Mittwoch der 6. Osterwoche

Apg 17,15.22 – 18,1; Ps 148,1-2.11-12.13-14; Joh 16,12-15

Apg 17
15 Die Begleiter des Paulus brachten ihn nach Athen. Mit dem Auftrag an Silas und Timotheus, Paulus möglichst rasch nachzukommen, kehrten sie zurück.
22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm.
23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.
24 Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.
25 Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.
26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt.
27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.
28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht.
29 Da wir also von Gottes Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.
30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass überall alle umkehren sollen.
31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.
32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.
33 So ging Paulus aus ihrer Mitte weg.
34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen.
1 Hierauf verließ Paulus Athen und ging nach Korinth.

Gestern ging es in der Apostelgeschichte um das pfingstartige Ereignis im Gefängnis von Philippi. Am Ende bekehrte sich der Gefängniswärter, ließ sich mit seinem ganzen Haus taufen und nahm die Missionare bei sich auf. Um die Nachgeschichte ein wenig zusammenzufassen: Am nächsten Tag will man die beiden freilassen (es war wohl nicht bekannt geworden, dass die Missionare gar nicht mehr im Gefängnis saßen). Paulus lässt jene, die die Anordnung überbringen, wissen, dass Silas und er römische Bürger seien und eigentlich Anspruch auf einen Prozess gehabt hätten. So kommen die obersten Beamten, um Paulus und Silas hinauszuführen. Daraufhin gehen sie zu Lydia, wo sie den Brüdern Mut zusprechen. Das heißt, dass im Hause der Purpurhändlerin mittlerweile eine christliche Gemeinde entstanden ist. Daraufhin reisen Paulus und seine Gefährten weiter und kommen unter anderem nach Thessalonich und Beröa. Wie schon zuvor ernten sie eigentlich viel Offenheit und Verständnis, sodass viele zu Christen werden. Da aber auch viele Gottesfürchtige der Oberschicht den Glauben annehmen, stößt die Mission auf Eifersucht bei den ansässigen Juden. Diese hetzen die Stadt gegen die Missionare auf, sodass diese weiterziehen müssen. Jene Feinde kommen später dann in die Nachbarstadt, um auch dort gegen die Missionare anzugehen.
Dann bringen Silas und Timotheus Paulus nach Athen und bleiben selbst in Beröa zurück. folgen ihm später nach. So ist Paulus nun in der griechischen Stadt allein und ist aufgebracht wegen der vielen Götzenbilder. Er hat Kontakt zu den ansässigen Juden und tauscht sich gleichzeitig mit epikureischen und stoischen Philosophen aus. Diese bringen ihn eines Tages dann zum Areopag, von wo er eine ganz berühmte Bekenntnisrede hält.
Dabei setzt er rhetorisch sehr geschickt an, indem er den Zuhörern nicht gleich den Götzendienst vorwirft, sondern ihre Frömmigkeit lobt. Damit gewinnt er schon einmal die Gunst der Anwesenden. Dann kommt er auf den Altar für den Unbekannten Gott zu sprechen, den er in der Stadt gesehen hat. Dies dient ihm als Anknüpfungspunkt, über den Schöpfer des Himmels und der Erde zu sprechen, dem rein transzendenten Gott der Christen. Er braucht keinen Tempel, in dem er wohnt und in dem ihm geopfert wird (Kritik an den vielen Tempeln der Stadt). Er braucht auch nicht die Hilfe von Menschen, denn er ist der Helfer all seiner Geschöpfe. Er ist auch der Herr der ganzen Welt, nicht mehr nur eines bestimmten irdischen Bereichs wie bei den Griechen.
Dieser Gott hat die Menschen geschaffen, indem er sie alle von einem einzigen Menschen abstammen lässt (Adam).
Paulus erklärt sodann, dass in allen Menschen die Sehnsucht nach Gott eingepflanzt ist, sodass jeder nach Gott sucht. Er verweist auf griechische Philosophien, denen nach der Mensch von Gottes Geschlecht sei. Das heißt natürlich nicht, dass Paulus an die Göttlichkeit des Menschen glaubt, sondern dass er eine gemeinsame Basis schaffen möchte. So kann er auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen kommen: Wenn wir Menschen also von göttlichem Geschlecht sind, können wir nicht Gebilde aus irdischen Materialien und von Menschenhand verehren.
Deshalb ruft Gott universal zur Umkehr auf. Es werde nämlich ein Gericht geben und dieses wird mit Jesus Christus zu tun haben, den er von den Toten auferweckt hat. Als Paulus dies anspricht, spotten einige der Anwesenden darüber, andere wiederum lassen ihn nicht weiterreden und vertrösten ihn auf ein nächstes Mal. Durch die Blume sagen sie ihm eigentlich: Das interessiert uns nicht und geht zu weit.
Dies ist für Paulus jedoch kein Grund zur Kränkung, sondern er geht einfach weg. Einige Menschen bekehren sich auf seine Worte hin, so zum Beispiel Dionysios der Areopagit und eine Frau namens Damaris. Dann geht Paulus nach Korinth. Dort wird er eine Gemeinde gründen, die zu einer beachtlichen Größe heranwachsen wird.

Ps 148
1 Halleluja! Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen:
2 Lobt ihn, all seine Engel, lobt ihn, all seine Heerscharen,
11 ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde,
12 ihr jungen Männer und auch ihr jungen Frauen, ihr Alten mit den Jungen!
13 Loben sollen sie den Namen des HERRN,/ denn sein Name allein ist erhaben, seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel.
14 Er hat erhöht die Macht seines Volks, zum Lob für all seine Frommen, für die Kinder Israels, das Volk, das ihm nahe ist. Halleluja!

Auch heute beten wir im Anschluss an die Lesung einen Lobpreispsalm. Trotz der abrupten Unterbrechung an entscheidender Stelle spricht Paulus inmitten der Heiden über den christlichen Glauben. Das muss man sich einmal genauer vorstellen: Er spricht hier zu Menschen, denen Athena Promachos und der olympische Zeus alles bedeuten. Nicht der griechische Vatergott ist der Vater, Herr und Geber von allem, sondern der sich offenbarende jüdisch-christliche Gott.
Der heutige Psalm gehört zum Schluss-Hallel, der Psalmengruppe, die von Halleluja-Rufen gerahmt wird.
„Lobt den HERRN vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen“ ist ein Lobaufruf an die himmlischen Wesen, das heißt an die Engel und Heiligen, die bei Gott sind. Dies wird uns dann auch im nächsten Vers explizit gesagt („Lobt ihn, all seine Engel…“).
Auch die irdischen Wesen sollen Gott loben, vor allem die Mächtigen der Welt: „ihr Könige der Erde und alle Völker, ihr Fürsten und alle Richter der Erde“. Ihre Macht ist von Gott her betrachtet geringer als die königliche und richterliche Gewalt Gottes. So müssen selbst diese irdischen Mächte dem Allmächtigen die Ehre geben.
Alle Menschen werden zum Lobpreis aufgerufen, Jung und Alt, Mann und Frau, denn Gottes Name ist erhaben. Er ist zwar ganz und gar von der Schöpfung verschieden, doch seine Herrlichkeit erstrahlt das All. In seiner Macht hat er seinem auserwählten Volk, „das ihm nahe ist“, Israel, Macht verliehen. Er hat ihm besondere Gnaden zuteil werden lassen und diese sind Anlass für das Lob Gottes.
Paulus als Kind Israels hat auch heute Anlass, Gott für diese Gnade zu loben und zu preisen. Zwar haben die Athener ihn beim Thema Auferstehung abgelehnt, ihn die Heilsgeschichte bis dahin aber erzählen lassen. Sie haben ihm Gehör geschenkt, als er ihre vielen Götzenbilder und Tempel kritisiert und eben jenen Gott beschrieben hat, den dieser Psalm zeichnet: als Herrscher des Himmels und der Erde, dem allein die Ehre gebührt.
Für Psalmen ist bezeichnend, dass Lobaufforderungen formuliert werden, besonders auch die Aufforderung an die verschiedenen Bereiche der Schöpfung.
Das Halleluja schließt auch hier den Lobgesang ab.

