Mittwoch der 3. Woche der Fastenzeit

Dtn 4,1.5-9; Ps 147,12-13.15-16.19-20; Mt 5,17-19

Dtn 4
1 Und nun, Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide, die ich euch zu halten lehre! Hört und ihr werdet leben, ihr werdet in das Land, das der HERR, der Gott eurer Väter, euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen.
5 Siehe, hiermit lehre ich euch, wie es mir der HERR, mein Gott, aufgetragen hat, Gesetze und Rechtsentscheide. Ihr sollt sie innerhalb des Landes halten, in das ihr hineinzieht, um es in Besitz zu nehmen.
6 Ihr sollt sie bewahren und sollt sie halten. Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker. Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennenlernen, müssen sie sagen: In der Tat, diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk.
7 Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie der HERR, unser Gott, uns nah ist, wo immer wir ihn anrufen?
8 Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsentscheide, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege?
9 Jedoch, nimm dich in Acht, achte gut auf dich! Vergiss nicht die Ereignisse, die du mit eigenen Augen gesehen, und die Worte, die du gehört hast! Lass sie dein ganzes Leben lang nicht aus dem Sinn! Präge sie deinen Kindern und Kindeskindern ein!

Heute hören wir aus der großen Rede des Mose, aus dem das Buch Deuteronomium („zweites Gesetz“) besteht. Dort fasst er zum zweiten Mal die Weisung Gottes zusammen. Dabei ermahnt er zu Anfang der Lesung: „Und nun, Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide, die ich euch zu halten lehre!“ Das spricht Mose zwar zum Volk Israel als Ermahnung unmittelbar vor dem Einzug ins verheißene Land, aber es ist darüber hinaus eine Mahnung auch an uns, die Gebote Gottes zu halten, damit auch wir ins verheißene Land einziehen, moralisch gesehen der Stand der Gnade, anagogisch gesehen das Himmelreich am Ende unseres Lebens. Wir stehen unmittelbar vor dem Ende der Zeiten. Jesus hat uns gesagt, dass das Reich Gottes nahe ist. Es ist kurz vor zwölf.
Gott lässt die Menschen nicht allein und so gibt er ihnen mit der Inbesitznahme des Landes Regeln, aber nicht zur Einschränkung und Aufbürdung, sondern für ein friedliches Zusammenleben in optimaler Freiheit. So ist es auch mit uns, die die Gebote Gottes halten sollen. Gott möchte uns nicht einschränken und den Spaß verderben, sondern uns ein möglichst freies, erfülltes und friedliches Leben garantieren. Seine Gebote führen uns nämlich erst in diese Freiheit entgegen aller Vorurteile.
Wenn das Volk die Torah umsetzt, wird es den anderen Völkern zum Vorbild. Warum sie das überhaupt merken? Die Torah beinhaltet Gesetze, die zu jener Zeit absolut neuartig waren. Die Einschränkung der Rache auf das genaue Maß des Schadens (Auge für Auge) stellte zum Beispiel einen riesigen humanen Fortschritt dar. Ebenso die Bruderliebe und Solidarität des gesamten Bundesbuches fällt vor den Nachbarvölkern auf. Dies gilt nicht nur für das Alte Israel, sondern umso mehr für die ersten Christen. Die Heidenvölker, so ist es bei Tertullian belegt, bewunderten die Christen dafür, dass sie die Nächstenliebe auf so intensive Weise gelebt haben („Seht, wie sie einander lieben!“). Die absolute Vergebungsbereitschaft, die Feindesliebe und der Verzicht auf Rache sind vor den umliegenden Heiden aufgefallen. So sind die Christen durch das Halten der Gebote Gottes zu einer Stadt auf dem Berg geworden. Sie konnten nicht verborgen bleiben.
„Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie der HERR, unser Gott“ ist ein besonders eindrücklicher Satz, der den Kern des ganz anderen Verhaltens Israels im Gegensatz zu den Nachbarvölkern ausdrückt. Die radikale Liebe (für die Israeliten war die Bruderliebe und „Auge für Auge“ das mögliche Maximum) speist sich aus der innigen Beziehung zu Gott. Kein anderes Volk hat in diesem Maße ein barmherziges Gottesbild und insgesamt ein personales Du. Das können wir Christen umso mehr sagen, denen Jesus den barmherzigen Vater beigebracht hat, der uns das Vaterunser lehrte, der uns erlaubte, seinen Vater Abba, Papa zu nennen.
Es gibt in keinem anderen Volk eine derart gerechte Gesetzgebung wie in Israel zu jener Zeit. Das Maß an Solidarität, die Option für die Armen, das heißt vor allem für die Witwen, Waisen, Kranken und Fremden im Land, ist mit keinem anderen Volk vergleichbar. Gott ist wirklich gerecht und hat ein Herz für seine geliebten Kinder. Ebenso können wir Christen das sagen, für die die zehn Gebote nach wie vor gelten und die Ausdruck der absoluten Gerechtigkeit Gottes sind.
Im letzten Vers schärft Mose den Israeliten ein, nie zu vergessen, was Gott ihnen Gutes getan hat. Sie haben mit ihren eigenen Augen spektakuläre Wunder gesehen. Gott ist immer für sie dagewesen. Damit auch die nachfolgenden Generationen das nie vergessen, sollen diese Dinge immer weiter erzählt werden. Gerade der Auszug aus Ägypten wird am Sederabend des Paschafestes erzählt. Der Jüngste der Familie soll rituell die Erzählung einleiten, indem er auch heute noch fragt: „Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Das Paschamysterium hat sich mit Jesus antitypisch erfüllt und so sagt er beim letzten Abendmahl: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Und so beten wir es in der Hl. Messe. Auch wir sollen nie vergessen, was Gott uns eigentlich für ein Heil geschenkt hat. Wir sind erlöst und haben wieder Aussicht auf das Himmelreich! Gott setzt uns als seine Erben ein! Auch wir sollen deshalb dieses große Geschenk und die Gebote Gottes unseren Nachkommen weitergeben, damit auch sie nicht vergessen, welches große Geschenk ihnen zuteil geworden ist.

Ps 147
12 Jerusalem, rühme den HERRN! Lobe deinen Gott, Zion!
13 Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet.
15 Er sendet seinen Spruch zur Erde, in Eile läuft sein Wort dahin.
16 Er gibt Schnee wie Wolle, Reif streut er aus wie Asche.
19 Er verkündet Jakob sein Wort, Israel seine Gesetze und seine Entscheide.
20 An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, sie kennen sein Recht nicht. Halleluja!

Heute beten wir einen Psalm aus dem sogenannten Kleinen Hallel, einer Gruppe von Lobpsalmen, die den Psalter abschließen. Jerusalem wird in Vers 12 zum Lobpreis aufgefordert – typischer Psalmenstil. „Lobe deinen Gott, Zion!“ bezieht sich zwar auf Jerusalem, doch ist es rhetorisch gemeint, denn es handelt sich um ein pars pro toto. Das ganze Volk Israel ist gemeint und diese Aufforderung erinnert an die Worte des Mose in Dtn 4. Der Psalm ist viele Jahrhunderte bzw. Jahrtausende älter als das Deuteronomium und vieles ist seitdem geschehen. Gott hat auf Israels Irrwegen immer wieder seinen Segen gespendet. Und so hat Israel trotz seiner Treuebrüche und daraus resultierenden Schicksalsschläge immer wieder Grund zum Lob: „Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet.“ Die Sicherheit des Landes oder der Stadt Jerusalem wird als Zeichen des Segens Gottes bewertet.
„Er sendet seinen Spruch zur Erde, in Eile läuft sein Wort dahin“ meint im wörtlichen Sinn zunächst seine Weisung, die Torah. Wo sie nicht gehalten wird, sendet er seinen Spruch zu auserwählten Personen, die als Propheten auftreten und Gottes Spruch den Israeliten übermitteln. Wir lesen diesen Vers aber schon weiter, nämlich als höchst messianische Weisung! Gott sendet sein Gesprochenes zur Erde, das heißt sein Wort! Und dieses Wort ist Jesus Christus, das fleischgewordene Wort. „In Eile läuft sein Wort dahin“, denn er kommt bald. Während es vom Kontext des Psalms her noch das erste Kommen meint, betrachten und ersehnen wir sein baldiges zweites Kommen am Ende der Zeiten.
Der nächste Vers ist rätselhaft, weil von Schnee und Reif, von Wolle und Asche die Rede ist. Es bezieht sich auf das wirkmächtige Wort Gottes, durch das Gott seine Schöpfung nicht nur hervorgebracht hat, sondern auch am Leben erhält. Es ist vergleichbar mit den Worten Jesajas in Kapitel 55, wo es heißt: „Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“ Gott wirkt durch Jesus Christus große Taten in der Welt, damals wie heute! Auch jetzt erblüht die Welt mit jeder Hl. Messe, die gefeiert wird. Es ist wie ein Regen, der die verdorrte Landschaft wieder tränkt und zum Leben erweckt, insbesondere die Wüstenlandschaft Europa, in der wir leben! Wir brauchen Gottes Wort, das uns am Leben erhält.
„Er verkündet Jakob sein Wort“ – Gott weist den Menschen moralisch einen Weg, damit sie friedlich miteinander leben können. Davon hörten wir ja bereits in der Lesung. Gott verkündet auch heute seine Weisung, nämlich durch sein Sprachrohr, die Kirche. Ein wichtiger Grundvollzug ist die Verkündigung. Wo die Weisung nicht mehr vollständig und authentisch den Menschen übermittelt wird, vergessen sie die Heilstaten Gottes und verirren sich. Dann muss man wirklich sagen: Aufgrund der mangelhaften Verkündigung tragen die Verkündiger eine Mitschuld an der moralischen Verirrung der Menschen. Dann können unsereins wirklich nur noch beten: Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ja, die Menschen wissen es nicht besser, weil keiner sie mehr richtig anleitet. So können sie nicht in die Freiheit geführt werden, die die Gebote Gottes aber in Aussicht stellen. Das Wissen um die Gebote Gottes bringt Verantwortung mit sich, denn so wird Gott von den Wissenden mehr Rechenschaft ablegen als von den Unwissenden. Dennoch ist es weniger Bürde als Privileg, Gott kennengelernt zu haben. Wünschen wir nicht jedem Menschen, den wir lieben, nur das Beste? Es ist immer die bessere Wahl, Gottes Liebe im eigenen Leben erfahren zu haben und als sein Erbe eingesetzt worden zu sein!
Während es noch im Psalm heißt „an keinem anderen Volk hat er so gehandelt“, können wir als österliche Menschen sagen: Das Heil wurde allen Völkern geschenkt, Jesus ist für die ganze Menschheit gestorben! Und wer es annimmt, gehört zum neuen Volk Gottes, gleichermaßen bestehend aus Juden und Heiden!

Mt 5
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.
18 Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

Wir hörten bisher schon viel von der Weisung Gottes und davon, dass Gott uns dadurch in die Freiheit führen möchte. Jesus ist nicht gekommen, um all das über den Haufen zu werfen, sondern um es zu erfüllen. Im heutigen Evangelium hören wir davon, dass die Gebote Gottes unter keinen Umständen abgeschafft werden dürfen. Eine klare Ansage für uns Christen heute, die demokratisch über diese Gebote abstimmen möchten!
Jesus sagt dagegen: „Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein.“ Das Jota ist im griechischen Alphabet der kleinste Buchstabe, deshalb wird er hier genannt. Auch Häkchen sind kleine, aber nicht zu unterschätzende Elemente der griechischen Sprache. Jesus schärft auch uns Christen heute ein, das Gesetz nicht zu verändern. Auch die unscheinbaren Gebote, die scheinbar wenig Gewicht besitzen, sollen ernst genommen werden. Denn wer in kleinen Dingen nicht mal treu sein kann, wie will er oder sie es in den großen Dingen sein? Jesus sagt das nicht, weil er eine Buchstabentreue nach pharisäischer Manier unterstützt. Er tut es, weil das der Kern von Liebe ist – Radikalität als Konsequent sein. Wenn ich jemanden liebe, gehe ich aufs Ganze. Dann stehe ich eines Tages am Traualtar und verspreche die ewige Treue in guten und in schlechten Zeiten, nehme den Ehepartner ganz an mit allen Stärken und Schwächen, ohne wenn und aber. Dabei ist die Ehe ja ein Abbild der Liebe Gottes, die er in sich ist. Er ist das Original und so möchte er unser ganzes Sein, wenn wir seine Liebe erwidern. Er hat uns immer zuerst geliebt, indem er uns aus Liebe ins Dasein gerufen hat. Er möchte unsere ganze Liebe wie der Ehepartner am Traualtar. Deshalb ist es logisch, jedes Gebot Gottes zu halten, mag es noch so klein sein, aber nicht aus juristischem Verständnis, sondern vom Beziehungsaspekt her. Und dieser Liebesaspekt sollte auch der Kern der Verkündigung des Evangeliums sein. Wenn die Kirche die Gebote Gottes den Menschen erklärt, soll dieser Beziehungsaspekt der rote Faden sein. Dann werden die Menschen verstehen, warum die Gebote zu halten sind.
Groß sein im Himmelreich können nur jene, die als Verkündiger des Evangeliums erstens die Gebote selbst halten und zweitens die Gebote vollständig lehren, auch jene, die Anstoß erregen. Und in unserer heutigen Zeit sind das ganz klar die Gebote, die die Keuschheit des Menschen betreffen. Dafür müssen die Verkündiger des Evangeliums diese Keuschheit zunächst wieder selbst leben. Wenn wir hier von Geistlichen sprechen, meint es die Form der Keuschheit für Menschen im geistlichen Stand wie Priester und Ordensleute. Wenn wir von Katecheten sprechen, dann meint es die eheliche Keuschheit (ja, die gibt es!!) oder die voreheliche Keuschheit für die noch nicht Verheirateten. Es geht um die Reinheit des Herzens und die soll in jedem Lebensstand gewährleistet werden. Das ist nämlich der größte Ausdruck von Freiheit und überzeugt die Menschen letztendlich. Das wird anstecken und so möchten auch die Hörer der Verkündigung eine solche Freiheit erlangen. Wäre dem nicht so, würden wir nicht beobachten, dass die zeitgeistig Denkenden leere Kirchenbänke vor sich haben, während die, die vom Evangelium ganz überzeugt sind und sich um die Umsetzung zunächst selbst bemühen, eine fast platzende Kirche haben. Menschen spüren, wo Wasser gepredigt und Wein getrunken wird. Sie merken auch, wo noch authentische Verkündigung ist. Heute lädt Jesus uns wieder ein, zu diesem authentischen Leben zurückzukehren bzw. überhaupt erst umzukehren. Dann wird die Kirche wieder aufblühen. Das ist die einzige Chance. Er ist schließlich das Wort, das wie Regen die Erde tränkt und neue Pflanzen hervorbringen kann. Dies kann kein zeitgeistiger Aktivismus erlangen. Es ist noch nicht zu spät und jetzt in der Fastenzeit fließen besonders viele Gnaden dafür! Beten wir um Umkehr, damit viele jetzt die Zeit der Gnade nutzen und zum lebenspendenden Wort Gottes umkehren!

Ihre Magstrauss

Montag der 1. Woche der Fastenzeit

Lev 19,1-2.11-18; Ps 19,8.9.10.11 u. 15; Mt 25,31-46

Lev 19
1 Der HERR sprach zu Mose: 

2 Rede zur ganzen Gemeinde der Israeliten und sag zu ihnen: Seid heilig, denn ich, der HERR, euer Gott, bin heilig.
11 Ihr sollt nicht stehlen, nicht täuschen und einander nicht betrügen. 

12 Ihr sollt nicht falsch bei meinem Namen schwören; du würdest sonst den Namen deines Gottes entweihen. Ich bin der HERR. 
13 Du sollst deinen Nächsten nicht ausbeuten und ihn nicht um das Seine bringen. Der Lohn des Tagelöhners soll nicht über Nacht bis zum Morgen bei dir bleiben. 
14 Du sollst einen Tauben nicht verfluchen und einem Blinden kein Hindernis in den Weg stellen; vielmehr sollst du deinen Gott fürchten. Ich bin der HERR. 
15 Ihr sollt beim Rechtsentscheid kein Unrecht begehen. Du sollst weder für einen Geringen noch für einen Großen Partei nehmen; gerecht sollst du deinen Mitbürger richten. 
16 Du sollst deinen Mitbürger nicht verleumden und dich nicht hinstellen und das Blut deines Nächsten fordern. Ich bin der HERR. 
17 Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Weise deinen Mitbürger zurecht, so wirst du seinetwegen keine Sünde auf dich laden. 
18 An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der HERR.

Wir haben am Samstag davon gehört, welche Art von Fasten Gott gefällt – nämlich ein Fasten verbunden mit einem bestimmten moralischen Verhalten.
Heute hören wir aus dem Buch Levitikus, welche Worte Gott dem Mose für das Volk aufträgt. Dabei werden viele konkrete Verhaltensweisen aufgezählt, die auch in der Fastenzeit die korrekte Haltung beschreiben.
„Seid heilig, denn ich, der HERR, euer Gott, bin heilig“ ist die Einleitung zu allem, was darauf folgt. Die Heiligkeit soll sich durch folgende Verhaltensweisen zeigen:
„Ihr sollt nicht stehlen, nicht täuschen und einander nicht betrügen“ – dies entspricht dem siebten und achten Gebot des Dekalogs. Geschäfte sollen aufrichtig geführt werden. Niemand soll den anderen ausbeuten oder mehr von ihm fordern als nötig. Das Eigentum des anderen ist sein Eigentum.
„Ihr sollt nicht falsch bei meinem Namen schwören; du würdest sonst den Namen deines Gottes entweihen“ – Schwüre müssen korrekt ausgeführt werden, denn Gottes Name ist heilig. Zur Zeit des Mose sind Schwüre noch zulässig, aber streng umgrenzt. Jesus wird in der Bergpredigt sagen: „Schwört gar nicht“ und damit meinen, dass diese nicht zur Untermauerung von Lügen gedacht sind. Außerdem soll man beim Namen Gottes überhaupt nicht schwören, wenn er so heilig ist.
Daraufhin wird nochmal explizit das Verbot der Ausbeutung des anderen genannt, das einem Diebstahl gleichkommt.
„Der Lohn des Tagelöhners soll nicht über Nacht bis zum Morgen bei dir bleiben.“ – Es bezieht sich auf den Lohn jener Menschen, die von Tag zu Tag überleben, deren Einkommen immer für den jeweiligen Tag gesichert werden muss, die also um ihr Existenzminimum gebracht werden, wenn man ihnen den Tageslohn erst am nächsten Tag übergibt. Die es am schwersten haben, sollen am meisten gestützt werden. Das ist, was in der Theologie oft als „Option für die Armen“ bezeichnet wird.
In Vers 14 heißt es dann: „Du sollst einen Tauben nicht verfluchen und einem Blinden kein Hindernis in den Weg stellen; vielmehr sollst du deinen Gott fürchten.“ Aus Gottesfurcht, aus Respekt vor dem, der alles sieht, sollen wir den Schwächeren und Beeinträchtigten nicht schikanieren.
In Vers 15 wird ausgedrückt, dass die Rechtsprechung neutral sein soll, frei von Parteilichkeit und gerecht. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass Menschen nie zu hundert Prozent gerechtes Gericht halten können, das kann nur Gott.
Gott verbietet auch die Verleumdung von Mitbürgern und ihre Blutrache. Das ist ein wichtiger Punkt, denn er bezieht sich zunächst auf den Israeliten, nicht auf alle Menschen.
Die Heiligkeit der Israeliten soll dadurch gewährleistet werden, dass sie in ihrem Herzen ohne Hass gegenüber dem Bruder sind. Sie sollen die Sünde des Mitbürgers klar benennen, damit sie sich nicht mitschuldig machen. Sie sollen auch an den Israeliten keine Rache ausüben und nicht nachträglich sein. Und dann kommt das Gebot der Nächstenliebe, das auch Jesus als Kern des Gesetzes in die Mitte stellen wird: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Ps 19
8 Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. 

