22. Dezember

1 Sam 1,24-28; 1 Sam 2,1bcde.4-5b.6-7.8abcd; Lk 1,46-56

1 Sam 1
24 Als sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit hinauf, dazu einen dreijährigen Stier, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein. So brachte sie ihn zum Haus des HERRN in Schilo; der Knabe aber war damals noch sehr jung.

25 Als sie den Stier geschlachtet hatten, brachten sie den Knaben zu Eli
26 und Hanna sagte: Bitte, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr, ich bin die Frau, die damals neben dir stand, um zum HERRN zu beten.
27 Ich habe um diesen Knaben gebetet und der HERR hat mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet habe.
28 Darum lasse ich ihn auch vom HERRN zurückfordern. Er soll für sein ganzes Leben ein vom HERRN Zurückgeforderter sein. Und sie beteten dort den HERRN an.

In der heutigen Lesung hören wir einen Ausschnitt aus der Erzählung über den Propheten Samuel. Diese Geschichte passt sehr gut in die Vorgeschichte des Weihnachtsereignisses, denn Samuel und seine Mutter Hanna sind typologisch in Beziehung zu setzen zu Elisabet und Johannes dem Täufer bzw. zu Maria und Jesus.
Wir erfahren heute von Hannas Verhalten, nachdem Gott ihr Gebet um einen Sohn erhört hat. Hanna betete voller Inbrunst in Schilo beim Heiligtum und versprach dem Herrn, ihm bei Gebetserhörung das Kind zurückzuschenken als gottgeweihtes Kind.
Heute erfahren wir davon, dass sie ihr Versprechen einlöst und den jungen Samuel zum Heiligtum bringt, nachdem er abgestillt worden ist. Die Bundeslade befindet sich zu jener Zeit in Schilo, deshalb pilgern die Menschen dorthin zum Heiligtum des Herrn.
Hanna bringt die vorgeschriebenen Opfer dar und übergibt das Kind dem Eli. Dieser ist es, der im Jahr zuvor der bitterlich weinenden und betenden Hanna begegnet war. Sie bekennt ihm gegenüber das Wunder, das Gott an ihr gewirkt hat. Er ist es, dem sie das übergibt, damit es bei ihm im Heiligtum groß werde. Hanna hätte jeden Grund, an dem Kind zu hängen. Doch sie hat verstanden, dass das Kind nicht ihr Eigentum ist, sondern ihr geliehen, ihr anvertraut ist. Sie weiß, dass sie den Segen Gottes auf sich und ihren Nachkommen herabholt, wenn sie Gottes Willen tut, vor allem ihr Versprechen hält.
Was wir bei Hanna sehen, kommt im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder vor: Frauen, die eigentlich keine Kinder bekommen können, bekommen ein besonderes Kind mit besonderer Berufung. Diese Kinder machen die anfängliches Unfruchtbarkeit bei weitem wieder wett, indem sie viele Seelen für Gott gewinnen. So wird auch Samuel ein wichtiger Prophet, der die ersten Könige Israels salben wird, vor allem jenen König schlechthin, der das Vorausbild Jesu Christi sein wird, König David. Gott lässt manchmal zu, dass Kinder erst nach längerer Leidens- und Wartezeit geboren werden, damit seine Herrlichkeit an jenen Eltern offenbar werde. Wenn wir in unserem Leben leidvolle Erfahrungen machen, ist es zu einem Großteil unserer eigenen Sünde zu verdanken, denn diese zieht stets das Leiden und den Tod nach sich. Zudem machen wir viel durch aufgrund der Sünde anderer Menschen – weil ihre Sünden uns hineinziehen in die Misere oder weil wir für andere sühnen. Und manchmal geschieht Leidvolles aus dem oben genannten Grund. Dann muss unsere Reaktion aus der Frage bestehen: Was möchtest du an mir tun? Was ist dein Plan mit mir? Über Umwege, die wir nicht verstehen, kann Gott auch in unserem Leben wunderbare Dinge vollbringen. Wir müssen dafür genau hinsehen.

