Donnerstag der 3. Woche der Fastenzeit

Jer 7,23-28; Ps 95,1-2.6-7c.7d-9; Lk 11,14-23

Jer 7
23 Vielmehr gab ich ihnen folgendes Gebot: Hört auf meine Stimme, dann will ich euch Gott sein und ihr sollt mir Volk sein! Geht in allem den Weg, den ich euch befehle, damit es euch gut geht!
24 Sie aber hörten nicht und neigten mir ihr Ohr nicht zu, sondern folgten den Eingebungen und der Verstocktheit ihres bösen Herzens. Sie zeigten mir den Rücken und nicht das Gesicht.
25 Von dem Tag an, als eure Väter aus dem Land Ägypten auszogen, bis auf den heutigen Tag sandte ich zu euch alle meine Knechte, die Propheten, mit Eifer habe ich sie immer wieder gesandt.
26 Aber sie hörten nicht auf mich und neigten nicht das Ohr und sie verhärteten ihren Nacken, trieben es schlimmer als ihre Väter.
27 Auch wenn du ihnen alle diese Worte sagst, werden sie nicht auf dich hören. Wenn du sie rufst, werden sie dir nicht antworten.
28 Sag ihnen also: Dies ist das Volk, das nicht auf die Stimme des HERRN, seines Gottes, hörte und sich nicht erziehen ließ. Die Treue ist zugrunde gegangen, aus ihrem Mund verschwunden.

In der heutigen Lesung aus dem Buch Jeremia hören wir einen Ausschnitt aus der sogenannten Tempelrede, einem Gotteswort, das dieser Jeremia eingibt.
Gott hat seinem Volk aufgetragen, auf ihn zu hören, als er mit ihm einen Bund einging, was hier umschrieben wird mit den Worten „dann will ich euch Gott sein und ihr sollt mir Volk sein!“ Der zu gehende Weg bezieht sich auf das moralische Verhalten des Volkes. Sie sollen Gottes Gebote halten, um Segen zu haben.
Doch das Volk hat die Gebote nicht gehalten, sondern ist seinen eigenen Weg gegangen. Mit bildhaften Ausdrücken wie dem fehlenden zugeneigten Ohr und dem zugewandten Rücken wird die Abwendung des Volkes von Gott ausgedrückt.
Gott hat immer wieder Propheten berufen, seinen Willen dem verstockten Volk kundzutun, damit es umkehrt und ihm wieder nachfolgt. Aber das Volk blieb stur. Die Israeliten „verhärteten ihren Nacken“. Dieser Ausdruck wird im Alten Testament immer gebraucht, um die Verstocktheit des Volkes zu umschreiben. Wir können es uns gut vorstellen, wie jemand mit einem harten Nacken, das heißt mit einem steifen Nacken den Kopf nicht drehen kann. Mit anderen Worten: Die Israeliten sind so stur, dass sie sich dauerhaft nicht zu Gott umdrehen.
Die Generation Jeremias ist schlimmer als die vorherigen Generationen, das heißt der Götzendienst und der Ungehorsam gegenüber Gott ist besonders groß. So ist auch nachvollziehbar, warum bei Gott das Maß voll ist und die politische Lage sich zuspitzt bis zum Babylonischen Exil.
Gott weiß schon vorher, dass es so kommen wird und deshalb trägt er Jeremia auf, dem Volk auszurichten: „Dies ist das Volk, das nicht auf die Stimme des HERRN, seines Gottes, hörte und sich nicht erziehen ließ.“
Es wirkt wie die Ankündigung des selbstverschuldeten Leids, das auf sie zukommen wird mit dem Einfall der Babylonier.

Ps 95
1 Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN, jauchzen dem Fels unsres Heils!
2 Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, ihm jauchzen mit Liedern!
6 Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
7 Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt. Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
8 Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, wie in der Wüste am Tag von Massa!
9 Dort haben eure Väter mich versucht, sie stellten mich auf die Probe und hatten doch mein Tun gesehen.

