Donnerstag der 2. Osterwoche

Apg 5,27-33; Ps 34,2 u. 9.17-18.19-20; Joh 3,31-36

Apg 5
27 Man führte sie herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie

28 und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.
29 Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
30 Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.
31 Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.
32 Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.
33 Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn und beschlossen, sie zu töten.

Gestern endete die Lesung damit, dass die Apostel von den Dienern des Hohen Rates zum Verhör gebracht werden sollen, nachdem sie auf wundersame Weise aus dem Gefängnis entkommen waren und im Tempel wieder das Wort Gottes verkündet haben.
Heute nun hören wir von diesem Verhör. Der Hohepriester beginnt seine Rede mit dem Rückgriff auf die vergangenen Verbote, die er den Aposteln schon nach der Heilung des Gelähmten an der Schönen Pforte erteilt hatte. Bereits damals haben die Apostel deutlich gemacht, dass sie Gott mehr gehorchen würden als den Hohepriestern.
Der Hohepriester wirft den Aposteln vor, dass sie im Namen Jesu und mit der Lehre Jesu die ganze Stadt erfüllt hätten. Das ist eine ungewollte Anerkennung ihrer Missionserfolge!
Der Hohepriester wirft zudem vor, dass die Apostel das Blut „dieses Menschen“, gemeint ist Jesus, über sie bringen wollen. Was heißt das? Wir haben so eine Stelle auch bei Matthäus, als das Volk danach schreit, dass Jesus gekreuzigt werden solle und Pilatus sich weigert. Da sagt das Volk „sein Blut komme über uns und unsere Kinder“. Es hat dieselbe Bedeutung: Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Mensch unschuldig hingerichtet worden ist, soll sein Blut als Blutschuld an den Schuldigen dieses Todes haften. Damals sagt das Volk diese Worte zu Pilatus, um ihn zu überreden, dass im Zweifelsfall die Schuld nicht bei ihm liegen werde, sondern bei den Juden (genauer gesagt bei der religiösen Elite, die hinter dem angestachelten Mob steckt). Hier möchte der Hohepriester also sagen: Im Nachhinein stellt ihr es so dar, dass Jesus unschuldig gestorben ist und wir schuld dran sind. Also legt ihr es drauf an, uns die Blutschuld an diesem Menschen anzuhängen und uns als Böse hinzustellen.
Das alles beeindruckt die Apostel herzlich wenig. So antworten sie mit den Worten, die sie ihnen schon zuvor gesagt haben: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ So ist es. Was auch immer die Hohepriester für Intrigen vermuten, welche Vorwürfe sie auch machen – letztendlich tun die Apostel nur das, was Gott von ihnen verlangt.
Auch in dieser Situation nutzen die Apostel die Chance, Christus zu bekennen, indem sie weitersprechen: „Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt.“ Das heißt, dass die Hinrichtung falsch war und Gott als der Allmächtige das letzte Wort hat. Er ist ein Gott des Lebens und kann Tote wieder lebendig machen. Jesus ist der Christus, der Messias. Er ist Gott und kann nicht im Tod bleiben. Und ganz wichtig – es ist ein und derselbe Gott, der das Osterereignis erwirkt hat und der sich den heilsgeschichtlichen Gestalten des Alten Testaments offenbart hat wie Abraham, Isaak und Jakob, den Königen und Propheten, den Frauen. Dies erkennen wir an der typisch jüdischen Wendung „Gott unserer Väter“.
Weiter sprechen sie: „Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.“ Es ist ein richtiges Glaubensbekenntnis, das sie hier sprechen. Jesus sitzt nun zur Rechten Gottes und hat die Macht, Gottes auserwähltes Volk zum Heil zu führen. Das heißt, Jesus ist Gott. Für die Hohepriester sind diese Worte hochgradig blasphemisch, weil sie die Messianität und Göttlichkeit Jesu leugnen.
Schließlich enden die Apostel ihre Bekenntnisrede mit den Worten: „Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.“ Die Aufzählung „wir und der Heilige Geist“ bringt es auf den Punkt: Es ist ein Teamwork, gläubig zu sein. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, Gott besser kennenzulernen, arbeiten an uns selbst und öffnen uns ganz für seine Gnaden. Diese fließen in vollem Maße so wie wir uns in vollem Maße anstrengen. Beides Hand in Hand macht den heiligen Menschen aus (oder jenen, der nach Heiligkeit strebt). So ist es auch mit der Zeugenschaft. Der Mensch bemüht sich mit seinem ganzen Sein, Gott zu bezeugen, genau hinzusehen und zu beobachten. Gleichzeitig ist es der Geist, der einem die Augen öffnet und auf das zu Sehende hinführt. Im Falle der Apostel können wir das biographisch wunderbar nachzeichnen, ganz besonders anhand der Biographie des Petrus: Er hat vieles gesehen und gehört, was Jesus gesagt und getan hat. Er hat vieles davon noch gar nicht verstanden, doch nicht vergessen. Am Pfingsttag ist der Geist so wie auf alle Apostel auf ihn herabgekommen und hat ihm die Augen geöffnet, ihm alles Unverständliche aufgedeckt und an alles erinnert, was sich zwischenzeitlich in sein Unterbewusstsein abgesetzt hat. Es ist ein Teamwork der Zeugenschaft, so wie sie es nun vor den Hohepriestern bekunden.
All die Worte erzürnen den Hohen Rat nur noch mehr. Sie beschließen, die Apostel zu töten. Es entwickelt sich ganz so wie bei Jesus, was uns nicht wundert. Schließlich folgen sie ihm nach, der diese Verfolgungen für seine Jünger schon vorhergesagt hat.

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 
9 Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!
17 Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.
18 Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.
19 Nahe ist der HERR den zerbrochenen Herzen und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.
20 Viel Böses erleidet der Gerechte, doch allem wird der HERR ihn entreißen.

Heute beten wir einen wunderbaren Lobpreispsalm, mit dem wir Gottes große Taten rühmen.
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
David möchte Gott in allen Lebenslagen (allezeit), mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Kostet und seht, wie gut der HERR ist! Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet!“ Dieses Schriftwort wird vom Priester sehr oft direkt vor dem Kommunionempfang gebetet, also eucharistisch ausgelegt. Ja, wir können kosten, wie gut der HERR ist, wenn wir ihn in uns aufnehmen und uns mit ihm vereinen. Er ist wie Balsam für unsere Seele und umhüllt uns ganz mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Dann ist es wirklich ein Zufluchtnehmen im Meer seiner Barmherzigkeit, ein Eintauchen in den tiefsten Grund seines für uns durchbohrten Herzens. Das sehen wir bei den Aposteln, die von dort ausgehend in die Freiheit geführt worden sind – im wahrsten Sinne des Wortes! Und nun stehen diese Zeugen für Christus vor dem Hohen Rat und können dieses Psalmwort wirklich auf sich beziehen, die sie sich ganz zum Herrn flüchten.
„Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.“ Das ist das Gottesbild König Davids, der die Psalmen komponiert hat. Er spricht aus Erfahrung, denn seine schweren Sünden haben Unheil nach sich gezogen. Der eigene Sohn Abschalom trachtete ihm sogar nach dem Leben. Aber wir verstehen heute, dass dies nicht heißt, dass Gott sich vom Angesicht des Sünders abgewandt hat. Vielmehr muss David, der durch die Sünde aus dem Stand der Gnade getreten ist, nun die Konsequenzen seiner Tat tragen und Gott muss es akzeptieren. Wenn die Wendung „ihr Andenken von der Erde zu tilgen“ verwendet wird, ist das ein Zeichen des Fluchs. Erinnert man sich dagegen auch nach dem Tod eines Menschen noch an ihn, ist es Zeichen des Segens. Dies können wir heute auf die Gottlosen der Lesung beziehen. Ihre Sünde schreit zum Himmel und zieht lange Kreise. So ist es ein tröstliches Psalmwort auch für die Apostel, die genau wissen, dass Gott das Unrecht, das an dem Evangelium Jesu Christi begangen wird, nicht ohne Konsequenzen bleibt. Die Hohepriester haben aus ihrem Fehler am Sohn Gottes nicht gelernt und wollen ihn an Jesu Aposteln wiederholen. Das wird Konsequenzen nach sich ziehen.
„Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.“ Gott ist barmherzig und er hört das Schreien seines Volkes. Er hat dies schon getan, als sein auserwähltes Volk unter der Sklaverei Ägyptens litt. Er hat das Schreien der Propheten gehört, die für seine Weisung umgebracht worden sind. Er hat auch das Schreien seines eigenen Sohnes am Kreuz gehört. So hat er ihn von den Toten auferweckt und ihn über alle erhöht. Und so hört er auch das Schreien der Apostel, die mutig für Christus einstehen und dafür bedroht werden.
Dann macht David eine entscheidende Beobachtung: Gott bringt den zerschlagenen Geistern und zerbrochenen Herzen Hilfe. Erstens müssen wir das auf David selbst beziehen, der hier aus Erfahrung spricht. Seine Sünde hat ihn unglücklich gemacht, in erster Linie wegen der zerbrochenen Beziehung zu Gott. Er hat sich selbst gedemütigt, er hat sich selbst in seiner ganzen Unvollkommenheit und Erlösungsbedürftigkeit gesehen. Dieser realistische Selbstblick ist, was wir Demut nennen und das der fruchtbare Ausgangspunkt für Gottes Gnade ist. So ist es auch mit dem ganzen Volk Israel, das immer wieder schuldig geworden ist durch Götzendienst, das immer wieder die schmerzhaften Konsequenzen tragen musste und so nach dem Messias geschrien hat. Dieser ist gekommen, er ist die Hilfe, er ist Jesus, „Jahwe rettet“. Gott rettet auch die Menschen heute, indem er jenen die Taufgnade schenkt, die umkehren und an ihn glauben. Er rettet jeden einzelnen Menschen, der schuldig geworden ist und voller Reue, mit einem zerschlagenen Geist und einem zerbrochenen Herzen zu ihm zurückkehrt. Er ist sofort bereit, den Menschen zu vergeben, die von Herzen umkehren. Er versetzt uns alle dann wieder zurück in den Stand der Gnade. Das Sakrament der Versöhnung ist ein ganz großes Geschenk, das viel zu selten angenommen wird. Und am Ende der Zeiten wird Gott allen zerbrochenen Herzen und zerschlagenen Geistern die Tränen von den Augen abwischen. Sie alle werden das Heil schauen und in Ewigkeit bei Gott sein. Jesus hat so viel gelitten und ist am Ende schandvoll gestorben, doch mit der Auferstehung hat er, haben auch alle seine Lieben, vor allem seine mitleidende Mutter, allen Grund zu feiern und sich zu freuen. Sie sind beide jetzt mit Leib und Seele bei Gott und sind in der ewigen Glückseligkeit, die auch wir erfahren dürfen, wenn wir den Weg Jesu nachgehen. Gebe Gott, dass auch die hochmütigen Hohepriester von ihrem hohen Ross herabsteigen und sich so sehen, wie sie sind, auf dass sie mit zerschlagenem Geist zu Gott zurückkehren und auch Jesus als den Christus anerkennen.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns allem Bösen entreißt. Er tut dies schon zu unseren Lebzeiten immer wieder. Wie viele Katastrophen erleben wir im Laufe unseres Lebens und wie oft hilft uns der Herr da heraus? Er tut dies auch mit den moralischen Gefahren, den geistigen Anfechtungen, allen Angriffen des Bösen, durch die er uns zur Sünde provozieren will. Gott schenkt uns die helfende Gnade und verleiht uns vor allem durch das Sakrament der Beichte die Kraft, die Standhaftigkeit, die Selbstbeherrschung und Wachsamkeit, den Angriffen des Bösen beim nächsten Mal besser widerstehen zu können. Und spätestens nach unserem Tod wird er uns ganz in Sicherheit bringen, wo wir nicht mehr kämpfen müssen, wo uns der Böse nichts mehr anhaben kann.

