Montag der 4. Osterwoche

Apg 11,1-18; Ps 42; 2-3; Ps 43,3.4; Joh 10,1-10

Apg 11
1 Die Apostel und die Brüder in Judäa hörten, dass auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten.

2 Als nun Petrus nach Jerusalem hinaufkam, hielten ihm die gläubig gewordenen Juden vor:
3 Du bist bei Unbeschnittenen eingekehrt und hast mit ihnen gegessen.
4 Da begann Petrus, ihnen der Reihe nach zu berichten:
5 Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Eine Art Gefäß, das aussah wie ein großes Leinentuch, das, an den vier Ecken gehalten, auf die Erde heruntergelassen wurde, senkte sich aus dem Himmel und es kam bis zu mir herab.
6 Als ich genauer hinschaute, sah und betrachtete ich darin die Vierfüßler der Erde, die wilden Tiere, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels.
7 Ich hörte auch eine Stimme, die zu mir sagte: Steh auf, Petrus, schlachte und iss!
8 Ich antwortete: Niemals, Herr! Noch nie ist etwas Unheiliges oder Unreines in meinen Mund gekommen.
9 Doch zum zweiten Mal kam eine Stimme vom Himmel; sie sagte: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!
10 Das geschah dreimal, dann wurde alles wieder in den Himmel hinaufgezogen.
11 Und siehe, gleich darauf standen drei Männer vor dem Haus, in dem wir wohnten; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden.
12 Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir und wir kamen in das Haus jenes Mannes.
13 Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemanden nach Joppe und lass Simon, der Petrus genannt wird, holen!
14 Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst.
15 Als ich zu reden begann, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns.
16 Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden.
17 Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe verliehen hat wie uns, als wir zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind: Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?
18 Als sie das hörten, beruhigten sie sich, priesen Gott und sagten: Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt.

Was wir heute hören, ist die Nachgeschichte eines zweiten Pfingstereignisses. Petrus war nach Cäsarea gerufen worden zu einem Gottesfürchtigen namens Kornelius. Gott hat ihn auf diese Begegnung vorbereitet, indem er ihm eine Vision geschenkt hat. Über diese berichtet Petrus den Juden in Jerusalem auch. Wir müssen bedenken, dass Jesus seinen Aposteln bereits klar und deutlich erklärt hat, dass die Erlösung universal ist und der neue Bund mit allen Menschen geschlossen wird. Doch so richtig scheint es ihnen erst jetzt klar zu werden, dass ihre jüdische Sichtweise vor allem bezüglich der kultischen Reinheitsgebote damit ein Ende findet.
Und so wie Petrus sich überwinden und sich von Gott eines Besseren belehren lassen musste, so betrifft es heute die Juden in Jerusalem. Als Petrus zu ihnen zurückkehrt, ist ihre erste Reaktion der Vorwurf, in das Haus von Unbeschnittenen eingekehrt zu sein und mit ihnen gegessen zu haben. Das widerspricht den jüdischen Regeln und da merken wir, dass sie trotz Erklärungen Jesu diesen noch ganz verhaftet sind.
Gott möchte sie auf das Heidenchristentum vorbereiten und so erzählt Petrus der Reihe nach von der Vision mit den unreinen Tieren, die Petrus essen soll, von den Worten Gottes, dass er entscheide, was rein sei, von der gleichzeitigen Eingebung des Kornelius in Cäsarea, der Petrus holen ließ, von Petrus‘ Predigt in dessen Haus, durch die der Heilige Geist auf die Anwesenden herabkam und sie in Sprachen sprechen ließ wie im Pfingsttag in Jerusalem.
Petrus schließt aus diesen Ereignissen, dass sie als Juden, die genau wissen, wo es langgeht, Gott wirken lassen müssen, der es besser weiß. Und wenn Gott nun auch die Heiden auf dieselbe Weise erfüllt und zur Taufe führen möchte, dann ist er der letzte, der das verhindern darf. Er beginnt zu begreifen, dass Jesus es absolut wörtlich meinte, als er sagte, dass er den Neue Bund für alle Menschen, also auch für Heiden schließen werde.
Nachdem die Jerusalemer das alles gehört haben, beruhigen sie sich. Sie lassen sich belehren und reagieren nicht stur wie die Hohepriester und Schriftgelehrten bei den Konflikten mit Jesus. Sie verstehen anhand der wunderbaren Zeichen Gottes, dass dieser es so will. Sie verstehen, dass etwas Neues passiert und über den jüdischen Tellerrand hinausgeht.
Schon der Äthiopier ist als Heide zum Glauben an Christus gekommen, ebenso die Samaritaner, die ja nicht als vollwertige Juden galten. Die Tendenz zum Heidenchristentum wächst.
Petrus steht bei all dem zwischen den Welten. Gott hat ihn zum Werkzeug der Einheit gemacht. Er ist es, der Judenchristen und Heidenchristen zusammenhält, der vermittelt und zusammenschweißt. Er ist wirklich ein Hirte, der die ganze Kirche stützt wie ein Fels. Jesus hat ihn ausersehen und durch den Hl. Geist wächst Petrus immer mehr über sich hinaus. Er erhält viele übernatürliche Gaben, um dieser großen Aufgabe gerecht zu werden. Es klappt nicht immer so, wie es soll, aber Gott schreibt auch in seinem Fall auf krummen Seiten gerade.

Ps 42/43
2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.

4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Der Psalm reflektiert das lebendige Wasser des Hl. Geistes, der die Liebesglut Gottes ist. Er ist es, den unsere Seele so sehnlichst erwartet und der sie tränkt. Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so dürstet die Seele des Menschen nach Gott. Wir sind Abbild Gottes und sehnen uns immer nach unserem Schöpfer. Wir sind dazu geschaffen, ganz mit ihm in einer Liebesgemeinschaft zu sein. Und deshalb sucht der Mensch Gott immer bewusst oder unbewusst in seinem Leben. Und auch Gott wirbt lebenslänglich nach dem Menschen, er ruft und er zieht ihn. Es ist eine Grundaussage, die in der Apostelgeschichte konkret erfahren worden ist. Die Heiden in Cäsarea haben voller Durst nach diesem Wasser Petrus in ihr Haus aufgenommen. Sie haben voller Sehnsucht seine Worte aufgesogen wie einen Schwamm. Sie haben die Tore ihres Herzens ganz weit aufgerissen und so ist der Geist Gottes bereitwillig hineingezogen.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Das ist eine absolute Entsprechung zum lebendigen Wasser, das wir trinken sollen. „Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?“ – das ist besonders schmerzhaft zu beten bzw. sehr aktuell, da wir zwar in die Kirchen hineindürfen, es auch schon erste Lockerungen gibt, aber unter strengen Auflagen. Gottes Angesicht schauen zu dürfen, ist eine Sehnsucht, die der Mensch immer hat, auch wenn er es nicht merkt. Es kann moralisch auf den Stand der Gnade bezogen werden. Vor einigen Tagen beteten wir in einem anderen Psalm, dass Gott die Wege des Gerechten sieht. Das ist bildhaft gemeint und auch hier ist es dieses Gesehenwerden von Gott. Auf vollkommene und erfüllte Weise wird dies aber sein, wenn wir sterben und dann vor ihm stehen. Dann sieht nicht nur er uns, sondern auch wir ihn, wie er ist.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten“ – das Licht und die Wahrheit ist Jesus Christus. Dieser Vers ist absolut messianisch. Gott ist selbst zu uns gekommen, um uns zu leiten auf dem Weg, den er für uns bereitet hat. Er hat vorgelebt, wie wir die Gebote Gottes richtig umsetzen sollen, damit wir die Chance auf den heiligen Berg haben, das Himmelreich. Auch das Bild der Wohnungen ist darauf zu beziehen. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede in Joh 14,1-2: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ Dieses Licht und diese Wahrheit leiten nun durch den Mund des Petrus auch die Heiden, die der Vater in gleichem Maße an sich zieht wie die Juden.
Was der Herr für uns getan hat bis hin zum Kreuz, ist ein lebenslanges Lob wert. Und so ist es elementar für uns Christen, zum Altar zu kommen, um dem Herrn zu danken – die Eucharistie, „Danksagung“ ist deshalb der Herzschlag der Kirche. Wenn sie ausbleibt, bleibt das Herz stehen und die Kirche stirbt. So lange sie aber gefeiert wird, werden die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen. Auch durch unseren Lebenswandel sollen wir immerzu dankbar sein. Gott schenkt uns so viel Gutes, doch oft sind wir versucht, nur den Mangel zu sehen, den wir dabei so oft selbst verschulden. Er lässt uns nicht im Stich und lässt uns auch nicht verdursten. Haben wir Vertrauen!

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Heute hören wir noch einmal das Evangelium vom guten Hirten. Diese Wiederholung kommt durch die Überschneidung der zwei verschiedenen Leseordnungen zustande (es gibt die Leseordnung der Sonn- und Feiertage sowie die Ordnung der Werktage). Deshalb kommen heute noch einmal dieselben Ausführungen, jedoch mit einem Seitenblick auf die bisherigen Texte des Tages.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde. Das Hirtenbild im Anschluss an Ps 42/43 verbindet sich heute nicht mit den grünen Auen wie gestern aufgrund von Ps 23, sondern wegen des lebendigen Wassers, das der gute Hirte den Menschen zu trinken gibt. Heute sind es die Schäfchen des Heidentums, die durch die Person des Petrus eigentlich von Christus selbst getränkt werden und in ihrem Durst große Schlücke davon nehmen.
Jesus erklärt dies, weil er der rechtmäßige Hirte ist, gesandt vom Vater. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster. Petrus ist selbst ganz erfüllt vom Heiligen Geist, der die Heiden in Cäsarea ganz durchdringt. Bevor es dieses heidnische Pfingsten geben konnte, mussten die Apostel selbst zu den Empfängern des pfingstlichen Geistes werden, der in ihnen das Feuer der Liebe entzündet und sie ganz durchtränkt mit dem lebendigen Wasser. So ist Petrus zu einem ganz gut ausgestatteten und auch von Gott selbst ausgesandten Hirten geworden, der nun die Herde vergrößert!
Das Zweite, das Jesu Gleichnis uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wird an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Weil die Taufe so heilsnotwendig ist und weil Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat, alle Menschen zu taufen und sie zu seinen Jüngern zu machen, ist es Petrus‘ heilige Pflicht als Gesandter, in das Haus des Kornelius einzukehren und dort das Wort Gottes zu verkünden.

