Montag der 24. Woche im Jahreskreis

1 Tim 2,1-8; Ps 28,1abu. 2.7.8-9; Lk 7,1-10

1 Tim 2
1 Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen,

2 für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können.
3 Das ist recht und wohlgefällig vor Gott, unserem Retter;
4 er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
5 Denn: Einer ist Gott, / Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: / der Mensch Christus Jesus,
6 der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, / ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit,
7 als dessen Verkünder und Apostel ich eingesetzt wurde – ich sage die Wahrheit und lüge nicht -, als Lehrer der Völker im Glauben und in der Wahrheit.
8 Ich will, dass die Männer überall beim Gebet ihre Hände in Reinheit erheben, frei von Zorn und Streit.

In der heutigen Lesung aus dem ersten Timotheusbrief beginnt Paulus die Anreihung von Verhaltensregeln in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und Kirche. Alles, was er in diesem großen Abschnitt erklärt, soll der Ordnung der Gemeinde dienen.
An den Anfang dieses Abschnitts stellt er die Bitte um Gebet für alle Menschen. Dieses Gebet soll aus Fürbitte und Danksagung bestehen. Er fordert besonders auch zum Gebet für die Verantwortungsträger und Mächtigen auf. Auch dies soll der Ordnung in der Gemeinde dienen, denn wenn die Machthaber der Welt ihnen gutgesinnt sind, können sie ihr Gemeindeleben ungestört fortsetzen. Wenn sie aber unterdrückt oder sogar verfolgt werden, sind sie beeinträchtigt. Es soll aber nicht einfach eigennützig sein, sondern die Christen sind aufgerufen für alle zu beten, damit sie alle die Wahrheit erkennen und umkehren. Christus kam schließlich, um die ganze Menschheit zu erretten.
In der heutigen Lesung fällt die Strukturierung in „einer“ und „alle“ auf. Es ist ein Christus, der als Mittler den neuen Bund besiegelt hat, ein Gott, an den wir glauben. Doch es sind alle Menschen, denen die Rettung angeboten wird. Es sind alle Menschen, für die wir beten sollen.
Paulus nennt Christus ein Lösegeld für alle. Gerade in seiner Menschheit ist er zum Lösegeld geworden, das heißt durch seine Erlösungstat, in der er seine Entäußerung bis zum Schluss durchgehalten hat. Dadurch dass er eben nicht seine Gottheit in Anspruch genommen hat, nicht vom Kreuz herabgestiegen ist, sich den Menschen wirklich ganz ausgeliefert hat, ist er zum Lösegeld geworden, um die unbezahlbare Schuld zu begleichen, die die Menschheit auf sich geladen hat.
Christi Tod ist ein Martyrium, ein Zeugnis, das die Liebe Gottes so laut in die Welt hinaus verkündet, dass diese Kunde bis heute in allen Teilen der Welt widerhallt. Ihr Echo erklingt aus dem Mund der Apostel und deren Nachfolger. Paulus ist eingesetzt worden vom auferstandenen Christus vor den Toren von Damaskus. Er hat die Berufung bekommen, Echo dieses Zeugnisses zu sein. Er hat sich nicht selbst ernannt. Was er verkündet und wofür er einsteht, ist wahr. Er ist Glaubenslehrer der Völker, das heißt der Heiden, und er steht ein für die Wahrheit, die Jesus Christus ist. Er hat ihn erkannt und möchte als Heidenmissionar diese Wahrheit weitertragen.
Am Ende der Lesung hören wir den Beginn des nächsten Abschnitts. Paulus führt ausgehend von Christus und seiner Erlösungstat Verhaltensregeln für verschiedene Personen heran. Es beginnt ein Abschnitt über das Verhalten von Mann und Frau. Die Männer sollen ihre Hände beim Gebet in Reinheit erheben, frei von Zorn und Streit. Es erinnert uns an die Worte Christi, nicht zu opfern, bevor man sich nicht mit seinem Nächsten ausgesöhnt hat. Unversöhnte Zustände sollen zuerst geklärt werden. Der Mann soll rein sein, also nicht im Stand schwerer Sünde. Es bedeutet aber sehr viel mehr. Es geht nicht einfach um heilige Hände oder um das heilige Erheben (die grammatikalische Form lässt mehrere Möglichkeiten zu, worauf sich das Adjektiv „heilig“ bezieht), sondern diese Heiligkeit geht tiefer. Ein Mann muss in erster Linie reinen Herzens sein. Denn von dort gehen alle Sünden aus. Wenn die Reinheit schon an der Wurzel angestrebt wird, werden auch die Gedanken, die Lippen und schließlich die Hände rein sein.