Joh 3
31 Er, der von oben kommt, steht über allen; wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch. Er, der aus dem Himmel kommt, steht über allen.

32 Was er gesehen und gehört hat, bezeugt er, doch niemand nimmt sein Zeugnis an.
33 Wer sein Zeugnis annimmt, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.
34 Denn der, den Gott gesandt hat, spricht die Worte Gottes; denn ohne Maß gibt er den Geist.
35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.
36 Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm.

Heute hören wir ein weiteres Mal einen Ausschnitt aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus. Jesus führt weiter aus, was er bereits angeschnitten hatte – der aus dem Geist wiedergeborene Mensch ist es aufgrund des Messias, der von oben kommt. Was heißt das?
„Er, der von oben kommt, steht über allen“ – Jesus ist das ewige Wort, das vor aller Zeit beim Vater war, das keinen Anfang und kein Ende hat. Er steht über allen, weil alle geschaffen sind im Gegensatz zu ihm.
„Wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch.“ Menschen, die biologisch in diese Welt geboren worden sind, denken ganz in den irdischen Kategorien. Sie sind diesen ganz verhaftet. Jesus, der über sich in der dritten Person spricht, ist aber nicht einfach nur in diese Welt geboren. Er ist gleichzeitig Gott und steht über allen Irdischen.
Er bezeugt, was er gesehen und gehört hat, nämlich den Vater. Jesus ist der einzige authentische Exeget Gottes, weil er ganz eins ist mit ihm. Sein ganzes Wesen ist eine einzige Auslegung des Vaters. Er bezeugt ihn mit jedem Blick, mit jedem Wort, mit jeder Geste, mit seiner reinen Anwesenheit. Und doch nehmen die Menschen ihn nicht an. Man könnte denken, aber warum nicht, wenn er doch eine einzige Auslegung des Vaters ist? Jesus hat die Antwort schon vorweggenommen: Die Menschen sind dem irdischen Denken verhaftet. Sie verstehen nur, was innerhalb dieser irdischen Kategorien verständlich ist. Wenn er dagegen als Himmlischer himmlisch ist, fällt es den Menschen schwer, es zu fassen. Es ist aber nicht unmöglich, denn Jesus sagt: „Wer sein Zeugnis annimmt, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.“ Jesus und der Vater sind eins, deshalb fährt er fort: „Denn der, den Gott gesandt hat, spricht die Wortes Gottes; denn ohne Maß gibt er den Geist.“ Wer Christus annimmt mit dem, was er bezeugt, nimmt den Vater an, nimmt Gott an, der die beiden sind, aber nicht nur die beiden, sondern auch der Geist, den Christus ohne Maß gibt. Es ist eine dreifaltige Aussage.
Weiterhin führt Jesus aus, wie sein Verhältnis zum Vater ist: „Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.“ Jesus sagt selbst, dass er die volle göttliche Vollmacht hat. In seiner Hand ist alles, nicht nur ein wenig, alles. Und deshalb hängt das gesamte Heil des Menschen davon ab, ob er Christus anerkennt oder nicht. Deshalb sagt er, dass der Glaube an ihn zum ewigen Leben führt. Dies bezeugen wir äußerlich durch die Taufe. Deshalb ist sie heilsnotwendig. Wer aber nicht an den Christus glaubt, das heißt, wer ihm nicht gehorcht (Glaube und Gehorsam gehören zusammen! Vergleiche Noah, Abraham, Maria etc.), auf dem bleibt Gottes Zorn. So ist es unmöglich, das ewige Leben zu haben, das heißt bei Gott zu sein. Dann erwartet einen die ewige Abgeschnittenheit von Gott.
Was Jesus hier erklärt, ist absolut auf die Hohepriester zu beziehen, die in der Lesung die Apostel verhören. Sie haben bei Jesus einen großen Fehler begangen und nicht die Apostel bringen das Blut Jesu über sie, sondern sie haben es selbst getan im Moment der Auslieferung an Pilatus. Sie haben etwas Schreckliches getan, doch nun erhalten sie eine zweite Chance. Sie könnten Jesus rehabilitieren und für ihre schwere Sünde büßen. Stattdessen wiederholen sie die Sünde und erkennen gar nicht, was sie falsch gemacht haben. Sie bleiben weiterhin im Unglauben und wollen Jesus nicht als den Messias erkennen. Sie verschließen sich der Vergebung und somit dem ewigen Leben. Jetzt stehen die Apostel schon direkt vor ihnen und bekennen freimütig, was die Wahrheit ist. Doch sie wollen es nicht annehmen. Stattdessen erfüllt es sie mit noch mehr Zorn und sie wollen nun auch diese mundtot machen. Sie erkennen die Zeit der Gnade nicht. Sie sind von der Erde und denken ganz irdisch. Sie schaffen es nicht, die himmlische Denkweise nachzuvollziehen. Sie schaffen es nicht nur nicht, sondern sie wollen es auch gar nicht. Ihre Haltung ist ganz ablehnend.

Erkennen wir in den Hohepriestern Negativbeispiele und machen wir es ihnen nicht nach in der Verstocktheit und anhaltenden Ablehnung der offensichtlichen Wahrheit. Seien wir vielmehr wie die Jerusalemer, die die Zeichen und Wunder sehen, die sich von den Worten des Evangeliums berühren lassen und umkehren, Tag für Tag aufs Neue!

Ihre Magstrauss

Samstag der Osteroktav

Apg 4,13-21; Ps 118,1-2.14-15.16-17.18-19.20-21; Mk 16,9-15

Apg 4
13 Als sie den Freimut des Petrus und des Johannes sahen und merkten, dass es ungebildete und einfache Leute waren, wunderten sie sich. Sie erkannten sie als Jünger Jesu,

14 sahen aber auch, dass der Geheilte bei ihnen stand; so konnten sie nichts dagegen sagen.
15 Sie befahlen ihnen, den Hohen Rat zu verlassen; dann berieten sie miteinander
16 und sagten: Was sollen wir mit diesen Leuten anfangen? Dass ein offenkundiges Zeichen durch sie geschehen ist, das ist allen Einwohnern von Jerusalem bekannt; wir können es nicht abstreiten.
17 Damit aber die Sache nicht weiter im Volk verbreitet wird, wollen wir ihnen unter Drohungen verbieten, je wieder in diesem Namen zu irgendeinem Menschen zu sprechen.
18 Und sie riefen sie herein und verboten ihnen, jemals wieder im Namen Jesu zu verkünden und zu lehren.
19 Doch Petrus und Johannes antworteten ihnen: Ob es vor Gott recht ist, mehr auf euch zu hören als auf Gott, das entscheidet selbst.
20 Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.
21 Jene aber drohten ihnen noch mehr und ließen sie dann gehen; denn sie sahen keine Möglichkeit, sie zu bestrafen, mit Rücksicht auf das Volk, da alle Gott wegen des Geschehenen priesen.

Gestern hörten wir bereits das freimütige Bekenntnis des Petrus vor dem Hohen Rat, als Johannes und er vernommen werden. Er hat ganz offen erklärt, dass die Heilung im Namen dessen geschehen ist, den die Hohepriester haben umbringen lassen, Jesus der Christus.
Heute hören wir nun die Reaktion derer, die sie verhören.
Sie wundern sich über den Freimut, mit dem die Apostel vor ihnen stehen. Normalerweise würde man erwarten, dass ein Menschen ganz eingeschüchtert und kleinlaut vor der religiösen Elite Israels ist. Doch diese ganz einfachen Männer, die keinerlei Bildung genossen haben, sprechen total tiefgründig und legen die Heilige Schrift aus. Die Hohepriester merken, dass hier etwas passiert, denn auf solch tiefe Gedanken, die selbst die der Schriftgelehrten übersteigt, kann ihrer Meinung nach ein einfacher Jude nicht kommen. Für uns Hörer des Wortes Gottes heute ist das ein ganz klares Zeichen für den Hl. Geist, der den Menschen am besten unterweist in der Weisheit Gottes. Er ist es, der die Linien der gesamten Schrift auf Christus zusammenführt. Er deckt den Menschen auf, wie die messianischen Verheißungen sich erfüllt haben.
Die Hohepriester sind verwirrt, müssen aber glauben, dass die Heilung tatsächlich stattgefunden hat. Schließlich steht der Geheilte neben den Aposteln vor ihnen.
Interessant ist auch, dass die Hohepriester die Apostel wiedererkennen. Die Ereignisse um Jesus herum sind jetzt noch nicht allzu lange her, aber dennoch sehen sie ja viele Menschen im Laufe der Zeit. Der Tempel wird von Gläubigen ja immerzu aufgesucht.
Die Situation ist etwas verzwickt für den Hohen Rat. Sie möchten keinen öffentlichen Aufruhr, indem sie die Apostel bestrafen, denn alle preisen Gott dafür und halten es wirklich für eine gute Tat. Sie können aber auch nicht so tun, als sei nie etwas geschehen. Das ganze Volk hat den Geheilten gesehen und die Bekenntnisrede des Petrus gehört.
Also schärfen sie den Aposteln unter Drohungen ein, nicht mehr im Namen Jesu aufzutreten und zu verkündigen.
Die Apostel nehmen kein Blatt vor den Mund und sagen auf geschickte Weise (entscheidet selbst), dass sie Gott mehr gehorchen werden als den Hohepriestern.
Was sie erlebt haben, hat ihr Leben dermaßen verändert und sie so begeistert, dass sie es einfach gar nicht für sich behalten können.
Das ist für uns ein wichtiges Stichwort. Hier geht es nicht einfach nur um die Osterfreude, die geteilt werden will. Sie sind durch den Hl. Geist neugeboren worden. Der Hl. Geist ist die Liebesglut Gottes, die immer über den Menschen hinausgeht. Sie ist so groß, dass sie über die Liebe, die Gott in sich ist, hinausgeht und die Welt schafft. Menschen als Gottes Abbild sind mit dieser Liebesglut geschaffen worden, dass ihre Liebe ebenfalls über sich selbst hinausgeht und neues Leben schafft. Und so ist es auch mit der geistlichen Natur der neuen Schöpfung, zu der die Apostel nun gehören. Die in ihre Herzen ausgegossene Liebe strömt über sie hinaus zu den Menschen, mit denen sie diese Liebesglut teilen müssen. Sie können nicht anders, denn es drängt sie, dies weiterzugeben.
Der Hohe Rat droht ihnen noch mehr, weil sie nicht wieder dasselbe Procedere durchmachen will wie mit Jesus, der eine ganze Volksbewegung verursacht hat. Die Hohepriester mögen sich noch so bemühen wie sie wollen. Gott ist stärker und auch wenn sie Jesus umgebracht haben, kann das Reich Gottes nicht gestoppt werden. Im Gegenteil. Dadurch haben sie es erst so richtig in Gang gebracht.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
14 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR; er ist für mich zur Rettung geworden.
15 Schall von Jubel und Rettung in den Zelten der Gerechten: Die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie,
16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.
18 Der HERR hat mich gezüchtigt, ja, gezüchtigt, doch mich dem Tod nicht übergeben.
19 Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, ich will durch sie hineingehn, um dem HERRN zu danken!
20 Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte dürfen hineingehn.
21 Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst, du bist mir zur Rettung geworden.

