Mittwoch der 22. Woche im Jahreskreis

1 Kor 3,1-9; Ps 33,12-13.14-15.20-21; Lk 4,38-44

1 Kor 3
1 Vor euch, Brüder und Schwestern, konnte ich aber nicht wie vor Geisterfüllten reden; ihr wart noch irdisch eingestellt, unmündige Kinder in Christus.
2 Milch gab ich euch zu trinken statt fester Speise; denn diese konntet ihr noch nicht vertragen. Ihr könnt es aber auch jetzt noch nicht;
3 denn ihr seid immer noch irdisch eingestellt. Oder seid ihr nicht irdisch eingestellt, handelt ihr nicht sehr menschlich, wenn Eifersucht und Streit unter euch herrschen?
4 Denn wenn einer sagt: Ich halte zu Paulus!, ein anderer: Ich zu Apollos!, urteilt ihr da nicht zu menschlich?
5 Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Diener, durch die ihr zum Glauben gekommen seid, und jeder, wie der Herr es ihm gegeben hat:
6 Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen.
7 So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt.
8 Wer pflanzt und wer begießt: Beide sind eins, jeder aber erhält seinen eigenen Lohn entsprechend seiner Mühe.
9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau.

In der Lesung hören wir heute verschiedene Metaphern für die Kirche Gottes und Andeutungen einer angeblichen Rivalität zwischen Paulus und Apollos. Zunächst erklärt Paulus, dass die Menschen in ihrem religiösen Fassungsvermögen wachsen müssen. So ist es am Anfang für Paulus gewesen, als habe er den Korinthern Milch statt fester Nahrung gegeben. Das ist bildlich gemeint für das Maß an Input, das er ihnen zumuten konnte. Den Korinthern fehlten die Grundlagen, so musste er wirklich bei Null anfangen. Hier geht es aber nicht nur um Wissen, sondern vor allem um die Einstellung, die noch gar nicht auf die Ewigkeit ausgerichtet war. Er sagt: „Ihr wart noch irdisch eingestellt, unmündige Kinder in Christus.“ Hier ist die Unmündigkeit und Kindlichkeit kein erstrebenswertes Ziel oder sogar die Voraussetzung zum Reich Gottes, wie er es öfters formuliert hat. Vielmehr meint er damit den Anfangszustand, den es zu überwinden gilt. Die sehr irdische Haltung der Korinther führt er ein wenig konkreter aus, wenn er sündige Haltungen aufzählt, die zu einer irdischen Einstellung zählen: Eifersucht und Streit. Er kommt zu einer solchen falschen Haltung zu sprechen, weil er zuvor die absolute Gegensätzlichkeit von göttlicher und weltlicher Weisheit herausgestellt hat. Nun verdeutlicht er, dass die Korinther längst noch nicht so weit sind, ganz von der Weisheit Gottes vereinnahmt zu sein. Dies sagt er deshalb, um einen Missstand der Gemeinde anzusprechen:
Zwischen den Gemeindemitgliedern haben sich Parteien entwickelt, nachdem über Paulus hinaus andere Missionare in die Stadt gekommen sind. So halten die einen an Paulus fest, die anderen an Apollos. Diese Rivalität besteht zwischen den Missionaren selbst nicht. Sie werden durch „Fangruppen“ erst erzeugt. Dabei geht es in der Evangelisierung nicht darum, einen Konkurrenzkampf auszutragen. Paulus erklärt nun anhand von verschiedenen Bildern, wie Kirche funktioniert. Gott gebraucht seine Berufenen dazu, den Bau oder das Ackerfeld zu bestellen, das die Gemeinde ist. Dabei kann nicht jeder alles machen und so beruft Gott mehrere Personen, die Arbeitsteilung vollziehen. Während Paulus die Gemeinde gegründet hat, aber nicht für immer dort bleiben konnte, hat Gott Apollos dort hingebracht, damit die Gemeinde immer wieder Input bekommt und bei dem von Paulus verkündeten Evangelium bleibt. Und dabei sind sowohl Paulus als auch Apollos Werkzeuge Gottes. Dieser bewirkt nämlich alles. Paulus erklärt diese wichtigen Inhalte mithilfe eines Garten-/Landwirtschaftbildes. So ist er derjenige, der gepflanzt hat, während Apollos begießt. Und doch können Ackerbauern oder Gärtner die Pflanzen nicht selbst zum Wachsen bringen. Das bewirkt nur Gott. Er bringt dieses Bild an, um zu verdeutlichen, dass Gott hier am Werk ist und Menschen ihn nur unterstützen. Er möchte zudem erklären, dass Apollos und er an einem Strang ziehen und kein Grund zu Rivalitäten besteht. Wer so denkt, ist dem irdischen Denken noch ganz verhaftet. Jedem wird nach eigener Mühe vergolten und doch sind sie Mitarbeiter des einen Gottes.

