtsgeschichte, was uns im Nachhinein erkennen lässt: Dass die heilige Familie bedroht wird und flüchten musste aufgrund der Paranoia des Herodes, ist ein Zeichen des Widersachers. Er ist es, der letztendlich hinter diesen schrecklichen Ereignissen steckt. Er ist es, der Herodes als Werkzeug seiner Zerstörung gebraucht hat, als er all die unschuldigen Kinder in Betlehem hat töten lassen. Das ist die Handschrift des Teufels.
Eine Stimme ruft und deutet somit diese Vision für Johannes: „Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.“ Das Reich Gottes ist angebrochen, denn Jesus Christus ist geboren. Was Johannes hier sieht, ist ein entscheidender heilsgeschichtlicher Wendepunkt. Nun ist die Macht des Satan gebunden, auch wenn ihm noch Spielraum bleibt. Warum er überhaupt auf Erden so viel anrichten kann, wird ab Vers 7 verdeutlicht: Der Böse hat den Platz im Himmel verloren, als er sich gegen Gott aufgelehnt hat. Er ist hinabgestürzt worden auf die Erde. Dort bleibt ihm ein gewisser Einfluss, aber die Zeit ist begrenzt, was ihn wütend macht (Vers 12).
Die Kirche hat von Anfang an diese Vision als marianische Vision gedeutet. Hier wird Maria in allen ihren heilsgeschichtlichen Facetten geschaut. Sie ist die neue Eva, die Mutter des neuen Lebens im Hl. Geist, sie ist die neue Bundeslade, die das fleischgewordene Wort Gottes in sich trägt, sie ist die neue Königsmutter, die an der Seite ihres königlichen Sohnes über die zwölf Stämme des neuen Bundes sitzt.
Und als ganz logische Konsequenz müssen wir daraus schließen: Als neue Eva ist sie wie die erste Frau ohne Sünde geschaffen worden. Der Unterschied: Sie hat die Prüfung bestanden. Der Drache hat sie nicht zu Fall gebracht, sodass sie ohne Sünde geblieben ist! Und das wiederum macht deutlich, warum Johannes Maria im Himmel schaut. Sie ist dort, weil sie nicht gesündigt hat. Und das Entscheidende: So wie wir ja glauben, dass Jesus mit Leib und Seele zum Vater zurückgekehrt ist, müssen wir es auch für Maria annehmen! Das ist es, was wir als Christen im Glaubensbekenntnis beten: Die Auferstehung der Toten am Ende der Zeiten meint eine leibliche Auferstehung. Es wird für uns erst am Ende der Zeiten gelten, weil wir nach wie vor unter den Folgen er Erbsünde leiden, doch jene, die davon ausgenommen sind, dürfen es jetzt schon erleben! Das wird uns Paulus nachher in der zweiten Lesung genauer erklären. Die geschaute Frau ist somit auch Archetyp für die Kirche, die in den Sakramenten und Sakramentalien immer wieder gebiert. Sie ist die Gemeinschaft jener, die bereits zur neuen Schöpfung gehören. Der Sohn, der geboren wird, ist zudem auch weiterzudenken als jeder getaufte Christ, dessen Geburt mit Bedauern vom Bösen geschaut wird und der alles unternimmt, um dieses Kind zu töten. Der Böse versucht jeden Menschen, vor allem jenen, der zu Gott gehört. Wir können die Frau und das Kind auch mit Israel und den Messias erklären: Israel gebiert unter Schmerzen den Messias, denn die vielen Leiden, die es erfährt, münden in die Menschwerdung Gottes, der als Jude aus dem Stamm Juda, als Angehöriger der Sippe Davids geboren wird. All diese Leserichtungen vereinen sich in der marianischen Deutung der Frau, weil Maria Scharnier zwischen dem alten und dem neuen Bund ist, weil sie Tochter Zion und somit Repräsentantin Israels ist, weil sie zugleich Archetyp der Kirche ist.

Ps 45
10 Königstöchter in deinem kostbaren Schmuck, die Gemahlin steht zu deiner Rechten im Glanz von Ofirgold.