Heute beten wir den so wunderbaren Psalm 118, der durch die Auferstehung Jesu Christi zu unserem Lebensprogramm geworden ist. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
„Israel“ ist nun nicht mehr nur das irdische Volk der zwölf Stämme, sondern meint nun alle, die an Christus glauben. Wir alle sollen nun sagen: „Seine Huld währt ewig.“ Wir sind es, die Gott fürchten.
Gott ist wirklich die Stärke und das Lied aller, die gerettet worden sind. Er selbst ist zur Rettung geworden, indem er Mensch wurde, unter den Menschen lebte und sich für sie hingegeben hat.
Die „Zelte der Gerechte“ erkennen wir jetzt nicht mehr nur als Häuser jener Israeliten, die in der Wüste ihr Zelt aufschlugen, sondern es meint vor dem Hintergrund der Apostelgeschichte auch jene, in deren Häusern die Eucharistie gefeiert worden ist.
Die Rechte des Herrn hat wirklich große Taten vollbracht. Damals schon beim Auszug aus Ägypten hat er heftige Wunder getan, sogar das Meer gespalten! Doch was er nun an Christus getan hat, ist unvergleichlich höher! Er hat nämlich seinen einzigen Sohn hingegeben. Dieser ist gestorben und von den Toten auferstanden, um das ewige Leben aller Menschen gestern, heute und morgen zu erwirken!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Gott züchtigt seine Kinder, das heißt, er erzieht uns und gibt uns Lektionen auf, damit wir unser eigenes Ego immer mehr abbauen, demütiger werden und ihm immer besser nachfolgen. Dies ist uns gestern sehr eindrücklich an Petrus deutlich geworden. Und das allnächtliche Fischen ohne Erfolg, das uns im gestrigen Evangelium berichtet worden ist, ist genau so eine Züchtigung. Gott lässt es zu, damit die Apostel lernen, dass sie ganz auf ihn angewiesen sind, der ihnen Segen und Erfolg schenkt, selbst in dem Beruf, den sie professionell ausüben können.
Und auch wenn Gott manchmal wartet, bis wir in die Knie gezwungen werden, lässt er uns doch nicht in die Irre gehen oder sogar sterben. Er rettet uns und wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.
Bemerkenswert ist das hier verwendete Tor-Motiv. Der Psalm ist ja ein Wallfahrtspsalm, weshalb in diesem Kontext zunächst auch wieder die Stadttore Jerusalems und des Tempels gemeint sind. Dass v.a. das zweite zu verstehen ist, sieht man an der Bemerkung, dass nur Gerechte hineingehen dürfen. Dem HERRN zu danken, meint nicht nur mit Worten, sondern auch mit Dankopfern. Umso mehr ist also der Tempel in Jerusalem gemeint. Wir Christen beten auch diesen Psalm, also müssen wir ihn auch allegorisch betrachten. Die Tore sind dann die Kirchentore, durch die wir zum Allerheiligsten gelangen, das die Eucharistie im Tabernakel/in der Monstranz oder in der Hl. Messe ist. Der entscheidende und berührende Unterschied: Jeder darf zum Allerheiligsten kommen, auch die Ungetauften. Bei den Juden gab es verschiedene Bereiche auf dem Tempelgelände, die, je näher man dem Allerheiligsten (der Bundeslade) kam, von immer weniger Befugten betreten werden durften. Hier dürfen nun alle kommen. Jesus hat es schon grundgelegt, indem er gesagt hat: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hindurchgeht, wird gerettet werden (Joh 10). Das Allerheiligste in sich aufnehmen durch den Empfang der Kommunion dürfen aber auch heute nur die Gerechten, wir sagen theologisch die im Stand der Gnade Seienden. In dieser moralischen Auslegung versteht man die Aussage „Tore der Gerechtigkeit“. Durch die Taufe und danach durch die Beichte öffnen sich diese Tore der Gerechtigkeit, sodass man in Gemeinschaft mit Gott sein kann.
Wir sind in der Osteroktav und danken dem Herrn jeden Tag für seine große Rettung, mit der er uns Antwort auf die Sehnsucht nach Erlösung gegeben hat. Wir danken dem Herrn in besonderer Weise durch das Gloria.

Mk 16
9 Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte.
10 Sie ging und berichtete es denen, die mit ihm zusammengewesen waren und die nun klagten und weinten.
11 Als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, glaubten sie es nicht.
12 Darauf erschien er in einer anderen Gestalt zweien von ihnen, als sie unterwegs waren und aufs Land gehen wollten.
13 Auch sie gingen und berichteten es den anderen und auch ihnen glaubte man nicht.
14 Später erschien Jesus den Elf selbst, als sie bei Tisch waren; er tadelte ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten.
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!

Als Evangelium wird uns heute wieder ein österlicher Text vorgelesen. Die Erscheinungen des Auferstandenen werden im Markusevangelium etwas knapper erzählt als in anderen Evangelien, weil das gesamte Evangelium etwas kürzer ausfällt.
Wir erfahren noch einmal, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist und dies im Morgengrauen. Die tiefe Bedeutung der Auferstehung mit dem Aufgehen der Sonne habe ich mehrfach schon thematisiert. Nach jüdischem Verständnis kommt der Messias aus dem Osten – das Wort für den Osten ist dasselbe Wort für den Sonnenaufgang! Es ist also absolut logisch, dass Christus also mit dem Aufgang der Sonne von den Toten auferstanden ist, er ist die Sonne der Gerechtigkeit!
Wir erfahren auch nochmal, dass Maria Magdalena die erste Zeugin der Auferstehung ist. Hier wird auch angemerkt, dass Jesus sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben hat. Dies ist unterschiedlich gedeutet worden: Entweder waren es wirklich sieben Dämonen oder die Siebenzahl ist ein Zahlencode für die Fülle. Dann wären es einfach viele unterschiedliche Dämonen. Oder es ist angenommen worden, dass damit die sieben Todsünden/Hauptsünden gemeint sind, worauf die Siebenzahl geschlossen worden ist. Eines ist auf jeden Fall klar: Maria Magdalena war ganz tief verstrickt in die Sünde. Durch Jesus hat sie eine tiefe Bekehrung erlebt. Von da an hat die reiche Witwe Jesus und seine Jünger mit ihrem Vermögen unterstützt und ist selbst Jüngerin Jesu geworden mit einer brennenden Liebe zu ihm.
Wir hören davon, dass Maria Magdalena den Aposteln von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen berichtet und diese es zunächst nicht glauben.
Es wird sogar das Emmaus-Ereignis angesprochen, auch wenn die Details nicht ausgefaltet werden.
Jesus erscheint schließlich den Aposteln und spricht sie auf ihren Kleinglauben an. Diese Apostel vor dem Pfingstereignis sind noch ganz anders als nach der Gabe des Hl. Geistes. Dann haben sie keine Angst mehr, stehen mutig ein für Christus und haben einen brennenden Glauben.
Gottes Geist kann Menschen wirklich ganz verwandeln!
Wir hören auch davon, dass Christus seine Apostel in die ganze Welt aussendet, um das Evangelium zu verkünden. In der Apostelgeschichte lesen wir einen ersten Anfang dieser Evangelisierung. Sie beginnt im Kern, in Jerusalem und dann auch noch im Tempel. Das ist wichtig, denn dort wohnt die Herrlichkeit Gottes.
Das zeigt uns, dass auch wir, die wir Österliche sind, die wir getauft sind auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, die wir den Hl. Geist empfangen haben, ebenfalls das Evangelium verkünden müssen mit unserem eigenen Leben, aber auch mit unserem freimütigen Bekenntnis. Dieser missionarische Kerngedanke ist heutzutage so sehr abhanden gekommen und eingeschlafen. Wir alle haben diese Berufung durch die Taufe. Jeder von uns hat die Verantwortung von Gott bekommen. Dabei denken viele: „Ach, ich bin doch nur ein normaler Mensch. Was kann ich schon ausrichten?“ Manche denken sogar: „Was andere tun, ist nicht meine Sache. Hauptsache ich halte mich an die Gebote Gottes. Religion ist Privatsache.“ Dabei verkennen sie, dass ihr ganzer Lebensstil ein einziger missionarischer Akt sein soll. Wir können gar nicht anders, als aufzufallen in einer Welt zunehmender Säkularisierung. Wenn wir dann auf unser Anderssein angesprochen werden, sollen wir mutig einstehen für den Glauben und erklären, was unsere Motivation für ein solches Leben ist. Das ist dann die Gelegenheit, wie Petrus in den Hallen Salomos den Tod und die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden, sodass die Menschen innerlich davon ergriffen werden und sich ebenfalls für Christus begeistern lassen.

Ostern und Pfingsten führen hinein in ein missionarisches Leben und Gott wird uns am Ende unseres Lebens die verpassten Gelegenheiten aufzeigen. Dann wird er von uns Rechenschaft verlangen. Er hat uns den Geist gegeben, damit er übersprudelt und übergeht auf andere. Haben wir dann genug davon weitergegeben oder es für uns selbst behalten?

Ihre Magstrauss

Freitag der Osteroktav

Apg 4,1-12; Ps 118,1 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Joh 21,1-14

Apg 4
1 Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.

