Montag der 14. Woche im Jahreskreis

Gen 28,10-22a; Ps 91,1-2.14-15a.15b-16; Mt 9,18-26

Gen 28
10 Jakob zog aus Beerscheba weg und ging nach Haran.
11 Er kam an einen bestimmten Ort und übernachtete dort, denn die Sonne war untergegangen. Er nahm einen von den Steinen dieses Ortes, legte ihn unter seinen Kopf und schlief dort ein.
12 Da hatte er einen Traum: Siehe, eine Treppe stand auf der Erde, ihre Spitze reichte bis zum Himmel. Und siehe: Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder.

13 Und siehe, der HERR stand vor ihm und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.
14 Deine Nachkommen werden zahlreich sein wie der Staub auf der Erde. Du wirst dich nach Westen und Osten, nach Norden und Süden ausbreiten und durch dich und deine Nachkommen werden alle Sippen der Erde Segen erlangen.
15 Siehe, ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe.
16 Jakob erwachte aus seinem Schlaf und sagte: Wirklich, der HERR ist an diesem Ort und ich wusste es nicht.
17 Er fürchtete sich und sagte: Wie Ehrfurcht gebietend ist doch dieser Ort! Er ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels.
18 Jakob stand früh am Morgen auf, nahm den Stein, den er unter seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Steinmal auf und goss Öl darauf.
19 Dann gab er dem Ort den Namen Bet-El – Haus Gottes – . Früher hieß die Stadt Lus.
20 Jakob machte das Gelübde: Wenn Gott mit mir ist und mich auf diesem Weg, den ich gehe, behütet, wenn er mir Brot zum Essen und Kleider zum Anziehen gibt,
21 wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters, dann wird der HERR für mich Gott sein
22 und dieser Stein, den ich als Steinmal aufgestellt habe, soll ein Gotteshaus werden.