1 Sam 2
Mein Herz ist voll Freude über den HERRN, erhöht ist meine Macht durch den HERRN. Weit öffnet sich mein Mund gegen meine Feinde; denn ich freue mich über deine Hilfe.
4 Der Bogen der Helden wird zerbrochen, die Wankenden aber gürten sich mit Kraft. 
5 Die Satten verdingen sich um Brot und die Hungrigen gibt es nicht mehr. 
6 Der HERR macht tot und lebendig, er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf. 
7 Der HERR macht arm und macht reich, er erniedrigt und er erhöht.
8 Den Schwachen hebt er empor aus dem Staub und erhöht den Armen, der im Schmutz liegt; er gibt ihm einen Sitz bei den Edlen, einen Ehrenplatz weist er ihm zu.

Heute hören wir statt Psalm den Lobgesang Hannas in 1 Sam 2. Auch darin ist uns die Mutter Samuels ein Vorbild. Sie antwortet auf die Gebetserhörung Gottes mit einem Lobpreis. Wir sind ganz fleißig im Beten, wenn wir etwas von Gott brauchen und vergessen allzu oft, uns für die Gebetserhörungen zu bedanken. Einmal heilt Jesus zehn Aussätzige, aber nur einer kehrt zurück, um sich bei ihm zu bedanken. So ist der Mensch.
Hanna hat ihr ganzes Herz Gott ausgeschüttet und deshalb hat er auch ihr ganzes Herz mit Freude erfüllt. So kann Hanna jetzt jubeln: „Mein Herz ist voll Freude über den HERRN“. Gott schenkt Freude, was eine Frucht des Hl. Geistes ist. Wenn dieser im Menschen wirkt, wird alles zum besten geführt.
Wenn Hanna dann betet „erhöht ist meine Macht“, dann steht da wörtlich „mein Horn“. Das hebräische Wort קֶרֶן keren hat verschiedene Bedeutungen. Es meint zunächst anatomisch das Horn eines Tieres. Dieses kennzeichnet dessen Macht, weshalb in der gesamten biblischen Hermeneutik Hörner zum Machtsymbol werden. Das Wort kann auch „Licht, Strahl“ heißen. Hanna dankt Gott also, dass er ihr Licht erhöht hat. Licht ist zugleich immer Hoffnungszeichen in der Bibel.
Weit öffnet sich ihr Mund gegen die Feinde, weil Hanna die größte Waffe gegen sie gefunden hat – den Beistand Gottes. Die „Hilfe“, von der hier die Rede ist, wird wie so oft mit dem Wortfeld ישׁוע jsch’a ausgedrückt, ein Hinweis darauf, dass Gott damals schon hilft, mit dem Kommen seines Sohnes dann jedoch die größte Hilfe aller Zeiten senden wird.
Durch den folgenden Vers wird klar, dass bei Gott die Maßstäbe anders gesetzt sind als bei Menschen. Die vermeintlichen Helden werden entmachtet (zerbrochene Bögen) und die vermeintlich Schwachen (die Wankenden) gürten sich mit Kraft. Der Vorgang des Gürtens bedeutet entweder das Rüsten für die Reise oder für den Kampf. Hier ist das zweite eher zu verstehen, was auch durch das hebräische Wort für „Kraft“ חָֽיִל chajil deutlich wird. Es bedeutet unter anderem „militärische Macht, Armee, Soldat“.