9 Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen. 
10 Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle. 
11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
15 Die Worte meines Munds mögen dir gefallen; was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen, HERR, mein Fels und mein Erlöser.

Wir beten heute einen Lobpsalm auf die Schöpfung Gottes und auf seine Weisung.
In Vers 8 wird die Vollkommenheit der Weisung gepriesen, das heißt der Torah. Sie „erquickt den Menschen“. Gott gibt keine Gebote auf, die den Menschen einschränken, belasten und unglücklich machen sollen. Es geht immer darum, dass er nur das Beste für den Menschen bereithält und genau weiß, was er braucht. Die Torah macht vielmehr frei und bringt dem Menschen Heil.
„Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich“ bezieht sich ebenfalls auf die Torah, denn das hebräische Wort עֵד֥וּת edut, das hier mit „Zeugnis“ übersetzt wird, kann auch mit „Gebot“ übersetzt werden. Es macht den Unwissenden weise, denn es ist die Schule Gottes.
Gottes Befehle sind „gerade“ und „erfüllen das Herz mit Freude“. Gott erwartet nichts Unmögliches, bei dem man ganz überfordert ist. Die Geradlinigkeit steht für die Nachvollziehbarkeit und Machbarkeit. Sie erfüllen mit Freude, weil Gott den Menschen glücklich machen möchte.
Gottes Weisung ist rein und erleuchtet die Augen. Sie ist ganz frei von bösen Absichten und Hinterhältigkeit. Sie ist so, dass sie den Weg vor dem Menschen erkennbar macht und er erkennt, wie er sich verhalten soll. Auch in Vers 10 wird mit ähnlichen Ausdrücken wiederholt, dass Gottes Weisung wahr und gerecht ist. Dort ist aber auch die Rede von der Gottesfurcht, die lauter ist. Dieses uns kaum noch geläufige Wort ist ein Synonym für „rein“ und soll verdeutlichen, dass die Gottesfurcht bei der Befolgung der Torah essenziell ist.
Gottes Torah ist wertvoller als Gold, weil sie uns zum ewigen Leben verhilft. Sie ist köstlicher als Honig, was als der Süßstoff schlechthin galt. Sie schmeckt süß, weil sie den Menschen erquickt (siehe oben).
„Die Worte meines Munds mögen die gefallen“ bezieht sich auf den Lobpreis, den König David hier für Gottes Torah und seine Schöpfung formuliert. Er hofft, dass sein Preislied Gott gefalle.
Dass es aber nicht nur um schöne Worte geht, sondern auch um die Erwägung seines Herzens, wird durch den zweiten Teilsatz deutlich: „was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen“. Er bringt singend also zum Ausdruck, was sein Herz erwägt. So soll auch unser Lobpreis sein, damit Gott uns nicht vorwerfen kann: „Sie preisen mit mit ihren Lippen, doch ihr Herz ist weit weg von mir“ (Jes 29,13).
David nennt Gott zum Schluss seinen Felsen und seinen Erlöser. Beides sind Bilder, die Jesus aufgreifen wird bzw. die auf ihn angewandt werden.
Der Lobpreis an die Torah Gottes ist auf die Dinge zurückzubeziehen, die wir im Buch Levitikus gehört haben: Die Weisung Gottes ist dafür da, den Menschen glücklich zu machen und der Kern aller Gebote und Gesetze ist die Liebe. Das geht schon aus dem AT selbst hervor. Wenn Jesus dies noch einmal betonen wird, ist es im Grunde nichts Neues, sondern eine Erinnerung daran, wie es ursprünglich gedacht war. Die Juden werden sich mit der Zeit so sehr an die vielen Bäume gewöhnen, dass sie den Wald nicht mehr erkennen. Wenn wir Levitikus hören, sehen wir konkret, was König David mit „Erquickung der Seele“, „Erfüllung des Herzens mit Freude“ oder „kostbarer als Gold“ meint. Alles, was Gott den Israeliten vorschreibt, kommt ihnen zugute. Es fördert ein gutes Zusammenleben. Gott erwartet auch nichts Unrealistisches, wenn er z.B. vorschreibt, dem Tagelöhner den Tageslohn noch am selben Tag zu übergeben.
Danken auch wir dem Herrn für seine Gebote, denn sie machen auch uns heute glücklich!

Mt 25
31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. 
32 Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. 
33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. 
34 Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! 
35 Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; 
36 ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. 
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? 
38 Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? 
39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 
40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. 
41 Dann wird er zu denen auf der Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! 
42 Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; 
43 ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. 
44 Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder fremd oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? 
45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. 
46 Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.

Im Evangelium hören wir heute die Konsequenzen oder das Ende des Lebenswandels. Wir hören davon, wie es ausgehen wird je nachdem, ob wir die Gebote Gottes gehalten haben oder nach unseren eigenen Regeln das Leben gestaltet haben.
Jesus berichtet nicht vom Ende des individuellen Lebens, sondern kündigt das Ende der Zeiten an, wenn er als verherrlichter Menschensohn wiederkommen wird.
Er schildert also das Weltgericht, bei dem jeder nach seinen Taten gerichtet wird.
Dabei wird Jesus zunächst die Schafe von den Böcken scheiden. Dieser Schritt ist den Juden, die Jesu Worten lauschen, aus dem Buch Ezechiel bereits bekannt (Ez 34). Jesus greift bewusst bekannte Bilder für das Endgericht auf (die Menschen sind ja nicht wörtlich Schafe und Böcke…).
Die Schafe zur Rechten (die Gerechten) werden als Erben im Reich Gottes eingesetzt werden, die er auch umschreibt mit den Worten „die ihr von meinem Vater gesegnet seid“. Auch diese Geste ist den Juden bekannt. Dieser Segen des eigenen biologischen Vaters ist entscheidend und insbesondere das Erstgeburtsrecht wird mit einem väterlichen Segen übertragen. Die Gnade, die durch den väterlichen Segen dem Sohn übertragen wird, ist existenziell. Nun sind es aber alle auf der rechten Seite, die mit einem solchen Segen ausgestattet werden und dieser ist viel größer als der bisherige väterliche Segen! Hier geht es um die Ewigkeit!
Das Reich Gottes ist seit der Erschaffung der Welt der Plan Gottes für den Menschen. Dafür ist er geschaffen worden – um in Gemeinschaft mit Gott leben zu können. Der Mensch hat alles verspielt (wir hörten gestern davon), doch Gott kann auch auf krummen Seiten gerade schreiben. Er hat die Menschheit erlöst durch die Hingabe seines einzigen Sohnes, damit auf Umwegen der Heilsplan Gottes dann doch am Ende siegen würde.
Dann zählt Jesus viele barmherzigen Taten auf, die wir in ähnlicher Form neulich aus dem Buch Jesaja gehört haben, als es um ein gerechtes Fasten ging (Jes 58).
Seine Pointe bei all den barmherzigen Taten, die die Schafe auf der rechten Seite getan haben, ist: All dies haben sie nicht einfach nur ihrem Nächsten getan, sondern Jesus selbst. Das ist die anagogische Konsequenz des Doppelgebots der Liebe. Man liebt Gott durch den Nächsten. Dafür wird man am Ende belohnt.
Dann wird sich Jesus den Böcken auf der Linken Seite zuwenden und ihnen sagen: „Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist.“ Aufgrund dieser Aussage kann man nun wirklich nicht leugnen, dass die Bibel eine Hölle kennt. Diese ist der „Ort“ der absoluten Gottesferne (in der Ewigkeit gibt es weder Zeit noch Raum). Sie sind dabei verflucht, weil sie es sich selbst ausgesucht haben. Sie haben sich im Grunde selbst verflucht und deshalb muss Jesus sagen „geht weg von mir“. Wenn wir uns vorstellen, wie Jesus sich dabei fühlen wird, können wir nur absoluten Schmerz empfinden. Was wird Gottes Herz doch zerreißen bei der Verurteilung derer, die ihn bis zur letzten Sekunde abgelehnt haben!
Auch hier zählt Jesus dann auf, warum sie dieses Urteil erwartet. Sie haben all die barmherzigen Taten wie das Nähren des Hungrigen, das Tränken des Durstigen, das Kleiden des Nackten etc. nicht getan. Somit haben sie Jesus all das nicht getan. Sie haben das Doppelgebot der Liebe, das den Kern der gesamten Torah darstellt, nicht gelebt.
Jesus schildert absolut drastisch, was die Menschen erwarten wird, aber nicht, um ihnen Angst einzujagen, sondern um sie wachzurütteln. Seine gesamte Botschaft ist ja in dem Vers zusammengefasst: „Das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Er möchte mit dieser apokalyptischen Rede den Zuhörern, so auch uns, verdeutlichen: Kehrt noch heute um, entscheidet euch für mich und tut diese barmherzigen Taten an eurem Nächsten! Dann werdet ihr am Ende zu jenen gehören, die auf der rechten Seite stehen werden und das ewige Leben erben werden.

Wir befinden uns jetzt in einer besonderen Gnadenzeit. Gott möchte uns mit vielen Gnaden überschütten, wenn wir von Herzen unsere Bereitschaft zur Umkehr zeigen. Wenn wir uns wirklich mit ganzer Kraft bemühen, wird er uns seine helfende Gnade schenken, mit der wir zu barmherzigeren und gottesfürchtigeren Menschen werden können. So gehen wir dann als neue Menschen mit einer innigeren Beziehung zu Gott auf Ostern zu.

Ihre Magstrauss

Apostel Matthias (Fest)

Apg 1,15-17.20ac-26; Ps 113,1-2.3-4.5au. 6-7; Joh 15,9-17

Heute feiern wir ein Fest wie jedesmal, wenn der Gedenktag eines Apostels ist. Heute feiern wir dabei einen Nachzügler, den Plan B Gottes, als einer der zwölf Apostel sich gegen Gott entschieden hat. Es ist Matthias, auf den das Los fiel. Wie es dazu kam, lesen wir heute in der ersten Lesung:

Apg 1
15 In diesen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder – etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen – und sagte: 

16 Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. 
17 Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. 
20 Denn es steht im Buch der Psalmen: Sein Amt soll ein anderer erhalten!
21 Es ist also nötig, dass einer von den Männern, die mit uns die ganze Zeit zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, 
22 angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. 
23 Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. 
24 Dann beteten sie: Du, Herr, kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, 
25 diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen! Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. 
26 Sie warfen das Los über sie; das Los fiel auf Matthias und er wurde den elf Aposteln zugezählt.

Petrus spricht vor dem ganzen „Kreis der Brüder“, es ist die Versammlung der Jünger, also nicht nur der Zwölferkreis. Wir lesen in den Versen vor unserem Ausschnitt auch davon, dass Maria, die Mutter Jesu, und die anderen Frauen anwesend sind. Petrus ist der Apostel, den Jesus auf besondere Weise berufen hat – wir hörten davon am Samstag. Und deshalb ist er es, der die ganze Prozedur nun in die Hand nimmt:
Er beginnt seine Worte mit dem Hinweis auf ein erfülltes Schriftwort, man muss genauer sagen, zweier Psalmworte: Ps 69,26 „Ihr Lagerplatz soll veröden, in ihren Zelten soll niemand mehr wohnen“ (Dieses Schriftwort wird in der heutigen Lesung jedoch ausgelassen). Zudem erfüllt sich Ps 109,8 „Nur gering noch sei die Zahl seiner Tage, sein Amt erhalte ein anderer.“ Das ist ganz typisch und ein Spiegel des Verständnisses auch der neutestamentlichen Autoren. Sie haben ebenso das ganze Leben Jesu und ihre kirchliche Situation von den Verheißungen der Hl. Schrift (damals war es noch das AT!) her betrachtet. Sie haben immer wieder Erfüllungen dieser Verheißungen erkannt. Petrus tut es deshalb an der Stelle mit den beiden Psalmworten. Es ist auch typisch und absolut im Sinne Jesu, unterschiedliche Schriftstellen des AT miteinander zu kombinieren. So tat es Jesus bei dem Doppelgebot der Liebe (er verband Levitikus und Deuteronomium) und so ist es auch bei den Lobgesängen wie dem Magnificat Mariens (eine Zusammenstellung verschiedenster Schriftstellen, v.a. aus den Psalmen).
Der Zwölferkreis ist der innerste Kreis um Jesus. Er bestand aus Männern, die ununterbrochen und von Anfang an mit Jesus zusammen waren. Da durch den Verrat und Selbstmord des Judas Iskariot nun ein Platz frei geworden ist, aber belegt sein soll, erklärt Petrus die Bedingungen für den Nachfolger: Die Person muss aus dem Jüngerkreis Jesu kommen und von Anfang an mit dabei, immer bei Jesus gewesen sein. Das hat auch einen ganz bestimmten Grund: Die Aposteln sind in erster Linie Augenzeugen. Sie werden nach dem Pfingstereignis in die ganze Welt hinausziehen, um alle Worte und Taten Jesu mit ihrem eigenen Augen- und Ohrenzeugnis zu verbreiten. Dabei muss der Nachfolger alles bezeugt haben, auch die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu. Gerade das Osterereignis ist ja entscheidend für den christlichen Glauben und somit absolut existenziell für die Evangelisierung.
Dass auch der dreizehnte Apostel ein Mann sein soll, ist selbstverständlich und kein Ausdruck von Diskriminierung. Die Aposteln sind nämlich nicht nur Augenzeugen, sondern die umfassenden Nachfolger Christi, die so wie er mit ihrem Leben und ihrer ganzen Natur die Bräutigamhaftigkeit Christi nachahmen sollen, um so den Partner der Braut abzubilden.
Wir erfahren nichts davon, warum ausgerechnet Josef Barsabbas und Matthias in die engere Auswahl kommen. Was wir aber sagen können: Gottes Finger sind im Spiel. Er wird diese Versammlung schon wie ein erstes Konklave mit seinem Geist erfüllt haben, sodass die Anwesenden von seinem Geist geleitet eine Entscheidung getroffen haben.
Dass sie sich für diesen Geist auch schon geöffnet haben, sehen wir an ihrem Gebet: „Du, Herr, kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen!“ Die Versammlung überlässt die Entscheidung also Gott. So sollte es sein. Es ist seine Kirche, seine Braut. Er soll sie gestalten und nach seinem Willen formen. Das gilt auch bis heute. Wer welche Aufgabe in der Kirche erfüllt, sollte Gott entscheiden, der den Menschen seinen Willen durch den Hl. Geist kundtut. Für diesen muss die Kirche sich aber öffnen, sonst hat er keinen Raum. Auch hier gilt wie für die Seele des Menschen der freie Wille und die Entscheidung für Gott. Der Geist Gottes erfüllt den Menschen, wo dieser ihn einlädt. Umgekehrt sehen wir aber auch, dass Gottes Geist nicht automatisch dort hinkommt, wo wir ihn einladen: Der Stiftungswille Christi ist entscheidend. Wenn wir jetzt z.B. den Geist Gottes bei einer Frauenweihe herabrufen würden (also unseren freien Willen damit kundtun), dann kommt er nicht. Frauenweihen sind nicht Christi Stiftungswille für seine Braut, die Kirche.
Sie werfen das Los, denn bei dieser Methode kann man als Mensch nichts beeinflussen. So soll Gott das Los dem zuteilen, der für ihn als der geeignete Kandidat angesehen wird. Matthias wird auserwählt und so zum Nachfolger des Judas.
Wenn die Aposteln vor der Wahl beten und in einem Nebensatz das weitere Geschick des Judas erwähnen, müssen wir das richtig verstehen: „Er ist jetzt an dem Ort, der ihm bestimmt war.“ Diese Übersetzung ist ganz irreführend, denn kein Mensch ist für einen Ort schon bestimmt im Sinne einer Prädestination. Diese widerspricht dem freien Willen des Menschen. Protestanten vertreten eine Prädestination, sogar im doppelten Sinne (so die Calvinisten). Der Mensch kann also nicht nur für den Himmel vorherbestimmt sein, sondern sogar für die Hölle bzw. von Anfang an von Gott verworfen sein!
Das soll hier aber nicht ausgesagt werden und geht sprachlich aus dem Text auch nicht hervor: Es meint, dass Judas „an den eigenen Ort“ gegangen ist (εἰς τὸν τόπον τὸν ἴδιον eis ton topon ton idion). Es wird an dieser Stelle in der Apostelgeschichte also offen gelassen. Er ist an den Ort gekommen, zu dem er gehört.
Gottes Vorsehung ist es, die einen Nachfolger für Judas Iskariot ausgewählt hat. Und dieser Mensch hat in seinem Leben so viel Gutes bewirkt. Auch unser eigenes Leben wird maximal fruchtbar da, wo wir nicht selbst alles mit unserem engstirnigen, begrenzten Blick entscheiden. Wenn wir auf Gottes Vorsehung vertrauen und nach dieser in unserem Alltag Ausschau halten, werden wir immer wieder geleitet und bei Fehltritten eines Besseren belehrt. Mit Gottes Geist im Teamwork werden wir ein glückliches und erfülltes Leben haben. Und am Sonntag wurden wir ja daran erinnert, dass unsere Seelen die Tempel des Hl. Geistes sind. Es ist also kein weiter Weg, den wir zum Geist Gottes zurücklegen. Wir müssen nur in uns gehen und auf ihn hören. Er wird uns alles eingeben, was wir zu den richtigen Entscheidungen brauchen.