Der Psalm reflektiert die Versuchung Gottes in Meriba und Massa. Auch in jener Situation hat das Volk Israel Gott herausgefordert, so wie auch unmittelbar vor dem Babylonischen Exil. Der Psalm beginnt ganz typisch mit einer Lobaufforderung. Gott ist „der Fels unseres Heils“ im wahrsten Sinne, denn das verdurstende Volk wurde mit Wasser aus einem Felsen getränkt. Das ist kein Zufall, dass Gott ausgerechnet aus einem Felsen hat Wasser hervorsprudeln lassen. Das war eine ganz große Lektion und im Nachhinein erkennen wir Christen diesen Typos: Das Wasser ist ein Zeichen des lebendigen Wassers, des Heiligen Geistes! Dass es ausgerechnet aus einem Felsen kommt, ist für uns auch kein bisschen zufällig: Jesus sagt zu Petrus in Mt 16: „Du bist Petrus, der Fels. Und auch diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Durch den Hl. Geist nahm die Kirche am Pfingsttag ihren Anfang, die Petrus zum Fels in der Brandung hat, damals bei der Pfingstpredigt wie heute mit dem Papst.
Der Psalm ruft zur Dankbarkeit auf, zum Jauchzen „mit Liedern“. Das ist es, was Gott immer verdient hat, egal, ob es uns gerade gut oder schlecht geht. Er hat nur Gutes für uns bereit und tut uns nur Heilsames. Wer sind wir, dass wir unser Lob, das ihm immer zusteht, von unserer eigenen Befindlichkeit abhängig machen? Er ist schließlich unser Schöpfer. Dass wir existieren, dafür allein gebührt ihm auf ewig unser Lob. Das allein ist schon Grund genug, dass der Psalm auffordert: „Wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!“
Gott ist keine undurchschaubare Macht, sondern teilt mit uns immer wieder seinen Heilsplan. Er kümmert sich schon damals um seine Herde, die Israeliten. Er kümmert sich auch heute um uns, indem er uns alles Notwendige in unserem Leben schenkt. Weil er ein guter Hirte ist, so wie Jesus es im Johannesevangelium sagt, dürfen und müssen wir auf seine Stimme hören.
Das Volk Israel soll nicht verstockt und verbittert sein wie die Väter im Exodus, als sie Gott auf die Probe stellten, obwohl sie so große Heilstaten gesehen haben. Auch wir sollen angesichts des temporären Dursts nicht Gottes Güte infragestellen, sondern fragen: „Was hast du mit mir vor? Wofür ist diese Situation gut?“ Wir sollen uns an die Zeiten erinnern, in denen Gott uns überreich getränkt hat, in denen er uns so große Heilszeichen erwiesen hat. Und so wie Jesus sollen wir uns in diesen Zeiten noch mehr an Gott klammern. Dann wird er unser Vertrauen reich belohnen, indem er uns in das verheißene Land führt, in dem Milch und Honig fließen – auf Erden in den Stand der Gnade, nach dem Tod ins Himmelreich.
Die Verbindung von Exodus und Babylonischem Exil ist kein bisschen zufällig. Die Geschichte wiederholt sich. Schon die Juden haben im Nachhinein herausgestellt, dass beide Ereignisse zusammenhängen und der Verlust des Gelobten Landes mit der eigenen Sünde zusammenhängt. So wie die Israeliten in Meriba und Massa ihre Chance auf das Gelobte Land verspielt haben, ja selbst Mose es nicht schauen durfte, so verlieren es auch jene, die dort gelebt haben, aber jede Warnung Gottes in den Wind geschlagen haben. Das ist auch für uns sehr aktuell, denn auch wir verspielen unser Leben im „Gelobten Land“ durch das Verharren in der Sünde, nämlich das ewige Leben im Himmelreich. So möchte der Herr auch uns zu sich zurückholen. Prüfen wir uns selbst in dieser besonderen Gnadenzeit, um zu sehen, wie verhärtet unser Nacken ist!