Was wir gestern und heute gehört haben, ist ganz entscheidend und aktuell auch für die heutige Zeit. Wenn wir wahrnehmen, dass immer weniger Menschen zur Heiligen Messe kommen, immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, immer weniger überhaupt noch die Lehre der Kirche kennen und immer weniger Menschen daran glauben, dann hat Jesus mit dem heutigen Evangelium eine offensichtliche Antwort darauf: Wo sind die Hirten, die selbst ganz durchdrungen sind vom Heiligen Geist, die durch die Christustür gegangen und ein ganz persönliches Pfingsten erlebt haben? Wo sind die guten Hirten, die ihr Leben für die Schafe hingeben? Die Schafe sind zunehmend wie eine Herde ohne Orientierung, die nicht mehr richtig angeleitet wird. Und hier kommt die entscheidende Sache: Die Sehnsucht ist da. Sie ist kein bisschen erloschen, denn als Abbild Gottes sehnt sich der Mensch immer nach Gott. Der Durst des Menschen ist heute mindestens genauso groß wie damals. Doch wer geht hin und löscht diesen Durst mit dem lebendigen Wasser? Die Welt ist eine Wüste und umso voller sind die wenigen Oasen unserer Zeit. Wo es noch solche Hirten wie Jesus und in seiner Nachfolge Petrus gibt, da platzt der Ort aus allen Nähten. Die Menschen verstehen, dass sie hier endlich getränkt werden. Und eben jene guten Hirten werden eifersüchtig und missgünstig verfolgt von jenen, die keine guten Hirten sind. Das betrifft nicht nur die katholischen Gemeinden. Wir hören momentan die Schlagzeilen eines evangelischen Pastors, gegen den sogar Anzeige erstattet wird (ich denke, Sie wissen, wen ich meine….).

Beten wir dafür, dass der Heilige Geist das Antlitz der Erde neu mache und die Kirche erneuere. Beten wir um gute Hirten und um die Bekehrung der schlechten. Wie sehr wünsche ich ihnen von Herzen, dass auch sie ein ganz persönliches Pfingsten erleben und dadurch zu brennenden Glaubenszeugen werden! Beten, fasten und leiden wir für den Klerus, denn dieser trägt vor Gott eine ganz besondere Verantwortung!

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 2. Osterwoche

Apg 5,27-33; Ps 34,2 u. 9.17-18.19-20; Joh 3,31-36

Apg 5
27 Man führte sie herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie

28 und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
29 Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.
31 Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.
32 Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.
33 Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn und beschlossen, sie zu töten.

Gestern endete die Lesung damit, dass die Apostel von den Dienern des Hohen Rates zum Verhör gebracht werden sollen, nachdem sie auf wundersame Weise aus dem Gefängnis entkommen waren und im Tempel wieder das Wort Gottes verkündet haben.
Heute nun hören wir von diesem Verhör. Der Hohepriester beginnt seine Rede mit dem Rückgriff auf die vergangenen Verbote, die er den Aposteln schon nach der Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte erteilt hatte. Bereits damals haben die Apostel deutlich gemacht, dass sie Gott mehr gehorchen würden als den Hohepriestern.
Der Hohepriester wirft den Aposteln vor, dass sie im Namen Jesu und mit der Lehre Jesu die ganze Stadt erfüllt hätten. Das ist eine ungewollte Anerkennung ihrer Missionserfolge!
Der Hohepriester wirft zudem vor, dass die Apostel das Blut „dieses Menschen“, gemeint ist Jesus, über sie bringen wollen. Was heißt das? Wir haben so eine Stelle auch bei Matthäus, als das Volk danach schreit, dass Jesus gekreuzigt werden solle und Pilatus sich weigert. Da sagt das Volk „sein Blut komme über uns und unsere Kinder“. Es hat dieselbe Bedeutung: Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Mensch unschuldig hingerichtet worden ist, soll sein Blut als Blutschuld an den Schuldigen dieses Todes haften. Damals sagt das Volk diese Worte zu Pilatus, um ihn zu überreden, dass im Zweifelsfall die Schuld nicht bei ihm liegen werde, sondern bei den Juden (genauer gesagt bei der religiösen Elite, die hinter dem angestachelten Mob steckt). Hier möchte der Hohepriester also sagen: Im Nachhinein stellt ihr es so dar, dass Jesus unschuldig gestorben ist und wir schuld dran sind. Also legt ihr es drauf an, uns die Blutschuld an diesem Menschen anzuhängen und uns als Böse hinzustellen.
Das alles beeindruckt die Apostel herzlich wenig. So antworten sie mit den Worten, die sie ihnen schon zuvor gesagt haben: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ So ist es. Was auch immer die Hohepriester für Intrigen vermuten, welche Vorwürfe sie auch machen – letztendlich tun die Apostel nur das, was Gott von ihnen verlangt.
Auch in dieser Situation nutzen die Apostel die Chance, Christus zu bekennen, indem sie weitersprechen: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.“ Das heißt, dass die Hinrichtung falsch war und Gott als der Allmächtige das letzte Wort hat. Er ist ein Gott des Lebens und kann Tote wieder lebendig machen. Jesus ist der Christus, der Messias. Er ist Gott und kann nicht im Tod bleiben. Und ganz wichtig – es ist ein und derselbe Gott, der das Osterereignis erwirkt hat und der sich den heilsgeschichtlichen Gestalten des Alten Testaments offenbart hat wie Abraham, Isaak und Jakob, den Königen und Propheten, den Frauen. Dies erkennen wir an der typisch jüdischen Wendung „Gott unserer Väter“.
Weiter sprechen sie: „Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.“ Es ist ein richtiges Glaubensbekenntnis, das sie hier sprechen. Jesus sitzt nun zur Rechten Gottes und hat die Macht, Gottes auserwähltes Volk zum Heil zu führen. Das heißt, Jesus ist Gott. Für die Hohepriester sind diese Worte hochgradig blasphemisch, weil sie die Messianität und Göttlichkeit Jesu leugnen.
Schließlich enden die Apostel ihre Bekenntnisrede mit den Worten: „Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.“ Die Aufzählung „wir und der Heilige Geist“ bringt es auf den Punkt: Es ist ein Teamwork, gläubig zu sein. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, Gott besser kennenzulernen, arbeiten an uns selbst und öffnen uns ganz für seine Gnaden. Diese fließen in vollem Maße so wie wir uns in vollem Maße anstrengen. Beides Hand in Hand macht den heiligen Menschen aus (oder jenen, der nach Heiligkeit strebt). So ist es auch mit der Zeugenschaft. Der Mensch bemüht sich mit seinem ganzen Sein, Gott zu bezeugen, genau hinzusehen und zu beobachten. Gleichzeitig ist es der Geist, der einem die Augen öffnet und auf das zu Sehende hinführt. Im Falle der Apostel können wir das biographisch wunderbar nachzeichnen, ganz besonders anhand der Biographie des Petrus: Er hat vieles gesehen und gehört, was Jesus gesagt und getan hat. Er hat vieles davon noch gar nicht verstanden, doch nicht vergessen. Am Pfingsttag ist der Geist so wie auf alle Apostel auf ihn herabgekommen und hat ihm die Augen geöffnet, ihm alles Unverständliche aufgedeckt und an alles erinnert, was sich zwischenzeitlich in sein Unterbewusstsein abgesetzt hat. Es ist ein Teamwork der Zeugenschaft, so wie sie es nun vor den Hohepriestern bekunden.
All die Worte erzürnen den Hohen Rat nur noch mehr. Sie beschließen, die Apostel zu töten. Es entwickelt sich ganz so wie bei Jesus, was uns nicht wundert. Schließlich folgen sie ihm nach, der diese Verfolgungen für seine Jünger schon vorhergesagt hat.

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 
9 Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!
17 Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.
18 Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.
19 Nahe ist der HERR den zerbrochenen Herzen und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.
20 Viel Böses erleidet der Gerechte, doch allem wird der HERR ihn entreißen.

Heute beten wir einen wunderbaren Lobpreispsalm, mit dem wir Gottes große Taten rühmen.
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
David möchte Gott in allen Lebenslagen (allezeit), mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!“ Dieses Schriftwort wird vom Priester sehr oft direkt vor dem Kommunionempfang gebetet, also eucharistisch ausgelegt. Ja, wir können kosten, wie gut der HERR ist, wenn wir ihn in uns aufnehmen und uns mit ihm vereinen. Er ist wie Balsam für unsere Seele und umhüllt uns ganz mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Dann ist es wirklich ein Zufluchtnehmen im Meer seiner Barmherzigkeit, ein Eintauchen in den tiefsten Grund seines für uns durchbohrten Herzens. Das sehen wir bei den Aposteln, die von dort ausgehend in die Freiheit geführt worden sind – im wahrsten Sinne des Wortes! Und nun stehen diese Zeugen für Christus vor dem Hohen Rat und können dieses Psalmwort wirklich auf sich beziehen, die sie sich ganz zum Herrn flüchten.
„Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.“ Das ist das Gottesbild König Davids, der die Psalmen komponiert hat. Er spricht aus Erfahrung, denn seine schweren Sünden haben Unheil nach sich gezogen. Der eigene Sohn Abschalom trachtete ihm sogar nach dem Leben. Aber wir verstehen heute, dass dies nicht heißt, dass Gott sich vom Angesicht des Sünders abgewandt hat. Vielmehr muss David, der durch die Sünde aus dem Stand der Gnade getreten ist, nun die Konsequenzen seiner Tat tragen und Gott muss es akzeptieren. Wenn die Wendung „ihr Andenken von der Erde zu tilgen“ verwendet wird, ist das ein Zeichen des Fluchs. Erinnert man sich dagegen auch nach dem Tod eines Menschen noch an ihn, ist es Zeichen des Segens. Dies können wir heute auf die Gottlosen der Lesung beziehen. Ihre Sünde schreit zum Himmel und zieht lange Kreise. So ist es ein tröstliches Psalmwort auch für die Apostel, die genau wissen, dass Gott das Unrecht, das an dem Evangelium Jesu Christi begangen wird, nicht ohne Konsequenzen bleibt. Die Hohepriester haben aus ihrem Fehler am Sohn Gottes nicht gelernt und wollen ihn an Jesu Aposteln wiederholen. Das wird Konsequenzen nach sich ziehen.
„Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.“ Gott ist barmherzig und er hört das Schreien seines Volkes. Er hat dies schon getan, als sein auserwähltes Volk unter der Sklaverei Ägyptens litt. Er hat das Schreien der Propheten gehört, die für seine Weisung umgebracht worden sind. Er hat auch das Schreien seines eigenen Sohnes am Kreuz gehört. So hat er ihn von den Toten auferweckt und ihn über alle erhöht. Und so hört er auch das Schreien der Apostel, die mutig für Christus einstehen und dafür bedroht werden.
Dann macht David eine entscheidende Beobachtung: Gott bringt den zerschlagenen Geistern und zerbrochenen Herzen Hilfe. Erstens müssen wir das auf David selbst beziehen, der hier aus Erfahrung spricht. Seine Sünde hat ihn unglücklich gemacht, in erster Linie wegen der zerbrochenen Beziehung zu Gott. Er hat sich selbst gedemütigt, er hat sich selbst in seiner ganzen Unvollkommenheit und Erlösungsbedürftigkeit gesehen. Dieser realistische Selbstblick ist, was wir Demut nennen und das der fruchtbare Ausgangspunkt für Gottes Gnade ist. So ist es auch mit dem ganzen Volk Israel, das immer wieder schuldig geworden ist durch Götzendienst, das immer wieder die schmerzhaften Konsequenzen tragen musste und so nach dem Messias geschrien hat. Dieser ist gekommen, er ist die Hilfe, er ist Jesus, „Jahwe rettet“. Gott rettet auch die Menschen heute, indem er jenen die Taufgnade schenkt, die umkehren und an ihn glauben. Er rettet jeden einzelnen Menschen, der schuldig geworden ist und voller Reue, mit einem zerschlagenen Geist und einem zerbrochenen Herzen zu ihm zurückkehrt. Er ist sofort bereit, den Menschen zu vergeben, die von Herzen umkehren. Er versetzt uns alle dann wieder zurück in den Stand der Gnade. Das Sakrament der Versöhnung ist ein ganz großes Geschenk, das viel zu selten angenommen wird. Und am Ende der Zeiten wird Gott allen zerbrochenen Herzen und zerschlagenen Geistern die Tränen von den Augen abwischen. Sie alle werden das Heil schauen und in Ewigkeit bei Gott sein. Jesus hat so viel gelitten und ist am Ende schandvoll gestorben, doch mit der Auferstehung hat er, haben auch alle seine Lieben, vor allem seine mitleidende Mutter, allen Grund zu feiern und sich zu freuen. Sie sind beide jetzt mit Leib und Seele bei Gott und sind in der ewigen Glückseligkeit, die auch wir erfahren dürfen, wenn wir den Weg Jesu nachgehen. Gebe Gott, dass auch die hochmütigen Hohepriester von ihrem hohen Ross herabsteigen und sich so sehen, wie sie sind, auf dass sie mit zerschlagenem Geist zu Gott zurückkehren und auch Jesus als den Christus anerkennen.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns allem Bösen entreißt. Er tut dies schon zu unseren Lebzeiten immer wieder. Wie viele Katastrophen erleben wir im Laufe unseres Lebens und wie oft hilft uns der Herr da heraus? Er tut dies auch mit den moralischen Gefahren, den geistigen Anfechtungen, allen Angriffen des Bösen, durch die er uns zur Sünde provozieren will. Gott schenkt uns die helfende Gnade und verleiht uns vor allem durch das Sakrament der Beichte die Kraft, die Standhaftigkeit, die Selbstbeherrschung und Wachsamkeit, den Angriffen des Bösen beim nächsten Mal besser widerstehen zu können. Und spätestens nach unserem Tod wird er uns ganz in Sicherheit bringen, wo wir nicht mehr kämpfen müssen, wo uns der Böse nichts mehr anhaben kann.

