Freitag der 6. Osterwoche

Apg 18,9-18; Ps 47,2-3.4-5.6-7; Joh 16,20-23a

Apg 18
9 Der Herr aber sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht!
10 Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt.
11 So blieb Paulus ein Jahr und sechs Monate und lehrte bei ihnen das Wort Gottes.
12 Als aber Gallio Prokonsul von Achaia war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf, brachten ihn vor den Richterstuhl
13 und sagten: Dieser verführt die Menschen zu einer Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt.

14 Als Paulus etwas erwidern wollte, sagte Gallio zu den Juden: Läge hier ein Vergehen oder Verbrechen vor, ihr Juden, so würde ich eure Klage ordnungsgemäß behandeln.
15 Streitet ihr jedoch über Lehre und Namen und euer Gesetz, dann seht selber zu! Darüber will ich nicht Richter sein.
16 Und er wies sie vom Richterstuhl weg.
17 Da ergriffen alle den Synagogenvorsteher Sosthenes und verprügelten ihn vor dem Richterstuhl. Gallio aber kümmerte sich nicht darum.
18 Paulus blieb noch längere Zeit. Dann verabschiedete er sich von den Brüdern und segelte zusammen mit Priscilla und Aquila nach Syrien ab. In Kenchreä hatte er sich aufgrund eines Gelübdes den Kopf kahl scheren lassen.

Heute setzen wir die Bahnlesung der Apostelgeschichte sowie die der Abschiedsreden fort.
Zuletzt wurde uns von Paulus‘ Areopagrede in Athen berichtet und es endete damit, dass er nach Korinth ging. Im weiteren Verlauf lernte er das jüdische Ehepaar Aquila und Priscilla kennen, das durch das Claudius-Edikt von 49 n.Chr. aus Rom verbannt worden ist. Sie teilen mit Paulus denselben Beruf der Zeltmacherei und arbeiteten mit ihm, bis seine Gefährten aus Mazedonien nachgereist kamen. Auch in Korinth gab es Anfeindungen durch die ansässigen Juden, weshalb er zu den Heiden ging. Dennoch ist es sehr bemerkenswert, dass ausgerechnet der Synagogenvorsteher sich mit seinem Haus zum Christentum bekehrt hat.
Heute beginnt es damit, dass Gott ihm in nächtlicher Vision seinen Beistand zusagt. Es wird ihm noch einiges zustoßen und doch möchte ihm der Herr versichern, dass alles gut wird. Er spricht ihm diese Worte auch deshalb zu, weil er in Korinth so viele Widerstände erfahren hat. Gott nimmt uns meistens nicht das Leid in unserem Leben. Was er aber voller Bereitschaft tut, ist uns die Kraft zu geben, das Leiden anzunehmen und es zu tragen. Er sichert auch uns immer wieder die Bereitschaft zu, uns beizustehen. Gott gibt ihm auch zu verstehen, dass Pauli Verkündigung seinem Willen entspricht und keiner Paulus etwas antun wird.
Er sagt Paulus in dem Kontext auch, dass in der Stadt viele ihm gehören. Das heißt nicht, dass nur auserwählte Menschen Gott gehören und der Rest nicht. Im Griechischen heißt es διότι λαός ἐστίν μοι πολὺς ἐν τῇ πόλει ταύτῃ dioti laos estin moi polys en te polei taute – in dieser Stadt ist dem Herrn viel Volk. Laos ist der Begriff für das auserwählte Volk Israel, nun aber angewandt auf das neue Volk Gottes, das ihm gehört. Er kündigt Paulus also an, dass eine große Gemeinde in der Stadt entstehen wird.
Nach eineinhalb Jahren wendet sich das Blatt, denn als Gallio Prokonsul wird, klagen die korinther Juden Paulus bei ihm an. Der Vorwurf lautet „Gottesverehrung, die gegen das Gesetz verstößt. Das Stichwort νόμος nomos zeigt uns, dass es die Torah meint. Die Juden haben ein religiöse Problem mit Paulus. Doch Gallio reagiert unbeeindruckt, denn es liegt außerhalb seines Aufgabenbereichs. Für religiöse Angelegenheiten haben die Juden ihre eigene Torah. Er selbst kümmert sich um Verbrechen und römische Gesetzesbrüche. So weist er die Ankläger ab und Paulus bleibt unbeschadet. Doch aus Wut und Frust ergreifen die Juden Sosthenes, der für sie als Hochverräter gelten muss. Ausgerechnet er als Synagogenvorsteher hat sich ja mit seinem Haus zum Christentum bekehrt. So prügeln sie vor Gallio auf ihn ein, doch den Prokonsul lässt es kalt. Er sagte, dass er „echte“ Verbrechen ordnungsgemäß fahnde. Angesichts der Gewalt, die sich vor seinen Augen abspielt und gegen die er nichts unternimmt, scheint dies nicht ganz zu stimmen.
Paulus verlässt die Stadt nicht sofort, sondern bleibt noch ein wenig bei den korinther Christen, bevor er sich mit Aquila und Priscilla auf den Weg nach Syrien begibt.
Zum Schluss wird noch von einem Gelübde berichtet, bei dem er sich die Haare schert. Zumeist wird angenommen, dass damit das Nasiräergelübde gemeint ist, das dann in Kenchreä durch das Scheren der Haare beendet wird. Vielleicht wollte sich Paulus dadurch unter den besonderen Schutz Gottes stellen und auch den judäischen Gegnern bei der Durchreise über Jerusalem seine Gesetzestreue beweisen (man musste bei einem Nasiräat auch nach Jerusalem reisen). Dies ist aber nicht ganz sicher und dann hätte Paulus auch am Herrenmahl das Blut Christi nicht empfangen können (Nasiräer dürfen keinen Wein trinken). Welches Gelübde auch gemeint sei: Paulus handelt nie nach eigenem Gutdünken und auch nicht aus eigener Kraft. Er tut alles mit der Gnade Gottes. Vielleicht hat er das Gelübde auch abgelegt aus Dank für den Schutz und Beistand des Herrn während seiner Zeit in Korinth.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
4 Er unterwerfe uns Völker und zwinge Nationen unter unsere Füße.
5 Er erwähle für uns unser Erbland, den Stolz Jakobs, den er lieb hat.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!

Der Missionsabschnitt in Korinth ist sehr erfolgreich gewesen. Eine große Gemeinde ist daraus entstanden und Paulus ist unbeschadet wieder von dort abgereist. Dies ist für uns Anlass zum Lobpreis im Psalm.
Gott ist furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
Die Unterwerfung von Völkern und das Zwingen unter die Füße seiner Auserwählten ist zuvor wörtlich verstanden worden. Mit militärischer Gewalt und politischen Mitteln sind diese Dinge im Alten Israel umgesetzt worden. Sie sind nun aber viel mehr geistlich zu verstehen: Es geht um die Gewinnung von Christen für das Volk Gottes des Neuen Bundes. Dies soll nicht durch Gewalt geschehen, sondern durch Überzeugung. Es soll genauso wenig eine tyrannische Herrschaft sein wie der Herrschaftsauftrag der ersten Schöpfung. Dort meint die „Unterwerfung der Erde“ unter das erste Menschenpaar die Sorge um die ihnen anvertraute Schöpfung. Nun sind es die Apostel, die ersten Menschen der neuen Schöpfung nach dem Erstgeborenen Christus, die in liebender Fürsorge die neue Schöpfung versorgen sollen.
Auch das Erbland ist nicht mehr irdisch zu verstehen, sondern bezieht sich auf das Reich Gottes. In dieses gehen jene ein, die im Heiligen Geist neugeboren sind. Im Gegensatz zum irdischen Erbland ist genug Platz für jeden und kein bisher dort lebendes Land muss dem auserwählten Volk weichen.
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Dies ist heute ganz aktuell mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters!
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).

Joh 16
20 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln.
21 Wenn die Frau gebären soll, hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
22 So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude.
23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

Im Evangelium hören wir einen weiteren Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Jesus macht weitere Andeutungen, dass die Apostel es um seines Namens willen schwer haben werden. Sie werden „weinen und klagen“. Hier werden eindeutig die schlimmen Christenverfolgungen angedeutet, die bis heute andauern. Wenn die Welt ihn schon gehasst hat, wird es seinen Jüngern nicht anders ergehen. In dieser Hinsicht ist auch zu verstehen, warum die Welt sich freuen wird: Dabei handelt es sich nämlich um die Schadenfreude. Diese ist aber nur von kurzer Dauer, denn die Trauer der Jünger wird sich in Freude umwandeln. Dies wird spätestens mit der Ewigkeit passieren, wo die Freude eine Frucht des Heiligen Geistes ist und den anhaltenden Zustand darstellen wird.
Diese Worte spricht Jesus kurz vor seinem Tod. Das bedeutet, dass die Trauer der Apostel zuallererst mit seinem Tod zu tun haben wird. Sie werden unter Schock stehen und traurig sein über Jesu Tod. Die Trauer wird nicht einmal 48 Stunden andauern und sich dann am Ostermorgen in Freude verwandeln. Die Schadenfreude der Welt (damit ist bei Johannes ja immer die gefallene Schöpfung gemeint) bezieht sich in dieser Lesart vor allem auf den Hohen Rat Jerusalems, der scheinbar triumphiert. Auch moralisch können wir diesen Vers verstehen, denn der Böse tut alles daran, uns von Gott wegzuziehen. Er ist es, der sich freut, wenn wir sündigen. Er redet uns dann ein, dass nichts mehr zu retten ist. Er will uns einreden, dass wir nach dem Fall liegenbleiben sollen. Seine Schadenfreude ist nur von kurzer Dauer (er ist schadenfroh, weil er uns von dem wegzieht, was ihm selbst weggenommen worden ist – das Himmelreich). Aber er hat die Rechnung ohne Gott gemacht, der uns im Sakrament der Versöhnung die Sünden vergeben und uns in den Stand der Gnade zurückversetzen kann! So wird unsere Trauer über unsere Sündhaftigkeit in Freude über die Versöhnung mit Gott umgewandelt.
Insbesondere die eschatologische Lesart wird uns durch den nächsten Vers verdeutlicht (also die Perspektive auf die Ewigkeit hin), aber auch die ekklesiologische (auf die Kirche bezogen). Dort vergleicht Jesus die vorübergehende Trauer mit dem Prozess einer Geburt, der sehr schmerzhaft ist, aber das Ergebnis reine Freude bereitet. Wenn nach den Geburtswehen das Kind dann da ist, vergisst die Frau voller Freude, was sie durchgemacht hat. So ist es mit der Ewigkeit und deshalb greift Paulus dieses Bild dann später wieder auf: Die ganze Welt liegt in Wehen und je näher sie der (geistlichen) Geburt der neuen Schöpfung entgegen geht, desto akuter wird es. Dies wird durch die zunehmenden Christenverfolgungen spürbar, aber auch durch immer deutlichere Zeichen der Endzeit politischer und kosmologischer Natur. Wenn die neue Schöpfung aber dann vollzogen ist durch die Schaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wird nur noch die Freude des Himmels herrschen.
Aber auch in ekklesiologischer Perspektive ist es so zu verstehen, wie uns die Berichte der Apostelgeschichte besonders zeigen: Die Missionare müssen viel durchmachen, werden gesteinigt, ins Gefängnis gesteckt, vor die Gerichte gebracht, verunglimpft und immer wieder verspottet, doch all dies ist es Wert, wenn sich dafür die Menschen zu Christus bekehren.
Jesus wird seine Apostel wiedersehen – das ist wie gesagt auf seiner Auferstehung zu beziehen, ebenso auf das Ende der Zeiten. Gestern feierten wir Christi Himmelfahrt. Es ist ein Abschied auf Zeit, denn er wird wiederkommen als verherrlichter Menschensohn am Jüngsten Tag.
Und die Freude, die die Apostel sowie alle bis dahin standhaft gebliebenen Menschen erfüllen wird, kann ihnen keiner nehmen. Dies gilt vor allem jenen Christen, die um ihres Glaubens willen viel erleiden müssen und sogar ihr Leben geben. Die Freude der Märtyrer kann ihnen keiner nehmen, am wenigsten ihre Verfolger.
Und dann werden die Apostel Jesus nichts mehr fragen. Warum sagt er das? Wenn der Mensch vor Gott steht, wird er alles sehen und erkennen. Er wird alles begreifen und so bleiben keine Fragen mehr offen. Das gilt auch uns: Noch haben wir viele Fragen, weil wir die Entwicklungen nicht verstehen, unser Leben nicht im Überblick vor uns haben und das Geheimnis Gottes nicht erfassen können. Doch wenn wir sterben und vor ihn treten, werden wir ihn sehen, wie er ist. Und in der Schau Gottes werden wir auch unser Leben sehen, wie es ist – mit all dem, was uns bis dahin unklar war. Das wird viel Schmerz verursachen, weil wir uns unserer Sünde schmerzlich bewusst werden, ebenso der vielen verpassten Chancen, Gottes unendliche Liebe zu erwidern.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 4. Osterwoche

Apg 11,19-26; Ps 87,2-3.4.5 u. 7; Joh 10,22-30

Apg 11
19 Bei der Verfolgung, die wegen Stephanus entstanden war, kamen die Versprengten bis nach Phönizien, Zypern und Antiochia; doch verkündeten sie das Wort nur den Juden.
20 Einige aber von ihnen, die aus Zypern und Kyrene stammten, verkündeten, als sie nach Antiochia kamen, auch den Griechen das Evangelium von Jesus, dem Herrn.
21 Die Hand des Herrn war mit ihnen und viele wurden gläubig und bekehrten sich zum Herrn.
22 Die Nachricht davon kam der Gemeinde von Jerusalem zu Ohren und sie schickten Barnabas nach Antiochia.
23 Als er ankam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, dem Herrn treu zu bleiben, wie sie es sich im Herzen vorgenommen hatten.
24 Denn er war ein trefflicher Mann, erfüllt vom Heiligen Geist und von Glauben. So wurde für den Herrn viel Volk hinzugewonnen.
25 Barnabas aber zog nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen.
26 Er fand ihn und nahm ihn nach Antiochia mit. Dort wirkten sie miteinander ein volles Jahr in der Gemeinde und lehrten eine große Zahl von Menschen. In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen.

