2. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 2,22-28; Ps 98,1-4; Joh 1,19-28

1 Joh 2
22 Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet.
23 Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. 
24 Für euch gilt: Was ihr von Anfang an gehört habt, soll in euch bleiben; wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, dann werdet auch ihr im Sohn und im Vater bleiben. 
25 Und das ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben. 
26 Dies habe ich euch über die geschrieben, die euch in die Irre führen. 
27 Was euch betrifft, so bleibt die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, in euch und ihr braucht euch von niemandem belehren zu lassen; wie euch vielmehr seine Salbung über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie er euch belehrt hat, so bleibt ihr in ihm.
28 Und jetzt, meine Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er erscheint, Zuversicht haben und bei seinem Kommen von ihm nicht beschämt werden!

Heute hören wir die Fortsetzung des ersten Johannesbriefes. Es geht dabei um die Identität Jesu als Messias (hebr.) bzw. Christus (griech.). Ganz drastisch formuliert Johannes hier, dass Jesu messianische Identität zu leugnen vom Antichristen kommt. Es gab innerhalb der Kirche von Anfang an häretische Tendenzen, die von innen die christliche Lehre zerstören wollten. So musste die Kirche bezüglich der Identität Christi gegen Arianismus („Jesus war nur ein Geschöpf, aber nicht Gott gleich“), Monophysitismus („Jesus hatte nur eine Natur, nämlich die Göttliche“), Adoptianismus („Jesus war Mensch und ist dann von Gott adoptiert worden“), Modalismus („Gott ist nur eine Person, die sich im Laufe der Geschichte auf verschiedene Weise gezeigt hat“), Nestorianismus („Jesus bestand aus zwei getrennten Persönlichkeiten, von denen Maria nur die Mutter der menschlichen war“) etc. kämpfen. Gerade der Monophysitismus unter der Bezeichnung „Doketismus“ (eine Art Frühgnosis) war für Johannes eine große Herausforderung. Deshalb betont er in seinen Schriften immer wieder, dass Jesus „im Fleisch“ gekommen ist und eben keinen Scheinleib hatte.
Johannes erklärt, dass Vater und Sohn gleichermaßen bekannt werden müssen. Man kann sie nicht gegeneinander ausspielen (, was die Arianer ja versuchten und was heute noch die Zeugen Jehovas übrigens auch tun!).
„Was ihr von Anfang an gehört habt“, ist ein Hinweis darauf, dass die Lehre der Kirche, wie sie bis heute besteht, apostolisch ist bzw. ihren Ursprung in Jesus selbst hat. Alle anderen Versuche, die ich hier z.B. aufgezählt habe, bestanden eben nicht „von Anfang an“. Es sind Fälschungen, die im Nachhinein eingefädelt worden sind, Verfälschungen des Originals.
Die Wendung „von Anfang an“ bezieht sich darüber hinaus auf die Verkündigung in der angesprochenen Gemeinde. Was dort seit der Gemeindegründung verkündet worden ist, gilt. Was sich später durch Irrlehrer verbreitet hat, gilt nicht.
„Im Vater und im Sohn bleiben“ ist bei Johannes immer die Formulierung für den Stand der Gnade. In diesem befinden wir uns, wenn wir der ursprünglichen Lehre treu bleiben, weil sie wirklich Gott beschreibt, wie er ist und ihn nicht leugnet. Wenn wir dabei bleiben, wird uns das ewige Leben in Aussicht gestellt. Johannes schreibt dies vor allem deshalb, um vor denen zu warnen, die solche Irrlehren verbreiten.
Auch heute noch haben wir mit dieser Versuchung zu kämpfen. Unter dem katholischen Deckmantel werden allerlei falsche Lehren vom Ambo verkündet, die im Grunde dieselben Irrlehren der ersten Jahrhunderte wiederholen (als ob es irgendetwas Neues geben könnte….). Das Problem ist dabei, dass es nicht nur vereinzelte Priester betrifft, sondern eben auch ihre Bischöfe. Wenn wir aber „im Vater und im Sohn bleiben“, wenn wir das ewige Leben haben wollen, müssen wir an dem festhalten, „was von Anfang an verkündet worden ist.“ Wir müssen auch heute (oder gerade heute!) wachsam sein und um die Unterscheidung der Geister bitten, damit wir die Irrlehren der heutigen Zeit erkennen.
Johannes erklärt, dass wir das Potenzial dazu auch wirklich haben: Wir haben die Salbung erhalten – die Firmung. Gott hat uns seinen Geist geschenkt und uns mit dessen Gnadengaben ausgestattet. Wir sind ausgerüstet, um in diesen geistigen Kampf treten zu können. Und der Geist wird in uns wirken, sodass er uns Alarmsignale geben wird. Je mehr wir aus diesem Geist leben, desto mehr werden wir ein Gespür dafür bekommen, was Wahrheit und was Irrlehre ist.
In Vers 27 haben wir KEINE Bestätigung dafür, dass wir als Christen Individualisten sein sollen ohne ein Lehramt oder allgemein eine äußere Instanz, die uns etwas vorschreiben soll. Man muss erstens den Kontext berücksichtigen (Salbung) und zweitens den griechischen Urtext (da steht nicht „belehren“ im Sinne von „besserwissen“, sondern „unterrichten“): Wenn hier erklärt wird, dass die Christen die Salbung des Hl. Geistes erhalten haben, bezieht sich das auf die Firmung. Am Anfang waren Taufe und Firmung ein Sakrament, das gleichzeitig gespendet worden ist (, weil es am Anfang mehr Erwachsenentaufen gab als Kindertaufen. Heutzutage wird bei Erwachsenentaufen auch beides zusammen gespendet). Zuvor musste man einen Katechumenat durchlaufen, bei dem einem die Grundlagen des Glaubens beigebracht wurden und man nach und nach in das kirchliche Leben eingeführt worden ist. Nach jahrelanger gründlicher Vorbereitung wurde man in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Man hat schon alles beigebracht bekommen, also muss man sich im Nachhinein nicht von Irrlehrern in eine ganz andere Lehre einführen lassen. Mit der Taufe und Firmung erhalten sie dann den Unterweiser schlechthin, den Hl. Geist. Dieser führt sie in die ganze Wahrheit ein und hilft ihnen auch, die Irrlehre zu erkennen. Es ist an dieser Stelle zu überlegen, ob Johannes mit dieser Salbungsbetonung nicht auf Praktiken der Doketisten anspielt, eine neue Salbung zu vollziehen, die „echter“ sein soll als die Firmung.
Zum Schluss macht Johannes deutlich, dass Jesu Wiederkunft bevorsteht, weshalb die Christen sich umso mehr darum bemühen müssen, in ihm zu bleiben. Sonst werden sie „beschämt“. Das Wort αἰσχύνω aischyno steht hier in einer reflexiven Form und muss also mit „sich schämen“ übersetzt werden. Die Christen werden in diesem Sinne „beschämt“. Dann werden sie nämlich die Wahrheit erkennen und die Verirrung bereuen.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Der heutige Psalm ist die Begründung für die Lesung, über die wir gerade nachgedacht haben. „Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“.
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Gott hat sein Heil zu allen Zeiten bekannt gemacht – er ist ein sich offenbarender Gott. Immer wieder hat er sich preisgegeben durch die Propheten. Sein Heilsplan war nie ganz verborgen. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Ignatius von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Unsere jüdischen Geschwister sind bis heute in einem bleibenden Bund mit dem Herrn und diesen können wir, die wir im neuen Bund mit Gott versöhnt sind, nicht antasten. Vergessen wir das nie, damit es nie wieder zu einem Holocaust kommt!
Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht.
Das ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Joh 1
19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du? 
20 Er bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Christus. 
21 Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. 
22 Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben. Was sagst du über dich selbst? 
23 Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. 
24 Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.  
25 Sie fragten Johannes und sagten zu ihm: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elija und nicht der Prophet? 
26 Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, 
27 der nach mir kommt; ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 
28 Dies geschah in Betanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