Joh 3
31 Er, der von oben kommt, steht über allen; wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch. Er, der aus dem Himmel kommt, steht über allen.

32 Was er gesehen und gehört hat, bezeugt er, doch niemand nimmt sein Zeugnis an.
33 Wer sein Zeugnis annimmt, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.
34 Denn der, den Gott gesandt hat, spricht die Worte Gottes; denn ohne Maß gibt er den Geist.
35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.
36 Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm.

Heute hören wir ein weiteres Mal einen Ausschnitt aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus. Jesus führt weiter aus, was er bereits angeschnitten hatte – der aus dem Geist wiedergeborene Mensch ist es aufgrund des Messias, der von oben kommt. Was heißt das?
„Er, der von oben kommt, steht über allen“ – Jesus ist das ewige Wort, das vor aller Zeit beim Vater war, das keinen Anfang und kein Ende hat. Er steht über allen, weil alle geschaffen sind im Gegensatz zu ihm.
„Wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch.“ Menschen, die biologisch in diese Welt geboren worden sind, denken ganz in den irdischen Kategorien. Sie sind diesen ganz verhaftet. Jesus, der über sich in der dritten Person spricht, ist aber nicht einfach nur in diese Welt geboren. Er ist gleichzeitig Gott und steht über allen Irdischen.
Er bezeugt, was er gesehen und gehört hat, nämlich den Vater. Jesus ist der einzige authentische Exeget Gottes, weil er ganz eins ist mit ihm. Sein ganzes Wesen ist eine einzige Auslegung des Vaters. Er bezeugt ihn mit jedem Blick, mit jedem Wort, mit jeder Geste, mit seiner reinen Anwesenheit. Und doch nehmen die Menschen ihn nicht an. Man könnte denken, aber warum nicht, wenn er doch eine einzige Auslegung des Vaters ist? Jesus hat die Antwort schon vorweggenommen: Die Menschen sind dem irdischen Denken verhaftet. Sie verstehen nur, was innerhalb dieser irdischen Kategorien verständlich ist. Wenn er dagegen als Himmlischer himmlisch ist, fällt es den Menschen schwer, es zu fassen. Es ist aber nicht unmöglich, denn Jesus sagt: „Wer sein Zeugnis annimmt, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.“ Jesus und der Vater sind eins, deshalb fährt er fort: „Denn der, den Gott gesandt hat, spricht die Wortes Gottes; denn ohne Maß gibt er den Geist.“ Wer Christus annimmt mit dem, was er bezeugt, nimmt den Vater an, nimmt Gott an, der die beiden sind, aber nicht nur die beiden, sondern auch der Geist, den Christus ohne Maß gibt. Es ist eine dreifaltige Aussage.
Weiterhin führt Jesus aus, wie sein Verhältnis zum Vater ist: „Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.“ Jesus sagt selbst, dass er die volle göttliche Vollmacht hat. In seiner Hand ist alles, nicht nur ein wenig, alles. Und deshalb hängt das gesamte Heil des Menschen davon ab, ob er Christus anerkennt oder nicht. Deshalb sagt er, dass der Glaube an ihn zum ewigen Leben führt. Dies bezeugen wir äußerlich durch die Taufe. Deshalb ist sie heilsnotwendig. Wer aber nicht an den Christus glaubt, das heißt, wer ihm nicht gehorcht (Glaube und Gehorsam gehören zusammen! Vergleiche Noah, Abraham, Maria etc.), auf dem bleibt Gottes Zorn. So ist es unmöglich, das ewige Leben zu haben, das heißt bei Gott zu sein. Dann erwartet einen die ewige Abgeschnittenheit von Gott.
Was Jesus hier erklärt, ist absolut auf die Hohepriester zu beziehen, die in der Lesung die Apostel verhören. Sie haben bei Jesus einen großen Fehler begangen und nicht die Apostel bringen das Blut Jesu über sie, sondern sie haben es selbst getan im Moment der Auslieferung an Pilatus. Sie haben etwas Schreckliches getan, doch nun erhalten sie eine zweite Chance. Sie könnten Jesus rehabilitieren und für ihre schwere Sünde büßen. Stattdessen wiederholen sie die Sünde und erkennen gar nicht, was sie falsch gemacht haben. Sie bleiben weiterhin im Unglauben und wollen Jesus nicht als den Messias erkennen. Sie verschließen sich der Vergebung und somit dem ewigen Leben. Jetzt stehen die Apostel schon direkt vor ihnen und bekennen freimütig, was die Wahrheit ist. Doch sie wollen es nicht annehmen. Stattdessen erfüllt es sie mit noch mehr Zorn und sie wollen nun auch diese mundtot machen. Sie erkennen die Zeit der Gnade nicht. Sie sind von der Erde und denken ganz irdisch. Sie schaffen es nicht, die himmlische Denkweise nachzuvollziehen. Sie schaffen es nicht nur nicht, sondern sie wollen es auch gar nicht. Ihre Haltung ist ganz ablehnend.

Erkennen wir in den Hohepriestern Negativbeispiele und machen wir es ihnen nicht nach in der Verstocktheit und anhaltenden Ablehnung der offensichtlichen Wahrheit. Seien wir vielmehr wie die Jerusalemer, die die Zeichen und Wunder sehen, die sich von den Worten des Evangeliums berühren lassen und umkehren, Tag für Tag aufs Neue!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der Osteroktav

Apg 3,1-10; Ps 105,1-2.3-4.6-7.8-9; Lk 24,13-35

Die Osteroktav greift weiterhin Texte der letzten Tage auf. So hören wir das Evangelium von Ostermontag, das wunderbare Emmaus-Ereignis. In diesen Tagen wird uns als Lesung immer ein Ausschnitt aus der Apostelgeschichte vorgelesen.

Apg 3
1 Petrus und Johannes gingen zur Gebetszeit um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.
2 Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln.
3 Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen.
4 Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagte: Sieh uns an!
5 Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
6 Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, steh auf und geh umher!
7 Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
8 er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
9 Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
10 Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war.