Ps 113
1 Halleluja! Lobt, ihr Knechte des HERRN, lobt den Namen des HERRN! 

2 Der Name des HERRN sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit. 
3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang sei gelobt der Name des HERRN. 
4 Erhaben ist der HERR über alle Völker, über den Himmeln ist seine Herrlichkeit. 
5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der wohnt in der Höhe, 
6 der hinabschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde? 
7 Den Geringen richtet er auf aus dem Staub, aus dem Schmutz erhebt er den Armen,

Wir beten heute wieder aus dem Psalm 113, einem Lobpreispsalm. Er ist eine wunderbare Antwort auf das Ereignis der Lesung. Wir können uns wunderbar vorstellen, wie die versammelten Jünger zusammen Gott mit diesem Psalm lobpreisen, nachdem sie Matthias zum Nachfolger eingesetzt haben.
„Halleluja“ ist dabei die kürzeste Aufforderung zum Lobpreis („Preist Jahwe“). Und direkt im Anschluss erfolgt eine weitere Lobpreisaufforderung („Lobt, ihr Knechte des HERRN, lobt den Namen des HERRN!“). Denken wir an die Lesung, können wir uns richtig gut vorstellen, dass mit „Knechte des HERRN“ die versammelte Jüngerschar gemeint ist. Es klingt sehr liturgisch und passt in den Kontext des heutigen Festes. Das heißt auch wir haben Grund zum Lobpreis und werden als „Knechte des HERRN“ aufgefordert als Dank für die wunderbare Vorsehung Gottes. Hätte Gott uns nicht den Apostel Matthias geschenkt, wären wir um einen gnadenhaften Ort weniger beschenkt – Trier. Wie viele Pilgerströme sind schon damals im Mittelalter zu seinem Grab nach Trier geströmt, auch heute reißen die Ströme nicht ab. Mit ihm haben wir einen großen Heiligen und Fürsprecher in vielen Lebenslagen.
„Der Name des HERRN sei gepriesen von nun an bis in Ewigkeit“ ist eine Wendung, die die Kirche übernommen hat, nämlich als Teil des sogenannten apostolischen Segens (der Herr sei mit euch…der Name des Herrn sei gepriesen….unsere Hilfe ist im Namen des Herrn….). Diesen dürfen die Nachfolger der Apostel beten und auf besondere Weise der Papst als Nachfolger Petri. Mit diesem apostolischen Segen sind unter anderem Ablässe verbunden. Es ist ein schönes Zeichen, dass wir ausgerechnet heute, wo der Zwölferkreis der Apostel sich wieder schließt, diesen Vers beten.
„Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang“ bezieht sich einerseits auf die Zeit: Vom Morgen bis zum Abend, also den ganzen Tag, soll der Lobpreis Gottes erfolgen. Vor Tagen reflektierten wir die Haltung im gesamten Leben, alles als Gebet/Lobpreis zu sehen, damit man die guten Taten Gottes nie vergisst. Dies wird auch durch diese Wendung herausgestellt. Sie kann aber auch geographisch verstanden werden, denn mit Aufgang und Untergang werden die Himmelsrichtungen des Ostens und Westens umschrieben. So soll also der ganze Erdkreis Gott loben und preisen. Dadurch, dass man „sei gelobt“ als Partizip übersetzen kann, ist es zeitlos. Gottes Name soll dauerhaft gepriesen werden und zu allen Zeiten. Das sehen wir konkret jetzt an unserer Situation. Es wurde zu Davids Zeiten schon gebetet, es wurde von den Aposteln und Jüngern Jesu gebetet, von Jesus selbst! Und nun ist es Teil unserer heutigen Liturgie 2000 Jahre später! Und auch die zukünftigen Generationen werden den Namen Gottes loben und preisen. Es ist, als ob die grammatikalische Zeitlosigkeit des Verbs und des Verses so zur Andeutung der Ewigkeit wird. Denn dann wird es einen ewigen und umfassenden Lobpreis ohne Ende geben.
Gott ist erhaben über alle Völker, dies sehen wir an Jesus, der der König der Könige ist. Gott ist stärker als alle weltlichen Herrscher zusammen. Er muss nur einmal „schnipsen“ und die Herrschaft aller fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Gott ist auch höher als wir, die wir die Herrscher über unser eigenes Leben sind. Er ist der eigentliche Herr über unser Leben und weiß, was wir brauchen. Er bestimmt den Anfang und das Ende. Er beschenkt uns und begnadet uns. Er sieht das ganze Leben im Überblick, was wir nicht können. Und er sieht unsere Potenziale, die wir nicht einmal erahnen.
„Über den Himmeln ist seine Herrlichkeit“ bezieht sich auf die Himmel, die wir sehen können. Gottes Reich ist noch „über den Himmeln“ und somit ganz anders. Er ist der Transzendente. Gott ist Geist. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Er ist nicht greifbar.
Er steht über der gesamten Schöpfung, zu der Himmel und Erde zugleich gehören (Gen 1,1). Deshalb schaut er sogar auf den Himmel herab, der für uns so hoch oben ist. Gott ist so unvergleichlich, dass hier im Psalm die rhetorische Frage gestellt wird „wer ist wie der Herr?“ Keiner ist wie er. Er ist als Schöpfer ganz anders als alles, was wir in dieser Welt erfahren. Und doch erahnen wir ihn, wenn wir den Menschen ansehen – in seinen guten Eigenschaften. Denn schon die Genesis mit ihrem ersten Schöpfungsbericht bezeugt uns den Menschen als Abbild Gottes.
Und doch ist er kein weit entfernter Gott, der sich nicht um seine Schöpfung kümmert. Das ist das Missverständnis eines deistischen Gottesbildes, das die Aufklärer vertreten haben und bis heute freimaurerisches Gedankengut ist. Gott, der am höchsten von allen steht, schaut auf die, die am tiefsten Boden liegen. Er richtet sie auf und erhebt sie aus dem Staub. So groß ist Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Seine Allmacht schließt nicht das Interesse für den Kleinsten der Kleinen aus. Im Gegenteil. Gottes Option ist immer eine Option für die Armen jeglicher Form – arm im Geiste, finanziell arm, sozial arm.

Joh 15
9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! 

10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 
11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. 
12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. 
13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. 
14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. 
15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. 
16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. 
17 Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt. 

Den heutigen Abschnitt aus dem Johannesevangelium entnehmen wir der langen Abschiedsrede Jesu. Diese ist insofern heute passend, als Jesus seinen Jüngern wichtige Gedanken als Testament mitgibt.
„Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt.“ Es geht immer um das zuerst Geliebtsein. Jesus ist zuerst vom Vater geliebt und liebt aus dieser Liebe heraus seine Apostel. Diese sollen aus dem zuerst Geliebtsein durch Christus wiederum lieben, einander und die Menschen, zu denen sie dann später gesandt werden. Jesus hat ihnen gezeigt, wie Liebe funktioniert – wie das maßlose Maß an Hingabe konkret aussieht. Jesus weiß, dass er bald von ihnen gehen muss. Deshalb ruft er sie dazu auf, in seiner Liebe zu bleiben.
Dann erklärt er, was das konkret heißt: Es geht darum, den Willen Gottes zu tun. So wie Jesus den Aposteln seinen Gehorsam gegenüber den Vater vorgelebt hat, so sollen die Aposteln im Gehorsam gegenüber Jesus Christus leben. Die Gebote Gottes zu halten ist dabei der Ausdruck ihrer Liebe. Und wenn man die Gebote Gottes hält, bleibt man in seiner Liebe. Wir denken an die moralische Bedeutung dieser Worte: In Gottes Liebe bleiben ist dann das Bleiben im Stand der Gnade.
Das Bleiben in Gottes Liebe/im Stand der Gnade ist es, was den Menschen mit Freude erfüllt. Freude wiederum ist eine Frucht des Hl. Geistes. Wer also in seinem Leben froh sein möchte, muss alles tun, um in der Liebe Gottes zu bleiben. Sie ist wie Licht und Wasser für die Pflanze. Ohne beides geht sie ein.
Jesus gebietet seinen Jüngern, einander zu lieben. So bleiben sie in Gottes Liebe. Das Doppelgebot der Liebe ist der rote Faden aller Gebote Gottes, die sie zu halten haben.
Jesus erklärt auch genauer, wie die gegenseitige Liebe konkret aussieht: Es geht um die gegenseitige Hingabe bis hin zum eigenen Leben. Wir sollen füreinander sterben, so wie die Jünger damals. Wenn wir den anderen retten können durch unseren eigenen Tod, sterben wir füreinander, aber auch wenn wir immer mehr ein Stück selbst absterben, das heißt unser Ego, unsere Lebenszeit, unsere Kraft und unser eigener Wille. Wenn wir all diese Güter für den anderen hingeben, dann ist das unser Ausdruck von Liebe. Es geht um das Verschenken des eigenen Lebens.
Auch dies hat Jesus absolut vorgelebt, indem er für uns alle Menschen, die er zu seinen Freunden machen möchte, am Kreuz gestorben ist. Er hat unser aller Leben gerettet, denn durch seine Erlösung haben wir wieder eine Chance auf den Himmel.
Freunde Gottes werden wir dadurch, dass wir Gottes Gebote halten. Mit der Taufe sind wir zu seiner Familie geworden, aber dies zieht auch ein Leben nach den Geboten Gottes nach sich.
Freunde haben es an sich, dass sie keine Geheimnisse voreinander haben. Jesus hat seine Jünger nicht im Dunkeln gelassen, sondern alles offenbart, auch wenn sie noch nicht alles verstanden haben. Für den Rest kündigte Jesus ihnen den Hl. Geist an, der sie in alle Wahrheit einführen würde – nichts Neues, sondern das bessere Verständnis seiner vollständigen Offenbarung.
Wir sind Erwählte durch die Taufe. Erwählt heißt aber nicht vorherbestimmt im Sinne einer Prädestination, die man von der Lesung her missverstehen könnte (die Übersetzung ist einfach ungünstig). Wir sind zur Liebe berufen, weil wir zuerst geliebt sind. Dies drückt Jesus nun mit dem Begriff der Erwählung aus. Das sagt er auch uns heute: Nicht wir haben uns für ihn entschieden (doch, aber nicht zuerst). Er hat sich zuerst für uns entschieden und alles, was wir tun und lassen, ist eine Reaktion darauf.
Gott hat uns dazu berufen, fruchtbar zu sein. So wie er bei der ersten Schöpfung einen Bund mit Adam und Eva geschlossen und sie zur Fruchtbarkeit berufen hat, so werden auch wir, die wir Teil der neuen Schöpfung sind und mit Gott den neuen Bund schließen, zur Fruchtbarkeit berufen. Diese ist nun nicht mehr nur biologisch zu verstehen, sondern vom neuen Bund her geistig. Die Aposteln haben sich biologisch freiwillig zur Unfruchtbarkeit entschieden, als sie Jesus nachgefolgt sind. Sie haben ihre Familien zurückgelassen und keine Kinder mehr gezeugt, weil sie ihre Fruchtbarkeit auf die geistige Ebene verlagert haben. Dies meint Jesus hier. Die Fruchtbarkeit ist mit der Mission zu verbinden, die die Aposteln weltweit vorgenommen haben. Auch der Apostel Matthias hat missionarisch gewirkt und viele Kinder für Gott „gezeugt“, Kinder des neuen Bundes, der neuen geistigen Schöpfung!
Fruchtbar sein ist auch auf die moralische Ebene zu beziehen: Wir sollen fruchtbar sein durch das Halten der Gebote. So können wir verbunden mit Gott wie die Rebe am Weinstock alles vollbringen. Wenn wir die Gebote halten, dann sind wir im Stand der Gnade und können in diesem Zustand alles von Gott erbitten. Wenn es sein Wille ist, wird er unsere Bitten erfüllen.
Jesus schließt das heutige Evangelium mit der wiederholten Aufforderung zur Nächstenliebe. Diese werden sie nicht nur untereinander ausüben, sondern auch an all den Menschen, denen sie ihre Lebenszeit, Kraft und jegliche andere Ressourcen schenken werden bei all den Missionsreisen. Sie haben sich wahrhaft verschenkt – außer Johannes der Evangelist haben alle den Märtyrertod erlitten und so ihr Leben ganz verschenkt. Deshalb preisen wir sie heute selig, die sie bei Gott am Thron sein dürfen. Dies schaut der Seher Johannes in der großen Thronsaalvision in der Johannesoffenbarung (Offb 4-5).

Bleiben auch wir in Gottes Liebe und haben wir keine Angst, unser Leben an andere zu verschenken. Wie die Apostel schenken wir damit nämlich unser Leben Gott. Wir werden es in unendlich großem Maße zurückbekommen, wenn Gott uns am Ende unseres Lebens mit dem Siegeskranz ausstatten wird.
Heiliger Matthias, bitte für uns!

Ihre Magstrauss

Samstag der 4. Woche im Jahreskreis

1 Kön 3,4-13; Ps 119,9-10.11-12.13-14; Mk 6,30-34

1 Kön 3
4 So ging der König nach Gibeon, um dort zu opfern; denn hier war die größte Kulthöhe. Tausend Brandopfer pflegte Salomo auf jenen Altar zu legen. 

5 In Gibeon erschien der HERR dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll! 
6 Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt.
7 So hast du jetzt, HERR, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein. 
8 Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. 
9 Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? 
10 Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. 
11 Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, 
12 werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht. 
13 Aber auch das, was du nicht erbeten hast, will ich dir geben: Reichtum und Ehre, sodass zu deinen Lebzeiten keiner unter den Königen dir gleicht. 

Heute hören wir davon, wie Salomo Gott um die Gabe der Weisheit bittet. Er ist zu jener Zeit in Gibeon, wo es die größte Kulthöhe gab. Weil noch kein fester Tempel existiert, opfern Menschen auf solchen Höhen. Dort bringt Salomo nun 1000 Brandopfer dar.
In der Nacht spricht Gott zum König im Traum und gewährt ihm einen Wunsch. Statt sich aber Reichtum, Sieg über seine Feinde etc. zu wünschen, erbittet er von Gott ein weises Herz, da er in seinen jungen Jahren ein so großes Volk leiten muss. Er bittet um Gottes Gaben und erkennt an, was Gott für große Taten durch seinen Vater vollbracht hat. Er versteht, dass all der Erfolg König Davids durch die Beziehung mit Gott geschenkt worden ist.
Gott gefällt es, dass Salomo „diese Bitte aussprach“. Er sieht, dass Salomo frei von Habgier und Machtstreben ist. Das ist die beste Voraussetzung, ihn mit Charismen auszustatten.
An Salomo sehen wir, was auch am morgigen Sonntag thematisiert wird: Wenn wir mit reinem Herzen etwas erbitten, wird es uns gegeben. Er ist aufrichtigen Herzens, als er um Gottes Gaben bittet. Deshalb schenkt ihm Gott ein so weises Herz, wie es vor und nach ihm keiner hat/haben wird. Wir lernen heute noch etwas anderes: Salomo geht es zuerst um den Willen Gottes, den er als König Israels erfüllen möchte. Und deshalb gibt Gott ihm alles andere noch dazu, was Salomo gar nicht erbeten hat: Reichtum und Ehre.
Wenn wir uns als Kirche so, wie Jesus es dann auch erklärt hat, zuerst um das Reich Gottes bemühen, wird Gott uns alles andere dazu geben, was wir brauchen. Wenn also Christus die Mitte von Liturgie, Verkündigung und tätiger Liebe ist, wird dieser die Kirche versorgen mit allen materiellen und geistigen Gütern, derer sie bedarf – ob finanzielle Mittel, Kirchengebäude etc. oder geistliche Berufungen. Ein gutes Beispiel stellen Klöster dar, die aufgrund von knappen Finanzen anfangen, Yogakurse oder andere fernöstliche Praktiken anzubieten. Sie haben schon von vornherein verloren. Die Gnade ist verloren, ob es zu einem finanziellen Aufschwung kommt, ist auch die Frage. Neue Berufungen wird es jedenfalls davon nicht geben.
Es muss für jeden einzelnen Christen so wie für Salomo oberste Priorität sein, ein hörendes Herz von Gott zu erhalten. Wo der Einzelne Gott in die Mitte seines Lebens stellt und sich immer bemüht, seinen Willen zu tun, also seine Gebote zu halten, da wird dieser einem alles andere dazugeben. Wo es einem aber darum geht, möglichst viel Reichtum und Ansehen zu erhalten, verliert man die Gnade Gottes. Das Herz ist auch nicht aufrichtig, sondern voller Begierde. Aus so einem Herzen entspringt aber nichts Gutes, vor allem kein gutes moralisches Verhalten. Jesus fasst es dann so zusammen: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es finden (Mt 16,25). „Retten wollen“ ist dann eben dieses an sich Reißen von Gütern, die man sich selbst nimmt. Wir Menschen sind aber dazu gemacht, beschenkt zu werden. Was Jesus mit „verlieren“ meint, ist in diesem Fall der Verzicht auf oder die Freiheit von diesem selbst Ergreifen. Wenn der einzige Eifer der Eifer nach Gottes Liebe ist, dann wird dieser einem alles schenken. Er weiß nämlich, dass der Beschenkte die Güter nicht begehrt und deshalb missbraucht. Und so werden wir am Ende unseres Lebens entweder alles verlieren, weil wir schon zu Lebzeiten alles an uns gerissen haben, oder wir werden alles und noch viel mehr geschenkt bekommen, weil wir in unserem Leben nur eines begehrt haben – Gottes Liebe.

Ps 119
9 Wie geht ein junger Mann seinen Pfad ohne Tadel? Wenn er dein Wort beachtet. 

10 Ich suche dich mit ganzem Herzen. Lass mich nicht abirren von deinen Geboten!
11 Ich barg deinen Spruch in meinem Herzen, damit ich gegen dich nicht sündige. 
12 Gepriesen seist du, HERR! Lehre mich deine Gesetze! 
13 Mit meinen Lippen verkünde ich alle Entscheide deines Munds. 
14 Am Weg deiner Zeugnisse habe ich Freude, wie an jeglichem Reichtum. 

