Dienstag der 30. Woche im Jahreskreis

Eph 5,21-33; Ps 128,1-2.3.4-5; Lk 13,18-21

Eph 5
21 Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Furcht Christi!

22 Ihr Frauen euren Männern wie dem Herrn;
23 denn der Mann ist das Haupt der Frau wie auch Christus das Haupt der Kirche ist. Er selbst ist der Retter des Leibes.
24 Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem den Männern unterordnen.
25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat,
26 um sie zu heiligen, da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort!
27 So will er die Kirche herrlich vor sich hinstellen, ohne Flecken oder Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.
28 Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.
29 Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.
30 Denn wir sind Glieder seines Leibes.
31 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.
32 Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.
33 Indessen sollt auch ihr, jeder Einzelne, seine Frau lieben wie sich selbst, die Frau aber ehre ihren Mann.

Die heutigen Lesungen haben das Thema „Familie“. Selbst im Evangelium geht es im Grunde um die wahre Familie, nämlich die Familie Gottes, die das Reich Gottes ist.
In der Lesung aus dem Epheserbrief hören wir heute den Anfang einer sogenannten Haustafel, eine hierarchische Gliederung mit ethischen Unterweisungen, wie die Familie also strukturiert sein und wie man sich innerhalb dieser Struktur verhalten soll. Es geht dabei nicht einfach um die persönlichen Vorstellungen des Paulus, sondern darum, wie Gott Hierarchien gewollt hat. Daran erkennen wir schon viele wichtige Hinweise darauf, was uns Jesus dann im Evangelium erklären möchte.
Das, was alle Menschen vereinen soll, ist die „gemeinsame Furcht Christi“. Gemeint ist, dass man gemeinsam an Christus glaubt und ihn als Herrn in seinem Leben an die erste Stelle setzt. Er ist nicht nur der gemeinschaftsstiftende Faktor, sondern auch der gemeinsame Antrieb für das Verhalten. Es geht nicht um eine pathologische Angst, sondern um die Angst, ihn zu verletzen, eine Sorge um ein gutes Verhältnis zu ihm. Es geht also um dasselbe Beziehungsideal aller Christgläubigen.
Von dieser Unterordnung Christi abgeleitet sollen die Frauen sich ihren Männern unterordnen. Paulus stellt eine Analogie zwischen dem Haupt der Kirche Christus und dem Haupt der Familie den Familienvater heraus. Die Frauen erleiden keinen Nachteil, wenn sie sich unterordnen, wenn der Mann wirklich analog zu Christus die Frau von Herzen liebt und sich ihr hingibt, wenn er bereit ist, ihr ganz zu dienen und sogar sein Leben für sie hinzugeben. Dann weiß die Frau, dass er ihre Unterordnung nicht missbrauchen und über sie herrschen wird.
Christus hat seine Braut, die Kirche „durch das Wasserbad im Wort“ gereinigt und geheiligt. Die Frau wird durch den Mann heilig. Es ist aber auch umgekehrt, wie Paulus im ersten Korintherbrief schreibt. Die Ehepartner werden durch den jeweils anderen heilig. Hier geht es aber um Hierarchie, weshalb die „Mann heiligt die Frau“-Seite so stark beleuchtet wird. Der Mann soll seine Frau lieben wie seinen eigenen Leib. Wir merken, dass die Hierarchie, von der Paulus hier spricht, mitnichten ein Machtgefälle darstellt, sondern eine Hierarchie der Liebe, Hingabe und des Dienstes. Wer über dem anderen steht, muss mehr lieben und sich verschenken. Der Mann soll die Frau lieben, wie seinen Leib, weil das eine bewusste Analogie zu Christus schafft, dessen Leib die Kirche ist. Er liebt die Kirche zuerst wie seinen eigenen Leib.
Die Leib-Analogie auf die Ehe bezogen ist keine Erfindung des Paulus, sondern hat Gott selbst schon im Schöpfungsbericht so vorgegeben. Denn hier wird Genesis 2,24 zitiert, wo es heißt, dass der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden wird, sodass sie ein Fleisch werden. Ihre Einheit betrifft nicht nur die körperliche Ebene, sondern ihre gesamte Existenz. Aus zwei Einzelpersonen wird ein Leib. Und so wie Mann und Frau einen Organismus darstellen, so ist es mit der Kirche, die ein einziger Leib ist. Das ist ein tiefes Geheimnis, wir benutzen das Fremdwort Mysterium an dieser Stelle.
Paulus schließt mit der wiederholten Forderung, dass alle Männer ihre Frauen lieben sollen, wie sich selbst, die Frauen ihre Männer aber ehren sollen.
Bei allem müssen wir sehr viel zusammen beten. Denn die Folgen der Erbsünde erschweren uns die Umsetzung dieser gottgewollten Hierarchie. Gott hat nach dem Sündenfall schon angekündigt, dass die Frauen nach ihren Männern verlangen werden, doch diese über die Frauen herrschen werden. Die gottgewollte Liebeshierarchie ist pervertiert und verzerrt worden. Der Mensch missbraucht Macht, die Entfremdung zwischen den Geschlechtern ist geschehen. So sehr stehen wir immer wieder in der Gefahr, die göttliche Ordnung zu verlassen. Deshalb müssen wir sehr viel füreinander beten und wachsam sein gegenüber jeder Versuchung, den Leib, der die Familie ist, in ein krankes und nekrotisches Gebilde zu verunstalten. Doch das ist nicht das Ende. Gott hat uns durch die Taufe einen Ausweg aus dieser Misere geschenkt. Wir sind durch die Taufe eine neue Bundesbeziehung mit Gott eingegangen und er hat stattet uns mit der nötigen Gnade aus, sodass wir den Versuchungen und Nachstellungen des Teufels widerstehen können. Er befähigt uns, zwar nicht aus Natur, dafür aus Gnade die gottgewollte Ordnung einzuhalten, die er von Anfang an für uns vorgesehen hat. Und wo das geschieht, da erleben wir einen Vorgeschmack des Reiches Gottes! Letztendlich ist jede irdische Familie ein Abbild der Familie Gottes. Die Analogie ist evident.