2 Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
3 Und sie legten Hand an sie und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Es war nämlich schon Abend.
4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
5 Es geschah: Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
6 dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas, Johannes, Alexander und alle, die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
7 Sie stellten die beiden in die Mitte und forschten sie aus: Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
9 Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
10 so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
11 Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Heute hören wir die nachfolgenden Ereignisse, nachdem Petrus seine Bekenntnisrede in der Halle Salomos gehalten hat.
Die religiöse Elite bestehend aus dem Tempelhauptmann, den Sadduzäern und Hohepriestern tritt herzu und regt sich über die ganze Aktion auf.
Es passt ihnen überhaupt nicht, dass Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu predigen, den sie nach umfassender Intrige endlich ans Kreuz bekommen haben.
So werden die beiden festgenommen und über Nacht gefangen gehalten. Das ist ihre erste Erfahrung mit Anfeindungen, weil sie im Namen Jesu gepredigt haben. Auch wenn sie festgehalten werden, kann die Tempellobby nichts dagegen tun, dass eine riesige Menge sich dem Glauben anschließt und die Zahl der Jerusalemer Urgemeinde auf 5000 ansteigt.
Am nächsten Tag werden die Apostel ähnlich wie Jesus damals verhört.
Es sind dieselben Hohepriester versammelt, die ähnliche Fragen stellen wie damals bei Jesus. Ihnen geht es um die Kraft, mit der die Apostel das Wunder vollbracht haben.
Auch jetzt ist Petrus nicht eingeschüchtert, sondern erfüllt vom Hl. Geist, der ihm den Mut verleiht, bekennt er Christus: In seinem Namen ist diese gute Tat an einem kranken Menschen vollzogen worden, den eben jene Hohepriester ans Kreuz gebracht haben, den der Tod aber nicht festhalten konnte. Jesus ist von den Toten auferstanden, so hat er den Tod und die Intrige der Hohepriester besiegt.
Genau diese Aussage untermauert Petrus mit dem sehr bekannten und viel verwendeten Zitat aus Ps 118: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ Er zitiert die Hl. Schrift, weil er in der Sprache der Gelehrten sprechen möchte und die Erfüllung der Verheißungen unterstreichen möchte. Er versucht, ihnen den Wald begreiflich zu machen, von dem sie bisher nur die einzelnen Bäume betrachtet haben.
Petrus ist wie ausgewechselt. Er spricht freimütig, er zitiert dabei die Schrift und bezieht sie auf Christus. All dies verstand er zuvor nicht und er fürchtete sich davor, irgendeinen Nachteil zu erleiden dafür, dass er Jünger Jesu ist. Doch der Geist Gottes ist auf die Apostel hinabgestiegen und wirkt nun auch durch ihn. Er nimmt es sehr ernst, dass Christus ihn zum Felsen seiner Kirche gemacht hat. Wahrlich, er ist wirklich ein Fels in der Brandung, der die aufkommende Kirche mit allen Mitteln verteidigt! An ihm sehen wir, was möglich ist, wenn wir uns ganz und gar dem Wirken Gottes hingeben. Wenn wir uns ihm anbieten und ihm wirklich sagen: „Tue mit mir, was du willst! Nimm mein Leben hin!“, dann wird er aus uns glänzende Diamanten machen. Er wird uns schleifen, sodass wir unvorstellbar über uns selbst hinauswachsen. Wir werden selbst erstaunt sein, zu was Gott fähig ist mit uns!
Gott liebt auch die Hohepriester, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, alle, die ihn ablehnen. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Und so ist die ganze Situation für sie eine einzige Lektion. Sie sollen die Chance bekommen, die Ablehnung Jesu wieder gut zu machen. Stattdessen geht ihre Sturheit mit seinen Jüngern weiter.
So ist Gott. Er gibt uns immer wieder Chancen zur Umkehr. Er versucht einfach alles, um unsere Liebe zu erhalten. Er hat aus Liebe alle Menschen ins Dasein gerufen und möchte, dass jeder ihn zurückliebt. Deshalb wirbt er um jeden, deshalb versucht er, sich begreiflich zu machen. Bis zur letzten Sekunde unseres Lebens versucht er alles, damit wir nicht verloren gehen!

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.

23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.

27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Im Kontext der Osteroktav beten wir wiederholt Psalm 118. Er wird uns die nächsten Tage immer wieder begleiten – wir haben ihn schon in der Osternacht gebetet. Es gibt kaum einen Psalm, der besser in die Osterzeit passt.
Gottes große Heilstaten verdienen stets unser Lob und unseren Dank. Wir können gar nicht genug danken für alles, was Gott uns Gutes tut! Und im Anschluss an den Mut des Petrus, der zur Heilung des Gelähmten steht, der die Chance für eine Bekenntnisrede nutzt und weitere 2000 Männer zum Glauben an Christus führt, können wir wirklich nur in einen Lobpreis verfallen!
Ganz im Psalmenstil beginnt das Danklied mit einer Aufforderung zum Dank, denn Gottes „Huld währt ewig!“
Alle Gottesfürchtigen sollen dies gläubig bekennen. Heute sind ganze 2000 Männer hinzugekommen, die gottesfürchtig geworden sind – sie waren es schon vorher, nun aber sind sie zugleich christusfürchtig geworden!
Dann beten wir Vers 22, den Petrus vor der Tempelelite auf Christus bezieht, auf ihn, dessen Verwerfung und Hinrichtung am Kreuz die Erlösung aller Menschen gebracht hat!
Gott hat diese Erlösung erwirkt, indem er selbst am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Kein anderer Gott hat auf diese Weise die Menschheit erlöst und so können wir nicht anders, als zu jubeln und uns über ihn zu freuen. Diese Freude ist mehr als nur eine situative Emotion. Es handelt sich um eine innere Gewissheit, dass am Ende der Zeiten das Heil Gottes steht. Diese Gewissheit trägt den österlichen Menschen durch alles Leid hindurch, sodass er nicht anders kann, als optimistisch zu sein. Das hat nichts mit billiger Jenseitsvertröstung zu tun, sondern ist vielmehr ein gewandeltes irdisches Dasein mit einem österlichen Blick.
„Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN!“ Diesen Ausruf haben die Jünger Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem gesungen, als er auf einer Eselin hineingeritten kam und so als Messias die Hl. Schrift erfüllt hat. Wir beten diesen Ausruf in der Messe im sogenannten Benedictus, das heutzutage mit dem Sanctus gekoppelt ist.
„Wir segnen euch vom Haus des HERRN her“ ist für die Juden die höchste Form von Segen. Im Haus des HERRN, das heißt im Jerusalemer Tempel, ist Gott gegenwärtig. Der Tempel existiert heute nicht mehr. Dieser Vers ist für uns Christen nun auf den eucharistischen Segen zu beziehen, der die höchste Form von Segen darstellt. Gott wohnt im Haus des HERRN, das heißt jetzt in jedem Tabernakel der Kirche. Von dort aus geht ein Segen aus, der gleichzusetzen ist mit dem Segen Christi, den er den Menschen durch seine Heilstaten erwiesen hat. Er ist genauso leibhaftig anwesend wie vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er in Menschengestalt auf Erde wandelte.
Gott ist der HERR und er hat uns Licht geleuchtet – Christus, das Licht der Welt. Er ist der Messias, der die Finsternis erleuchtet hat, wie Jesaja schon 700 Jahre vor Christi Geburt angekündigt hat und wie Christus selbst über sich gesagt hat.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im Evangelium hören wir nun von einer dritten Erscheinung Christi vor seinen Aposteln.
Die Apostel sind am See von Tiberias, womit der See Gennesaret gemeint ist. Bevor der Hl. Geist auf sie herabkommt, sind sie unschlüssig, wie sie ihr Leben fortsetzen sollen. Zwar hat Jesus ihnen gesagt: „Wie mich der Vater sendet, so sende ich euch!“ Doch sie verstehen das alles noch nicht. Deshalb tun sie das, was sie kennen und was sie vor ihrer Berufung als Jünger Jesu getan haben – fischen.
Petrus ist es ausgerechnet, der wieder als erstes das Wort ergreift und die anderen mitzieht. Er sagt kurzerhand „ich gehe fischen“. Die anderen anwesenden Apostel sagen daraufhin: „Wir kommen auch mit!“ Sie tun, worin sie am besten sind. In einer Situation der Ungewissheit bringt es einem Sicherheit, wenn man alte Gewohnheiten aufleben lässt.
Gott nutzt diese Situation, um ihnen wieder etwas Wichtiges beizubringen. Er lässt zu, dass sie in der gesamten Nacht nichts fangen.
Gegen Morgen erscheint ihnen Jesus am Ufer und fragt sie nach Fisch. Er weiß ganz genau, dass sie nichts gefangen haben, doch er möchte, dass sie dies von sich aus selbst sagen.
Währenddessen erkennen sie Jesus noch nicht. Man könnte annehmen, dass sie es langsam verstanden haben sollten, dass es der Auferstandene sein muss. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind ja mehr als eindeutig. Man kann es vielleicht auf die Tageszeit beziehen. Die Sonne geht gerade erst auf und so ist es noch zu dunkel, Jesus zu erkennen. Wir können es auch auf das besorgte Kreisen der Apostel um sich selbst beziehen, die so von ihren Zukunftsängsten geplagt sind, dass sie gar nicht darauf achten, wer hier mit ihnen spricht.
Eines ist eindeutig: Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet im Morgengrauen zu ihnen tritt. Für die Juden ist es verbreitet, den Messias vom Osten kommend zu erwarten. Im Osten geht die Sonne auf. Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Er kommt im Morgengrauen. Dies haben wir auch schon beim Osterereignis selbst gemerkt! Er ist im Morgengrauen auferstanden und hat somit die Schrift erfüllt! Und nun kommt er wieder im Morgengrauen zu jenen, für die Nacht ist – die in ihrer Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit dahinleben, die nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist ihre Sonne, ihre Hoffnung, ihre Orientierung, ihr Segen. Und deshalb gibt er ihnen dann den Rat, nochmal die Netze auszuwerfen.
Er gibt ihnen Anweisungen, obwohl sie die Profis sind. Womöglich merken sie schon, dass hier etwas passiert, und werfen deshalb nochmal die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Als sie es wieder einholen wollen, ist es so brechend voll, dass die Netze zu reißen drohen!
So ist Gottes Gnade. Wenn er gibt, dann im Überfluss!
Wir können diese ganze Szene bis hierhin absolut auf unser eigenes Leben beziehen: Wenn Christus mit uns ist und wir alles tun, was er uns aufträgt, dann gelingt unser Leben. Wenn wir nach Gottes Willen leben und Hand in Hand mit ihm unser Leben leben, wird er uns überreich segnen. Dann werden wir große Zeichen in unserem Leben erkennen und die Größe Gottes mit eigenen Augen erfahren.
Johannes, der Jesu Herz am besten verstanden hat, der an diesem Herzen geruht hat im Abendmahlssaal und unter dem Kreuz bei der Durchbohrung, er ist der erste, der Jesus erkennt.
Als Petrus das erfährt, zieht er sich das Obergewand an, weil er nackt ist, und springt in den See. Was soll diese seltsame Reaktion? „Nackt sein“ bedeutet in diesem Fall nicht das Splitternacktsein, sondern die fehlende Oberbekleidung. Petrus fühlt sich bloßgestellt. Die eigentliche Nacktheit, die er verspürt, ist das Offenliegen seiner Ohnmacht vor dem Herrn. Er vermag nichts ohne ihn. Die ganze Nacht hat er versucht, das zu tun, was er am besten kann. Und selbst das hat nicht funktioniert. Seine ganze Armut liegt hier vor dem Auferstandenen bloß. Er springt in den See vor lauter Beschämung. Was ist denn daran so schlimm, sich vor Gott so hilflos zu fühlen, wenn dieser einem alles schenken kann? Für Petrus ist das ein Prozess der Demütigung. Er hat noch vor dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu große Töne gespuckt. Er hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt und sich grenzenlos überschätzt, als er zu Jesus sagte: „Mein Leben will ich für dich geben!“ DAS hier ist nun der echte Petrus. Ein einfacher Fischer, der selbst bei seinem Beruf nicht große Töne spucken kann. Der Mensch ist selbst bei den kleinsten Dingen auf Gott angewiesen. Petrus lernt endlich seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit kennen. Er lernt, endlich echt zu werden, authentisch. So lässt Gott auch in unserem Leben zu, dass wir lernen, uns im Angesicht Gottes so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit allen Ecken und Kanten, mit allen Begrenzungen, mit Stärken und Schwächen. Erst wenn wir uns richtig erkannt haben, was Demut heißt, können wir Arbeiter in seinem Weinberg sein oder mit dem Bild dieses Evangeliums – Menschenfischer sein.
Petrus schämt sich vor Jesus, weil er ihn dreimal verleugnet hat. Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, wird Christus ihn dreimal fragen, ob er ihn liebt. Er wird ihn konfrontieren und eine tiefe Versöhnung herbeibringen.
Es hat übrigens eine tiefe Bedeutung, dass sie am Ende die Fische zählen und es sich um 153 Exemplare handelt. So viele Länder sind zu jenem Zeitpunkt bekannt. Es zählt die Weltkarte, was für die Jünger ein Hinweis darauf sein soll, dass sie bald zu Menschenfischern in der ganzen Welt werden!
Jesus nimmt von den Fischen und bereiten den Jüngern ein Mahl. Ja, Jesus ist der Gastgeber auch der Eucharistie, zu der er uns immer wieder einlädt. Er ist es, der die Gaben wandelt und sich darin selbst opfert. Er ist es, der uns in unserem Leben nährt und Kraft schenkt. Er wird uns am Ende der Zeiten alle der Reihe nach bedienen bei der Hochzeit des Lammes. Es wird ein einziges Festmahl sein!
Das ist also die dritte Erscheinung des Auferstandenen. Petrus wird all dies in sich aufgenommen und nach der Spendung des Hl. Geistes begriffen haben. Von seiner Beschämung, von seinem gekränkten Ego, von seiner Furcht wird nichts mehr bleiben. Er wird voll von Erkenntnis und Weisheit freimütig für Christus einstehen und wahrlich ein vorbildlicher Menschenfischer werden. Wir sehen, dass dieser Petrus und der spätere Petrus das großartige Werk Gottes ist. So kann es auch mit uns gehen. Der Hl. Ignatius von Loyola hat es ganz trefflich ausgedrückt, als er sagte: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Genau so ist es. Petrus hat es gewagt und Gott sein Ja gegeben. So hat er eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen mithilfe der Gnade Gottes. Und so können auch wir zu ganz neuen Menschen werden, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, wenn wir ihm nur täglich unser Ja geben.