Die Satten müssen jetzt für ihr Brot arbeiten und die Hungrigen wird es nicht mehr geben. Schon bis hierhin müssen wir sagen, dass Hanna vom Hl. Geist die Rede über das Reich Gottes geschenkt bekommt, ohne es zu ahnen. Vieles von dem, was sie hier betet, wird später noch in messianischen Verheißungen aufgegriffen und Jesus wird es in seiner Reich-Gottes-Verkündigung ebenfalls übernehmen. Alles steht noch aus, was wir an den Zukunftsformen lesen. Hier erahnen wir wirklich die Spuren des Hl. Geistes!
Es wird noch besser. „Der HERR macht tot und lebendig, er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf.“ Das wird die spektakulärste Heilstat Gottes sein – nämlich seinen eigenen Sohn, der tot ist, wieder lebendig zu machen, ihn ins Totenreich zu führen, dass er den Gerechten dort das Evangelium verkünde, und ihn wieder heraufzuführen bei der Auferstehung. Das ist alles vom Hl. Geist eingegeben. Wie kann eine einfache Frau mehr als 1000 Jahre vor Christi Geburt diese Dinge sonst aussprechen?
„Gott macht arm und reich“ – bei ihm sind Armut und Reichtum etwas Anderes als bei den Menschen. Vor allem die nächste Aussage übernimmt Jesus : „er erniedrigt und er erhöht“. Davon wird Jesus intensiv sprechen und auch Maria, die Muttergottes wird diese Aussage im Magnificat aufgreifen. Insgesamt müssen wir hier typologische Linien zwischen Hannas Lobgesang und Marias Magnificat ziehen. Bei beiden Frauen geht es darum, dass die unfruchtbare Frau ein Kind empfängt, weil sie Gott ganz geglaubt hat (bei Hanna ist es eine biologische Unfruchtbarkeit, bei Maria ist es eine durch ein Gelübde erzeugte Unfruchtbarkeit). Beide Frauen nennen sich die Magd (Hanna tut dies im ersten Samuelbuch, Maria bei der Begegnung mit dem Erzengel Gabriel). Dies stellt jeweils eine Demutsbekundung dar.
Die Rede vom Schwachen im Staub ist typische Psalmensprache und dokumentiert umso mehr die fromme Seele Hannas. Der Ehrenplatz ist im Kontext des Reiches Gottes eschatologisch, also als Sitz im Himmel gemeint. Die, die auf Erden im Schmutz liegen, werden im Himmel auf dem Ehrenplatz beim himmlischen Hochzeitsmahl sitzen. Diese Umkehrung der Maßstäbe heißt natürlich nicht, dass automatisch der (finanziell) Arme in den Himmel kommt, der Reiche dafür in die Hölle. Armut und Reichtum erhalten eine bestimmte Definition, die von den äußeren Umständen nicht abhängt. Das wird zurzeit Hannas alles noch nicht reflektiert, sondern sie drückt im Gebet aus, wie Gott für Gerechtigkeit sorgt. Ihre Demütigungen, all die Schande, die sie erfahren musste, weil sie als unfruchtbar galt, wird nun durch ein besonderes Kind wiedergutgemacht.