Ps 28
1 Von David. Zu dir rufe ich, HERR, mein Fels, wende dich nicht schweigend ab von mir!
2 Höre mein lautes Flehen, wenn ich zu dir schreie, wenn ich meine Hände zu deinem Allerheiligsten erhebe!
7 Der HERR ist meine Kraft und mein Schild, auf ihn vertraute mein Herz, so wurde mir geholfen; da jubelte mein Herz, mit meinem Lied will ich ihm danken.
8 Der HERR ist ihre Kraft, er ist Schutz und Heil für seinen Gesalbten.
9 Hilf deinem Volk und segne dein Erbe, weide und trage sie in Ewigkeit!

Als Antwort beten wir Psalm 28, einen nächtlichen Lobpreis. Er beginnt mit einem Bittruf Davids. Er bittet den Herrn, den er als seinen Felsen betrachtet, das heißt als seinen Schutz und seine Zuflucht. Gott soll ihn nicht anschweigen. Er fleht darum, eine Antwort zu bekommen.
David tut nun das, was am Ende der Lesung thematisiert wurde: Er erhebt seine Hände zum Herrn im Gebet. Wir wissen von seinem Leben und seinen tiefen Betrachtungen, dass er wirklich ein Mann mit reinem Herzen ist. Selbst in der Situation schwerer Sünde, bereute er sofort und kehrte um. Er ist ganz innig mit Gott verbunden, auch wenn durch die vielen Kriege und Schlachten Blut an seinen Händen klebt.
Ab Vers 7 wird schon rückblickend formuliert, dass Gott das Gebet König Davids erhört hat. König David ist nicht stark aus sich heraus. Immer wieder verkündet er freimütig, dass Gott seine Kraft und sein Schild ist. Auf ihn kann David seinen ganzen Erfolg zurückführen.
Wir sehen an ihm, dass es sich immer lohnt, ganz auf Gott zu vertrauen, weil dieser uns nie enttäuscht. König David hat ein vertrauensvolles Herz, weshalb Gott seine Gebete erhört hat. Er hat kein Misstrauen, keine Zweifel. So dankt König David Gott mit seinem Lied.
Der Gesalbte, der in Vers 8 genannt wird, ist König David selbst. Er ist ja als König gesalbt. Gott ist seine Kraft, sein Schutz und sein Heil. Doch wir betrachten diesen Vers noch weiter, vor allem vor dem Hintergrund der Lesung, in der Paulus über das Erlösungswirken Christi spricht: Der Gesalbte Christus kann vom Vater ganz sagen, dass dieser seine Kraft, sein Schutz und Heil ist. Ganz entäußert hat er sich ja vertrauensvoll in die Hände seines Vaters begeben, statt sich selbst zu erlösen. Auf diese Weise ist uns ja das Heil erwirkt worden. Das heißt nicht, dass Jesus nicht ganz Gott ist, sondern dass er seine Gottheit nicht beansprucht hat. Deshalb ist Vers 8 auch sehr christologisch zu verstehen. Wir alle sind zudem als Getaufte und Gefirmte gesalbt – mit dem kostbarsten Öl, das die Kirche verwendet, dem Chrisam. Auch wir dürfen ganz vertrauensvoll den Herrn als unseren Felsen betrachten, uns immer ganz an ihn wenden, alles von ihm erbitten. Wichtig ist, dass auch wir unsere Hände in Reinheit erheben. Wir müssen im Stand der Gnade sein, denn wie Christus im Johannesevangelium sagt: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen (Joh 15,5).“ Wenn wir ganz mit ihm verbunden leben, dem Bund der Taufe treu sind, ganz auf dem Felsen bauen, statt auf Sand, dann werden wir am Ende unseres Lebens wirklich das Heil schauen und ewig die Glückseligkeit des Himmels erfahren.
Gott soll dem Volk helfen. König David betet nicht nur für sich, sondern hält Fürsprache für das ganze Volk, das ihm anvertraut ist. Er tut das, was Paulus Timotheus am Anfang der Lesung aufträgt – König David betet „nur“ für sein anvertrautes Volk und der Segen des Erbes, von dem hier noch die Rede ist, betrifft den Alten Bund. Doch im Paulusbrief geht es bereits um den Neuen Bund, den Gott mit der ganzen Menschheit eingehen möchte. Deshalb sollen wir nicht nur für eine bestimmte Menschengruppe beten, sondern für alle Menschen.
Gott soll in Ewigkeit weiden, denn er ist der gute Hirte. David drückt dies durch den prominenten Ps 23 aus. Christus bezeichnet sich im Johannesevangelium als den guten Hirten. Er weidet, statt zu unterdrücken. Er führt vor allem durch das Tal des Todes auf die grünen Auen des Himmels, was seine Qualität als Hirte am besten beweist.