Joh 16
12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
16 Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen.

Jesus spricht heute wieder einen Ausschnitt aus der dritten Abschiedsrede. Am liebsten möchte er noch so viel mehr sagen, kann seine Apostel aber nicht überfordern. Sie haben in den letzten Jahren schon so oft seine Worte nicht begriffen. Aus sich selbst heraus können sie die göttliche Weisheit nicht begreifen. Sie brauchen den Heiligen Geist dafür, der sie erfüllt und ihnen die Augen öffnet. Und so kündigt Jesus an, dass wenn der Geist der Wahrheit kommen wird, sie in der ganzen Wahrheit leiten wird. Das bedeutet nicht, dass er ihnen etwas Neues offenbaren, sondern Jesu verkündete Lehre begreiflich machen wird. Jesus erklärt ihnen auch, dass er mit dem Geist etwas gemeinsam hat: eine Lehre zu verkünden, die er nicht aus sich selbst besitzt, sondern vom Vater. Es ist eine gemeinsame Offenbarung, auch wenn der Geist und er nicht einfach identisch sind. So wie Christus der authentische Exeget des Vaters ist, weil er an dessen Herzen ruht, ist auch der Geist Zeuge der Wahrheit, weil er offenbart, was er „hört“. Auch er ist vom Vater gesandt und so bringt auch er authentische Kunde. Er wird den Jüngern seine Gaben geben, wodurch sie sehen werden „was kommen wird.“ Es klingt die Gabe der Prophetie an, die unter anderem eine Schau kommender Dinge ermöglicht. Man kann es auch so verstehen, dass Gottes Geist den Aposteln den göttlichen Willen in kommender Zeit aufzeigen wird.
Dieser Geist ist es, der Christus verherrlichen wird. Wir glauben, dass mit der Himmelfahrt Jesu dieser die Entäußerung ablegen wird, die er mit der Menschwerdung auf sich genommen hat. Dann wird er seine Göttlichkeit nicht mehr verbergen, sondern in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit wieder beim Vater sein. Hier sagt Jesus selbst, dass dies durch den Heiligen Geist geschieht. Die Herrlichkeit Gottes hängt also mit dem Heiligen Geist zusammen, was uns den Psalm tiefer verstehen lässt. Dort heißt es, dass Gottes Hoheit über die ganze Erde erstrahlt. Es ist ein und dieselbe Glorie, der Glanz Gottes. Durch den Heiligen Geist ist Gott in der Welt gegenwärtig. Mit der umfassenden Geistgabe an Pfingsten wird seine Gegenwart auf Erden intensiviert. Dann wird er umfassend das Wort Gottes, Jesus Christus nach dessen Heimkehr zum Vater offenbaren. Er wird von dem nehmen, was Jesus gehört – gemeint ist die Fülle der Offenbarung (Jesus hat ALLES gelehrt, auch wenn die Jünger nicht alles verstanden haben). Von derselben Offenbarung wird er nehmen und den Jüngern zugänglich machen, sodass sie nichts Neues hören, sondern daran erinnert werden. Es wird eine pneumatische Wiederholung sein.
Zum Schluss spricht Jesus noch ein Wort, das die Apostel ziemlich verwirrt. Eine kurze Zeit wird bis zum Weggang Jesu vergehen, doch auch nur eine kurze Zeit bis zu seiner Wiederkehr. Dies können wir zunächst auf das Osterereignis beziehen: Die Worte spricht Jesus am Abend vor seinem Tod. Nicht einmal 24 Stunden später ist er tot, was die Apostel im Abendmahlssaal noch nicht erahnen. Und dann wird es keine 48 Stunden dauern, bis er von den Toten wieder auferstehen wird. In dieser wörtlichen Lesart können wir die „kurze Zeit“ wirklich auf wenige Stunden beziehen. Da er aber im Kontext des Heiligen Geistes diesen Vers spricht, müssen wir weitergehen: Er ist nicht mehr lange auf Erden, bevor er zum Vater heimgeht. Das feiern wir morgen! Dann wird er nur noch verborgen in eucharistischer Gestalt in der Welt sein, bis er als verherrlichter Menschensohn am Ende der Zeiten wiederkommt. Diese Zeiträume sind schon größer zu fassen, aber was ist von der Ewigkeit her gesehen schon ein Tag? Wir leben in der Endzeit, so können wir nachvollziehen, was er mit der kurzen Zeit meint. Seine Wiederkunft ist schon sehr bald. Und bei seinem zweiten Kommen werden nicht nur die Apostel ihn sehen, sondern die ganze Welt.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der Osteroktav

Apg 3,11-26; Ps 8,2 u. 5.6-7.8-9; Lk 24,35-48

Apg 3
11 Da er sich Petrus und Johannes anschloss, lief das ganze Volk bei ihnen in der sogenannten Halle Salomos zusammen, außer sich vor Staunen.
12 Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk: Israeliten, was wundert ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann?
13 Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders erbeten.
15 Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen.
16 Und aufgrund des Glaubens an seinen Namen hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht; der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt.
17 Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Anführer.
18 Gott aber hat auf diese Weise erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten im Voraus verkündet hat: dass sein Christus leiden werde.

19 Also kehrt um und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden
20 und der Herr Zeiten des Aufatmens kommen lässt und Jesus sendet als den für euch bestimmten Christus!
21 Ihn muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat.
22 Mose hat gesagt: Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagt.
23 Jeder, der auf jenen Propheten nicht hört, wird aus dem Volk ausgemerzt werden.
24 Und auch alle Propheten von Samuel an und alle, die später auftraten, haben diese Tage angekündet.
25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit euren Vätern geschlossen hat, als er zu Abraham sagte: Durch deine Nachkommenschaft sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.
26 Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und gesandt, damit er euch segnet und jeden von seiner Bosheit abbringt.