Lk 1
46 Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
48 Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
49 Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
50 Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen.

55 das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
56 Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Im Evangelium hören wir heute das Magnificat, zumindest einen Teil davon. Die typologische Verbindung von Hanna und Maria wird besonders an diesem Lobpreis Mariens deutlich. Ihr ist eine große Ehre zuteilgeworden und durch sie ist der Messias in die Welt gekommen. Aufgrund des wunderbaren Heilsplans Gottes wird sie mit Freude erfüllt und gibt ihm die Ehre stellvertretend für das ganze Volk Israel. Sie ist die Personifikation der Tochter Zion. Sie ist zugleich der Beginn des Neuen Bundes, also ein Scharnier zwischen den beiden Bünden. Auch mit Blick auf den zweiten Bund ist sie die Repräsentantin des Lobpreises. Nicht umsonst nennen wir sie das Urbild der Kirche. Deshalb stimmen wir ein mit den Worten: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“ Er ist im Begriff, den Höhepunkt der gesamten Heilsgeschichte einzuleiten durch seine eigene Menschwerdung. So kann sie nicht umhin, voller Freude zu sein und ihn zu preisen. Und mit ihr zusammen können wir nicht anders, als voller Freude zu sein. Wir danken ihm, dass er bereit war, in diese gefallene Welt einzugehen, um uns aus der Sklaverei der Sünde herauszuführen. Wenn Gott ein Kind schenkt, bereitet das den werdenden Müttern Freude. So wie Hanna gejubelt hat, so tut es Maria.
Gott hat auf die Niedrigkeit nicht nur Mariens geschaut, sondern auch von Hanna sowie von uns allen. Mariens Niedrigkeit müssen wir als Demut verstehen. Weil sie so demütig ist, stellt sie den fruchtbaren Boden für das Wort Gottes dar, das in ihr Fleisch annimmt. Ihre Demut hat den Hochmut des Bösen besiegt, weshalb dieser sie so sehr hasst. Wir haben vor einigen Tagen darüber nachgedacht, als wir das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria gefeiert haben.
Unsere Niedrigkeit ist im Gegensatz zu ihrer natürlich beschränkt, weil wir vor der Erbsünde eben nicht verschont sind. Doch wir können die Niedrigkeit auf uns selbst noch anders verstehen, denn das griechische Wort tapeinosis bedeutet auch die Erniedrigung oder Niedergeschlagenheit. Gott hat das Leiden seines Volkes gesehen und somit die Bitten um das Kommen des Messias erhört! Und er erhört auch unsere Gebete in heutiger Zeit. Wir sind bereits Erlöste und doch erleiden wir immer wieder Nöte als weiterhin Lebende in der gefallenen Schöpfung. So möchte er uns immer wieder aus diesen Nöten herausholen und uns vor allem aus den seelischen Nöten befreien. Er ist kein Gott, dem seine Kinder egal sind. Er wirkt und er greift ein. Das durfte auch Hanna erfahren, die sehr gedemütigt worden ist, weil ihr kein Kind geschenkt wurde. Gott hat ihre Bitten erhört!
Maria preisen nun wirklich alle Geschlechter. Sie ist die Mutter aller Lebenden geworden – die neue Eva. Und weil sie durch ihr Ja den Messias in diese Welt gebracht hat, preisen wir alle sie selig. Sie ist wahrlich selig, denn wir glauben, dass sie jetzt mit Leib und Seele bei Gott ist, zur Rechten ihres Sohnes und als Königin des Weltalls!
Gott hat wirklich Großes an ihr getan. Sie gibt ihm die Ehre, statt sich selbst zu rühmen. Was mit ihr geschieht, ist ja alles nicht ihr eigenes Verdienst. Vielmehr wirkt Gott an ihr, die sie sich bereit erklärt hat zu seinem wunderbaren Werkzeug.
Gottes Name ist heilig. Das ist eine gottesfürchtige Aussage einer frommen Jüdin. Und auch wir sollen Gottes Namen heiligen. Das ist eines der Zehn Gebote. Und auch wir sollen nie vergessen, dass alles, was wir an Gutem zustande bringen, von Gott kommt. Wir sollen ihm dafür die Ehre geben und nicht die Orden an unsere eigene Brust hängen.
Gott erbarmt sich wirklich über alle, die ihn fürchten. Er ist barmherzig und hat Mitleid. Er ist absolut vergebungsbereit bis heute, wenn die Menschen reumütig zu ihm kommen.