11 Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, vergiss dein Volk und dein Vaterhaus!
12 Der König verlangt nach deiner Schönheit; er ist ja dein Herr, wirf dich vor ihm nieder!
16 Sie werden geleitet mit Freude und Jubel, sie kommen in den Palast des Königs.
18 Ich will deinen Namen in Erinnerung rufen von Geschlecht zu Geschlecht; darum werden die Völker dich preisen auf immer und ewig.

Als Antwort auf diese große Vision – ich möchte behaupten eine der größten Visionen der Hl. Schrift! – beten wir Ps 45. Dieser Psalm ist eine perfekte Ergänzung zum königlichen Duktus der in der Lesung geschauten Vision, denn er stellt ein Lied zur Hochzeit des Königs dar!
„Königstöchter in deinem kostbaren Schmuck, die Gemahlin steht zu deiner Rechten im Glanz von Ofirgold.“ Vom Hl. Geist erfüllt sind diese Worte niedergeschrieben worden. Wir sehen den König Israels vor uns, der in den Versen bis Vers 10 in seiner Pracht gepriesen wird. Die Gemahlin an seiner Seite, seine Braut, glänzt vom Gold, mit dem sie geschmückt ist. Wir verknüpfen dieses Bild mit der Himmelsfrau, deren Bekleidung mit der Sonne noch viel mehr glänzt. Denn sie ist an der Seite des himmlischen Königs, nicht einfach des irdischen Königs!
Und ab Vers 11 wird die Frau selbst angesprochen: „Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, vergiss dein Volk und dein Vaterhaus! Der König verlangt nach deiner Schönheit; er ist ja dein Herr, wirf dich vor ihm nieder!“ Die Frau soll sich nun abnabeln, weil sie durch die Eheschließung ein Fleisch mit dem König werden soll. Zugleich soll er ihr Herr sein, sodass sie sich vor ihm niederwerfen soll. Maria hat Jesus nicht geheiratet und doch sind sie ein Menschenpaar, das nicht getrennt werden kann. Maria und Jesus sind geistlich so miteinander verbunden wie kein anderer Mensch mit Jesus verbunden sein kann. Sie ist zwar biologisch gesehen seine Mutter, aber sie ist auch seine Braut im mystischen Sinne. Sie ist der Archetyp der Kirche und macht es uns Christen vor, wie wir mit Christus vereint sein sollen als seine „Braut“. Sie ist seine erste und beste Jüngerin, die ihn Rabbi genannt haben wird und die seinen Worten stets mit ganz großer Offenheit und Gehorsam gelauscht hat. Sie hat alles umgesetzt, was er geboten hat. Darin ist sie wirklich Antitypos der Königsmutter Batseba. Sie war einerseits die Mutter des Königs, andererseits dessen Untertan. So ist sie für uns die Königsmutter, an die wir uns wenden können, denn sie sitzt ihm zur Rechten. Zugleich kommt sie ihm natürlich nicht gleich, sondern betet Christus an so wie wir. Sie ist Mensch, er ist Gott.
Ab Vers 16 wird das Brautpaar in seiner Verbindung betrachtet. Das Paar wird „geleitet mit Freude und Jubel“. Das ist die einzig angemessene Stimmung, denn dieses Menschenpaar hat der gefallenen Schöpfung eine Tür geöffnet. Christus hat die ganze Welt erlöst und Maria haben wir Christus zu verdanken. Durch beide ist die neue Schöpfung im Hl. Geist begründet worden. Der“ Palast des Königs“, in den BEIDE einziehen, ist der himmlische Thronsaal, den die Propheten des Alten und Neuen Testaments geschaut haben. Maria ist so wie Jesus auch zum Vater gegangen und der Jubel durch die himmlischen Heerscharen ist groß! Wir müssen es uns auf der Zunge zergehen lassen: Die Braut wird gepriesen, und zwar „auf immer und ewig“. Das ist es, was Maria dann im Magnificat aufgreift, wenn sie betet: „Siehe, von nun an preisen mich alle Geschlechter.“ Ja, sie ist zu preisen wegen der Gnade, die Gott an ihr erwirkt hat. Und das hat nichts mit Götzendienst zu tun. Sie ist es, deren Name von Geschlecht zu Geschlecht erinnert wird. Was sie getan hat, ist uns allen zum ewigen Heil geworden – den Messias in diese Welt zu bringen.

