Dienstag der 26. Woche im Jahreskreis

Sach 8,20-23; Ps 87,2-3.4.5 u. 7; Lk 9,51-56

Sach 8
20 So spricht der HERR der Heerscharen: Es wird noch geschehen, dass Völker herbeikommen / und die Einwohner vieler Städte.

21 Die Einwohner der einen werden zur anderen gehen und sagen: / Wir wollen gehen, um das Angesicht des HERRN gnädig zu stimmen / und den HERRN der Heerscharen zu suchen! – Auch ich will hingehen!
22 Viele Völker und mächtige Nationen werden kommen, / um in Jerusalem den HERRN der Heerscharen zu suchen / und das Angesicht des HERRN gnädig zu stimmen.
23 So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen werden zehn Männer aus Nationen aller Sprachen einen Mann aus Juda an seinem Gewand fassen, ihn festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört: Gott ist mit euch.

Heute hören wir in der Lesung wieder einen Ausschnitt aus dem Gottesspruch in Sach 8. Gestern ging es bereits darum, dass Gott seinem Volk wieder nahe sein wird im neugebauten Tempel von Jerusalem. Ich habe schon gestern darauf hingewiesen, wie messianisch die Verheißungen bereits sind. Heute setzt sich dies fort:
Auch heute hören wir wie gestern schon von herbeipilgernden Völkern, die nach Jerusalem kommen werden. Die Bemerkung „Einwohner vieler Städte“ und das hebräische Wort für „Völker“ ammim beweisen, dass hier im Wortsinn die Stämme Israels gemeint sind. Sie werden herbeipilgern zu den großen Wallfahrtsfesten, um im Tempel Gott zu opfern und ihn zu lobpreisen.
In Vers 21 wird genauer ausgeführt, warum sie Gott opfern werden: „um das Angesicht des HERRN gnädig zu stimmen“. Gott soll barmherzig sein mit ihnen, der allmächtige Gott, der sich oft genug als gerechter Richter offenbart hat. Das Babylonische Exil ist ein einziger Beweis dafür. Sie kommen aber auch nach Jerusalem um „den HERRN der Heerscharen zu suchen!“ Es meint weniger ein Suchen nach etwas Verlorenem, vielmehr ein Aufsuchen aus einer Sehnsucht heraus. Sie werden also nicht einfach kommen, um zu opfern und Gott dann schon irgendwie wohlgestimmt zu haben, sondern sie werden kommen aus ihrer Beziehung zu ihm heraus.
Vers 22 lässt uns allerdings erahnen, dass nicht nur die Stämme Israels zum Tempel pilgern werden, sondern auch die gojjim, die nichtjüdischen Völker. Auf dem Tempelareal wird es speziell für die Unbeschnittenen einen eigenen Bereich geben, in dem sie sich aufhalten dürfen.
Aus ihrer Mitte (auch in Vers 23 steht gojjim!) werden zehn Männer „einen Mann aus Juda an seinem Gewand fassen“. Das ist absolut messianisch! Doch zunächst zum Wortsinn: Die Andeutung von zehn Männern könnte eigentlich auf die „abgefallenen“ Stämme des Nordreichs hinweisen, die wie die Heiden behandelt werden, vielleicht deshalb der Begriff gojjim. Dann würde diese Verheißung andeuten, dass es wieder ein gemeinsames und vereintes Königreich geben wird mit einem Herrscher aus dem Stamm Juda. Sie werden wieder zurückkehren, weil Gott im Tempel von Jerusalem gegenwärtig ist. Es ist aber auch auf alle nichtjüdischen Völker zu beziehen, denn es ist hier die Rede von verschiedenen Sprachen. Zur geistlichen Interpretation dieser Worte: Es ist eine einzige messianische Verheißung. Einwohner vieler Städte werden zur Gegenwart Gottes kommen, zum fleischgewordenen Wort Jesus Christus, wenn er durch das Hl. Land ziehen wird. Immer wieder ist er im Tempel, dem Ort seines Vaters, wo er den Tempelkult kritisieren und Streitgespräche mit den Pharisäern und Schriftgelehrten führen wird. Er wird die Händler aus dem Gotteshaus jagen und eine Reinigung des Ortes dadurch signalisieren. Er wird den Menschen die Sünden vergeben und dadurch die Barmherzigkeit Gottes auf besondere Weise offenbaren, sehr zum Unwillen der Selbstgerechten. Immer wieder wird er schon die Heiden treffen und sie sogar als Glaubensvorbilder proklamieren.
Und schließlich: Es werden ihm Männer nachfolgen – nicht mehr zehn, wie es hier heißt, sondern zwölf! Sie werden sein engster Jüngerkreis sein. Und so wie schon im Buch Sacharja diese Verheißung ein einheitliches Königreich ankündigt, so wird es sich in Christus erfüllen: Das Reich Gottes wird einheitlich sein, kein in sich gespaltenes Reich, bestehend aus Juden und Heiden. Wir alle werden durch die Taufe diesem einheitlichen Leib eingefügt, in dem Christus leibhaft präsent ist. Er ist wirklich da und macht seinem Beinamen alle Ehre – „Immanuel“, Gott mit uns. Er ist auch weiterhin da in der Eucharistie, denn vor seiner Heimkehr sagte Christus zu den Aposteln: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Ps 87
1 Der HERR liebt seine Gründung auf heiligen Bergen,
2 die Tore Zions mehr als alle Stätten Jakobs.