Wir hörten die letzte Woche ja vom ersten Märtyrer Stephanus und die mit seinem Martyrium einsetzende Jerusalemer Christenverfolgung. Durch diese kommen viele Christen in andere Orte, wo sie sich niederlassen. Unter anderem hören wir von Antiochia, was zum Basislager des Paulus bei seinen Missionsreisen wird. Auch dorthin kommen nun also Christen und verkünden das Evangelium Jesu Christi. Die Apostelgeschichte berichtet uns davon, dass die Evangelisierung zunächst bei den Juden geschieht. Es gibt aber auch schon erste Heidenmissionen in dieser Gegend.
„Die Hand der Herrn“ auf Menschen ist schon im Alten Testament eine Wendung für den Segen und Beistand Gottes. Es zeigt, dass die Christen vom Heiligen Geist geleitet werden und dass die Evangelisierung gottgewollt ist.
Antiochia entwickelt sich zu einer besonders großen und lebendigen Gemeinde, was bis nach Jerusalem vordringt. Von dort wird nun Barnabas nach Antiochia geschickt. Wir merken, dass die Jerusalemer Urgemeinde eine Vorrangstellung besitzt. Sie ist die erste Zentrale des Christentums, von wo aus die anderen Gemeinden verwaltet werden. Auch wird zu Paulus‘ Missionszeiten immer wieder eine Kollekte für jene Zentralgemeinde gesammelt.
Barnabas kommt nach Antiochia und freut sich über die Gnade Gottes. Das heißt, er freut sich über die Früchte, die er dort sieht und die er auf die Gnade Gottes zurückführt. Es bezieht sich auf den lebendigen Glauben und wohl auch auf die Menge an gläubiggewordenen Menschen. Wo sich Massen zu Christus bekennen, besteht die Gefahr eines oberflächlichen Glaubens. Der Geistliche kann dem einzelnen Christen nicht mehr so viel Aufmerksamkeit entgegenbringen, wie es bei einer kleineren Zahl möglich ist. So ermahnt Barnabas die Christen dazu, an dem versprochenen Bekenntnis der Taufe festzuhalten und nach der ersten Begeisterung nicht zu erkalten.
Barnabas ist ein sehr begnadeter Mensch, den Gott wirklich zum Werkzeug seines Heilsplans macht. Durch ihn kommen viele Menschen zum Glauben und die Gemeinde wächst noch weiter.
Doch er bleibt dabei nicht stehen. Er reist nach Tarsus, in die Heimatstadt des Paulus, wo dieser sich zurzeit aufhält. Barnabas holt ihn nach Antiochia, damit sie gemeinsam in der Gemeinde wirken können. Dort bleiben sie ein Jahr und evangelisieren. Antiochia ist der Ort, an dem man die Christusgläubigen das erste Mal Christen nennt.
Gestern hörten wir davon, dass zunehmend auch Heiden zum Glauben an Christus kommen und ihnen dieselben Gaben des Geistes zuteil werden wie den Juden. Die Apostel realisieren immer mehr, dass der Neue Bund Jesu Christi wirklich universal ist. Heute wird uns deutlich, dass trotz der zunehmenden Heidenmission die ersten Versuche in einer Gemeinde immer zuerst den Juden gelten. So wird auch Paulus bei seinen Missionsreisen immer zuerst zu den Synagogen gehen und erst bei Ablehnung den Heiden predigen. Es ist ein Vorgehen, der an Jesu Worte angelehnt ist: „Das Heil kommt von den Juden.“ Und dennoch ist es ein längerer Prozess, über das jüdische Denken, die bisherigen Horizonte und Vorannahmen hinauszugehen. Gerade die Frage der rituellen Reinheitsvorschriften wird die ersten Christen noch sehr beschäftigen und auch für Konflikte sorgen. Es wird vor allem beim Apostelkonzil von 48/49 ein Thema werden und auch die beiden Missionspartner Barnabas und Paulus zu einer heftigen Auseinandersetzung veranlassen (wenn es denn um das gemeinsame Essen geht und nicht um ein Problem mit Johannes Markus). Es ist alles im Werden und wir verfolgen mit Spannung diesen Prozess, der ganz vom Heiligen Geist begleitet wird. Auch wenn es Konflikte gibt und unterschiedliche Meinungen vorherrschen, setzt sich am Ende doch die Wahrheit durch. Das ist auf den Geist zurückzuführen, der in der Kirche lebt und wirkt.

Ps 87
1 Der HERR liebt seine Gründung auf heiligen Bergen,
2 die Tore Zions mehr als alle Stätten Jakobs.

3 Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes:
4 Ich zähle Rahab und Babel zu denen, die mich erkennen, auch das Philisterland, Tyrus und Kusch: Diese sind dort geboren.
5 Ja, über Zion wird man sagen: Ein jeder ist in ihr geboren. Er, der Höchste, gibt ihr Bestand!
7 Und sie werden beim Reigentanz singen: All meine Quellen entspringen in dir.

Heute beten wir einen der sogenannten Korachpsalmen, der Zion besingt. Das, was den Zionsberg so heilig macht, ist natürlich der darauf errichtete Tempel, in dem Gottes Herrlichkeit wohnt.
Insofern verstehen wir auch den Ausdruck „seine Gründung auf heiligen Bergen“. Gottes Haus selbst wird hier gegründet und er selbst hat Anteil an dessen Einwohnung. Wie diese konkret ausgesehen hat, wird uns bei der Einweihung des Offenbarungszeltes und nachher bei der festen Erbauung des Tempels in Jerusalem durch die Wolke deutlich, die sich auf den Ort legt. Der Mensch kann viel bauen und konstruieren. Erst wenn Gott sich dafür entscheidet, seine Herrlichkeit darauf zu legen, wird der Ort zu einem heiligen Ort.
Weil hier seine Wohnstatt ist, liebt Gott die Tore Zions auch mehr als alle anderen Stätten Israels. Zion ist ein Begriff, den wir nicht nur wörtlich begreifen wollen. Er ist für uns vor allem nicht mehr durch den Tempel als Wohnstatt Gottes wichtig. Vielmehr ist es der Ort des Osterereignisses. Christus hat hier die Erlösung für die ganze Welt erwirkt, indem er sich auf Golgota hingegeben hat bis auf den letzten Blutstropfen und am dritten Tag den Tod besiegt hat – in einem Garten aufersteht, dem Ort, der in der Genesis zum Ort des ewigen Todes geworden war (beim ersten Sündenfall). All das ist in Jerusalem passiert. Die Apostel, der engste Jüngerkreis Jesu, sowie die weiteren Jünger – all die Augenzeugen sind in der ersten Zeit dort versammelt. Der Zionsberg ist der Ort des Pfingstereignisses, von dem aus die Kirche mit Leben erfüllt wird. Es ist der Ort der ersten Gemeinde, die zentral ist für all jene Gemeinden, die danach entstehen (so wie Antiochia, von dem wir heute in der Lesung gehört haben). Jerusalem bleibt auch für die Christen wirklich die heilige Stadt, auch wenn nach der Zerstörung des Tempels die Bedeutung eine neue Dimension erhält. Schließlich wird aber auch zunehmend deutlich, dass mit Zion nicht mehr der irdische Ort gemeint ist, sondern jeder Altar, auf dem die Eucharistie gefeiert wird, stellt das neue Zion des Gottesreiches dar. Wo Jesus Wohnung nimmt in den eucharistischen Gaben, da ist Zion! Und das ultimative Zion erwartet uns in der Ewigkeit nach unserem Tod. Am Ende der Zeiten werden wirklich die Menschen von überall her zu diesem Zion kommen und Gott anbeten, der in ihrer Mitte wohnen wird im himmlischen Jerusalem.
In diesem mehrfachen Sinn dürfen wir auch die folgenden Verse betrachten. „Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes“ ist somit erst einmal wörtlich zu verstehen als Heilige Stadt wegen des Tempels, aber auch schon für die Juden der Ort der Endzeit. Schon Jesaja sieht die eschatologische Völkerwallfahrt zum Zion, die der Seher in der Johannesoffenbarung noch einmal sehen wird.
Wenn dann die Rede von Rahab und Babel ist, dann meint es zwei Orte. Rahab ist ja eigentlich der Name einer Frau, die zwei Kundschafter Josuas bei sich versteckt und somit rettet. Oft lesen wir in der Bibel, dass durch solche Namen eigentlich Codes ausgesagt werden, vor allem als Chiffren für Orte. Mit Rahab wird an dieser Stelle Ägypten umschrieben.
Es sagt aus, dass die anderen Orte Israel und den Zion und den Gott Israels anerkennen. Die Ägypter haben mit eigenen Augen spektakuläre Zeichen gesehen, durch die sie nicht anders können, als die Macht Gottes anzuerkennen, der auf dem Zion wohnt. Auch gerade die Philister haben große Wunder gesehen. Sie haben den Israeliten sogar die Bundeslade gestohlen, weil sie wegen ihr in den Schlachten gegen die Israeliten verloren haben.
Wenn wir über die Aussage nachdenken, dass man sagen wird: „Ein jeder ist in ihr geboren“, müssen wir wieder über den wörtlichen Sinn hinausgehen. Dahinter steht zunächst einmal die Vorstellung in der jüdischen Tradition, dass Jerusalem als Frau und Mutter betrachtet worden ist. Es ist die Mutter aller Völker und insofern ist die Wendung zu verstehen, dass alle in ihr geboren werden. Vor dem Hintergrund der Lesung erkennen wir die Mutterschaft Jerusalems noch viel tiefer. Sie ist Mutter des Christentums, denn hier ist die Kirche zum Leben erweckt worden an Pfingsten. Hier entsteht deshalb die erste Gemeinde, die in der weiteren Entwicklung eine Vorrangstellung erhält. Sie wird im ganzen römischen Reich von den verstreuten Gemeinden eine Kollekte einholen und von ihr aus werden die Apostel in die ganze Welt hinausgesandt. Die Kirche ist wirklich eine Mutter, denn in ihr werden die Menschen zu einer neuen Schöpfung wiedergeboren im Heiligen Geist. Dies geschieht in der Taufe. Und durch die vielen Heilsmittel nährt und tränkt die Kirche ihre Gläubigen, hegt und pflegt sie, erzieht sie, tröstet sie etc.
Bemerkenswert ist noch ein anderer Vers: „Der Höchste gibt ihr Bestand.“ Wir wissen ja, dass Jerusalem 70 n.Chr. von den Römern zerstört und vor allem vom Tempel nur noch eine Mauer übrigbleiben wird, die wir bis heute erhalten haben – die Klagemauer. Der Höchste, also Gott, gibt Jerusalem dennoch Bestand, nur auf eine ganz andere Weise, wie die Juden mit diesem Psalm angenommen haben. Es geht nun um die Kirche Jesu Christi, das neue Jerusalem. Dieses hat Bestand bis in die Ewigkeit, denn Jesus sagt in Mt 16: „Und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen.“
Der Reigentanz deutet eine festliche Stimmung an und die Quellen, die in Zion entspringen, führen uns zurück zum Pfingstereignis. Dort ist der Ursprung von allem. Das neue Zion ist auch bis heute die Kraftquelle von allem. Wir können als Kirche nicht überleben, wenn wir nicht immer wieder zu dieser Quelle zurückkehren und aus ihr schöpfen. Die Eucharistie ist der Kern des ganzen kirchlichen Lebens. Wir brauchen den Leib Christi, denn wir sind der Leib Christi!