In der Lesung hören wir heute eine sehr bedeutungsträchtige Episode aus dem Leben Jakobs. Er ist der Enkel Abrahams und der Sohn Isaaks. Durch eine List hat er den Erstgeburtssegen erhalten. Nun geht er nach Haran und übernachtet auf einem Stein. Es ist sehr auffällig, dass es heißt, er ging „an einen bestimmten Ort“. Bei Gott ist nichts zufällig, weder der Ort noch das Timing.
Ihm wird ein bedeutsamer Traum von Gott geschenkt, der eine göttliche Offenbarung beinhaltet. Auch hier geschieht dies wieder in der Nacht, so wie bei Abraham: Jakob sieht eine Treppe, in anderen Übersetzungen schaut er eine Leiter, jedenfalls sieht er Engel auf- und absteigen. Dann hört er ein Gotteswort: Gott stellt sich ihm vor als „Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks.“ Immer wieder kommt eine solche Offenbarung, bevor Gott den Heilsgestalten des Alten Testaments eine Botschaft verheißt. So verspricht Gott Jakob, dass er ihm das Land schenken wird, auf dem er sich zu jener Zeit befindet. Er wird viele Nachkommen haben und diese werden sich in alle Himmelsrichtungen ausbreiten. Durch seine Nachkommen wird den anderen Sippen weltweit der Segen Gottes zukommen. Es wird also eine Wanderung geben, doch Gott verspricht, dass Jakobs Nachkommen an den verheißenen Ort zurückkehren werden. Gott wird bei ihnen sein, weil er ein treuer Gott ist, der seine Versprechen hält.
Was Jakob hier verheißen wird, ist nicht nur Gutes, sondern auch die Umwege bis hin zum verheißenen Land. Gott bereitet ihn und seine Nachkommen darauf vor, dass es eine Völkerwanderung geben wird, dass durch sie die Nichtisraeliten den Segen Gottes erhalten werden – vor allem die Ägypter, denn sehr bald wird das der große Umweg sein, der mehrere Jahrhunderte andauern wird. Gott wird bei seinem Volk sein, das ist schon eine Andeutung seiner Offenbarung im Dornbusch: Da wird er sich dem Mose vorstellen als der „Ich bin“ und „ich werde sein“. Er ist ein Gott, der bei seinem Volk ist. Wenn wir dann noch bedenken, dass Jakob die Engel auf- und absteigen sieht, kann kein Zweifel mehr darüber bestehen: Deismus ist unbiblisch. Was wir hier in den Geschichten des Alten Testaments hören, ist das Eingreifen Gottes in seine Schöpfung! Gott wirkt und Wunder geschehen zu allen Zeiten! Was auf das Gottesvolk zukommt, stellt eine große Herausforderung dar. Deshalb muss es gut vorbereitet werden.
Die Kirchenväter haben über den Traum des Jakob sehr viel nachgedacht und dieses Ereignis sogar auf Christus bezogen. Sie sehen darin eine Präfiguration des Hinabsteigens des Messias auf die Erde. Es ist eine Typologie, die sie ausmachen. Dadurch, dass es nicht nur ein Herabsteigen, sondern auch Hinaufsteigen gibt, kann man es auf Jesu gesamtes irdisches Dasein beziehen – seine Menschwerdung bis hin zur Himmelfahrt. Wir können es jedoch noch weiterführen: Nicht nur Christus ist herabgestiegen, sondern er tat es, damit wir hinaufsteigen können. Er hat uns erlöst und uns diese „Leiter“ oder „Treppe“ ins Himmelreich wiederherstellt, die durch den Sündenfall hinweggenommen worden ist. Jesus ist zudem nicht nur einmal Mensch geworden und hat nichts mehr mit uns am Hut, sondern er kommt jedesmal herab, wenn wir die Eucharistie feiern. Er ist real präsent durch die Wandlungsworte des Priesters und löst somit immer wieder sein Versprechen ein: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Wenn wir ihn empfangen, dürfen wir das ewige Leben haben, dann steigen wir gemeinsam mit ihm die Leiter hinauf zum Vater, der unser aller Endziel ist. Die Vorfreude wird immer wieder entfacht, wenn wir der Hl. Messe beiwohnen. Dann wird die Leiter aufgestellt, wenn Himmel und Erde sich berühren. Dann steigen die Engel auf und ab, die unsere Gebete hinauf zum himmlischen Altar tragen.
All diese Dinge sind sehr naheliegend, auch wenn wir bedenken, dass Jakob den Ort Beth-El nennt – Haus Gottes. Wie ekklesiologisch ist diese Handlung! Und dann hören wir auch noch davon, dass er den Stein, auf dem er schlief, zum Steinmal macht und mit Öl übergießt. Typologischer kann es nicht sein! Die Kirchenväter stellen heraus, dass dieser Stein Christus selbst ist, der Messias, der Gesalbte. Und zur Salbung wurde Öl verwendet. Jesus ist der Felsen, auf den wir unser Haus bauen müssen, damit die Regengüsse es nicht zerstören. Auch dies wird schon in diesem Ereignis vorweggenommen, ohne dass es Jakob jemals bewusst sein konnte. Weitere Elemente des Traums weisen schon auf Christus hin, so die Leiter, die nicht nur auf seine Menschwerdung hindeutet, sondern auch auf sein Kreuz, das Himmel und Erde verbindet, den Neuen Bund besiegelt. Und dann spricht Jakob auch noch aus, dass dieser Ort das „Tor des Himmels“ sei. Christus selbst wird später dann erklären, dass er die Tür zum Vater ist. Wer durch ihn hindurch geht, wird gerettet werden. Also auch dieses Bild dürfen wir auf Christus beziehen.
Es geht noch weiter: Wenn wir dieses Ereignis ekklesiologisch betrachten, sehen wir einen weiteren Felsen vor uns: Petrus, den Jesus sich zum Fundament erwählt und auf dem er seine Kirche bauen will.
Er legt sein Gelübde ab, dass wenn Gott immer bei ihm sein wird und er zu jenem Ort wohlbehalten zurückkehren wird, Gott ihm sein Gott sein wird. Was heißt das? Die Wendung „mein Gott“ oder „unser Gott“ bezeugt Bundessprache. Es geht darum, dass man mit Gott in einer Bundesbeziehung lebt, denn diese stellt eine Selbstübereignung an den Bundespartner dar. Gott ist mein und ich bin Gottes. Das drückt Jakob hier aus und dieser Bundesschluss wird mit dem ganzen Gottesvolk wird sich am Sinai nach dem Auszug aus dem Sklavenhaus vollziehen. Schließlich verspricht Jakob, dass er an der Stelle ein Gotteshaus bauen wird, wenn er zurückkehrt.