Lk 11
14 Jesus trieb einen Dämon aus, der stumm war. Es geschah aber: Als der Dämon ausgefahren war, da konnte der Mann reden. Alle Leute staunten.
15 Einige von ihnen aber sagten: Mit Hilfe von Beelzebul, dem Herrscher der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.
16 Andere wollten ihn auf die Probe stellen und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.
17 Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes Reich, das in sich selbst gespalten ist, wird veröden und ein Haus ums andere stürzt ein.
18 Wenn also der Satan in sich selbst gespalten ist, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul austreibe.
19 Wenn ich aber die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben dann eure Söhne sie aus? Deswegen werden sie eure Richter sein.
20 Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen.
21 Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht, ist sein Besitz sicher;
22 wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere seine ganze Rüstung, auf die er sich verlassen hat, und verteilt seine Beute.
23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Heute hören wir etwas sehr Wichtiges im Evangelium. Durch Christi Handeln wird dieser überall als Messias erkannt/erahnt. Doch das gilt nicht für alle Menschen. Einige Menschen kommen durch diese eindeutigen Erweise der Macht Gottes nicht zum Glauben, sondern unterstellen Jesus okkulte Kräfte. Sie erkennen die Gottheit Jesu nicht. Stattdessen begehen sie die Sünde gegen den Hl. Geist. Sie verteufeln die Macht Gottes. Jesus treibe mithilfe okkulter Kräfte Dämonen aus. Warum sagen sie so etwas Unlogisches, das sie doch selbst nicht glauben können? Vielleicht aus Missgunst, denn Jesus treibt auch stumme Dämonen aus und diese kann laut jüdischer Tradition nur der Messias austreiben. Alle anderen Dämonen werden ansonsten auch von den Pharisäern exorziert. Die Stummheit eines Dämons ist insofern ein Hinderungsgrund für den jüdischen Exorzismus, weil die Erfahrung des dämonischen Namens ihn erst binden kann. Spricht der Dämon nicht, kann dies also nicht gelingen.
Wir kennen diese Situation leider auch heute. Ganz besonders die katholische Kirche muss sich immer wieder anhören, dass die Sakramente, die Sakramentalien, die Charismen, also alles, was der Hl. Geist bewirkt, okkult sei. Das wird von Nichtkatholiken behauptet, die die Analogien zu den Freimaurern entdecken, die viele okkulte Manifestationen kennen. Analogien liegen durchaus vor, aber die Schlussfolgerung ist falsch: Die Freimaurer sowie jegliche esoterische/okkulte Gruppen greifen urchristliche Symbolik, die Lehre der Kirche, selbst den Ablauf der Liturgie auf und pervertieren diese Dinge ins Dämonische. Die Manifestationen des Hl. Geistes werden teuflisch nachgeahmt. Aber zuerst ist Gott da. Die Freimaurer sind erst später entstanden. Zuerst ist das Pentagramm da, zuerst das Dreieck mit dem Auge, dann ist dies alles erst zweckentfremdet worden. Zuerst ist die Zungenrede, dann das dämonische Geplapper. Die Kraft des Hl. Geistes ist immer zuerst da.
Es ist sehr schmerzhaft, wenn man einerseits die wunderbaren Heilstaten Gottes in der Kirche erfährt – und gerade in der charismatischen Erneuerung wird man Zeuge von vielen Krankenheilungen, von Exorzismen, von Charismen – andererseits diese Dinge dann von außen verteufelt werden. Die Verurteiler haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Wie kann etwas vom Teufel sein, wenn der Glaube wieder neu auflebt, wenn die Menschen nach vielen Jahrzehnten wieder beichten gehen und zu brennenden Christen werden? Der Satan kann Menschen in die Irre führen, indem er körperliche Heilungen imitieren kann. Aber kein Dämon kann die Seele heilen. Das ist das ausschlaggebende Indiz.