Das ist eine österliche Freudenbotschaft für alle Getauften und die, die es werden wollen! Es ist nicht zu spät, selbst wenn wir sehr große Sünder sind. Wenn wir den Mut aufbringen, umzukehren und auch den Demütigungsprozess zu durchlaufen, dann kann Gott auch uns ein neues Leben schenken.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der 1. Woche der Fastenzeit

Est 4,17k.17l-m.17r-t; Ps 138,1-2b.2c-3.7c-8; Mt 7,7-12

Est 4
(k) Auch die Königin Ester wurde von Todesangst ergriffen und suchte Zuflucht beim Herrn. Sie legte ihre prächtigen Gewänder ab und zog die Kleider der Notzeit und Trauer an. Statt der kostbaren Salben tat sie Asche und Staub auf ihr Haupt, vernachlässigte ihren Körper, und wo sie sonst ihren prunkvollen Schmuck trug, hingen jetzt ihre Haare in Strähnen herab. Und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels:

(l) Mein Herr, unser König, du bist der Alleinzige. Hilf mir! Denn ich bin hier einzig und allein und habe keinen Helfer außer dir; die Gefahr steht greifbar vor mir.
(m) Von Kindheit an habe ich in meiner Familie und meinem Stamm gehört, dass du, Herr, Israel aus allen Völkern erwählt hast; du hast dir unsere Väter aus allen ihren Vorfahren als deinen ewigen Erbbesitz ausgesucht und hast an ihnen gehandelt, wie du es versprochen hattest. 
(r) Denk an uns, Herr! Offenbare dich in der Zeit unserer Not und gib mir Mut, König der Götter und Herrscher über alle Mächte!
(s) Leg mir in Gegenwart des Löwen die passenden Worte in den Mund und stimm sein Herz um, damit er unseren Feind hasst und ihn und seine Gesinnungsgenossen vernichtet!
(t) Uns aber rette mit deiner Hand! Hilf mir, denn ich bin allein und habe niemand außer dir, o Herr!

Heute hören wir aus dem Buch Ester einen Ausschnitt aus dem Gebet Esters im Anschluss an das Gebet Mordechais. Der Kontext dieses Gebetes ist ein Vernichtungserlass des persischen Königs Artaxerxes über die Juden. Eigentlich ist er mit Ester verheiratet, die er sogar zur Königin einsetzte, obwohl sie Jüdin ist. Die Juden weigern sich, den königlichen Beamten oder dem König selbst zu huldigen, sodass das jüdische Volk ausgerottet werden soll. Es hat politische Gründe, da die Juden sich den königlichen Befehlen verweigern. Warum lässt sich der König zu so einem Edikt hinreißen, obwohl er an seiner Frau Ester so Gefallen hat? Der königliche Fürst Haman hat maßgeblich Einfluss, den der König zum zweitgrößten Mann in seinem Reich gemacht hat. Ihm hat der König seinen Siegelring überlassen und so ist der Vernichtungserlass auf Haman zurückzuführen, der sich vor allem an Mordechai rächen möchte. Seine Verweigerung hat ihn am meisten erzürnt.
Im vierten Kapitel lesen wir deshalb auch ein Gebet Mordechais, bevor wir vom Gebet Esters heute in der Lesung hören:
Sie legt ihre königlichen Gewänder ab und Bußgewänder an. Auch in dieser heutigen Episode beten die Menschen in Bußhaltung – mit entsprechenden Trauergewändern, Verzicht auf Schmuck und Körperhygiene sowie mit Asche auf dem Haupt.
So betet sie und spricht Gott als König an. Das zeigt ihre Einstellung: Gott ist der eigentliche König. Kein Artaxerxes, kein Satrape, kein sonstiger Mensch kann ihm so wirklich das Wasser reichen. Er steht über allen Herrschern der Welt. Sie bittet ihn um Hilfe in der bedrohlichen Situation. Sie hat keinen sonst, der mächtig genug wäre, einen königlichen Erlass rückgängig zu machen. Das Gebet der Ester ist nach einem gängigen Gebetsformular aufgebaut: Nach der Bitte zählt sie die Heilstaten Gottes der Vergangenheit auf und bekundet, dass sie von Anfang an den Gott des Heils erzählt bekommen hat. Sie stellt im Gebet Gott vor Augen, dass er das Volk Israel auf besondere Weise auserwählt hat und die Väter in der Vergangenheit immer wieder aus der Not errettet hat. Er war immer treu und hielt seine Versprechen und Verheißungen ein.
Das Volk Israel, Mordechai und Ester weigern sich, sich vor dem König oder irgendeinem Menschen niederzuwerfen und ihn anzubeten, weil sie Gott lieben. Sie sind ihm treu und sind aus diesem Grund nun in Gefahr. Deshalb bittet sie Gott um seinen Beistand, dass er sie rette, da die Israeliten das alles für ihn tun.
Und von diesem heilsgeschichtlichen Rückblick her formuliert sie nun ihre Bitte: „Denk an uns, Herr!“ Er soll auch in der jetzigen Generation sein Versprechen wahr machen, dass das Volk Israel sein besonderes Eigentum ist.
Interessant ist, dass Ester noch von einem Gottesbild ausgeht, das nicht monotheistisch, sondern monolatrisch zu sein scheint. Das bedeutet, dass sie die Existenz anderer Götter nicht ausschließt, der Gott Israels aber der einzige anzubetende Gott sei. Dies klingt durch die Bezeichnung „König der Götter“ an.
Sie bittet um die richtigen Worte „in Gegenwart des Löwen“. Das zeigt, dass sie den Plan geschmiedet hat, vor den König zu gehen (den Löwen) und ihn umzustimmen. Das ist es, was Jesus dann zu seinen Jüngern sagen wird: „Wenn sie euch aber ausliefern, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.“ (Mt 10,19-20).
Sie bittet auch darum, dass Gott das Herz des Königs erweicht und er sich so umstimmen lässt. Sie bittet darum, dass der König „unseren Feind hasst und ihn und seine Gesinnungsgenossen vernichtet“. Uns mag diese Art von Bitte befremdlich erscheinen, da sie Gott darum bittet, andere Menschen zu töten. Das ist für damalige Zeiten aber die übliche Weise, Gott um die Besiegung der Feinde zu bitten. Wir können solche Ausdrücke nicht von unserem heutigen Verständnis her bewerten. Was sie damit meint ist die Besiegung Hamans und seiner Gleichgesinnten, denen das auserwählte Volk Gottes ein Dorn im Auge ist.
Ester setzt ihr ganzes Vertrauen und ihre ganze Hoffnung auf Gott, den sie als den Einzigen nennt, den sie hat. In der heutigen Lesung bleibt offen, wie es dann ausgeht. Wir wissen aber, dass ihre Gebete erhört werden und dass sie es schafft, mit Gottes Hilfe das ganze Volk Israel vor der Vernichtung zu bewahren. Mordechai wird sogar mit besonderer Ehre ausgestattet und erhält den Siegelring, den der König zuvor Haman überreicht hatte. So hat diese fromme Jüdin das ganze Volk gerettet, aber nicht sie selbst, sondern mit der Hilfe Gottes.

Ps 138
1 Von David. Ich will dir danken mit meinem ganzen Herzen, vor Göttern will ich dir singen und spielen. 

2 Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin, will deinem Namen danken für deine Huld und für deine Treue. Denn du hast dein Wort größer gemacht als deinen ganzen Namen. 
3 Am Tag, da ich rief, gabst du mir Antwort, du weckst Kraft in meiner Seele.