Er ist absolut großzügig und nährt die Hungrigen – nicht nur die körperlich Hungrigen, sondern vor allem jene, die Hunger nach Gerechtigkeit, die Hunger nach Liebe, die Hunger nach Gott haben. Er ist es, der unsere tiefste Sehnsucht stillt. Nur er kann diese innere Unruhe stillen, die wir alle verspüren und die uns antreibt, in der Welt auf die Suche nach „Nahrung“ zu gehen.
Gott lässt die Reichen leer ausgehen – nicht einfach die finanziell/materiell Reichen. Denn es geht vielmehr um jene, deren Herz an ihrem Besitz, an ihrem Ansehen und an ihrer Macht hängt. Es gibt auch Reiche, die ihr Vermögen an Arme und Bedürftige verschenken und die gar nicht an dem Reichtum hängen. Diese sind hier also nicht angesprochen, sondern vielmehr jene, deren Herz schon ganz reich ist mit allem Möglichen, sodass Gottes Gnade nicht mehr hineinpasst. Wir bemerken in dem Magnificat viele Anspielungen an das erste Samuelbuch und den Lobpreis der Hanna. Beide Frauen werden erfüllt mit demselben Geist, Maria kennt die Hl. Schriften und ist ganz in ihnen zuhause.
Gott nimmt sich seines Knechtes Israel an, das ist als Sammelbild für das gesamte Volk zu verstehen und führt erneut auf die Gebetserhörung und das Mitleid Gottes mit seinem Volk zurück. Gott hält sein Versprechen. Er ist treu und nun erfüllt sich alles, was Jesaja angekündigt hat. Das ist der Grund zur absoluten Freude!
Wir stehen als Christen am Ende der Zeiten und warten voller Sehnsucht auf das Ende der Zeiten. Dann wird es nämlich eine Erlösung vom Leiden dieser Welt, eine Befreiung von der Unterdrückung und Gefangenschaft durch den Bösen. So können wir auch mit Blick auf das zweite Kommen voller Freude sein. Es ist die innere Gewissheit, dass trotz aller schrecklichen Zustände der Gegenwart und entgegen aller bösen Mächte Gott das letzte Wort haben wird. Christus hat den Tod ja bereits besiegt. Das Osterereignis ist für uns der Grund zur absoluten Freude! Am Ende der Zeiten wird es ein ultimativer Triumph Gottes sein, der mit dem Bösen abrechnen wird. Dann werden wir beim himmlischen Hochzeitsmahl die absolute Freude der Ewigkeit erfahren.
Gott vergisst seine Verheißungen nicht, die er den Vätern eröffnet hat, Abraham und seinen Nachkommen. Diese Verheißungen haben ewigen Bestand, Gottes Bund endet nie!
Maria bleibt drei Monate bei ihrer Verwandten, also bis zur Geburt des Täufers. Erst danach kehrt sie nach Hause zurück.
Das Magnificat ist eine Zusammenstellung der verschiedensten Schrifttexte. Maria ist eine fromme Jüdin, die eine absolute Schriftkundige ist. Das beweist uns dieses Gebet, das die Kirche mit ihr gemeinsam betet: Es ist ein Durchlauf durch die fünf Bücher Mose (z.B. Gen 30; Dtn 10), durch den Psalter (z.B. Ps 103; 89; 147), durch Geschichtsbücher vor allem aus 1 Sam (wie gesagt viele Übereinstimmungen mit Hanna) und vor allem aus den Propheten (z.B. Habakuk, Ezechiel, Jesaja und Micha). Hier wirkt der Hl. Geist in ihr.

Im weiteren Verlauf ihres Lebens sowie des Lebens ihres Sohnes wird sie Hanna noch viel ähnlicher werden: Auch sie schenkt ihren Sohn Gott zurück, zunächst nach vierzig Tagen im Tempel als Erstgeburt, sodann mit Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. Ihr Sohn verkündet überall das Reich Gottes und ist gesandt zu allen Menschen. Ihr ist das bewusst und sie ist nicht eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die sie mit allen Menschen teilen muss. Im Gegenteil: Sie ist seine Jüngerin, sie nimmt alles auf, was er erklärt. Und sie wird bis zum Schluss aufs Schmerzlichste erfahren, dass ihr Sohn nicht ihr Sohn ist, sondern nur geborgt. Gott hat ihn ihr geschenkt und nimmt ihn wieder zurück zu seinem Zeitpunkt und in seiner Art. Sie nimmt alles an, was mit ihrem Sohn so Schreckliches geschehen wird. Ihr Sohn ist wahrlich ein Zurückgeforderter. Doch so groß der Schmerz des Kreuzes sie durchdringt, so groß ist die Freude über die Auferstehung! Und nun darf sie auf ewig ganz bei ihrem Sohn sein – mit Leib und Seele.

Ihre Magstrauss

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