Mittwoch der 31. Woche im Jahreskreis

Röm 13,8-10; Ps 112,1-2.4-5.8-9; Lk 14,25-33

Röm 13
8 Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe! Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.

9 Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren! und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.

In der heutigen Lesung geht es um die Nächstenliebe. Wir bewegen uns immer noch im Römerbrief, in dem Paulus seine Theologie zusammenfasst. Die Hauptthese seiner Ausführungen ist dabei, dass das Doppelgebot der Liebe das Gesetz und die Propheten erfüllt bzw. zusammenfasst. Das ist wichtig in seinem Argumentationsgang, denn er möchte ja die Kontinuität von Gesetz und Propheten herausstellen, damit die römischen Christen verstehen, dass er kein Judenhasser ist.
So erklärt er, dass die Christen Schulden immer begleichen sollen, wobei eine Schuld dauerhaft ist, nämlich die Liebe. Diese schulden sich die Christen einander immer, das heißt sie ist nie beglichen und fertig. Und wenn man liebt, erfüllt man das Gesetz. Die Torah ist zusammengefasst im Liebesgebot. Er zählt daraufhin einige Gebote des Dekalogs auf, deren Kern die Nächstenliebe ist. Das ist der entscheidende Punkt. Die Juden seiner Zeit haben die Liebe vergessen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen. Wer diese Gebote also hält, ohne die Liebe zu haben, hat die Gebote nicht gehalten.
Wer also die Nächstenliebe liebt, erfüllt das „Gesetz“, wie Paulus die Torah immer nennt. Nächstenliebe zeigt sich im Halten der Zehn Gebote, nicht in einem diffusen „Sozialsein“, unter dem jeder etwas Anderes versteht. Er liegt darin also ganz auf der Linie des Johannes, der in seinen Briefen zusammenfasst: Wer mich liebt, hält meine Gebote. Gott zu lieben und seinen Nächsten zu lieben, drückt sich darin aus, dass wir aus Liebe Gottes Willen erfüllen.

Ps 112
1 Halleluja! Selig der Mann, der den HERRN fürchtet und sich herzlich freut an seinen Geboten.

2 Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet.
4 Im Finstern erstrahlt er als Licht den Redlichen: Gnädig und barmherzig ist der Gerechte.
5 Glücklich ein Mann, der gnädig ist und leiht ohne Zinsen, der nach dem Recht das Seine ordnet.
8 Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nicht, er wird herabschauen auf seine Bedränger.

9 Reichlich gibt er den Armen, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer, seine Macht steht hoch in Ehren.

Heute beten wir einen Makarismus, eine Seligpreisung des Gottesfürchtigen im Psalm.
Selig zu preisen ist jener, der gottesfürchtig ist und an Gottes Geboten Gefallen hat. Im Hebräischen steht dort wörtlich „und die Gebote sehr wünscht“. Das Wünschen steht hier im Partizip und betont die anhaltende Sehnsucht nach Gottes Geboten, also ein Leben lang. Sehnsucht ist das, was uns im Herzen brennt. Wir sollen vor Liebe brennen und von dort ausgehend Gottes Gebote erfüllen, nicht aus Pflichtbewusstsein oder Angst vor Bestrafung.
Wer so eingestellt ist, hat Segen von Gott. Dies wird anhand der typischen Segensindizien ausgedrückt: zahlreiche Nachkommen (Vers 2), Wohlstand und Reichtum (Vers 3, den wir heute nicht beten), bestehende Gerechtigkeit (Vers 3, heute auch nicht vorgesehen).
Wer so ist, der erstrahlt wie ein Licht. Wir denken an Jesus, der die Jünger dazu anhält, ein Licht auf dem Leuchter zu sein, das allen im Haus strahlt. Es greift dieses Bild hier in Vers 4 auf.
Der Mensch soll barmherzig sein wie Gott im Himmel. Dies zeigt sich konkret z.B. an dem Verleih ohne Zinsen (Vers 5). So zu sein macht glücklich, weil man dann der Habgier nicht so schnell verfällt, die einen beherrschen und einschränken kann. Vor Gott ist so ein Mensch gut (dort steht טֹֽוב tov, „gut“), also gerecht. Wer so ist, dem wird Gott „Zinsen“ zuteilwerden lassen, er gibt durch den Segen mehrfach zurück! Jesus geht sogar noch weiter und sagt, leiht denen, die euch nie im Leben zurückzahlen können! Das ist dann wahrer Ausdruck einer großzügigen Liebe, die mit dem Lohn des Himmels belohnt wird. Wir alle sind ohnehin einander Schuldiger im Verleih der Liebe, so ja schon Paulus.
Der Psalm ist ein Zeugnis dafür, wie jemand gottesfürchtig ist – nicht nur durch „Herr, Herr“-Bekenntnis, sondern gerade auch durch barmherziges Handeln.
Wer ein untadeliges Leben führt, muss auch keine Angst vor übler Nachrede oder bösen Gerüchten haben („böser Kunde“, Vers 7, wird heute nicht gebetet), da er sich nichts hat zuschulden kommen lassen. Er vertraut auf Gott, weil er vor ihm gerecht ist. Die üble Nachrede fällt auf den Feind zurück, weshalb es hier heißt, dass „er (…) auf seine Bedränger [hinabschauen wird].“ Und auf das gerechte Leben folgt die Macht „hoch in Ehren“. Gott verleiht denen Macht, die gerecht und barmherzig leben, nicht denen, die nach Macht streben. So ist es auch mit Reichtum: Gott schenkt jenen viel, bei denen er erkennt, dass sie daran nicht hängen und es gar nicht anstreben. Die dagegen reich sein wollen um des Reichtums willen, wird er nicht beschenken. Habgier und falscher Umgang sind vorprogrammiert.

