Apostel Philippus und Jakobus (Fest)

1 Kor 15,1-8; Ps 19,2-3.4-5b; Joh 14,6-14

1 Kor 15
1 Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.
2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
8 Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.

In der Lesung des heutigen Apostelfestes hören wir aus einem wichtigen Kapitel des ersten Korintherbriefes. Dort erklärt Paulus viele Aspekte zum Thema Auferstehung.
Dabei betont er am Anfang, dass das Fundament des Glaubens, den auch die Korinther angenommen haben, die Osterbotschaft ist. Sie nämlich ist der Kern des gesamten Evangeliums.
Wer an diesem Evangelium festhält, wird gerettet werden. Die Bejahung des Evangeliums wiederum geschieht durch die Taufe als äußeres Zeichen des inneren Glaubens. Und deshalb wiederholt er es noch einmal, falls der ein oder andere diese Botschaft unüberlegt angenommen hat.
Dann hören wir aus der ältesten Osterüberlieferung, die das Neue Testament tradiert. Paulus selbst hat sie schon von woanders empfangen, also ist sie sehr alt, das heißt sehr nah an dem Osterereignis dran.
„Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift“ – ja, das ist der Grund – entgegen aller theologischen Bemühungen heutzutage, den Sühnetod wegzuargumentieren. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, für jeden einzelnen Menschen!
Die Wendung „gemäß der Schrift“ verdeutlicht uns, dass es schon das Alte Testament angekündigt hat. Das ist wichtig, weil es den frommen Juden zeigt, dass Jesu Tod und Auferstehung heilsgeschichtlich entscheidend ist und sogar den Höhepunkt der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen darstellt.
„Jesus ist begraben worden.“ Das heißt, er war wirklich komplett tot, nicht scheintot, nicht ohnmächtig oder gar nicht erst gestorben. Er ist wirklich gestorben, was für unsere Erlösung absolut notwendig war. Er konnte nicht erlösen, was er nicht selbst durchgemacht hat. Deshalb musste er ganz sterben.
Er ist dann aber am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift.“ Petrus hat diese Schriftstellen teilweise zitiert, als er am Pfingsttag vor die Menschen getreten ist. Jesus selbst hat dies angekündigt, indem er immer wieder Leidensankündigungen vorgenommen hat. Die Apostel haben es damals nicht verstanden, doch nun ist ihnen alles klar.
Er erscheint dem Kephas (also Petrus), dann den Zwölf, sogar 500 Brüdern gleichzeitig. Das kann also keine Einbildung sein, keine Fata Morgana oder Halluzination. Viele der Augenzeugen leben noch zur Zeit des Paulus.
Mit Jakobus ist der „Herrenbruder“ Jakobus gemeint, der die Jerusalemer Gemeinde nach der Abreise des Petrus geleitet hat. Er ist Verwandter Jesu, deshalb heißt er auch „Herrenbruder“. Wir wissen von dem biblischen Zeugnis, dass es sich dabei um den Sohn einer anderen Maria und des Kleopas handelt, der übrigens einer der Emmausjünger ist. Diese andere Maria kann kaum die Schwester der Mutter Jesu sein (diese war laut Protevangelium des Jakobus ohnehin Einzelkind). Es wird sich vielleicht um die Cousine der Mutter Jesu gehandelt haben, also ist Jakobus Jesu Cousin zweiten Grades. Und doch ist es im orientalischen Kontext normal, Bruder zu sagen (Es gibt damals auch nur ein Wort für Bruder, Cousin etc.). Mit „Familie“ ist mehr gemeint als die gerade Linie, wie wir es aus unserem Kontext kennen. Damit ist vielmehr die Großfamilie gemeint.
„Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.“ Das bezieht sich auf Pauli Begegnung mit Christus vor den Toren von Damaskus. Paulus nennt sich einerseits Missgeburt, weil er sich selbst als den geringsten Apostel erachtet. Er hat schließlich die Christen zunächst verfolgt und somit Christus selbst verfolgt. Er nennt sich andererseits so, weil das griechische Wort ἔκτρωμα ektroma „unzeitige Geburt“ heißt. Es bezieht sich aber in seinem Fall nicht auf die biologische Geburt, sondern auf die Wiedergeburt im Hl. Geist. Seine Bekehrung kommt spät, ist also unzeitig im Gegensatz zu den anderen Aposteln.

Ps 19
2 Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.
3 Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund,
4 ohne Rede und ohne Worte, ungehört bleibt ihre Stimme.
5 Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.