Lk 7
1 Nachdem Jesus alle seine Worte dem Volk zu Gehör gebracht hatte, ging er nach Kafarnaum.
2 Ein Hauptmann hatte einen Diener, den er sehr schätzte, der war krank und lag im Sterben.
3 Als der Hauptmann aber von Jesus hörte, schickte er jüdische Älteste zu ihm mit der Bitte, zu kommen und seinen Diener zu retten.
4 Sie gingen zu Jesus und baten ihn inständig. Sie sagten: Er verdient es, dass du seine Bitte erfüllst;
5 denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut.
6 Da ging Jesus mit ihnen. Als er nicht mehr weit von dem Haus entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde und ließ ihm sagen: Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst.
7 Deshalb habe ich mich selbst auch nicht für würdig gehalten, zu dir zu kommen. Aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.
8 Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es.
9 Jesus war erstaunt über ihn, als er das hörte. Und er wandte sich um und sagte zu den Leuten, die ihm folgten: Ich sage euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.
10 Und als jene, die der Hauptmann geschickt hatte, in das Haus zurückkehrten, stellten sie fest, dass der Diener gesund war.

Im Evangelium hören wir von einem Hauptmann, einem Centurio, dessen Diener im Sterben liegt. Jesus kommt nach Kafarnaum, wovon dieser Hauptmann auch hört. Er ist ein Heide, aber gottesfürchtig. Das heißt, dass er zum jüdischen Glauben gefunden hat, jedoch den letzten Schritt der Beschneidung nicht vorgenommen hat. Er lebt dennoch nach den Zehn Geboten und hat eine Synagoge gebaut. Weil er ein gutes Verhältnis zu den Juden hat, lässt er jüdische Älteste zu Jesus kommen, um um Heilung seines Dieners zu bitten. Diese erklären Jesus, was für ein gläubiger Mensch der Centurio ist. Jesus ist bereit, mit ihnen zu gehen, das heißt in ein heidnisches Haus zu gehen, obwohl er Jude ist. Er kann das auch, weil er Gott ist und über den jüdischen Reinheitsvorschriften steht. Er kommt immer wieder mit Unreinheit in Verbindung, ob mit dem Tod, mit Blut, mit Aussatz oder mit Todsündern. So begann schon sein Leben – in einem Stall mit Tieren, die ihren Kot dort hinterließen. Jesus ist auch im moralischen Sinne stets bereit in ein unreines Leben zu kommen, wie sündhaft es auch gewesen ist. Ist nicht jede Seele ein armseliger, dreckiger Stall, der für Gottes Anwesenheit eigentlich immer zu unwürdig sein wird? Gott ist aber größer als der Dreck und kann aus jedem Sünder einen Heiligen machen, wenn dieser bereit ist. Wir denken auch an das Volk Israel, an die Jerusalemer, die im Exil fern von der Heimat ist und sich die Situation selbst verschuldet hat. Auch hier hinein und auch in die Trümmern des entweihten Tempels hinein kann Gott kommen und alles wieder neu machen. Allegorisch weitergedacht kommt Jesus in der Eucharistie immer wieder zu den Menschen. Sein Kommen macht er nicht davon abhängig, wie sündhaft oder sündlos der Priester ist, der die Messe feiert. Jesus wird sogar dann Leib Christi, wenn der Priester oder die Gläubigen nicht einmal an seine Gegenwart glauben. Er ist bereit, sich zu zeigen in der kleinen Hostie und im Kelch.