Ps 91
1 Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen.
2 Ich sage zum HERRN: Du meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich vertraue.
14 Weil er an mir hängt, will ich ihn retten. Ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen.
15 Ruft er zu mir, gebe ich ihm Antwort. In der Bedrängnis bin ich bei ihm, ich reiße ihn heraus und bring ihn zu Ehren.
16 Ich sättige ihn mit langem Leben, mein Heil lass ich ihn schauen.

Als Antwort beten wir einen ganz machtvollen Psalm, der zu exorzistischen Zwecken verwendet wird. Dieser Psalm ist so passend, weil er zu den geschauten Engeln passt, die Jakob auf der Himmelsleiter auf- und absteigen sah. Den Psalm beten wir auch am Gedenktag der Hl. Schutzengel am 2. Oktober. Sie sind im Grunde die Behüter der Gottesfürchtigen. Psalm 91 ist ein Trostpsalm der entstanden ist in Kriegssituation und Seuchenplage. Diesen Psalm zitiert der Teufel bei der Versuchung Jesu in der Wüste. Deshalb wird der Psalm oft im Befreiungsdienst gegen ihn verwendet.
„Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen“ – ja, die Engel dürfen dies genießen. Sie dürfen Tag und Nacht das Angesicht Gottes schauen und sind uns darin voraus. Sie haben die Macht und auch die Heiligkeit, die Gegenwart Gottes auszuhalten.
Der Psalmenbeter erkennt Gott an als seine Zuflucht und Burg. Gerade in Situationen der Bedrängnis und Versuchung dürfen wir diese Worte sprechen. Jesus hat zu seinen Aposteln im Garten Getsemani nicht umsonst gesagt: Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Herr ist auch unsere Zuflucht in jeglicher Hinsicht. Je mehr wir erleiden, desto mehr müssen wir uns an ihn klammern, der unsere Zuflucht und Burg ist. So wie Christus in der absoluten Gottesferne nach seinem Vater gerufen hat, so sollen auch wir immer in Verbindung mit Gott bleiben. So wie uns viele Glaubenszeugen vorgelebt haben, sollen wir ein unerschütterliches Gottvertrauen haben. Wir denken zurück an Abraham, der schon das Messer gezückt hat, um seinen Sohn zu opfern. Dieses Gottvertrauen sollen wir haben.
Und Gott wird uns erhören. Er sagt immer wieder: „Weil er an mir hängt, will ich ihn retten.“ Wie entscheidend ist doch eine innige Beziehung zum Herrn! Deshalb müssen wir uns stets bemühen, im Stand der Gnade zu sein. Denn die schwere Sünde bedeutet eine freiwillige und bewusste Abkehr des Menschen von Gott. Wenn er aber nicht mehr an diesem hängt, wie soll Gott ihn dann beschützen? Uns kann es deshalb nur gutgehen am Herzen des Vaters. Was bedeutet es, den Namen Gottes zu kennen? Es reicht nicht aus, einfach zu wissen, dass er so und so heißt. Nicht das schützt uns und führt zu einer innigen Beziehung, sondern das Leben nach Gottes Geboten. Es ist aber so, dass Gott sich uns seinen Namen offenbart und er uns aus der Offenbarungssituation heraus seine Gebote geschenkt hat. Es heißt im Rückblick des Mose in Deuteronomium, dass er Aug in Aug mit Gott die Gebote Gottes empfangen hat. Seinen Namen zu kennen, heißt also, sein Wesen und seinen Willen erkannt zu haben. Jesus geht sogar noch weiter und erlaubt uns nicht nur, Gott beim Namen zu nennen, sondern ihn mit Abba, lieber Vater, anzusprechen!
Wenn wir in einer innigen Beziehung zum Vater leben, das heißt im Stand der Gnade sind, dann erhört er unsere Bitten. Er hilft uns in Bedrängnis, die uns auch als Gerechte nicht erspart bleibt, im Gegenteil. Wie sehr müssen gerade jene Christen leiden, die standhaft sind! Der Weg zum Vater ist gepflastert mit dem Martyrium vieler Heiligen. Doch Gott entreißt sie der Schmach und Ehrlosigkeit. Er schenkt ihnen direkt das Leben bei ihm. Sie sind die eigentlichen Gewinner.
Das „lange Leben“, das hier im ursprünglichen Psalmenkontext noch als ein erfülltes Leben im Diesseits bedeutet, dürfen wir bereits auf das eigentliche Leben bei Gott beziehen, auf das ewige Leben, das uns Christus durch die Erlösung erwirkt hat.
Doch schon für die Israeliten ist das eine verheißungsvolle Aussage: Sie werden das Heil schauen, den Messias, der nicht umsonst Jesus heißt, „Gott ist Heil“.