Als Antwort auf die Lesung beten wir Ps 19, in dem König David zunächst die Erkennbarkeit Gottes in der Schöpfung betrachtet. Die Psalmen reflektieren die Torah und hier wird der Schöpfungsbericht aufgegriffen. Das ist für uns heute wichtig, um zu verstehen, wie eine Analogie zur neuen Schöpfung hergestellt werden kann!
Die verschiedenen Elemente der Schöpfung verkünden gleichsam Gott als ihren Schöpfer. Er ist der kreative Ursprung, der die wunderbaren Dinge gemacht hat. So sind es die Himmel mit den Himmelskörpern, die die Herrlichkeit Gottes verkünden. Gott hat die Himmelskörper am vierten Tag an das Himmelsgewölbe gesetzt, den Himmel schuf er aber bereits am zweiten Tag.
Gottes Herrlichkeit wird von Tag zu Tag gepriesen. Die Tage und Nächte selbst sind seine Verkünder. Sie werden durch die verschiedenen Himmelskörper gesteuert, sodass Sonne und Mond bzw. Sterne sich mit der Verkündigung Gottes abwechseln. Und auch diese Art der Verkündigung gelangt an die Ohren aller Menschen, die davon im Herzen berührt werden und zum Glauben an Gott kommen können. Jeder Mensch ist von Natur aus „begabt“ für den Glauben, denn er ist ein Abbild Gottes.
Die Elemente der Schöpfung tun dies jedoch nicht verbal, sondern durch ihre wunderbare Ordnung und Schönheit. Die Sonne spendet Licht und Wärme. Ohne sie kann die Erde nicht bestehen. Sie ist ein wunderbares Bild für unsere Abhängigkeit von Gott. Seine Gnade erhält uns Tag für Tag am Leben. Ohne ihn gehen wir ganz schnell ein wie eine Pflanze ohne Sonnenlicht. Der Mond und die Sterne erleuchten die dunkle Nacht. Er ist uns Orientierung, denn an seinen Mondphasen erkennen wir die Zeit im Monat. An den Sternbildern können wir uns auch an den Himmelsrichtungen orientieren. Die Schönheit des Sternenhimmels lässt uns Gottes überwältigende Herrlichkeit erahnen. Nichts an Himmelskörpern ist chaotisch. Der Mond verläuft in geordneten Bahnen. Die Erde dreht sich unaufhörlich und so sehen wir die Sonne täglich auf- und untergehen. Diese mächtigen Himmelskörper tun nichts, was Gott ihnen nicht „angeordnet“ hat. Sie offenbaren uns Gottes Ordnung, seinen Logos, der die ganze Schöpfung ordnet, der die gesamten Naturgesetze verleiht hat.
Der Himmel spricht kein einziges Wort, doch verbreitet sich diese Art von Verkündigung weltweit, was mit den „Enden der Erde“ ausgedrückt wird.
Verkündigung geschieht nicht einfach nur verbal. Es geht nicht darum, dass wir das Evangelium Christi nur mit Worten in die Welt hinaussagen, auch wenn das elementar ist. So ist auch Gottes gesprochenes Wort es, das die Schöpfung erwirkt und systematisiert hat. Wir haben es am Beispiel der Himmelskörper gesehen. Aber das Wort Gottes hat es auch konkret getan. So sollen auch wir den Menschen vor allem ein gutes Beispiel sein, die Gebote Gottes aus brennender Liebe halten und uns ganz den Menschen hingeben. Das wird unsere verbale Verkündigung authentisch machen und so werden wir viele Herzen anrühren. Das überzeugt Menschen, nicht nur leeres Gerede. Die Apostel Philippus und Jakobus, die wir heute feiern, haben das wirklich beispielhaft vorgelebt. Sie haben nicht nur mit Worten versucht, zu überzeugen, sondern haben im Namen Gottes unzählige Heilstaten vollbracht. Sie haben schließlich ihr Leben für Christus hingegeben und damit die überzeugendste Tat vollbracht, die man als Liebesbeweis tun kann. Dadurch sind gewiss viele Menschen zum Glauben gekommen. Und so sind sie wie alle anderen Apostel zum verlängerten Arm der neuen Schöpfung geworden: So wie Gott durch sein gesprochenes Wort die Erschaffung der Welt in Gang gesetzt hat, so beginnt die Neuschöpfung des Menschen durch das gesprochene Wort des Verkünders. Der Same ist gesetzt und es wächst der Neue Mensch heran, der schließlich in der Taufe geboren wird.

Joh 14
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
13 Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.
14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun.