1 Kor 15
20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.

21 Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten.
22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
23 Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören.
24 Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft entmachtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt.
25 Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.
26 Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod.
27 Denn: Alles hat er seinen Füßen unterworfen.

In der zweiten Lesung hören wir nun von der Auferstehung der Toten, die ich in der ersten Lesung schon angesprochen habe. Paulus erklärt, wie es für uns getaufte Menschen ausgehen wird und was wir im Glaubensbekenntnis beten: Wir alle werden mit Leib und Seele in den Himmel kommen. Woher wir das wissen? „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.“ Er macht den Anfang. Sein Grab ist leer, sein Leichnam ist nicht der Verwesung anheimgefallen, sondern er lebt mit Leib und Seele. Das ist ein Zeichen der neuen Schöpfung. Das ist eine ganz logische Konsequenz seiner Sündenlosigkeit. Dass unsere Seele sich im Tod vom Leib trennt, ist ja Folge der Erbsünde. Er war ohne Sünde und ist somit keine gefallene Schöpfung. Die gefallene Natur aber kann Gottes Herrlichkeit nicht schauen. Wir müssen zu einer neuen Schöpfung neugeboren werden, das erklärte Jesus bereits Nikodemus beim nächtlichen Gespräch mit ihm.
Paulus stellt den Zusammenhang zwischen Adam und Jesus heraus und erklärt darin genau das, was ich mit der gefallenen Natur meinte: Durch den einen Menschen kam der Tod und aus diesem hat der zweite Mensch die Schöpfung geholt, was wir Auferstehung nennen.
Alle werden in Christus lebendig gemacht werden. Bei Gott aber gibt es keine halben Sachen. Und so wird der ganze Mensch in seiner Leib-Seele-Einheit lebendig gemacht. Wäre dem nicht so, müssten wir uns fragen, warum Jesus dann nicht einfach seelisch auferstanden ist.
Paulus erklärt auch die Reihenfolge der Auferstehung: „Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören.“ Man könnte sich jetzt fragen (und das tun die Nichtkatholiken ganz besonders laut, weil sie die marianische Lesart der Hl. Schrift nicht ausstehen können): Warum aber sagt Paulus nichts davon, dass auf Jesus Maria folgt? Das wäre hier doch eine „Steilvorlage“, weil es genau darum geht! Darauf gibt es eine ganz einfache Antwort: Maria lebt noch, als Paulus diesen Brief an die Korinther schreibt. Sie lebt noch etwa zehn Jahre. Da gibt es noch nichts über ihren Tod und ihre Auferstehung zu schreiben.
Und wenn dann auch die Getauften auferstanden sind, kommt das Ende der gefallenen Schöpfung. Gemeint ist, dass alles zerstört wird, auch der Tod. Wir lesen die Ereignisse in der Johannesoffenbarung. Der letzte zu zerstörende Feind ist der Tod selbst.
Aber wie ist das mit der Übergabe der Herrschaft Christi an den Vater zu verstehen? Vater und Sohn sind eins. Diese Bibelstelle wird oft missbraucht, um Jesu Gottheit zu leugnen, da er dem Vater die Herrschaft zurückgeben soll. Die Fragezeichen lösen sich auf, sobald wir verstehen, dass das „Reich“ hier die Zwischenzeit der Kirche meint. Das Reich Gottes ist mit Jesus Christus angebrochen und in der Gemeinschaft der Gläubigen, die sein Leib ist, schon konkret sichtbar. Es ist die sakramentale Phase, in der Christus in den eucharistischen Gestalten gegenwärtig ist. Und mit der Durchsetzung des Gottesreiches, der Entmachtung des Bösen und der Offenbarung Gottes in der ganzen Welt brauchen wir den Schleier des Sakraments nicht mehr. Dann übergibt der Sohn seine Kirche, seinen Leib dem Vater. Dann beginnt die Ewigkeit. Christus hat in seiner Kirche geherrscht, bis alle Feinde unter dessen Füße gelegt worden sind. Der Satan mit seinem Heer ist diese Feindesmacht, die auf Erden ja noch Einfluss hat. Der letzte Vers ist ein Zitat aus dem Alten Testament, das Jesus selbst auch im Matthäusevangelium aufgreift (Dan 7,14; Ps 8,6; Mt 11,27; 28,18). Jesus ist der König des Gottesreiches, das schon angebrochen, am Ende der Zeiten aber offenbar werden wird.