Mt 9
18 Während Jesus so mit ihnen redete, siehe, da kam ein Synagogenvorsteher, fiel vor ihm nieder und sagte: Meine Tochter ist eben gestorben; komm doch, leg ihr deine Hand auf und sie wird leben!
19 Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.
20 Und siehe, eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt, trat von hinten heran und berührte den Saum seines Gewandes;
21 denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.
22 Jesus wandte sich um, und als er sie sah, sagte er: Hab keine Angst, meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet! Und von dieser Stunde an war die Frau geheilt.
23 Als Jesus in das Haus des Synagogenvorstehers kam und die Flötenspieler und die Menge der klagenden Leute sah,
24 sagte er: Geht hinaus! Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus.
25 Als man die Leute hinausgeworfen hatte, trat er ein und fasste das Mädchen an der Hand; da stand es auf.
26 Und die Kunde davon verbreitete sich in der ganzen Gegend.

Heute hören wir ein Evangelium, das uns in der Markusversion bereits begegnet ist.
Jesus spricht zu der Volksmenge, gerade eben sprach er mit den Johannesjüngern über das Fasten und die Zeit des Bräutigams. Da kommt ein Synagogenvorsteher zu ihm und wirft sich vor ihm nieder. In der Matthäusfassung wird sein Name nicht erwähnt. Er fleht Jesus von Herzen an, dass er seine verstorbene Tochter zum Leben erwecke. In der Markusfassung liegt sie im Sterben und es geht darum, sie zu heilen.
So machen sie sich auf den Weg zu ihm nach Hause.
Während sie unterwegs sind, kommt eine Frau, die seit zwölf Jahren an Blutfluss litt, von hinten an ihn heran und berührt sein Gewand. Jesus wendet sich um und spricht die Frau direkt an. Es ist eine unscheinbare Frau voller Glauben. Keiner hat sie beachtet und doch hat sie mit ihrer Aktion sehr viel Mut bewiesen. Denn ihre Blutungen machen sie kultisch dauerhaft unrein und sie kann weder am Gottesdienst teilnehmen, noch irgendwelche sozialen Kontakte pflegen. Andere Juden werden durch den Kontakt zu ihr ja auch kultisch unrein und meiden sie deshalb. Sie ist eine seit Jahren isolierte Frau, die es dennoch gewagt hat, sich in eine Menschenmenge zu begeben. Noch mehr: Ihr Glaube ist so stark, dass er die Furcht vor den kultischen Reinheitsgeboten übertrumpft. Sie vertraut so sehr, dass ihre Berührung Jesus kultisch nichts anhaben kann, weil er der Sohn Gottes ist. Man kann eine Parallele ziehen zur Braut Israel in der Wüste, was angedeutet wird in der heutigen Jakobserzählung. Auch da ist eine Frau, die in Isolation lebt, die ihre ganz persönliche Wüste durchlebt. Im Gegensatz zur verstockten und untreuen Braut Israel ist diese Frau voller Glauben und so verwandelt Jesus sie in eine Oase. Er heilt sie und sagt ganz deutlich: „Dein Glaube hat dich gerettet.“
Eigentlich ist Jesus unterwegs zu Jairus‘ Tochter und doch widmet er sich der blutflüssigen Frau. Erstens möchte er ihr mit der Aufmerksamkeit zeigen, wie die Liebe des Vaters ist: Er liebt jeden Einzelnen so, als wäre er der Einzige auf der Welt. Zweitens möchte Jesus den Glauben der Frau den Umstehenden als Glaubensbeispiel heranziehen und sie zugleich in die Gesellschaft wieder eingliedern. Ihr Glaube ist so stark, dass sie die kultischen Reinheitsgebote aufs Spiel setzt. Sie glaubt sogar so stark, dass sie nicht mal Jesus selbst, sondern nur sein Gewand berühren muss. Sie hat Angst, weil sie genau weiß, dass sie gegen die jüdischen Gesetze gehandelt hat und die Menschen um sie herum sie bestrafen werden. Deshalb sagt Jesus ihr auch zu: „Hab keine Angst, meine Tochter.“