Der heutige Psalm reflektiert das richtige Verhalten und Bestreben Salomos. Er ist wie der hier genannte junge Mann, der „seinen Pfad ohne Tadel“ beschreitet. Oft wird das moralische Verhalten und der Lebenswandel des Menschen in der Bibel mithilfe der Wegmetapher umschrieben. Ein tadelloser Lebenswandel ist, Gottes Wort zu beachten, also seine Gebote zu befolgen. Das macht den Menschen gerecht vor Gott.
Dabei geht es nicht einfach nur darum, die Gebote um der Gebote willen zu halten, sondern darum, Gott „mit ganzem Herzen“ zu suchen. Eine Herzensangelegenheit hat dabei immer mit Liebe zu tun. „Lass mich nicht abirren von deinen Geboten!“ setzt nicht voraus, dass Gott uns Menschen zur Sünde verleitet, sondern es ist die Bitte vergleichbar mit der Vaterunser-Bitte „führe uns nicht in Versuchung“. Es geht darum, dass Gott einem die Kraft geben soll, auf dem Weg der Gebote zu bleiben. Es ist so wie im Vaterunser, wo Gott die Kraft geben soll, der Versuchung nicht zu erliegen.
Wenn der Psalmist hier betet „ich barg deinen Spruch in meinem Herzen“, dann erinnert es uns an Maria, die alles, was passiert ist, in ihrem Herzen bewahrte. Es ist, was jeder fromme Jude unter Gottesliebe versteht und was in Dtn 6,4-9 grundgelegt ist. Gottes Wille soll ins Herz eingeschrieben sein, denn aus dem Herzen entspringen die Gedanken, Worte und Werke des Menschen. Wer Gottes Gebote halten möchte, muss sie also im Herzen haben. Wenn das Herz voll Gottes ist, kann der Mensch nicht sündigen.
„Lehre mich deine Gesetze“ zeigt, dass Gott selbst uns schult. In erster Linie ist es eine Schule der Liebe. Dazu gehören auch die Versuchungen, die er zulässt (nicht, in die er selbst führt!). Er möchte, dass wir im Glauben gestärkt werden und unseren Egoismus immer mehr abbauen. So wandelt er uns immer mehr zu seinem Bild.
Was Gott uns lehrt, sollen wir mit unseren Lippen verkünden. Wir sollen seine Botschaft nicht für uns behalten. Jesus hat vor seinem Heimgang zum Vater seinen Aposteln diesen Sendungs- und Missionsauftrag gegeben.
Der letzte Vers deutet eine Mentalität an, wie wir sie bei Salomo heute gesehen haben: Für ihn sind die Zeugnisse Gottes (alternative Übersetzung ist „Vorschriften“) wichtiger als Reichtum. Weil er seine Prioritäten so gesetzt hat, dass Gott an erster Stelle steht, hat er auch den Reichtum erhalten. Gott an die erste Stelle zu setzen, ist auch für uns das erste Gebot. Es zählt zum ersten der zehn Gebote, Gott den ersten Platz im Leben, die höchste Priorität zu geben – als Kirche und als einzelner Christ.

Mk 6
30 Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. 

31 Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus! Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. 
32 Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. 
33 Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. 
34 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.

Heute hören wir im Evangelium, wie die zu zweit ausgesandten Apostel wiederkommen und Jesus von ihren Heilstaten berichten. Sie haben es mit eigenen Augen bezeugt, dass im Namen Jesu alles möglich ist. Der Geist Gottes ist es, der durch die von Christus Ausgesandten wirkt. Hier wird zwar nicht gesagt, welche Taten sie vollbracht haben, doch durch die vorausgegangene Beauftragung können wir darauf schließen, dass sie vor allem Exorzismen und Krankensalbungen vorgenommen haben.
Jesus möchte ihnen eine Chance zur Erholung geben. So möchte er mit ihnen an einen ruhigen Ort fahren. Evangelisierung ist ein aufwendiges Unterfangen, bei dem jene, die im Weinberg Gottes arbeiten, kaum Zeit für sich haben. Jesus fordert sie zur Ruhe auf, weil dies den zu dienenden Menschen nur zugute kommen kann. Was hilft es den Menschen, denen man helfen möchte, wenn man einen Schwächeanfall bekommt? So fahren sie mit einem Boot an einen verlassenen Ort, werden dabei jedoch gesehen. Als sie an dem Ort ankommen, haben sich schon viele Menschen aus umliegenden Städten dort versammelt.
Und weil er Mitleid mit ihnen hat, weil sie wie verlorene Schafe ohne Hirte sind, lehrt er sie lange. Das heißt, er nimmt sich zurück, weil er ein Herz für diese Menschen hat. Er nennt sich im Johannesevangelium den guten Hirten. Sie sind seine Schafe, um die er sich kümmern möchte. Ihm ist es wichtiger, ihnen geistige Nahrung und eine Perspektive zu geben, als sein eigenes Wohl vorzuziehen.
Was wir heute von Jesus lernen, ist die praktische Umsetzung dessen, was Salomo und auch der Psalm uns auf theoretischer Ebene gelehrt haben: Gott muss Priorität Nummer eins sein. Alles andere wird uns dazugegeben. Wenn wir unsere ganzen Ressourcen des Lebens in den Dienst Gottes investieren, wird er uns nicht nur das Gegebene zurückschenken, sondern viel mehr darüber hinaus. Die Hingabe ist die Erfüllung unseres Lebens, nicht die Selbstverwirklichung. Auch das praktische Tun muss dabei von einer Herzensreinheit ausgehen. Dies wird hier durch Jesu Mitleid ausgedrückt, das er mit den Menschen hat. Das griechische Wort σπλαγχνίζομαι splangchnizomai ist dabei entweder als „Mitleid haben“ oder „sich erbarmen“ zu übersetzen. Wir sollen in unserem Tun von der Barmherzigkeit Gottes geleitet sein.

Was wir heute in den Lesungen hören, ist die Priorisierung Gottes in unserem Leben. Einerseits soll er die erste Stelle in unserem Herzen einnehmen, andererseits davon ausgehend unsere Taten bestimmen. Mit anderen Worten: Wir hören heute, wie Gottes- und Nächstenliebe zueinander stehen: Wer Gott nämlich von ganzen Herzen liebt und ihm den ersten Platz im Leben gibt, dessen Herz ganz voll der Liebe Gottes ist, wird nicht sündigen, sondern den Nächsten lieben, wie sich selbst. Die Liebe, die wir unserem Nächsten also schenken, ist die Liebe, mit der uns Gott erfüllt (so wie es die Bevollmächtigung Jesu an seine Aposteln uns gezeigt hat). Dass wir bei der Nächstenliebe aber auch das richtige Maß einhalten sollen, um uns selbst nicht zu schädigen, sehen wir an Jesu Aufforderung an seine Jünger, sich auszuruhen.

Nehmen wir die Erklärung des Doppelgebots der Liebe ernst und richten wir unseren ganzen Lebenssinn auf das Reich Gottes aus, um das es immer zuerst gehen muss. Dann werden wir ein erfülltes und glückliches Leben haben.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 3. Woche im Jahreskreis

2 Sam 7,18-19.24-29; Ps 132,1-2.3 u. 5.11.12.13-14; Mk 4, 21-25

2 Sam 7
18 Da ging König David hin und setzte sich vor dem HERRN nieder und sagte: Wer bin ich, Herr und GOTT, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher geführt hast? 
19 Weil das in deinen Augen noch zu wenig war, Herr und GOTT, hast du dem Haus deines Knechtes sogar Zusagen für die ferne Zukunft gemacht. Ist das eine Weisung, wie sie einem Menschen zukommt, mein Herr und GOTT?
24 Du hast Israel auf ewig zu deinem Volk bestimmt und du, HERR, bist sein Gott geworden. 
25 Doch nun, HERR und Gott, verleih dem Wort, das du über deinen Knecht und über sein Haus gesprochen hast, für immer Geltung und tu, was du gesagt hast! 
26 Dann wird dein Name groß sein für ewige Zeiten und man wird sagen: Der HERR der Heerscharen ist Israels Gott! und das Haus deines Knechtes David wird vor deinen Augen Bestand haben. 
27 Denn du, HERR der Heerscharen, Gott Israels, hast deinem Knecht offenbart: Ich will dir ein Haus bauen. Darum fand dein Knecht den Mut, so zu dir zu beten: 
28 Ja, Herr und GOTT, du bist der einzige Gott und deine Worte sind wahr. Du hast deinem Knecht ein solches Glück zugesagt. 
29 So segne jetzt gnädig das Haus deines Knechtes, damit es ewig vor deinen Augen Bestand hat. Denn du, Herr und GOTT, hast es versprochen und mit deinem Segen wird das Haus deines Knechtes für immer gesegnet sein.

Heute hören wir in der Lesung ein wunderbares Herzensgebet Davids. Er schüttet Gott regelrecht sein Herz aus und wir erkennen darin eine ganz demütige Seele. David geht zum HERRN und setzt sich vor ihm nieder. Das heißt, er geht zum Tempel, dorthin, wo Gottes Herrlichkeit in der Bundeslade wohnt. Und er beginnt sein Gebet mit einer rhetorischen Frage: „Wer bin ich schon, dass du mich und meine Familie so weit gebracht hast?“ Das heißt nicht, dass er sich schlecht redet und sein Licht unter den Scheffel stellt, sondern dass er Gottes Wirken an ihm gewöhnlichen Menschen anerkennt. Wer ist er schon (für sich allein), dass Gott ausgerechnet ihn erwählt hat?
Wir Menschen müssen in unserem Leben erkennen, wie arm wir vor Gott sind. Nur dann können wir das Himmelreich erben (Mt 5,3). Alles Gute, das wir zustande bringen, haben wir Gott zu verdanken, der uns dazu befähigt. Wenn wir uns dessen immer bewusst sind, werden wir nie überheblich, auch nicht in unserem Erfolg. Dann werden wir selbst und die Menschen um uns herum immer die Gnade Gottes würdigen und erkennen, dass Gott in unserem Leben wirkt. Gewiss müssen wir selbst auch etwas tun, nämlich alles, was in unserer Macht steht. Dass wir dies aber tun können, ist wiederum seiner Gnade zu verdanken, die uns befähigt, mit Gott in Teamwork zu arbeiten. Auch gerade als Kirche dürfen wir nicht vergessen, dass wir ohne Gott sofort zerbrechen, nämlich wie eine Herde ohne Hirte, deren Tiere zerstreut werden. Dass wir eine Gemeinschaft von Gläubigen sind, haben wir Christus zu verdanken, der sie gestiftet hat. Unser ganzes kirchliches Leben muss aus Christus heraus vollzogen werden, damit es Bestand hat. Und nicht wir haben ihn erwählt, sondern er hat uns erwählt (Joh 15,6).
David dankt Gott für die ausführliche Verheißung, die ihm über Natan vermittelt worden ist. Er dankt ihm für die Zusagen auch in der Zukunft, die schon nicht mehr ihn selbst, sondern seinen Sohn betreffen. So ist Gottes Segen. Er geht immer über auf die nächsten Generationen. Das ist aber leider nicht nur mit Segen, sondern auch mit Fluch so. Wenn wir uns gegen Gott versündigt haben oder jemand uns Böses gewünscht hat, trifft es nicht nur uns, sondern auch unsere Nachkommen. Das heißt sie müssen wegen unserer Sünde leiden. Vergessen wir das nie, wenn wir meinen, unsere Sünden nicht bekennen zu müssen.
David bittet den HERRN daraufhin, sein Wort wirklich wahr zu machen. Das ist kein Ausdruck von Misstrauen. Wir wissen gerade von David, dass er ein ganz inniges Verhältnis zu Gott hatte und ihm immer ganz vertraut hat. David ist vielmehr davon überzeugt, dass er von Gott alles erbitten darf wie ein Kind auf dem Schoß des Vaters offen sprechen darf.
Der Name des HERRN wird dann groß sein, die Menschen werden so wie damals beim Auszug aus Ägypten den Gott Israels anerkennen, weil er so große Taten vollbracht hat.
David bekundet erneut, dass es für ihn nur den einen Gott gibt. Er bekundet seine Liebe einzig und allein dem Gott Israels und zeigt ihm, dass er ihm ganz glaubt.
Bemerkenswert ist der eine Satz, den man schnell überliest: „Deine Worte sind wahr.“ Er meint damit natürlich hier in diesem Kontext die Verheißungen, die er wahr werden lässt. Wir lesen dies aber noch viel tiefer. Die Worte Gottes sind zusammengefasst in einem einzigen Wort. Das erkennen wir, die wir das Johannesevangelium kennen, die wir vom Hl. Geist geleitet das gesamtbiblische Zeugnis lesen und verstehen. Jesus ist das WORT. Und er ist wirklich die Wahrheit (Joh 14,6). Wir verstehen schon christologisch, was König David noch gar nicht wissen konnte. Hier ist wieder mal der Hl. Geist im Spiel!
Zum Ende hin erbittet er den Segen Gottes auf sich und auf dem ganzen davidischen Haus. David versteht, dass sein ganzer Erfolg vom Segen Gottes abhängt. Das ist sehr vorbildlich. Auch wir können nur dann im Leben glücklich sein, wenn wir den Segen Gottes haben. Dann wird alles andere dazugegeben: ein guter Beruf, eine heile Familie, Frieden, Gesundheit etc. Das alles hängt davon ab, ob Gott seine „Hand über uns hält“. Das muss uns immer vor Augen stehen und deshalb sollen wir immer die Menschen um uns herum segnen, ihnen den Segen Gottes wünschen. Diesen haben wir aber nur dann, wenn unsere Beziehung zu ihm intakt ist, das heißt wenn wir seine Gebote halten und im Stand der Gnade sind (Dtn 11,26). Das bedeutet nicht, dass Gott Vorbehalte macht und seine Gnadenspendung an irgendwelche anspruchsvollen Bedingungen knüpft. Das heißt, dass wir Menschen die Gnadenmenge selbst entscheiden – je nachdem wie weit wir selbst uns von Gott entfernen. Gott ist immer derselbe. Er wartet geduldig Zuhause auf die Rückkehr seines rebellischen Sohnes/seiner rebellischen Tochter, die auszieht, um alles zu verprassen, nur um dann zu merken: „Ich bin ja gar nichts ohne meinen Vater. Nicht mal die Schoten für die Schweine darf ich essen.“ David ist ganz beim Vater und sagt ihm auch deutlich zu: Du bist der einzige für mich. Bitte segne mich.
Lernen wir von David, der so offen und vertrauensvoll mit Gott spricht. So muss Gebet sein. Es soll kein „Geplapper“ sein (das sagt übrigens nichts über die Quantität der Worte aus, sondern über die Qualität), bei dem das Herz und die Gedanken ganz weit weg sind. Es ist vielmehr ein Ausschütten des Herzens und ein Sitzen auf dem Schoß des Vaters. Gott zögert nicht, uns ganz mit seiner väterlichen – und mütterlichen! – Liebe zu umfangen, zu erfüllen, zu ermutigen. So werden wir verwandelt und gehen als neue Menschen aus dem Gebet heraus.
Das gilt nicht nur für Einzelmenschen, sondern für die gesamte Kirche. Wir werden Christus immer ähnlicher, wenn wir das Herz der Kirche immer mehr dem Herrn öffnen. Das Stichwort ist die Eucharistie. Wo sie nicht mehr gefeiert wird, stoppt auch der größte Gnadenstrom. Ohne diesen stirbt aber die Kirche. Deshalb beten wir auch so intensiv um geistliche Berufungen. Ohne Priester können wir keine Eucharistie mehr feiern.
Lassen wir uns heute von David motivieren, selbst so bei Gott zu sitzen, vor allem im ausgesetzten Allerheiligen. Da spüren wir am meisten, wie er uns direkt anschaut. Er hört uns zu und wir können ihm alles sagen. Erzählen wir ihm von unserem Tag, danken wir ihm für alles Gute und bitten wir ihn um seinen Segen für unser ganzes Leben. Und wenn wir dann still werden und ihm zuhören, antwortet er unserem Herzensgebet auch.

Ps 132
1 Ein Wallfahrtslied. Gedenke, HERR, zugunsten Davids all seiner Mühen,
2 wie er dem HERRN geschworen, gelobt hat dem Starken Jakobs: 
3 Nicht will ich das Zelt meines Hauses betreten noch zum Ruhen mein Lager besteigen,
5 bis ich für den HERRN eine Stätte finde, Wohnung für den Starken Jakobs.
11 Der HERR hat David Treue geschworen, nicht wird er von ihr lassen: Einen Spross deines Leibes will ich setzen auf deinen Thron. 
12 Wenn deine Söhne meinen Bund bewahren, mein Zeugnis, das ich sie lehre, dann sollen auch ihre Söhne auf deinem Thron sitzen für immer.
13 Denn der HERR hat den Zion erwählt, ihn begehrt zu seinem Wohnsitz:
14 Das ist für immer der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen, ich hab ihn begehrt.