Heute hören wir die Fortsetzung der ersten Heilung im Namen Jesu. Diese schlägt hohe Wellen.
Viele Menschen sammeln sich in der Halle Salomos und staunen über das Wunder.
Petrus nutzt diese Gelegenheit und setzt zu einer Bekenntnisrede an:
Er beginnt diese mit einer rhetorischen Frage („Was wundert ihr euch darüber?“). Er bekennt freimütig, dass die Tat nicht aus eigener Kraft geschehen ist, sondern dass durch ihn Christus selbst gehandelt hat.
Er beginnt daraufhin eine Erklärung der Verheißungen des Alten Testaments, die sich mit Christus erfüllt haben. Ausgehend von dem, was die anwesenden Juden kennen, wendet er die Heilsgeschichte auf Christus an.
Dafür benutzt er bekannte Wendungen wie „der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter“ und „sein Knecht Jesus“, den er somit als den leidenden Gottesknecht identifiziert.
Er erklärt, dass Jesus der Messias ist, den Gott verherrlicht hat, der aber von den Menschen verkannt worden ist – und rhetorisch klug bezieht er dies auf eben jene, die in der Halle Salomos anwesend sind. Sie sollen von seinen Worten betroffen sein, damit sie umkehren und die Wahrheit erkennen. Er wirft ihnen vor, den Heiligen und Gerechten durch eine Intrige umgebracht zu haben, den Urheber des Lebens. Diese Titel sind typisch göttlich. Nur dieser ist der Heilige, Gerechte und der Urheber des Lebens. Petrus bekennt, dass Christus Gott ist.
Dieser blieb nicht im Tod. Petrus bekennt, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und die Apostel Zeugen dafür sind.
Weil Petrus und Johannes an den Namen Jesu glauben, ist dieses Heilungswunder geschehen. Jesus selbst hat durch sie diese Heilstat begangen und dem Gelähmten die volle Gesundheit geschenkt, wofür nun die Anwesenden in der Halle Salomos Zeugen darstellen.
Petrus sagt dabei auch aus, dass der Glaube durch ihn komme. Das heißt, dass der Glaube ein Geschenk ist und nicht selbst gemacht werden kann. Er ist eine Gabe Gottes.
Im weiteren Verlauf räumt er den Anwesenden ein, dass sie nicht aus Boswillen, sondern Unwissenheit die Hinrichtung des Messias gefordert hätten. Ihm ist klar, dass hinter ihrem „Kreuzige ihn!“ die religiöse Elite steckt, die die Volksmenge manipuliert und aufgehetzt hat. Er räumt sogar ein, dass eben jene religiöse Elite unwissend war, denn sie haben Jesus als den Messias nicht erkannt. Aus demselben Grund hat Jesus ja auch am Kreuz gebetet: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Diese tragischen Umstände hat Gott aber wiederum genutzt, um das universale Heil zu erwirken. Gott kann die größte Katastrophe in den größten Segen umwandeln, weil er ein Gott des Heils ist. Dieser Heilsplan stand schon von Anfang an fest und die Propheten haben es schon angekündigt. Es ist aufgeschrieben in den Hl. Schriften der Juden, die die Anwesenden alle kennen. Sie haben vor allem sein Leiden angekündigt (wir denken natürlich besonders an die Gottesknechtslieder des für sie sehr bekannten Propheten Jesaja).
Und dies alles erklärt Petrus, um sie auf das Hauptanliegen seiner Ansprache zu führen – die Umkehr und Sühne der Sünden.
Und wenn sie dies tun, dann wird der Herr Zeiten des Aufatmens schenken (das heißt Segen) verbunden mit der Wiederkunft Christi. Wenn er wiederkommt, wird Gott alles wiederherstellen, wie es ebenfalls die Propheten vorhersagen.
So führt Petrus einige konkrete Beispiele an wie Mose, der von einem künftigen Propheten spricht, oder Samuel, der sehr ähnliche Dinge prophezeit hat.
Er spricht die Menge direkt an, indem er sie als die Nachkommen jener großen Heilsgestalten Mose und Samuel bezeichnet. Es ist verheißen worden, dass durch sie die ganze Welt Segen erlangen werde („das Heil kommt von den Juden“ – Jesus, das Heil in Person, ist selbst als Jude in diese Welt eingegangen!). Und weil die Juden das Volk sind, in das er hineingeboren wurde, das auserwählte Volk Gottes des Alten Bundes, ist Jesus zuerst für sie gekommen, damit sie von ihrem sündigen Weg abrücken.
Er ist für alle gestorben, das weiß Petrus auch. Aber er betont, was Jesus selbst in Anwesenheit der Syrophönizierin gesagt hat, damit die anwesenden Juden das Heil erkennen und annehmen.
Wie es weitergeht, hören wir heute nicht, aber uns ist ja bekannt, dass die Heilstaten bis zu den Hohepriestern und Schriftgelehrten vordringen. Wie diese sich wohl gefühlt haben? Sie dachten, sie hätten den Aufruhr im Volk, die ganze Bewegung um diesen für sie falschen Messias herum durch seine Hinrichtung endlich beendet und nun beginnt alles von vorne! Das Heil Gottes ist nicht mundtot zu kriegen. Das soll auch uns zum Nachdenken bringen!

Ps 8
2 HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße:
8 Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere,
9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Im Psalm preisen wir nun den Namen Gottes auf der Erde. Es ist eben jener Name, durch den Petrus und Johannes den Gelähmten geheilt haben. Der Name liegt auf der Erde wie der Rauch bzw. die Wolke Gottes auf dem Tempel. Gott ist überall und das ist eine Trostbotschaft für uns. Er ist bei uns, die wir seine Schöpfung sind.
Wir betrachten in dem Psalm vor allem die Schöpfung der Menschheit. Wie kostbar ist diese für den Herrn, dass er sich ihrer annimmt und eine durchgehende Beziehung zu ihr führt! Die ganze Heilsgeschichte, die wir von der Genesis bis zur Johannesoffenbarung vor uns haben, ist eine einzige Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Er wendet sich seinen Geschöpfen zu und tut alles, um deren (Gegen)Liebe zu erwerben.
Dabei hat der Mensch im Gesamt der Schöpfung eine besondere Stellung. Er ist wahrlich die Krone der Schöpfung, denn „du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“ Dies wird im Schöpfungsbericht ja dadurch deutlich, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen worden ist. Die ewige Seele ist es, die ihm Herrlichkeit und Pracht verleiht.
„Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße“ – die restliche Schöpfung ist dem Menschen anvertraut, weil dieser befähigt ist, Verantwortung für sie zu übernehmen. Gott legte ihm die Schöpfung aber nicht unter die Füße, damit er sie wie ein Tyrann unterdrücke, sondern wie ein Hirte für sie sorge.
In den letzten zwei Versen werden dann Bereiche der Schöpfung aufgezählt, die dem Menschen anvertraut werden.
All das sind wichtige und gute Ausführungen, werden aber erst dann zur Lesung in Bezug gebracht, wenn der Psalm über den wörtlichen Sinn hinaus in seinem geistlichen Sinn betrachtet wird:
Der Mensch, den Gott nur wenig geringer als sich geschaffen hat, ist auch mit der neuen Schöpfung gegeben – den Anfang dieser neuen Schöpfung kennzeichnet ebenfalls ein Menschenpaar – Jesus und Maria. Jesus hat diese neue Schöpfung begründet und auch ihm legt der Vater die gesamte Schöpfung unter die Füße – ihm, dem Erhöhten am Kreuz!
Und diese gesamte Schöpfung ist zusammengefasst in Maria und Johannes, die unter dem Kreuz stehen. Maria ist der Archetyp der Kirche, sie ist das Vorbild der vollkommenen Jüngerschaft und durch die Zuteilung des Johannes zu Maria als Sohn wird Maria zur Mutter aller Glaubenden – sie ist dadurch die neue Eva, die Mutter der Lebenden, nicht mehr der irdisch Lebenden, sondern ewig Lebenden bei Gott.
Jesus Christus ist wahrlich Herrlichkeit und Pracht verliehen worden in einem Maße, den der alte Mensch nicht erfahren hat – schon allein durch den Sündenfall. Wir sprechen hier von Christus in seiner Menschheit, in seiner Gottheit ist er Gott gleich.
Jesus ist der Herrscher über die Schöpfung – die Neugeschaffenen durch den Hl. Geist in der Taufe. Er ist das Haupt und wir die Glieder. Er ist der König des Reiches Gottes.
Und Christus ist dies alles nicht nur für die Menschen: Durch sein Erlösungswirken erlöst er die ganze Welt, auch die Tierwelt, denn diese ist durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares auch ins Chaos gestürzt. Wir lesen bei der Friedensvision des Jesaja davon, wie die Tiere vor dem Sündenfall waren und wie sie mit Neuschöpfung Gottes wieder sein werden.
Es wird eine Versöhnung der gesamten Schöpfung sein!