Das heutige Evangelium stellt die Fortsetzung des Johannes-Prologs dar. Es geht um Johannes den Täufer und seine Taufe.
Sein gesamtes Wirken bezeichnet Johannes der Evangelist als „Zeugnis“, was die Übersetzung des Wortes μαρτυρία martyria ist. Er ist wirklich zum Blutzeugen geworden, der für den Glauben enthauptet worden ist.
Priester und Leviten sind zu ihm gekommen, um nach seiner Identität zu fragen. Das ist ja auch das Thema der Lesung und des Psalms – die Identität Christi. Johannes verdeutlicht, dass er NICHT der Messias, der Christus sei.
Dies ist ein Bekenntnis, da er durch seine Antwort Platz für den wahren Messias macht. Das Verb ὁμολογέω  homologeo ist nicht nur mit „bekennen“ übersetzbar, sondern auch mit „zustimmen“. Er stimmt dahingehend mit denen überein, die ebenfalls der Meinung sind, dass er nicht der Messias sei.
Die Priester und Leviten haken weiter nach, denn sie haben den Auftrag vom Tempel erhalten, seine Identität zu klären. Er verneint auch die Fragen, ob er Elija oder „der Prophet“ sei. Er wird ja sonst mit dem wiedergekommenen Elija gleichgesetzt. Jesus hat dies selbst ausgesagt. Aber er ist nicht Elija selbst. Er tritt nur mit derselben Kraft auf. Jesus und der Täufer widersprechen sich also nicht (, was hier wieder gerne behauptet wird, um zwischen beide einen Keil zu treiben). Johannes ist auch nicht „der Prophet“. Wer ist denn damit gemeint? Die meisten Forscher vermuten damit Jesaja, weil er der bedeutendste Prophet des AT ist. Johannes ist keine Reinkarnation von irgendwem, den es schon vorher gab. Deshalb sagt er zu allem nein. Er ist Johannes der Täufer, jemand mit eigener Identität. Und doch ist er angekündigt worden. So wie Jesus nachher als Antwort auf die Frage „bist du es, der kommen soll?“ mit einem Schriftwort antwortet, so tut es Johannes im heutigen Evangelium: Er zitiert Jesaja und verdeutlicht dadurch, dass er der Vorläufer des Messias ist! Er ist die Stimme des Rufers in der Wüste.
Es waren aber auch Pharisäer unter den Abgesandten. Wörtlich steht da nicht „die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern“, sonst wäre ein Widerspruch gegeben. Die Pharisäer waren keine Priester, sondern Laien. Wörtlich heißt es „Auch/und waren Abgesandte aus den Pharisäern“. Diese fragen den Täufer nach seiner Berechtigung zur Taufe, so als ob nur die messianische Identität dazu befuge. Sie fragen das nicht wegen der Tätigkeit selbst, sondern wegen der Botschaft dahinter.
Er erklärt, dass er nur mit Wasser taufe. Das ist für uns die Erklärung, dass seine Taufe kein Sakrament ist. Es ist nur Wasser – also ein sichtbares Zeichen, das an sich noch keine übernatürliche Gnade nach sich zieht (zumindest nicht in dem Maße, wie es die von Christus gestifteten Sakramente tun!). Es ist ein vorbereitender Akt auf den Messias, der die innere Buße nach außen hin sichtbar macht.
Er definiert seine Identität dann vom Messias aus: Seine Würde ist nicht mal so groß wie die eines Sklaven im Vergleich zum Messias! Sklaven dürfen ihrem Meister wenigstens die Sandalen lösen. So demütig ist der Täufer! Das hat nichts mit „ich fühle mich so wertlos!“ zu tun, sondern er sieht sich im Lichte Gottes, wie er wirklich ist – arm und erlösungsbedürftig.
Wenn Johannes sagt „mitten unter euch steht einer“, kann das entweder darauf hinweisen, dass Jesus in dieser Szene tatsächlich gegenwärtig ist. Er geht ja auch zum Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Es kann in dieser Szene aber auch heißen, dass Jesus mitten unter den Menschen im Leben „steht“. Dann ist die Aussage im übertragenen Sinne zu verstehen. Jesu öffentliches Wirken wird jedenfalls „nach Johannes“ beginnen, wenn dieser nämlich im Gefängnis sitzt.
Zum Ende hin erfahren wir noch den Ort, wo diese Szene stattfindet: in Betanien, dem Ort, wo Jesus auch wirken wird. Dort leben die Geschwister und Freunde Jesu Maria, Marta und Lazarus, den Jesus sogar von den Toten erwecken wird. Diese Bemerkung ist also mehr als eine Floskel. Wir werden auf Jesu späteres Wirken vorbereitet.

