Samstag der 19. Woche im Jahreskreis

Ez 18,1-10.13b.30-32; Ps 51,12-15.18-19; Mt 19,13-15

Ez 18
1 Das Wort des HERRN erging an mich:

2 Wie kommt ihr dazu, auf dem Ackerboden Israels das Sprichwort zu gebrauchen: Die Väter essen saure Trauben und den Söhnen werden die Zähne stumpf?
3 So wahr ich lebe – Spruch GOTTES, des Herrn -, keiner von euch in Israel soll mehr dieses Sprichwort gebrauchen.
4 Siehe, alle Menschenleben gehören mir. Das Leben des Vaters ebenso wie das Leben des Sohnes: Sie gehören mir. Der Mensch, der sündigt, nur er soll sterben.
5 Wenn jemand gerecht ist und nach Recht und Gerechtigkeit handelt:
6 Er hält keine Opfermahlzeiten auf den Bergen. Er blickt nicht zu den Götzen des Hauses Israel auf. Er schändet nicht die Frau seines Nächsten. Einer Frau tritt er nicht nahe während ihrer Blutung.
7 Er unterdrückt niemanden. Er gibt sein Schuldpfand zurück. Er begeht keinen Raub. Dem Hungrigen gibt er sein Brot und den Nackten bedeckt er mit Kleidung.
8 Er gibt nicht gegen Zins und treibt keinen Wucher. Er hält seine Hand vom Unrecht fern. Zwischen allen fällt er einen gerechten Richtspruch. 9 Wenn er also nach meinen Satzungen geht und meine Rechtsentscheide bewahrt und sie treu befolgt: Gerecht ist er, er wird gewiss am Leben bleiben – Spruch GOTTES, des Herrn.
10 Zeugt er aber einen Sohn, der gewalttätig wird, der Blut vergießt und eines von diesen Dingen verübt,
13 gegen Zins gibt und Wucher treibt – soll der am Leben bleiben? Er soll nicht am Leben bleiben. Er hat alle diese Gräueltaten verübt. Er hat den Tod verdient. Seine Bluttaten werden auf ihm sein.
30 Darum will ich euch richten, jeden nach seinem Weg, ihr vom Haus Israel – Spruch GOTTES, des Herrn. Kehrt um, kehrt euch ab von all euren Vergehen! Sie sollen für euch nicht länger der Anlass sein, in Schuld zu fallen.

31 Werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Warum wollt ihr denn sterben, ihr vom Haus Israel?
32 Ich habe doch kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss – Spruch GOTTES, des Herrn. Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt!

Der heutige Abschnitt aus dem Buch Ezechiel ist ein Ruf zur Umkehr, eine Gottesrede, die der Prophet Juda weitergeben soll:
Gott konfrontiert die Judäer mit dem Spruch, das eigene Leiden als Folge der Sünden der Vorfahren zu schieben. Es stimmt, dass die Konsequenzen der Sünde unserer Vorfahren auch für uns spürbar werden. Ganze Flüche werden „vererbt“. Aber das Entscheidende, das Gott kritisiert, ist die Ausrede, die man darin findet, um bloß die Schuld nicht bei sich selbst zu suchen und umzukehren.
Daraufhin zählt Gott auf, was ein richtiges Verhalten nach seinen Geboten konkret ausmacht. Götzendienst und Unzucht werden gemieden, rituelle Gebote eingehalten, gerechtes Handeln im Umgang mit dem Nächsten angestrebt und die Rechtsprechung frei von Korruption.
Wenn ein solcher Mensch aber einen Sohn bekommt, der sich gegen diesen Lebenswandel entscheidet, ist das seine eigene Schuld, für die er sich vor Gott verantworten muss.
Wenn wir sterben und vor Gott stehen, werden wir uns nicht für die Sünden unserer Vorfahren oder wem auch immer verantworten, sondern für unsere eigenen Taten. Wir werden uns nicht hinter den Sünden der anderen verstecken können und Ausreden erfinden.
Das entscheidende dieser unverblümten Rede ist nicht die Panikmache, sondern der Ruf zur Umkehr. All das liegt in der Hand des Einzelnen: Was macht jeder Mensch aus seiner Freiheit? Entscheidet er sich für Gott und seine Gebote oder für ein gottloses Leben? Jetzt ist noch die Zeit, umzukehren. Gott ist so barmherzig, den Judäern über den Propheten Ezechiel diese Worte zu sprechen, damit die Menschen umkehren und seine Vergebung erfahren können. Es ist noch Gelegenheit, ein neues Herz und einen neuen Geist zu schaffen. Letztendlich möchte Gott, dass jeder Mensch gerettet wird und auf ewig bei ihm lebt. Dafür ist er geschaffen. Gott ist ein Gott des Lebens und hat deshalb kein Gefallen am Tod, am wenigsten am ewigen Tod, der die Hölle ist.
Diese Worte gelten auch uns heute. Jesus hat immer wieder die Hölle sehr drastisch geschildert und nichts beschönigt. Es ging ihm nie darum, Panik zu verbreiten, sondern zur Umkehr aufzurufen, solange es eben nicht zu spät ist. Er ruft uns zurück auf seinen Weg, weil wir dazu geschaffen wurden, auf ewig in seinen Armen zu sein.