3 Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes:
4 Ich zähle Rahab und Babel zu denen, die mich erkennen, auch das Philisterland, Tyrus und Kusch: Diese sind dort geboren.
5 Ja, über Zion wird man sagen: Ein jeder ist in ihr geboren. Er, der Höchste, gibt ihr Bestand!
7 Und sie werden beim Reigentanz singen: All meine Quellen entspringen in dir.

Heute beten wir einen der sogenannten Korachpsalmen, der Zion besingt. Das, was den Zionsberg so heilig macht, ist natürlich der darauf errichtete Tempel, in dem Gottes Herrlichkeit wohnt.
Insofern verstehen wir auch den Ausdruck „seine Gründung auf heiligen Bergen“. Gottes Haus selbst wird hier gegründet und er selbst hat Anteil an dessen Einwohnung. Wie diese konkret ausgesehen hat, wird uns bei der Einweihung des Offenbarungszeltes und nachher bei der festen Erbauung des Tempels in Jerusalem durch die Wolke deutlich, die sich auf den Ort legt. Der Mensch kann viel bauen und konstruieren. Erst wenn Gott sich dafür entscheidet, seine Herrlichkeit darauf zu legen, wird der Ort zu einem heiligen Ort. Dass er dies auch beim zweiten Tempelbau beabsichtigt, übermittelt ja der Prophet Sacharja durch seine Gottessprüche.
Weil hier Gottes Wohnstatt ist, liebt er die Tore Zions auch mehr als alle anderen Stätten Israels. Zion ist ein Begriff, den wir nicht nur wörtlich begreifen wollen. Er ist für uns vor allem nicht mehr durch den Tempel als Wohnstatt Gottes wichtig. Vielmehr ist es der Ort des Osterereignisses. Christus hat hier die Erlösung für die ganze Welt erwirkt, indem er sich auf Golgota hingegeben hat bis auf den letzten Blutstropfen und am dritten Tag den Tod besiegt hat – in einem Garten aufersteht, dem Ort, der in der Genesis zum Ort des ewigen Todes geworden war (beim ersten Sündenfall). All das ist in Jerusalem passiert. Die Apostel, der engste Jüngerkreis Jesu, sowie die weiteren Jünger – all die Augenzeugen sind in der ersten Zeit dort versammelt. Der Zionsberg ist der Ort des Pfingstereignisses, von dem aus die Kirche mit Leben erfüllt wird. Es ist der Ort der ersten Gemeinde, die zentral ist für all jene Gemeinden, die danach entstehen. Jerusalem bleibt auch für die Christen wirklich die heilige Stadt, auch wenn nach der Zerstörung des Tempels die Bedeutung eine neue Dimension erhält. Schließlich wird aber auch zunehmend deutlich, dass mit Zion nicht mehr der irdische Ort gemeint ist, sondern jeder Altar, auf dem die Eucharistie gefeiert wird, stellt das neue Zion des Gottesreiches dar. Wo Jesus Wohnung nimmt in den eucharistischen Gaben, da ist Zion! Und das ultimative Zion erwartet uns in der Ewigkeit nach unserem Tod. Am Ende der Zeiten werden wirklich die Menschen von überall her zu diesem Zion kommen und Gott anbeten, der in ihrer Mitte wohnen wird im himmlischen Jerusalem.
In diesem mehrfachen Sinn dürfen wir auch die folgenden Verse betrachten. „Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes“ ist somit erst einmal wörtlich zu verstehen als Heilige Stadt wegen des Tempels, aber auch schon für die Juden der Ort der Endzeit. Schon Jesaja sieht die eschatologische Völkerwallfahrt zum Zion, aber auch Sacharja, dessen Lesungen wird diese Tage hören.
Wenn dann die Rede von Rahab und Babel ist, dann meint es zwei Orte. Rahab ist ja eigentlich der Name einer Frau, die zwei Kundschafter Josuas bei sich versteckt und somit rettet. Oft lesen wir in der Bibel, dass durch solche Namen eigentlich Codes ausgesagt werden, vor allem als Chiffren für Orte. Mit Rahab wird an dieser Stelle Ägypten umschrieben.