Lk 24
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
36 Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
37 Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
38 Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?
39 Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
40 Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
41 Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
42 Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
43 er nahm es und aß es vor ihren Augen.
44 Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
45 Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
46 Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen
47 und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem,
48 seid ihr Zeugen dafür.

Im Evangelium hören wir nun die Fortsetzung der Emmauserzählung. Die Emmausjünger sind in Jerusalem eingetroffen und erzählen von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen, nachdem es schon die in Jerusalem gebliebenen Apostel getan haben.
Während sie erzählen, kommt der Auferstandene in ihre Mitte und begrüßt sie mit den Worten „Friede sei mit euch!“
Sie reagieren mit Furcht, denn sie denken, einen Geist zu sehen. Das ist eine allzu menschliche Reaktion, denn dass jemand mit Leib und Seele aufersteht, ist bis dato etwas ganz Neues.
Jesus konfrontiert sie mit ihren Zweifeln, denn eigentlich haben sie ihn ja schon leibhaftig erfahren.
Er geht auf ihre Zweifel ein und zeigt ihnen die Hände und Füße, an denen die Male der Kreuzigung noch zu sehen sind und ihn als denselben ausweisen, den sie vor dem Tod gesehen haben.
Da sie es vor lauter Freude immer noch nicht fassen können, isst er vor ihren Augen sogar ein Stück gebratenen Fisch. Ein Geist kann ja nichts essen, denn er ist ja nicht einmal materiell.
Als Auferstandener erklärt Jesus ihnen ausgehend von der Hl. Schrift und den Verheißungen der Propheten, dass alles, was passiert ist, passieren musste und die Schrift erfüllt hat.
Insbesondere sein Leiden ist von den Propheten angekündigt worden als Voraussetzung für die Erlösung und Sühne aller Sünden. Er ist so weit gegangen, um die ganze Welt zur Umkehr zu bewegen, angefangen in Jerusalem.
Damit die Menschen diese Heilstat gläubig annehmen, sollen die Apostel mit ihrem Zeugnis einstehen. Deshalb erscheint er ihnen nach seiner Auferstehung immer wieder und erklärt ihnen ausgehend von der Schrift den Plan Gottes.
Er muss es immer wieder tun, denn den Aposteln ist der Hl. Geist in umfassender Weise noch nicht geschenkt worden, der ihnen die Augen für diese Zusammenhänge öffnet. Wenn Jesus „die Propheten“ andeutet, sind vor allem die Prophezeiungen der Gottesknechtslieder aus dem Buch Jesaja gemeint. Gerade dort wird der Sühnetod des Gerechten angekündigt, durch den die Sünde der Welt getragen wird.

Alles hat einen Sinn, auch wenn dieser oft erst im Nachhinein erkannt wird. Die schlimmste Katastrophe ist zum größten Heilsakt aller Zeiten geworden und Jesus ist leibhaftig auferstanden. Er verdeutlicht seinen Aposteln den Sinn seines Leidens und deutet es im Licht der Heilsgeschichte, die sie als fromme Juden aus den Hl. Schriften kennen. Dies wird Petrus nicht vergessen, wenn er dann nach dem Pfingstereignis voller Beherztheit vor die Menschenmengen tritt und mutig für Christus und das Osterereignis einsteht. Er setzt das um, was Jesus als Auferstandener in ihrer Mitte gesagt hat: „Ihr seid Zeugen dafür.“

Wie ist es mit uns? Auch wir sind Zeugen seiner Auferstehung, nämlich in jeder Heiligen Eucharistie. Was wir dort schauen und was wir empfangen – tragen wir es in die Welt hinaus und stehen mutig dafür ein? Herr, gib auch uns den Hl. Geist, damit wir so mutig bekennen, dass du ein Gott des Lebens bist und sich auch heute in Zeiten einer Kultur des Todes nichts daran ändert!

Ihre Magstrauss

Osternacht

Gen 1,1-2,2; Ps 104,1-2.5-6.10 u. 12.13-14b.24 u. 1ab; Gen 22,1-18; Ps 16,5 u. 8.9-10.2 u. 11; Ex 14,15-15,1; Ex 15,1b-2b.2c-3.4-5.6 u. 13.17-18; Jes 54,5-14; Ps 30,2 u. 4.5-6b.6cd u. 12a u. 13b; Jes 55,1 -11; Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Bar 3,9-15.32-4,4; Ps 19,8.9.10.11-12; Ez 36,16-17a.18-28; Ps 42,3.5 u. 10a; 43,3-4; Röm 6,3 – 11; Ps 118,1-2.16-17.22-23; Mt 28,1-10

Heute feiern wir den Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres. Wir hören aus diesem Anlass einen umfangreichen Abriss der gesamten Heilsgeschichte angefangen von der Schöpfung. Ich werde aus Umfanggründen die Lesungen mit ihren jeweiligen Antwortgesängen nicht so detailliert analysieren wie sonst, da der Stoff für Sie sonst zu viel wird.

Gen 1-2
1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. 2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. 3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. 4 Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. 5 Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. 6 Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. 7 Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es. 8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag. 9 Dann sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort und das Trockene werde sichtbar. Und so geschah es. 10 Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war. 11 Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es. 12 Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 13 Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag. 14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen. 15 Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es. 16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten, 18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. 19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag. 20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen. 21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren. 23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag. 24 Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es. 25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. 27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. 28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! 29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. 30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es. 31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.1 So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet. 2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.