Heute erfahren wir in den Lesungen vieles darüber, wer Jesus ist und wer Jesus nicht ist. Von seiner Identität hängt aber alles ab. Er ist Gott und Mensch, unvermischt (Monophysitismus) und ungetrennt (Nestorianismus, Arianismus). Er ist wirklich das Heil Gottes und war schon bei der Schöpfung dabei (siehe Psalm 98). Er ist auch nicht Johannes der Täufer (siehe Evangelium). Unser Heil kommt von Gott, das heißt Jesus kommt vom Vater und wir sind auf diesen Jesus und auf sein Evangelium getauft worden. Bleiben wir ihm und seiner Lehre treu, damit wir in ihm bleiben und am Ende der Zeiten nicht beschämt werden. All das begann mit seinem Erscheinen als kleines Kind in der Krippe. All das wird sich vollenden bei seinem zweiten Erscheinen als verherrlichter Menschensohn!

Ihre Magstrauss

8. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 4, 7-10; Ps 72,1-2.3-4b.7-8; Mk 6, 34-44

1 Joh 4
7 Geliebte, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. 
8 Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe. 
9 Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. 
10 Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.

Gleich der erste Begriff der heutigen Lesung hat es in sich. Ἀγαπητοί agapetoi bezieht sich im Griechischen immer auf die göttliche Liebe. Es impliziert für uns also die „von Gott Geliebten“ und nichts Romantisches. Dafür wird im Griechischen der Begriff des Eros verwendet. Die Konsequenz des Geliebtseins von Gott ist die Nächstenliebe (ἀγαπῶμεν ἀλλήλους agapomen allelous „lasst uns einander lieben“). Wenn wir dies nämlich tun, zeigen wir wiederum die Früchte unserer Herkunft aus Gott. Wir haben gestern schon davon gehört, dass Jesus und sein Evangelium der Maßstab dafür sind, ob jemand von Gott stammt oder vom Bösen/von der „Welt“. Heute fassen wir diesen Maßstab in einem einzigen Wort zusammen: als Liebe. Johannes erklärt uns heute, dass Gott die Liebe ist (ὁ θεὸς ἀγάπη ἐστίν). Die Agape ist also eine übernatürliche Form von Liebe, die wir am Kreuz von Golgota konkret gesehen haben: eine Liebe, die sich ganz verschenkt und verzehrt, eine Liebe, die grenzenlos vergibt. Das hat nichts mehr mit schönen Gefühlen zu tun, sondern ist das lauteste und ewig anhaltende JA Gottes. Wenn wir auch so lieben, dann zeigen wir, dass wir Gott erkannt haben. Das heißt konkret, dass wir auch Ja-Sager sein sollen. Auch wir sollen grenzenlos vergeben („Nicht siebenmal, sondern 77 Mal“) und uns ganz hingeben für unsere Freunde. Wir sollen aber vor allem unsere Feinde lieben und für die beten, die uns hassen (Stephanus: „Vater, rechne ihnen diese Sünde nicht an“, Jesus: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Joh 15,13). DAS ist Liebe, die von Gott kommt, die Agape.
Johannes erklärt dann, was mit dieser Liebe gemeint ist: Der Vater hat für uns so einen tollen Heilsplan vorbereitet, dass er uns sogar sein Liebstes hingegeben hat, seinen einzigen Sohn. Dass Jesus Mensch geworden ist, vor allem aber, dass er uns erlöst hat, ist der ultimative Liebesbeweis Gottes. Liebe bedeutet also v.a. die Entscheidung für den Anderen, damit dieser leben kann – ich schenke dem Anderen Freiheit durch meine Liebe. Für uns kann das ganz konkret bedeuten, dass wir den Anderen nicht an uns binden und ihn einschränken, sondern dass wir ihm eine freie Entfaltung ermöglichen ohne irgendeinen Eigennutz. Das betrifft die Eltern in der Familie, aber auch die Geistlichen in einer Gemeinde. Als Eltern tun wir alles für unsere Kinder, um ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Dafür sollen wir aber nichts im Gegenzug erwarten. Eltern können Kinder mit dieser Hingabe nicht erpressen, indem sie sagen: „Ich habe so viel für dich getan, also sollst du dein Leben so gestalten, wie ich es gerne möchte.“ Als Geistlicher opfere ich meine Zeit und meine Kraft ganz auf, damit Menschen zum Glauben kommen oder im Glauben gestärkt werden. Wenn sie zu Jesus gefunden haben, sollen wir sie „loslassen“. Wir können sie jetzt nicht an uns binden, als wenn sie uns gehören, nur weil sie durch uns zum Glauben gekommen sind. Wie sie sich weiterentwickeln, liegt nun nicht mehr in unserer Hand.
In beiden Beispielen geht es um die echte Liebe gegenüber einer egoistischen Scheinliebe, bei der man um sich selbst kreist.
Jeder Akt der Nächstenliebe, der sich von der echten, göttlichen Liebe ableitet, ist immer nur Antwort oder Echo. Gottes Liebe zu uns ist nämlich zuerst. Er hat uns aus Liebe überhaupt erst geschaffen. Dass wir einander so lieben können, wie ER uns zuerst geliebt hat, wurde durch unsere Erlösung erst ermöglicht. Das dürfen wir nie vergessen. Unser ganzes Leben ist Antwort auf die erste Liebe, die Gott uns geschenkt hat. So bleiben wir auch dankbar dafür, dass er uns überhaupt liebesfähig gemacht hat. Wir werden die Liebestaten, die wir in unserem Leben vollbringen, dann nicht voller Stolz auf uns zurückführen, sondern dankbar auf Gott zurück verweisen.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil. 
3 Dann tragen die Berge Frieden für das Volk und die Hügel Gerechtigkeit. 
4 Er schaffe Recht den Elenden des Volks, er rette die Kinder der Armen, 
7 In seinen Tagen sprosse der Gerechte und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr da ist. 
8 Er herrsche von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde.