Lk 14
25 Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte:

26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
27 Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein.
28 Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
30 und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
31 Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
32 Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
33 Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Im Evangelium ist Jesus von vielen Menschen umgeben und beginnt zu sprechen:
„Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.“ Dieses Geringachten meint nicht, dass Christen ihre Familien und Lieben nicht mehr lieben oder verachten sollen. Genau dasselbe Missverständnis kommt auf, wenn man Jesu Worte gegenüber Maria oberflächlich versteht. Jesus meint hier vielmehr eine Hierarchie oder Priorisierung. Wer Jünger Jesu Christi sein will, muss Jesus an die erste Stelle setzen. Er ist die Nummer eins in unserem Leben. Erst dann kommt die Familie, kommen die Freunde etc. Das heißt wiederum nicht, dass Jesus die ganze Liebe abbekommt, sodass man die anderen nur noch halbherzig lieben soll. Im Gegenteil. Dadurch dass man zuerst Gott liebt und in dieser Liebesgemeinschaft aus der Liebesquelle schlechthin schöpft, empfängt man ein überwältigendes Potenzial, den Nächsten zu lieben, also die Familie, die Freunde etc. Aus der Liebe zu Gott heraus können wir unseren Nächsten heroisch lieben!
Wenn es aber zur Entscheidung kommt zwischen Christus und der eigenen Familie, aus der man stammt, soll man sich für Christus entscheiden. Wenn dieser jemanden zu einem geistlichen Beruf ruft, soll er ihm folgen und dem Reich Gottes zuliebe die Familie verlassen. Dann ist es nämlich eine „Ehe“ übernatürlicher Art. Man bindet sich ganz an Christus und seine Kirche. Und wir wissen aus Gen 2, dass die Bindung mit der Braut erst nach Ablösung vom Elternhaus geschieht.
Warum sagt Jesus das alles? Er möchte, dass die Jünger ihr gesamtes Dasein auf Christus aufbauen, der ihr Fels ist. Wie können sie seine Jünger sein, wenn sie nicht ihr ganzes Leben nach ihm ausrichten! Für sie gilt die Priorisierung besonders stark, weil sie um des Himmelreiches willen auf eine eigene Familie verzichten sollen.
Dass es ein schwerer Weg ist, verschweigt Jesus den Menschen auch nicht, denn er sagt, dass man in seiner Nachfolge ein Kreuz tragen muss. Dieses Bild kennen die Menschen ganz genau, denn die Römer richten die Schwerverbrecher auf diese schändliche Weise hin. Sie lassen die Verurteilten mit ihrem Hinrichtungs-Instrument noch die gesamte Strecke durch die Stadt bis vor die Tore laufen, damit die Bewohner sie verspotten können. Es ist also ein Weg der Schande, den die Jünger erwarten dürfen, weil die Welt Christus weder erkennt noch die göttliche Weisheit begreift. Paulus ist diesen Weg gegangen und er hat die ganzen Strapazen auf sich genommen. Für ihn ist Christus wirklich die Nummer eins. Für ihn ist er mehrfach gesteinigt worden, hat mehrmals Schiffbruch erlitten, ist so oft beschimpft worden. Die Liste ist lang, doch er hat das alles geschafft, weil Christus seine Nummer eins war.