Es geht zurück an den Anfang. Gott ist dieser Anfang, von dem aus das ganze Dasein geschaffen worden ist. Deshalb heißt es auch nicht „am Anfang“, sondern „im“. Gott hat keinen Anfang, er steht außerhalb von Zeitkategorien. Vielmehr IST er der Anfang.
Wenn Gott auf etwas einwirkt, kommt Ordnung hinein. Das heißt im Umkehrschluss, dass alles Gottlose Chaos ist. Unordnung kommt nicht von Gott. Die Ordnung des gesamten Daseins und das Schaffen aus dem Nichts wird durch Gottes gesprochenes Wort ausgelöst. Es heißt immer wieder „und Gott sprach“ und „Gott nannte“. Das Benennen des Geschaffenen ist die Systematisierung aller Dinge. Das erste, was Gott auf diese Weise schafft, ist das Licht. Das ist ein wichtiger Punkt, denn dieses wird im Johannesevangelium mit dem Begriff des Lebens gekoppelt. Licht bedeutet Leben.
Wir hören im Verlauf der ersten Lesung das sogenannte Sieben-Tage-Werk. An jedem Tag schafft Gott etwas Anderes, benennt es, betrachtet es und sagt, dass es gut ist. Gott ist ein Gott des Lebens. Er schafft aus dem Nichts die ganze Welt. Alles, was er macht, ist gut. Im Kontext der Osternacht ist dies der entscheidende Punkt. Gott kann aus dem Nichts alles schaffen. Gott kann also auch einen toten Menschen zum Leben erwecken und er kann dem Auferstandenen einen neuen verklärten Leib schenken. Was er einmal geschafft hat (eine Schöpfung hervorgehen zu lassen), kann er auch ein zweites Mal tun (eine neue Schöpfung erstehen zu lassen!).
Ganz wichtig ist auch, wie er den Menschen geschaffen hat. Dieser ist als sein Abbild gemacht, das heißt mit einer ewigen Seele, in der Zweigeschlechtlichkeit die Trinität abbildend. Der Mensch ist fruchtbar geschaffen und mit einem freien Willen. Dies entspricht dem Wesen Gottes, der die Liebe ist, die nur freiwillig geht. Diese Liebe ist so überströmend, dass sie immer über sich hinaus verweist. Gottes Gemeinschaft in sich strömt über, sodass Gott aus Liebe die Welt geschaffen hat, vor allem die Menschen, die mit ihm in Liebesgemeinschaft leben. So kann Gott gar nicht anders, als den Menschen fruchtbar zu schaffen. Auch dessen Liebe weist über sich selbst hinaus, sodass aus dieser Liebe ein neuer Mensch hervorgeht. Das ist in der ersten Schöpfung biologisch gemeint. Mit der neuen Schöpfung, in der es auch ein erstes Menschenpaar gibt, geht es nicht mehr um biologische Fruchtbarkeit, sondern um geistliche! Jesus und Maria bringen mehr Frucht, als biologisch möglich ist. Der siebte Tag ist ein Ruhetag. Wir gehen alle auf den ewigen Sabbat zu, der das Ruhen in Gott ist.

Ps 104
1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. 2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. 5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. 6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. 10 Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. 12 Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. 13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. 14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde. 24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. 1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du!

Das wunderbare Schöpfungswerk Gottes ist großes Lob wert. Deshalb beten wir im Anschluss daran einen Lobpreispsalm, der sehr bekannt ist. In diesem wird Gottes Größe gepriesen. Gott wird mit Licht ausgestattet. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn auch in der Lesung hat das Licht einen besonderen Stellenwert. Licht ist die Eigenschaft der Herrlichkeit Gottes. Diese hüllt Gott ein wie einen Mantel. Bei der Verklärung Jesu werden die Apostel ihn auch so sehen – ganz in Licht gehüllt.
Im Psalm wird die Schöpfung Gottes betrachtet als ein Haus bzw. als eine Architektur. Sie besteht aus einem Zelt als Überdachung (der Himmel), aus Pfeilern, die der Erde Stabilität verleihen, Wasser, das wie ein Kleid die Erde bedeckt. Es gibt Kammern, von wo aus Gott die Berge tränkt.
Ganz besonders wichtig ist Vers 24: Die Werke Gottes sind mit Weisheit gemacht. Diese Weisheit wird um die Zeitenwende herum immer mehr mit dem Logos gleichgesetzt, der wiederum das Wort Gottes ist – Jesus Christus. Er ist der Schöpfungsmittler und das gesprochene Wort, durch das im Schöpfungsbericht alles hervorgeht. Er ist schon von Anfang an dabei und ist ganz eins mit dem Vater. Auch er ist somit schon Gott des Lebens.

Gen 22
1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. 2 Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob, sah er den Ort von Weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham sagte: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. 13 Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. 14 Abraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen. 15 Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu 16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, 17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. 18 Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

In der zweiten Lesung hören wir die dramatische Glaubensprobe, durch die Gott Abrahams Glauben prüft. Auch hier ist das Thema das Leben. Wie viele Jahre hat Abraham sehnlichst auf einen Sohn gewartet! So viele Jahre konnten seine Frau und er keine Kinder haben und dann schenkte Gott ihm endlich einen Sohn, den er Isaak genannt hat. Abraham ist dadurch die Botschaft zuteil geworden, dass Gott wirklich ein Gott des Lebens ist. Er kann aus Unfruchtbarkeit Fruchtbarkeit entstehen lassen.
Doch dann der Schock. Der Gott des Lebens fordert von Abraham, dass er seinen Sohn auf einem der Berge im Land Morija als Brandopfer darbringe! Abraham wird es nicht verstanden haben. Wie sehr hat er sich doch nach all den Jahren gefreut, einen Sohn in seinen Armen halten zu dürfen, den er als direktes Geschenk von Gott verstanden hat. Und nun soll er seinen Sohn töten. Er wird es nicht begriffen haben, doch zugleich hat er Gott vertraut. Ohne Widerrede macht er sich also auf den Weg.
Ich sage es Ihnen offen. Das ist eine der berührendsten Lesungen für mich. Ich kann sie kaum hören, ohne Tränen in den Augen zu haben. Diese Episode ni typologisch das vorweg, was wir in diesen Tagen gefeiert haben:
Der Vater gibt seinen Sohn dahin. Abraham ist bereit, Isaak zu opfern, doch im letzten Moment gebietet ihm ein Engel des Herrn Einhalt. Gott Vater selbst hat seinen Sohn aber nicht verschont, sondern dieser ist auf die grausamste Weise geopfert worden, die es gab.
Abraham und Isaak gehen in das Land Morija und besteigen einen der Berge. Das ist die Gegend, die wir zur Zeit Jesu Jerusalem und mit der umliegenden Hügellandschaft nennen! Es ist derselbe Ort.
Der junge Isaak trägt das Holz für das Opfer den Berg hinauf. So trägt Jesus sein Opferholz selbst den Golgota hinauf.
Auf die Frage des ahnungslosen Sohnes hin, wo das Opferlamm sei, antwortet Abraham: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn.“ Ja, er hat sich für das Kreuzesopfer seinen eigenen Sohn ausersehen, das wahre Opferlamm!
Abraham hat die Prüfung bestanden. Kurz bevor er die Tat begehen kann, wird er von einem Engel gestoppt und erhält die Zusage, seinen Glauben wirklich bewiesen zu haben. Gott wird ihn reichlich segnen und sehr fruchtbar machen, weil er ganz auf seine Güte vertraut hat. So wird Gott am Ende wieder zum Gott des Lebens – und das alles auf besonders intensive Weise!

Ps 16
5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält. 8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. 9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. 10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. 2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein.11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

Als Antwort auf diese Lesung beten wir Ps 16. Gott schenkt Freude. Das wird durch das Bild des Bechers ausgedrückt. Der Psalmist drückt sein Vertrauen auf Gott aus, das er die ganze Zeit nicht verloren hat. Der Psalm ist von König David, von dem wir sehr viele Situationen kennenlernen. So oft stand sein Leben auf der Kippe, doch weil er sich dann ganz an Gott geklammert hat, hat dieser ihn auch aus den Nöten herausgeführt.
Hätte es die Psalmen schon damals zu Zeiten des Abraham gegeben – er hätte diese Worte absolut auf sich beziehen können! Er hat den HERRN beständig vor Augen, dieser ist zu seiner Rechten. Er war es ganz besonders in der Stunde seiner Glaubensprobe und so kann Abraham sich jetzt über die wunderbare Zusage freuen. Abrahams verheißenes Kind bleibt am Leben. Das bedeutet, Abrahams Gene werden weitergegeben. Das klingt vielleicht banal, ist aber Ausdruck einer ersten Auferstehungshoffnung. Das Weiterleben in den Nachkommen ist ein ewiges Leben. So übergibt Gott Abraham nicht der Totenwelt durch den Tod seines Sohnes Isaak.
Er kann wirklich sagen nach allem, was er erlebt hat: „Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein. Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen.“ Gott schenkt Freude in Fülle und Wonnen. Er ist der Garant dafür, dass auch wir in unserem Leben glücklich werden.