Wir beten heute ein Wallfahrtslied, weil es in der Lesung um das Gebet im Tempel geht. Die Gruppe der Wallfahrtspsalmen haben den gemeinsamen Kern, um Segen zu bitten. Deshalb passt er heute ganz besonders gut als Antwort auf die Lesung. Er hat wiederum viele Verse, deren geistlicher Sinn besonders christologisch ist.
Auch im Psalm geht es um die Bitte um den Segen Gottes. Gott wird daran erinnert, was er David versprochen hat. Der Beter – das sind die Wallfahrer nach Jerusalem zu den großen Wallfahrtsfesten – bekunden, dass sie alles daran setzen werden, Gott ein Haus zu bauen. Damit ist der Bau des Tempels in Jerusalem gemeint. Im Sinne Davids beten die Psalmisten, dass sie dadurch Gott die ihm gebührende Ehre geben wollen.
In Vers 11 wird daran erinnert, dass Gott David die Treue geschworen hat – dies ist uns gestern durch den Propheten Natan bekannt geworden. Mit dem „Spross deines Leibes“ ist Salomo gemeint, der leibliche Sohn Davids. Dieser soll den Königsthron besteigen, wenn sein Vater dahinscheidet. Die Metaphorik erinnert an Jesaja, dessen Verheißung 300 Jahre später kommt. Auch dort wird ein Spross dieser Familie vorausgesagt, der auf König Hiskija hindeutet. Wir lesen beide Stellen schon christologisch: Der „Spross des Leibes“ ist mehr als nur ein König. Es ist der Sohn Davids, Christus. Ebenso ist Jesajas Prophetie über König Hiskija hinauszugehen, denn der „Spross aus der Wurzel Isai“ ist der Sohn Davids, Christus. Darin wird die Verheißung und das Heil Gottes vervollkommnet. Dieser König ist nicht von dieser Welt und doch der König aller Könige. Hier geht es um mehr als nur ein irdisches „Glück“. Es geht um das Heil des Volkes in Ewigkeit.
Und in Vers 12 wird dieser Ewigkeitsgedanke besonders deutlich: Wenn die Söhne den Bund bewahren, werden auch sie, dann werden auch ihre Nachkommen auf dem Thron sitzen für immer. Das betrifft auch uns heute – denn das Sitzen auf dem Thron ist dann anagogisch zu verstehen als „Sein bei Gott“. Wenn wir den Bund mit Gott bewahren, also die Taufgnade nicht verspielen und im Stand der Gnade sterben, dann werden auch wir wie die 24 Ältesten und wie die Mutter Gottes im Himmel „thronen“.
Der HERR hat den Zion erwählt – natürlich nicht den Berg, sondern das meint sinnbildlich Jerusalem und das dortige Heiligtum. Denn der Tempel ist der Wohnsitz Gottes auf Erden. Wenn wir den nächsten Vers hinzuziehen, merken wir aber, dass es über die wörtlich-historische Bedeutung hinausgeht. „Für immer“ könnte im Kontext eines Liedes natürlich auch einfach ein rhetorisches Stilmittel sein. Der tiefere Sinn dahinter ist aber, dass „Zion“ und „Wohnsitz“ noch weitere Bedeutungen hat: Gott hat sich nämlich auf Erden als Wohnsitz eine Frau erwählt, durch die er in die Welt hineingeboren würde, Maria. Sie ist der Zion, der Berg, von dem die Weisung ausgeht, wie wir im Advent gehört haben. Sie wird zum Wohnsitz Christi, der neun Monate in ihrem Leib heranwächst. Maria ist Archetyp der Kirche. Diese ist der Wohnsitz Gottes auf Erden seit dem Neuen Bundesschluss. Diese hat Gott sich wirklich ausgesucht. Christus hat sich die Jünger ausgesucht, er hat ihnen aufgetragen, wie SEINE Kirche sein soll. Petrus soll der Fels sein, auf dem sie errichtet ist. Kirche ist von Christus gestiftet, nicht von Menschen selbstgemacht. Und deshalb sagt Jesus ihr auch zu: „Das ist für immer der Ort meiner Ruhe.“ Seine reale Gegenwart ist für immer gegeben. Er ist in seiner Kirche gegenwärtig, wie er als Mensch auf Erden gewandelt ist. Er besitzt jetzt nur eine andere Gestalt.
Wir müssen es auch auf jeden einzelnen Menschen beziehen. Gott hat jeden Menschen als sein Abbild geschaffen, er hat jeden Menschen erwählt, sein Kind zu sein. Jene, die dem Ruf folgen und zum Glauben an ihm kommen, lassen sich taufen und nehmen somit den Neuen Bund an. Gott nimmt von da an Wohnung in ihrem Herzen, der der Tempel des Hl. Geistes ist. Dieser Bund ist ewig und Gott ist treu. Er verlässt den Menschen niemals. Jesus hat uns vor seiner Himmelfahrt versprochen: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).
Das Ganze ist vor allem anagogisch zu verstehen, was wir an den Stichworten „für immer“ und „Ruhe“ erkennen können. „Zion“ ist das Himmelreich. Es ist der „Wohnsitz“ Gottes und der Ort der Ruhe. Diese ist eine Frucht des Hl. Geistes. Nicht umsonst wird die Ewigkeit als ein ewiger Sabbat umschrieben. Und deshalb beten wir auch für unsere Verstorbenen: „Herr, gib ihm/ihr die ewige Ruhe.“

Mk 4
21 Er sagte zu ihnen: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter?

22 Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. 
23 Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er! 
24 Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. 
25 Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Gestern hörten wir im Evangelium von dem Gleichnis vom Sämann. Heute setzt sich die Gleichnisserie fort. Jesus geht es bei dem Gleichnis vom Sämann ja um die richtige Herzenshaltung der Menschen, um ihre Empfängnisbereitschaft des Samens Gottes, den er in seinem Wort ausstreut. Heute erklärt er anhand eines weiteren Bildes, wie das Hören funktioniert, von dem gestern auch die Rede war.
Jetzt kommt genau das Bild, das wir vorhin bei David ganz klar ausgeschlossen haben: Das Licht stellt man nicht unter den Scheffel oder unter das Bett. Es gehört auf den Leuchter. Ganz logisch. Wie ist das zum Gleichnis vom Sämann in Beziehung zu setzen? Das Licht, das entzündet wird, ist ein anderes Bild für den Samen. Es ist das Wort Gottes, das dem Menschen verkündet wird. Der Vorgang des Entzündens ist diese Verkündigung. Was nun mit diesem Licht gemacht wird, sind die verschiedenen Böden, auf die der Same fällt. Der Scheffel, von dem hier die Rede ist, ist eigentlich ein Hohlmaß jener Zeit. Man benutzt es auch für Gefäße, die dieses Maß besitzen. Hier ist also ein Gefäß gemeint, das man über das Licht stülpt. Wenn man dies tut, wird das Licht ja gelöscht. Dieses Bild ist also vergleichbar mit dem Dornengestrüpp oder der sengenden Hitze der Sonne aus dem ersten Gleichnis. Stellt man es dagegen auf den Leuchter, leuchtet es allen im Haus. Mit diesem Gleichnis wird das rechte Hören noch weitergeführt. Es stellt eine Weiterentwicklung dar. Es geht nicht mehr nur darum, dass man das Wort Gottes in sich aufnimmt und es in sein eigenes Denken, Sprechen und Handeln übernimmt, sondern dass man es auch weitergibt an andere! Das Licht soll auch anderen leuchten, sie wärmen, ihnen Hoffnung schenken. Gott entzündet uns nicht für uns selbst, sondern dass wir weitergeben. An anderer Stelle sagt Jesus „umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). Das Fließen der Gnade gerät ins Stocken, wo wir sie für uns behalten. Nur wenn wir weitergeben, wird uns noch mehr und noch mehr gegeben ohne Ende.
Das wird uns am Ende des Evangeliums noch beschäftigen. Doch zunächst zu diesem Vers: Jesus begründet auch damit, dass nichts Geheimes geheim bleibe, dass alles ans Licht komme. Das ist in diesem Kontext weniger als Drohung gemeint, vielmehr als positive Konsequenz des Lichtes (natürlich sagt die Bibel auch, dass alle Geheimnisse offenbar werden, auch gerade die bösen Dinge. Hier in diesem Kontext geht es aber nicht darum). Es ist zu vergleichen mit dem Bild der Stadt auf dem Berg. Sie kann nicht verborgen bleiben (Mt 5,14). Wer durch die Gnade Gottes glänzt, die ins Herz eingepflanzt ist, kann nur auffallen. Je dunkler es um einen herum ist, desto heller erscheint das Licht auf dem Leuchter. Wir sollen dieses Licht auf dem Leuchter sein, das anderen Menschen strahlt. Wir sollen also zum Wort Gottes stehen, das heißt wir sollen zu Christus stehen. Nicht nur im Kämmerlein, sondern offen. Wir sollen nicht so feige sein, in einer Gruppe zu schweigen, wenn Jesus gelästert wird. Dann sollen wir mutig sein und für ihn einstehen. Wenn wir sehen, dass alle um uns herum gegen die Gebote verstoßen, die Liebe nicht leben, dann sollen wir nicht mitziehen, sondern dennoch zu Christus stehen. Das wird auffallen und zwar nicht immer nur positiv. Es wird viel gesellschaftlichen Druck geben, Druck von Freunden, von Familie. Aber es wird auch Menschen geben, die es berührt und die dadurch wiederum zum Glauben kommen. Wir entzünden Menschen also nicht nur durchs Predigen – und es gibt wirklich viele, die alle Menschen durch langes Einreden und mit hundert Bibelstellen bekehren wollen, am besten noch heute. Es ist wichtig, das Evangelium zu verkünden, aber das Entscheidende, das Menschen zum Glauben bringt, ist das gelebte Evangelium. Wir sehen es an Christus. Aus ganz Israel reisen die Menschen zu ihm wegen der Dinge, die er GETAN hat. Durch unser Verhalten geben wir das stärkste Zeugnis, das die anderen Menschen „entzündet“ und den „Samen Gottes ausstreut“. Wenn sie dann nachfragen, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.
Dann erfolgt wieder das oft formulierte Wort „Wer Ohren hat, der höre.“ Was damit gemeint ist, erklärte ich in meinem gestrigen Post, schauen Sie dort gerne vorbei! Es ist ein Hinhören und ein auf ihn Hören, das das gehorsame Befolgen des Willens Gottes mit einschließt.
„Achtet auf das, was ihr hört“ ist etwas unglücklich übersetzt. Wörtlich steht da eigentlich „seht, was ihr hört“. Es bekräftigt den vorherigen Vers. Wir sollen das Gehörte wirklich beachten im Sinne von befolgen. Wir sollen es vor Augen haben. Je nachdem, wie wir das Gehörte annehmen, werden wir gerichtet. Das Maß, mit dem wir messen, wird an uns angelegt. Wir verstehen das in dem Kontext richtig, wenn wir das zweite Verb beachten, das hier steht. Es geht nicht nur ums Messen, sondern auch ums Dazugeben (das griechische Verb ist προστίθημι prostithemi „dazugeben, hinzufügen“). Das ist so zu verstehen, wie ich es vorhin mit dem Fließen des Gnadenstroms umschrieben habe. Je nachdem, wie viel ich in mich aufnehme von der Gnade Gottes (Same/Licht) und an andere weitergebe (Licht auf dem Leuchter, dass es allen leuchte im Haus!), so viel wird mir wiederum dazugegeben. Es kommt immer nach wie ein nie endender Strom einer unversiegbaren Quelle. So ist der Hl. Geist, das lebendige Wasser. Was wir bekommen, geben wir weiter. Und so bekommen wir immer mehr, um es noch mehr weiterzugeben.
Wenn wir das erstmal richtig verstanden haben, wird uns auch der letzte Vers aufgehen: „Wer hat“ meint in diesem Kontext dann „wer den Samen/das Licht hat“. Wer sich entzünden ließ und das Licht auf den Leuchter stellte, wer den Samen in sich aufgenommen hat, wachsen ließ und Früchte trug, bekommt noch mehr. „Wer aber nicht hat“, das heißt kein Licht und keinen Samen, also den Scheffel darüberstülpte, den Samen verdorren/absterben ließ, dem wird auch noch weggenommen was er hat. Was kann er denn noch haben, wenn er beides verstreichen ließ? Den Zugang zum Gnadenstrom. Dieser stoppt, wo man einen Damm baut. Die Seele ist kein reißender Fluss mehr, sondern wird zu einem Stausee, dessen Wasser verfault und stinkt, weil es abgestanden ist. Es fließt keine Gnade mehr – und ich wiederhole, was ich oben gesagt habe: nicht wegen Gottes Begrenztheit, sondern weil MAN SELBST den Staudamm errichtet hat.

Wir können Lesung und Evangelium absolut zusammen lesen. David versteht, dass er ohne die Gnade Gottes überhaupt nicht weit kommt. Er erbittet Gottes Segen und bekundet ihm ganz deutlich, dass er sich ganz zur Verfügung stellt. Er betont Gott gegenüber auch, dass er der Einzige für ihn ist. Somit räumt David alle „Äste, jeden Dreck, Stein, Schlamm etc.“ aus dem Weg, dass der Gnadenstrom ganz und gar unverhindert fließen kann. Und David weiß, dass alles Gute, was er bisher erreicht hat, diesem Gnadenstrom Gottes zu verdanken ist. Es ist gleich der erste Satz, den er betet.
Und Jesus lädt seine Jünger damals und uns heute dazu ein, es David gleichzutun. Hüten wir uns davor, Staudämme zu errichten und die Gnade Gottes schön für uns selbst auszukosten. Hüten wir uns davor, den Hl. Geist in uns auszulöschen. Dies kommt einem seelischen Selbstmord gleich. Das wird Jesus an anderer Stelle noch mit dem Gleichnis der Talente verdeutlichen. Was Gott uns geschenkt hat, darüber haben nicht wir zu verfügen, sondern er. Wir haben gar kein Recht, die Begabungen, die er uns geschenkt hat, zu vergraben, absterben zu lassen. Diese sind da, um ANDEREN zu dienen. Wir sollen uns auch nicht anmaßen, diese Begabungen als unser eigenes Verdienst anzusehen. Bevor wir uns versehen, werden sie uns weggenommen. Ich habe selbst so etwas in meinem Umfeld gesehen. Da war z.B. eine Frau, die eine wunderschöne Stimme von Gott bekommen hat. Diese gab er ihr natürlich, damit sie ihn lobt und preist und die Menschen im Herzen berührt, dass auch sie Gott loben und preisen. Sie hat sich aber mit der Stimme selbst gerühmt. Was ist passiert? Sie wurde sehr krank und verlor ihre Stimme. Sie selbst hat erkannt, warum das passiert ist, und sagte mit eigenen Worten zu mir: „Das hat Gott zugelassen, weil ich mich mit Gottes Federn geschmückt habe. Ich habe nicht richtig verwendet, was er mir ausgeliehen hat.“ Sie bereute alles, kehrte um und siehe da, ihre Stimme kehrte mit den Jahren teilweise zurück. Von da an sang sie nur noch für Jesus.
Was Gott uns an Gnade schenkt, ist in sein Werk zu investieren, nicht für unsere Selbstbeweihräucherung. Und wenn wir zurückschauen auf unser Leben, dann sehen wir, wie viel Gott durch uns bewirkt hat. Dann können auch wir nur sagen: „Wer bin ich, dass du mich und mein Haus so weit hast kommen lassen?“

Hören, aufnehmen, fruchtbar sein, abfärben auf unseren Nächsten. Das ist die Art und Weise, wie wir evangelisieren sollen. Der Gnadenstrom wird dann nie enden. Wenn wir die Reihenfolge umdrehen, funktioniert es aber nicht mehr. Zuerst auf Gott hören und sich selbst verwandeln lassen. Dann kann man auch die anderen verwandeln. Aktivismus ohne eigenes Brennen führt ins Nirgendwo. Das sollten wir in der Pastoral immer wieder beherzigen.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 16,1-13; Ps 89,20-21.22 u. 29.27-28; Mk 2, 23-28

1 Sam 16
1 Der HERR sagte zu Samuel: Wie lange willst du noch um Saul trauern? Ich habe ihn doch verworfen; er soll nicht mehr als König über Israel herrschen. Fülle dein Horn mit Öl und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen. 

2 Samuel erwiderte: Wie kann ich da hingehen? Saul wird es erfahren und mich umbringen. Der HERR sagte: Nimm ein junges Rind mit und sag: Ich bin gekommen, um dem HERRN ein Schlachtopfer darzubringen.
3 Lade Isai zum Opfer ein! Ich selbst werde dich dann erkennen lassen, was du tun sollst: Du sollst mir nur den salben, den ich dir nennen werde.
4 Samuel tat, was der HERR befohlen hatte. Als er nach Betlehem kam, gingen ihm die Ältesten der Stadt zitternd entgegen und fragten: Bedeutet dein Kommen Frieden? 
5 Er antwortete: Frieden. Ich bin gekommen, um dem HERRN ein Schlachtopfer darzubringen. Heiligt euch und kommt mit mir zum Opfer! Dann heiligte er Isai und seine Söhne und lud sie zum Opfer ein.
6 Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem HERRN sein Gesalbter. 
7 Der HERR aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht das Herz. 
8 Nun rief Isai den Abinadab und ließ ihn vor Samuel treten. Dieser sagte: Auch ihn hat der HERR nicht erwählt. 
9 Isai ließ Schima kommen. Samuel sagte: Auch ihn hat der HERR nicht erwählt. 
10 So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der HERR nicht erwählt. 
11 Und er fragte Isai: Sind das alle jungen Männer? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. 
12 Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war rötlich, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der HERR: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. 
13 Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN war über David von diesem Tag an. Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück.

Heute hören wir davon, dass nun der König gesalbt wird, den Gott eigentlich für das Volk Israel auserwählt hat – David, den Sohn Isais aus dem Stamm Juda. Schon im Pentateuch, in den fünf Büchern Mose ist es angedeutet worden, dass der verheißene Herrscher aus dem Stamm Juda kommen würde. Nun ist die Zeit gekommen, die Gott für das Volk ausersehen hat.
Samuel schmerzt die Sache mit Saul offensichtlich länger als uns durch die Texte bisher vermittelt worden ist. Gott tröstet ihn über Saul hinweg, indem er ihn auf die Zukunft verweist. Er soll den verheißenen König salben, der in Bethlehem wohnt. Gott sagt ihm aber nicht, welchen der Söhne Isais er auserwählt hat. Samuel hat Bedenken, weil Saul ja noch amtierender König ist und er durch die Salbung eines anderen seinen Zorn auf sich ziehen wird. Gott beschützt den Propheten aber und trägt ihm auf, er solle ein Schlachtopfer zum Vorwand nehmen. So zieht Samuel zu Isai und lädt diesen zum Opfer ein zusammen mit den Ältesten der Stadt.
Dann beginnt ein amüsantes Zwiegespräch zwischen Samuel und Gott, während er Isais Söhne sieht und überlegt, welchen von diesen Gott salben möchte. Gott erklärt Samuel dann, dass er nicht auf das Aussehen der Söhne achten soll. Gott sieht auf das Herz und entscheidet daran. Das ist ein wichtiges Wort auch für uns heute: Gott sieht auf das Herz des Menschen und richtet ihn danach am Ende seines Lebens. Was auch immer der Mensch nach außen hin vorgibt, selbst das Halten der Gebote, es stellt sein Gerechtsein vor Gott nicht sicher, wenn das Halten der Gebote nicht mit der rechten Absicht geschieht. Und umgekehrt ist nicht jeder Mensch, der nach außen hin für andere erkennbar etwas Böses tut, automatisch schlechter vor Gott als der Urteilende, der diese Sünde vielleicht nicht begeht. Gott allein sieht die Herzen der Menschen und ihm allein steht das Urteil zu. Vielleicht ist der offensichtliche Sünder echter und demütiger, reumütiger und bemühter, Gottes Willen zu tun als der versteckte Sünder, dessen Inneres ganz verdorben, unbußfertig und selbstgerecht ist. Wir sehen es ja nicht. Deshalb sagt Jesus: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“
Samuel hält ein regelrechtes Casting ab, bei dem er sieben Söhne begutachtet. Gott gibt ihm aber zu verstehen, dass keiner von ihnen der Erwählte ist. Der Gewollte hütet die Schafe. Er ist ein Hirte. DAS, meine Lieben, ist wiedermal ein schöner Aha-Effekt. Bei Gott gibt es keine Zufälle. NATÜRLICH ist der beste Herrscher derjenige, der zuvor Schafe gehütet hat. Dieser Spross aus der Wurzel Isai, David, wird zum Typos Christi, der antitypisch dann erklären wird: „Ich bin der gute Hirte.“ Und die Fortsetzung dieses Hirtentums sehen wir bis heute in der Kirche, deren Hirten die Bischöfe sind, deren Helfer Pastoren genannt werden, das lateinische Wort für „Hirte“.
Samuel zögert nicht und salbt den Jungen vor den Augen seiner Brüder. Der Geist Gottes, der mit der Salbung gegeben wird, bleibt von da an auf David. Wir werden die nächsten Tage weiter von diesem Erwählten hören.