Ps 33
12 Selig die Nation, deren Gott der HERR ist, das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.

13 Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen.
14 Von seinem Thronsitz schaut er nieder auf alle Bewohner der Erde.
15 Der ihre Herzen gebildet hat, er achtet auf all ihre Taten.
20 Unsre Seele hofft auf den HERRN; er ist unsere Hilfe und unser Schild.
21 Ja, an ihm freut sich unser Herz, wir haben vertraut auf seinen heiligen Namen.

Wir beten als Antwort auf die Ausführungen Pauli Psalm 33, das als „Danklied des Volkes“ bezeichnet wird. Es bildet womöglich einen gemeinsamen Psalm mit Ps 32, so vermutet man, weil während in der Septuaginta die Überschrift vorhanden ist, der hebräische Urtext keine Überschrift aufweist.
Wir beten zunächst einen Makarismus, das heißt eine Seligpreisung. Und wenn wir die hebräischen Bezeichnungen für „Nation“ und „Volk“ betrachten, versetzt es uns in Erstaunen: Selig zu preisen ist הַ֭גֹּוי haggoj, die nichtjüdische Nation, die Jahwe zum Gott hat. Aber im nächsten Schritt heißt es הָעָ֓ם ha’am, das jüdische Volk, das sich Gott zum Erbteil erwählt hat. Wir könnten nun glätten, indem wir den ersten Begriff aufgrund der Singularform als „Ausnahme“ bewerten, also damit auch Israel gemeint ist. Die nichtjüdischen Völker werden ja zumeist im Plural genannt. Im wörtlichen Sinn ist das womöglich eine schlüssige Erklärung. Doch wenn wir dies mit christlichen Augen vertiefend betrachten, dann sehen wir den Neuen Bund vor Augen, die Einbeziehung von Juden und Heiden, sie alle dürfen sich selig nennen, wenn sie den Bund mit Gott eingehen. Gerade vor dem Hintergrund paulinischer Schriften können wir diese Lesart annehmen, denn dank ihm konnten sich viele heidenchristliche Gemeinden freuen, die Erlösung empfangen zu haben.
Es ist auch deshalb eine nachvollziehbare Deutung, weil es im nächsten Vers heißt: „Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen.“ Ja, alle Menschen liegen ihm am Herzen und er möchte alle retten. Ihm ist nicht egal, was auf Erden passiert, während er in der Ewigkeit für sich lebt. Vielmehr hat er Teil an unserem Leben und wirkt in unserer Welt. Er schaut vom Himmelsthron „nieder auf alle Bewohner der Erde“ und nimmt dabei nicht einfach eine Vogelperspektive ein. Er hat die Herzen der Menschen gemacht und schaut auf ihre Taten. Er vergleicht die innere Haltung und das äußere Tun miteinander. Er wird es uns in seiner brennenden Liebe vorhalten, wenn wir eines Tages vor ihm stehen. Und dann werden wir uns sehr schämen über die frappierenden Unterschiede und unsere Lieblosigkeit.
Aber dass Gott so ist und alles sieht, erfüllt den Psalmenbeter nicht mit Angst und Panik. Im Gegenteil. Es ist ein hoffnungsvoller Gedanke, dass Gott alles sieht und an unserem Leben teilhat. Die Seele hofft auf seine Gegenwart, die ihr Hilfe und Schild ist. Wenn Gott an der Seite des Menschen ist, wovor muss er sich noch fürchten?
Gottes Gegenwart schenkt uns Freude. Und diese ist eine Frucht des Hl. Geistes. Wirkliche Freude, die bleibt, geht von Gott aus und deshalb werden wir Menschen nur glücklich, wenn wir innig mit Gott verbunden sind. Wenn wir auf seinen heiligen Namen vertrauen, dann werden wir am Ende in seine Herrlichkeit eingehen.

Lk 4
38 Jesus stand auf, verließ die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon aber hatte hohes Fieber und sie baten ihn für sie.
39 Er beugte sich über sie und gebot dem Fieber. Da wich es von ihr und sie stand sofort auf und diente ihnen.
40 Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Gebrechen hatten, zu Jesus. Er legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie.
41 Von vielen fuhren auch Dämonen aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Da drohte er ihnen und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Christus war.
42 Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn; und sie kamen zu ihm hin und wollten ihn festhalten, damit er nicht von ihnen wegginge.
43 Er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden.
44 Und er verkündete in den Synagogen Judäas.