Ex 14
15 Der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen. 16 Und du heb deinen Stab hoch, streck deine Hand über das Meer und spalte es, damit die Israeliten auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können! 17 Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten, damit sie hinter ihnen hineinziehen. So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen. 18 Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweise. 19 Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf und ging nach hinten und die Wolkensäule brach auf und stellte sich hinter sie. 20 Sie kam zwischen das Lager der Ägypter und das Lager der Israeliten. Die Wolke war da und Finsternis und Blitze erhellten die Nacht. So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher. 21 Mose streckte seine Hand über das Meer aus und der HERR trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort. Er ließ das Meer austrocknen und das Wasser spaltete sich. 22 Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 23 Die Ägypter setzten ihnen nach; alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter zogen hinter ihnen ins Meer hinein. 24 Um die Zeit der Morgenwache blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule auf das Lager der Ägypter und brachte es in Verwirrung. 25 Er hemmte die Räder an ihren Wagen und ließ sie nur schwer vorankommen. Da sagte der Ägypter: Ich muss vor Israel fliehen; denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten. 26 Darauf sprach der HERR zu Mose: Streck deine Hand über das Meer, damit das Wasser zurückflutet und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt! 27 Mose streckte seine Hand über das Meer und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück, während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen. So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer. 28 Das Wasser kehrte zurück und bedeckte Wagen und Reiter, die ganze Streitmacht des Pharao, die den Israeliten ins Meer nachgezogen war. Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig. 29 Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden mitten durch das Meer gezogen, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 30 So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter. Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen. 31 Als Israel sah, dass der HERR mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den HERRN. Sie glaubten an den HERRN und an Mose, seinen Knecht. 1 Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied; sie sagten: Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer.

Die nächste Lesung aus dem Buch Exodus ist wieder sehr dramatisch, denn auch hier geht es um Leben und Tod. Das Volk Israel ist nach vielen Plagen, vielen Leiden und Umwegen endlich aus Ägypten herausgekommen. Doch nun sieht es sich in der Situation einer Sackgasse am Roten Meer. Auch jetzt steht Gott seinem auserwählten Volk bei und befiehlt Mose, durch seinen Stab das Meer zu spalten, sodass das Volk hindurchschreiten kann. Gott tut dies nicht nur, um das Volk zu retten, sondern auch, um den Ägyptern seine Herrlichkeit zu erweisen – jene Herrlichkeit, die so hell strahlt wie ein Lichtmantel.
Gott ist bei seinem Volk in Form der Feuersäule und der Wolke. Er lässt seine Kinder nicht im Stich.
Der Pharao bereut indes, das Volk ziehen gelassen zu haben. So macht er sich mit seinem Heer auf den Weg, das Volk wieder zurückzuholen. Doch Gott rettet Israel, indem er es durch das Meer ziehen lässt. Schon sind die Ägypter ihnen auf den Fersen, doch die Wasserfluten decken sie zu. Gott hat dem Pharao so viele Chancen der Umkehr geschenkt. Er hat ihn immer wieder zur Umkehr aufgerufen, doch er wollte nicht hören. Dies ist ihm nun zum Verhängnis geworden. Nicht umsonst kommen die Ägypter in den Wasserfluten um. Die Geschichte wiederholt sich. Das sture Verharren in der Sünde ist es, das schon die Sintflut hervorgebracht hat. Gott ist Herr über Leben und Tod. Das wird in der heutigen Erzählung wieder besonders deutlich. Die Wahl hat der Mensch selbst, indem er sich für oder gegen den Gott des Lebens entscheidet. Gott tut alles, um die Menschen zu retten, aber irgendwann ist es zu spät. Kehren wir JETZT um! Das Wasser des Roten Meeres ist nicht nur Wiederholung der Sintflut, sondern auch die Antizipation des Taufwassers! Wir werden durch das Wasser hindurch gerettet, wenn wir uns taufen lassen! Die Taufe ist heilsnotwendig. Dies erklärt auch, warum diese Lesung von allen alttestamentlichen Lesungen, die in der Osternacht vorgesehen sind, nicht ausgelassen werden darf. Sie ist für uns so entscheidend und im Kontext des heilsgeschichtlichen Rückblicks ein Höhepunkt, dass wir sie in der Osternacht unbedingt hören müssen. Jesu Tod und Auferstehung ist nämlich ein neuer Exodus, die Befreiung des Volkes Gottes aus der Knechtschaft der Sünde. Dies wird sakramental durch die Taufe verdeutlicht!

Ex 15
Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer. 2 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist mir zur Rettung geworden. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; den Gott meines Vaters will ich rühmen. 3 Der HERR ist ein Krieger, HERR ist sein Name. 4 Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer. Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer. 5 Fluten deckten sie zu, sie sanken in die Tiefe wie Steine. 6 Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke; deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind. 13 Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast, du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. 17 Du wirst sie hinbringen und auf den Berg deines Erbes einpflanzen, den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen, zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet. 18 Der HERR ist König für immer und ewig.

Als Antwort auf die dramatische Rettung eines ganzen Volkes durch Gottes wunderbare Vorsehung hören wir den Lobgesang des Mose, den er im Anschluss an die Rettung des Volkes gesungen hat:
Wer mit Gott lebt, ist unbezwingbar. Denn Gott ist seine Stärke und sein Lied. Er ist der Retter aus allen Gefahren und er ist es, der für seine geliebten Kinder kämpft. Gott ist stärker als die besten Kämpfer. Gott ist nicht böse, er ist nur gut. Seine Güte ist es, die das Volk durch das Rote Meer getragen hat. Er hat einen wunderbaren Heilsplan mit seinem Volk und deshalb lässt er es nicht schon vorher umkommen. Er möchte das Volk in das verheißene Land führen und auf dem Berg seines Berges einpflanzen. Das ist der Zionsberg, Jerusalem, wo er seine Wohnstätte im Tempel einnimmt. Das Ziel ist damit aber nicht erreicht. Er wird selbst Mensch werden, um die Menschen aus einem ganz anderen Sklavenhaus zu befreien – der Sünde! Er wird einen neuen Tempel errichten, der sein eigener Leib ist und den wir als Kirche bezeichnen. Er wird am Ende der Zeiten sein Volk in seine himmlische Wohnstatt, das himmlische Jerusalem führen, wo das ewige Leben und die ewige Freude warten!