Ps 89
20 Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen: Einem Helden habe ich Hilfe gewährt, einen jungen Mann aus dem Volk erhöht. 
21 Ich habe David, meinen Knecht, gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt. 
22 Fest wird meine Hand ihn halten und mein Arm ihn stärken. 
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung. 
28 Ja, zum Erstgeborenen mache ich ihn, zum Höchsten unter den Königen der Erde.

Der Psalm reflektiert die heutige Lesung wunderbar. Wir müssen uns ja auch bewusst sein, dass die Psalmen von König David gedichtet worden sind. Er reflektiert sich und sein Leben in den Psalmen besonders intensiv.
Die Frommen, von denen hier in Vers 20 die Rede ist, können wir mit Blick auf die Lesung unter anderem auf Samuel beziehen. Diesem hat Gott eingegeben, dass er nun den echten Kandidaten gesalbt haben möchte. David bezeichnet sich selbst hier als „Held“, was aber kein Hochmutzeichen ist. Vielmehr bezieht er es zurück auf Gott, der ihn zum Helden gemacht hat. Er ist noch jung, wie er sich selbst hier nennt. Das hebräische Wort בָח֣וּר bachur bezeichnet dabei einen unverheirateten jungen Mann im heiratsfähigen Alter. Es ist nicht zufällig, dass Gott ihn in diesem Zustand beruft. Auch dies hat eine pädagogische Bedeutung, auch wenn ein Zölibat hier noch nicht gefordert wird. Gott beruft den Herrscher Israels so, dass dieser sich ganz an Gott bindet, ohne gleichzeitig an eine Frau gebunden zu sein. Das soll den Menschen als Zeichenhandlung dienen.
Jesus selbst wird sich dauerhaft „zum Eunuchen machen um des Himmelreiches willen“, d.h. zeitlebens enthaltsam bleiben. Darin ist er nicht nur die antitypische Entsprechung Davids, sondern überbietet diesen auch. Dass Davids Ehelosigkeit eine Rolle in der Gottesbeziehung spielt, sehen wir an seinem innigen, vertrauten Verhältnis zum Herrn. Davon werden wir die Tage noch aus dem ersten Samuelbuch hören, davon zeugen aber auch die Psalmen.
David wurde „gefunden“ und mit Öl gesalbt. Das wird uns in der Lesung heute berichtet. Erst musste Samuel seine ganzen Brüder prüfen, bis er darauf kam, dass der Richtige gar nicht anwesend ist.
Durch die Salbung ist David gestärkt und wird getragen von der Hand Gottes, wie es Vers 22 voraussagt (hier stehen Zukunftsformen).
„Auf ewig“ bleibt der Bund, den Gott mit David schließt. Auch wenn er Gott enttäuschen wird, bleibt Gott treu. Man könnte fragen: Warum wird David vergeben und Saul wird verworfen? Der Unterschied besteht darin, dass David seine Sünde direkt bereut und sich um Versöhnung mit Gott bemüht. Saul sieht seine Schuld gar nicht ein. So ist es auch bei uns: Mag die Sünde noch so schwerwiegend sein. Gott vergibt einfach alles, was wir von Herzen bereuen. Wir müssen seine Barmherzigkeit dafür aber annehmen. Wo wir sie ablehnen, stellen wir uns selbst in den Weg. Das wird Jesus dann „Sünde gegen den Hl. Geist“ nennen. Gott verwirft also eigentlich niemanden, sondern der Mensch verwirft sich selbst, indem er sich aufgibt.
David ist so fromm, dass er ganz „fortschrittlich“ in seiner Gottesbeziehung ist. Darin ist er absoluter Typos Christi. Er nennt Gott nämlich seinen Vater, was sonst bezeichnend für Jesus sein wird.
Dies ist mehr als nur wörtlich zu lesen. Das sehen wir sofort. Hier müssen wir schon Jesus selbst dahinter sehen, der Gott seinen Vater nennt, der der Erstgeborene ist.
Die Verheißung des Erstgeborenenrechts ist ein wichtiger Hinweis, den wir beachten müssen. Wir hören ja in der Lesung, dass David eigentlich der Jüngste ist. Nach jüdischem Recht hat er also nicht die Privilegien seines ältesten Bruders. Doch Gott verheißt ihm ein derartiges „Erstgeborenenrecht“, das über die biologische Dimension hinausgeht. Er wird zum Erstgeborenen der Könige Israels. Gott zählt Saul also nicht einmal in der Reihe der Könige auf. Er ist ganz ausgelöscht aus Gottes „Gedächtnis“. David wird zum Höchsten der Könige der Erde, weil er ein gerechter Herrscher, ein durch und durch frommer Jude und der Begründer der davididischen Dynastie ist. Auch hier dürfen wir schon mehr erkennen als nur die historische Figur Davids: Jesus wird der eigentliche „Höchste der König der Erde“ sein. Vor ihm werden die Weisen aus dem Morgenland in die Knie gehen und wie Paulus es im Philipperhymnus sagt, jedes Knie sich beugen, jeder Mund bekennen, dass er der Herr ist.

Mk 2
23 An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab. 
24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat nicht erlaubt. 
25 Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten, 
26 wie er zur Zeit des Hohepriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab? 
27 Und Jesus sagte zu ihnen: Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.
28 Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Auch im Evangelium gibt es einen Verweis auf König David und dessen inniges Verhältnis zu Gott. Die Pharisäer stören sich erneut an Jesu Verhalten bzw. an dem seiner Jünger: Sie wagen es, am Sabbat Ähren vom Feld zu pflücken und zu essen. Warum tun sie das überhaupt? Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs und da bekommt man eben Hunger. Sie müssen etwas essen, deshalb bedienen sie sich an den Ähren. Das hat auch nichts mit Stehlen zu tun, wie man jetzt vielleicht daraus schließen könnte. Laut Dtn 23,26 ist es erlaubt, mit der Hand Ähren vom Feld eines anderen zu pflücken. Jesus und seine Jünger sind stets unterwegs. Sie haben keinen festen Wohnsitz und führen ein anderes Leben als die anderen. Sie müssen irgendwann essen und somit erlaubt Jesus ihnen auch das Essen von den Ähren.
Als sie dafür von anderen kritisiert werden, verweist Jesus auf König David und seine Begleiter, die sogar die Schaubrote im Offenbarungszelt essen, die eigentlich nur für die Priester gedacht sind. Was Jesus durch diesen Verweis sagen möchte, ist: Es gibt Gebote nicht dafür, dass wir eingeschränkt werden. Sie sollen uns ja in die Freiheit führen. Wenn Jesus den Sinn von Geboten erklärt, hat das höchste Autorität. Er ist Gott und erklärt den Menschen höchstpersönlich, warum er die Gebote den Menschen überhaupt gegeben hat! Die Sabbatruhe ist nicht dafür da, dass man verhungert (auch nicht, dass jemand an einer Krankheit stirbt, wenn man ihn nicht heilt). Er ist dafür da, damit wir mehr Zeit für das Gebet und die Beziehung mit Gott haben. Die Kritik der Menschen geht also an dem Sinn der Sabbatruhe vorbei. Seine Jünger werden ihre Gottesbeziehung nicht weniger verinnerlichen können, nur weil sie eine Mahlzeit zu sich genommen haben. Im Gegenteil: Sie folgen Jesus nach, durch den sie eine ganz innige Beziehung zum Herrn lernen. Aber auch heute sehen wir, dass die Menschen Jesus als Messias und Gott nicht erkennen. Sie sehen nicht, dass er schon längst mitten unter ihnen ist. Sie verstehen dadurch auch nicht, wenn Jesus sagt: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat. Gott ist höher als seine gegebene Torah.
Auch hier lernen wir, worum es eigentlich gehen sollte: um die Beziehung zu Gott. So wie König David ganz nah an Gottes Herz hing, sollen auch die Juden zur Zeit Jesu leben. Schließlich ist die Motivation für das Halten der Gebote Gottes die Liebe zu ihm. Den Kritikern Jesu geht es aber nicht um Beziehung, um Liebe oder sonst etwas. Ihnen geht es um das Halten der Gebote um der Gebote selbst willen. Sie sind so beschäftigt damit, in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit und der Buchstabentreue zu verbleiben, dass sie das Heil direkt vor ihren Augen nicht erkennen. Ja noch schlimmer – sie verwehren es auch noch jenen, die sie wie eine Torah-Polizei verurteilen. Sie lassen sich nicht belehren, auch nicht von Gott selbst. Aber Jesus sieht ihr Herz und gibt durch seine Erklärungen immer wieder die Chance, es zu verstehen. Er liebt auch die Pharisäer von ganzem Herzen und möchte ihnen helfen. Er sieht, dass die Pharisäer zwar kritisieren, aber selbst die absolut strikte Sabbatruhe nicht nutzen, um ihre Beziehung zum Herrn zu vertiefen.

Die Gebote Gottes sollen uns in die Freiheit führen, die wahre Freiheit(von der Sünde!) und nicht in die Anarchie. Und doch dürfen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht übersehen. Besinnen wir uns immer wieder darauf, warum und wofür die Gebote Gottes gegeben sind – ihn zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Wo die Liebe nicht mehr Antrieb ist, wird unser Verhalten unfruchtbar und unser Herz entfernt sich von Gott. Orientieren wir uns an Menschen wie König David, die mit so kindlichem Vertrauen und inniger Liebe für Gott gebrannt haben. Dann werden wir nicht nur die Gebote halten, sondern sie mit Liebe halten.

Ihre Magstrauss

10. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 4,19-5,4; Ps 72,1-2.14-15bc.17; Lk 4,14-22a

1 Joh 4
19 Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 

20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. 
21 Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.
1 Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott gezeugt und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist. 
2 Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben: wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen. 
3 Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. 
4 Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.

Was die letzten Tage im ersten Johannesbrief besprochen worden ist, wird heute unter anderem wiederholt. Es geht hier um einen Brief. Johannes möchte die wichtigen Aussagen hervorheben, damit sie sich den Adressaten gut einprägen. Deshalb greift er erneut auf, dass unsere Liebe immer Konsequenz des zuerst Geliebtseins von Gott ist.
Er bringt dann ein Negativbeispiel, dass diese Kernaussage verdeutlicht und auch die Linie von der Gottesliebe(serwiderung) zur Nächstenliebe zieht. Dabei ist diese Bezugslinie unterbrochen: Wer behauptet, Gott zu lieben, aber seinen Bruder hasst (also den Nächsten allgemein), lügt. Die Bezugslinie ist ja Gottesliebe -> Nächstenliebe. Die echte Agape (die übernatürliche Liebe) speist sich ja aus der Gottesliebe. Wenn jemand seinen Nächsten hasst, hat er diese Gottesliebe also nicht, sondern behauptet das nur. Gestern haben wir ja gelernt, dass die Liebe, die wir anderen schenken, eigentlich Gott ist, der den Anderen in dem Moment liebt. Johannes argumentiert heute sehr treffend: Wie wollen wir denn den unsichtbaren Gott lieben, wenn wir es mit den direkt um uns stehenden Sichtbaren nicht einmal auf die Reihe bekommen?
Also schließt Johannes das vierte Kapitel noch einmal mit dieser Bezugslinie ab: Wer Gott liebt, muss auch den Nächsten lieben. Warum ist das eigentlich so? Liebe ist immer etwas, dass überläuft, etwas Maßloses, das die Grenzen überschreitet. Deshalb gibt es uns Menschen überhaupt. Gott hätte sich der Zeit selbst genügen können, da er in seiner Dreifaltigkeit ja schon Liebesgemeinschaft in sich selbst ist. Diese Liebe ist aber überfließend und deshalb hat er aus Liebe die Welt geschaffen und uns als sein Abbild. Wir sind da, um in diese Liebesgemeinschaft hineingenommen zu werden. Wie können wir also eine Liebesbeziehung mit Gott haben, die nicht ebenfalls grenzüberschreitend ist? Natürlich muss es überfließen, damit auch andere in diese Gemeinschaft hineingenommen werden. Das ist die Nächstenliebe.
Das fünfte Kapitel beginnt mit einem interessanten Vers: Wir sind aus Gott gezeugt, wenn wir an die Messianität Jesu glauben. Das ist natürlich sakramental zu verstehen. Wir können nicht wortwörtlich aus Gott gezeugt sein. Das kann nur Jesus, der den Vater wortwörtlich zum Vater hat. Sonst wären wir Götter. Wir sind aber geschaffene Wesen, was die Zeugung ausschließt. Was ist hier also gemeint? Wir sind gezeugt, also in einer genealogischen Beziehung zu Gott durch die Taufe! Wir haben Jesus als den Christus, also den Messias, angenommen und uns taufen lassen. Dadurch sind wir zu Kindern Gottes geworden, aber durch die Taufgnade, nicht durch unsere eigene Natur. Und im zweiten Teil dieses Verses wird noch einmal der Bezug von Vater und Sohn deutlich: Wir haben Jesus angenommen, weil wir Gott lieben. Denn beide sind eins. Wenn wir den Vater lieben, lieben wir auch den, der aus ihm gezeugt ist, also Jesus.
Im Anschluss wird zunächst die Bezugslinie von der Gottesliebe zur Nächstenliebe wiederholt und dann konkretisiert, was die Gottesliebe ist: das Halten der Gebote Gottes. Der entscheidende Satz ist dabei: Und seine Gebote sind nicht schwer. Wir kennen das von unseren menschlichen Beziehungen. Wenn wir jemanden von ganzem Herzen lieben, fällt es uns nicht schwer, Dinge für den anderen zu tun. Wir machen das dann gern, obwohl es Kraft, Mühe und Zeit kostet. So ist es auch mit Gott. Wenn wir ihn wirklich lieben, dann wird es uns auch nicht schwerfallen, seine Gebote aus Liebe zu halten. Auch Jesus sagt in den Evangelien „mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht“. Gott hat sich nichts Kompliziertes ausgedacht, um uns zu ärgern, sondern wirklich Gebote für uns, die unserem Heil dienen! Das Heil ist erreichbar, denn die Gebote sind machbar. Gott kennt uns durch und durch. Er wird uns nicht überfordern.
Im letzten Vers für heute wird noch einmal ein christologischer Kernsatz genannt: Was aus Gott gezeugt ist, allen voran Jesus Christus, besiegt die Welt. Ja, er hat die Welt besiegt, indem er von den Toten auferstanden ist und das Heil für die ganze Menschheit erwirkt hat. Und auch wir, die wir durch die Taufe aus Gott gezeugt sind, besiegen die Welt, indem wir nach unserem Tod das Himmelreich erlangen können. Am Ende der Zeiten können wir wie Christus mit Leib und Seele wiedervereint ewig bei Gott sein. Ich sage „können“ und nicht „werden“, weil das kein Automatismus ist. Wir haben die Befähigung und Verantwortung durch die Taufe erhalten, Gottes Gebote zu halten. Wo dies nicht geschieht, verlieren wir die Chance auf das Himmelreich.
Was die Welt besiegt, fasst Johannes in einem Wort zusammen: Glaube. Der Glaube an Gott, nicht ein tatenloses Bekenntnis, sondern ein Glaube, der sich bewährt in der gelebten Gottes- und Nächstenliebe (wir haben es so ausführlich in den Kapiteln zuvor gelesen), besiegt die Welt. Und auch hier gilt wieder: die Welt, die vom Bösen infiltriert ist, nicht die gute Schöpfung Gottes.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil. 
14 Aus Unterdrückung und Gewalt erlöse er ihr Leben, kostbar sei ihr Blut in seinen Augen. 
15 Man soll für ihn allezeit beten, jeden Tag für ihn Segen erflehen.
17 Sein Name soll ewig bestehen, solange die Sonne bleibt, sprosse sein Name. Mit ihm wird man sich segnen, ihn werden seligpreisen alle Völker.

Heute beten wir ein letztes Mal Psalm 72 vor dem Fest der Taufe des Herrn. Es ist die Bitte des Königs David an Gott, seinen Königssohn Salomo mit allen notwendigen Gaben zu beschenken, die er als Nachfolger benötigt. Vor allem bittet David um „gerechtes Walten“ und „rechtes Urteil“. Wir lesen hier schon einen typologischen Anfang, der seine antitypische Erfüllung in Jesus Christus erhält. Er ist es dann wirklich, der das Volk Gottes („dein Volk“ עַמְּךָ֣  amecha, also das auserwählte Volk), nun aber nicht mehr nur das Volk des Alten, sondern des Neuen Bundes, regiert. Sein Königreich ist nun nicht mehr irdisch wie das des Salomo, sondern es ist „nicht von dieser Welt.“ Aus diesem Grund erlöst Jesus nicht nur aus Unterdrückung und Gewalt des Diesseits, sondern vor allem aus geistiger Unterdrückung, aus Sünde und Verderben mit Blick auf die Ewigkeit! Die Zukunftsform יִגְאַ֣ל  jig’al „er wird erlösen“ zeigt, dass es von der Perspektive des Psalms aus gesehen noch aussteht. Wir schauen nun retrospektiv, im Rückblick auf diese Erlösung und danken dem Herrn dafür, dass er so barmherzig ist. Wenn es heißt, dass „ihr Blut“ kostbar sei, ist das im Alten Testament immer wichtig. Blut ist nach alttestamentlicher Auffassung nämlich der Bestandteil des Menschen, in dem seine Lebenskraft steckt. Wenn die Rede von Blut ist, müssen wir also lesen: „kostbar sei ihr LEBEN in seinen Augen“. In Jesu Fall meint es vielmehr als nur das irdische Dasein. Es geht um das ewige Leben. Dies ist Jesus so unendlich wichtig, dass er dafür sein Leben für uns hingegeben hat!
Während David für seinen Königssohn noch erbittet, dass für ihn allezeit gebetet und Segen ausgesprochen werden soll, ist Jesus es nun, der für uns am Thron seines Vaters einsteht und der uns allezeit segnet. Vor einiger lasen wir im Epheserbrief die Worte „Gnade über Gnade“. Diese ist uns durch Christi Mittlerschaft geschenkt.
Der Name Salomos soll ewig bestehen – ein Ziel, das die Israeliten als ewiges Leben verstanden haben, bevor sie nach und nach zu einem Glauben nach einem Leben nach dem Tod kamen. Aber auch dies lässt sich typologisch weiterführen: Jesu heiliger Name, auf den wir getauft sind, soll ewig bestehen. Mit ihm segnen wir tatsächlich andere Menschen, vor allem die Priester mit dem priesterlichen Segen und ganz intensiv ist der Segen im Namen Jesu durch den eucharistischen Segen. Da ist es nämlich nicht nur der Name, sondern Jesu Gegenwart selbst! Alle Völker werden ihn seligpreisen (das steht hier im Psalm noch aus, was durch die hebräische Zukunftsform יְאַשְּׁרֽוּהוּ je’aschruhu deutlich wird). Dies werden alle Völker tun (hier die גֹּויִ֥ם gojim, also die Heidenvölker). Wir haben hier eine Ankündigung der Kirche (denn sie ist die Gemeinschaft der Gläubigen der ganzen Welt), deren Gläubige Jesus anbeten. Zugleich ist es die Ankündigung der Ewigkeit. Dann werden alle zum himmlischen Jerusalem kommen, um auf ewig den Königssohn anzubeten, der zur Rechten des Vaters sitzt, Jesus Christus.