Es sagt aus, dass die anderen Orte Israel und den Zion und den Gott Israels anerkennen. Die Ägypter haben mit eigenen Augen spektakuläre Zeichen gesehen, durch die sie nicht anders können, als die Macht Gottes anzuerkennen, der auf dem Zion wohnt. Auch gerade die Philister haben große Wunder gesehen. Sie haben den Israeliten sogar die Bundeslade gestohlen, weil sie wegen ihr in den Schlachten gegen die Israeliten verloren haben. Die Babylonier sind hier zu nennen, weil Gott sein Volk aus dem Exil in die Heimat zurückgeführt hat.
Wenn wir über die Aussage nachdenken, dass man sagen wird: „Ein jeder ist in ihr geboren“, müssen wir wieder über den wörtlichen Sinn hinausgehen. Dahinter steht zunächst einmal die Vorstellung in der jüdischen Tradition, dass Jerusalem als Frau und Mutter betrachtet worden ist. Es ist die Mutter aller Völker und insofern ist die Wendung zu verstehen, dass alle in ihr geboren werden. Die Mutterschaft Jerusalems geht aber noch viel tiefer. Sie ist Mutter des Christentums, denn hier ist die Kirche zum Leben erweckt worden an Pfingsten. Hier entsteht deshalb die erste Gemeinde, die in der weiteren Entwicklung eine Vorrangstellung erhält. Sie wird im ganzen römischen Reich von den verstreuten Gemeinden eine Kollekte einholen und von ihr aus werden die Apostel in die ganze Welt hinausgesandt. Die Kirche ist wirklich eine Mutter, denn in ihr werden die Menschen zu einer neuen Schöpfung wiedergeboren im Heiligen Geist. Dies geschieht in der Taufe. Und durch die vielen Heilsmittel nährt und tränkt die Kirche ihre Gläubigen, hegt und pflegt sie, erzieht sie, tröstet sie etc.
Bemerkenswert ist noch ein anderer Vers: „Der Höchste gibt ihr Bestand.“ Wir wissen ja, dass Jerusalem 70 n.Chr. von den Römern zerstört und vor allem vom Tempel nur noch eine Mauer übrigbleiben wird, die wir bis heute erhalten haben – die Klagemauer. Der Höchste, also Gott, gibt Jerusalem dennoch Bestand, nur auf eine ganz andere Weise, wie die Juden mit diesem Psalm angenommen haben. Es geht nun um die Kirche Jesu Christi, das neue Jerusalem. Dieses hat Bestand bis in die Ewigkeit, denn Jesus sagt in Mt 16: „Und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen.“
Der Reigentanz deutet eine festliche Stimmung an und die Quellen, die in Zion entspringen, führen uns zurück zum Pfingstereignis. Dort ist der Ursprung von allem. Das neue Zion ist auch bis heute die Kraftquelle von allem. Wir können als Kirche nicht überleben, wenn wir nicht immer wieder zu dieser Quelle zurückkehren und aus ihr schöpfen. Die Eucharistie ist der Kern des ganzen kirchlichen Lebens. Wir brauchen den Leib Christi, denn wir sind der Leib Christi!

Lk 9
51 Es geschah aber: Als sich die Tage erfüllten, dass er hinweggenommen werden sollte, fasste Jesus den festen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen.

52 Und er schickte Boten vor sich her. Diese gingen und kamen in ein Dorf der Samariter und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
53 Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
54 Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie verzehrt?
55 Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
56 Und sie gingen in ein anderes Dorf.