Joh 10
22 Um diese Zeit fand in Jerusalem das Tempelweihfest statt. Es war Winter

23 und Jesus ging im Tempel in der Halle Salomos auf und ab.
24 Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: Wie lange hältst du uns noch hin? Wenn du der Christus bist, sag es uns offen!
25 Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, legen Zeugnis für mich ab;
26 ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.
27 Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.
28 Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
29 Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.
30 Ich und der Vater sind eins.

Auch im Evangelium sickert diese Zionzentriertheit hindurch, wenn wir lesen, dass die heutige Rede Jesu, in der er das Hirtenthema wieder aufgreift, zur Zeit des Tempelweihfests stattfindet. Bei diesem Fest im Winter, das wir auch unter dem Begriff Chanukka kennen, gedenken die Juden der Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem.
Jesus ist wieder dort, denn er ist ein frommer Jude. Zu den Wallfahrtsfesten kann man ihn mit seinen Jüngern immer wieder in Jerusalem antreffen. So ist Jesus nun in der Halle Salomos, wo später dann Petrus eine Bekenntnisrede halten wird aufgrund der Heilung eines Gelähmten. Diese Halle ist wichtig, denn sie ist nach König Salomo benannt, der den ersten Tempel errichtet hat.
Die Juden stellen Jesus mal wieder auf die Probe, indem sie von ihm ein öffentliches Selbstbekenntnis fordern. Sie verstehen nicht, dass Jesus sie durch seine Taten, Worte und vor allem prophetischen Zeichenhandlungen darauf führt. Sie sollen von sich aus seine Messianität erkennen.
Und es ist nicht so, als ob er es nicht im Grunde schon längst offenbart hat. Deshalb sagt Jesus auch: „Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht.“ Taten sprechen mehr als tausend Worte. Jesu Verhalten schreit in jedem Moment danach: „Ich bin der Messias!“ Es macht Sinn, dass Jesus auf diese Weise seine Messianität offenbart. Hätte er sich hingestellt und einfach gerade heraus gesagt: „Ich bin der Messias“, hätte ihm erstens keiner geglaubt oder sich davon überzeugen lassen, zweitens wäre Jesus direkt festgenommen worden. Sein Weg ist die Erfüllung der Heiligen Schriften. Sie sind Zeugnis über ihn. Und gerade die Heilszeichen, die er im Namen seines Vaters vollbringt, bezeugen ihn.
Jesus greift hier noch einmal das Hirtenthema auf, denn er sagt: „Ihr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.“ Das ist hier nicht so gemeint, dass Jesus sie ausschließen will. Es ist eher so, dass sie seine Schafe nicht sein wollen. Er bietet ihnen durch sein gesamtes öffentliches Wirken immer wieder einen Platz im Stall an, doch sie lehnen es ab durch ihre Verstocktheit.
Seine Schafe dagegen hören auf seine Stimme und folgen ihm. Es sind jene, die seine Jünger geworden sind. Jesus kennt seine Schafe. Die Zuhörer werden daraus geschlossen haben, dass er ihre Namen kennt oder woher sie kommen. Doch Jesus meint noch so viel mehr. Es schließt sich mit seinen Worten der Kreis zu den vielen prophetischen Worten des Alten Testaments, die Gottes absolute Kenntnis unserer Herzen umschreiben. So denken wir z.B. an Jes 44,24, wo es heißt: „So spricht der HERR, dein Erlöser, der dich von Mutterleib an geformt hat.“ Solcherlei Sätze gibt es viele bei Jesaja, Jeremia etc. Der Menschensohn kennt die Menschen durch und durch, weil er Gott ist.
Jesus gibt seinen Schafen das ewige Leben. Er kümmert sich nicht nur um das leibliche Wohl, sondern es geht vor allem um das Himmelreich. Dieses ermöglicht er den Menschen durch seine Hingabe am Kreuz. Das kündigt er mit solchen Worten schon an.
„Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen.“ Das spricht Jesus über den Einzelnen, aber auch von der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen. Er tut es, wenn er Petrus sagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Wir haben diesen Gedanken vorhin schon bedacht.
Gott ist der Allmächtige und er siegt über die bösen Mächte. Er wird seine geliebten Kinder vor dem Bösen retten, die gerettet werden wollen. Wenn wir Gott sagen, wenn Jesus Gott sagt, meint er die Einheit von sich und dem Vater. Deshalb sagt er hier auch am Ende „ich und der Vater sind eins.“ Sie sind beide Gott. Wenn er von der Macht des Vaters spricht, ist es kein Widerspruch dazu, dass die Schafe SEINER Hand nicht entrissen werden.

Wie müssen wir das Evangelium zu den restlichen Texten in Beziehung setzen? Da, wo Jesus ist, da ist Zion. Ein anderes Bild für Zion ist hier im Evangelium das bereits am Sonntag und am Montag verwendete Hirtenbild. Zion ist der Schaftstall Gottes, der Zufluchtsort aller Schafe. Und dieser ist überall dort, wo Christus durch die Tür der Ewigkeit hindurch in diese Welt kommt bei der Wandlung von Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut. Dort besiegelt sein kostbares Blut uns Menschen und richtet uns auf gegen die Angriffe des Widersachers. Jesus kommt auch in den Schafstall und in das Zion unseres Herzens, wo er sich um uns kümmern möchte. Dies geschieht, wenn wir ihn in der Eucharistie empfangen. Dann tränkt und nährt er uns, stärkt uns, sodass wir den Lebensweg mit neuer Kraft beschreiten können. So erhalten wir auch die Kraft, die Gebote Gottes zu halten, was mit dem Geführtwerden durch den Hirten umschrieben wird. Es ist unser moralischer Weg und zugleich der Lebensweg durch den Tod hindurch in die Ewigkeit.
Der Tempel des Leibes Jesu selbst wird durch seine Worte geweiht, aber erst mit dem Tod und der Auferstehung Christi.
Diese Tempelweihe, dieses Zion, dieses Jerusalem hängt nicht mehr von einem realen irdischen Ort ab, sondern ist überall da, wo der Leib Christi ist. In der Apostelgeschichte sind wir Zeugen von dieser Universalität auch in der Geographie christlicher Gemeinden geworden. Jerusalem ist immer noch der wichtigste Ort wegen der Auferstehung und dem Pfingstereignis. Und doch wird Christi Gegenwart nicht ausschließlich dort angenommen. Christengemeinden entstehen in der ganzen Welt. Danken wir den Herrn für den Zion – des Leibes Christi, unseres Herzens, unserer Kirche und für das endgültige Zion der Ewigkeit!

Ihre Magstrauss

4. Sonntag der Osterzeit

Apg 2,14a.36-41; Ps 23,1-3.4.5.6; 1 Petr 2,20b-25; Joh 10,1-10

Heute geht es in den Sonntagslesungen um den guten Hirten. Zugleich feiern wir an diesem Ostersonntag jedes Jahr den Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Er wird ganz bewusst immer am 4. Ostersonntag begangen, weil auch die Nachfolge Christi „hirtlich“, das heißt lateinisch „pastoral“ sein muss.

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden:
36 Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.
37 Als sie das hörten, traf es sie mitten ins Herz und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder?
38 Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
39 Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.
40 Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht!
41 Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.

Heute am vierten Sonntag der Osterzeit hören wir erneut einen Ausschnitt aus der brennenden Pfingstrede des Petrus und die Reaktion der Anwesenden darauf.
Heute beendet er seine Rede, indem er erklärt:
„Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Ich habe schon öfter erklärt, was Petrus damit meint, wenn er die Zuhörer als Henker Jesu bezeichnet. Sie haben sich durch ihr „Kreuzige ihn“, durch das Manipuliertwerden und das Mitläufertum, durch die Verspottung des Ohnmächtigen am Kreuz mitschuldig gemacht.
Es geht ihm nicht darum, jemanden dadurch fertig zu machen. Er tut es vielmehr, damit die Menschen erkennen, wo sie gefehlt haben, und dadurch umkehren.
Und was er sagt, trifft sie mitten ins Herz. Sie erkennen vor dem Hintergrund der Heiligen Schrift, dass Jesus der angekündigte Messias ist. Sie realisieren, dass sie nicht mehr so leben können wie zuvor. Und deshalb fragen sie Petrus und die anderen Apostel:
„Was sollen wir tun, Brüder?“
Die Antwort ist klar: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Mit „Umkehr“ ist die gläubige Hinkehr zu Jesus Christus gemeint. Als äußeres Zeichen dieses Gekommenseins zum Glauben an ihn sollen sie sich taufen lassen. Jesus hat seinen Aposteln vor seiner Heimkehr zum Vater aufgetragen, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen und diese zu taufen. Petrus setzt also mit seiner Antwort gehorsam das um, was Jesus ihnen vorgegeben hat.
Die Taufe ist kein Zeichen der vorbereitenden Buße mehr wie bei Johannes dem Täufer. Es ist eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wer getauft wird, wird reingewaschen von seinen Sünden! Warum? Weil der Mensch auf den Tod Jesu Christi getauft wird und durch seinen Kreuzestod ist ja die Sühne für die Sünden aller Menschen erwirkt worden!
In diesem versöhnten Zustand sind sie dann empfängnisbereit für den Heiligen Geist, der ihnen in dem Sakrament geschenkt wird (man muss dazu sagen, dass Taufe und Firmung zunächst eins waren, aber natürlich wird der Hl. Geist einem schon allein bei der Taufe gespendet!). Dieser erwirkt die geistliche Wiedergeburt, denn die Getauften werden zum ewigen Leben bei Gott neugeboren.
Alle Menschen sind dazu berufen, dieses Heil zu empfangen, denn Jesus ist für sie alle gestorben.
So ermutigt Petrus die Zuhörerschaft, diesen Schritt zu unternehmen, unter anderem mit den Worten „Lasst euch retten aus diesem verdorbenen Geschlecht.“ Er meint damit die Menschheit der alten, gefallenen Natur. Diese hat nun die Chance, von diesem Zustand des ewigen Todes in das ewige Leben hinüberzugehen. Die Schwelle ist Jesus Christus, der Auferstandene von den Toten.
Petrus‘ Worte sind überzeugend. Dreitausend Menschen lassen sich an diesem einen Tag taufen! Der Geist Gottes hat am Pfingsttag vielen Menschen die Augen geöffnet!

