Freitag der 24. Woche im Jahreskreis

1 Kor 15,12-20; Ps 17,1-2.6-7.8 u. 15; Lk 8,1-3

1 Kor 15
12 Wenn aber verkündet wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?

13 Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden.
14 Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube.
15 Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden.
16 Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden.
17 Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden;
18 und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.
19 Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.
20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.

In der heutigen Lesung setzt Paulus die Rede von der Auferstehung fort, die er im gestrigen Abschnitt bereits thematisiert hat. Anscheinend gibt es in Korinth Menschen, die sie leugnen oder anzweifeln. Es geht dabei um die „Auferstehung der Toten“. Eine solche soll es nicht geben, auch wenn das Osterereignis nicht geleugnet wird. Paulus sagt aber, dass beides zusammenhängt. „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden.“ Im Römerbrief erklärt er ausführlich die Taufe als Teilhabe am Tod und an der Auferstehung Jesu Christi. Wenn man die eigene Auferstehung also leugnet, sagt man zugleich, dass Christus nicht auferstanden ist. Aber wenn das Osterereignis nicht gewesen sein soll, ist die ganze Verkündigung überflüssig. Der Glaube ist dann leer. Denn alles baut auf dem Osterereignis auf. Dass wir Christen sein können, dass wir das ewige Leben erlangen können – das alles verdanken wir der Auferstehung Jesu Christi. Wenn das alles nicht wahr sein sollte, heißt das auch, dass die ganzen Missionare, die ihr Leben ganz der Verkündigung widmen, Lügner sind. Alles hängt an diesem Ostermorgen. Der Glaube der Korinther ist nutzlos und die Vergebung der Sünden durch die Taufe ist nicht wirklich geschehen. Welche Taufe denn? Sie ist auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, der aber doch nicht auferstanden sein soll? Dann ist das ewige Leben niemandem geschenkt worden und die Toten sind gar nicht bei Gott, sondern verloren. Das wäre schrecklich und Paulus zeichnet die Konsequenzen der Osterleugner mit drastischen Worten.
Wie erbärmlich wäre es denn, wenn die Missionare alles auf die eine Karte Christus gesetzt hätten und eigentlich nur für dieses irdische Dasein verzockt hätten! Doch das alles sind überflüssige Gedanken, denn Christus ist auferstanden. Er ist auferweckt worden durch den Hl. Geist. Und er ist „als der Erste der Entschlafenen“ auferweckt worden. Das ist ein wichtiger theologischer Ausdruck. Er impliziert, dass wenn er der Erste ist, weitere folgen. Die Entschlafenen sind die Toten. Das Wort „schlafen“, das es enthält, steht im Gegensatz zur Auferweckung, in dem „wecken“ enthalten ist. Es sagt aus, dass wir leben werden, auch wenn wir sterben. Der Tod wird in der Bibel oft als Schlaf verstanden.
Betrachten wir Christi Auferstehung einmal genauer. Seine Auferstehung ist vollkommen. Er ist nicht nur mit Seele in die Ewigkeit eingegangen, sondern mit seinem ganzen Dasein, auch mit Körper! Dies konnte er, weil er ohne Sünde ist. Wir sind innerlich zerrissen durch die Erbsünde. Deshalb trennt sich im Tod unsere Seele vom Körper. Unsere Auferstehung ist momentan noch unvollkommen, doch am Ende der Zeiten wird es auch eine leibliche Auferstehung geben. Dann werden wir wie Christus mit unserem ganzen Sein in die Ewigkeit eingehen. Paulus lässt an vielen Stellen durchblicken, dass es eine leibliche Auferstehung sein wird. Im heutigen Abschnitt zeigt er auf, dass alles am Osterereignis hängt und Christi sowie unsere Auferstehung miteinander zusammenhängen. Man kann nicht eines von beiden leugnen, ohne dass das andere ebenfalls entkräftet wird.

Ps 17
1 Ein Bittgebet Davids. Höre, HERR, die gerechte Sache, achte auf mein Flehen, vernimm mein Bittgebet von Lippen ohne Falsch!

2 Von deinem Angesicht ergehe mein Urteil, deine Augen schauen, was recht ist.
6 Ich habe zu dir gerufen, denn du, Gott, gibst mir Antwort. Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!

7 Wunderbar erweise deine Huld! Du rettest, die sich an deiner Rechten vor Empörern bergen.
8 Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel.
15 Ich, in Gerechtigkeit werde ich dein Angesicht schauen, mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache.