Es ist bemerkenswert, wie der Centurio sich verhält. Er weiß, dass Jesus als frommer Jude sich durch das Kommen in sein Haus kultisch verunreinigen würde. Deshalb schickt er Freunde vor, die Jesus entgegen gehen. Dieser Centurio offenbart eine echte Demut, weil er freimütig zugibt, dass er unwürdig ist. Wer von uns ist würdig, dem allmächtigen Gott ein Obdach zu bieten – sei es unser Haus, sei es unser Herz! Wir alle sind nicht vollkommen, aber die absolute Heiligkeit ist gerade gut genug für Gott! Der Centurio erkennt in Jesu Gegenwart seine eigene Armut und dass er es eigentlich nicht verdient hat, Gott bei sich Zuhause aufzunehmen. Er verlangt von Jesus: „Sprich nur ein Wort“. Der Hauptmann zeigt durch seine Worte, dass er großes Vertrauen in Jesus besitzt. Dies wird dadurch deutlich, dass er Jesus eine Fernheilung ohne viele Worte zutraut. Er vertraut aber auf Gottes Barmherzigkeit, die durch ein einziges Wort alles bewirken kann. Genau diese Einstellung führt die Kirche moralisch weiter, wenn in der Hl. Messe vor dem Kommunionempfang die Gläubigen beten: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.“ Jesus geht durch die Kommunion in die eigene Seele ein und in seinem Angesicht erkennt der Mensch ganz realistisch sein eigenes Ich. Dass Jesus dennoch kommt, erkennt man durch diesen Ausspruch als unverdientes Geschenk, als Gnade an. Auch allegorisch-ekklesiologisch hat es diese Leserichtung: Jesus hat seine Kirche auf einem sündigen Menschen wie Petrus gebaut. Das ist ebenfalls Gnade. Denn welcher Mensch hat es verdient, Werkzeug Gottes zu sein? Wer ist wirklich perfekt genug? So ist alles, was von Gott kommt, Gnade. Das betrifft auch die Sakramente und die Kirche als Ganze. Sie ist Gotteswerk und Geschenk. Wir machen Kirche nicht. Wir können nur jedes Mal demütig beten: „Jesus, komm in unsere Mitte, obwohl wir es nicht verdient haben.“ Und jeder kirchliche Vollzug, alles Bestreben, jede Reform kann nur von Gott ausgehen, dem die Kirche gehört. Wir können diese Dinge nie aus uns selbst heraus. Anagogisch gesehen können wir auch nur sagen: Das Kommen des Reiches Gottes, das Ende der Welt, den Himmel können wir nicht herbeiholen. Wir können den Zeitpunkt des Weltendes nicht beeinflussen, beschleunigen oder hinauszögern.
Der Centurio weiß, wie es ist, Macht zu haben. Er selbst muss immer wieder Befehle aufgeben, die erfüllt werden. Wenn er schon Macht hat, umso wie viel mehr gehorchen die Mächte dem Allmächtigen!
Jesus staunt und sagt zu den Menschen, dass er in ganz Israel noch nie so einen großen Glauben gesehen hat. Das ist ein großes Kompliment für den Betroffenen und soll die Juden zum Nachdenken bringen. Ein Heide wird zum Glaubensvorbild, das ist schon sehr provokativ für sie!
Weil der Mann so sehr auf Gott vertraut hat, ist sein Gebet erhört worden. Bis die Freunde zum Haus zurückgekehrt sind, wurde der Diener geheilt.

In den heutigen Lesungen hören wir sehr viel darüber, dass wir Gott von ganzem Herzen vertrauen müssen, ihm nicht misstrauen dürfen, mit einem reinen Herzen unsere Hände zum Gebet erheben sollen. So wird er unser Gebet erhören und wir werden den Reichtum seiner Gnade empfangen.

Ihre Magstrauss

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