Ps 51
12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und einen festen Geist erneuere in meinem Innern! 
13 Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! 
14 Gib mir wieder die Freude deines Heils, rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
15 Ich will die Frevler deine Wege lehren und die Sünder kehren um zu dir.

18 Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, an Brandopfern hast du kein Gefallen. 
19 Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen. 

Im heutigen Psalm bittet König David um Gottes Barmherzigkeit. Es ist, was alle Menschen beten sollten, denn für sie alle hat Gott das ewige Heil bereit. Wer umkehrt und ein Leben nach Gottes Geboten führen möchte, wer sich auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi taufen lässt, wird diese Erlösung erfahren. Er ist perfekt für jeden Einzelnen von uns, die wir uns stets um eine innere Erneuerung und Umkehr bemühen. Es sind die Worte, die man idealerweise nach der Ansage Ezechiels aus dem Mund der Judäer erwartet. Wir wissen, dass sie es nicht so ganz begriffen haben und deshalb das Exil auf sie zukam.
König David bittet Gott um sein Erbarmen. Er weiß, dass alles von einem reinen Herzen abhängt. Zudem kann der Mensch sich nicht selbst rechtfertigen. Er kann sich nicht am eigenen Schopf packen, weshalb er Gott darum bitten muss, ihn zu erneuern, ein reines Herz zu schenken. Wir müssen das ebenfalls demütig erkennen und zu Gott kommen. Er kann uns die Schuld vergeben und den Stand der Gnade wiederherstellen.
So wie David sich nach einem reinen Herzen und einem festen Geist sehnt, so sehnen sich die Israeliten zur Zeit des Propheten Jeremia eine Erneuerung ihrer Selbst durch Gott. Auch wir sehnen uns nach einem Neuanfang und dürfen beten: Herr, schenke mir ein neues Herz, ein neues Leben in deinem Segen. Und wenn wir mit derselben Haltung zu ihm kommen wie König David hier im Psalm durchblicken lässt, dann wird Gott auch nicht zögern, unser Leben zu erneuern.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt. Und so bitten auch wir Gott darum, dass er den Bund mit uns nicht kündigt, aber nun den neuen Bund. Gott ist treu. Er bleibt bei uns, aber es hängt von uns ab, ob wir uns selbst durch die Ablehnung Gottes aus dem Stand der Gnade verabschieden oder nicht. Mit diesem Stand der Gnade ist der Hl. Geist verbunden. Dieser kann in einem nur dann wirken, wenn die Leitung nicht verstopft oder sogar abgeschnitten ist.
Davids Sünde hat ihn unglücklich gemacht. Das wird uns deutlich aufgrund der Bitte hier im Psalm „gib mir wieder die Freude deines Heils“. Die Sünde macht uns immer unglücklich, weil sie uns in einen Streit mit Gott bringt. Wenn wir uns aber von Gott entfernen, entfernen wir uns von der Lebensquelle. Dann kann es uns seelisch nur schlecht gehen. Wir werden innerlich einsam und unzufrieden. Wir werden traurig, weil Freude eine Frucht des Hl. Geistes ist. Diese verlieren wir aber durch die Sünde. David möchte wieder zur glücklichen Beziehung zu Gott, zu seiner ersten Liebe zurückkehren. Er bittet Gott um die Frucht der Freude, die nur der Hl. Geist wieder verleihen kann. Er kann sich nicht selbst glücklich machen. Es ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Das hat David verstanden. Und auch wir müssen einsehen, dass nur Gott uns wirklich glücklich machen kann, kein Mensch, auch nicht wir selbst uns, ebenso keine materiellen Dinge oder Ruhm und Ansehen.
Gott braucht keine Schlachtopfer und Brandopfer, wenn man sie tut, um ihn zu besänftigen, gleichzeitig aber ganz viele Leichen im Keller hat. Gerade König David hat schwere Sünden begangen und versteht, dass er die Beziehung zu Gott zerstört hat. Er konzentriert sich darauf, diese Beziehung wieder zu kitten, nicht einfach nur paar Opfer darzubringen und dann passt das schon. Das ist eine andere Versuchung ähnlich der des „Vorfahren-Karma“, das mich dazu bringt, die Schuld nicht bei mir selbst zu suchen.
Es heißt, dass Gott keine solchen Opfer braucht, wenn die Menschen ihr Leben nicht ändern wollen, wenn ihr Herz nicht umkehrbereit und reuevoll ist. Vielmehr wünscht sich Gott einen zerbrochenen Geist und ein zerschlagenes Herz, das heißt eine innere Bußhaltung und Bereitschaft zur Umkehr. Das ist ihm viel wertvoller. David hat das wirklich vorgelebt und ist deshalb bis heute ein Vorbild im Prozess der Umkehr sowie im Gebet, auch wenn er schlimme Sünden begangen hat.
Für uns heißt das heute nicht, dass wir keine Messen besuchen sollen, dem einzigen Opfer, das wir als Christen noch haben, das alle anderen Opfer der Juden abgelöst hat. Das heißt vielmehr, dass hinter dem knienden Menschen in der Kirchenbank auch ein reuiges Herz stecken muss, ein zerschlagener Geist, der bereit zur Umkehr ist und dies auch durch Taten im Alltag zeigt. Das ist das größte und edelste Opfer, das wir darbringen können, unser gelebtes Leben.