Ps 23
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Heute beten wir den berühmten Psalm 23. Er passt perfekt zur Lesung, weil in diesem Vertrauenspsalm Gott als Hirte beschrieben wird. Immer wieder hören wir im AT davon, dass Gott sich als König für seine auserwählte Herde, sein Volk Israel, einen Hirten ausgesucht hat. Der König über die zwölf Stämme soll Gottes Stellvertreter in Israel sein. Er soll mit derselben Mentalität herrschen wie Gott es tut, nämlich als sorgender Diener aller. Das verkörpert auch der leidende Gottesknecht im Buch Jesaja, den die Kirche von Anfang an mit Jesus Christus identifiziert hat. Und auch Jesus selbst sagt im Johannesevangelium: „Ich bin der gute Hirte.“ Und zugleich mahnt er an: „Wer von euch der Erste sein will, soll der Diener aller sein.“ David hat diesen Psalm selbst gedichtet und man spürt, dass er diese Haltung selbst ganz gelebt hat. Gottes wunderbare Vorsehung hat alles so gefügt, dass er tatsächlich einen Hirten zum König erwählt hat.
Gott ist unser Hirte, der uns alles gibt, was wir brauchen. Es mangelt uns an nichts, wenn wir zuerst sein Reich suchen. Das sagt Jesus später nicht umsonst. Es ist vor dem Hintergrund des Psalms absolut nachvollziehbar. Gott lässt uns, seine Schafe, auf grünen Auen lagern. Er führt uns nicht ins Verderben, sondern nährt uns immer ausreichend, damit wir auf dem Weg durchs Leben hin zu ihm nicht zugrunde gehen. Auch wenn es zeitweise Wüstenlandschaften sind und nicht die grünen Auen, ist es für uns heilsam, damit wir die Auen wieder mehr zu schätzen lernen, in unserem Glauben gestärkt und in unserer Wachsamkeit geschärft werden. Konkret heißt das, dass Gott uns mit allen irdischen Gaben (Finanzen, Gesundheit, Nahrung und sauberes Trinkwasser, Frieden, Erfolg etc.), aber auch mit allen überirdischen Gaben ausstattet, die wir durch die Heilsmittel der Kirche erhalten. Dazu gehören die Sakramente, allen voran die Eucharistie, und die Sakramentalien, durch die er uns den Hl. Geist senden möchte. Nicht umsonst betet David zuerst „er lässt mich lagern auf grünen Auen“ und dann „und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“. Es sind einerseits zwei Bilder für das Essen und Trinken des Menschen, andererseits die Bilder für die wichtigsten überirdischen Güter – die Eucharistie und der Hl. Geist, das lebendige Wasser.
Gott bringt die Lebenskraft zurück. Das hebräische Stichwort ist an dieser Stelle wie so oft nefesch. Gott bringt das ganze Leben zurück. Wir dürfen es sowohl moralisch als auch anagogisch verstehen, das heißt einerseits die Rückführung in den Stand der Gnade und zugleich die Rettung des ewigen Lebens. Vor allem die moralische Ebene wird uns klar, wenn wir danach lesen: „Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit.“
Selbst der Psalm 23 greift die Situation auf, dass es nicht immer die ruhigen grünen Auen sind, auf denen die Herde sich bewegt, sondern auch mal das finstere Tal. So ist das Leben. Es gibt nicht nur schöne Tage, sondern auch die Krisen und dunklen Stunden. Doch selbst da begleitet Gott einen hindurch und hinaus. David selbst hat dunkle Stunden gehabt, doch gerade in diesen hat er sich umso mehr an Gott geklammert. Er wusste, wie entscheidend sich die Qualität eines Hirten in finsteren Tälern herausstellte. Er wusste auch, wie sicher sich ein Schaf bei einem guten Hirten fühlen konnte. Er ist in dieser Hinsicht nicht nur der Typos des guten Hirten Christus, sondern auch des Lammes Gottes, das sich ganz und gar in die Hände Gottes übergab und selbst am Kreuz noch betete: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Von David können wir das absolute Gottvertrauen lernen und mit ihm zusammen beten: „Dein Stock und dein Stab trösten mich.“
Gott beschenkt uns, seine Kinder. Er hat nur Gutes für uns bereit. All der Segen Gottes wird hier mit verschiedenen Bildern umschrieben wie dem Decken des Tisches, dem Salben des Hauptes und dem übervollen Becher. All dies können wir zusammenfassen mit den darauffolgenden Worten: „Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang.“
Ins Haus des Herrn heimzukehren, bedeutet in diesem Kontext wörtlich den Tempel Gottes, der zu Davids Zeiten noch in Form des Offenbarungszeltes bestand. Wir lesen dies allegorisch weiter als das Reich Gottes und die Kirche. Moralisch verstehen wir damit unsere eigene Seele, die der Tempel Gottes ist und von wo aus die Entscheidungen zu einem Verhalten nach seinen Geboten getroffen werden. Schließlich kehren wir am Ende unseres Lebens heim in das Haus Gottes, den Himmel.

1 Petr 2
20 Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes.
21 Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
22 Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war keine Falschheit.
23 Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
24 Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
25 Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber habt ihr euch hingewandt zum Hirten und Hüter eurer Seelen.

Das Hirtenthema des heutigen Sonntags begleitet uns auch durch die zweite Lesung. Bei diesem Abschnitt handelt es sich um einen hymnenartigen Bekenntnistext, der gerne als Christuslied bezeichnet wird.
Petrus sagt, dass ein Leiden, das man unverdient erleiden muss (was man also nicht aus Konsequenz eigener Sünde, sondern vielmehr aufgrund des Glaubens an Christus erleidet), sehr viel Gnade bringt. Wir Getauften sind dazu berufen, Christus nachzufolgen, gleichsam seinen Spuren nachzugehen und diese führen unweigerlich nach Golgota. Christus hat für uns gelitten, damit wir überhaupt die Kraft haben, unser Kreuz durch den Tod hindurch zu tragen und in die Ewigkeit zu gelangen.
Jesus selbst ist gerecht und musste dennoch sehr schlimm leiden. Er ist ohne Sünde und doch wurde er geschmäht. Jesus wurde physisch, psychisch und seelisch sehr gequält. Er hat seinen Verfolgern aber in keinem Augenblick seines Lebens etwas Böses gewünscht, sondern noch am Kreuz für sie gebetet (Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun). Er hat alles dem Richter überlassen und noch um ein mildes Urteil gebeten.
Er hat Übermenschliches getan, als er die Sünden der gesamten Menschheit bis ans Kreuz mitgenommen hat für unser ewiges Leben. Er hat alle nur erdenklichen Wunden erlitten, damit unsere Wunden geheilt werden mögen. Dank ihm konnten wir getauft werden und somit der Sünde und dem ewigen Tod sterben. Wir leben nun für ihn, der das ewige Leben ist.
Die Menschen sind wirklich wie eine zerstreute Schafsherde gewesen, die keinen Hirten hatte. Doch Christus ist der gute Hirte, der unsere Seelen hütet wie einen Augapfel. Er hat erwirkt, dass unsere Seelen nicht sterben (Hölle), sondern ewig bei Gott sein werden (Himmel). Darin ist er uns gegenüber wie ein Hirte. Er ist Hüter unserer Seelen und darin sollen es die Nachfolger seiner Apostel gleich tun. Denn das griechische Wort für „Hüter“ ist ἐπίσκοπος episkopos. Es ist dasselbe Wort für „Bischof.“ Sie sind es, die Jesus nachahmen sollen in seinem Hirtencharakter. Sie sollen keine Tyrannen sein, die ihre Schäfchen unterdrücken, sondern sie sollen ihr Leben für die Schafe hingeben. Sie sollen so sein wie Gott, der wunderbare Hirte aus Psalm 23.

Joh 10
1 Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.
4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.
7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.
10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Und Jesus selbst offenbart sich als Hirte heute im Evangelium. Seine Rede heute ist voll von dem Bildfeld „Hirte, Stall, Herde“.
Wer nicht geregelt durch die Tür geht, ist ein Dieb. Er hat nicht vor, den Schafen im Stall etwas zu essen oder zu trinken zu geben, sondern sie zu rauben und ihnen zu schaden.
Der Hirte kommt dagegen durch die Tür in den Stall. Er wird vom Türhüter hereingelassen und an seiner Stimme erkennen die Tiere, dass er es ist. Er weiß genau, wie jedes einzelne Schaf heißt und er führt sie auf die Weide hinaus. Er lässt sie dort aber nicht alleine, sondern geht ihnen voran. Die Stimme des Hirten ist entscheidend. Wenn ein Fremder versucht, die Herde irgendwohin zu treiben, wird es nicht funktionieren. Die Schafe hören gar nicht auf die fremde Stimme.
Jesus greift ganz bewusst so ein Bildfeld auf. Es ist sehr lebensnah für die Menschen, die dort anwesend sind und seiner Rede lauschen. Sie sind vertraut mit dem innigen Verhältnis von Hirt und Herde.
Jesus spricht diese Worte im Anschluss an die Auseinandersetzungen mit den Juden von Jerusalem, die den geheilten Blindgeborenen aus der Synagoge hinausgestoßen haben. Sie wollen Jesu Worte nicht annehmen.
Sie haben ganz und gar nicht als gute Hirten gehandelt, sondern den armen Mann ausgeschlossen. Sie haben kein inniges Verhältnis zu ihren anvertrauten Gläubigen. Leider verstehen sie überhaupt gar nicht, was in dieser Situation richtig wäre, halten sich aber für wissend.
Jesus bringt dieses Bild nun an, um zu zeigen, wie sein inniges Verhältnis zu seinen Gläubigen ist. Der ausgestoßene Geheilte schließt sich Jesus an. Er wird zu einem Schaf in Jesu Stall. Jesu Schafe hören auf seine Stimme. Er ist der rechtmäßige Hirte, weil er vom Vater selbst gesandt worden ist. Er ist durch die Tür hineingekommen in den Stall. Es ist ein Bild für seine Menschwerdung: Durch die Tür der Geburt ist er in die Welt hineingeboren. Die Menschen, die die Schafe sind, kennen ihn. So viele Schriftstellen der jüdischen Bibel haben ihn vorausgesagt und angekündigt, was sich nun Schritt für Schritt mit seinem ganzen Dasein erfüllt – bis hin zu seinem Tod und seiner Auferstehung.
Es ist auch eucharistisch zu lesen, denn Jesus kommt als guter Hirte in jeder Heiligen Messe bei der Wandlung von Brot und Wein zu Leib und Blut durch die Tür der Ewigkeit in unsere Zeit. Wir erkennen ihn an seiner Stimme, die durch die Worte des Priesters am Altar erklingt: „Nehmet und esset, das ist mein Leib. Nehmet und trinket, das ist mein Blut.“
Jesus wird auch am Ende der Zeiten durch das Tor der Ewigkeit zurückkommen in unsere Welt, um das jüngste Gericht einzuberufen und seine Schafe auf die ewige Weide zu führen, die das Himmelreich ist.
Von sich grenzt er die Räuber ab, die den Schafen Böses wollen. Sie steigen woanders ein, das heißt sie haben nicht die göttliche Beauftragung und Sendung wie er. Sie sprechen nicht im Namen Gottes und haben auch eine ihm widerstrebende Botschaft. Der Räuber will die Schafe rauben und ihnen schaden. Die Schafe hören aber auch nicht auf den Fremden. Sie merken, dass da etwas nicht stimmt. So ist es mit jenen Gläubigen, die das Wort Gottes kennen und das Evangelium Jesu Christi in ihre Herzen eingeschrieben haben. Wenn sie ganz vertraut sind mit Gottes Lehre, wird ihnen auffallen, wenn jemand etwas anderes sagt. Die Alarmglocken werden angehen und sie werden auf diese falschen Messiasse nicht hören. Als solche Räuber deutet Jesus eben jene an, die den Blindgeborenen so schlecht behandelt haben. Sie wollen seinen Glauben mit Füßen zertreten, der viel mehr erkannt hat als sie (nämlich dass nur der Messias im Stande sein könnte, einen Blindgeborenen zu heilen). Er hat ihnen gegenüber sogar das Wort Gottes zitiert, das ganz deutlich Jesu Messianität bestätigt. Doch diese Menschen stießen ihn hinaus.
Die Anwesenden verstehen die Worte Jesu nicht. Er setzt dagegen wieder zum Sprechen an und bringt ein etwas abgewandeltes Wort: Er geht nicht nur durch die Tür, sondern er ist die Tür.
Wer durch ihn hindurchgeht, wird gerettet werden. Für den Blindgeborenen ist klar: Wo sich eine Tür geschlossen hat, öffnet sich diese wahre Tür für ihn – Jesus Christus.
Seine Selbstoffenbarung lehrt uns zweierlei: Erstens ist er die Tür zu den Schafen. Wer also mit pastoralen Aufgaben betraut wird, muss ganz und gar von Christus und seinem Evangelium durchdrungen sein. Erst wenn er durch diese Christustür gegangen ist, kann er ein guter Hirte für jene sein, die er als Hirten-Nachfolger Christi hüten möchte. Er muss Christus ganz nachfolgen, indem er denselben Weg wählt wie Christus – durch die Tür, nicht durchs Fenster.
Das Zweite, das es uns lehrt: Nur durch Christus hindurch können wir das ewige Leben haben. Wenn wir an ihn glauben und uns auf seinen Namen taufen lassen, nehmen wir die Erlösung an, die unser Exil vom Paradies bricht. Diese Tür der Taufe ist heilsnotwendig. Jesus sagt dann später: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wir können das ewige Leben nur durch die Christustür hindurch erhalten. Das Himmelreich ist hinter dieser Tür. Wir müssen aber nicht bis zum Lebensende warten, um durch sie hindurchzugehen. Wenn wir die Sakramente und Sakramentalien empfangen, gehen wir jedes Mal durch diese Tür. Das endgültige Hindurchschreiten wird uns schließlich am Ende der Zeiten erwarten, wenn der verherrlichte Menschensohn als Weltenrichter zurückkehren wird.
Ein guter Hirte möchte nur das beste für seine Schafe. Der Dieb möchte ihnen dagegen schaden. Jesus beschreibt sich ganz mit den Eigenschaften Gottes in Psalm 23. Es ist wirklich eine Bestätigung dessen, dass König David bei der Komposition seines Psalms vom Heiligen Geist erfüllt worden ist – 1000 Jahre vor Christi Geburt! Und nun ist der Messias da und bestätigt all jene guten Eigenschaften Gottes, der seine Herde auf grüne Auen führen, an Quellen des Wassers führen möchte, den Tisch vor den Augen der Feinde decken, den Becher reichlich füllen möchte und selbst durch das finstere Tal des Todes hindurch den Menschen unversehrt ins Himmelreich führen möchte.