Jes 54
5 Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, HERR der Heerscharen ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, Gott der ganzen Erde wird er genannt. 6 Ja, der HERR hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?, spricht dein Gott. 7 Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln. 8 Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn; aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt, spricht dein Erlöser, der HERR. 9 Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein: So wie ich damals schwor, dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird, so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten. 10 Mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken – meine Huld wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
11 Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist: Siehe, ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit und Grundmauern aus Saphir. 12 Aus Rubinen mache ich deine Zinnen, aus Beryll deine Tore und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen. 13 Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN und groß ist der Friede deiner Kinder. 14 Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein. Du bist fern von Bedrängnis, denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten und bist fern von Schrecken; er kommt an dich nicht heran.

Im Folgenden verlassen wir die fünf Bücher Mose und hören nun einige prophetische Lesungen.
Der Ausschnitt aus dem Buch Jesaja ist ein verheißungsvoller Text, der an die Braut Gottes, an Israel gerichtet ist. Der historische Kontext dieses Kapitels ist das Babylonische Exil. Es ist wieder so, dass das Volk Gottes in einem Sklavenhaus gefangen ist und Gott keine Opfer frei darbringen kann. Der Tempel ist zerstört und die Heimat weit weg.
Das Kapitel beginnt mit „Freu dich, du Unfruchtbare, die nie gebar“. Das hören wir im heutigen Abschnitt nicht, aber es ist im Hinterkopf zu behalten, damit man die Begründung von Vers 5 überhaupt richtig versteht. Ganz dominant ist die Hauptmetapher in diesem und dem anschließenden Kapitel, das wir gleich noch hören werden: Gott ist Israels Bräutigam und Israel ist seine Braut, die ihm untreu geworden ist. Gott ist aber bereit, sich wieder mit ihr zu versöhnen.
„Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl.“ Gott möchte Gemeinschaft mit seinem Volk, eine Einheit wie bei Mann und Frau. Gott wird hier nicht nur als Schöpfer betrachtet, sondern auch als Erlöser. Diese Erlösung besteht für die Israeliten zur Zeit des Babylonischen Exils in der Befreiung von der Fremdherrschaft und die Rückführung in die Heimat. Deshalb wird der Perserkönig Kyros, der ihnen sogar den Bau eines neuen Tempels gewährt, gewissermaßen als eine messianische Gestalt betrachtet. Und doch ist die Erlösung mehr als nur eine politische: Gott ist Erlöser aus einem ganz anderen Exil, das noch viel schlimmer ist – aus dem Exil der Sünde, denn durch die Ursünde war jeder Mensch aus dem Paradies verbannt! Die ultimative Erlösung besteht also in der Rückführung der Gerechten in die himmlische Heimat, zum himmlischen Tempel.
Gott ist ein treuer Gott, der seine Frau nicht verlässt, obwohl sie Ehebruch begangen hat. Er hat mit Israel einen Bund geschlossen, gleichsam einen Ehebund am Berg Sinai. Israel ist untreu geworden, doch Gott verlässt sie dennoch nicht.
Gott hat seine Braut nur kurz verlassen, nur kurz sein Gesicht vor ihr verborgen. Sie musste zu spüren bekommen, dass ihr Verhalten nicht richtig war. Gott hat die Konsequenzen der Sünde Israels zugelassen, damit es sich besinnt und umkehrt.
Gott ist barmherzig und verschont das reumütige Volk. Er hat Noah damals versprochen, nie wieder eine globale Vernichtung über seine geliebten Kinder zu bringen. Und so hält er sein Versprechen auch jetzt, wo Israel fern von seiner Heimat leben muss.
Gott verheißt Israel Stadtmauern und architektonische Elemente aus Edelsteinen. Das ist nicht die Andeutung der Errichtung eines neuen irdischen Jerusalems, sondern schon die Andeutung der himmlischen Stadt! Die Propheten des Alten Testaments, aber auch Johannes im Neuen Testament sehen die himmlische Stadt Jerusalem und auch Gott selbst so, dass sie es nur mit dem Leuchten von Edelsteinen vergleichen können. Gott verheißt dem Volk das Himmelreich!
Fern von Bedrängnis ist Jerusalem erst mit dem Abbruch der Zeiten bzw. jeder Einzelne nach dem Tod. Bis dahin wird es immer Kämpfe geben und die Gefahren bestehen weiter fort. Hier werden übernatürliche Dinge verheißen und keine irdischen Zustände.
Als Christen dürfen wir jedoch einen Einwand nennen: Sakramental wird jene verheißene Wirklichkeit schon vorweggenommen! So wird dies schon ansatzweise erfahrbar in der Kirche Jesu Christi, die eine übernatürliche Größe in der Welt ist, aber schon auf die Ewigkeit verweist. Ihre Heilsmittel, der Atem des Hl. Geistes, all diese Dinge leuchten voll der Gnade, die man mit Edelsteinen umschreiben könnte, die man nicht sieht.
All dies wird mit Jesus Christus bereits hier auf Erden beginnen, der das Reich Gottes in mitten in die Welt hineingebracht hat. Es wird sich am Ende der Zeiten vollenden und offenbar werden für die ganze Welt! Gott lässt sein auserwähltes Volk nicht im Stich, sondern verheißt mitten in der Krise das Leben in Fülle!

Ps 30
2 Ich will dich erheben, HERR denn du zogst mich herauf und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.4 HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt, hast
mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. 5 Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen, dankt im Gedenken seiner Heiligkeit! 6 Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Güte ein Leben lang. Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel. 12 Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, mein Trauergewand hast du gelöst und mich umgürtet mit Freude, 13 damit man dir Herrlichkeit singt und nicht verstummt. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Die Antwort auf so eine wunderbare Verheißung kann nur der Lobpreis sein. Der Psalm beginnt ganz typisch mit einer Selbstaufforderung zum Lob. König David dankt in eigener Sache, aber auch das ganze Volk Israel für die Rettung Gottes für den Sieg über die Feinde. Gott hat weder David noch das Volk sterben lassen. Gott hat jene, die vor allem moralisch auf der Kippe standen, vor der ewigen Verdammnis bewahrt. David hat sich schwer versündigt, indem er Ehebruch und Auftragsmord begangen hat. Auch das Volk Israel hat sich immer wieder durch den Götzendienst von Gott abgewandt. Doch Gott hat nicht zugelassen, dass weder sein auserwählter König noch sein auserwähltes Volk in die Irre geht. Er hat auf das Unrecht reagiert, was wir Gottes Zorn nennen. Es ist keine affektive, unkontrollierte Emotion, in der er alles zerstört, sondern eine bewusste und kontrollierte Reaktion Gottes.
Gott musste so reagieren, damit sein Volk sich auf den Bund zurückbesinnt, auf das Treueversprechen, das es ihm gegeben hat. Gott darf aufgrund dieses Bundes die Treue von Israel verlangen. Er ist eifersüchtig, aber seine Eifersucht ist eine andere als die der Menschen: Es ist nicht patholischer Ausdruck seiner Unsicherheit, sondern das Verlangen nach der ganzen Liebe seiner Braut.
Und nachdem Israel sich besinnt hat und umgekehrt ist, ist das Heil wieder eingekehrt. So ist nun das Trauergewand in ein Freudenkleid gewandelt worden. Es ist nun eine Zeit des Freude und der Feststimmung. So ist es jedesmal, wenn ein Kind im Hl. Geist wiedergeboren wird bei der Taufe. Der Neue Bund ist ebenso ein Grund zur Freude, denn ein weiterer Mensch ist zur Braut Christi geworden und zum Erben im Reich Gottes eingesetzt worden! So ist es mit jedem Menschen, der von seiner Sünde umkehrt! Dann ist das Fest im Himmel groß! Und am Ende der Zeiten wird das ewige Hochzeitsmahl des Lammes gefeiert. Dann werden die Menschen ewig Gott loben und preisen, wie es am Ende des Psalms heißt. Das wird die ewige Tätigkeit in der Anschauung Gottes sein!