Die Apostel haben an Pfingsten den Heiligen Geist empfangen. Er hat ihnen die Früchte, Gaben und Charismen geschenkt, die sie für ihre Aufgabe in der Evangelisierung der Welt benötigen. Heute hören wir von einer Episode, in der sich diese Ausstattung mit dem Hl. Geist das erste Mal zeigt (ausgenommen die mutige Pfingstpredigt des Petrus und zuvor die Manifestationen des Geistes in Form von Feuerzungen und Sprachengebet).
Petrus und Johannes gehen zu drei Uhr nachmittags in den Tempel zum Gebet. Sie sind zwar Christen, aber ihre jüdischen Praktiken behalten sie bei. Sie sehen sich gar nicht so, als ob sie nun einer neuen Religion angehören. Es ist vielmehr so, dass Jesus ihrer Ansicht nach das Judentum erfüllt hat. Erst später wird es so viel Uneinigkeit und Spaltung mit den Juden geben, dass sich zwei unterschiedliche Stränge entwickeln – das Judentum, das Jesus als Messias nicht anerkennt und deshalb auch seine Anhänger als Sektierer ablehnt. Die Gemeinschaft der Christgläubigen wird dagegen immer unabhängiger betrachtet und erhält in Antiochien dann das erste Mal die Bezeichnung „Christen“.
Die beiden Apostel gehen also wie üblich in den Tempel und treffen dort auf einen gelähmten Mann am Tor des Tempels, das „die schöne Pforte“ genannt wird. Er verharrt dort, weil viele Menschen an ihm vorübergehen und ihm beim Betreten oder Verlassen des Tempelareals das ein oder andere Almosen spendet. Wir sehen über diese wörtliche Leserichtung hinaus noch viel mehr. Der Mann sitzt an der Schwelle vom Judentum, das auf den Messias wartet, zur Jüngerschaft Jesu Christi. Er ist an der Schwelle und die Heilung wird den Ausschlag geben, dass dieser Mensch Jesus als den Christus erkennen wird. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ Für Petrus und Johannes wird das folgende Ereignis zur Bestätigung der Worte Jesu. Ja, die Menschen, die zum Glauben an Jesus Christus kommen, übertreten wahrhaft diese Schwelle vom ewigen Tod zum ewigen Leben. Ihnen ist es schon beim Pfingstereignis aufgegangen, als nach der kraftvollen Pfingstpredigt des Petrus ganze 3000 Menschen die Taufe empfingen und so die existenzielle Schwelle übertraten, gleichsam durch die Tür Christi hindurchgeschritten sind.
Der Mann bittet die vorbeigehenden Apostel um ein Almosen. Petrus, der immer zuerst das Wort ergreift, bittet den Mann, ihn anzusehen. Dieser rechnet damit, dass er nun etwas bekommt.
Doch WAS er bekommt, übersteigt alle seine Erwartungen!
„Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, gebe ich dir.“ So sollen auch wir geben. Wir sollen aus Liebe zu Gott alles geben, was wir haben. Und damit ist nicht einfach nur materieller Besitz gemeint, sondern alles an Ressourcen, die es gibt: Zeit, Energie, Finanzen, ein zuhörendes Ohr, Bereitschaft, den eigenen Willen.
Und Petrus gibt dem Mann nun umsonst die Heilung im Namen Jesu des Nazoräers! Jesus hat seinen Jüngern schon damals gesagt: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben (Mt 10).
Und so spricht Petrus die Heilungsworte im Namen Jesu, der ja der eigentlich Heilende ist. Petrus tut nichts aus eigener Kraft, sondern in der Vollmacht Jesu Christi. Er ist es, der durch seine Hände heilt, er ist es, der durch seinen Mund spricht.
So tut Petrus genau dasselbe, was Jesus immer getan hat: Er fasst den Mann bei der rechten Hand und richtet ihn auf. Die Kraft des Heiligen Geistes durchströmt seine kranken Glieder und festigt sie. Der Mann kann aufrecht stehen und umhergehen!
Petrus hat ihn geheilt und die Reaktion des Mannes ist ideal. Die erste Tat nach seiner Heilung besteht im Lobpreis an den allmächtigen Gott, dem er dies zu verdanken hat.
Sein Umhergehen, Herumspringen und Lobpreis bleibt nicht unbemerkt. Die Menschen, die ihn noch von früher kennen, wie er an der Schönen Pforte gebettelt hat, staunen darüber, was mit ihm geschehen ist.
Gott wirkt Wunder, damit die jeweiligen Zeugen dadurch zum Glauben an ihn kommen und seine großen Taten loben.
Jesus hat angekündigt, dass in seinem Namen diese Zeichen geschehen werden. Petrus erfüllt vom Heiligen Geist erkennt die Zeit des Handelns und lässt sich von Gott als Werkzeug des Heils verwenden. So sollen auch wir sein. Uns soll es in jeder Lebenslage immer darum gehen, den Menschen die Liebe Gottes zu vermitteln. Und wohin auch immer Gott uns entsendet – wir sollen die Situation erkennen und uns gebrauchen lassen, damit er auch heute seine großen Taten offenbaren kann. Seien wir dabei ein Spiegel oder Fenster dieser Heilstaten Gottes wie Petrus! In Jesu Namen geschehen auch heute noch Zeichen und Wunder!

Ps 105
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,

4 fragt nach dem HERRN und seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit!
6 Ihr Nachkommen seines Knechts Abraham, ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.
7 Er, der HERR, ist unser Gott. Auf der ganzen Erde gelten seine Entscheide.
8 Auf ewig gedachte er seines Bundes, des Wortes, das er gebot für tausend Geschlechter,
9 des Bundes, den er mit Abraham geschlossen, seines Eides, den er Isaak geschworen hat
.

Der heutige Psalm ist eine wunderbare Antwort auf die Lesung. Man könnte sagen, dass diese Psalmworte aus dem Mund des geheilten Gelähmten gekommen sein könnten, als er voller Freude in den Tempel gegangen ist und Gott gedankt hat.
Der Psalm beginnt wie so oft mit einer Selbstaufforderung zum Lob: „Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!“ Dieser heilige Name ist es, durch den die Heilung am Gelähmten an der „Schönen Pforte“ erwirkt worden ist.
„Und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Der Geheilte aus der Apostelgeschichte wird sein Leben lang nicht vergessen, was für ein Wunder an ihm geschehen ist. Ihm ist im Grunde ein ganz neues Leben geschenkt worden, weil er nun arbeiten gehen kann. Er kann für sich selbst sorgen und muss nicht mehr betteln. Auch in der Gesellschaft wird er nun mehr Achtung bekommen.
„Der dir all deine Schuld vergibt und deine Gebrechen heilt“ – es ist genau diese Reihenfolge, die wir bemerken müssen. Zuerst vergibt Gott uns die Schuld. Dies ist nämlich die wichtigste Form von Heilung – die seelische. Wenn wir wieder mit Gott versöhnt sind und zurückversetzt sind in den Radius seiner Gnade, kann diese uns auch umfassend heilen. Die psychischen und körperlichen Auswirkungen unserer im Kern seelischen Probleme, können nun auch geheilt werden, weil der seelische Kern wiederhergestellt ist.
„Fragt nach dem HERRN und seiner Macht“ – die hebräische Verbform דִּרְשׁ֣וּ dirschu ist eigentlich mit „suchet, forscht“ zu übersetzen. Es geht also darum, in allem immer den Herrn zu suchen.
„Sucht sein Angesicht allezeit!“- auch בַּקְּשׁ֖וּ baqschu kann mit „suchen“ übersetzt werden, aber auch mit „wollen, begehren, bitten“. Beide Sätze sagen etwas Ähnliches aus und sind ähnlich strukturiert, was wir Parallelismus nennen. Dem Menschen soll es immer nach dem Angesicht Gottes verlangen. Es umschreibt, was mit dem Sch’ma Israel zusammengefasst wird (Dtn 6,4ff.), die absolute Gottesliebe und deshalb das stete Interesse daran, ihn besser zu verstehen. Es geht daran, das Herz an ihn zu hängen. Wenn man dies tut, wird das Herz immer wieder Heilung erfahren.
So wie wir schon oft gebetet haben, ergeht auch hier die Aufforderung an uns, Gottes Heilstaten nie zu vergessen („Gedenkt der Wunder, die er getan hat…“). So werden wir nie undankbar und auch nie etwas für selbstverständlich nehmen, was Gott uns schenkt. Dies macht der geheilte Gelähmte in der Apostelgeschichte uns heute vor. Wir gedenken der großen Taten Gottes mit dankbarem Herzen in jeder Eucharistie. Wir beten jeden Tag die Psalmen und loben Gott darüber hinaus mit Hymnen und anderen Lobliedern.
Gott ist der Herrscher des Alls und deshalb gilt, was er entscheidet. Alles ist seinem universalen Heilswillen unterworfen, was auch für uns sehr tröstlich ist! Das bedeutet nämlich, dass auch der Böse nur so viel anrichten kann, wie Gott zulässt. Sobald das Ende der Zeiten erreicht ist, wird Gott ihm sofort und ganz ohne Mühe Einhalt gebieten. Er wird den Bösen für immer zerstören und wir werden nie wieder leiden müssen.
Gott ist der Treue, der es wirklich ernst meinte, als er den Bund mit Abraham ewig nannte. Die tausend Geschlechter, die hier genannt werden, sind eine symbolische Zahl, sodass wir nicht anfangen müssen, Geschlechter auszurechnen. Es ist ein Code, der eine sehr lange Zeit umschreibt und im poetischen Kontext der Psalmen als Stilmittel fungiert.
Gott hält seine Versprechen und so dürfen wir gläubig ausharren, bis der verherrlichte Menschensohn wiederkommen wird am Ende der Zeiten. Er hat uns ja versprochen, dass er uns reich belohnen werde, wenn wir bis zum Schluss standhaft und wachsam gewesen sind. Und wenn es in unserem Leben schwer wird, trägt er uns hindurch, der vor dem Heimgang zum Vater sagte: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.

20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir wieder das Emmausereignis. Kleopas ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie reisen nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner. Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Die österliche Freude, das Heil und die Gegenwart des Auferstandenen setzen sich auch heute fort. Jesus bleibt wirklich bei den Menschen und wirkt auch weiter, obwohl er nicht mehr in Menschengestalt auf Erden wandelt. Das ist wichtig vor allem auch für uns heute! Jesus verlässt auch uns nicht und ist in der Kirche bis heute gegenwärtig, auch wenn er nicht mehr in Menschengestalt, sondern in Gestalt der eucharistischen Gaben da ist.

Schauen wir genau hin. Er tut auch heute viele Wunder. Lassen wir uns wie Petrus gebrauchen als Werkzeuge des Heils, damit die österliche Freude nie versickert, sondern immer mehr Menschen ansteckt!

Ihre Magstrauss

Montag der 3. Woche der Fastenzeit

2 Kön 5,1-15a; Ps 42,2-3; Ps 43,3.4; Lk 4,24-30

2 Kön 5
1 Naaman, der Feldherr des Königs von Aram, galt viel bei seinem Herrn und war angesehen; denn durch ihn hatte der HERR den Aramäern den Sieg verliehen. Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt.

2 Nun hatten die Aramäer bei einem Streifzug ein junges Mädchen aus dem Land Israel verschleppt. Es war in den Dienst der Frau Naamans gekommen.
3 Es sagte zu seiner Herrin: Wäre mein Herr doch bei dem Propheten in Samaria! Er würde seinen Aussatz heilen.
4 Naaman ging zu seinem Herrn und meldete ihm: Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt.
5 Der König von Aram antwortete: So geh doch hin; ich werde dir ein Schreiben an den König von Israel mitgeben. Naaman machte sich auf den Weg. Er nahm zehn Talente Silber, sechstausend Schekel Gold und zehn Festkleider mit
6 und überbrachte dem König von Israel das Schreiben. Es hatte folgenden Inhalt: Wenn jetzt dieser Brief zu dir gelangt, so wisse: Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du seinen Aussatz heilst.
7 Als der König von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und rief: Bin ich denn ein Gott, der töten und zum Leben erwecken kann? Er schickt einen Mann zu mir, damit ich ihn von seinem Aussatz heile. Merkt doch und seht, dass er nur Streit mit mir sucht!
8 Als der Gottesmann Elischa hörte, der König von Israel habe seine Kleider zerrissen, ließ er ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Naaman soll zu mir kommen; dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt.
9 So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas.
10 Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund und du wirst rein.
11 Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen.
12 Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg.
13 Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich und du wirst rein.
14 So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes und er war rein.
15 Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel.