Heute lernen wir viel vom pastoralen Wesen des Vaters und des Sohnes. Wir lernen aber auch, wie die Nachfolger eines solchen guten Hirten sein müssen, wenn sie ihm nachahmen wollen. Beide Seiten gehören zu der einen Medaille und alles ist eingebettet in das freudige Osterereignis, das für uns den Grund für die felsenfeste Hoffnung darstellt. Beten wir um Menschen, die bereit sind, durch jene Christustür zu gehen und selbst zu Hirten der Schafe zu werden, damit die Herde niemals ohne Hirt bleibt. Beten wir um heilige Priester, die ganz durchdrungen sind vom Evangelium und die bereit sind, ihr Leben für die Herde hinzugeben, den Spuren Jesu nachzugehen bis nach Golgota. Und beten wir für die Geistlichen, die uns schon geschenkt worden sind. Mögen sie immer mehr Christus ähnlich werden und ihre Berufung wirklich ernst nehmen. Wir haben einen großen Anteil daran, denn ohne unser Gebet sind sie verloren.

Ihre Magstrauss

Dienstag der 2. Osterwoche

Apg 4,32-37; Ps 93,1.2-3.4-5; Joh 3,7-15

Apg 4
32 Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.
33 Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.
34 Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös
35 und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.
36 Auch Josef, ein Levit, gebürtig aus Zypern, der von den Aposteln Barnabas, das heißt übersetzt: Sohn des Trostes, genannt wurde,
37 verkaufte einen Acker, der ihm gehörte, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Gestern hörten wir ein wunderbares Gebet der ersten Christen, in dem sie gar nicht darum bitten, dass ihr Leiden von ihnen genommen werde, sondern dass sie Kraft für das Tragen ihres Kreuzes erhalten.
Heute werden erneut die Zustände in der Jerusalemer Urgemeinde geschildert, wie wir schon am Sonntag gehört haben. Die Gemeindemitglieder sind „ein Herz und eine Seele.“ Ich habe es schon bei der Auslegung von Apg 2 erklärt: Ihre Herzen hängen ganz an Christus, der ihnen diese ganz innige Gemeinschaft schenkt. Sie lieben gemeinsam den Herrn mit ihrem ganzen Sein. Das schweißt sie zusammen. Deshalb haben sie auch alles gemeinsam. Das ist der Stil, den schon die Apostel in den Jahren des Reisens mit Jesus gepflegt haben. Eine brennende Gottesliebe hat eine ebenso brennende Nächstenliebe zur Folge.
„Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.“ Diese Kraft, mit der sie Christus bezeugen, ist ihnen durch den Hl. Geist geschenkt. Dass es nicht von ihnen selbst kommt, können wir an ihrem Verhalten vor dem Pfingstereignis sehen. Die Apostel haben sich wochenlang verbarrikadiert und hatten Angst. Sie haben den tieferen Sinn der Ereignisse auch nicht verstanden. Sie waren ganz kraftlos und ohne Perspektive. Und als Christus kam und ihnen vieles erklärt hat, ist ihnen zwar schon dies und das aufgegangen, aber dennoch waren sie nicht voll der reichen Gnade, wie es in der Lesung heißt. Hätten sie in der Zeit zwischen Himmelfahrt Jesu und dem Pfingstereignis nicht die Mutter Jesu bei sich gehabt, die mit ihnen gemeinsam gebetet und ausgeharrt hat, hätten sie sich womöglich nicht so gut auf das Kommen des Hl. Geistes vorbereiten können.
Die „reiche Gnade“ meint die umfassende Ausstattung mit den Gaben, Früchten und Charismen des Hl. Geistes, die den Aposteln am Pfingsttag geschenkt worden ist.
Diese Geisterfülltheit trägt Früchte im moralischen Lebenswandel des Einzelnen, aber auch als Gemeinde. Die Gemeindemitglieder verkaufen ihren Besitz und geben allen, so viel sie benötigen. So wird uns in der Lesung als Beispiel von einem gewissen Leviten namens Josef berichtet, der seinen Acker verkauft und den Erlös der Gemeinde übergibt. Solche Beispiele zeigen uns, dass diese Worte von Lukas nicht ausgedacht sind als „utopische Charakterisierung“. Es sind Tatsachen.
Wenn wir die Lesung hören, dann begreifen wir, was es heißt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Joh 7,16). Der Geist Gottes drängt zur tätigen Liebe. Er will nicht nur für sich selbst bleiben und egoistisch für sich ausgekostet werden. Die Liebe Gottes weist immer über sich selbst hinaus.

Ps 93
1 Der HERR ist König, bekleidet mit Hoheit; der HERR hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet. Ja, der Erdkreis ist fest gegründet, nie wird er wanken.
2 Dein Thron steht fest von Anbeginn, du bist seit Ewigkeit.
3 Fluten erhoben, HERR, Fluten erhoben ihr Tosen, Fluten erheben ihr Brausen.
4 Mehr als das Tosen vieler Wasser, gewaltiger als die Brandung des Meeres ist gewaltig der HERR in der Höhe.
5 Deine Gesetze sind fest und verlässlich; deinem Haus gebührt Heiligkeit, HERR, für alle Zeiten.

Wir beten als Antwort auf die Lesung einen Psalm, der die Thronbesteigung Gottes thematisiert.
„Der HERR ist König, bekleidet mit Hoheit; der HERR hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet.“ Gott ist wirklich der König, der Herrscher über das All. Er hat dies vor allem durch das Osterereignis bewiesen, als er den Tod besiegt hat, den größten Feind der Schöpfung.
Wenn es heißt „der Erdkreis ist fest gegründet, nie wird er wanken“, dann setzt dies voraus, dass die Erde Gottes Herrschergebiet ist. Sie wird nicht wanken, weil Gottes Herrschaft nicht wanken wird. Das heißt aber nicht, dass die Erde ewig ist. Gott wird am Ende der Zeiten die Schöpfung rückkehren, um daraufhin einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen, eine neue Schöpfung aus dem Hl. Geist. Dann wird Gottes Herrschaft für alle sichtbar sein und Gott wird seinen Widersacher keinen Spielraum mehr lassen. Vielmehr wird er ihn für immer verbannen, sodass ihm keine Macht mehr bleibt.
„Dein Thron steht fest von Anbeginn“, du bist seit Ewigkeit.“ Gottes Herrschaft ist ewig, das heißt sie hat weder einen Anfang noch ein Ende. Gott IST vielmehr der Anfang und das Ende von allem, sodass auch seine Herrschaft ewig ist. Wir lesen in den Thronsaalvisionen des Alten und Neuen Testaments, dass Gottes Thron immer schon dort steht, wenn der Visionär die Vision empfängt. Sowohl Jesaja als auch Johannes in der Johannesoffenbarung betonen, dass der Thron dort schon stand, bevor er in den Thronsaal geführt worden ist.
„Fluten erhoben ihr Tosen, Fluten erheben ihr Brausen.“ Die Schöpfung Gottes ist mächtig und manchmal auch bedrohlich. Gerade Wassermassen haben etwas Ambivalentes an sich. Sie können einerseits lebensspendend sein, doch in der überwältigenden Masse zugleich zum Ertrinken führen.
Die Urflut ist es, über der der Geist Gottes in der Genesis schwebte. Die Sintflut ist es, die die Menschheit vernichtet hat. Es sind auch die Fluten, durch die hindurch das Volk Israel hindurch geschritten ist beim Auszug aus Ägypten. Es ist das Wasser des Jordan, in dem Jesus getauft worden ist. Dort ist der Geist wiederum wie eine Taube auf ihn herabgekommen. Die Fluten sind es auch, auf denen Jesus geschritten ist und Petrus ermutigt hat, es ihm gleichzutun.
Die Wassermassen sind gewaltig und doch steht Gott über ihnen. Er beherrscht sie, „der HERR in der Höhe“.
So wie die Herrschaft Gottes sind auch seine Gesetze fest und verlässlich. Der Mensch kann sich ganz auf sie verlassen und wird nicht enttäuscht werden. Es ist sogar so verlässlich, dass das Gesetz Gottes, die Torah, Mensch geworden ist, um den Menschen sogar vorzuleben, wie es geht. Verlässlicher geht es nicht!
Gott ist wirklich ein Gott für alle Zeiten. Er ist immer derselbe. Er ist immer der Heilige, das heißt „der ganz Andere“. Er ist ganz anders als die Schöpfung und bleibt es auch trotz seiner Menschwerdung in Jesus Christus. Gottes Heiligkeit ist der Grund für die Heiligkeit seiner Kinder. Weil er anders ist, sind es auch die ersten Christen. Wir haben es in der Lesung gehört. Sie führen ein ganz bestimmtes Leben, das man so von anderen nicht kennt. Sie brennen für einander, weil sie für IHN brennen, Christus. Dabei spielt auch für sie keine Rolle, ob sie im 1. Jh.n.Chr. leben oder ob es uns Christen heute betrifft. Heilig zu sein wie Gott ist ein überzeitlicher Auftrag und eine Berufung, die sich aus der Taufe ergibt. Wir können nicht wie die Welt sein, auch wenn wir in der Welt sind. Wir Christen werden im Brennen für Christus immer anders sein. Diese Andersartigkeit wird zu jeder Zeit irgendwem nicht passen. Deshalb wird es immer Anfeindungen geben. Das soll den Christen aber zu keiner Zeit davon abhalten, die brennende Nächstenliebe abkühlen zu lassen. Niemals.

Joh 3
7 Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden.
8 Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.
9 Nikodemus erwiderte ihm: Wie kann das geschehen?
10 Jesus antwortete: Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht?
11 Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an.
12 Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche?
13 Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,
15 damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.

Im Evangelium geht das Gespräch mit Nikodemus über die Notwendigkeit einer Neugeburt aus dem Hl. Geist weiter.
Der letzte Vers von gestern wird zunächst wieder aufgegriffen, damit wir wissen, wo das Gespräch weitergeht.
Der Geist Gottes weht, wo er will, und wir wissen nichts über seinen Ursprung oder ein Ziel. Das deckt sich mit dem, was wir im Thronbesteigungspsalm betrachtet haben. Gott ist der Anfang und das Ende. Am Geist als Person der Dreifaltigkeit erkennen wir diese Eigenschaft durch Jesu Worte wieder.
Wenn wir im Geist geboren sind, haben wir unseren Anfang und unser Ziel in Gott. Wir werden zu ewigen Menschen – das heißt ohne Anfang und Ende, gewissermaßen zu „Jetzt-Menschen“, die im Jetzt der Ewigkeit leben, wo es keine Zeit gibt, wo immer „jetzt“ ist, wo immer „heute“ ist.
Nikodemus versteht Jesu Worte nicht.
Und Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er sagt: „Du bist der Lehrer Israels und verstehst das nicht?“
Gottes Weisheit ist nicht zu begreifen mit menschlicher Anstrengung. Sie wird ansatzweise verständlich oder erahnbar, wo Gottes Geist dem Menschen das Verständnis dafür öffnet. Nikodemus ist noch nicht so weit, dass er diese Weisheit versteht. Bei ihm ist es aber weniger das Unvermögen. Vielmehr ist es seine Haltung, die Christus kritisiert. Denn er sagt:
„Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an.“ Nikodemus nimmt es nicht an. Er öffnet sich noch nicht für die göttliche Weisheit.
Warum aber spricht Jesus in Wir-Form an dieser Stelle? Die Jünger können kaum gemeint sein, denn Zeugnis legt Jesus ab, der am Herzen des Vaters geruht hat. Man könnte höchstens Johannes den Täufer hier vermuten, mit dem er denselben bezeugt. Anderseits hat Johannes Zeugnis für Christus abgelegt. Was ist also gemeint? Jesus spricht hier dreifaltig. Der Sohn und der Geist legen Zeugnis ab für den Vater! Er hat ja das Gespräch hindurch vom Geist Gottes gesprochen. Dieser ist es, der zusammen mit ihm Zeugnis ablegt. Deshalb spricht Jesus in Wir-Form.
Jesus kritisiert die mangelnde Einsicht des Nikodemus, die schon bei irdischen Themen fehlt. Wie soll er also diese geistigen Themen verstehen, die Jesus ihm in dem Gespräch geteilt hat. Nikodemus kommt bei dem Gespräch wirklich schlecht weg, aber das tut Jesus, um ihn aufzurütteln. Er möchte, dass Nikodemus ihn versteht und endlich aus dem Geist heraus denkt. Er möchte, dass Nikodemus zu einem brennenden Jünger Jesu wird.
Jesus ist wirklich derjenige, der über den Himmel ganz zuverlässige Aussagen machen kann. Er ist schließlich von dort auf die Erde gekommen. Und er wird erhöht werden wie die Schlange, die Mose hat aufstellen lassen, damit die Menschen von den Schlangenbissen in der Wüste nicht sterben. Er sagt Nikodemus ganz unverblümt, dass er den Menschen das ewige Leben ermöglichen kann, wenn sie an ihn glauben. Das sind ganz tiefe Gedanken, die Nikodemus noch nicht versteht. Die Nacht, in der sie sich getroffen haben, passt zu der Dunkelheit seines Verständnisses. Noch ist er nicht soweit. Doch der Geist Gottes wird auch ihn an alles erinnert haben, was Jesus gesagt und getan hat. Auch in ihm wird die Sonne aufgegangen sein. Er wird alles verstanden haben und dafür dann mutig Zeugnis abgelegt haben.