Der heutige Psalm ist ein Dankpsalm, der eine angemessene Antwort auf Gottes Heilstaten in der Lesung darstellt. David hat in seinem Leben viele Gründe, Gott zu danken, denn durch die innige Beziehung zu Gott gelingt ihm alles, was er angeht, z.B. militärische Siege.
„Ich will dir danken mit meinem ganzen Herzen“ ist ein ganz angemessener Willensausdruck, den auch das gesamte Volk Israel im Anschluss an den Sieg über Haman und seine Gesinnungsgenossen anstimmen konnte.
„Vor Göttern will ich dir singen und spielen“ ist ganz klar ein Triumph Gottes über die Götzen, im Falle Esters des Herrscherkults.
Dagegen möchte sich König David und ebenso Ester mit dem gesamten Volk Israel zum heiligen Tempel hin niederwerfen (der zweite Tempel ist zu jener Zeit bereits eingeweiht). Niederwerfen möchte sich Israel nur vor Gott, nicht vor irdische Herrscher, wie es bei den Persern üblich wird.
Gott ist wirklich treu und hält sein Versprechen, das eigene Volk aus der Not zu erretten. So ist es ein Grund, dem Namen Gottes zu danken (Vers 2).
Gott hat auch am Tag, an dem Ester rief (das Gebet hörten wir heute ja), ihre Bitten erhört. Er hat ihr auch die Kraft gegeben, gegen den Giganten aufzutreten, der ihr eigener Ehemann ist. Dabei heißt es wiederum „Kraft in meinem Leben“, denn das Wort für „in meiner Seele“ ist בְנַפְשִׁ֣י b’nafschi. Gott verleiht ihr nicht nur innerlich Kraft, sondern umfassend. So möchte Gott auch uns in unserem Leben stärken, nicht nur innerlich, sondern auch körperlich. Er möchte auch unsere Beziehungen stärken, also alles, was zum Menschen gehört. Es muss uns ganz und gar um ihn gehen und wir müssen ganz auf seine Allmacht und Treue vertrauen. Das ist entscheidend. Ester hat Gott ganz vertraut, ebenso König David. Und auch Jesus wird uns im folgenden Evangelium über das Gottvertrauen etwas erklären.

Mt 7
7 Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet! 

8 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. 
9 Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, 
10 oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? 
11 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.
12 Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.

Wir hören heute wieder einen Ausschnitt aus der Bergpredigt. Im Kapitel zuvor ging es bereits um das Vaterunser, das ein vertrauensvolles Gebet ist. Es ging im Anschluss daran auch um die rechte Sorge, also um das Vertrauen auf die wunderbare Vorsehung Gottes. Nun gibt Jesus Anweisungen zu einem vertrauensvollen Bitten. Er erklärt, was Ester heute wunderbar vorlebt:
„Bittet und es wird euch gegeben“ – Gott hat heute die Israeliten vor der Vernichtung bewahrt, weil eine mutige Jüdin ganz vertrauensvoll darum gebeten hat.
„Sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet“ – Wie viele Personen aus der Bibel und auch viele Heilige haben ihr Leben lang Gott gesucht und ihn gefunden, weil er sie gefunden hat. Besonders eindrücklich sehen wir das am Leben des Augustinus, der verschiedene Stationen durchlaufen hat und jedesmal gemerkt hat, dass es noch nicht das Ende war (von verschiedenen philosophischen Schulen bis hin zur Sekte der Manichäer).
Jesus möchte, dass seine Jünger Gott wirklich vertrauensvoll bitten und nicht meinen, dass es sowieso nichts bringt, Bittgebete an ihn zu richten.
Er vergleicht Gottes Großzügigkeit beim Geben mit den Menschen: Sogar unvollkommene Menschen („ihr, die ihr böse seid“) geben dem Anderen etwas, wenn er darum bittet. Dies verdeutlicht er durch rhetorische Fragen: „Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet?“ Man gibt vor allem den eigenen Kindern, was sie brauchen. Jesus verwendet das Beispiel der Vater-Kind-Beziehung, weil er den Menschen seinen Vater nahebringen will. Auch sie dürfen ihn Vater nennen, so hat es Jesus sie ja durch das Vaterunser gelehrt.
Der Vater im Himmel ist nur gut und gibt umso mehr Gaben, wenn man ihn darum bittet, als ein unvollkommener Mensch, dessen Großzügigkeit begrenzt ist.
Man könnte sich zum Schluss nun fragen, warum Jesus in diesem Zusammenhang die Goldene Regel thematisiert: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“ Das ist aber wichtig und entscheidend, wenn wir möchten, dass Gott unsere Bitten erhört. Wir können nicht total lieblos mit dem Nächsten umgehen und dann erwarten, dass Gott uns aber nur gute Gaben gibt. Nicht umsonst nennen wir das Liebesgebot ein Doppelgebot. Gottesliebe muss die Nächstenliebe zur Folge haben. Deshalb müssen wir auch das, was wir von Gott erwarten, auch unserem Nächsten geben, zumindest in dem Maß, wie wir fähig sind. Jesus sagt an anderer Stelle: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Es muss kongruent sein, sonst brauchen wir eine Gebetserhörung nicht zu erwarten.

Heute hören wir sehr viel über das richtige Bittgebet und über die Notwendigkeit des Gottvertrauens. Lernen wir von Ester und von König David, die nicht nur absolut vertrauensvoll gebetet, sondern die ihr Leben für ihr Volk riskiert haben, um es zu retten (David z.B. vor Goliat, Ester vor dem König Artaxerxes). Sie haben sich ganz für die Anderen hingegeben und das von sich aus Mögliche getan, was sie umfassend von Gott erwartet haben – die Rettung des Volkes Israel.

Wenn wir also so beten möchten wie unsere Vorbilder in den heutigen Lesungen, müssen wir zugleich die Initiative ergreifen: Wir können nicht zugleich um genug Geld bitten und gleichzeitig den Anderen finanziell ausnehmen, ob es unsere Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen sind. Wenn wir Gott um Gesundheit bitten, können wir nicht gleichzeitig so leben, dass die Menschen um uns herum krank werden – indem wir uns z.B. nicht gut genug um unsere Kinder kümmern, dass sie krank werden oder indem wir die Menschen so schikanieren, dass sie in Psychotheraphie müssen. Was wir von Gott erwarten und auch von unserem Mitmenschen, das sollen wir ihnen in erster Linie selbst tun. Wollen wir, dass Gott uns beschützt, dann sollen wir alles daran setzen, auch unsere Mitmenschen zu beschützen. Wenn wir Segen von Gott haben wollen, sollen wir selbst unserem Nächsten ein Segen sein.
Entscheidend ist, dass wir Gott voller Vertrauen bitten und ihm dabei zutrauen, dass er alles tun kann. Ester hat es ihm zugetraut mit Blick auf all die spektakulären Heilstaten, die in den Generationen vor ihr geschehen sind. Auch wir dürfen auf die vergangenen Heilstaten Gottes zurückschauen – vor allem auf das Kreuzesopfer Christi, das in jeder Hl. Messe in die Gegenwart geholt wird! So können auch wir im Glauben gestärkt werden und mit neuem Mut Gott um etwas bitten.

Das können wir in der Fastenzeit auf neue Weise lernen, da wir durch den Verzicht Kapazitäten frei haben für mehr Gebet.

Ihre Magstrauss

Freitag der 4. Woche im Jahreskreis

Sir 47,2-11 (2-13); Ps 18,31 u. 47.48-49.50-51; Mk 6,14-29

Sir 47
2 Wie Fett ausgesondert wird vom Heilsopfer, so war es David von den Söhnen Israels. 

3 Mit Löwen spielte er wie mit jungen Ziegen, mit Bären wie mit Lämmern der Herden. 
4 Hat er nicht in seiner Jugend einen Riesen getötet und die Schmach des Volkes beseitigt, indem er die Hand mit der Steinschleuder erhob und die Prahlerei Goliats zunichtemachte? 
5 Denn er hatte den Herrn, den Höchsten, angerufen und der gab seiner Rechten Kraft, um einen im Krieg geübten Menschen zu beseitigen, um die Macht seines Volkes zu erhöhen. 
6 So ehrten sie ihn unter Zehntausenden und lobten ihn mit Preisungen auf den Herrn, indem sie ihm eine Ehrenkrone brachten. 
7 Denn er vernichtete die Feinde ringsum und erniedrigte die gegnerischen Philister, bis heute hat er ihre Macht gebrochen. 
8 Bei all seinem Tun legte er ein Bekenntnis ab zum Heiligen, dem Höchsten, mit einem Wort der Verherrlichung; mit seinem ganzen Herzen sang er ein Loblied und er liebte den, der ihn gemacht. 
9 Er stellte Psalmensänger auf gegenüber dem Opferaltar, um durch ihren Klang die Lieder zu versüßen, und täglich werden sie ihn mit ihren Gesängen loben. 
10 Er verlieh den Festen Glanz und ordnete die Festzeiten bis zur Vollendung, durch ihr Lob seines heiligen Namens und den Widerhall vom frühen Morgen im Heiligtum. 
11 Der Herr nahm seine Sünden weg und erhöhte seine Macht für die Ewigkeit. Er gab ihm den Bund der Könige und den Thron der Herrlichkeit in Israel. 
12 Nach ihm erhob sich ein verständiger Sohn und seinetwegen wohnte er in weitem Raum. 
13 Salomo regierte als König in Friedenszeiten; ihm hat Gott ringsum Ruhe verschafft, damit er seinem Namen ein Haus baue und ein Heiligtum für die Ewigkeit bereite. 