Lk 4
14 Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. 

15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen,
17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht: 
18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze 
19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. 
20 Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 
21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. 
22 Alle stimmten ihm zu; sie staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen.

Was wir heute lesen, ist eine Erfüllung von Psalm 72. Der heutige Abschnitt endet ja mit den Worten: Ihn werden seligpreisen alle Völker. Hier lesen wir nun, dass Jesus in den Synagogen lehrt und von allen gepriesen wird. Seine Verkündigung gilt zunächst den Juden, die das auserwählte Volk (hebräisch immer AM) darstellen. Erst später wird er zu den Heiden gehen und sie sogar als Glaubensvorbilder bezeichnen.
Er lehrt die Juden und erklärt, dass die Verheißungen der Hl. Schriften sich in ihm erfüllen. In der heutigen Episode soll er aus der Hl. Schrift vorlesen und diese auslegen. Ihm wird ausgerechnet Jesaja gereicht, der die prägnanteste Messiaserwartung beinhaltet. Jesus liest Worte vor, die eins zu eins auf ihn zutreffen. Ihm ist klar, dass er sich selbst in Gefahr bringt, wenn er die folgenden Worte spricht, und doch sagt er sie: „Heute hat sich das Schriftwort (…) erfüllt.“ Das ist für jüdische Ohren, die Jesus als Gott nicht erkennen, absolut blasphemisch. Jesus bezeichnet sich als Gesalbten, was auf hebräisch Messias heißt. Am Ende des heutigen Abschnitts lesen wir zwar noch, dass die Anwesenden erstaunt sind und ihm zustimmen. Sie werden von den vielen Wundertaten und der brennenden Verkündigung Jesu gehört haben. Sie werden von Blindenheilungen und von der frohen Botschaft Jesu Christi erfahren haben. Ihnen wird aufgefallen sein, welch Segen von diesem Menschen ausgeht. Und doch wird diese Anerkennung nicht lange halten. Was wir heute nicht mehr lesen, ist die Provokation der Menge durch die Worte Jesu „ein Prophet wird in seiner Heimat nicht anerkannt.“ Wir lesen nicht mehr davon, wie sie ihn zur Stadt hinaustreiben und versuchen, ihn zu steinigen. So ist es oft auch mit uns. Gott bietet uns das Heil an. Er sagt Dinge, die unseren Ohren schmeicheln, aber auch Dinge, die hart für uns klingen. Er tut dies nicht, um uns zu ärgern, sondern weil wir nur so gerettet werden können. Oft nehmen wir das dann nicht an, sondern beschuldigen ihn. Wir hadern mit ihm und wollen ihn mundtot machen wie die Menge Jesus steinigen will.
Diese heutige Episode wird auch als „Antrittspredigt“ bezeichnet. Von Anfang an gefährdet Jesus sein eigenes Leben mit der öffentlichen Predigt. Und doch ist er bereit, sein Leben hinzugeben und nicht zu schweigen, damit die Menschen das Heil erfahren. Wer weiß, wie viele der Anwesenden, die ihn noch steinigen wollten, am Ende zum Glauben an ihn gekommen sind…
Auch heute werden wir wieder vor die Entscheidung gestellt: Nehmen wir Jesus als den Messias an und beweisen dabei unsere Liebe zu Gott? Dieser Zusammenhang ist uns heute ja im ersten Johannesbrief erklärt worden. Nehmen wir den Christus an oder wollen auch wir ihn steinigen? Wann tun wir das denn konkret? Jedesmal, wenn wir Gottes Gebote eben nicht halten, dann lehnen wir auch Christus ab, der für unsere Sünden gestorben ist. Nutzen wir die Zeit der Gnade und verpassen wir heute nicht die Chancen, die Gott uns bereitet, unsere Liebe zu ihm zu beweisen.

Ihre Magstrauss

7. Januar in der Weihnachtszeit

1 Joh 3, 22-4,6; Ps 2, 7-8.10-11; Mt 4,12-17.23-25

1 Joh 3
22 und alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. 

23 Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben gemäß dem Gebot, das er uns gegeben hat. 
24 Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat.
1 Geliebte, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen. 
2 Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus bekennt als im Fleisch gekommen, ist aus Gott 
3 und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Das ist der Geist des Antichrists, über den ihr gehört habt, dass er kommt. Jetzt ist er schon in der Welt. 
4 Ihr aber, meine Kinder, seid aus Gott und habt die falschen Propheten besiegt; denn Er, der in euch ist, ist größer als jener, der in der Welt ist. 
5 Sie sind aus der Welt; deshalb sprechen sie, wie die Welt spricht, und die Welt hört auf sie. 
6 Wir aber sind aus Gott. Wer Gott erkennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.

Heute hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem ersten Johannesbrief. Im ersten Teil geht es darum, dass wenn wir im Stand der Gnade sind, alles von ihm erbitten können. Es wird uns gegeben. Der Stand der Gnade wird daran deutlich, dass es um das Halten der Gebote geht. Wenn wir Gottes Gebote halten, und tun, „was ihm gefällt“, wird er unsere Gebete erhören. Das Halten der Gebote lässt sich dabei zusammenfassen als Glaube an Jesus Christus und als Nächstenliebe. Im ersten Johannesbrief wird diese auch „Bruderliebe“ genannt. Diese wird in dem Abschnitt vor dem heute vorgesehenen thematisiert.
Der Stand der Gnade wird johanneisch oft mit der heute auch verwendeten Formulierung „in Gott sein/bleiben und umgekehrt“ ausgedrückt. Dass dieser Zustand in dem Brief immer wieder aufgegriffen wird, zeigt uns die Wichtigkeit für die ersten Adressaten, aber auch für uns selbst. Das Sein in Gott und die Präsenz Gottes in uns selbst ist entscheidend, wenn wir „Frucht bringen“ wollen. Jesus sagt im Johannesevangelium: „Getrennt von mir könnt ihr NICHTS tun.“ ALLES vermögen wir aber in Verbindung mit ihm.
Dass wir im Stand der Gnade sind, erkennen wir an dem Hl. Geist. Was heißt das konkret? Der Hl. Geist wirkt in uns, um uns, in den Menschen, denen wir begegnen. Unsere Lebenswelt wird fruchtbar, d.h. der Geist wirkt durch uns kreativ im wahrsten Sinne – schöpferisch. Menschen werden durch unsere „Bruderliebe“ verwandelt. Sie werden zu Jesus geführt. Wenn wir für sie beten, wird es erhört. Wir sehen den Hl. Geist durch die Früchte und Gaben, die er uns schenkt. Es wird vor allem Frieden spürbar, der übernatürlich ist. In erster Linie werden die Menschen um uns im Herzen Frieden bekommen, der sich auf ihr ganzes Leben auswirken wird. Gott schenkt den Gemeindemitgliedern viele Charismen, mit denen sie ihren Mitmenschen dienen können.
Das ist nicht nur damals so. Das ist auch heutzutage so. Wenn wir im Stand der Gnade sind und um die Früchte, Gaben und Charismen bitten, werden wir sie bekommen. Durch uns werden so viele Menschen zu Jesus geführt. Dann werden wir wirklich zu Werkzeugen Gottes, zu Arbeitern in seinem Weinberg. Wir werden die Früchte dieser Arbeit nicht immer sehen, aber hier und da lässt Gott sie uns dennoch schauen. Dann werden wir ermutigt und motiviert, weil wir sehen, dass unsere Bemühungen Früchte zeigen.
Ich könnte Ihnen so viele Beispiele aufzählen, was sich in meinem Umfeld getan hat dadurch, dass ich im Stillen für die Menschen gebetet habe. Gott lässt einen die Ergebnisse immer wieder schauen, damit man wirklich glaubt, dass Gott einen erhört.
Im zweiten Teil der heutigen Lesung wird das Hauptproblem des Briefes wieder aufgegriffen: die Auseinandersetzung mit Häresien ihrer Zeit. Es geht vor allem um die sogenannten Doketisten, die die Menschwerdung Gottes leugnen. Für sie kann Gott keinen menschlichen Körper angenommen haben, gelitten haben und gestorben sein. Das muss ein Scheinleib gewesen sein. Auch heutzutage fällt es so manchem schwer, diese grundlegende christliche Lehre von der Inkarnation zu glauben. Aber das ist die Wahrheit. Entsprechend des Themas geht es also im zweiten Teil des Briefes um die Unterscheidung der Geister. Das ist hier nicht als Charisma gemeint, das man erhalten kann wie die Zungenrede oder die Prophetie. Es geht hier um eine systematische Unterscheidungsgabe in Gemeinden, weil sich schnell irgendwelche Häresien einschleichen können. Das Unterscheidungsmerkmal für die Adressaten des ersten Johannesbriefes ist die Frage nach der Menschwerdung Jesu: „Jeder Geist, der Jesus Christus bekennt als im Fleisch gekommen“ (ἐν σαρκὶ ἐληλυθότα) ist das A und O. Nimmt das jemand an, ist er aus dem gleichen Geist, also dem Hl. Geist und somit rechtgläubig. Jesus ist nicht einfach als Fata Morgana erschienen, sondern war ganz Mensch, also auch mit einem Körper. Das wird durch „im Fleisch“ verdeutlicht.
Das Wort „Bekenntnis“ deutet an, wie die ersten Christen in der Entstehung der christlichen Lehre die Wahrheit von der Häresie erkannt haben: Durch Glaubensbekenntnisse bzw. Symbola. Wer das Bekenntnis nicht so gesprochen hat, wie es die Großkirche vorgab, outete sich als Häretiker. Glaubensbekenntnisse wurden also als Maßstab für die Rechtgläubigkeit verfasst.
Jesus nicht zu bekennen, v.a. nicht auf die vorgegebene Art zu bekennen, stammt vom Antichristen, der schon längst in der Welt ist. Er ist der Widersacher Christi und versucht alles, um die Menschen von Gott wegzubringen. Auch gerade die Christen werden versucht, die es besonders ernst meinen. Dann wird ganz schnell ein kleines Fünkchen Lüge mit ganz viel Wahrheit vermischt, sodass man es gar nicht bemerkt. Und schon ist man dem Antichristen aufgesessen. Jüngst gab es in den sozialen Netzwerken wieder die Diskussion über die „Warnung“, die schon längst als Täuschungsaktion entlarvt worden ist. Es gibt immer noch praktizierende Katholiken, die sie für wahr halten. So geschickt ist der Antichrist in der Verwirrung derjenigen, die ihr Leben ganz dem Herrn widmen.
Wenn Johannes hier in Vers 4 schreibt „ihr (…) seid aus Gott und habt die falschen Propheten besiegt“ (νενικήκατε αὐτούς, Perfektform), bezieht er sich auf vergangene Ereignisse. Wir können uns das so erklären, dass bis die Adressaten den Glauben an Jesus Christus angenommen haben, von allen möglichen, vor allem aber von Doketisten beworben worden sind. Sie sind aber letztendlich dem christlichen Glauben gefolgt und haben sich taufen lassen. Gott ist stärker als der Antichrist. So begründet Johannes die Taufe seiner Adressaten (“ denn Er, der in euch ist, ist größer als jener, der in der Welt ist.“)
Die Häretiker sind „aus der Welt“ und sprechen „wie die Welt“. „Die Welt“ hört auf sie, weil sie aus demselben Geist ist. Es geht hier nicht darum, Gottes gute Schöpfung schlecht zu machen. Johannes meint mit „Welt“ die vom Bösen infiltrierte Welt, nicht Gottes gute Schöpfung. Wer also „von der Welt“ ist und „wie die Welt“ spricht, meint eigentlich den Bösen. Es geht um eine antichristliche Gesellschaft, die nur auf „die Seinen“ hört.
Wer aber auf die Getauften hört, die eine ganz andere Botschaft und ein ganz anderes Lebensziel haben, ist aus Gott. Das Hören auf die Botschaft, die das Evangelium Jesu Christi ist, wird so zum Unterscheidungsmerkmal. Es ist wirklich so, wie Simeon Maria im Tempel angekündigt hat: An Jesus (und sein Evangelium ist von ihm untrennbar) scheiden sich die Geister. Wer ihn annimmt, ist aus Gott, d.h. in ihm wirkt der Hl. Geist, der der „Geist der Wahrheit“ und nicht der „Geist des Irrtums“ ist.

Ps 2
7 Den Beschluss des HERRN will ich kundtun./ Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt. 
8 Fordere von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe und zum Eigentum die Enden der Erde.  
10 Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, lasst euch warnen, ihr Richter der Erde! 
11 Mit Furcht dient dem HERRN, jubelt ihm zu mit Beben.

Der heutige Psalm ist absolut passend zur Lesung und gibt uns weiteren Aufschluss über die Identität Jesu. Das Thema des Psalms ist das Verhältnis von Gott und seinem Gesalbten. Die Juden haben darunter zunächst den irdischen König verstanden und so wird es auch König David vorausgesetzt haben, als er dieses Gebet verfasst hat. Und doch hat der Geist ihm Worte eingegeben, die auf den göttlichen Gesalbten hinauslaufen, auf Jesus.
Wir sehen es vor allem an der Aussage „Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.“ Das Verb יְלִדְתִּֽיךָ jelidticha ist eine Vergangenheitsform und heißt „zeugen, gebären“. Durch הַיֹּ֥ום  hajjom wird wirklich betont, dass die Zeugung „heute“ stattfand. Liest man den gesamten Psalm, also den näheren Kontext der heutigen Verse, kann man die Aussage in Vers 7 durchaus auf den israelitischen König beziehen, also auf David. Er ist von Gott eingesetzt als König auf dem Zion. Was er erbittet, wird Gott ihm gewähren (z.B. politische Dinge). Gott muss nur einen kleinen Finger krümmen und die nichtigen Pläne der Großen dieser Welt werden zunichte gemacht (Wir lesen darüber am Anfang des Psalms).
Gott wird ihm, König David, die Völker (Gojim, die heidnischen Völker) zum Erbe geben. Er meint nicht die Stämme Israels. Die sind dem König schon untertan.
Möchte man den Psalm in seiner Tiefe verstehen, muss man über diesen wörtlich-historischen Sinn hinausgehen: Der Gesalbte, von dem hier die Rede ist, ist mehr als nur ein irdischer König. Es geht um Jesus, den Gesalbten Gottes. Er ist es, den Gott selbst wirklich gezeugt hat. Bei König David ergibt diese Aussage sonst keinen Sinn. Dieser ist ja weder „heute“ gezeugt noch wirklich von Gott geboren worden. Er ist wie jeder andere Mensch durch eine Mutter auf die Welt gekommen und war ein normaler Mensch. Vielleicht ist die Zeugung im übertragenen Sinne zu verstehen als Umschreibung der Salbung. Dann ist die Königssalbung die „Zeugung“ Gottes. Durch sie ist eine besondere Gottesbeziehung entstanden, die im ersten Johannesbrief durch das in Gott Sein ausgedrückt worden ist. Durch diese Gemeinschaft kann von Gott alles erbeten werden. Er wird es gewähren.
Jesus dagegen ist wirklich gezeugt worden. Er ist auch „heute“ gezeugt worden. Der Begriff des Heute ist nämlich ein Ausdruck der Ewigkeit, genauso wie der Begriff „jetzt“ in den johanneischen Schriften (jetzt ist die Stunde gekommen). In der Ewigkeit gibt es keine Zeit. Dort gibt es nur ein Heute, nur ein Jetzt. Gott hat Jesus also in der Ewigkeit gezeugt vor aller Zeit. Deshalb steht auch die Vergangenheitsform. König David konnte sich gar nicht vorstellen, was ihm der Hl. Geist mit diesem Psalm eingegeben hat! Die Tragweite dieses Psalms wird erst tausend Jahre später mit der Menschwerdung Gottes ersichtlich.
Jesus ist wirklich ganz im Vater und der Vater ganz in ihm. Die beiden haben wirklich eine unvergleichliche Einheit, durch die alles, was Jesus erbittet, vom Vater gewährt wird.
„Die Völker“, die Jesus „zum Erbe“ gegeben werden, sind die Menschen im Neuen Bund. Es sind jetzt nicht mehr nur die Juden, mit denen Gott einen Bund schließt, sondern gleichermaßen Juden und Heiden. „Gojim“ erhält nun eine ganz andere Dimension. Zu Erben im Reich Gottes werden wir dabei durch die Taufe.
Jesus wird zum König der Welt, der über allen Herrschern dieser Welt steht. Diese sollen mit Gottesfurcht ihre Herrschaft ausüben, denn Jesus muss nur einmal eingreifen und ihre Herrschaft ist dahin.
All diese Worte sind uns zum Heil aufgeschrieben. Jeder von uns ist insofern „heute gezeugt“, als Gott uns durch die Taufe zu seinen Kindern gemacht hat. Er hat uns „Gnade über Gnade“ geschenkt, wie wir am Sonntag gehört haben, indem wir nun diese besondere Einheit zum Vater haben können. Wie Jesus können wir im Stand der Gnade alles erbitten und Gott wird es uns gewähren. Wir müssen uns aber darum bemühen, diesen Stand der Gnade aufrecht zu erhalten. Durch die Sünde treten wir nämlich aus diesem Stand heraus.
Am Ende unseres Lebens und am Ende der Zeiten werden wir dann als Teil dieses Erbes der Völker bzw. jenes endzeitlichen Volkes das Erbe antreten im himmlischen Jerusalem. Jesus wird dann der einzige König sein. Die irdischen Herrscher wird es dann nicht mehr geben, weil es „die Welt“ nicht mehr geben wird. Es wird ein neuer Himmel und eine neue Erde geschaffen werden. Jesus wird dann auf dem himmlischen Zion eingesetzt, von dem hier im Psalm die Rede ist.