Wir sind oft wie Nikodemus und tappen im Dunkeln, obwohl Jesus es uns ganz deutlich erklärt. Dann müssen wir geduldig daran festhalten und auf Christus vertrauen, bis wir nach und nach diese Dinge verstehen.

Ihre Magstrauss

Montag der 2. Osterwoche

Apg 4,23-31; Ps 2,1-3.4-6.7-9; Joh 3,1-8

Apg 4
23 Nach ihrer Freilassung gingen sie zu den Ihren und berichteten alles, was die Hohepriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten.
24 Als sie das hörten, erhoben sie einmütig ihre Stimme zu Gott und sprachen: Herr, du hast den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen und alles, was sie erfüllt;
25 du hast durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, durch den Heiligen Geist gesagt: Warum tobten die Völker, warum machten die Nationen nichtige Pläne?
26 Die Könige der Erde standen auf und die Herrscher haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Christus.
27 Wahrhaftig, verbündet haben sich in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels,
28 um alles auszuführen, was deine Hand und dein Wille im Voraus bestimmt haben, dass es geschehe.
29 Doch jetzt, Herr, sieh auf ihre Drohungen und gib deinen Knechten, mit allem Freimut dein Wort zu verkünden!
30 Streck deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus!
31 Als sie gebetet hatten, bebte der Ort, an dem sie versammelt waren, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und sie verkündeten freimütig das Wort Gottes.

Heute hören wir davon, wie die Apostel sich nach ihrer Freilassung verhalten. Sie sind alles andere als eingeschüchtert. Sie berichten „den Ihren“, also den anderen Aposteln und Jüngern Jesu, von den Ereignissen.
Diese reagieren ganz vorbildlich – sie hadern nicht mit Gott oder verlieren den Glauben beim ersten Widerstand, sondern sie gehen damit sofort ins Gebet. Sie suchen den Kontakt zum Herrn und sprechen ganz im Psalmenstil, so wie sie es als fromme Juden gewohnt sind:
Dabei beginnen sie mit einem Lobpreis. Das ist nicht einfach zu überlesen oder zur Kenntnis zu nehmen, sondern wir müssen das ernst nehmen. Ganz unabhängig davon, wie es uns geht, was wir in unserem Leben durchmachen, Gott sei immer gelobt und gepriesen. Den Lobpreis schulden wir ihm immer! Dieser hängt nicht von unserem eigenen Befinden ab. Es gibt ja immer etwas, wofür wir ihm danken können, schon allein für die Existenz und für die Schöpfung. Und so beginnt ihr Gebet mit einem Lobpreis der Schöpfung Gottes.
Sie thematisieren daraufhin die Psalmen, die Gott König David eingegeben hat. Dabei zitieren sie den Beginn von Psalm 2, den sie auf ihre momentane Situation beziehen. Wir werden diesen Psalm nachher beten.
Der Psalm beginnt mit den Worten: „Warum toben die Völker, ersinnen die Nationen nichtige Pläne?“ Eigentlich geht es hier um die heidnischen Völker, die sich gegen Gott erheben (גֹויִ֑ם gojim). Umso schärfer ist die Kritik an jenen, die die Apostel haben festnehmen lassen. Sie benehmen sich, als ob sie Gott nicht kennen würden. Im zweiten Teil des Verses wird der Begriff וּ֝לְאֻמִּ֗ים ule’ummim gebraucht, wobei es keine bestimmte Einschränkung in „jüdisch“ und „nichtjüdisch“ umfasst. Es ist offen gehalten.
Auch den zweiten Vers dieses Psalms beten sie gemeinsam, wo es laut Apg heißt: „Die Könige der Erde standen auf und die Herrscher haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Christus.“ Es ist bemerkenswert, wie sie diese Psalmworte durch eine kleine Veränderung als erfüllt voraussetzen: Im Psalm selbst wird der Vers noch zukünftig gehalten, was wir an den hebräischen Verbformen erkennen können. Hier wird es nun als bereits geschehen formuliert. Wir sehen auch heute wieder, dass durch die Gabe des Hl. Geistes die Jünger Jesu Christi Dinge begreifen, die schon längst vorbereitet worden sind. Wie Jesus es ihnen angekündigt hat, erinnert der Geist Gottes sie an alles, was er gesagt und getan hat. Sie kombinieren dies mit der Hl. Schrift, mit den Verheißungen, den Ankündigungen und Warnungen des AT.
In Vers 27 wenden sie diese Psalmworte nun ganz explizit auf jene an, die für den Tod Christi verantwortlich sind: auf Pilatus, Herodes, die Nationen (die Heiden, also hier die Römer) und auf die Stämme (also die Juden, die „Kreuzige ihn!“ geschrien haben). Sie erkennen, dass die Geschehnisse um Christus herum eine einzige Auflehnung gegen Gott dargestellt hat. Dadurch, dass sie hier alles auf Christus beziehen, setzen sie voraus, dass die Anfeindungen gegen sich selbst eine logische Konsequenz der Anfeindung Christi sind. Schließlich folgen sie ihm nach und führen sein Evangelium weiter.
Was mit Christus passiert ist, musste geschehen. Jetzt nach dem Pfingstereignis begreifen die Apostel dies. Es musste so kommen, damit die universale Erlösung überhaupt erwirkt werden konnte.
Und dann formulieren sie Bitten, die überraschenderweise nichts von einer Schutzbitte erkennen lassen. Sie streben gar nicht die Verschonung ihres Lebens an. Sie gehen davon aus, ebenfalls in Gefahr zu geraten für die Botschaft, die Christus ans Kreuz gebracht hat. Was sie erbitten, ist das Wirken Gottes in Wort und Tat, damit so viele Menschen wie möglich zum Glauben an ihn kommen!
Sie bitten den Herrn nicht darum, das Leid von ihnen zu nehmen, sondern um Kraft, es tragen zu können! Sie beten um Freimut, ungetrübt das Evangelium Jesu Christi verkünden zu können.
Ihnen geht es zuerst um das Reich Gottes, wie es Christus geboten hat.
Als sie ihr kraftvolles Gebet beenden, bebt der Ort, an dem sie versammelt sind. Das ist ein Zeichen der Gegenwart Gottes. Sie werden mit dem Hl. Geist erfüllt und verkünden freimütig das Wort Gottes. Der Herr schenkt ihnen wirklich die Gnaden, die sie erbitten, weil sie in rechter Absicht bitten. Ihr Gebet ist ganz selbstlos und allein von der Verbreitung der frohen Botschaft bestimmt. Deshalb zögert Gott nicht, sie in Überfülle zu beschenken.

Ps 2
1 Warum toben die Völker, warum ersinnen die Nationen nichtige Pläne?
2 Die Könige der Erde stehen auf, die Großen tun sich zusammen gegen den HERRN und seinen Gesalbten:
3 Lasst uns ihre Fesseln zerreißen und von uns werfen ihre Stricke!
4 Er, der im Himmel thront, lacht, der HERR verspottet sie.
5 Dann spricht er in seinem Zorn zu ihnen, in seinem Grimm wird er sie erschrecken:
6 Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg.
7 Den Beschluss des HERRN will ich kundtun./ Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.
8 Fordere von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe und zum Eigentum die Enden der Erde.
9 Du wirst sie zerschlagen mit eisernem Stab, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.

Nun beten wir diesen Psalm, den die Apostel angeschnitten haben.
Es ist noch zukünftig formuliert (die grammatikalische Form lässt beide Zeitformen zu – Präsens und Futur).
Das Thema ist die Auflehnung und das Spinnen von Intrigen gegen Gott. Die Heiden machen Pläne gegen Gott und meinen, dass sie sich mit ihm anlegen können, der der Allmächtige ist. Dabei sind es „nichtige Pläne“.
Die Mächtigen dieser Welt versuchen eine Rebellion gegen Gott und seinen Gesalbten. In Davids Fall müssen wir sagen, es handelt sich um nichtjüdische Völker, die Israel besiegen wollen, obwohl Gott und sein gesalbter König David sich nur besiegen können. Wir beziehen es durch die Apostelgeschichte aber auch auf den Gesalbten schlechthin, auf Christus, den Sohn Gottes. Nun sind es die Gegner Jesu in Jerusalem. Im weiteren Sinne muss diese Feindseligkeit aber auf die ganze Welt ausgeweitet werden, denn Christus ist für alle Menschen gestorben. Wer sich gegen ihn auflehnt, rebelliert gegen Gott. Das passiert jedesmal, wenn wir Menschen sündigen. Wir verletzen den Herrn und lehnen uns gegen ihn auf. Dann sind wir nicht besser als jene, die Jesus ans Kreuz gebracht haben. Deshalb sagen wir auch, dass Jesus all die Leiden für uns am Kreuz auf sich genommen hat.
Diese Auflehnung gegen Gott erreich globale Dimensionen. Am Ende der Zeiten wird er nur einmal kurz eingreifen müssen und ihr nichtiger Plan zerfällt wie Staub, fällt in sich zusammen wie ein mikriges Kartenhaus.
Es ist im Grunde lächerlich, dass kleine Menschlein, die Gott selbst geschaffen hat, sich nun mit ihm messen wollen und sich einbilden, ihn besiegen zu können. Gott kann nur lachen (Vers 4).
Dann wird er in seinem Zorn sprechen – es ist sein Eingreifen in die Ungerechtigkeit der Weltgeschichte. Er wird den Menschen vorhalten, was sie ignoriert und verkannt haben: seinen eigens eingesetzten König für Zion. Dies ist wörtlich erst einmal auf den König von Juda zu beziehen, David, den sich Gott selbst ausersehen hat. Gott wird den Menschen vorwerfen, dass sie ihn nicht geachtet haben. Und wir beziehen es im weiteren Sinne und in Erfüllung dieses irdischen Königtums auf Christus, den König des himmlischen Zion, dem Reiche Gottes! Ihn haben die Menschen verkannt, indem sie voller Spott die Kreuzestafel mit dem Vorwurf angebracht haben „König der Juden“, aber nicht geglaubt haben, dass er tatsächlich ein König ist – nicht nur irgendeiner, sondern der König der Könige!
Noch viel mehr als mit David ist Gott der Vater mit seinem Sohn Jesus Christus.
Von ihm kann er wirklich wortwörtlich sagen: „Mein Sohn bist du. Ich selber habe dich heute gezeugt.“
Das „Heute“ ist ein entscheidendes Stichwort für die Ewigkeit. Bei Gott gibt es keine Zeit mehr. Diese ist eine irdische Kategorie, die Gott geschaffen hat (siehe Schöpfungsbericht in der Genesis durch die Himmelskörper und das Licht).
Der Sohn ist vor aller Zeit gezeugt worden, nicht geschaffen. Jesus ist wirklich der Sohn Gottes und somit ihm gleich. Das kann kein Geschöpf von sich sagen. Deshalb ist es mikrig, was die Menschen in Auflehnung gegen Gott alles versuchen…
Jesus kann von seinem Vater alles fordern, denn sie sind eins. Gott gibt ihm die Völker zum Erbe. Es meint die heidnischen Völker. Jesus werden sie aber nicht übergeben, um sie zu zerstören, sondern um sie zu Erben des Reiches Gottes zu machen! Er ist gekommen, damit jeder gerettet werde, bis zu den Enden der Erde!
Und wer bis zum Schluss Jesus ablehnt, der wird am Ende wie Ton zerschlagen. Das ist ein Bild für das Gericht Gottes. Gott nimmt die Menschen ernst. Wenn sie sich in aller Freiheit gegen ihn entscheiden, müssen sie die Konsequenzen ihrer Entscheidung tragen. Der eiserne Stab Christi ist ein Code für den Messias. Er wird auch bei den messianischen Verheißungen des Buches Jesaja aufgegriffen. Demnach wird der Messias mit eisernem Zepter herrschen.
Aus dem eisernen Stab wird mit der Zeit das zweischneidige Schwert. Es handelt sich nicht um ein echtes Schwert aus Metall, sondern um das Wort Gottes, das dadurch bildhaft ausgesagt wird. Christus herrscht mithilfe des Wortes Gottes. Was nicht gut ist am Menschen, wird dadurch zerschnitten und das ist schmerzhaft. Es schneidet dabei aber in die Seele ein, nicht in den Körper des Menschen. Das ist das Schmerzhafte daran.