Heute hören wir aus dem Buch Jesus Sirach, das die heilsgeschichtliche Bedeutung Davids und Salomos reflektiert. Rückblickend schauen wir mit Jesus Sirach auf das Leben und Wirken der Könige.
David wird mit dem Fett von Opfertieren verglichen, das bei Heilsopfern ausgesondert wird. Von den „Söhnen Israels“ ist er ausgesondert, das heißt Gott hat ihn unter seinen Brüdern auf besondere Weise erwählt.
Er war ein messianischer Typos, weil er mit wilden Tieren umgehen konnte. Wir lasen davon, wie er im ersten Samuelbuch von den Kämpfen gegen wilde Tiere sprach, die seine Schafe angriffen. Dies macht ihn deshalb messianisch, weil er darin die neue Schöpfung andeutet, wie wir sie in der Friedensvision Jesajas lesen. Dort liegt der Löwe beim Lamm und ein Knabe kann die wilden Tiere hüten. Es wird eine Versöhnung sein zwischen Mensch und Tier. Diese Typologie klingt schon hier im Buch Jesus Sirach an! In Vers 4 wird ganz deutlich Bezug genommen auf dieses Ereignis, als er nämlich Goliat mit einer Steinschleuder erlegte. Auch deutet dieser Vers schon die mehrfache Befreiung des Volkes von Goliat: Einerseits ist es die physische Gefahr und die drohende politische Unterdrückung. Andererseits hat er das Volk Gottes und Gott selbst beleidigt.
Davids Heldentat besteht also nicht nur in der militärischen Rettungsaktion, sondern vor allem in der Wiedergewinnung der Ehre Israels und Gottes. Dies zeigt der folgende Vers, in dem der Sieg Gottes über den Gotteslästerer als eigentlicher Sieg bezeichnet wird. Mit Gottes Hilfe ist ein gestandener „Veteran“ mit einer einfachen Steinschleuder eines Knaben besiegt worden.
Er hat sich den Königsthron regelrecht erkämpft. Auch die Lobgesänge an den Sieger werden hier angedeutet, die Saul so neidisch gemacht haben.
Jesus Sirach stellt daraufhin den Sieg Davids über alle seine Feinde heraus und merkt sogar an, dass bis zu seiner Zeit die Philister besiegt bleiben.
Sirach erkennt auch an, dass David bei allem immer gottesfürchtig und fromm geblieben ist. Er hat Gott wirklich von Herzen geliebt. Das können wir als Leser und Hörer der letzten Wochen bestätigen. Was auch passiert ist, er hat sich immer um Versöhnung bemüht, weil Gott, „der ihn gemacht“, das heißt sein Schöpfer, ihm so viel bedeutet hat. Er ist auch mit einer Ausnahme immer auf dem Boden geblieben. Er hat seinen wahren Wert in Gottes Augen immer berücksichtigt und sich nicht überhöht. Seinen Erfolg hat er immer auf Gott zurückbezogen. Auch seine Stärke im Lobpreis wird erwähnt, da es heißt „mit seinem ganzen Herzen sang er ein Loblied.“ Diesen Lobgesang hat er auch ausgebaut und die vielen Psalmen geschrieben für verschiedene Anlässe. Dies wird in Vers 9 beschrieben, wo die Rede von Psalmensängern gegenüber dem Opferaltar ist. Verbunden mit dem liturgischen Liedgut ist auch der Festkalender zu nennen, den David geregelt hat. Es gab die Festzeiten ja schon, aber er „verlieh ihnen Glanz“. Er hat die gesamte Liturgie und Tempelpraxis aufgewertet.
Auf den Punkt trifft Sirach es auch im nächsten Vers: „Der Herr nahm seine Sünden weg“. Dies tat er mehrfach. So wurde David der Ehebruch, der Mord an Urija, die Lügerei und auch die Überheblichkeit bei der Volkszählung vergeben. Dies geschah jedoch deshalb, weil David seine Sünden erkannte, bekannte, bereute und wiedergutmachte. Das ist der springende Punkt auch für uns, die wir ihn als Glaubensvorbild sehen: Nichts von unseren Sünden darf uns entmutigen, sodass wir meinen, Gott könne es uns nicht vergeben. Alles möchte er uns verzeihen, solange wir es wirklich von Herzen bereuen. Und auch wenn wir schuldig geworden sind, ist es nicht zu spät, heilig zu werden. Wie viele große Heilige sind zuvor ganz große Sünder gewesen? Das ist für uns ein großer Trost und soll zugleich nichts von unseren bösen Taten beschönigen.
Gott ging sogar noch weiter. Er hat David nicht nur die Schuld vergeben, sondern auch noch seine Macht erhöht. Er hat ihm so viel zugetraut und ihn mit großen Gaben ausgestattet, nicht weil er perfekt war, sondern weil er echt war. Er war ehrlich zu sich selbst und zu Gott. Er wusste genau um seine Schlechtigkeit. Er hat sich eingeschätzt, wie er wirklich war. Das hat ihn dazu befähigt, von Gott so beschenkt zu werden. Wenn wir uns unter- oder überschätzen, sind wir dagegen nicht fähig, den Auftrag Gottes zu erfüllen, den er für uns bereithält. Diese richtige Selbsteinschätzung ist aber die Demut.
Wenn es heißt, dass Gott David „den Bund der Könige“ gegeben hat, bezieht es sich auf den Bundesschluss Davids mit Gott. Die Bundesschlüsse im Alten Testament werden von Mal zu Mal umfassender, sodass während bei Adam und Eva noch ein Ehebund zwischen zwei Menschen besteht, bei David ein Bund zwischen ihm und allen Stämmen Israels geschlossen wird.
„Nach ihm erhob sich ein verständiger Sohn“ bezieht sich auf Salomo, der auf bereitetem Boden wirken konnte. Dass er dann zu so einer großen Herrschaft kommen konnte, hat er seinem Vater David zu verdanken. Verständig ist er in dem Sinne, dass er Gottes Willen verstand. Er wünschte sich von Gott dessen Weisheit in seinem königlichen Handeln. Mit dieser wurde er ausgestattet, sodass er Gott wirklich verstehen konnte.
Wir lesen im letzten Vers heute eine weitere rückblickende Deutung der Geschichte: Als Salomo regierte, war ein dauerhafter Frieden zu beobachten. Dieser ist dem Volk Israel geschenkt worden, weil es sich auf den Tempelbau konzentrieren sollte. Daraus lernen wir, dass wenn Gott uns einen Auftrag gibt, uns auch die passenden Umstände, die Kraft, den Mut, alle notwendigen Mittel dazu gibt. Wenn wir immer nach seinem Willen suchen, wird er uns reich beschenken mit allen notwendigen Gaben.

Ps 18
31 Gott, sein Weg ist lauter, das Wort des HERRN ist im Feuer geläutert. Ein Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen. 

47 Es lebt der HERR, gepriesen sei mein Fels. Der Gott meiner Rettung sei hoch erhoben. 
48 Gott, der mir Vergeltung verschaffte, er unterwarf mir Völker. 
49 Du rettest mich vor meinen zornigen Feinden, du erhöhst mich über die, die gegen mich aufstehen, du entreißt mich dem Mann der Gewalt. 
50 Darum will ich dir danken, HERR, inmitten der Nationen, ich will deinem Namen singen und spielen. 
51 Seinem König verleiht er große Hilfe, Huld erweist er seinem Gesalbten, David und seinem Stamm auf ewig.

Der Psalm, aus dem wir heute beten, ist ein Lobpsalm, den David nach dem Sieg über seine Feinde, vor allem aber auch über Saul komponiert hat.
Gottes Weg ist lauter. Dieses alte Wort bedeutet, dass Gottes Wege rein sind. Dies untermauert auch das Bild des Geläutertseins im Feuer. Wenn wir Gottes Wege gehen, also seinen Willen tun, ist das kein korrupter Weg. Er ist klar, so klar, dass er manchmal schmerzt wie Feuer. Wenn wir den Weg gehen und selbst noch nicht reines Gold sind, werden wir Feuer fangen und das Unechte in uns wird brennen. So war es auch bei David. Gott ließ zu, dass er in manchen Situationen erprobt wurde und auch manchmal nicht bestanden hat. Dann musste er geläutert werden.
Zugleich ist Gottes Weg „ein Schild für alle, die sich bei ihm bergen“. Gottes Weg beschützt uns, nämlich vor dem ewigen Tod. Auch wenn er uns „beschneidet“, dient dies nur zum besseren Wachstum. Wir sind geborgen in seiner Gegenwart und der Böse kann uns nichts anhaben. Mit Gottes Schild wehren wir die Angriffe des Bösen ab.
Auch als Kirche haben wir diesen klaren und eindeutigen Weg zu begehen, den Gott uns aufzeigt. Es ist der Weg der Lehre Christi. Nur so werden wir dem Auftrag Christi gerecht. Er hat die Kirche gestiftet und die Lehre selbst begründet. Wo wir uns davon entfernen, ist es nur ein Katzensprung zum Schisma entfernt. Zugleich ist seine Lehre ein Schild für die Kirche. Je mehr die Kirche in seiner Lehre verankert ist, desto weniger können Häresien sie verwirren oder verunsichern. Gottes Geist wird ihr dann die Gabe der Unterscheidung der Geister geben. Dies ist auch moralisch und anagogisch weiterzulesen: Je mehr der einzelne Christ in Gott verankert ist, desto weniger können ihn Versuchungen verwirren, desto mehr wird er diese als solche entlarven und nicht auf sie hereinfallen. Und der gesamte Weg ist als Lebensweg ein Übergang in die Ewigkeit. Wo der Mensch Zeit seines Lebens noch nicht ganz geläutertes Gold ist, muss er nach dem Tod geläutert werden, um Gott überhaupt aushalten zu können. Zugleich kann der Mensch sich sicher sein, dass er vom Bösen, also von der Hölle bewahrt wird. Der zu läuternde Mensch weiß, dass er nach der Läuterung ganz bei Gott sein darf.
Die kirchlich-allegorische Lesart ist auch im nächsten Vers herauszustellen: „Es lebt der HERR, gepriesen sei mein Fels.“ Ja, der HERR lebt, wir Christen beten noch genauer „Ja, Jesus lebt!“ Und er ist der Fels, auf dem wir die Kirche bauen. Deshalb können die Mächte der Finsternis sie ja nicht überwältigen. Jesus ist es also, der durch seinen Stellvertreter Fels der Kirche ist. Petrus und die Nachfolger Petri sind Fels in persona Christi.
„Der Gott meiner Rettung“ kann David wirklich mit Überzeugung beten. Wie oft hat Gott ihn aus militärischer/politischer Not sowie aus seelischer Not gerettet! Und wir können dies auch christologisch verstehen, indem wir das hebräische Wort für Rettung unübersetzt lassen: „Der Gott meines Jesus sei hoch erhoben.“ Jesus hat uns den Vater gezeigt, wie er ist.
Gott hat David die Völker unterworfen. Was David damit anerkennt, ist Gottes Wirken in den ganzen Siegen. Nicht er selbst hat dies alles vollbracht, sondern er hat seine Siege Gott zu verdanken. So sollen auch wir unseren ganzen Erfolg nicht uns selbst in die Schuhe schieben, sondern erkennen, wer uns wirklich so weit gebracht hat.
Gott schenkt auch uns Christen heute die Kraft, im Kampf gegen den Bösen zu siegen. Er hilft uns, die Versuchungen zu überstehen und gestärkt herauszugehen. Er ist es, der die Kirche vor ihren Feinden schützt, sodass sie sogar noch gestärkt aus Schismen und häretischen Angriffen hervorgeht. Und diese Worte kann Jesus nach seinem Tod wirklich beten: Gott hat ihn vor dem zornigen Erzfeind gerettet, dem Bösen. Jesus hat den Tod besiegt und Gott hat ihn über alle erhöht, wie es der Philipperhymnus feierlich zusammenfasst.
Gottes große Taten an David, an seinem eigenen Sohn, an der Kirche, an jedem einzelnen Christen sind den immerwährenden Lobpreis Gottes wert. „Inmitten der Nationen“ weist dabei schon auf den Neuen Bund hin, denn „inmitten der Heiden“ wird Gott durch den Bundesschluss Christi gepriesen.
Und wenn es zum Ende hin heißt, dass Gottes Hilfe „David und seinem Stamm auf ewig“ gelte, müssen wir das absolut ernst nehmen. Der Alte Bund, den Gott mit seinem auserwählten Volk geschlossen hat, besteht auf ewig. Dieser ist durch den neuen Bundesschluss nicht aufgehoben. Der spezifische Stamm Davids ist ja der Stamm Juda. Hier wird also auch schon auf den Neuen Bund hingewiesen, der mit Christus, dem Sohn Davids geschlossen Gottes Hilfe auch 1000 Jahre nach David offenbart. Gottes Hilfe, sein Jesus, wird in diesen Stamm hineingeboren.