Ps 128
1 Ein Wallfahrtslied. Selig jeder, der den HERRN fürchtet, der auf seinen Wegen geht!

2 Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; selig bist du – es wird dir gut ergehn.
3 Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock im Innern deines Hauses. Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder rings um deinen Tisch herum.
4 Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet.
5 Es segne dich der HERR vom Zion her. Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens.

Als Antwort auf die Lesung beten wir Ps 128, der zum psalmübergreifenden Wallfahrtslied 120-134 gehört. Er stellt einen Haussegen dar, passt also ideal auf die Lesung, in der es ebenfalls um die häusliche Familiengemeinschaft geht. Selig sind wir, wenn wir Gottes Gebote halten. Dieses Verhalten zeigt unsere Gottesfurcht und ein geordnetes Leben, wie Paulus erklärt hat. Wir werden Segen haben, wenn wir „auf seinen Wegen“ gehen. Dieser Segen wird sich z.B. am Erntereichtum zeigen. Das ist ein gängiges Bild und Beispiel für Gottes Segen.
Das greift Gen 3 auf, wo als Folge des ersten Sündenfalls die mühevolle Arbeit angekündigt wird, um das tägliche Brot essen zu können. Erntereichtum ist umso mehr ein Zeichen der Gnade Gottes. Wir sehen also auch hier im Psalm die Diskrepanz zwischen Gottes inniger Gemeinschaft mit seinen Geschöpfen und der Korruption durch den Sündenfall.
Auch Vers 4 drückt aus, dass der gottesfürchtige Mann gesegnet sein wird. Wer Gott aber fürchtet, wird sein Leben nicht einfach schleifen lassen. Die Gottesfurcht ist auch in der Lesung zur Sprache gekommen. Dort ist es die Christusfurcht, doch beides meint dasselbe – die Angst, Gott zu beleidigen und dadurch die Beziehung zu ihm zu beeinträchtigen. Wer also an der Beziehung zum Herrn arbeitet, wird Segen haben.
Ein weiteres Zeichen des Segens wird hier mithilfe der Bilder „Weinstock“ und „Ölbaum“ gegeben. Wenn die Frau als fruchtbarer Weinstock bezeichnet wird, ist das ein Zeichen des Segens Gottes. Kinderreichtum wird immer zum Indikator vor allem für die Frau, dass sie den Segen Gottes auf sich hat. Die Kinder als Ölbäume deuten auf deren Langlebigkeit und Fruchtbarkeit hin. Der Ölbaum ist deshalb ein Bild, das häufig zusammen mit dem Weinstock genannt wird.
Wenn es dann zum Ende hin heißt „Es segne dich der HERR vom Zion her“, dann ist das ein besonderer Segen. Für die Israeliten war das die maximale Form von Segen, denn „vom Zion“ meint „vom Tempel“. Und dort wohnte die Herrlichkeit Gottes. Wir Christen sehen darin eine typologische Verbindung zum eucharistischen Segen. „Zion“ ist nun die Kirche, in der das Allerheiligste nicht mehr die Bundeslade, sondern der Tabernakel mit den konsekrierten Hostien ist – das fleischgewordene Wort Gottes.
Das ewige Schauen des Glücks Jerusalems ist dann auch mehr als nur wörtlich zu verstehen: Es bezieht sich auf die Glückseligkeit des himmlischen Jerusalems. Dann werden wir mit der himmlischen Familie, also in Gemeinschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit leben. Dann kommen wir von der Abbildhaftigkeit zur Vollendung. Das dürfen wir sakramental schon jetzt erfahren in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche. Wir sind eine einzige Familie, bei der der Priester unser Vater ist. Er sorgt für die Sakramente und Sakramentalien. Die Kirche gebärt uns, zieht uns auf und nährt uns mit den Heilsmitteln seelisch. Alle Gläubigen sind Geschwister im Glauben und bilden so die geistliche Familie, von der Jesus gesprochen hat (Mt 12,50; Mk 3,35). Also hat er selbst die Analogie von Familie, Reich Gottes und Gottes Dreifaltigkeit grundgelegt. Und auch in der Familie Gottes als Kirche ist das verbindende und gliedernde Prinzip die Liebe, Hingabe und der Dienst. Nicht umsonst hat Jesus am selben Abend, als er das Weihesakrament stiftete – mit allen seinen Vollmachten! – den Aposteln die Füße gewaschen als Beispiel für sie. Er wollte verdeutlichen, dass wer in der Hierarchie ganz oben steht, der Diener aller sein soll. Deshalb ausgerechnet die Fußwaschung, denn sie ist der Sklavendienst schlechthin.

