Dienstag der 8. Woche im Jahreskreis

1 Petr 1,10-16; Ps 98,1.2-3b.3c-4; Mk 10,28-31

1 Petr 1
10 Nach dieser Rettung haben die Propheten gesucht und geforscht und sie haben über die Gnade geweissagt, die für euch bestimmt ist.

11 Sie haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im Voraus bezeugte.
12 Ihnen wurde offenbart, dass sie damit nicht sich selbst, sondern euch dienten; und jetzt ist euch dies alles von denen verkündet worden, die euch in der Kraft des vom Himmel gesandten Heiligen Geistes das Evangelium gebracht haben. Das alles zu sehen ist sogar das Verlangen der Engel.
13 Deshalb umgürtet euch und macht euch bereit! Seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch bei der Offenbarung Jesu Christi geschenkt wird!

14 Als Kinder des Gehorsams gebt euch nicht den Begierden hin, wie früher in eurer Unwissenheit!
15 Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch eure ganze Lebensführung heilig sein.
16 Denn es steht geschrieben: Seid heilig, weil ich heilig bin!

Heute hören wir wieder aus dem ersten Petrusbrief die Lesung. Das erste Thema ist heilsgeschichtlich: Die Zeit der Erfüllung ist gekommen – die Erfüllung dessen, was die „Propheten gesucht und geforscht“ haben. Die Zeit der Rettung ist gekommen. Mit diesem Stichwort endete ja die gestrige Lesung. Jesus hat durch seinen Kreuzestod die ganze Welt erlöst und Ströme der Gnade für alle erwirkt, die die Erlösung gläubig annehmen. Schon die Propheten haben diese Rettung angekündigt, allen voran Jesaja, aber auch viele der „kleinen“ Propheten. Wenn es heißt, dass die Gnade für uns bestimmt sei, ist das nicht als Begriff der Prädestination zu verstehen, die unseren freien Willen übergeht. Vielmehr ist damit gemeint, was Paulus auch zu Beginn des Epheserbriefs erklärt: Von Anfang an stand fest, dass der Heilsplan Gottes für uns seinen Höhepunkt in der Erlösung findet. Gott wollte unsere Rettung. Diese müssen wir aber aktiv, bewusst, freiwillig und vor allem gläubig annehmen.
Die Propheten haben Zeit und Umstände dieser Rettung erforscht, jedoch nicht einfach aus eigener Kraft, sondern vielmehr vom hl. Geist inspiriert. Der Herr selbst hat ihnen eingegeben und offenbart, was wir bis heute im Alten Testament lesen können. Petrus beschreibt das so explizit, weil der springende Punkt ist: Die Apostel, die nun das Evangelium Jesu Christi verkünden, liegen mit diesen messianischen Verheißungen auf einer Linie. Ihr Apostolat lässt sich zurückführen auf die Propheten des Alten Testaments, weil derselbe Geist sie durchdringt wie die Propheten. Das ist rhetorisch wichtig für Petrus, wo er Judenchristen anspricht. Sie legen großen Wert darauf.
Die Botschaft Jesu Christi und diesen zugleich leibhaftig erlebt zu haben, ist ein großes Geschenk. Was Königen und Propheten verwehrt war, durften die Apostel erleben! Und die Erlösung ist ein so großes Privileg, das wir Menschen dankbar annehmen müssen. Selbst die Engel haben dieses Geschenk nicht bekommen.
Die heilsgeschichtlichen Überlegungen müssen praktische Konsequenzen nach sich ziehen. Wir zeigen dem Herrn unsere Dankbarkeit für die Erlösung, indem wir ein entsprechendes Leben führen. Die Geste des Umgürtens ist einerseits Zeichen für die Reise, andererseits für den Kampf. Beides betrifft das Volk Gottes. Einerseits sind wir als Gemeinschaft der Gläubigen ein pilgerndes Gottesvolk unterwegs in die himmlische Heimat, auf einer Reise, die dem Exodus des Volkes Israel gleicht. Wir empfangen das neue Pascha, die Eucharistie, in Aufbruchstimmung wie die Israeliten in der Nacht vor dem Auszug. Zugleich gürten wir uns Tag für Tag im Kampf gegen die Nachstellungen des Bösen. Der sichtbare Teil der Kirche auf Erden nennt sich nicht umsonst die „streitende Kirche“. Wir leben einen geistigen Kampf bis zum letzten Atemzug. Gerade diese zweite Lesart des Gürtens scheint hier im Petrusbrief gegeben zu sein, denn Petrus mahnt zur Nüchternheit auf. Gemeint ist das Gegenteil von Rausch. Wir sollen wachsam sein, damit wir die „Kriegsstrategien“ des Bösen erkennen und seinen Versuchungen nicht erliegen. Wir sollen unsere ganze Hoffnung auf den Herrn setzen, auf dessen österliches Ereignis wir getauft sind. Wenn er den Tod überwunden hat, werden wir das auch!
Als Getaufte sind wir nun „Kinder des Gehorsams“. Gehorsam sollen wir gegen Gott sein, nicht mehr unseren Begierden. Das ist nicht nur sexuell gemeint, sondern umfasst die gesamte Neigung des Menschen zum Bösen. Die Folgen der Erbsünde bleiben, sodass wir immer wieder gegen unsere eigene Begierde zu kämpfen haben. Wir sind nun aber fähig, diesen nicht nachzukommen.
Als Getaufte sind wir zur Heiligkeit berufen. Wir sollen dem Herrn gleichgestaltet werden, der selbst der Heilige ist. Petrus deutet zum Schluss Lev 11,45 an. Die Berufung zur Heiligkeit hat also eine lange Tradition. Diese Heiligkeit kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass wir durch die Taufe zu einer heiligen Priesterschaft neugeboren sind, zum hierateuma. Wir sind so wie der Priesterstamm Levi vom Rest ausgelöst, abgesondert für Gott. Deshalb können wir nicht denselben Lebensstil führen wie die Menschen, die nicht im Bund mit Gott leben.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm.
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Als Antwort beten wir einen Lobpreispsalm. Jeder Gläubiggewordene und Getaufte stellt einen Grund zur Freude und zum Dank Gott gegenüber dar. „Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat, vor allem durch Paulus und seine Gefährten. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“. Und es geht bis an die heutigen Enden!
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret denken wir hier an das babylonische Exil, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Gott hat sein Heil zu allen Zeiten bekannt gemacht – er ist ein sich offenbarender Gott. Immer wieder hat er sich preisgegeben durch die Propheten. Sein Heilsplan war nie ganz verborgen. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Irenäus von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  haggojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Schon damals hat er Paulus, Barnabas sowie die zwölf Apostel zu seinen Werkzeugen gemacht, die Rettung allen Menschen, auch gerade den Heiden, zu bringen. Er tut das auch in der Taufe. Dann werden wir aus der Knechtschaft der Erbsünde, aus dem Exil der Paradieslosigkeit befreit. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden.
Gott bleibt seinem Volk treu. Er nimmt einen Bund nie zurück! Er bleibt uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht. Das lässt sich gut auf die Lesung zurück beziehen: Er ist für uns gestorben, also können wir es ihm zurückgeben durch einen gerechten Lebensstil nach der Taufe. Das ist dann unsere Weise, ihn zurückzulieben. Wir leben nach seinen Geboten und zwar aus Liebe!
Seine Erlösungstat ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Diese ist uns durch die Taufe geschenkt. Dadurch sind wir als Kinder Gottes neugeboren und als Erben eingesetzt worden. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Mk 10
28  Da sagte Petrus zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
29  Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat,
30  wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.
31  Viele Erste werden Letzte sein und die Letzten Erste.