Joh 3
1 Es war da einer von den Pharisäern namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden.
2 Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.
3 Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
4 Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Kann er etwa in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und noch einmal geboren werden?
5 Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.
7 Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden.
8 Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Im Evangelium wird uns von einem nächtlichen Gespräch erzählt, das Jesus mit einem Hohepriester des Hohen Rates geführt hat. Nikodemus ist „ein führender Mann unter den Juden“. Er ist Jünger Jesu, aber nur heimlich aufgrund seiner hohen Position.
Wir merken insgesamt, dass er in dem Gespräch die wichtigsten Dinge nicht begreift. Es ist wir ein Armutszeugnis für die religiöse Elite Israels zur Zeit Jesu. Und doch möchte der Mann Jesus verstehen und Jesus versucht alles, um ihm den Kern seiner Botschaft verständlich zu machen.
Warum hören wir dieses Gespräch in der Osterzeit? Wir haben in den letzten Tagen immer wieder realisiert, dass die einzig angemessene Reaktion auf das Osterereignis das Kommen zum Glauben an Christus sein kann. Es ist die Bejahung und das Eingehen des Neuen Bundes mit Gott, den Christus am Kreuz besiegelt hat. Und dies geschieht durch das Sakrament der Taufe. Deshalb hörten wir bereits viele Passagen aus der Apostelgeschichte, die die vielen Taufen direkt nach der Gabe des Hl. Geistes schildert.
Schauen wir uns das Gespräch im Einzelnen an:
Nikodemus bekennt zu Anfang des Dialogs, dass er an den göttlichen Ursprung Christi glaubt. Er erkennt an, dass dessen Heilstaten dies beweisen. Er zeigt dadurch, dass er anders ist als die anderen Männer des Sanhedrin. Er lässt sich auf Christus ein und setzt sich mit allem auseinander.
Jesus sagt ihm daraufhin einen wichtigen Satz, den er gründlich missversteht:
„Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Was Jesus damit meint, ist die Wiedergeburt aus dem Hl. Geist, die durch die Taufe erwirkt wird. Dann werden wir nämlich zu Erben eingesetzt in seinem Reich. Neugeboren zu so einem geistlichen Leben haben die Menschen erst die Chance auf das Himmelreich. Es ist ein Wort, dass Christus nicht nur zu Nikodemus sagt, sondern auch zu uns, die wir manchmal vergessen, was für ein Geschenk uns durch die Taufe geschenkt worden ist. Es gilt auch jenen, die nicht getauft sind und meinen, dass sie es nicht nötig hätten.
Nikodemus versteht es wie gesagt falsch, denn er nimmt die Worte Jesu wörtlich: Natürlich kann ein erwachsener Mensch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren. Das ist natürlich unmöglich. Jesus meint ja eine geistliche Wiedergeburt, keine erneute Geburt aus dem Fleisch.
Diese Unterscheidung versucht er nun, Nikodemus klarzumachen:
Die Geburt, die Jesus meint, ist aus dem Wasser und dem Geist. Es ist das lebendige Wasser, das durch das Taufwasser symbolisiert wird und den Antitypos der Urflut sowie der Sintflut darstellt, ebenso einen Antitypos zum Roten Meer, durch das die Israeliten beim Auszug aus Ägypten gezogen sind.
Der Geist Gottes ist den Menschen an Pfingsten gegeben worden, sodass sie zu neuen Menschen geboren worden sind. Ein besonders eindrückliches Beispiel stellt Petrus dar. Wir sehen, dass der alte Petrus am See von Tiberias ein komplett anderer Petrus ist als jener, der am Pfingsttag durch seine brennende Rede 3000 Menschen zur Taufe geführt hat.
Besonders in Vers 6 macht Jesus den Unterschied klar, dass wer aus dem Fleisch geboren ist, Fleisch ist und wer aus dem Geist geboren ist, Geist ist. Mit „Fleisch“ und „Geist“ ist mehr gemeint als wirklich nur das Fleisch des Menschen. Es ist ein Stichwort, das ganz nach biblischem Stil den ganzen Menschen meint, seine gefallene Natur durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares. Wer aus dem Fleisch geboren ist, also in diese Welt auf biologische Weise eingegangen ist, unterliegt noch dieser sündigen Natur. Gott hat alles gut geschaffen und die Welt ist sein Werk. Aber durch die Sünde hat der Mensch die gute Schöpfung Gottes pervertiert. Dieses Gefallene ist hier mit „Fleisch“ gemeint, sodass man sich vor einer leibfeindlichen Interpretation hüten muss.
Mit Geist ist der Hl. Geist gemeint, der das ewige Leben schenkt und die Sphäre Gottes kennzeichnet.
Wer aus dem Geist geboren ist, lebt schon mit Blick auf dieses ewige Leben. Er ist vom Geist erfüllt, der im inneren Tempel Wohnung nimmt. Dieser kann wieder abhanden kommen, wenn der Mensch in Todsünde fällt, doch Gott ist so barmherzig, dass er durch das Sakrament der Versöhnung die Möglichkeit der Rückkehr zur Taufgnade schenkt.
Mit Geist ist nicht die Seele des Menschen gemeint, die ja unsterblich ist. Diese ist dem Menschen ja schon durch die biologische Geburt eingegeben. Es meint vielmehr den Hl. Geist, der einen erfüllt.
Moralisch heißt das, dass wir Menschen ohne den Blick auf die Ewigkeit, materialistisch und atheistisch leben, wenn wir „fleischlich“ leben. Wenn wir aber unser ganzes Leben auf die Ewigkeit ausrichten und uns stets bewusst machen, dass unser jetziges Leben Auswirkungen auf die Ewigkeit hat, dann leben wir „geistlich“.
Jesus sagt zu Nikodemus: „Wundere dich nicht“, doch ob der Pharisäer Jesu Erläuterung wohl verstanden hat? „Von oben geboren werden“ meint, vom Himmel her, der aber nicht das Gewölbe über einem meint, sondern die Sphäre Gottes.
Wir werden nie so sein wie Christus, der als einziger wirklich von Gott vor aller Zeit gezeugt worden ist. Wir bleiben Geschöpfe Gottes. Dieser Einwand ist hier klar zu benennen, denn es gibt genug Strömungen auch in katholischen Kreisen, die diese Grenze kühn zu überschreiten versuchen…
Zum Schluss führt Jesus deshalb einen Vergleich an, bei dem er den Hl. Geist mit dem Brausen des Windes vergleicht: Dieser weht, wo er will. Mein weiß nicht, woher er kommt und wohin er geht.
So ist es mit dem geistlichen Menschen, das heißt dem Getauften. Er hat weder einen irdischen Ursprung noch ein irdisches Ziel. Seine Herkunft ist Gott und sein Ziel ist Gott. Wir denken an Melchisedek, den Typos Christi. Schon von ihm ist dies alles nicht bekannt, was uns einen Hinweis auf seine Geistlichkeit gibt. Christus selbst hat seinen Ursprung in Gott und ebenso sein Ziel, auch wenn er selbst als Gott noch einmal zu unterscheiden ist von uns Getauften. Es sind wichtige Gedanken zum übernatürlichen Leben, das wir als dennoch Irdische begehen. Es ist eine Spannung, die deshalb durch den Grundsatz getragen wird „in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt“.
Die „Welt“ meint dabei immer die gefallene Welt, die nicht auf die Ewigkeit ausgerichtet ist.

Diese Welt ist geprägt von der Auflehnung gegen Gott und seinen Gesalbten. Davon hörten wir bereits in der Lesung und im Psalm. Es geht auch nicht anders. Die Welt steht unter dem Einfluss des Widersachers. Er ist entmachtet, aber es bleibt ihm gewisse Macht, die Menschen von Gott wegzuziehen. Seine Versuche sind lächerlich, weil auch er nur Geschöpf ist so wie die Menschen, die seine Marionetten sind. So ist aber verständlich, warum die „Welt“ zum Gegensatz des Geistes Gottes wird. Wo wir die Widerstände erfahren, müssen wir umso mehr um den Beistand Gottes bitten. Mit ihm in uns können wir nur gewinnen, denn es ist Gott, der gegen den Bösen den Kampf austrägt. Damit die Menschen nicht mehr Marionetten des Bösen sind, muss es unser Anliegen sein, alle Menschen zu Jüngern Jesu zu machen, das heißt sie zur Wiedergeburt im Hl. Geist führen wie Petrus. Die Taufe ist heilsnotwendig.

Hadern wir nicht mit Gott und seien wir uns selbst nicht zu schade, mit den Mitteln, die uns der Geist geschenkt hat, Christus mutig zu bekennen. An uns soll die Osterfreude und das Wirken des „brausenden Windes“ ablesbar sein.

Ihre Magstrauss

Freitag der Osteroktav

Apg 4,1-12; Ps 118,1 u. 4.22-23.24 u. 26-27a; Joh 21,1-14

Apg 4
1 Während sie zum Volk redeten, traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.

2 Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
3 Und sie legten Hand an sie und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft. Es war nämlich schon Abend.
4 Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
5 Es geschah: Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
6 dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas, Johannes, Alexander und alle, die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
7 Sie stellten die beiden in die Mitte und forschten sie aus: Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
8 Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
9 Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist,
10 so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
11 Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.
12 Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.

Heute hören wir die nachfolgenden Ereignisse, nachdem Petrus seine Bekenntnisrede in der Halle Salomos gehalten hat.
Die religiöse Elite bestehend aus dem Tempelhauptmann, den Sadduzäern und Hohepriestern tritt herzu und regt sich über die ganze Aktion auf.
Es passt ihnen überhaupt nicht, dass Petrus und Johannes die Auferstehung Jesu predigen, den sie nach umfassender Intrige endlich ans Kreuz bekommen haben.
So werden die beiden festgenommen und über Nacht gefangen gehalten. Das ist ihre erste Erfahrung mit Anfeindungen, weil sie im Namen Jesu gepredigt haben. Auch wenn sie festgehalten werden, kann die Tempellobby nichts dagegen tun, dass eine riesige Menge sich dem Glauben anschließt und die Zahl der Jerusalemer Urgemeinde auf 5000 ansteigt.
Am nächsten Tag werden die Apostel ähnlich wie Jesus damals verhört.
Es sind dieselben Hohepriester versammelt, die ähnliche Fragen stellen wie damals bei Jesus. Ihnen geht es um die Kraft, mit der die Apostel das Wunder vollbracht haben.
Auch jetzt ist Petrus nicht eingeschüchtert, sondern erfüllt vom Hl. Geist, der ihm den Mut verleiht, bekennt er Christus: In seinem Namen ist diese gute Tat an einem kranken Menschen vollzogen worden, den eben jene Hohepriester ans Kreuz gebracht haben, den der Tod aber nicht festhalten konnte. Jesus ist von den Toten auferstanden, so hat er den Tod und die Intrige der Hohepriester besiegt.
Genau diese Aussage untermauert Petrus mit dem sehr bekannten und viel verwendeten Zitat aus Ps 118: „Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist.“ Er zitiert die Hl. Schrift, weil er in der Sprache der Gelehrten sprechen möchte und die Erfüllung der Verheißungen unterstreichen möchte. Er versucht, ihnen den Wald begreiflich zu machen, von dem sie bisher nur die einzelnen Bäume betrachtet haben.
Petrus ist wie ausgewechselt. Er spricht freimütig, er zitiert dabei die Schrift und bezieht sie auf Christus. All dies verstand er zuvor nicht und er fürchtete sich davor, irgendeinen Nachteil zu erleiden dafür, dass er Jünger Jesu ist. Doch der Geist Gottes ist auf die Apostel hinabgestiegen und wirkt nun auch durch ihn. Er nimmt es sehr ernst, dass Christus ihn zum Felsen seiner Kirche gemacht hat. Wahrlich, er ist wirklich ein Fels in der Brandung, der die aufkommende Kirche mit allen Mitteln verteidigt! An ihm sehen wir, was möglich ist, wenn wir uns ganz und gar dem Wirken Gottes hingeben. Wenn wir uns ihm anbieten und ihm wirklich sagen: „Tue mit mir, was du willst! Nimm mein Leben hin!“, dann wird er aus uns glänzende Diamanten machen. Er wird uns schleifen, sodass wir unvorstellbar über uns selbst hinauswachsen. Wir werden selbst erstaunt sein, zu was Gott fähig ist mit uns!
Gott liebt auch die Hohepriester, die Sadduzäer, die Schriftgelehrten, alle, die ihn ablehnen. Er möchte, dass alle Menschen gerettet werden. Und so ist die ganze Situation für sie eine einzige Lektion. Sie sollen die Chance bekommen, die Ablehnung Jesu wieder gut zu machen. Stattdessen geht ihre Sturheit mit seinen Jüngern weiter.
So ist Gott. Er gibt uns immer wieder Chancen zur Umkehr. Er versucht einfach alles, um unsere Liebe zu erhalten. Er hat aus Liebe alle Menschen ins Dasein gerufen und möchte, dass jeder ihn zurückliebt. Deshalb wirbt er um jeden, deshalb versucht er, sich begreiflich zu machen. Bis zur letzten Sekunde unseres Lebens versucht er alles, damit wir nicht verloren gehen!