Den heutigen Psalm haben wir schon mehrmals gebetet, insbesondere in der Weihnachtszeit. Es geht immer noch um den königlichen Messias.
In Ps 72 bittet David für Salomo, den Königssohn, um Gottes Gerechtigkeit und Rechtssprüche. Dabei formuliert er zunächst konkrete irdische Bitten: gerechtes Walten durch rechtes Urteil, die Kinder der Armen retten, die Unterdrücker zermalmen. Darüber hinaus kann man diese aber auch messianisch deuten: „Rechtssprüche“, was die Einheitsübersetzung hier mit“rechtes Urteil“ übersetzt, werden im NT z.B. in Offb (dikaiomata) für Gott verwendet. Es geht also um göttliches Gericht. Dieses ist immer gerecht und verschafft denen Gerechtigkeit, die sonst keine erfahren: Armen, Fremden, Witwen, Waisen. Die Gerechtigkeit ist dann bezüglich des Königssohns typologisch auf Jesus als den neuen Salomo bezogen. Jesus verschafft in seiner Verkündigungszeit unzähligen „Armen“ Gerechtigkeit und erntet dafür viel Unzufriedenheit derer, die ihr bequemes egoistisches Leben gefährdet sehen. Wenn Jesus an den Rand gedrängte Menschen wieder in die Mitte der Gesellschaft holt wie die blutflüssige Frau, die Aussätzigen, die Blinden, Verkrüppelten etc., dann sind das Zeichen seiner bereits jetzt bestehenden Herrschaft als Königssohn. Und dies ist ekklesiologisch weitergedacht schon jetzt mit der Kirche gegeben. Wo die Kirche in Christi Nachfolge handelt, herrscht Christus auch jetzt in der Welt. Dies betrifft auch jeden einzelnen Christen. Wo ich ihm mein Ruder über mein Leben, meine Entscheidungen und mein Handeln überlasse, herrscht er in meinem Leben. Dies alles wird sich aber erst in der Ewigkeit vollenden. Dann werden alle Feinde besiegt sein und zusammen mit Gott wird es einen ewigen Sabbat, ein ewiges zur Ruhe Setzen geben.
Der Wunsch nach einem langen Leben deutet stark auf den Messias, da ein König ja nicht mehrere Generationen leben kann. Falls hier schon messianische Elemente zu sehen sind, wird der Mensch auf den Messias als ewig lebend vorbereitet.
Wenn die Bitte formuliert wird, dass der Gerechte sprossen soll, ist das eine Andeutung an Jesaja, wo aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervorgeht. Jesus ist aus dem Stamm Juda und der Sippe Davids. Er ist nicht nur davididisch, sondern königlich. Mit dem Messias, dem Gesalbten, wird die Fülle des Heils, also der Schalom verbunden. Der ewige Sabbat wird ein Zustand des ewigen Schalom sein. So verheißt es Vers 7. Das Herrschen von Meer zu Meer meint die Universalherrschaft des Königs. Auch das ist natürlich zuerst der Wunsch, dass der König ein großes Reich erhält, aber wörtlich ist dies für Israel ja unrealistisch. Das wird erst mit Gottes Königsherrschaft realisierbar.
Alles, was Jesus getan hat, sind Liebestaten Gottes an uns. Sein ganzes Leben war die gelebte Agape, von der wir im ersten Johannesbrief gelesen haben. An ihm sehen wir, wie wir die Liebe leben können. Zugleich ist alles, was wir in dieser Richtung tun, eine Antwort auf Jesu Liebestaten an uns. Hier im Psalm lesen wir einige Beispiele, die sich mit dem Kommen des Messias erfüllt haben: gerechtes Walten, rechtes Urteil, den Elenden und Armen Recht verschaffen und die Fülle des Friedens. Diese Dinge hat Jesus nicht politisch erfüllt, sondern auf die Ewigkeit hin. Das ist noch viel wertvoller und wesentlicher. Politik vergeht, weil die Welt vergeht. Das ewige Leben vergeht aber nicht.

Mk 6
34 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. 
35 Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät. 
36 Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können! 
37 Er erwiderte: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es ihnen zu essen geben? 
38 Er sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische. 
39 Dann befahl er ihnen, sie sollten sich in Mahlgemeinschaften im grünen Gras lagern. 
40 Und sie ließen sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig nieder. 
41 Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. 
42 Und alle aßen und wurden satt. 
43 Und sie hoben Brocken auf, zwölf Körbe voll, und Reste von den Fischen. 
44 Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten.