Im heutigen Evangelium hören wir die Fortsetzung der gestrigen Episode, als Jesus seinen Jüngern eindringlich erklärt, welch große Hürde der Reichtum ist. Zwar ist der vorausgehende Vers, in dem der Anlass für Jesu Worte erklärt wird, nicht im heutigen Abschnitt enthalten, doch durch diesen wird uns bewusst, warum Jesus seine Worte sagt: Es ist für einen Reichen wirklich schwer, ins Himmelreich zu kommen. Unter Reichtum ist nicht einfach nur der Besitz an sich gemeint, sondern die Anhänglichkeit daran. Man kann auch als armer Mensch mit ganz wenig Besitz reich im Geiste sein, das heißt an dem Wenigen sehr hängen. Wenn dieses Bisschen einem aber wichtiger als das Reich Gottes ist, dann ist man nicht arm, sondern reich im Geiste. Und umgekehrt kann ein Mensch, der viel besitzt, eine innere Freiheit und Unabhängigkeit von dem Besitz haben. Dann ist er trotz des großen Besitzes arm im Geiste. Das Problem ist aber: Wer viel besitzt, ist der Versuchung und Gefahr viel mehr ausgesetzt, eine Anhänglichkeit daran zu entwickeln. Wer nichts hat, läuft auch nicht Gefahr, daran zu hängen.
Petrus sagt im heutigen Abschnitt, dass die Apostel alles verlassen haben, um Jesus nachzufolgen. Ihre Berufung besteht in der Armut und Entsagung. Jesus sagt daraufhin, dass sie für ihre konsequente Entsagung um des Himmelreiches willen reich belohnt werden. Was Jesus hier verdeutlicht, ist das Schriftwort: „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden und wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden.“ Gott gibt jedem Menschen nach seinem Verhalten. Gott schaut auf die Herzenshaltung des Einzelnen und vergilt danach. Wer ihm zuliebe alles verlässt und ihm nachfolgt, aus Liebe zu Gott alles aufgibt, selbst die menschlichen Urbeziehungen zu Familienmitgliedern, wird hundertfach belohnt. Auch die Leiden aufgrund von Hass und Christenverfolgung wird Gott überreich belohnen. Wenn wir das ewige Heil erlangen möchten und nicht wieder verlieren wollen, müssen wir Christus nachfolgen, der den Kreuzweg zuerst gegangen ist, doch auch er ist vom Kreuz in die Verherrlichung gekommen. Viele Menschen wollten wie Gott sein, aber Gott selbst war bereit, Mensch zu werden. Das Stichwort ist die Demut. Und so werden alle, die aus Liebe den Weg der Demut nachgehen, die Letzten also, zu den Ersten werden. Wer aber hochmütig und hohen Rosses durchs Leben geht, wird am Ende den Kürzeren ziehen. Im ewigen Leben werden sich die irdischen Maßstäbe umkehren. Dann wird es viele Überraschungen geben. Wir sollen bei allem unser Herz ganz an Gott verschenken, dann werden wir so wie Christus am Ende am Herzen des Vaters ruhen in Ewigkeit.

Ihre Magstrauss

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s