Mittwoch der 21. Woche im Jahreskreis

1 Thess 2,9-13; Ps 139,7-8.9-10.11-12; Mt 23,27-32

1 Thess 2
9 Ihr erinnert euch, Brüder und Schwestern, wie wir uns gemüht und geplagt haben. Bei Tag und Nacht haben wir gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen, und haben euch so das Evangelium Gottes verkündet.
10 Ihr seid Zeugen und auch Gott ist Zeuge, wie gottgefällig, gerecht und untadelig wir uns euch, den Glaubenden, gegenüber verhalten haben.
11 Ihr wisst auch, dass wir, wie ein Vater seine Kinder, jeden Einzelnen von euch
12 ermahnt, ermutigt und beschworen haben zu leben, wie es Gottes würdig ist, der euch zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit beruft.
13 Darum danken wir Gott unablässig dafür, dass ihr das Wort Gottes, das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern – was es in Wahrheit ist – als Gottes Wort angenommen habt; und jetzt ist es in euch, den Glaubenden, wirksam.

Heute hören wir wieder einen Abschnitt aus dem ersten Thessalonicherbrief. Paulus spricht über das Vorbild der Apostel, nicht aber als Prahlerei, sondern als Zeugnis.
Die Apostel haben unentwegt gearbeitet (Tag und Nacht). Das bezieht sich auf ihre Ganzhingabe im Dienst am Evangelium, aber auch darauf, dass sie für ihren Unterhalt selbst aufgekommen sind. Wir müssen bedenken, dass Paulus diesen Brief wahrscheinlich bei seinem Aufenthalt in Korinth geschrieben hat, wo er als Zeltmacher mit Priscilla und Aquila gearbeitet hat. Womöglich lebte er schon vorher nach diesem Prinzip, selbst für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Paulus erklärt auch im zweiten Korintherbrief, dass er großen Wert darauf legt, niemandem zur Last zu fallen, so nun auch hier.
Die Thessalonicher haben lange genug die Möglichkeit gehabt, Paulus und seine Begleiter zu erleben. Sie können bezeugen, wie ernst diese ihre Berufung genommen haben und jeden einzelnen von ihnen „ermahnt, ermutigt und beschworen haben zu leben, wie es Gottes würdig ist“. Das sind die primären pastoralen Aufgaben, die bis heute gelten sollten: Alles muss dem Seelenheil der Gläubigen dienen, auch wenn das bedeutet, dass die Geistlichen die Gläubigen manchmal ermahnen oder auch tadeln müssen. Sie sollen zum Weckruf der Menschen werden, statt ihre Ohren zu schmeicheln.
Die Thessalonicher haben das getan, was uns heutzutage so schwerfällt: Gottes Wort als Gottes Wort angenommen, nicht als Menschenwort. Die Entmythologisierung und Profanisierung der Hl. Schrift hat in den letzten hundert Jahren um sich gegriffen. Die Bibel wird oftmals nur noch als historisches Dokument wahrgenommen, das aus Erzählungen besteht, die keinerlei Autorität oder sogar nur ganz geringen Wahrheitsgehalt besäßen. Kurzum: Heutzutage glauben nicht mehr viele, dass die Bibel das Wort Gottes ist, dem man folgen soll und das unter dem Einfluss des Hl. Geistes entstanden ist. Dagegen haben die Thessalonicher begriffen, dass alles, was Paulus und seine Mitarbeiter verkünden, Gotteswort ist. Sie haben es angenommen und es wirkt nun in ihnen. Konkret zeigt sich das darin, dass das Wort Gottes ihren Lebenswandel prägt, sie nach den Geboten Gottes leben und vom Gotteswort genährt werden. Ihr konkreter Lebensstil macht überall die Runde, wir hörten am Montag davon, dass man über die Thessalonicher sprach.
Paulus betrachtet sein Verhältnis zu den Thessalonichern wie das Verhältnis eines Vaters zu seinen Kindern. Dieser Vergleich ist nicht weit hergeholt. Es geht schließlich um die Familie Gottes. Die Geistlichen müssen väterliche Figuren sein, die ganz für die Kinder sorgen. Sie müssen sich ganz für ihre Familie hingeben. Sie müssen Vorbilder sein, „gottgefällig, gerecht und untadelig“. Das sind Ideale, die Geistliche nicht immer erreichen. In unserer heutigen Zeit gibt es viele Aspekte, die nicht gut laufen. Wir denken vor allem an die hässliche Fratze des Missbrauchs. Und doch ändert das nichts daran, wie sie eigentlich sein sollten. Beten wir um gute Geistliche, die aus Berufung Geistliche sind!