Im Evangelium lesen wir heute noch weitere Liebestaten Jesu, die uns zeigen, wie wir aus der Liebe Gottes leben können:
Jesus hat Mitleid. Das ist ein typisches Kennzeichen der göttlichen Agape. Er leidet mit uns Menschen mit. Das Verb, das hier verwendet wird, ist σπλαγχνίζομαι splangchnizomai, was „sich erbarmen, Mitleid haben“ bedeutet. Gott ist barmherzig. Das bedeutet sein Mitleid. Jesus tut es nicht in erster Linie leid, dass die Menschen Hunger haben oder sonstiges. Sein Mitleid bezieht sich auf ihren seelischen Zustand: Sie sind wie Schafe ohne Hirten, d.h. sie leben ohne Perspektive oder Anleitung zum EWIGEN Leben. Deshalb heißt es dann: „Und er lehrte sie lange.“ Was hier in Vers 34 zitiert wird, ist Num 27,17. Da heißt es, dass die Gemeinde des Herrn nicht wie Schafe sein soll, die keinen Hirten haben. Daraufhin wird Josua von Gott ausgewählt. Dort ist es vor allem noch ein kriegerischer Kontext. Jesus wird nun hier zum „Anführer“, nämlich ihrer Seelen. Er lehrt ihnen das Himmelreich, das ewige Leben. Es ist ein Ausrüsten für den geistigen Kampf, den die Menschen für die Erlangung des ewigen Lebens austragen müssen. Bisher haben sie nicht einmal gekämpft (wie gesagt, Schafe ohne Hirten – das heißt sie gehen zugrunde).
Er lehrt sie so lange, dass der Tag sich neigt und die Menschen ohne Versorgung mitten in der Pampa ein Problem bekommen. Diese „irdischen“ Sorgen erkennen die Jünger Jesu und sprechen ihn darauf an. Jesus könnte ganz leicht ihren Vorschlag annehmen, die Menschen in die umliegenden Dörfer zu schicken, doch er hat noch eine wichtige Lektion zu erteilen. Deshalb sagt er diesen bedeutungsvollen Satz „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Das heißt natürlich zuerst wörtlich „versorgt die Hungrigen“. Das ist aber für die Jünger gar nicht machbar, da sie weder die nötige Nahrung noch das Geld haben. Wenn die Jünger Jesus nämlich entgegnen: „Sollen wir (…) für 200 Denare Brot einkaufen“, dann ist das eine rhetorische Frage. Sie antworten ihm mit dieser ironischen Aussage, weil sie Jesu Aufforderung wörtlich aufgefasst haben und ihm zu verstehen geben wollen, dass es unmöglich umsetzbar ist.
Er fragt sie daraufhin nach den Essensvorräten. Es kommen fünf Brote und zwei Fische zusammen. Jesus bittet die Menschen, sich in kleineren Gruppen auf den Boden zu legen. Das Verb ἀνακλίνω anaklino wird dabei verwendet, was u.a. „sich zu Tisch legen“ bedeutet. Hier wird parallel zu Matthäus 15 ein eucharistisches Mahl bereitet. Dass Jesus die Menschenmasse in Kleingruppen zusammenfassen lässt und hier die Rede von „Mahlgemeinschaften“ ist, ist seinen Jüngern eine wichtige Lektion. Das griechische Wort ist hier der Plural συμπόσια symposia. Was hier geschieht ist also ein Symposion. Es ist ein Freudenmahl, das hier stattfinden wird. Jesus führt in seiner göttlichen Pädagogik die Jünger an ekklesiologische Grundlagen heran, die sich mit der Kirche etablieren werden. Dort wird es auch Mahlgemeinschaften als kleinere Einheiten geben – bis heute jede Pfarrei. Diese summiert ergeben ein Bistum und die Summe der Bistümer ergeben die gesamte Kirche. Er führt die Anwesenden auch an das ewige Leben heran, das er sie lange gelehrt hat: Das Freudenmahl, das sie nach dem Tod erwartet – die Hochzeit des Lammes!
Dann geht Jesus so vor, wie er es immer wieder tut, auch gerade beim letzten Abendmahl: Er nimmt das Essen, schaut zum Himmel (Ausrichtung auf den Vater) und dankt ihm dafür. Er sieht das Essen als Gabe Gottes. Er bricht das Brot und gibt es den Jüngern. Das Dankgebet über das Essen ist im Judentum normale Praxis. Was Jesus nun aber tut, ist absolut eucharistisch. Er bereitet die Menschen auf die Eucharistie vor, indem er das Brot seinen Jüngern gibt und diese den Mahlgemeinschaften. Das ist wichtig: Jesus lehrt die Jünger und so wird es mit der Kirche auch sein: Die Jünger sind es, die die Kommunion, den Leib Christi austeilen. Auch das Einsammeln der übriggebliebenen Stücke wird sich in der Kirche etablieren. Was Jesus hier tut und an anderer Stelle wiederholt (Mt 15), ist eine Vorbereitung auf das letzte Abendmahl vor seinem Tod.
Es ist bemerkenswert, dass die Menschen nicht nur irgendwie gesättigt werden, sondern regelrecht gemästet werden. Hier wird nämlich im Griechischen das Verb χορτάζω  chortazo verwendet, was „mästen“ bedeutet. Wenn Gott gibt, dann immer im Überfluss! Diese Episode beweist erneut, dass wir vom Vater „Gnade über Gnade“ bekommen.
Jesus hat diese wunderbare Speise nicht in erster Linie vorgenommen, weil die Menschen Hunger hatten, sondern weil er auf die geistige Speise, auf die Eucharistie vorbereiten will.
Jesus geht es natürlich auch um das leibliche Wohl, aber er möchte die Menschen in erster Linie innerlich stärken. Er möchte, dass wir alle in Ewigkeit leben können. Deshalb lehrt er die Menschen im heutigen Evangelium auch zuerst sehr lange. Die Speisung erfolgt ja erst zum Ende des Tages. Die Menschen sind zu einem abgelegenen Ort gekommen, um Jesus zu hören. Ihnen geht es heute wirklich zuerst um das Reich Gottes. Und ihnen wird auch alles andere dazu gegeben – mehr als genug! So soll es auch bei uns sein. Uns muss es zunächst um das ewige Leben gehen, auch wenn wir das leibliche Wohl nicht vernachlässigen sollen. Gott wird sich darum kümmern, dass dies nicht passiert. Wir sollen auch unsere Kinder so erziehen. Dann sind auch wir gute Hirten: Es geht nicht nur darum, ihnen ein gutes materielles Leben zu bescheren, nicht nur darum, ihre körperliche Gesundheit zu garantieren, eine gute Bildung und ein luxuriöses Leben. Wir sollen uns in erster Linie darum kümmern, dass sie das ewige Leben haben. Bringen wir ihnen bei, wie das gelingen kann, indem wir ihnen das Evangelium vorleben, indem wir ihnen die Liebe vorleben, die Gott uns geschenkt hat. Alles andere ist auch wichtig und Gott wird immer dafür sorgen, dass wir und unsere Familien genug haben, wenn wir uns aufrichtig um sein Reich bemühen.
So muss es auch in der Pastoral sein: Es muss zuerst um Jesus gehen. Es muss um sein Reich und um seine Liebe gehen. Es muss das höchste Ziel sein, die Menschen zu Jesus zu führen und ihnen das ewige Leben zu ermöglichen. Wie? Durch die Ermöglichung der Heilsmittel, der Sakramente und Sakramentalien. Dafür brauchen die Menschen unbedingt die Geistlichen. Sie ermöglichen den Menschen das ewige Leben auch durch die Verkündigung des Evangeliums. Die Menschen müssen schließlich wissen, was die Gebote Gottes sind. Die Menschen müssen die Nächstenliebe aus der Gottesliebe auch vorgelebt bekommen, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie das konkret aussieht. Daraus ergeben sich die drei kirchlichen Vollzüge der Leiturgia, Martyria und Diakonia.