Wir hören heute von einem syrischen Feldherrn namens Naaman in der Lesung. Er leidet an Aussatz und hört durch eine israelitische Sklavin von Elischa, dem Propheten Israels. So erbittet er bei seinem König die Reise nach Israel, um von Elischa geheilt zu werden. Er nimmt viel Geld, Gaben, Pferde und Wagen mit und kommt wie ein König nach Israel. Er wird beim König Israels vorstellig mit einem Schreiben seines aramäischen Königs. Doch der König Israels reagiert mit Abwehr, da es für ihn wie eine Provokation wirkt. Elischa bekommt die Situation mit und bittet seinen König, Naaman zu ihm zu schicken, weil er ihn heilen will. Der syrische Feldherr kommt zum Propheten mit bestimmten Erwartungen. Er hat eine genaue Vorstellung davon, wie der gesamte Heilungsvorgang aussehen soll. Umso verärgerter reagiert er, als er zu Elischa kommt und dieser ihm ein ganz anderes Procedere vorschreibt: Statt dass Elischa zu ihm nach draußen tritt, seinen Gott anruft, die Hand über die kranke Stelle bewegt und ihn sol heilt, gibt er ihm Anweisungen aus der Ferne und dann nur eine einzige einfache Sache: Er soll siebenmal im Jordan abtauchen, damit sein Körper wieder rein wird.
Seine Reaktion ist typisch und wir bezeugen sie immer wieder bis heute: Gott ist überraschend einfach. Er ist die Demut schlechthin. Bei ihm ist alles schlicht, einfach und entlarvend unkompliziert. Deshalb reagieren viele Menschen mit Unmut, Ablehnung und vor allem Spott. Wie oft hören wir bis heute: „So ein Gott kann nicht allmächtig sein. Er lässt sich von seinen eigenen Geschöpfen ans Kreuz schlagen und auch heute schaut er tatenlos zu, wie wir Menschen leiden müssen.“ Und wie sehr ist Jesus am Kreuz verspottet worden. Wir wissen auch von Heiligen, denen der christliche Glaube zuerst viel zu einfach vorkam und sie deshalb die Bibel nicht lesen wollten. Diese Reaktionen kommen von Menschen, die hochmütig sind. Hochmut ist das Gegenteil von Demut, die Gott ist. Bei ihm ist alles ganz schlicht, deshalb auch ganz unattraktiv nach irdischen Maßstäben. Bei ihm muss man keinen teuren Preis bezahlen, sondern sein Ja geben. Naaman ist enttäuscht, weil er eine spektakuläre Prozedur und eine sensationelle Heilung erwartet.
Elischa kommt ihm nicht zu nahe, weil er sich als Jude kultisch verunreinigt und zugleich anstecken kann. Aussatz ist hoch ansteckend. Naaman regt sich vor allem darüber auf, dass er in den Hl. Fluss der Israeliten steigen soll, obwohl er als Syrer die Flüsse des eigenen Landes Abana und Parpar bevorzugt.
Er möchte aufgeben, doch seine Bediensteten reden ihm gut zu. Interessant ist dabei, dass sie sagen: „Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun.“ Das fasst seine Einstellung gut zusammen. Wäre es etwas Kompliziertes, wäre er dem nachgekommen. Jetzt wo es so einfach erscheint, hat er die typische hochmütige Einstellung, dass es nicht gut sein kann, so nach dem Motto „Qualität hat seinen Preis“. Was umsonst ist oder zu leicht umsetzbar, kann qualitativ nicht hoch sein. Bei Gott ist das aber nicht so. Und seine Diener sagen deshalb mit Nachdruck: „wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich und du wirst rein?“
Er lässt sich belehren und steigt in den Fluss. So wird er geheilt und eines besseren belehrt. Nun versteht und glaubt er, dass Elischa ein unvergleichbarer Prophet ist. Gott ist nicht nur einfach, sondern so mächtig, dass er mit Leichtigkeit einen Menschen heilen kann.
Viele Menschen heute und auch wir selbst haben in manchen Situationen dieselbe Einstellung wie Naaman. Lassen auch wir uns dann eines besseren belehren und nehmen wir die Lektion Gottes an. Nur so können auch wir Heilung erfahren. Das ist vor allem eine Lektion für die Kirche: Wie oft sehen wir in unseren Gemeinden die Bestrebung, alles noch komplizierter und hochwertiger zu machen, obwohl es der Schlichtheit und Demut Gottes widerspricht? Dann müssen auch wir zur Einfachheit zurückkehren, damit Gottes Geist wieder mehr Raum hat. Der heilige Fluss Jordan ist für uns ein wichtiges Signal, wenn wir z.B. an gestern denken. Da ging es in den Lesungen um das lebendige Wasser, das der Hl. Geist ist. Und als Christen erkennen wir hinter der Rede vom Jordan das Wasser der Taufe. Gott lässt solche Heilungserzählungen wie die der heutigen Lesung zu, damit wir erkennen, wie er die Menschen nach und nach an die Taufe herangeführt hat. So wie der Syrer Naaman äußerlich rein wurde – aber auch schon innerlich, da er seine Einstellung geändert hat! – so wird der Mensch in der Taufe rein von all seinen Sünden und auch von allen Folgen seiner Sünden. Würde er in dem Moment tot umfallen, würde er direkt in den Himmel kommen. So reinigend ist das Wasser der Taufe! Sie ist zutiefst mit dem Glauben des Täuflings verbunden, so sehen wir schon bei Naaman, dass sein Untertauchen in den Jordan mit erwirkter Heilung ihn zum Glauben daran gebracht hat, dass es keinen Propheten gibt wie in Israel.

Ps 42-43
2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?
3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.
4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Auch der Psalm reflektiert das lebendige Wasser des Hl. Geistes, der die Liebesglut Gottes ist. Er ist es, den unsere Seele so sehnlichst erwartet und der sie tränkt. Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so dürstet die Seele des Menschen nach Gott. Wir sind Abbild Gottes und sehnen uns immer nach unserem Schöpfer. Wir sind dazu geschaffen, ganz mit ihm in einer Liebesgemeinschaft zu sein. Und deshalb sucht der Mensch Gott immer bewusst oder unbewusst in seinem Leben. Und auch Gott wirbt lebenslänglich nach dem Menschen, er ruft und er zieht ihn.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Das ist eine absolute Entsprechung zum lebendigen Wasser, das wir trinken sollen. „Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht?“ – das ist besonders schmerzhaft zu beten bzw. sehr aktuell, da wir zwar in die Kirchen hineindürfen, auch zum Allerheiligsten, zum Tabernakel gehen dürfen, aber doch nicht die Vereinigung in der Eucharistie haben dürfen. Es ist eine Sehnsucht, die der Mensch immer hat, auch wenn er es nicht merkt. Das schauen des Angesichts Gottes kann moralisch auf den Stand der Gnade bezogen werden. Vor einigen Tagen beteten wir in einem anderen Psalm, dass Gott die Wege des Gerechten sieht. Das ist bildhaft gemeint und auch hier ist es dieses Gesehenwerden von Gott. Auf vollkommene und erfüllte Weise wird dies aber sein, wenn wir sterben und dann vor ihm stehen. Dann sieht nicht nur er uns, sondern auch wir ihn, wie er ist.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten“ – das Licht und die Wahrheit ist Jesus Christus. Dieser Vers ist absolut messianisch. Gott ist selbst zu uns gekommen, um uns zu leiten auf dem Weg, den er für uns bereitet hat. Er hat vorgelebt, wie wir die Gebote Gottes richtig umsetzen sollen, damit wir die Chance auf den heiligen Berg haben, das Himmelreich. Auch das Bild der Wohnungen ist darauf zu beziehen. Jesus sagt in seiner Abschiedsrede in Joh 14,1-2: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“ Was der Herr für uns getan hat bis hin zum Kreuz, ist für uns ein lebenslanges Lob wert. Und so ist es elementar für uns Christen, zum Altar zu kommen, um dem Herrn zu danken – die Eucharistie, „Danksagung“ ist deshalb der Herzschlag der Kirche. Wenn sie ausbleibt, bleibt das Herz stehen und die Kirche stirbt. So lange sie aber gefeiert wird, werden die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen. Auch durch unseren Lebenswandel sollen wir immerzu dankbar sein. Gott schenkt uns so viel Gutes, doch oft sind wir versucht, nur den Mangel zu sehen, den wir dabei so oft selbst verschulden. Er lässt uns nicht im Stich und lässt uns auch nicht verdursten. Haben wir Vertrauen!

Lk 4
24 Und er setzte hinzu: Amen, ich sage euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.

25 Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
26 Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
27 Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
28 Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
29 Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
30 Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging weg.

Das Evangelium stellt Jesu Antwort auf die Rede der Nazarener dar, denen er am Sabbat in der Synagoge aus dem Buch Jesaja vorgelesen und die Worte auf sich bezogen hat. Sie wundern sich über seine Weisheit und Vollmacht, mit der er die Schrift auslegt, und zeigen durch ihre Frage „Ist das nicht Josefs Sohn?“, dass sie es ihm nicht zutrauen. Sie kennen ihn noch von früher und haben ihn aufwachsen sehen. Für sie scheint es nicht möglich, dass er mindestens ein Prophet ist, geschweige denn Gottes Sohn. So setzt Jesus zum Reden an:
„Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.“ Damit sagt Jesus etwas Wichtiges, was wir in unserer Welt beobachten: Menschen werden in Schubladen gesteckt und die Meinung über einen Menschen einzementiert. Es ist kaum möglich, aus diesen festgelegten Kategorien zu entfliehen, weil Menschen anderen Menschen keine Änderung zutrauen. So kann kein Mensch, der zuvor schlecht war, von allen Menschen in seinem bekehrten Zustand ernst genommen werden. So kann auch kein Mensch, der unscheinbar aufgewachsen ist und gespielt hat wie jedes andere Kind, als großer Prophet ernst genommen werden. So ist es für Jesus schwer, Heilstaten zu vollbringen. Diese hängen von den Herzen der Menschen ab. Wo Ablehnung herrscht, kann Gott nicht wirken. Das betrifft auch die Kirche heute. Wo die Menschen selbst und aus eigener Kraft etwas bewirken wollen, lassen sie dem Geist Gottes keinen Raum. Wenn sie ihn ablehnen, zieht er sich auch zurück, denn der freie Wille ist Gott heilig. So ist es auch bis zum Schluss. Wer den Hl. Geist ablehnt und so auch die vergebende Barmherzigkeit Gottes, richtet sich selbst für die Hölle. Denn der Geist Gottes ist es, durch den uns vergeben wird. Jesus sagt zu seinen Jüngern als Auferstandener: „Empfang den Hl. Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben und wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“
Diese allzu menschliche Haltung, die Jesus hier anspricht, gilt zu jeder Zeit. So verweist er auf den Syrer Naaman, von dem wir in der Lesung gehört haben. Er nimmt es auch zuerst nicht an, lässt sich dann aber eines besseren belehren und so wird er doch geheilt. Zur Zeit der Propheten Elija und Elischa bleiben viele Heilungen aus, weil die Menschen nicht mit Glauben zu ihnen kamen und diese nicht anerkannten. Heilungen Gottes sind keine Automatismen. Wer innerlich gar nicht glaubt, dass Gott sie heilen kann, wird auch nicht geheilt. Wer nicht wenigstens ein wenig sein Herz dafür öffnet, an dem wird Gott auch nicht handeln können. Keiner wird gegen seinen eigenen Willen geheilt. Das gilt bis heute.
Jesus hat diese ganzen Worte nicht gesprochen, um irgendwen zu provozieren, sondern es stellt eine Lektion für die Menschen dar. Er sagt es, um sie wachzurütteln, damit sie ihn annehmen. Stattdessen werden sie wütend und wollen ihn umbringen. Jesus hat keine Angst und geht ganz gelassen durch die Menge hindurch weg von den Nazarenern. Sie haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Gott kritisiert die Menschen nicht, um sie fertig zu machen oder weil ihm das gefällt. Er tut es, um die Menschen zur Besinnung zu führen. Er weiß, was ihnen wirklich fehlt, er kann ihnen das lebendige Wasser aber nur zu trinken geben, wenn sie den Mund aufmachen und zu trinken beginnen. Man kann einen Ochsen oder Esel zwar ans Wasser zerren, trinken muss er aber selbst. Dieses Sprichwort betrifft auch unser Verhältnis zu Gott. Er kann uns an die Quellen lebendigen Wassers führen, doch trinken müssen wir selbst.