Mt 4
12 Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. 
13 Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. 
14 Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: 
15 Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: 
16 Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
23 Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
24 Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien. Man brachte alle Kranken mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie. 
25 Scharen von Menschen aus Galiläa, der Dekapolis, aus Jerusalem und Judäa und aus dem Gebiet jenseits des Jordan folgten ihm nach.

Heute hören wir von dem öffentlichen Wirken Jesu. Nachdem Johannes ins Gefängnis geworfen wurde, geht Jesus zurück in seine Heimat. Man könnte es menschlich erklären als klugen Schachzug, da Jesus der akuten Gefahr entgeht- er hat schließlich noch einen Verkündigungsauftrag und kann nicht direkt ins Gefängnis gehen. Aber es geht um etwas Anderes: Er macht sich auf in die Gebiete, die vorwiegend heidnisch besetzt sind. Er tut dabei nichts, was er selbst will, sondern ganz, was der Vater ihm aufträgt. Sein Aufenthalt im Land Sebulon und Naftali ist wiederum nicht nur für die Heiden wichtig, sondern auch für die Juden. Er erfüllt nämlich wiederum eine Verheißung des Alten Testaments, das die Juden erkennen mussten. Er tut es also wiederum für die Juden, damit sie zum Glauben an ihn kommen! Es geht um die Verheißung in Jesaja 8-9. Er ist das Licht, das zu dem Volk geht, das im Dunkeln lebt. Er bringt jenen Hoffnung, die keine haben. Er lehrt dabei in den Synagogen, was wiederum eine Verkündigung für die Juden kennzeichnet.
Jesu Verkündigung ist von Anfang an eine Kombination von Predigt und Heilsdienst. Er erklärt das Reich Gottes und heilt viele Menschen von verschiedenen Leiden.
Die Menschen kommen vor allem wegen der Heilungsaussichten, aber zugleich hören sie vom Reich Gottes. Dadurch, dass aus dem ganzen Hl. Land Menschen zu seinen Jüngern werden, erkennen wir, warum Jesus die Menschen heilt: damit sie zum Glauben an ihn kommen. Sie sollen die Herrlichkeit Gottes erkennen. So ist Gott. Er zeigt den Menschen konkret am Beispiel der Heilung, was er mit seiner frohen Botschaft meint. Das ist göttliche Pädagogik.
Jesus erbittet die Heilung für all jene Menschen, die zu ihm kommen. Er betet laut mit ihnen und sie sehen, dass die Gebete erhört werden. Das ist wichtig für die Juden. Sie erkennen die Salbung Gottes in Jesus, wie der Psalm 2 es ausdrückt. Was auch immer Jesus beabsichtigt, der Geist Gottes wirkt durch ihn und heilt Scharen von Menschen. In Jesus ist die Fülle der Charismen Gottes.
An Jesus können wir heute gut erkennen, was auch uns geschenkt wird, wenn wir es zulassen. Unsere Aufgabe ist es, eins mit Gott zu sein. Dann wird er uns ganz durchtränken durch den Hl. Geist. Dann werden wir auch die Charismen erhalten, durch die andere Menschen die Existenz Gottes in der Welt erkennen. Dann werden wir brennen von der Liebe Gottes. Dann werden auch wir viele Menschen zu Jüngern Gottes machen, indem das Feuer der Liebe, das in uns brennt, auf sie übergehen wird.

Werden wir zu Werkzeugen Gottes, denn auch wir sind gesalbt – durch die Taufe und durch die Firmung! Tun wir alles, was in unserer Macht steht, um die Gemeinschaft mit Gott zu haben. Dann werden auch wir Früchte bringen für Gott. Es wird immer nur unvollkommen sein, weil wir Menschen Sünder sind. Aber mit der helfenden Gnade Gottes können auch wir Frucht bringen.

Ihre Magstrauss

Johannes, Apostel und Evangelist

1 Joh 1,1-4; Ps 97,1-2.5-6.11-12; Joh 20,2-8

Liebe Freunde, heute ist der Gedenktag des Hl. Johannes. Es handelt sich nicht um den Täufer, wie man aufgrund des weihnachtlichen Kontexts denken könnte, sondern um den Apostel und Evangelisten. Er ist der Jünger, den Jesus liebte. Von allen Aposteln war er der einzige, der nicht verheiratet war und der einzige, der nicht als Märtyrer gestorben ist. Wir nennen die Heiligen, die eines natürlichen Todes gestorben sind, Bekenner.

1 Joh 1
1 Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben vom Wort des Lebens – 
2 das Leben ist erschienen und wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist – , 
3 was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 
4 Dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen ist.

„Was von Anfang an war“ verweist auf den Johannes-Prolog, dieser hymnenartigen Einleitung des Johannesevangeliums, die wir am ersten Weihnachtstag gehört haben. Dieser Relativsatz umschreibt Jesus, das Wort, das am Anfang war.
Dieses Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, konnten wir mit eigenen Sinnen erfassen („mit unseren Augen gesehen“, „was unsere Hände angefasst haben“). Mit eigenen Augen haben Jesu Jünger so viele Wunder gesehen, das größte war die Auferstehung. Davon werden wir nachher im Evangelium lesen. Johannes selbst hat an Jesu Brust geruht. Er hat seine Körperwärme gespürt und Jesu Herzschlag. Wir denken auch an Thomas, der Jesu Auferstehung zunächst nicht glauben wollte und dann vom erschienenen Jesus dazu eingeladen wird, seine Hand in dessen Seite und auf die Male der Kreuzigung zu legen.
„Das Leben ist erschienen“. Das feiern wir zu Weihnachten. Die Zeugen seines Lebens verkünden nun „das ewige Leben“, nicht nur den irdischen Jesus, der seine Göttlichkeit nicht in Anspruch genommen hat, sondern den ganzen Jesus, der schon vor seiner Menschwerdung beim Vater war (und nun wieder ist). Johannes nennt ihn Logos.
Wenn es dann heißt „was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch“, dann ist das die Umsetzung des Missionsauftrags Jesu vor seiner Heimkehr zum Vater. Dies bestätigt sich auch durch die hier deutlich werdende Absicht: „damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt.“ Johannes so wie alle Aposteln und Jünger stehen in Gemeinschaft „mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“
Warum ist die Freude eigentlich vollkommen durch das Schreiben dieses Briefes? Freude ist immer dann komplett, wenn sie geteilt werden kann. Wenn die Aposteln und Jünger mit Jesu Erlösungstat so viele überwältigende Dinge erfahren haben, dann können sie es nicht einfach für sich behalten. Sie müssen ihre Begeisterung einfach teilen.

Ps 97
1 Der HERR ist König. Es juble die Erde! Freuen sollen sich die vielen Inseln.
2 Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Thrones.
5 Berge schmelzen wie Wachs vor dem HERRN, vor dem Angesicht des HERRN der ganzen Erde. 
6 Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, seine Herrlichkeit schauen alle Völker.  11 Licht wird ausgesät für den Gerechten, Freude für die, die geraden Herzens sind. 
12 Freut euch am HERRN, ihr Gerechten, dankt seinem heiligen Namen!

Heute betet die Kirche wieder einen Lobpsalm. Gott ist König und ist als Mensch gewordener Messias zu uns gekommen. Seine Königsherrschaft, so wird Jesus als Erwachsener erklären, ist nicht von dieser Welt und doch fühlen sich mit seiner Geburt die irdischen Herrscher bedroht. Herodes lässt sogar alle erstgeborenen Söhne bis zum zweiten Lebensjahr umbringen, damit der Messias ihm den Königsthron nicht streitig macht. Wir glauben, dass Gott über allen Königen steht und der Weltenherrscher ist. Dies bejubeln wir heute als gesamte Menschheit („es juble die Erde“). Auch „die vielen Inseln“ sollen sich freuen. Weltweit soll das Lob Gottes erschallen.
Gottes Thron wird von „Gerechtigkeit und Recht“ gestützt. Das ist sehr bildhaft geschrieben und ist auf Gottes Herrschaft zu beziehen: Diese gründet auf Gerechtigkeit und Recht. Wenn Gott richtet, ist es immer gerecht und berücksichtigt jene, die auf Erden Ungerechtigkeit erfahren haben. Deshalb ist Gottes Gericht auch eine Erlösung für die Menschen. „Wolken“ sind uns als Theophaniezeichen bekannt. Immer dort, wo Gottes Herrlichkeit im AT sowie NT sich auf etwas hinabsenkt, kommt eine Wolke oder Wolkensäule. Manchmal wird es als Rauch beschrieben. Die Nennung von Dunkelheit ist nicht ganz wörtlich. Eigentlich heißt das hebräische Wort עֲרָפֶל arafel nicht Dunkelheit, sondern Nebel. Beides – „Wolke“ und „Nebel“ stellen Theophaniezeichen Gottes dar, also Phänomene, die seine Gegenwart anzeigen.
Gott ist so mächtig und überragend, dass selbst die mächtigsten Naturerscheinungen wie die Berge, in Gottes Angesicht dahinschmelzen wie Wachs. Das gesamtbiblische Zeugnis beschreibt Gottes Gegenwart als verzehrendes Feuer. Es ist das Feuer der Liebe.
Gottes Herrlichkeit schauen die Völker. Dabei ist nicht ganz klar, ob es die Fremdvölker um Israel herum meint oder die Stämme Israels. Das hebr. הָעַמִּ֣ים ha’amim „die Völker“ wird eher für die Stämme Israels verwendet, kann aber seltener auch für die nichtjüdischen Völker genannt werden.
Es ist bemerkenswert, dass in diesem Psalm die Lichtmetaphorik verwendet wird. Dies ist bezeichnend für die johanneischen Texte. Für den Gerechten wird Licht ausgesät und Freude für die geraden Herzens. Das lesen wir an vielen anderen Bibelstellen. Wenn wir Gottes Gebote befolgen, johanneisch würde es heißen „in seiner Liebe bleiben“, dann haben wir Segen. Dann sind wir im Stand der Gnade und können alles erbitten – es wird uns gegeben. „Freude“ und „Licht“ sind Faktoren dieses Segens von Gott. Der Ausdruck „geraden Herzens“ drückt die Aufrichtigkeit des Handelns aus. Das Adjektiv יָשָׁר jaschar heißt nicht nur „gerade“ als Gegenteil von „schief, krumm“, sondern kann auch mit „ehrlich, aufrichtig“ übersetzt werden. Das ist sehr fortschrittlich für die Entstehungszeit der Psalmen. Es geht nicht nur um die Taten, sondern auch um die Absicht dahinter! Wir können also nicht automatisch damit rechnen, dass wir vor Gott gerecht sind, nur weil wir Gutes tun. Wir müssen es auch in der rechten Absicht tun, damit es Gott gefällt. Und die einzig richtige Absicht ist die Liebe.
Am Ende werden wir alle dazu aufgerufen, Gott zu loben. Sein heiliger Name, der auch zum Programm Jesu Christi wird, ist „ich bin“ – da für euch! Immanuel, „Gott mit uns“ und Jesus „Jahwe rettet“. Am dritten Januar werden wir den Namen Jesu besonders verehren, auf den wir getauft und durch den wir gerettet sind.

Joh 20
2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 
3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 
4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 
5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 
6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 
7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 
8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 

Heute hören wir einen Ausschnitt aus dem Johannesevangelium, das sehr sehr bezeichnend für den „Lieblingsjünger“ Jesu ist.
Es ist der Ostertag. Jesus ist auferstanden und das leere Grab von den Frauen soeben entdeckt worden. Sie laufen schnell zu den Aposteln, von denen sich sofort zwei auf den Weg machen: Petrus und Johannes. Man könnte bei der Übersetzung des Verses 3 denken, dass die beiden ganz gemütlich hinausgingen und zum Grab spazierten. Das Verb ἐξῆλθεν exelthen sagt nichts über die Art der Bewegung aus, sondern betont das Verlassen des Ortes, an dem sie waren. Die beiden waren mit den anderen Aposteln in einem Raum eingeschlossen, weil sie Angst davor hatten, vom Hohen Rat gefangen genommen zu werden. Das Hinaustreten aus dem Haus hat also mehr als nur eine wörtliche Bedeutung. Im übertragenen Sinne treten sie heraus aus ihrem Schneckenhaus. Sie wagen es, ihre eigene Grenze zu überschreiten. Jesus bietet uns das Heil an, das er durch Kreuz und Auferstehung erwirkt hat. Wir müssen aber aus unserem eigenen alten Leben hinaustreten, um es anzunehmen. Dieses Heil bietet er bis heute durch die Kirche an, die die Menschen in ihrem Schoß aufnimmt und durch die Taufe zu Erben des Reiches Gottes einsetzt. Dafür müssen die Menschen aber zunächst aus ihrem alten Leben treten und ein neues Leben in Gott beginnen. Wir werden am Ende der Zeiten wie Petrus und Johannes „hinauskommen“, nämlich aus unserem irdischen Leben in Richtung ewiges Leben.
In Vers 4 merken wir spätestens, dass die beiden Apostel nicht gemütlich zum leeren Grab spazieren, sondern rennen (das Verb τρέχω trecho meint wirklich die schnelle Fortbewegung). Johannes ist jünger als Petrus, können wir annehmen. Er ist unverheiratet und hat keine Kinder im Gegensatz zu Petrus, der als Familienvater schon ein paar Jahre mehr hinter sich hat. Aus dem Grund kann man auch verstehen, dass Johannes früher am Grab ankommt. Man könnte es aber auch anders verstehen: Johannes brannte so voller Liebe, dass sie ihn so schnell zum Grab gedrängt hat. Manchmal erinnert Johannes uns an Maria Magdalena in seinem Liebeseifer Jesus gegenüber.
In diesem Eifer schaut er auch hinein und sieht die Leinenbinden dort liegen.
Dann lesen wir von einer Geste, die für uns absolut entscheidend ist. Zwar kommt Johannes früher an, wartet dann aber auf Petrus, dass dieser als erstes in das Grab steigt. Dies hat nichts damit zu tun, dass Johannes sich von dem kultisch unrein machenden Grab scheut. Die Aposteln haben in der Zeit ihres Umherziehens mit Jesus viele kultisch verunreinigende Dinge getan wie das fehlende Waschen der Hände vor dem Essen oder das Heilen am Sabbat. Ausgerechnet Johannes ist zusammen mit Petrus und Jakobus auch in das Haus der verstorbenen Tochter des Synagogenvorstehers gegangen, obwohl auch dort der Tod sie kultisch unrein gemacht hat. Das ist nicht der Grund, sondern ein ganz anderer: Petrus ist der „Anführer“ der Apostel. Er ist von Jesus auf ganz besondere Weise berufen worden. Das weiß Johannes und nimmt es demütig an. Deshalb lässt er Petrus den Vortritt.
Petrus geht ohne zu zögern in das Grab hinein (es handelt sich um eine Gruft, die ziemlich dunkel gewesen sein muss). Die Sonne ging gerade auf und schien ein wenig hinein, sodass man gerade die Leinenbinden ausmachen konnte. Petrus fiel auch auf, dass das Schweißtuch, das auf Jesu Gesicht gelegen hatte (das Muschelseidentuch, das wir heutzutage in Manopello verehren und das man sonst nur bei königlichen Begräbnissen verwendet hat), liegt zusammengebunden an einer bestimmten Stelle. Das Verb ἐντυλίσσω zeigt an, dass es nicht wie die Leinenbinden durcheinander geworfen ist, wie wenn jemand den Leichnam genommen und die Binden zurückgelassen hat, sondern jemand muss es sorgsam auf eine bestimmte Art zusammengerollt oder gefaltet haben! Es liegt auch nicht am selben Ort wie die Leinenbinden, sondern an einem eigenen Ort (εἰς ἕνα τόπον eis hena topon). Diese Bemerkung ist entscheidend und führt dazu, dass der Jünger Johannes, der nach Petrus das Grab betritt „sieht und glaubt“.
Johannes war ein mystischer und kontemplativer Mensch. Das wird durch jeden Buchstaben deutlich, den er in den johanneischen Schriften schreibt und in jeder Handlung, die über ihn geschrieben steht. Von Petrus lesen wir das nicht. Er ist nicht der Anführer der Apostel geworden, weil er die meiste Erkenntnis hatte oder weil er am frömmsten oder heiligsten war. Gott hat sich absolut etwas dabei gedacht, ihm diese besondere Vollmacht zu übertragen, aber derjenige, der am schnellsten begreift und Jesu Herz wirklich am meisten verstanden hat, ist Johannes. Er sah und verstand sofort den Code des Schweißtuches: „Ich komme wieder.“ Laut jüdischer Tradition hatte der Diener dem Rabbi den Tisch zu decken nach strengen Vorgaben. Der Rabbi benutzte dabei eine Serviette zum Abwischen seines Mundes und Bartes. Wenn er mit dem Essen fertig war, warf er die Serviette einfach ungeordnet auf den Tisch als Zeichen „ich bin fertig“. So wusste der Diener, er kann abräumen. Ging der Rabbi kurz weg, um nachher weiter zu essen, faltete er die Serviette zusammen und legte sie auf den Tisch, damit der Diener wusste, dass sein Meister wiederkomme.
Johannes hat das Signal sofort wiedererkannt. Sein Rabbi, den er so innig liebte, wollte ihnen zu verstehen geben „ich komme wieder“. Johannes versteht in dem Moment wirklich, dass Jesu Worte sich nun erfüllt haben, die er ihnen mehrfach vor seinem Tod gesagt hatte: Er müsse sterben, würde aber nach drei Tagen von den Toten auferstehen.

Beten wir heute besonders auf die Fürsprache dieses Jüngers, der Jesus so sehr liebte. Er ruhte nicht nur wortwörtlich an Jesu Brust, als sie zu Tisch lagen beim letzten Abendmahl, sondern er ruhte auch im übertragenen Sinne an dessen Herz. Er verstand Jesus auch ohne Worte. Bitten wir den Herrn auf seine Fürsprache um eben jene brennende Liebe, dass auch wir Gottes Herz verstehen, seinen Willen erkennen und ebenso sehen und glauben können! Das ist es schließlich, was auch die Hirten an der Krippe in Bethlehem erfahren durften. Auch sie sahen und glaubten, nachdem sie das Signal der „Windeln“ gesehen haben, die der Engel ihnen angekündigt hatte. Die Leinentücher in Bethlehem müssen unbedingt in Analogie zu den Leinentüchern in Jerusalem verstanden werden. Es schließt sich ein Kreis. Und Petrus sowie Johannes sind ebenfalls als Hirten zu verstehen, die das Signal der Heilstaten Gottes schauen durften. Sie sehen, was in der Grotte von Bethlehem begonnen hat. Nur ist es jetzt vollendet – der Heilsplan Gottes für die ganze Menschheit!

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie sehen und glauben können!

Ihre Magstrauss