Wenn wir als Eltern unsere Kinder wirklich lieben, werden wir alles daran setzen, ihnen gerade das ewige Leben zu ermöglichen. Wenn wir als Gemeinde unsere Mitglieder wirklich lieben, werden wir alles dafür tun, dass sie das ewige Leben haben können. Was ist das irdische Leben im Gegensatz zur Ewigkeit!

Liebe heißt also – den Menschen die ewige Glückseligkeit zu ermöglichen.

Ihre Magstrauss

3. Januar in der Weihnachtszeit (Heiligster Name Jesu)

1 Joh 2,29-3,6; Ps 98,1-4; Joh 1,29-34

1 Joh 2
29 Wenn ihr wisst, dass er gerecht ist, erkennt auch, dass jeder, der die Gerechtigkeit tut, von Gott stammt!

1 Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Deshalb erkennt die Welt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. 
2 Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes. Doch ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
3 Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt, heiligt sich, so wie er heilig ist.
4 Jeder, der die Sünde tut, handelt gesetzwidrig; denn Sünde ist Gesetzwidrigkeit. 
5 Ihr wisst, dass er erschienen ist, um die Sünden wegzunehmen, und in ihm ist keine Sünde. 
6 Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht. Jeder, der sündigt, hat ihn nicht gesehen und ihn nicht erkannt.