Angesichts der derzeitigen Coronakrise bleibt uns nur zu sagen: Wir Menschen saßen die ganze Zeit an der Quelle, doch tranken nicht daraus. Das Wasser sprudelte so vor sich hin, auch die himmlische Speise vereinsamte im Tabernakel, doch so wenige besuchten sie. Deshalb lässt Gott zu, dass wir für eine gewisse Zeit nicht mehr an der Quelle sitzen, damit wir sie wieder zu schätzen lernen. Herr, hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt. Schenke in dieser Krisenzeit, die für uns eine Chance darstellt, die Gnade einer tiefen Umkehr zu dir. Erneuere durch dein lebendiges Wasser, den Hl. Geist, das Antlitz der Erde, dass der Glaube in den Menschen neu zu sprudeln beginnt wie eine reine Quelle. Alle Engel und Heiligen, bittet für uns!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 4. Woche im Jahreskreis

2 Sam 24,2.9-17; Ps 32,1-2.5.6-7; Mk 6,1b-6

2 Sam 24
2 Der König befahl Joab, dem Obersten des Heeres, der bei ihm war: Durchstreift alle Stämme Israels von Dan bis Beerscheba und mustert das Volk, damit ich die Zahl des Volkes kenne!
9 Und Joab gab dem König das Ergebnis der Volkszählung bekannt: Israel zählte achthunderttausend Krieger, die mit dem Schwert kämpfen konnten, und Juda fünfhunderttausend. 
10 Dann aber schlug David das Gewissen, nachdem er das Volk gezählt hatte, und er sagte zum HERRN: Ich habe schwer gesündigt, weil ich das getan habe. Doch vergib deinem Knecht seine Schuld, HERR; denn ich habe sehr unvernünftig gehandelt. 

11 Als David am Morgen aufstand, war bereits folgendes Wort des HERRN an den Propheten Gad, den Seher Davids, ergangen: 
12 Geh und sag zu David: So spricht der HERR: Dreierlei lege ich dir vor. Wähl dir eines davon! Das werde ich dir antun. 
13 Gad kam zu David, teilte ihm das Wort mit und sagte: Was soll über dich kommen? Sieben Jahre Hungersnot in deinem Land? Oder drei Monate Flucht vor deinen Feinden, die dich verfolgen? Oder drei Tage Pest in deinem Land? Überleg dir sehr genau, was ich dem, der mich gesandt hat, als Antwort überbringen soll! 
14 Da sagte David zu Gad: Ich habe große Angst. Wir wollen lieber in die Hand des HERRN fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß; den Menschen aber möchte ich nicht in die Hand fallen. 
15 Da ließ der HERR über Israel eine Pest kommen; sie dauerte von jenem Morgen an bis zu dem festgesetzten Zeitpunkt und es starben zwischen Dan und Beerscheba siebzigtausend Mann im Volk. 
16 Als der Engel seine Hand gegen Jerusalem ausstreckte, um es ins Verderben zu stürzen, reute den HERRN das Unheil und er sagte zu dem Engel, der das Volk ins Verderben stürzte: Es ist jetzt genug, lass deine Hand sinken! Der Engel war gerade bei der Tenne des Jebusiters Arauna. 
17 Als David den Engel sah, der das Volk schlug, sagte er zum HERRN: Ich bin es doch, der gesündigt hat; ich bin es, der sich vergangen hat. Aber diese, die Herde, was haben denn sie getan? Erheb deine Hand gegen mich und gegen das Haus meines Vaters!

Die heutige Lesung ist etwas schwer zu verstehen und muss deshalb aufmerksam gelesen werden. Was wir heute lesen, ist eine Versuchungsgeschichte. In den vorangegangenen Kapiteln haben wir gelesen, dass David alle seine Feinde besiegt hat. Er könnte sich jetzt eigentlich zur Ruhe setzen. Stattdessen wird er hochmütig. Sein Erfolg steigt ihm zu Kopf und so wird er angreifbar für die Versuchungen des Teufels. So lässt er eine Volkszählung durchführen. So etwas dient vor allem militärischen Zwecken und wir lesen ja, dass diese Zählung eine Musterung kriegstüchtiger Männer ist. Joab durchstreift mit seinen Leuten das gesamte Reich „von Dan bis Beerscheba“, was die gängige Bezeichnung für die Nord-Süd-Ausdehnung Israels darstellt. Als oberster Heerführer versteht Joab, dass diese Aktion in den Augen Gottes nicht gut sein kann. David hat seine Feinde besiegt. Welchem Zweck dient also eine militärische Musterung, wenn nicht der Machtdemonstration und des Selbstlobs? Es wirkt so, als ob David kurzzeitig seine demütige Art verloren hat, die er stets von der Beziehung zu Gott her definiert hat. In diesem Moment des Hochmuts tut er so, was Gott nicht recht ist. Als Joab zurückkehrt und David das Ergebnis mitteilt, bekommt dieser ein schlechtes Gewissen. Er realisiert ganz ohne Hilfe Dritter, dass er sich vor Gott versündigt hat. Auch am nächsten Tag wird seine Tat als Sünde bestätigt, als der Seher Gad ihm die Wortes Gottes mitteilt.
Weil David sich selbstständig seiner Sünde bewusst geworden ist, lässt Gott ihm die Wahl, wie er die Sünde wieder gut machen kann. Dabei sehen wir wieder, dass Sünde immer andere Menschen mit hineinzieht. Die Sünde schlägt Wellen der Ungerechtigkeit.
David sagt: „Ich habe Angst“. Das ist kein Satz, den man im Stand der Gnade sagen kann. David ist es, der sonst immer ein vorbildliches Gottvertrauen besitzt, egal wie brenzlig die Situation erscheint. So sehen wir, dass Angst nicht von Gott kommt. Es ist eine Ur-Emotion, die durch die zerbrochene Beziehung zwischen Gott und Mensch zustande kommt. Doch David tut in der Situation der bereits begangenen Sünde genau das Richtige: Er vertraut sich der Barmherzigkeit Gottes an und entscheidet sich dafür, sich ausschließlich Gott auszuliefern. So soll drei Tage eine Pest in seinem Reich wüten. Es kommen dabei 70000 Männer um.
Die ganze Episode zeigt uns, dass in der Hl. Schrift auch das ganz Menschliche ihrer Autoren einfließt. Gott hat sich so klein gemacht, dass sein göttliches Wort in Menschenworte hineinpasst, in Buchstaben! Und so speisen sich diese Menschenworte aus den Vorstellungen und Interpretationen jener Autoren. Wir merken hier, dass das Gottesbild an dieser Stelle anthropomorph ist, das heißt mit menschlichen Eigenschaften versehen wird. Gott „reut“ etwas. Die Situation wird gedeutet, sodass der Autor hier schreibt: Gottes Zorn entbrannte (dieser Vers wird heute ausgelassen), Gott tut etwas aus dem Affekt heraus, Gott bereut etwas, so als ob er falsch handeln könne. Gott wird mit menschlichen Emotionen ausgestattet, die typisch für den gefallenen Menschen sind. Das heißt nicht, dass Gott wirklich so ist, sondern dass der Mensch von damals ihn so gesehen hat. Gott muss gar nichts bereuen, denn Gott kann nicht sündigen. Wir müssen solche Aussagen wie in Vers 16 also richtig interpretieren.
David trifft dann mit folgender Frage den Nagel auf den Kopf. So ist das Wesen der Sünde: „Ich bin es doch, der gesündigt hat, (…) aber diese, die Herde, was haben denn sie getan?“ Unschuldige müssen immer mitleiden. Das ist die Ungerechtigkeit der Sünde. David bittet um Erbarmen Gottes für seine „Herde“. Dass er dieses Bild wählt, kommt nicht von ungefähr. Schließlich war er zuvor Hirte. So ist auch seine Regentschaft zu charakterisieren. Er ist wirklich ein Hirte, der sich um seine Herde kümmert. Damit ist er Typos Christi, der als der gute Hirte ein Antitypos Davids ist. Als König sind beide keine Tyrannen, sondern Versorger und Beschützer. Sie kümmern sich um ihre Untergebenen, statt sie zu unterdrücken.

Ps 32
1 Von David. Ein Weisheitslied. Selig der, dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist. 
2 Selig der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zur Last legt und in dessen Geist keine Falschheit ist. 
5 Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Meine Frevel will ich dem HERRN bekennen. Und du hast die Schuld meiner Sünde vergeben.
6 Darum soll jeder Fromme zu dir beten; solange du dich finden lässt. Fluten hohe Wasser heran, ihn werden sie nicht erreichen. 
7 Du bist mein Schutz, du bewahrst mich vor Not und rettest mich und hüllst mich in Jubel. 