Jesus tut heute ein Wunder, denn er heilt die kranke Schwiegermutter des Petrus. Er kommt in sein Haus und sollte nun eigentlich bewirtet werden. Doch als er dort ankommt, sieht er die kranke Frau mit hohem Fieber daniederliegen.
Wie schon zuvor zu den Dämonen befiehlt Jesus dem Fieber, von der Frau zu weichen. Das Fieber verschwindet und die Schwiegermutter kann die Gäste bedienen. Gott heilt nicht, damit wir ein bequemeres Leben führen können. Gott lässt gerade körperliche Heilung zu, damit wir durch die gewonnene Gesundheit IHM besser DIENEN können, zu seinen Werkzeugen werden können wie Paulus und Apollos in der Korinther Gemeinde. Gott tut dies, wenn er einen besonderen Auftrag für den Menschen hat. Darum geht es in erster Linie: um die genesene Person zu berufen und um ihren Glauben zu stärken bzw. den Glauben der Umstehenden.
Nach Sonnenuntergang kommt eine Menschenmasse zum Haus des Petrus und Andreas. Jesus heilt die Kranken und treibt die Dämonen aus. Wir müssen bedenken: Jesus ist am Sabbat bei Petrus und Andreas eingekehrt, denn es geschah direkt nach der Synagogen-Episode. Er heilt die Schwiegermutter des Petrus also am Sabbat! Doch die Menschenmassen kommen erst nach Sonnenuntergang zum Haus, um geheilt zu werden, denn ab Sonnenuntergang beginnt nach jüdischer Zählung ein neuer Tag. Er treibt auch viele Dämonen aus, die ihn als Sohn Gottes bekennen, doch er verbietet ihnen, zu sprechen. Seine Identität soll nicht öffentlich gemacht werden. Über das Messias-Geheimnis haben wir schon öfter nachgedacht.
Bei Tagesanbruch tut Jesus, was er immer nach ausführlichen Heilungen und Verkündigungen tut – allein mit seinem Vater sein. Er füllt sich neu mit der Liebe des Vaters auf. Das ist für die Jünger Jesu eine große Lehre. Sie sollen sehen, wie sie es später selbst tun sollen – vielen Menschen die Liebe Gottes schenken, aber dann in der Zweisamkeit mit Gott wieder auftanken – und zwar nicht körperlich, sondern seelisch. Sie müssen das erst einmal noch lernen. Die Menschen wollen Jesus festhalten, denn er schenkt ihnen das Heil.
Jesus sagt ihnen aber deutlich, dass er sich nicht von den Bewohnern Kafarnaums festnageln lässt. Er ist für alle Menschen gekommen, muss überall das Evangelium verkünden und vor allem: Er kann sich nicht von einzelnen Menschen binden lassen. Das ist die Lebensweise von Geistlichen. Sie gehören keinen Einzelpersonen, sondern sie sind ungebunden. Deshalb sind sie ja auch zölibatär, um sich ganz und gar nur an einen zu binden – an Gott. Es ist natürlich gut für einen Geistlichen, bestimmte Bezugspersonen zu haben, die einen stützen und helfen, aber auch an sie soll er sich nicht binden, vor allem nicht emotional. Ein Priester ist der Vater der ganzen Gemeinschaft der Christen, die eine einzige Familie ist. Jesus möchte das seinen Aposteln beibringen, damit sie eines Tages auch so handeln werden. Er zeigt ihnen dadurch noch etwas Anderes: In erster Linie muss der Geistliche ganz und gar in Gott sein. Die Zwiesprache im Gebet, das komplette Versunkensein in der Liebe Gottes, die Kontemplation muss der Ausgangspunkt jedes priesterlichen Dienstes sein. Dann ist es wirklich ein gnadenhaftes Tun, das die Menschen näher zu Gott bringt. Aus dieser Kontemplation heraus können die Geistlichen wirklich geistlich sein und mit der göttlichen Liebe lieben.
Und so lehrt Jesus in den Synagogen Judäas – d.h. er legt dort vor allem die Schrift neu aus. Er ist hier im Gebiet der besonders frommen Juden (so zumindest ihr Selbstbild). Das Evangelium zu verkünden, geht hier also am besten über die Verheißungen des Alten Testaments.

Gerade der letzte Teil führt uns zurück zu Paulus. Dieser steht in der Nachfolge Christi als sein Apostel. Auch er kann sich nicht an einen Ort binden und nur einer einzigen Gemeinde gehören. Die Korinther müssen irgendwann auf eigenen Beinen stehen, bekommen aber durch andere Missionare wie Apollos Unterstützung. Paulus dagegen muss auch an anderen Orten das Evangelium verkünden. Und was auch immer er tut, es kommt aus der Kraft Gottes. So wie Jesus sich mit seinem Vater vereint, um wieder neu anzusetzen, so muss auch Paulus sich immer wieder mit der Liebe Gottes neu auffüllen lassen. Das Heil steht jedem Menschen bereit, so muss die ganze Welt davon erfahren. Jesus, Paulus, Apollos: Das Ziehen durch die ganze Gegend ist Ausdruck dieser universalen Verkündigung des Heils. Und je mehr Menschen das Heil annehmen, desto größer wird der Bau, das Ackerfeld, das Haus.

Ihre Magstrauss

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