Im gestrigen Abschnitt aus dem ersten Johannesbrief ging es um die Identität des Vaters und des Sohnes. Heute geht es um Gerechtigkeit und um konkrete Umsetzung.
„Von Gott stammen“ heißt getauft sein (denn das Wort γεγέννηται gegennetai heißt wörtlich „er ist gezeugt“, also bezieht es sich auf das neue Leben der Taufe). Es meint deshalb nicht das Geschaffensein und die Abbildhaftigkeit des Menschen, weil wir als Geschöpfe nicht gezeugt worden sind. Das ist nur Jesus als Sohn Gottes. Gott ist unser Vater geworden durch die Taufe. Diese hat auch einen bestimmten Lebensstil zur Folge, nämlich in Gerechtigkeit.
Der Vater hat uns so lieb, dass er uns zu seinen Kindern gemacht hat, also zu Erben seines Reiches. Die Welt kann uns nicht verstehen, solange sie Gott nicht erkannt hat. Sie wird ganz konkret den Lebensstil der Christen nicht verstehen, solange sie Gottes Gebote nicht kennt. Für die ersten Christen bedeutet das konkret z.B., dass die Heiden um sie herum die Christen als Menschenfeinde beschimpfen werden, weil die Christen an den Festspielen, Prozessionen und Kultmählern nicht teilnehmen. Diese sind nämlich Götzendienst, was gegen das erste Gebot verstößt. Das wissen die Heiden aber nicht.
Wenn Johannes sagt, „jetzt sind wir Kinder Gottes“, dann meint es die Zwischenzeit von Jesu Heimgang zum Vater bis zu seiner Wiederkunft. Dieses Kindsein Gottes ist aber verborgen. Unser unauslöschbares Siegel durch Taufe und Firmung ist unsichtbar. Wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn aber zurückkehren wird, dann werden die Siegelabdrücke auf unserer Seele offenbar werden. Wir werden zusammen mit Jesus verherrlicht. Dann werden alle sehen, dass wir Kinder Gottes sind. Wie es aber genau sein wird, wenn wir Gott schauen dürfen, wie er ist, wurde uns noch nicht offenbart. Das ist interessant. Eigentlich heißt es ja, dass mit Jesus und der Abfassung der Hl. Schrift die Offenbarung abgeschlossen sei und nichts grundlegend Neues mehr hinzukommen wird. Was ist hier also gemeint? Es ist bereits uns alles erklärt worden, aber wir haben es noch nicht begriffen. Das wird uns der Hl. Geist aber noch offenbaren, wenn die Zeit reif ist. Jesus hat angekündigt, dass der Geist uns in die ganze Wahrheit einführen wird (Joh 16,13).
Wir, die wir auf Christi Parusie hoffen, leben entsprechend anders – wir heiligen uns. Was heißt das? „Sich heiligen“ wird durch das griechische Verb ἁγνίζω hagnizo ausgedrückt und heißt wörtlich „sich reinigen durch Opfer/Sühne, besonders mit Wasser abwaschen“. Wir sehen hier die Umschreibung der Taufe, die aber nur den Anfang eines Lebens darstellt. Es hat nämlich auch eine ethische Dimension. Ich lebe entsprechend, um diesen gereinigten Zustand nicht zu verlieren. Ich vermeide also Handlungen, Situationen, vielleicht auch Beziehungen, die meinen geheiligten Zustand gefährden.
Wer sündigt, handelt gesetzlos ( ἀνομία anomia ist weniger die Gesetzwidrigkeit, sondern eher die Gesetzlosigkeit). Sündigen heißt also, die Gebote Gottes zu ignorieren.
Es heißt auch, Jesus zu ignorieren. Er hat so ein Opfer für uns gebracht, um unsere Sünden zu tilgen. Er selbst war ohne Sünde und musste doch so sehr leiden. Und wenn wir ihn erkannt haben, dann sündigen wir von da an nicht mehr. Wo wir es doch tun, haben wir ihn noch nicht erkannt.
Das alles schreibt Johannes in einer Phase der Kirche, in der das Problem des Sündigens nach der Taufe noch nicht geklärt worden ist. Es gab zuerst nur die Taufe und danach höchstens einen einmaligen Sühneprozess, bei dem der Schuldige öffentlich und vor dem Bischof seine Sünde bekennen musste. Nach langer Zeit des Büßens (und Tragens eines Bußgewandes) durfte die Person wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen integriert werden. Diese Praxis war erst im Kommen und erst später hat man die heutige individuelle Beichtpraxis eingeführt, bei der man per Ohrenbeichte und nur vor dem Geistlichen das Bekenntnis ablegen musste. Diese zunächst einmalige öffentliche Beichte bezog sich auf die drei Todsünden der Unzucht, des Mordes und des Glaubensabfalls.
Wenn wir diesen Abschnitt aus dem Johannesbrief also lesen, können wir ihm recht geben in dem Sinne, dass wer ganz in Gott lebt und in dem Gott ganz präsent ist, nicht mehr die ganz großen Sünden, die Todsünden begehen wird. Das ist dann gar nicht mehr möglich, weil die Person so sehr im Stand der Gnade ist. Die Versuchungen sind noch da, aber die Person wird so stark sein, diesen abzusagen. Bemühen wir uns also, ganz in der Gegenwart Gottes zu leben, damit auch wir die ganz großen Kaliber umgehen!

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 

2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Der Psalm ist derselbe wie gestern. So wie gestern geht es in der Lesung zuvor ja um die Taufe und ihre Konsequenzen. Deshalb macht es überaus Sinn, denselben Psalm im Anschluss zu beten. „Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“. Und es geht bis an die heutigen Enden!
Deshalb ist auch der Anfang des Psalms so signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Gott hat sein Heil zu allen Zeiten bekannt gemacht – er ist ein sich offenbarender Gott. Immer wieder hat er sich preisgegeben durch die Propheten. Sein Heilsplan war nie ganz verborgen. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Ignatius von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Er tut das auch in der Taufe. Dann werden wir aus der Knechtschaft der Erbsünde, aus dem Exil der Paradieslosigkeit befreit. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Unsere jüdischen Geschwister sind bis heute in einem bleibenden Bund mit dem Herrn und diesen können wir, die wir im neuen Bund mit Gott versöhnt sind, nicht antasten. Vergessen wir das nie, damit es nie wieder zu einem Holocaust kommt!
Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht. Das lässt sich gut auf die Lesung zurück beziehen: Er ist für uns gestorben, also können wir es ihm zurückgeben durch einen gerechten Lebensstil nach der Taufe. Das ist dann unsere Weise, ihn zurückzulieben. Wir leben nach seinen Geboten und zwar aus Liebe!
Seine Erlösungstat ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Diese ist uns durch die Taufe geschenkt. Dadurch sind wir als Kinder Gottes neugeboren und als Erben eingesetzt worden. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Joh 1
 29 Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! 

30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 
31 Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. 
32 Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. 
33 Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 
34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.