Ps 139
7 Wohin kann ich gehen vor deinem Geist, wohin vor deinem Angesicht fliehen?

8 Wenn ich hinaufstiege zum Himmel – dort bist du; wenn ich mich lagerte in der Unterwelt – siehe, da bist du.
9 Nähme ich die Flügel des Morgenrots, ließe ich mich nieder am Ende des Meeres,
10 auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich ergreifen.
11 Würde ich sagen: Finsternis soll mich verschlingen und das Licht um mich soll Nacht sein!
12 Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir, die Nacht leuchtet wie der Tag, wie das Licht wird die Finsternis.
13 Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.

14 Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.

Als Antwort auf die Lesung beten wir Psalm 139, einen wunderbar weisheitlichen Text, in dem Gottes Schöpfermacht betrachtet wird, auf den man sich ganz als Geschöpf verlassen kann.
Der Mensch kann sich vor Gott nicht verstecken. Er kann nicht vor ihm fliehen, weil er um alles weiß. Dass der Mensch sich aber vor Gott verstecken möchte, liegt an der Sünde. Bis zum ersten Sündenfall hatte der Mensch gar nicht das Bedürfnis, vor Gott in Deckung zu gehen. Erst nach der Sünde kam die Scham und das schlechte Gewissen, sodass sich das Menschenpaar vor Gott versteckte.
Gott ist überall – deshalb trifft man ihn überall an, ob man in den Himmel oder in die Unterwelt kommt. Wie muss man das verstehen? Sagt der Psalm aus, dass Gott in der Hölle ist? Wir müssen erstens bedenken, dass zur Zeit des Königs David die Jenseitsvorstellungen noch nicht so sind wie in der christlichen Lehre. Das hebräische Wort an der Stelle lautet שְּׁאֹ֣ול sche’ol. Der Scheol ist ein Ort der Dunkelheit und Stille, an den alle Verstorbenen kommen, Gerechte wie Ungerechte. Es ist also nicht gleichzusetzen mit der Hölle, auch wenn alte Bibelübersetzungen oft mit „Hölle“ übersetzt haben. Man müsste vielleicht den Begriff „Totenreich“ wählen, wie es auch im Glaubensbekenntnis der Fall ist („hinabgestiegen in das Reich des Todes“). Die Septuaginta übersetzt den hebräischen Begriff mit „Hades“ und meint ebenfalls das Totenreich allgemein, nicht die Hölle als Ort der Ungerechten, die sich freiwillig gegen Gott entschieden haben. So kann Gott also auch in der „Unterwelt“ sein, denn erst in der Hölle herrscht die absolute Gottesferne. In diesen Sche’ol kamen auch die Gerechten des AT, die durch die Erbsünde nicht in das Himmelreich eingehen konnten. Erst mit dem Erlösungswirken Jesu ist dies erwirkt worden.
Gott ist überall, im Osten (deshalb die Flügel des Morgenrots) und auch am Rande des Meeres.
Das ist aber nichts, was König David, den Psalmenbeter, bedrohlich erscheint. Im Gegenteil. Er preist diese Intimität, die Gott ihm schenkt dadurch, dass er sein „Innerstes geschaffen“ hat und ihn „gewoben“ hat im Mutterschoß. Das stellt für ihn den Anlass dar zur absoluten Geborgenheit in seinem Schöpfer. Und wenn er Gottes immerwährende Gegenwart bis ins Innerste seines Herzens betrachtet, dann erfüllt es ihn mit Dankbarkeit. Gottes überwältigende Kreativität hat den König gemacht und jeden Einzelnen von uns geschaffen. Jeder von uns ist ein staunenswertes Werk Gottes. Deshalb können wir nicht sagen: „Ich bin wertlos“ oder „Ich bin hässlich“. Gott hat das Höchstmaß an Liebe und Kreativität, Detailtreue und Komplexität in jedes einzelne Geschöpf hineingesteckt und alles, was er geschaffen hat, ist wunderschön! Wenn wir uns selbst als seine Geschöpfe mal eingehend betrachten, werden wir aus dem Staunen nicht mehr herauskommen!

Mt 23
27 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie getünchte Gräber, die von außen schön aussehen, innen aber voll sind von Knochen der Toten und aller Unreinheit.