Mt 19
13 Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete. Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht.
14 Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder und hindert sie nicht, zu mir zu kommen! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.
15 Dann legte er ihnen die Hände auf und zog von dort weiter.

Im Evangelium hören wir heute eine kurze Episode, die aber sehr tiefgründig ist. Die Menschen kommen zu Jesus, um ihm zuzuhören und sich von ihm heilen und exorzieren zu lassen. Es kommen auch Menschen mit ihren Kindern in der Hoffnung, dass Jesus ihnen die Hände auflege und sie segne. Jesu Jünger reagieren aber verärgert und möchten die Menschen daran hindern. Kinder gelten im Alten Israel nichts, da sie als unfertige Erwachsene betrachtet werden. Sie sind deshalb auch rechtlos.
Jesus entgegnet jedoch: „Lasst die Kinder und hindert sie nicht, zu mir zu kommen!“ Der Grund ist entscheidend, denn in dieser Episode werden ausgerechnet die Kinder zum Vorbild: „Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.“ Welche Eigenschaften besitzen Kinder, die sie zu Vorbildern machen und sogar zu Voraussetzungen für das Reich Gottes?
Kinder sind frei. Sie sorgen sich nicht darum, was andere über sie denken, sondern sind einfach sie selbst. Diese Haltung kommt der Demut sehr nahe. So sollen wir uns im Lichte Gottes sehen, wie wir sind und auch diese innere Freiheit eines Kindes im Umgang mit anderen Menschen haben.
Kinder sind immerzu bedürftig. Sie selbst haben keinen Reichtum, sondern empfangen alles von ihren Eltern. Sie sind in diesem Sinne arm. So sollen auch wir alles vom Vater erwarten, der uns mit allem ausstattet, was wir in unserem Leben brauchen. Es ist die Haltung, mit leeren Händen zum Vater kommen zu können. Wie soll uns der Herr reich beschenken, wenn wir meinen, schon alles zu haben?
Kinder haben ein großes Vertrauen zu ihren Eltern. Sie können sich im Wissen, dass ihre Eltern sich um sie kümmern, schlafen legen und sich ganz fallen lassen. Sie machen sich keine Gedanken, wie das Essen auf den Tisch kommt oder wann die Steuererklärung gemacht werden muss. Sie können sich ganz in ihrer kindlichen Weltsicht bewegen und spielen. So sollen auch wir uns keine Gedanken machen, was wir essen sollen, was wir anziehen sollen, weil der Vater im Himmel für alles sorgt. Das ist etwas zugespitzt, denn ganz so kindlich können wir als Erwachsene nicht durchs Leben gehen. Doch es geht um die grundsätzliche Haltung. Demut, Armut, Vertrauen. Wenn wir uns diese Eigenschaften nicht auch in Bezug zum himmlischen Vater aneignen, können wir das Reich Gottes nicht schauen. Was Jesus vorbereitet und dann stiften wird, ist der Neue Bund, der eine ganz besondere Gotteskindschaft bringen wird.
Jesus möchte die Menschen dafür sensibilisieren, dass im Reich Gottes ganz andere Prioritätensetzungen vorherrschen. Dort wird nicht mehr vom Wert her unterschieden. Jeder Mensch ist vor Gott ein kostbarer Schatz. So legt Jesus ihnen die Hände auf und zieht weiter.

Sowohl Alter als auch Neuer Bund sind geprägt von inniger Bundesbeziehung. In einer solchen familiären Bande, die entsteht, kann es keine halben Sachen geben. Jeder Mensch muss ganz persönlich an der Beziehung zu Gott arbeiten und dabei sein Herz immer wieder renovieren. Dabei ist er nicht allein. Gott gibt ihm die Gnade dazu.

Ihre Magstrauss

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