Der heutige Psalm greift die Lesung sehr treffend auf. David preist selig, die die Barmherzigkeit Gottes erfahren haben („dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist“). Ferner preist er selig, wer im Stand der Gnade ist („in dessen Geist keine Falschheit ist“). Gottes Liebe ist so groß, dass er uns vergibt, was wir vor ihm bekennen. So deutet David seine Sünden an, die er in seinem Leben begangen hat (Vers 5). Gott ist es immer, den man aufsuchen soll, an den man sich klammern soll, auch gerade in Schuldsituationen. So kann man die Beziehung auch im Streit überdauern und festigen. Und wenn dann schlimme Dinge passieren, werden sie einen nicht überwältigen („ihn werden sie nicht erreichen“). Das dürfen wir jetzt aber mit Rückbezug auf die Lesung nicht missverstehen: Das heißt nicht, dass automatisch alle Menschen nicht im Stand der Gnade waren, die durch die Pest umgekommen sind. Dieser sogenannte „Tun-Ergehen-Zusammenhang“ (das heißt Leid ist immer gleich Folge der Sünde und Leidlosigkeit ist gleich Sündlosigkeit) ist nicht generalisierbar. Wir können die „hohen Wasser“ als Andeutung der Sintflut betrachten. Diese wird hier allegorisch herangezogen, um zu verdeutlichen: Wir werden nicht sterben – und dies wiederum moralisch-anagogisch betrachtet. Wir verlieren das ewige Seelenheil nicht, wenn wir in Freundschaft mit Gott bleiben. Auch der Nebensatz „solange du dich finden lässt“ ist in diese Richtung zu verstehen: Solange wir noch die Chance haben, sollen wir uns bekehren. Wenn der jüngste Tag kommt, ist die Zeit abgelaufen.
„Du bist mein Schutz“ ist wiederum nicht irdisch-existenziell gemeint. David ist ja eben nicht vor Problemen bewahrt worden. Wie oft ist sein biologisches Leben gefährdet! Der Schutz, den Gott auch uns immer bietet, ist nicht der Schutz vor Leiden. Er kann uns davor nicht bewahren, entweder aufgrund der eigenen Sünden oder der Sünden anderer zu leiden. Er kann aber unsere Seele schützen vor der Verderbnis. Er kann unser ewiges Leben beschützen. So rettet er uns zwar auch manchmal in Notsituationen, dass auch die irdischen Leiden zwischenzeitlich aufhören. Doch ist die eigentliche und umfassende Rettung eine seelische. Wirklich jubeln werden wir also in der Ewigkeit, wenn auch jetzt schon ansatzweise Phasen des Jubels uns jetzt gegeben werden.

Mk 6
1 Von dort brach Jesus auf und kam in seine Heimatstadt; seine Jünger folgten ihm nach. 
2 Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Machttaten, die durch ihn geschehen! 
3 Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm. 
4 Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen außer in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie. 
5 Und er konnte dort keine Machttat tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.
6 Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte. 

Heute hören wir im Evangelium einen Grundsatz, den wir selbst gut nachvollziehen können: „Ein Prophet wird in seiner Heimat nicht anerkannt.“
Jesus und seine Jünger kommen nach Nazaret, das Jesu Heimatstadt darstellt. Am Sabbat lehrt er in der Synagoge und die Anwesenden wundern sich sehr über seine Weisheit und die Wunder („Machttaten, die durch ihn geschehen“). Dieses Staunen ist aber kein positives oder konstruktives, das eine Dankbarkeit über Gott nach sich zieht. Es ist vielmehr ein sich Wundern, das die Weigerung nach sich zieht, Gottes Gnade in einem ihnen von früher bekannten Menschen anzuerkennen. Menschen haben die Eigenart, andere abzustempeln und nicht für möglich zu halten, dass diese Abgestempelten sich ändern können. Jesus hat längst den Stempel „Sohn des Zimmermanns“ aufgedrückt bekommen. Dass er Rabbi und Wundertäter, ja sogar Sohn Gottes sein könnte, lassen sie nicht zu. Sie öffnen sich nicht für das Wirken des Hl. Geistes. Dieser wirkt nur dort, wo Menschen ihn zulassen. Diese Menschen nehmen aber Anstoß an Jesus, da sie ihn von klein auf kennen. Seine ganze Verwandtschaft wohnt in Nazaret. Die gesamte Großfamilie hat ein festes Image vor den Bewohnern Nazarets, aus dem sie nicht herausbrechen kann. Die hier namentlich aufgeführten „Brüder“ Jesu, sind nicht seine direkten Brüder, also weitere Kinder der Maria. Sie sind vielmehr seine Cousins, mindestens zweiten Grades, da an anderer Stelle als Eltern eine andere Maria und Kleopas genannt werden (Mk 15,47 die Mutter, Joh 19,25 wird sie als Frau des Kleopas bezeichnet). Maria wird keine Schwester mit demselben Namen gehabt haben.
Jesus kann kaum Heilungen vollbringen, weil die Menschen sich ihm verschließen. Gott zwingt niemandem eine Heilung auf. Wo wir ihm das Herz öffnen, da verwandelt er es, als Bonus auch mal den Körper. Aber wenn das Herz verhärtet ist (Herz ist hier natürlich sinnbildlich gemeint, eigentlich ist es die Seele), dann hält er sich zurück.
Jesus wundert sich über ihren Unglauben. Warum wundert er sich? Er kann nicht verstehen, warum sie sich ihm verschließen. Gerade sie sehen am besten den „Vorher-Nachher-Effekt“. Sie sollten die Gnade Gottes am besten anerkennen, da sie Jesus ja gesamtbiographisch bezeugen können. Aber so ist der Mensch, der sich von einem anderen ein festes Bild macht. Dieses Bild will er von Gott nicht übermalen lassen. Er hat ein anderes Menschenbild als Gott. Im Gegensatz zu Gott, der uns Menschen als weiche Tonmasse sieht, die er nach seinem Bild formt, sieht der Mensch den Menschen als Siegelmasse, die mit einem Stempeldruck ihre endgültige Prägung erhält. Oder der Mensch sieht den Menschen als Stein, der ein Relief eingemeißelt bekommt und dieses lässt sich nicht mehr verändern. Und so werden die Nazarener selbst zu Felsen, die sich weigern, von Gott umgemeißelt zu werden.

Beziehen wir es zurück auf David, erkennen wir schon damals eine weiche Tonmasse. David hat keine Angst, seine Schuld einzugestehen und sich so schnell wie möglich mit Gott zu versöhnen. Er hat nur vor einer Sache Angst – Gott zu verlieren. Er repariert umgehend, was er zerstört. Er lässt sich korrigieren wie weicher Ton. Gott kann mit ihm arbeiten. Weil David immer wieder die Versöhnung sucht und so auch im Psalm betet, können die „hohen Wasser“ ihm nichts anhaben. Auch wenn er nicht schuldlos lebt, ist er gerecht vor Gott. Das heißt nicht, dass er uns zur Sünde animieren möchte, sondern zur Umkehr. Egal, wie groß die Sünde, je eher wir Gott aufsuchen und die Versöhnung von uns aus anstreben, desto besser ist es für unser ewiges Seelenheil. David lässt sich immer wieder eines Besseren belehren. Deshalb kann Gott ihn immer mehr zu einem Diamanten schleifen. Er verweigert sich ihm nicht. Das ist der Unterschied zu den Nazarenern des heutigen Evangeliums. Sie lassen kaum mit sich arbeiten. Das schadet ihnen aber letztendlich selbst. Wer sich dem Hl. Geist verweigert, verweigert sich selbst das ewige Heil.

Ihre Magstrauss

3. Januar in der Weihnachtszeit (Heiligster Name Jesu)

1 Joh 2,29-3,6; Ps 98,1-4; Joh 1,29-34

1 Joh 2
29 Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, erkennt auch, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, von Gott stammt!

1 Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Deshalb erkennt die Welt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. 
2 Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
3 Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt, heiligt sich, so wie er heilig ist.
4 Jeder, der die Sünde tut, handelt gesetzwidrig; denn Sünde ist Gesetzwidrigkeit. 
5 Ihr wisst, dass er erschienen ist, um die Sünden wegzunehmen, und in ihm ist keine Sünde. 
6 Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht. Jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und ihn nicht erkannt.