Jesus erklärt anhand von Gleichnissen, was er sagen möchte: Wenn man einen Turm bauen will, berechnet man ja auch zuerst die Kosten und plant alles sorgfältig, sodass mittendrin nicht die Mittel ausgehen und man von den anderen über den halbfertigen Turm ausgelacht wird.
Ebenso zieht man ja nicht in den Krieg, ohne zu überlegen, mit wie viel Soldaten man loszieht, und ohne auszukundschaften, wie groß das Heer des Gegners ist. Sonst muss man ja sofort kapitulieren und um Frieden bitten.
Mithilfe dieser Bilder möchte Jesus verdeutlichen: Ihr könnt nicht aufbrechen, um meine Jünger zu sein, wenn ihr nicht zuvor die Bereitschaft habt, alles mir zuliebe zu verlassen und jedes notwendige Opfer um des Himmelreiches willen zu bringen. Wer nicht Christus als sein Fundament legt, dessen Evangelisierung ist zum Scheitern verurteilt. Was will man denn verkünden, wenn der Verkündete nicht die Mitte des eigenen Lebens darstellt? Wenn man nicht aus dessen Liebesquelle schöpft Dann gehen einem mittendrin die Kapazitäten aus und das macht die ganze Verkündigung unauthentisch. Wir fühlen uns nun hoffentlich alle ertappt und denken an den heutigen Zustand der Kirche….wo Christus nicht mehr die Mitte der Verkündigung ist, ist es keine Verkündigung mehr. Sie bringt den Menschen nicht mehr zum Glauben, sie berührt nicht mehr die Herzen. Sie ist unfruchtbar. So sind die beiden Gleichnisse ganz bewusst gewählt. Es geht um den Bau, der die Kirche ist. Dieser Bau ist zum Einsturz vorprogrammiert, wenn Christus nicht das starke Fundament ist. Die Mittel, den Turm fertig zu bauen, erlangen die Jünger durch die Gnadengaben Gottes. Aus eigener Kraft gehen die Mittel schnell aus. Das Bild des Krieges ist auf die kämpfende Kirche hier auf Erden zu beziehen, die gegen die Nachstellungen des Teufels kämpft, die geistlichen Angriffe stets abwehren muss. Mit Christus als Feldheer, vor allem mit der Waffe, die er seinen Jüngern hinterlässt, kann man gegen das feindliche Heer siegen, ansonsten ist die Niederlage vorprogrammiert.
Jesus möchte, dass man als Jünger wirklich auf alles verzichtet, was einen daran hindert, ihm ganz nachzufolgen. Auf den ganzen Besitz zu verzichten können wir nicht. Wir müssen irgendwie leben, haben eine Familie, um die wir uns kümmern müssen, müssen auch von etwas leben. Aber Jesus geht es vor allem um die Geistlichen. Diese sollen wirklich so wenig wie möglich haben, weil sie schon für die Ewigkeit leben. Sie sollen wahrlich eschatologische Menschen sein. Paulus hat das wunderbar vorgelebt. Was besaß dieser Mann? Was er hatte, konnte er überall mit hinnehmen. Der eine Mantel, den er besaß, wurde ihm sogar einmal zum Verhängnis, weil er ihn in einem Ort zurückgelassen hatte. Er hatte keinen festen Wohnsitz, sondern hielt sich unterschiedlich lange an Orten auf. Sein gesamter Fokus lag auf der Evangelisierung der Völker, seine ganze Liebe galt dem Herrn. Deshalb wirkte er so überzeugend und authentisch bei den Heiden, deshalb hat er viele Menschen zu Christus gebracht.

Lernen wir von den heutigen Lesungen aufs Neue, was es heißt, in Gott verliebt zu sein, ihn leidenschaftlich zu lieben, von ihm zu brennen. Wenn wir wieder zutiefst überzeugt sind, dann werden wir auch überzeugend sein. Das wird die Kirche retten und einen neuen Aufschwung nach sich ziehen und nicht die Reformbestrebungen des Synodalen Wegs.

Ihre Magstrauss

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