Heute geht es weiter mit Johannes dem Täufer, der in Betanien tauft. Nun kommt Jesus zu ihm, den er gestern angekündigt hat.
Johannes‘ Reaktion bringt es dabei auf den Punkt: Jesus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Das sagt der Priester in jeder Hl. Messe, wenn er den Leib Christi vor der Kommunion hochhält. Dieser Mann, den die Leute am Jordan gesehen haben, ist für die ganze Welt gestorben wie ein Opferlamm im Tempel. Er ist zu derselben Zeit gestorben, als die Lämmer für das bevorstehende Passahfest geschlachtet wurden – in der neunten Stunde des Rüsttages. Jesus ist das wahre Lamm, das das endgültige Opfer gebracht hat und dadurch die Sünden der vergangenen, gegenwärtigen und der kommenden Menschheit getilgt hat.
Johannes erklärt, dass Jesus der von ihm Angekündigte ist. Wenn er sagt „der mir voraus ist, weil er vor mir war“, bezieht er das auf Jesu Präexistenz. Jesus war am Anfang beim Vater und ist dann für uns Mensch geworden. In diesem Sinne ist er jedem Menschen voraus, weil er vor jedem Menschen war.
„Auch ich kannte ihn nicht“ muss genauer betrachtet werden. Dort steht im Griechischen das Verb οἰδάω, was nicht nur mit „kennen“, sondern auch mit „sehen“ übersetzt werden kann. Das bringt uns vielleicht näher an die Bedeutung: Johannes hat ihn auch nicht gesehen. Das bezieht sich auf die vorherige Aussage der Präexistenz Jesu. Das Johannes Jesus nämlich nicht kannte oder ihn im irdischen Leben noch nicht gesehen habe, wäre ja ein Widerspruch: Als Maria Elisabet begegnet und bei ihr bleibt bis zu der Geburt des Johannes, „trifft“ dieser Jesus ja schon, als dieser noch nicht geboren ist. Sie sind zudem miteinander verwandt, kennen sich also durchaus. Wir müssen es also entweder auf die Präexistenz Jesu beziehen, wenn Johannes sagt, er habe ihn nicht gesehen/gekannt, oder zumindest auf die Göttlichkeit Jesu beziehen, die er ja nicht in Anspruch genommen hat. Die ersten dreißig Jahre seines Lebens hat er im Verborgenen gelebt und ein gewöhnliches Leben geführt. In dieser Hinsicht hat Johannes absolut recht. Er kannte Jesu Göttlichkeit nicht. Diese ist es ja, die präexistent ist.
Johannes erklärt seine eigene Berufung von diesem Menschen her. Er ist zur Taufe berufen in Vorbereitung auf die Offenbarung Jesu Christi.
Wenn Johannes dann im Rückblick von der Taube spricht, die auf Jesus geruht hat, dann ist die Taufe Jesu bereits vollzogen. Er sagt aus, dass die Erfüllung mit dem Hl. Geist für ihn eine Bestätigung ist, dass Jesus der Messias ist. Gott hat ihm dieses Zeichen angekündigt, damit er sicher sein kann – dieser ist der Messias.
Gott Vater hat sich etwas dabei gedacht, den Hl. Geist in Gestalt einer Taube zu senden. Sie ist ein Symbol des Friedens, des wahren Schalom, der nur von Gott ausgehen kann. Deshalb kann Jesus wirklich sagen, MEINEN Frieden gebe ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Die Taube hat aber noch eine weitere Bedeutung und bestätigt erneut die überragende Pädagogik Gottes. Vielleicht erinnern Sie sich an eine Episode aus dem AT, in der es auch um Wasser und um eine Taube geht: Die Sintflut in Genesis. Dort ist auch das Wasser das Element, das die Sünde „zudeckt“ und dadurch sühnt. Die durch die Flut Geretteten sind die einzigen Gerechten, Noah und seine Familie. Und als die Erde wieder bewohnbar ist, ist es eine Taube, die mit einem Zweig im Schnabel zurückkehrt. Sie wird somit zum Symbol für das neue Leben. So werden die Anwesenden am Jordan hier auf die Taufe vorbereitet und erkennen die Typologie zwischen der Sintflut und dem gegenwärtigen Taufereignis. Durch die Taufe Jesu beginnt etwas, das sich am Kreuz vollenden wird: Die Sühne der weltweiten Sünde durch Jesus Christus. Er lässt sich taufen (es ist noch keine Taufe wie unsere, sondern die Johannestaufe als Bußakt!) als Zeichen der Buße für uns alle! Gleichzeitig zeigt Gott schon, wie die sakramentale Taufe sein wird: Der Geist Gottes kommt auf den Getauften und bleibt! So kommt auch auf uns bei der Taufe der Hl. Geist und verlässt uns nicht. Er ist das Zeichen des neuen Lebens, des ewigen Lebens! Diese Taube hat keinen Zweig im Schnabel, aber sie ist das Zeichen des Reiches Gottes, in dem wir leben dürfen als Erben Gottes!
Es schließt sich mit diesem Evangelium der Kreis, den die Lesung bereits gezeichnet hat. Die Erfüllung mit dem Hl. Geist ist es, die uns heiligt. Wir wollen den Geist nicht verlieren, das heißt den Stand der Gnade nicht verlieren, weshalb wir uns heiligen – den Zustand aufrecht erhalten.
Johannes genießt wirklich ein Privileg, das kein anderer Prophet vor ihm erleben durfte. Er sieht mit eigenen Augen den Sohn Gottes, den er öffentlich bezeugt. „Dieser ist der Sohn Gottes“. Er erkennt, dass er eine große Aufgabe bei der Erfüllung des Heilsplans Gottes erfüllt. Er tauft den, der es nicht nötig hat, damit die stellvertretende Sühne Christi, die am Kreuz zur Vollendung gelangen wird, ermöglicht werden kann. Er wird zum Werkzeug der Erlösung wie kein anderer Prophet. Dies macht ihn wirklich zum Größten aller Propheten.

Wir hören viel von der Taufe, weil wir mit großen Schritten auf das Fest der Taufe des Herrn zusteuern. In diesen Wochen können wir uns gut auf unsere eigene Taufe besinnen und Gott danken, dass er uns zu Erben in seinem Reich eingesetzt hat. Danken wir unseren Eltern, die uns die Taufgnade ermöglicht und uns so zu Kindern Gottes gemacht haben. Erneuern wir unsere Taufe jeden Tag und leben wir sie ganz bewusst. Wir sind zur Heiligkeit berufen. Vergessen wir das nie.

Ihre Magstrauss