Als Antwort beten wir den Bittpsalm 17. Zu Beginn ruft König David Gott an, dass Gott sein Gebet erhören solle. Er betont, dass es ein reines Gebet ist („von Lippen ohne Falsch“). David begreift, dass die Aufrichtigkeit gegenüber Gott entscheidend ist. Nur wer reinen Herzens ist und keine bösen Absichten hat, kann Gott um etwas bitten, sodass dieser es auch erhört.
„Von deinem Angesicht ergehe mein Urteil, deine Augen schauen, was recht ist.“ Gott soll ein rechtes Urteil fällen bzw. David geben, was recht ist.
Gott erhört wirklich die Bitten seiner Kinder. König David hat damit schon Erfahrungen gemacht. Wie sehr oft in Bittpsalmen thematisiert der Bittsteller vergangene Gebetserhörungen, um Gott damit zu sagen: „Du hast mich schon damals erhört, tue es auch jetzt.“ Die Aussage „ich habe zu dir gerufen“ kann aber auch so verstanden werden, dass David es soeben getan hat und zugleich sein Gottvertrauen bestätigt („denn du, Gott, gibst mir Antwort“). Erneut bittet er Gott um Gebetserhörung, indem er sagt: „Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!“ Das ist bildlich zu verstehen, denn Gott ist Geist und hat keine Ohren wie seine Geschöpfe. Und doch besitzt Gott ein ganz feines Gehör. Er hört sogar die Worte unseres Herzens, die nicht einmal wir selbst hören.
Gott soll seine Huld wunderbar erweisen. Er hat dies im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder getan. Ganz besonders deutlich wurde dies beim Exodus und später beim Babylonischen Exil. König David wurde von Gott beschützt, wenn seine Feinde ihm nach dem Leben trachteten. Er kann Gott wirklich als seinen Retter bezeichnen, der ihn vor allem vor Sauls und Abschaloms Mordplänen bewahrt hat. Ja, man kann sogar sagen, dass Gott David wie seinen Augapfel behütet hat, wie dieser es in Vers 8 nun erbittet. So wie er es schon zuvor getan hat, so soll er auch weiterhin beschützt werden. König David war militärisch unglaublich stark. Er hat so viele Schlachten gewonnen und die ganzen Feinde Israels besiegt. Er könnte auf die Idee kommen, furchtlos zu behaupten, er benötige keinen Schutz. Doch er birgt sich in Gottes Gegenwart, sucht seinen Schutz auf. Wir erahnen, dass er noch ganz andere Feinde kennt, vor denen nur Gott bewahren kann. Und selbst der beste Feldherr ist auf Gottes Schutz und Segen angewiesen. Das macht König David zu einem ganz großen Vorbild. Ganz unabhängig davon, wie stark und erfolgreich in unserem Leben sind: Nichts vermögen wir ohne Gottes Schutz. Alles, was wir sind und haben, kommt schließlich von ihm und ohne ihn sind wir nichts. Je schneller wir das begreifen, desto besser. Hochmut kommt vor dem Fall, doch das Bleiben auf dem Teppich überschüttet uns mit Segen.
Und im letzten Vers des heutigen Psalmabschnitts werden wir zurückgelenkt auf das heutige Thema der Auferstehung: Denn es heißt, dass David Gottes Angesicht schauen wird, wenn er erwacht. Die Zukunftsformen der deutschen Übersetzung bilden korrekterweise die Zeitform der hebräischen Verben ab. Es geht um ein zukünftiges Ereignis. Zugleich ist die hebräische Form als Gegenwartsform übersetzbar. Was wir also beides an diese Stelle interpretieren, ist einerseits das Schauen des Angesichts Gottes im Tempel. Dann ist das Erwachen des Königs das morgendliche Erwachen mit anschließendem Morgenlob beim Allerheiligsten. Das ist aber nur eine vorläufige Lesart, denn das Angesicht Gottes schaut er ja nur im übertragenen Sinne. Andererseits lesen wir es anagogisch als Erwachen aus dem Schlaf des Todes mit anschließendem Lobpreis im Himmel. Dann ist das Schauen des Angesichts Gottes wortwörtlich zu verstehen als eine immerwährende Gegenwart bei Gott. Wir können hier also erkennen, dass König David unter dem Einfluss des Hl. Geistes eine ganz prophetische Aussage getätigt hat. Er hat die Auferstehung vom Tod prophezeit, die Paulus in der Lesung bereits thematisiert!

Lk 8
1 Und es geschah in der folgenden Zeit: Er wanderte von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn

2 und auch einige Frauen, die von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren,
3 Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie unterstützten Jesus und die Jünger mit ihrem Vermögen.