28 So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit.
29 Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten
30 und sagt dabei: Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wären wir nicht wie sie am Blut der Propheten schuldig geworden.
31 Damit bestätigt ihr selbst, dass ihr die Söhne der Prophetenmörder seid.
32 Macht nur das Maß eurer Väter voll!

Heute hören wir so wie vor zwei Tagen Weherufe gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie stellen das Negativbeispiel der Worte Pauli dar: Ihre Worte und Taten unterscheiden sich diametral. Sie sind keine vorbildlichen Geistlichen. Sie sind „wie getünchte Gräber, die von außen schön aussehen, innen aber voll sind von Knochen der Toten und aller Unreinheit.“ Dass Jesus das Grabbild verwendet, ist von höchster Brisanz, denn der Tod ist eines der kultisch verunreinigenden Aspekte, die den Juden kultunfähig machte. Wenn Jesus also jene als Gräber bezeichnet, die den höchsten Wert auf Ritualgebote gelegt haben – bei anderen! – dann provoziert sie dies auf unsägliche Weise! Jesus tut das aber ganz bewusst, damit er sie überhaupt erreichen kann. Sie sind von ihrer Selbstgerechtigkeit so vereinnahmt, dass man nur so zu ihnen durchdringen kann.
Jesus greift das Bild aber nicht nur deshalb auf, um sie zu provozieren, sondern auch zu betonen, dass sie innerlich tot sind. Wenn sie also nicht bald umkehren, wird sie der ewige Tod ereilen.
Sie sind innerlich voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit. In ihren Herzen sind sie also wie jene, vor denen Paulus die Thessalonicher gewarnt hat: voller Unordnung. Die Pharisäer und Schriftgelehrten sind peinlich darauf bedacht, die Menschen bei der Einhaltung aller Gebote, insbesondere der Ritualgebote, zu überwachen und selbst eine perfekte Fassade zu wahren, obwohl sie selbst sich gar nicht um ein Leben nach Gottes Geboten bemühen.
Jesus spricht noch einen weiteren Aspekt ihrer Heuchelei an: Sie schmücken die Gräber und Gedenkstätten der Propheten und Gerechten. Dabei haben jene Toten ihr Leben dafür geopfert, Gottes Willen treu zu verkünden, die Selbstgerechten anzuprangern und immer wieder zur Umkehr aufzurufen. Sie mussten sehr oft dafür ihr Leben lassen, weil Selbstgerechte wie jene Pharisäer und Schriftgelehrten mit derselben Haltung nicht umkehren wollten. Wie heuchlerisch ist es also nun, dass die Pharisäer, die jene Propheten genauso abgelehnt hätten wie ihre Vorfahren, ihre Gräber pflegen? Sie kümmern sich nicht nur darum, sondern behaupten auch noch, dass sie die Propheten nicht umgebracht hätten. Dabei ist das, was die Propheten verkündet haben, verdichtet mit Jesus Christus gegeben, den sie nun mit aller Kraft ablehnen! Dadurch, dass sie sich mit ihren Worten so weit aus dem Fenster lehnen, bestätigen sie, dass sie die Söhne der Prophetenmörder sind. Denn sie nehmen dieselbe heuchlerische Haltung ein wie ihre Väter. Sie haben nicht das Bedürfnis, irgendwie Buße zu tun und stellvertretend für ihre Vorfahren Gott um Verzeihung zu bitten. So wiederholen sie dieselben Fehler. Es ist wie mit der gesamten Weltgeschichte. Die schlimmen Ereignisse, Fehler, konkret die totalitären Regime und Kriege, wiederholen sich im Laufe der Geschichte immer wieder (vielleicht unter anderem Namen und Deckmantel, aber im Kern auf dieselbe Weise), weil die Menschen aus ihren Fehlern nicht lernen, weil sie keine Sühne leisten und sich von Gott nicht belehren lassen wollen.
Und was Jesus am Ende sagt, wird sich erfüllen. Die religiöse Elite seiner Zeit wird nicht nur das Maß ihrer Väter voll machen, sondern diese noch überbieten. Sie werden nicht nur die Diener Gottes umbringen, sondern Gott selbst. Und doch ist alles eingefasst in den universalen Heilswillen Gottes. Er wird die größte Katastrophe aller Zeiten in das größte Heil für die ganze Welt wandeln, wenn Christus von den Toten aufersteht.

Ihre Magstrauss

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