Die Trauer über das verstorbene Kind ist groß, als Jesus mit dem Vater der Verstorbenen in dessen Haus einkehrt. Die Fälle des verstorbenen Mädchens und der blutflüssigen Frau hängen miteinander zusammen. Es geht um kultische Verunreinigung. Im ersten Fall ist es der blutige Ausfluss der Frau, im zweiten Fall ist es der Tod des Mädchens, der alle verunreinigt, die zu ihr ins Haus gehen. Doch Jesus ist Gott. Er steht über den Reinheitsgeboten und kann sich kultisch nicht verunreinigen. Das ist ein starkes Zeichen für alle Zeugen. Doch diese lachen ihn aus, als er zu ihnen sagt, dass das Mädchen nur schlafe. Was auch immer mit dem Kind passiert ist, die Menschen sind sehr ungläubig. Jesus wird verspottet, obwohl er Gott ist. Wir in seiner Nachfolge erfahren bis heute genau dasselbe. Wo wir mutig zur Wahrheit stehen, werden wir ausgelacht, insbesondere wo das gesellschaftliche Umfeld besonders atheistisch ist. Dann wird das Gesagte nicht einmal als eine Alternative unter vielen angesehen. Das Wort Gottes wird einfach als Ganzes abgelehnt.
Wer ungläubig ist und somit zum Gegenbild der blutflüssigen Frau wird, soll das Haus verlassen. Dann geht Jesus zum Mädchen, fasst es bei der Hand, wie er immer wieder die zu Heilenden bei der Hand fasst, und es steht auf. Jesus richtet die Menschen immer auf, nicht nur körperlich, sondern seelisch, psychisch, gesellschaftlich, einfach umfassend. Er richtet den Glauben vieler Menschen auf, wo diese Heilungen geschehen. Er heilt also nie einfach nur offensichtlich den körperlich Kranken, sondern immer die ganzen Anwesenden gleich seelisch mit. Dabei hat Jesus keine Mühe. Er fasst die Tochter des Synagogenvorstehers einfach und sie steht direkt auf. Jesus ist Gott und muss deshalb keine Anstrengung aufwenden wie z.B. der Prophet Elija beim verstorbenen Jungen in 1 Kön 17. In beiden Fällen lässt Gott den tödlichen Krankheitsverlauf zu, damit er an den Leidenden seine Herrlichkeit offenbaren kann und die Familien zum Glauben an ihn kommen. Bei Gott gibt es nie ein „zu spät“. Wenn er unserem Empfinden nach erst spät eingreift, ist es seiner wunderbaren Vorsehung nach genau der richtige Zeitpunkt. Wir sehen als Menschen nur unsere derzeitige Situation und im Leiden ist unser Blick noch eingeschränkter. Gott sieht aber stets das Gesamtbild und so dürfen wir ihm bei seinem Timing und in der Art und Weise seiner Gebetserfüllung vertrauen. Gott ist so sensibel, dass er Jairus durch die Heilung der blutflüssigen Frau auf die richtige Glaubenshaltung vorbereitet. Was passiert ist, verbreitet sich in der ganzen Gegend. Schließlich ist es ein so spektakuläres Wunder, das es sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Menschen werden sich an diese Totenerweckung zurückerinnern, wenn sie von Jesu eigener Auferstehung erfahren werden. Dann werden sie die Verbindung erkennen und Christus als Gottes Sohn gläubig annehmen. Er ist Herr über Leben und Tod.

In den heutigen Lesungen hören wir von Gottes Nähe und Heil, das jenen zuteilwird, die seine Nähe suchen. So wie der Ort der Jakobserzählung zum „Haus Gottes“ wird, so ist es auch mit dem Haus des Jairus: Auch dieses wird zum Haus Gottes, weil Christus hineinzieht. Gott ist ein Gott des Lebens und so schenkt er dem Mädchen eine Auferstehung. So ist es bis heute mit dem Haus Gottes, das die Kirche ist: Immer wieder wird durch das Sakrament der Taufe und der Versöhnung ein toter Mensch lebendig – im moralischen und heilsgeschichtlichen Sinne. Und so wie das wieder lebendige Mädchen zur Stärkung etwas zu essen bekommt, zumindest nach den parallelen Erzählungen in den anderen synoptischen Evangelien, so erhalten dann auch die lebendig gewordenen Menschen in der Kirche die Stärkung durch die Eucharistie und das lebendige Wasser des hl. Geistes durch die Sakramente und Sakramentalien.

Ihre Magstrauss

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