Im Evangelium hören wir heute einen kurzen Ausschnitt, der uns das Verhältnis Jesu zu Frauen erkennen lässt. Er hat mit vielen Konventionen seiner Zeit gebrochen und Frauen mit viel mehr Achtung und Würde behandelt, als es in seiner Zeit üblich war. Man muss zugleich dazu sagen, dass es in rabbinischen Kreisen auch schon Frauen als Schülerinnen gab. Ganz so neu war es also nicht, dass auch Frauen Jesus bei seinen Evangelisierungsreisen begleitet haben.
Jesus „wanderte von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf“. Nicht nur der Zwölferkreis begleitete Jesus überall hin, wo er das Reich Gottes verkündete, sondern auch ein erweiterter Jüngerkreis, zu dem auch Frauen gehörten.
Wir hören zum Beispiel von Maria aus Magdala („Magdalena“ bzw. „Magdalene“ heißt „Bewohnerin der Stadt Magdala“), die Jesus von sieben Dämonen befreit hat. Anscheinend ist sie nicht die einzige, die besessen oder krank war, als Jesus sie geheilt oder befreit hat. Diese Aussage hier im Lukasevangelium ist unterschiedlich bewertet worden. Manchmal hat man es so verstanden, dass Maria Magdalenas sieben Dämonen nicht wörtlich zu verstehen seien, sondern als die sieben Todsünden oder einfach als Fülle der Sünden. Sie habe also eine radikale Bekehrung erlebt, nachdem sie in tiefster Todsünde steckte. Die Siebenzahl symbolisiert Fülle und Vollkommenheit. Aber wenn wir die Aussage zusammen mit den anderen Frauen und deren bösen Geistern lesen, klingt das doch nach echter Besessenheit mit anschließendem Exorzismus. Warum wird erwähnt, dass Jesus gerade bei Frauen einen Exorzismus vorgenommen hat, bevor sie seine Jüngerinnen wurden? Man kann es womöglich mit den beliebten Besessenheitskulten jener Zeit in Verbindung bringen, bei denen gerade Frauen eine wichtige Rolle spielten. Wir denken an die Mänaden dionysischer Kreise oder an die Besessenheitskulte der „Großen Mutter“. Raserei, wie diese Besessenheitsanfälle genannt worden sind, gab es zuhauf auch im Heiligen Land, insbesondere im Norden des Landes, wo Jesus sehr viel gewirkt hat. Maria Magdalena ist zum Beispiel aus einer hellenistisch geprägten Stadt im Norden, die für Fischpökelei bekannt war.
Viele der befreiten und geheilten Frauen, die Jüngerinnen Jesu geworden waren, haben ein beachtliches Vermögen, mit dem sie Jesus unterstützten. Maria Magdalena kommt aus der Fischpökelstadt, die durch ihren Handel zu einem sehr wohlhabenden Ort geworden ist. Womöglich handelt es sich bei ihr um eine Witwe, die durch ihren Mann zu einem großen Vermögen gekommen ist. Vielleicht arbeitete er in der genannten Branche. Ansonsten werden eine gewisse Johanna, die Frau des Chuzas, und eine Susanna namentlich genannt. Auch in der ersten Christengeneration wird es reiche Frauen geben, die mit ihrem Vermögen die Christengemeinden unterstützen und sogar ihre Häuser als Versammlungsort bereitstellen.
Jesus hat also ganz unterschiedliche Menschen in seinem Jüngerkreis – von ganz vornehmen bis hin zu gesellschaftlich Randstelligen. Und das ist auch gut so, denn Gott beruft alle Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Situationen kommen. Und die eine Taufe, die sie empfangen werden, wird laut Paulus im Galaterbrief alle Getauften vor Gott gleich machen. Sie werden vor Gott alle die gleiche Würde haben, ob Mann oder Frau, ob Jude oder Grieche, Sklave oder Freier. Das heißt nicht, dass alle die gleichen Aufgaben haben werden. Das sehen wir ja schon zu Jesu Zeiten: Die einen erhalten seine Vollmachten (der Zwölferkreis), die anderen unterstützen finanziell. Wiederum andere kümmern sich um die Bedürftigen, andere wiederum sorgen für Schutz, weil sie beruflich großen Einfluss besitzen. Maria Magdalena oder Susanna oder Johanna, sie streben nicht danach, die Apostel wegzustoßen und ihren Platz einzunehmen. Jeder lebt nach seiner oder ihrer Berufung und keiner kommt auf die Idee, sich minderwertiger als der andere zu fühlen. Das sollten wir uns heute zu Herzen nehmen in einer Zeit, in der der feministische Kardinalfehler droht, auch in der Kirche Fuß zu fassen: Frauen sind nicht erst dann etwas wert, wenn sie zu Quasi-Männern werden und die Aufgaben oder die „Macht“ der mächtigsten Männer bekommen. Frauen sind schon längst alles wert. Und wenn sie anfangen, sich mit ihrer eigenen Berufung auseinanderzusetzen, werden sie nicht mehr kämpfen um eine Sache, die sie nicht glücklicher machen wird.

Ihre Magstrauss

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