Lk 1
39 In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.

40 Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
41 Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
42 und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45 Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
46 Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
48 Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
49 Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
50 Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
51 Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
52 er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
55 das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
56 Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Alles, was wir bisher gehört haben, läuft auf das heutige Evangelium hinaus: Maria besucht ihre Verwandte Elisabet, die ja im sechsten Monat schwanger mit Johannes dem Täufer ist.
Als Maria ins Haus kommt und Elisabet begrüßt, hüpft das Kind in ihrem Leib. Elisabet wird vom Heiligen Geist erfüllt und tut das, zu dem auch der Psalm schon auffordert: Sie unternimmt einen Lobpreis. Dabei segnet sie Maria, die sie als die Muttergottes erkennt. Es ist bemerkenswert, dass sie sich selbst niedriger einstuft als Maria („Wer bin ich…“). Das ist insofern besonders, als sie nach jüdischer Vorstellung eigentlich höher steht. Sie ist ja älter als Maria. Sie erkennt jenseits biologischer Gesetze den übernatürlichen Status. Elisabet beginnt den Lobpreis, nachdem sie gemerkt hat, dass ihr ungeborenes Kind den Messias preist. Das heißt, dass ein ungeborener Mensch der erste ist, der den Messias erkennt! Wie kann man da noch sagen, dass Johannes der Täufer noch kein Mensch ist? Elisabet erkennt dadurch, dass Maria selbst ein Kind erwartet. Das ist bis dahin noch keinem bekannt gewesen.
Jesus kehrt in das Haus des Zacharias ein, auch wenn er noch nicht geboren ist. Das erkennt schon das andere ungeborene Kind. Es kommt noch besser. Im Hohelied gibt es eine Textstelle, in der es heißt, der Geliebte „springt über die Berge und hüpft über die Hügel“ (Hld 2,8). Maria geht ins Bergland von Judäa, um ihre Verwandte zu besuchen. Sie bringt den „Geliebten“ tatsächlich in die Berge und Hügel! Sie ist ganz kostbar und verdient den Lobpreis Elisabets deshalb, weil sie Trägerin des Wortes Gottes ist. Darin ist sie wirklich die Bundeslade des neuen Bundes. Von ihr aus geht die Herrlichkeit Gottes aus. Es handelt sich gleichsam um das erste Fronleichnamsfest, denn das Allerheiligste wird in der ersten Monstranz zu den Menschen gebracht.
Elisabet erkennt, dass die Personifikation der Tochter Zion ihre Verwandte Maria ist. Sie ist ganz anders als alle anderen Frauen. Sie trägt kein normales Kind unter ihrem Herzen, sondern den Messias, Gott den HERRN. Sie erkennt Marias Glauben an die gute Vorsehung Gottes. Sie erkennt, dass Maria wirklich darauf vertraut hat, dass Gottes Ratschluss immer auf das Heil hinausgeht und dass Gott sein Versprechen hält.
Was wir heute nicht mehr hören, was sich aber an Elisabets Worte anschließt, ist das Magnificat. Maria, die Tochter Zion, preist Gott mit Worten der Heiligen Schrift für die großen Taten, die er seinem ganzen Volk erwiesen hat. Sie betet stellvertretend für das ganze Volk, wodurch ihre Identität als Tochter Zion ganz und gar offenbar wird. So schließt sich der Kreis mit der Johannesoffenbarung. Das große Zeichen am Himmel, Maria als die Tochter Zion und Repräsentantin des ganzen Volkes Israel bringt den Messias hervor, der die ganze Welt erlöst. Keine gewöhnliche Frau kann dies vollbringen. Sie ist auserwählt und vorbereitet worden. Sie muss eine makellose Braut sein.
Und als solche ist sie gestorben. Sie hat schon das erfahren dürfen, was uns am Ende der Zeiten erwartet: Die leibliche Auferstehung. Wenn wir auf sie schauen und heute dieses Ereignisses gedenken, dann stärkt dieses zweite Ostern unsere Hoffnung, dem ersten Menschenpaar bald nachzufolgen.

Ihre Magstrauss

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