Jesus nimmt sich dieser Skeptiker an. Er könnte sie öffentlich bloßstellen und sagen: „Ihr solltet meine ganzen Anspielungen doch verstehen. Ihr habt doch die Torah?“ Aber er tut es nicht. Stattdessen legt er ihnen die unlogische Schlussfolgerung dar: Ein in sich gespaltenes Reich hat keinen Bestand. Nur die Einheit ist beständig. Doch wenn er „durch den Finger Gottes“ diese Tat vollzieht, ist es doch ein eindeutiges Signal für das gekommene Reich Gottes. Dies wird in den Hl. Schriften doch angekündigt! Das Bild des Fingers Gottes ist sehr trefflich, weil es die Mühelosigkeit der Tat schön verbildlicht. Gott fällt es ganz leicht, einen Dämon auszutreiben. Dieser muss ihm ja gehorchen. Im Gegensatz dazu ist alles menschliche Bemühen ein einziger Krampf. Wie viel Kraft investiert der Mensch in eine Sache, die für Gott ein Kinderspiel ist! Was Jesus den menschlich denkenden Juden hier also sagen möchte: Nehmt doch die Gnade Gottes in Anspruch! Warum wollt ihr alles alleine machen? Könnt ihr vielleicht die Welt erlösen?
Wenn die Skeptiker behaupten, dass Jesu Kraft dämonischen Ursprungs ist, werden die Dämonen die Richter der Skeptiker sein. Denn sie unterstehen dem allmächtigen Vater, der sie zu Zeugen gegen die Ungläubigen aufrufen wird.
Jesus nennt ein Beispiel, bei dem die Gespaltenheit den Untergang vorprogrammiert: Exorzismen sind Kämpfe, geistliche Schlachten innerhalb eines Hauses. Deshalb bringt Jesus den Vergleich mit einem Kampf eines Stärkeren mit dem Hausherrn. Das Haus ist die menschliche Seele, der Hausherr sind wir. Der Satan dringt wie ein Dieb in unser Haus ein, nicht gepflegt durch die Tür so wie Jesus, der höflich anklopft (Offb 3,20). Er muss zuerst uns selbst überwältigen. Was er besiegen muss, ist unseren freien Willen. Dann kann er mit uns treiben, was er will. Jesus bringt diesen Vergleich, um die Absurdität der Behauptung der Schriftgelehrten herauszustellen. Wie kann ein durch die Gespaltenheit geschwächter Dämon den Wächter überwältigen? Er muss zunächst dessen Rüstung zerstreuen, wodurch er entmachtet wird. Die Strategie des Bösen ist also die Zerstreuung, ein anderes Bild für die Gespaltenheit.
Wer das Wirken des Hl. Geistes leugnet, dem können die Sünden nicht vergeben werden, denn der Geist ist es, der die Sündenvergebung bewirkt. Wer ihn zurückweist, weist jegliche Chance auf Vergebung zurück. Was die Menschen im Evangelium betrifft und ebenso die Israeliten in Meriba und Massa sowie zur Zeit des Jeremia, ist die absolute Verstocktheit. Gott zieht alle Register, ja er wird sogar Mensch, um bei ihnen zu sein, doch sie lassen sich nicht bekehren. Und doch gibt Christus nicht auf. Er tut alles, was er tun kann. Er lässt sich sogar ans Kreuz schlagen, zur Sühne für unsere Sünden. Er stirbt für alle Menschen, auch für jene, die so hartherzig sind wie in den heutigen Lesungen. Seine Liebe kann jedes Herz erweichen. Beten wir heute ganz besonders für alle, deren Herz versteinert ist, deren Nacken verhärtet ist, die Gott den Rücken und nicht das Ohr zuwenden. Möge der Herr ihnen allen die Gnade einer tiefen Umkehr verleihen!

Ihre Magstrauss

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