Im heutigen Evangelium hören wir davon, dass Jesus mit seinen Jüngern unterwegs nach Jerusalem ist. Die Zeit ist erfüllt, in die Höhle des Löwen einzukehren, um den Heilsplan zu vollenden. Wenn er dort hinkommt, wird er dort sterben, aber am dritten Tag auferstehen.
Wie so oft schickt er Boten voraus, die sich um eine Unterkunft in Samarien kümmern sollen. Weil sie aber unterwegs nach Jerusalem sind, erkennen die Samariter, dass es sich um Juden handelt, also die Juden, die noch solche geblieben sind im Gegensatz zu den synkretistischen Samaritern. Sie sind in gewisser Hinsicht immer noch Juden, vermischten aber ihren Glauben mit dem Heidentum und haben ihr eigenes Heiligtum auf dem Berg Garizim. Aus Sicht der anderen Juden sind sie Abgefallene, weil sie dem Alten Bund untreu geworden sind. Juden und Samariter verstehen sich deshalb gar nicht gut miteinander. Doch Jesus möchte auch ihnen das Reich Gottes verkünden und das Christentum wird tatsächlich auch zu ihnen kommen. Es ist bemerkenswert, dass sie überhaupt bei den Samaritern unterkommen, denn es gibt auch einen Umweg über das Ostjordanland, bei dem man das Land der Samariter umgeht. Dieses wird im Markusevangelium an einer Stelle angedeutet. Es ist kein Zufall, dass Jesus den Boten gebietet, eine Unterkunft in Samarien zu organisieren. Die Jünger werden das nur widerwillig akzeptiert haben, denn von ihrem ganz natürlichen jüdischen Denken her werden sie die Samariter eher ungern aufgesucht haben.
Als die Boten dann auch noch von einem samaritischen Dorf zurückkehren und sagen, dass keiner sie aufnehmen will, ist es um die Donnersöhne geschehen, die nicht umsonst diesen Namen tragen. Sie reagieren aufbrausend und wollen vom Himmel eine Strafe auf das Dorf herabregnen lassen ganz wie in Sodom und Gomorrha. Doch Jesus weist sie zurecht, denn das ist nicht der richtige Weg. Sie sollen nicht rachsüchtig sein, sondern wie er es ihnen an anderer Stelle auch erklärt, sollen sie vielmehr den Staub von den Füßen abschütteln als Zeichen gegen sie und jene aufsuchen, die ihn annehmen.
Diese ganze Episode geht uns in ihrer Fülle auf, wenn wir sie vor dem Hintergrund der Lesung begreifen: Wie schon oben angedeutet ist die Verheißung von zehn Männern, die den Mann aus Juda am Gewand fassen, weil Gott mit ihm ist, mit Jesus Christus zur Vollendung gekommen. Er ist dieser Mann aus Juda, der königliche Messias, der Immanuel „Gott mit uns“. Sie sind Abkömmlinge des ehemaligen Nordreichs Israel, das mit den zehn Männern angedeutet wird. Sie sind es, die eigentlich zueinander sagen sollten: „Wir wollen gehen, um das Angesicht Gottes gnädig zu stimmen und den HERRN der Heerscharen zu suchen.“ Sie sollen ihn am Gewand fassen so wie die blutflüssige Frau es getan hat. Eine Stadt soll es zur anderen sagen. Doch stattdessen sehen wir ein Dorf, das diesen verheißenen Messias ablehnt, auf den auch die Samariter warten. Es ist nicht das erste Mal, dass der Herr einkehren will, doch die Menschen ihn nicht aufnehmen. Das ist ein roter Faden seines Lebens, wie auch der Prolog des Johannesevangeliums betrachtet. Er kommt in sein Eigentum, doch die Seinen nehmen ihn nicht auf. Das wird bis zum Ende seines irdischen Daseins so sein. Auch wenn er dann nach Jerusalem kommt, wohin sie ja unterwegs sind, wird man ihn ablehnen und ans Kreuz schlagen. Doch auch dann wird Gott das letzte Wort haben.
Jesus wird die Samariter nicht aufgeben. Am Jakobsbrunnen wird er mit einer samaritischen Frau ein wichtiges Gespräch führen und im Nachgang wird sich ihre Stadt zu ihm bekehren. Im Gegensatz zu Samarien sind die Galiläer viel offener für Jesu Botschaft. Auch sie sind Abkömmlinge des ehemaligen Nordreichs Israel. Diese Städte suchen Jesus aktiv auf. Sie öffnen ihr Herz für die Reich-Gottes-Botschaft und kehren um.

Beten wir, dass alle Menschen erkennen, dass Christus das ewige Leben schenken kann. Beten wir, dass die Liebe Gottes uns alle anrührt und wandelt. Der Herr tränke die ganze Welt mit seiner Barmherzigkeit.

Ihre Magstrauss

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