Mk 6
14 Der König Herodes hörte von Jesus; denn sein Name war bekannt geworden und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm. 

15 Andere sagten: Er ist Elija. Wieder andere: Er ist ein Prophet, wie einer von den alten Propheten. 
16 Als aber Herodes von ihm hörte, sagte er: Johannes, den ich enthaupten ließ, ist auferstanden. 
17 Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. 
18 Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zur Frau zu haben. 
19 Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte es aber nicht durchsetzen, 
20 denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Wenn er ihm zuhörte, geriet er in große Verlegenheit und doch hörte er ihm gern zu. 
21 Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. 
22 Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu dem Mädchen sagte: Verlange von mir, was du willst; ich werde es dir geben. 
23 Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. 
24 Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich verlangen? Herodias antwortete: Den Kopf Johannes’ des Täufers. 
25 Da lief das Mädchen zum König hinein und verlangte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf Johannes’ des Täufers bringen lässt. 
26 Da wurde der König sehr traurig, aber wegen der Eide und der Gäste wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. 
27 Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. 
28 Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. 
29 Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Heute hören wir von einem wirklich bemitleidenswerten Menschen, König Herodes. Er ist deshalb so bemitleidenswert, weil er trotz seiner Königschaft ein Sklave ist, ein Sklave seiner eigenen Sünden. Man kann ihn mit Blick auf die bisherigen Lesungen des heutigen Tages als Gegenbild zu David betrachten:
Er hört von Jesu Machttaten und von den Gerüchten, er sei der auferstandene Täufer, den er hatte hinrichten lassen.
Jesus wird dabei unterschiedlich bewertet. Die einen setzen ihn mit Johannes den Täufer in Beziehung, wiederum andere sehen in Jesus einen Propheten wie jene aus dem Alten Testament.
Dann wird rückblickend erzählt, wie Johannes der Täufer umgekommen ist.
Herodes wurde Opfer einer Intrige seiner Frau. Eigentlich mochte er den Täufer, auch wenn seine Worte ihn beunruhigten. Das können wir ganz einfach erklären: Johannes rührte Herodes‘ Gewissen an, deshalb wurde dieser immer unruhig. Tief in seinem Innern wusste Herodes nämlich, dass er große Sünden begangen hat. Johannes‘ Worte machten ihn immer verlegen, weil er sich seiner Sünden schämte. Und doch hörte er ihm gern zu, denn der Täufer war wirklich geisterfüllt.
Herodias konnte dem Täufer nicht verzeihen, dass dieser deren Ehebruch mit Herodes öffentlich angeprangert hat. Sie war nämlich eigentlich die Frau seines Bruders Philippus. Herodes beging also Ehebruch mit ihr, denn Philippus lebte zu der Zeit noch. Die Tochter der Herodias war dabei eine gemeinsame Tochter mit Philippus. Herodias konnte ihre Tötungsabsichten nie durchsetzen, weil Herodes sie daran hinderte. Er respektierte den Täufer sehr, hatte sogar Angst. Das heißt er wusste, dass er einen Gottesmann nicht umbringen durfte.
Herodias sah ihre Chance nun am Geburtstag des Königs, als dieser viele Gäste einlud. Sie ließ ihre Tochter vor der Geburtstagsgesellschaft tanzen und verführte so den König. Es muss viel Alkohol geflossen sein, dass Herodes so leicht zu verführen war. Er ließ sich zu einem leichtsinnigen Schwur vor allen hochrangigen Anwesenden verleiten, dem Mädchen alles zu geben, was sie sich wünschte. Sie ließ die Mutter wählen und diese nutzte die Chance, nach dem Kopf des Täufers zu verlangen. So kam Herodes in ein Dilemma. Einerseits wollte er den Täufer nicht töten, andererseits wollte er vor seinen Gästen nicht das Gesicht verlieren. Er war gottesfürchtig, aber die Menschenfurcht war größer. Er tat, was er versprochen, und ließ den Täufer umbringen.
Herodias hat bekommen, was sie wollte. Herodes hat sich schwer versündigt. Johannes der Täufer musste sein Leben hingeben für die Gebote Gottes, genauer gesagt für das sechste Gebot.
Die Johannesjünger bestatteten Johannes den Täufer in einem Grab.
Wir lernen sehr viel vom heutigen Evangelium. Der Mensch ist ein zwiegespaltenes Wesen aufgrund der Erbsünde. Einerseits ist die Liebe zu Gott noch da, andererseits überdeckt die Sünde diese Liebe oft. So ist die Selbstliebe manchmal stärker als die Gottesliebe. Der Mensch entscheidet sich gegen Gott. Herodes ist eine arme Seele, weil er trotz Erkenntnis seiner Sünden nicht davon ablässt. Gott gibt ihm die Chance, umzukehren. Er rüttelt Herodes durch den Täufer regelrecht wach. Es trifft Herodes auch, denn er gerät in Verlegenheit. Doch er hat kein Rückgrat. Seine Schwäche ist die Manipulierbarkeit durch Frauen und die Menschenfurcht. Er lässt sich hinreißen zu bösen Taten durch schöne Frauen. Er möchte zudem vor anderen Menschen gut dastehen, vor allem politisch relevanten Menschen. Auch wenn er als Jude den Glauben kennt und versteht, was die Gebote Gottes sind, kann sich dieser kleine Glauben nicht durchsetzen gegenüber seiner großen Schwachpunkte.
Wir erkennen in der Familie des Herodes noch einen weiteren Aspekt wieder, der auch in heutigen Familien ein großes Übel darstellt: Intrigen zwischen den Familienmitgliedern. Herodias ist die Personifikation der Folgen der Erbsünde. Wie sie sich verhält, ist in Gen 3 angekündigt worden. Die Frau wird Verlangen nach ihrem Mann haben. Sie wird versuchen, ihn um den Finger zu wickeln, da sie auf andere Weise nicht über ihn herrschen kann. Physisch ist sie ihm unterlegen. Im Falle der hier beschriebenen Familie ist es sogar noch so, dass der Mann über sie herrscht als König. Die Tochter ist ebenfalls nur ein Schachzug der Mutter, sodass diejenige, die in dieser Familie das Sagen hat, Herodias ist. Die ganzen Umstände und Beziehungen zeigen, dass die Familie nicht so ist, wie Gott sie möchte. Somit wird Herodes‘ Familie zum Gegenbild der Heiligen Familie. Dort ist es Josef, der die Entscheidungen trifft, aber diese vom Willen Gottes abhängig macht. Weil seine Gottesfurcht stärker als alles üble Gerede der Menschen ist, kann seine Frau Maria ihm ganz und gar vertrauen. Bei ihnen ist nichts manipulativ oder intrigant. Sie kommunizieren zudem richtig. Sie nutzen Jesus nicht als Instrument einer Intrige. Es gibt keine zwei Parteien innerhalb der Familie Jesu, sodass dieser von einer Partei vereinnahmt und dann gegen die andere Partei aufgehetzt wird. Diese Familie hat eine Einheit abbildhaft wie die Einheit der Dreifaltigkeit. Wir Menschen sollen in den Familien nicht die Schwächen der Mitglieder für unsere eigenen Interessen ausnutzen. Ganz tragisch ist es auch, die eigenen Kinder gegen das andere Elternteil aufzuhetzen. Das zerstört die Seele der Kinder, die gleichermaßen Mutter und Vater brauchen, deren eigene Partnersuche, geschlechtliche Identität und Sicht auf das andere Geschlecht vom Beispiel der Beziehung der Eltern zueinander geprägt werden.
Wir sehen an Herodes als Gegenbild zu David, warum es so weit gekommen ist. Gott hat ihm genauso wie König David die Chance zur Umkehr gegeben. Beide sind dem Ehebruch verfallen. Aber Herodes hat diese Chance nicht genutzt. Er hätte seine Sünde bekennen, sein Leben ändern und das Unrecht wiedergutmachen können wie es David getan hat. Doch ihm war es wichtiger, vor den Menschen gut dazustehen. Er hat im Dilemma die falsche Entscheidung getroffen. So hat er aber das Kostbarste aufs Spiel gesetzt – sein Seelenheil. David ist über alle anderen erhöht und mit großer Macht ausgestattet worden, eben weil er sich selbst gedemütigt hat vor Gott. Seine Gottesbeziehung war ihm immer wichtiger als sein Ansehen als König. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Königen.
Wir lernen heute erneut, dass die Sünde immer Unschuldige mit ins Verderben reißt. Johannes der Täufer hat nichts Unrechtes getan, sondern die Sünde klar benannt. Aufgrund der Feigheit und Begierde des Herodes sowie der Sturheit und Manipulation der Herodias musste Johannes seinen Kopf hinhalten. Auch die Tochter ist in eine Intrige hineingezogen worden und hat sich so an einem Mord mitschuldig gemacht.
Auch heute halten Menschen ihren Kopf dafür hin, dass sie gerade das sechste Gebot verteidigen. Wie sehr werden jene Geistliche von den Medien zerrissen, die den Geboten Gottes treu bleiben möchten, damit aber den gesellschaftlichen Konventionen die Stirn bieten. Wie viele Heilige wurden dafür hingerichtet, dass sie die Unauflöslichkeit der Ehe und die Monogamie verteidigt haben! Und es waren mehrere Heilige, die gerade Königen dieses Unrecht ins Gesicht gesagt haben. Neben Johannes dem Täufer hat auch Thomas Morus so sein Leben verloren, weil er König Henrys VIII ehebrecherisches Verhalten nicht unterstützen wollte. Er wurde genauso wie Johannes der Täufer enthauptet.

Wenn wir in unserem Leben wirklich Segen haben wollen und das Rückgrat, bei Versuchungen eben nicht einzuknicken wie Herodes, müssen wir uns stets um eine intakte Beziehung zu Gott bemühen. Wenn wir auf seinen Wegen gehen, also seine Gebote halten und im Stand der Gnade sind, dann wandelt uns Gott immer mehr nach seinem Bild so wie König David. Wo wir den Weg verlassen, werden wir immer wieder in solche Dilemmata geraten wie König Herodes und nicht die Kraft haben, uns für das Richtige zu entscheiden. Es geht hier um unser Seelenheil. Entscheiden wir uns für Gottes Weg.

Ihre Magstrauss