Heute hören wir als Evangelium einen Abschnitt aus der ersten Abschiedsrede. Jesus erklärt, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Das müsste uns eigentlich alle Zweifel ausräumen, dass er jemals einen religiösen Pluralismus vertreten habe. Von dort ausgehend müssen wir nun Vers 7 verstehen, wo Jesus zu seinen Aposteln im Abendmahlssaal sagt: „Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Jesus zu begegnen ist schon ein Laufen auf dem Weg zum Vater. Die Apostel haben so viele Jahre Zeit mit Jesus verbracht, sein Wesen ganz kennengelernt, seine Worte verinnerlicht und so viele Heilstaten bezeugt. In all diesen Aspekten haben sie den Vater kennengelernt! Er und der Sohn sind eins. Das ist der springende Punkt, den Jesus immer wieder herausstellt. Deshalb sagt Jesus auch, dass die Apostel den Vater „schon jetzt“ kennen. Sie sind jene Menschen, denen der Vater durch den Sohn am meisten offenbart worden ist und die sich mitten auf dem Weg befinden.
Doch die Apostel begreifen Jesu Worte noch nicht ganz und wie so oft entsteht ein Missverständnis. Philippus sagt nämlich: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“ Er hat nicht verstanden, dass Jesus durch sein ganzes Sein den Vater kontinuierlich zeigt und mit ihm eins ist.
Wir müssen uns klar werden, wann das alles passiert: Sie befinden sich beim letzten Abendmahl, kurz vor Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Es ist also alles am Ende der langen dreijährigen Phase des Umherziehens mit Jesus. Bis dahin müssten die Apostel also schon sehr viel verstanden haben, denn Jesus hat ihnen so viel erklärt und auch wiederholt. Wenn jemand Jesus erkannt haben müsste, dann also die Apostel. Doch Philippus offenbart, dass er den Kern von allem nicht begriffen hat. Deshalb sagt Jesus die folgenden Worte: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?“ Es gilt natürlich nicht nur Philippus, sondern auch den anderen Aposteln, die so ähnlich denken. Ebenfalls richtet Jesus diese Worte auch an uns, die wir schon so lange auf seinem Weg gehen und die Basics noch nicht einmal begriffen haben – wir als einzelne Christen sowie die ganze Kirche als Leib Christi.
Jesus erklärt geduldig noch einmal, wie sein Verhältnis zum Vater ist und konfrontiert Philippus mit der Frage des Glaubens: „Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist?“ Er sieht das Problem des Philippus also nicht auf der Ebene des Verstehens, sondern des gläubigen Annehmens. Jesu Erklärung zeigt uns, dass er nicht nur Philippus anspricht, sondern alle seine Apostel, wenn er sagt: „Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!“ Die Art und Weise, wie Jesus die Apostel adressiert, ist vergleichbar mit der Rede vor den vielen Menschenmassen, die er wenigstens von seinen Werken zu überzeugen versuchte. Wir merken hier, dass die Apostel nicht irgendwie besser sind als der Rest der Menschen. Sie sind nicht aus solchem Grund zum Zwölferkreis auserwählt worden. Es hängt nicht mit einer gewissen Leistung zusammen, sondern mit der Gnade Gottes, die unverdientes Geschenk ist.
Jesus sagt weiter, dass wenn sie ihm Glauben schenken werden, in seinem Namen dieselben Heilstaten und darüber hinaus vollbringen. Zweiteres begründet er mit seinem Heimgang zum Vater. Wie müssen wir das verstehen? Warum werden die Apostel aufgrund der Himmelfahrt Jesu noch größere Zeichen wirken? Das hängt mit dem Pfingstereignis zusammen. An anderer Stelle erklärt Jesus, dass er gehen muss, damit der Vater den Geist senden kann, der der Beistand ist (Joh 16,7ff.). Wenn der Geist erst einmal auf die Apostel kommen wird, dann werden sie mit der Fülle der Gnade ausgestattet, wodurch sie erst so richtig reiche Frucht bringen werden.
Und dieser Geist wird sie befähigen, alles im Namen Jesu zu erbitten, der zur Rechten des Vaters sitzen wird.

In der Lesung hörten wir von Jakobus, im Evangelium stach Philippus heraus. Sie waren einfache Männer, aber sie haben sich ganz der Gnade Gottes hingegeben. Deshalb hat Gott sie für sein wunderbares Wirken benutzt. Danken wir den beiden und bitten wir um ihre Fürsprache am Thron Gottes!

Ihre Magstrauss


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