Lk 13
18 Er aber sagte: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen?

19 Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann nahm und in seinen Garten säte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.
20 Noch einmal sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen?
21 Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.

Im Evangelium erklärt Jesus das Reich Gottes anhand von verschiedenen Gleichnissen. Das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn. Sie werden ein solches vielleicht schon einmal in Händen gehalten haben. Es ist wirklich sehr klein und steht im Gegensatz zu der imposanten Größe der ausgewachsenen Staude, das anderen Lebewesen noch Schatten bietet. Mit diesem Bild möchte Jesus verdeutlichen, dass seine Verkündigung alles andere als imposant beginnt. Er ist zunächst allein, die ersten Jünger sind seine Eltern. Dann kommen nach und nach Menschen hinzu. Die Art und Weise, wie Jesus verkündet, ist schlicht und unkompliziert. Sein Kommen in diese Welt ist schon so unscheinbar gewesen, dass Herodes bei der Erwähnung seiner Geburt aus allen Wolken gefallen ist. Jesus wurde in einem armen Stall geboren. Der große Gott hat sich so klein gemacht, dass er als bedürftiges Baby den Menschen erschienen ist! Wenn das keine Senfkorn-Mentalität ist, was dann? Jesus ist nicht mit Pomp gekommen, er hat seine Verkündigung auch nicht spektakulär betrieben. Er kam einfach zum Jordan und stellte sich zu den anderen Menschen. Johannes sagte sogar: „Unter euch steht einer, den ihr nicht kennt.“ Er ging zu einzelnen Menschen und sagte „komm und folge mir nach“. Wer ihn ansprach, den nahm er kurzerhand mit nach Hause. Mit dieser Schlichtheit und Demut sollen auch seine Jünger evangelisieren. Auch hier sehen wir, wie die Familie Gottes gebildet wird, deren Hierarchie wir in den bisherigen Lesungen bedacht haben. Im Reich Gottes läuft alles anders, als wir es von der Welt gewohnt sind. Dort gibt es kein von oben herab. Da gibt es nur die Macht der sich verzehrenden und hingebenden Liebe. Jesus der König lebte wie ein Sklave. Er herrschte wie ein Diener. Er siegte wie ein Verlierer am Kreuz. Alles an ihm ist so unspektakulär, dass es für viele stolze Seelen unerträglich ist. Die Hl. Schrift, die seine Kronzeugin ist, ist so voller Demut, dass stolze Seelen sie nicht lesen konnten – bis zu ihrer Bekehrung. Als Beispiel sei der Hl. Augustinus genannt. Das sind die Maßstäbe, das ist die Mentalität des Reiches Gottes. Diese Demut wird am Ende siegen, den besiegen, der sich hochmütig gegen Gott aufgelehnt hat!
So ist auch das Christentum im ganzen Römischen Reich verbreitet worden. Es war ein Erzählen von Jesus Christus zwischen Tür und Angel, oft waren es Soldaten, Kaufmänner, Sklaven. Es war eine Weitergabe von Mensch zu Mensch, ganz unscheinbar. Und es ist so herangewachsen, dass es im 4. Jh. zur Staatsreligion im Römischen Reich geworden ist! Bis heute ist es die weltweit größte Religion der Welt mit den meisten Mitgliedern. Es ist wirklich zu einer riesigen Senfpflanze geworden. Was mit ein paar Jüngern begann, ist jetzt zur Weltreligion geworden. Das Evangelium von Jesus Christus ist wirklich bis an die Enden der Welt gekommen. So wie es verbreitet worden ist, so soll es innerhalb der Familie Gottes auch zugehen. Wir haben es in den heutigen Lesungen gehört. Verstehen wir ein für alle Mal, dass es bei Gott ganz anders ist als bei uns Menschen. Hochmut und Ungehorsam gegenüber Gott sind der Kern der Sünde. Durch sie ist die Sünde in die Welt gekommen und die erste Schöpfung gefallen. Durch die Demut und den Gehorsam des zweiten Menschen ist die Welt mit Gott versöhnt worden. Leben wir in seiner Mentalität, damit wir am Ende in das Herz der Familie Gottes aufgenommen werden, nämlich in das Himmelreich.

Ihre Magstrauss

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