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
4 So sollen sagen, die den HERRN fürchten: Denn seine Huld währt ewig.
22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.

23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.
24 Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.

27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten.

Im Kontext der Osteroktav beten wir wiederholt Psalm 118. Er wird uns die nächsten Tage immer wieder begleiten – wir haben ihn schon in der Osternacht gebetet. Es gibt kaum einen Psalm, der besser in die Osterzeit passt.
Gottes große Heilstaten verdienen stets unser Lob und unseren Dank. Wir können gar nicht genug danken für alles, was Gott uns Gutes tut! Und im Anschluss an den Mut des Petrus, der zur Heilung des Gelähmten steht, der die Chance für eine Bekenntnisrede nutzt und weitere 2000 Männer zum Glauben an Christus führt, können wir wirklich nur in einen Lobpreis verfallen!
Ganz im Psalmenstil beginnt das Danklied mit einer Aufforderung zum Dank, denn Gottes „Huld währt ewig!“
Alle Gottesfürchtigen sollen dies gläubig bekennen. Heute sind ganze 2000 Männer hinzugekommen, die gottesfürchtig geworden sind – sie waren es schon vorher, nun aber sind sie zugleich christusfürchtig geworden!
Dann beten wir Vers 22, den Petrus vor der Tempelelite auf Christus bezieht, auf ihn, dessen Verwerfung und Hinrichtung am Kreuz die Erlösung aller Menschen gebracht hat!
Gott hat diese Erlösung erwirkt, indem er selbst am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Kein anderer Gott hat auf diese Weise die Menschheit erlöst und so können wir nicht anders, als zu jubeln und uns über ihn zu freuen. Diese Freude ist mehr als nur eine situative Emotion. Es handelt sich um eine innere Gewissheit, dass am Ende der Zeiten das Heil Gottes steht. Diese Gewissheit trägt den österlichen Menschen durch alles Leid hindurch, sodass er nicht anders kann, als optimistisch zu sein. Das hat nichts mit billiger Jenseitsvertröstung zu tun, sondern ist vielmehr ein gewandeltes irdisches Dasein mit einem österlichen Blick.
„Gesegnet sei, der kommt im Namen des HERRN!“ Diesen Ausruf haben die Jünger Jesu bei seinem Einzug in Jerusalem gesungen, als er auf einer Eselin hineingeritten kam und so als Messias die Hl. Schrift erfüllt hat. Wir beten diesen Ausruf in der Messe im sogenannten Benedictus, das heutzutage mit dem Sanctus gekoppelt ist.
„Wir segnen euch vom Haus des HERRN her“ ist für die Juden die höchste Form von Segen. Im Haus des HERRN, das heißt im Jerusalemer Tempel, ist Gott gegenwärtig. Der Tempel existiert heute nicht mehr. Dieser Vers ist für uns Christen nun auf den eucharistischen Segen zu beziehen, der die höchste Form von Segen darstellt. Gott wohnt im Haus des HERRN, das heißt jetzt in jedem Tabernakel der Kirche. Von dort aus geht ein Segen aus, der gleichzusetzen ist mit dem Segen Christi, den er den Menschen durch seine Heilstaten erwiesen hat. Er ist genauso leibhaftig anwesend wie vor seinem Tod und seiner Auferstehung, als er in Menschengestalt auf Erde wandelte.
Gott ist der HERR und er hat uns Licht geleuchtet – Christus, das Licht der Welt. Er ist der Messias, der die Finsternis erleuchtet hat, wie Jesaja schon 700 Jahre vor Christi Geburt angekündigt hat und wie Christus selbst über sich gesagt hat.

Joh 21
1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Im Evangelium hören wir nun von einer dritten Erscheinung Christi vor seinen Aposteln.
Die Apostel sind am See von Tiberias, womit der See Gennesaret gemeint ist. Bevor der Hl. Geist auf sie herabkommt, sind sie unschlüssig, wie sie ihr Leben fortsetzen sollen. Zwar hat Jesus ihnen gesagt: „Wie mich der Vater sendet, so sende ich euch!“ Doch sie verstehen das alles noch nicht. Deshalb tun sie das, was sie kennen und was sie vor ihrer Berufung als Jünger Jesu getan haben – fischen.
Petrus ist es ausgerechnet, der wieder als erstes das Wort ergreift und die anderen mitzieht. Er sagt kurzerhand „ich gehe fischen“. Die anderen anwesenden Apostel sagen daraufhin: „Wir kommen auch mit!“ Sie tun, worin sie am besten sind. In einer Situation der Ungewissheit bringt es einem Sicherheit, wenn man alte Gewohnheiten aufleben lässt.
Gott nutzt diese Situation, um ihnen wieder etwas Wichtiges beizubringen. Er lässt zu, dass sie in der gesamten Nacht nichts fangen.
Gegen Morgen erscheint ihnen Jesus am Ufer und fragt sie nach Fisch. Er weiß ganz genau, dass sie nichts gefangen haben, doch er möchte, dass sie dies von sich aus selbst sagen.
Währenddessen erkennen sie Jesus noch nicht. Man könnte annehmen, dass sie es langsam verstanden haben sollten, dass es der Auferstandene sein muss. Seine Wundmale an Händen und Füßen sind ja mehr als eindeutig. Man kann es vielleicht auf die Tageszeit beziehen. Die Sonne geht gerade erst auf und so ist es noch zu dunkel, Jesus zu erkennen. Wir können es auch auf das besorgte Kreisen der Apostel um sich selbst beziehen, die so von ihren Zukunftsängsten geplagt sind, dass sie gar nicht darauf achten, wer hier mit ihnen spricht.
Eines ist eindeutig: Es ist kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet im Morgengrauen zu ihnen tritt. Für die Juden ist es verbreitet, den Messias vom Osten kommend zu erwarten. Im Osten geht die Sonne auf. Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit. Er kommt im Morgengrauen. Dies haben wir auch schon beim Osterereignis selbst gemerkt! Er ist im Morgengrauen auferstanden und hat somit die Schrift erfüllt! Und nun kommt er wieder im Morgengrauen zu jenen, für die Nacht ist – die in ihrer Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit dahinleben, die nicht wissen, wie es weitergeht. Er ist ihre Sonne, ihre Hoffnung, ihre Orientierung, ihr Segen. Und deshalb gibt er ihnen dann den Rat, nochmal die Netze auszuwerfen.
Er gibt ihnen Anweisungen, obwohl sie die Profis sind. Womöglich merken sie schon, dass hier etwas passiert, und werfen deshalb nochmal die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus.
Als sie es wieder einholen wollen, ist es so brechend voll, dass die Netze zu reißen drohen!
So ist Gottes Gnade. Wenn er gibt, dann im Überfluss!
Wir können diese ganze Szene bis hierhin absolut auf unser eigenes Leben beziehen: Wenn Christus mit uns ist und wir alles tun, was er uns aufträgt, dann gelingt unser Leben. Wenn wir nach Gottes Willen leben und Hand in Hand mit ihm unser Leben leben, wird er uns überreich segnen. Dann werden wir große Zeichen in unserem Leben erkennen und die Größe Gottes mit eigenen Augen erfahren.
Johannes, der Jesu Herz am besten verstanden hat, der an diesem Herzen geruht hat im Abendmahlssaal und unter dem Kreuz bei der Durchbohrung, er ist der erste, der Jesus erkennt.
Als Petrus das erfährt, zieht er sich das Obergewand an, weil er nackt ist, und springt in den See. Was soll diese seltsame Reaktion? „Nackt sein“ bedeutet in diesem Fall nicht das Splitternacktsein, sondern die fehlende Oberbekleidung. Petrus fühlt sich bloßgestellt. Die eigentliche Nacktheit, die er verspürt, ist das Offenliegen seiner Ohnmacht vor dem Herrn. Er vermag nichts ohne ihn. Die ganze Nacht hat er versucht, das zu tun, was er am besten kann. Und selbst das hat nicht funktioniert. Seine ganze Armut liegt hier vor dem Auferstandenen bloß. Er springt in den See vor lauter Beschämung. Was ist denn daran so schlimm, sich vor Gott so hilflos zu fühlen, wenn dieser einem alles schenken kann? Für Petrus ist das ein Prozess der Demütigung. Er hat noch vor dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu große Töne gespuckt. Er hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt und sich grenzenlos überschätzt, als er zu Jesus sagte: „Mein Leben will ich für dich geben!“ DAS hier ist nun der echte Petrus. Ein einfacher Fischer, der selbst bei seinem Beruf nicht große Töne spucken kann. Der Mensch ist selbst bei den kleinsten Dingen auf Gott angewiesen. Petrus lernt endlich seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit kennen. Er lernt, endlich echt zu werden, authentisch. So lässt Gott auch in unserem Leben zu, dass wir lernen, uns im Angesicht Gottes so zu sehen, wie wir wirklich sind – mit allen Ecken und Kanten, mit allen Begrenzungen, mit Stärken und Schwächen. Erst wenn wir uns richtig erkannt haben, was Demut heißt, können wir Arbeiter in seinem Weinberg sein oder mit dem Bild dieses Evangeliums – Menschenfischer sein.
Petrus schämt sich vor Jesus, weil er ihn dreimal verleugnet hat. Im weiteren Verlauf, den wir heute nicht mehr hören, wird Christus ihn dreimal fragen, ob er ihn liebt. Er wird ihn konfrontieren und eine tiefe Versöhnung herbeibringen.
Es hat übrigens eine tiefe Bedeutung, dass sie am Ende die Fische zählen und es sich um 153 Exemplare handelt. So viele Länder sind zu jenem Zeitpunkt bekannt. Es zählt die Weltkarte, was für die Jünger ein Hinweis darauf sein soll, dass sie bald zu Menschenfischern in der ganzen Welt werden!
Jesus nimmt von den Fischen und bereiten den Jüngern ein Mahl. Ja, Jesus ist der Gastgeber auch der Eucharistie, zu der er uns immer wieder einlädt. Er ist es, der die Gaben wandelt und sich darin selbst opfert. Er ist es, der uns in unserem Leben nährt und Kraft schenkt. Er wird uns am Ende der Zeiten alle der Reihe nach bedienen bei der Hochzeit des Lammes. Es wird ein einziges Festmahl sein!
Das ist also die dritte Erscheinung des Auferstandenen. Petrus wird all dies in sich aufgenommen und nach der Spendung des Hl. Geistes begriffen haben. Von seiner Beschämung, von seinem gekränkten Ego, von seiner Furcht wird nichts mehr bleiben. Er wird voll von Erkenntnis und Weisheit freimütig für Christus einstehen und wahrlich ein vorbildlicher Menschenfischer werden. Wir sehen, dass dieser Petrus und der spätere Petrus das großartige Werk Gottes ist. So kann es auch mit uns gehen. Der Hl. Ignatius von Loyola hat es ganz trefflich ausgedrückt, als er sagte: „Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden.“ Genau so ist es. Petrus hat es gewagt und Gott sein Ja gegeben. So hat er eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen mithilfe der Gnade Gottes. Und so können auch wir zu ganz neuen Menschen werden, die Tag für Tag über sich hinauswachsen, wenn wir ihm nur täglich unser Ja geben.

Das ist eine österliche Freudenbotschaft für alle Getauften und die, die es werden wollen! Es ist nicht zu spät, selbst wenn wir sehr große Sünder sind. Wenn wir den Mut aufbringen, umzukehren und auch den Demütigungsprozess zu durchlaufen, dann kann Gott auch uns ein neues Leben schenken.

Ihre Magstrauss