Im gestrigen Abschnitt aus dem ersten Johannesbrief ging es um die Identität des Vaters und des Sohnes. Heute geht es um Gerechtigkeit und um konkrete Umsetzung.
„Von Gott stammen“ heißt getauft sein (denn das Wort γεγέννηται gegennetai heißt wörtlich „er ist gezeugt“, also bezieht es sich auf das neue Leben der Taufe). Es meint deshalb nicht das Geschaffensein und die Abbildhaftigkeit des Menschen, weil wir als Geschöpfe nicht gezeugt worden sind. Das ist nur Jesus als Sohn Gottes. Gott ist unser Vater geworden durch die Taufe. Diese hat auch einen bestimmten Lebensstil zur Folge, nämlich in Gerechtigkeit.
Der Vater hat uns so lieb, dass er uns zu seinen Kindern gemacht hat, also zu Erben seines Reiches. Die Welt kann uns nicht verstehen, solange sie Gott nicht erkannt hat. Sie wird ganz konkret den Lebensstil der Christen nicht verstehen, solange sie Gottes Gebote nicht kennt. Für die ersten Christen bedeutet das konkret z.B., dass die Heiden um sie herum die Christen als Menschenfeinde beschimpfen werden, weil die Christen an den Festspielen, Prozessionen und Kultmählern nicht teilnehmen. Diese sind nämlich Götzendienst, was gegen das erste Gebot verstößt. Das wissen die Heiden aber nicht.
Wenn Johannes sagt, „jetzt sind wir Kinder Gottes“, dann meint es die Zwischenzeit von Jesu Heimgang zum Vater bis zu seiner Wiederkunft. Dieses Kindsein Gottes ist aber verborgen. Unser unauslöschbares Siegel durch Taufe und Firmung ist unsichtbar. Wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn aber zurückkehren wird, dann werden die Siegelabdrücke auf unserer Seele offenbar werden. Wir werden zusammen mit Jesus verherrlicht. Dann werden alle sehen, dass wir Kinder Gottes sind. Wie es aber genau sein wird, wenn wir Gott schauen dürfen, wie er ist, wurde uns noch nicht offenbart. Das ist interessant. Eigentlich heißt es ja, dass mit Jesus und der Abfassung der Hl. Schrift die Offenbarung abgeschlossen sei und nichts grundlegend Neues mehr hinzukommen wird. Was ist hier also gemeint? Es ist bereits uns alles erklärt worden, aber wir haben es noch nicht begriffen. Das wird uns der Hl. Geist aber noch offenbaren, wenn die Zeit reif ist. Jesus hat angekündigt, dass der Geist uns in die ganze Wahrheit einführen wird (Joh 16,13).
Wir, die wir auf Christi Parusie hoffen, leben entsprechend anders – wir heiligen uns. Was heißt das? „Sich heiligen“ wird durch das griechische Verb ἁγνίζω hagnizo ausgedrückt und heißt wörtlich „sich reinigen durch Opfer/Sühne, besonders mit Wasser abwaschen“. Wir sehen hier die Umschreibung der Taufe, die aber nur den Anfang eines Lebens darstellt. Es hat nämlich auch eine ethische Dimension. Ich lebe entsprechend, um diesen gereinigten Zustand nicht zu verlieren. Ich vermeide also Handlungen, Situationen, vielleicht auch Beziehungen, die meinen geheiligten Zustand gefährden.
Wer sündigt, handelt gesetzlos ( ἀνομία anomia ist weniger die Gesetzwidrigkeit, sondern eher die Gesetzlosigkeit). Sündigen heißt also, die Gebote Gottes zu ignorieren.
Es heißt auch, Jesus zu ignorieren. Er hat so ein Opfer für uns gebracht, um unsere Sünden zu tilgen. Er selbst war ohne Sünde und musste doch so sehr leiden. Und wenn wir ihn erkannt haben, dann sündigen wir von da an nicht mehr. Wo wir es doch tun, haben wir ihn noch nicht erkannt.
Das alles schreibt Johannes in einer Phase der Kirche, in der das Problem des Sündigens nach der Taufe noch nicht geklärt worden ist. Es gab zuerst nur die Taufe und danach höchstens einen einmaligen Sühneprozess, bei dem der Schuldige öffentlich und vor dem Bischof seine Sünde bekennen musste. Nach langer Zeit des Büßens (und Tragens eines Bußgewandes) durfte die Person wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen integriert werden. Diese Praxis war erst im Kommen und erst später hat man die heutige individuelle Beichtpraxis eingeführt, bei der man per Ohrenbeichte und nur vor dem Geistlichen das Bekenntnis ablegen musste. Diese zunächst einmalige öffentliche Beichte bezog sich auf die drei Todsünden der Unzucht, des Mordes und des Glaubensabfalls.
Wenn wir diesen Abschnitt aus dem Johannesbrief also lesen, können wir ihm recht geben in dem Sinne, dass wer ganz in Gott lebt und in dem Gott ganz präsent ist, nicht mehr die ganz großen Sünden, die Todsünden begehen wird. Das ist dann gar nicht mehr möglich, weil die Person so sehr im Stand der Gnade ist. Die Versuchungen sind noch da, aber die Person wird so stark sein, diesen abzusagen. Bemühen wir uns also, ganz in der Gegenwart Gottes zu leben, damit auch wir die ganz großen Kaliber umgehen!

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 

2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Der Psalm ist derselbe wie gestern. So wie gestern geht es in der Lesung zuvor ja um die Taufe und ihre Konsequenzen. Deshalb macht es überaus Sinn, denselben Psalm im Anschluss zu beten. „Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“. Und es geht bis an die heutigen Enden!
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Gott hat sein Heil zu allen Zeiten bekannt gemacht – er ist ein sich offenbarender Gott. Immer wieder hat er sich preisgegeben durch die Propheten. Sein Heilsplan war nie ganz verborgen. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Ignatius von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Er tut das auch in der Taufe. Dann werden wir aus der Knechtschaft der Erbsünde, aus dem Exil der Paradieslosigkeit befreit. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Unsere jüdischen Geschwister sind bis heute in einem bleibenden Bund mit dem Herrn und diesen können wir, die wir im neuen Bund mit Gott versöhnt sind, nicht antasten. Vergessen wir das nie, damit es nie wieder zu einem Holocaust kommt!
Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht. Das lässt sich gut auf die Lesung zurück beziehen: Er ist für uns gestorben, also können wir es ihm zurückgeben durch einen gerechten Lebensstil nach der Taufe. Das ist dann unsere Weise, ihn zurückzulieben. Wir leben nach seinen Geboten und zwar aus Liebe!
Seine Erlösungstat ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Diese ist uns durch die Taufe geschenkt. Dadurch sind wir als Kinder Gottes neugeboren und als Erben eingesetzt worden. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Joh 1
 29 Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! 

30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 
31 Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. 
32 Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. 
33 Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 
34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.

Heute geht es weiter mit Johannes dem Täufer, der in Betanien tauft. Nun kommt Jesus zu ihm, den er gestern angekündigt hat.
Johannes‘ Reaktion bringt es dabei auf den Punkt: Jesus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Das sagt der Priester in jeder Hl. Messe, wenn er den Leib Christi vor der Kommunion hochhält. Dieser Mann, den die Leute am Jordan gesehen haben, ist für die ganze Welt gestorben wie ein Opferlamm im Tempel. Er ist zu derselben Zeit gestorben, als die Lämmer für das bevorstehende Passahfest geschlachtet wurden – in der neunten Stunde des Rüsttages. Jesus ist das wahre Lamm, das das endgültige Opfer gebracht hat und dadurch die Sünden der vergangenen, gegenwärtigen und der kommenden Menschheit getilgt hat.
Johannes erklärt, dass Jesus der von ihm Angekündigte ist. Wenn er sagt „der mir voraus ist, weil er vor mir war“, bezieht er das auf Jesu Präexistenz. Jesus war am Anfang beim Vater und ist dann für uns Mensch geworden. In diesem Sinne ist er jedem Menschen voraus, weil er vor jedem Menschen war.
„Auch ich kannte ihn nicht“ muss genauer betrachtet werden. Dort steht im Griechischen das Verb οἰδάω, was nicht nur mit „kennen“, sondern auch mit „sehen“ übersetzt werden kann. Das bringt uns vielleicht näher an die Bedeutung: Johannes hat ihn auch nicht gesehen. Das bezieht sich auf die vorherige Aussage der Präexistenz Jesu. Das Johannes Jesus nämlich nicht kannte oder ihn im irdischen Leben noch nicht gesehen habe, wäre ja ein Widerspruch: Als Maria Elisabet begegnet und bei ihr bleibt bis zu der Geburt des Johannes, „trifft“ dieser Jesus ja schon, als dieser noch nicht geboren ist. Sie sind zudem miteinander verwandt, kennen sich also durchaus. Wir müssen es also entweder auf die Präexistenz Jesu beziehen, wenn Johannes sagt, er habe ihn nicht gesehen/gekannt, oder zumindest auf die Göttlichkeit Jesu beziehen, die er ja nicht in Anspruch genommen hat. Die ersten dreißig Jahre seines Lebens hat er im Verborgenen gelebt und ein gewöhnliches Leben geführt. In dieser Hinsicht hat Johannes absolut recht. Er kannte Jesu Göttlichkeit nicht. Diese ist es ja, die präexistent ist.
Johannes erklärt seine eigene Berufung von diesem Menschen her. Er ist zur Taufe berufen in Vorbereitung auf die Offenbarung Jesu Christi.
Wenn Johannes dann im Rückblick von der Taube spricht, die auf Jesus geruht hat, dann ist die Taufe Jesu bereits vollzogen. Er sagt aus, dass die Erfüllung mit dem Hl. Geist für ihn eine Bestätigung ist, dass Jesus der Messias ist. Gott hat ihm dieses Zeichen angekündigt, damit er sicher sein kann – dieser ist der Messias.
Gott Vater hat sich etwas dabei gedacht, den Hl. Geist in Gestalt einer Taube zu senden. Sie ist ein Symbol des Friedens, des wahren Schalom, der nur von Gott ausgehen kann. Deshalb kann Jesus wirklich sagen, MEINEN Frieden gebe ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Die Taube hat aber noch eine weitere Bedeutung und bestätigt erneut die überragende Pädagogik Gottes. Vielleicht erinnern Sie sich an eine Episode aus dem AT, in der es auch um Wasser und um eine Taube geht: Die Sintflut in Genesis. Dort ist auch das Wasser das Element, das die Sünde „zudeckt“ und dadurch sühnt. Die durch die Flut Geretteten sind die einzigen Gerechten, Noah und seine Familie. Und als die Erde wieder bewohnbar ist, ist es eine Taube, die mit einem Zweig im Schnabel zurückkehrt. Sie wird somit zum Symbol für das neue Leben. So werden die Anwesenden am Jordan hier auf die Taufe vorbereitet und erkennen die Typologie zwischen der Sintflut und dem gegenwärtigen Taufereignis. Durch die Taufe Jesu beginnt etwas, das sich am Kreuz vollenden wird: Die Sühne der weltweiten Sünde durch Jesus Christus. Er lässt sich taufen (es ist noch keine Taufe wie unsere, sondern die Johannestaufe als Bußakt!) als Zeichen der Buße für uns alle! Gleichzeitig zeigt Gott schon, wie die sakramentale Taufe sein wird: Der Geist Gottes kommt auf den Getauften und bleibt! So kommt auch auf uns bei der Taufe der Hl. Geist und verlässt uns nicht. Er ist das Zeichen des neuen Lebens, des ewigen Lebens! Diese Taube hat keinen Zweig im Schnabel, aber sie ist das Zeichen des Reiches Gottes, in dem wir leben dürfen als Erben Gottes!
Es schließt sich mit diesem Evangelium der Kreis, den die Lesung bereits gezeichnet hat. Die Erfüllung mit dem Hl. Geist ist es, die uns heiligt. Wir wollen den Geist nicht verlieren, das heißt den Stand der Gnade nicht verlieren, weshalb wir uns heiligen – den Zustand aufrecht erhalten.
Johannes genießt wirklich ein Privileg, das kein anderer Prophet vor ihm erleben durfte. Er sieht mit eigenen Augen den Sohn Gottes, den er öffentlich bezeugt. „Dieser ist der Sohn Gottes“. Er erkennt, dass er eine große Aufgabe bei der Erfüllung des Heilsplans Gottes erfüllt. Er tauft den, der es nicht nötig hat, damit die stellvertretende Sühne Christi, die am Kreuz zur Vollendung gelangen wird, ermöglicht werden kann. Er wird zum Werkzeug der Erlösung wie kein anderer Prophet. Dies macht ihn wirklich zum Größten aller Propheten.

Wir hören viel von der Taufe, weil wir mit großen Schritten auf das Fest der Taufe des Herrn zusteuern. In diesen Wochen können wir uns gut auf unsere eigene Taufe besinnen und Gott danken, dass er uns zu Erben in seinem Reich eingesetzt hat. Danken wir unseren Eltern, die uns die Taufgnade ermöglicht und uns so zu Kindern Gottes gemacht haben. Erneuern wir unsere Taufe jeden Tag und leben wir sie ganz bewusst. Wir sind zur Heiligkeit berufen. Vergessen wir das nie.

Ihre Magstrauss