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch! 2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! 3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig. 4 Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. 5 Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir, um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah! 7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. 9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. 10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Als nächstes hören wir einen Ausschnitt aus dem Buch Jesaja, der ein Kapitel später erscheint. Auch hier geht es wieder um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!
„Ich schließe mit euch einen ewigen Bund.“ Dies hat Gott im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder erneuert. Dann auf der Höhe der Zeit ist er selbst Mensch geworden, um am Kreuz einen Neuen Bund zu besiegeln, aber nicht mehr nur mit dem Volk Israel, sondern mit der ganzen Welt!
Er hat diesen Bund geschlossen durch den neuen David, den Sohn Davids, den Messias. Schon Jesaja kündigt an, dass es ein Bund mit den Völkern sein wird, also mit den Heiden! Es wird eine übernatürliche Nation sein, keine an irdische Nationalität gebundene. Es wird ein Volk sein aus allen Nationen der Erde! Deshalb wird es eine Nation sein, die Israel zur Zeit Jesajas noch nicht kennt.
Israel wird dazu ermutigt, Gott anzurufen, denn Gott erhört die Bitten seines Volkes!
Jetzt ist die Zeit der Umkehr gekommen! Gott hat Pläne, die das Volk zu jener Zeit noch gar nicht erahnen kann. Sein wunderbarer Heilsplan erreicht ein neues Level. Bald kommt der Messias und dieser ist Gott selbst. Es ist Gottes gesprochenes Wort, das auf die Erde kommt, dort Frucht bringt und so die Erde nicht ohne seine Spuren verlässt. Wir haben schon in der ersten Lesung gehört, dass alles durch das gesprochene Wort Gottes geschaffen worden ist. Und dieses Wort wird wieder auf die Erde kommen, um eine neue Schöpfung zu begründen! Jesus Christus wird alles vollbringen, was der Vater ihm aufträgt. Er wird bis zum letzten Atemzug seinen Willen tun und dann sagen: „Es ist vollbracht!“ Er wird nicht leer zum Vater zurückkehren, sondern gefüllt mit den Seelen der vielen Geretteten! Er kommt zum Vater Hand in Hand mit den Gerechten des Alten Testaments, die sehnsüchtig auf die Öffnung der Himmelstür gewartet haben. Das ist der Ausdruck des wahren Lebens, weil es das ewige Leben bei Gott ist! Und dies passiert heute, ja jetzt in dem Moment, als Jesus im Reich des Todes jenen Gerechten das Evangelium verkündet! Und mit der Auferstehung kehren jene Heim in die himmlische Heimat aus dem Exil der Sünde! Das ist der ultimative Beweis, dass Gott ein Gott des Lebens ist!

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil. 3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. 4 An jenem Tag werdet ihr sagen: Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben! 5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde. 6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort auf diese Heilsbotschaft hören wir eine Art Psalm im Buch Jesaja. Es handelt sich um das Danklied der Erlösten. Die Erlösung Gottes kann nur eine Reaktion hervorrufen, nämlich den Dank und das Lob.
Gott ist mein Heil. Er ist Stärke und Lied. Das Volk Israel kann nicht anders, als auf die Verheißung von Jesaja 11 mit Lobpreis zu antworten. Dort wird der Reis aus dem Baumstumpf Isais verheißen, der Sohn Davids, der das Volk erlösen wird. Die Israeliten verstanden darunter noch eine königliche Heilsgestalt, die das Volk vor der Fremherrschaft Assurs befreien wird. Als sie in der Babylonischen Gefangenschaft waren, werden sie darunter eine irdische und politische Erlösergestalt verstanden haben, die sie aus dem Exil befreit. Und doch verheißt Jesaja viel mehr: Denn hier geht es um das Heil Gottes, der sein Volk aus den Quellen des Heils schöpfen lassen wird! Es geht um das lebendige Wasser, um den Hl. Geist! Und dieser Geist ist es, der Leben verleiht. Hier geht es schon um übernatürliche Dinge. Der Heilige Israels ist Gott und dieser ist Mensch geworden in Jesus Christus! Wir beten diesen Lobpreis schon als Dank für die Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi! Gott schenkt das ewige Leben, was noch viel existenzieller ist als das irdische Leben! Je näher wir der Zeitenwende kommen, desto mehr lernen und begreifen die Israeliten das.

Bar 3
9 Höre, Israel, die Gebote des Lebens; merkt auf, um Einsicht zu erlangen! 10 Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde, wirst alt in einem fremden Land, 11 bist unrein geworden, den Toten gleich, wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen? 12 Du hast den Quell der Weisheit verlassen. 13 Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer. 14 Nun lerne, wo die Einsicht ist, wo Kraft und wo Klugheit, dann erkennst du zugleich, wo langes Leben und Lebensglück, wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind! 15 Wer hat je ihren Ort gefunden? Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?32 Doch der Allwissende kennt sie; er hat sie in seiner Einsicht entdeckt. Er hat ja die Erde für immer gegründet, er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert. 33 Er entsendet das Licht und es eilt dahin; er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm. 34 Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten. 35 Ruft er sie, so antworten sie: Hier sind wir. Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer. 36 Das ist unser Gott; kein anderer gilt neben ihm. 37 Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen, Israel, seinem Liebling. 38 Dann erschien sie auf der Erde und lebte mit den Menschen.1 Sie ist das Buch der Gebote Gottes, das Gesetz, das ewig besteht. Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben; doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod. 2 Kehr um, Jakob, ergreif sie! Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht! 3 Überlass deinen Ruhm keinem andern und deinen Vorzug keinem fremden Volk! 4 Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.

Als nächsten prophetischen Text hören wir einen Ausschnitt aus dem Propheten Baruch (zu Deutsch „der Gesegnete“). Auch hier geht es wieder um das Leben, das den roten Faden der gesamten Osternachtsliturgie darstellt.
Der Gott des Lebens erwartet vom Menschen nichts weiter, als die Gebote des Lebens zu halten, um ein Leben in Fülle zu haben.
Israel hat sich die Fremherrschaft selbst eingebrockt, weil es die Gebote Gottes nicht gehalten hat. Israel ist durch die Sünde „den Toten gleich“ geworden. Das Abgeschnittensein von Gott ist die schlimmste Form von Tod, weil sie ewig und endgültig ist.
„Du hast den Quell der Weisheit verlassen“ – Das Volk hat sich diesen endgültigen Tod selbst gewählt. Das ist der Kern. Auch wir Menschen heute können frei wählen zwischen Leben und Tod, indem wir uns entweder für oder gegen Gott und seine Gebote entscheiden.
Lernen wir aus den Worten Baruchs an Israel „Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer.“
Alles liegt in Gottes Hand, der die Welt geschaffen hat. Er ist es, der das Licht entsendet, das ihm zitternd gehorcht. Das ist Jesus Christus, wie wir schon zuvor bedacht und erkannt haben! Er ist dieses Licht, das auf die Erde gekommen ist. Hier die dunkle Welt erleuchtet hat und dann zum Vater zurückgekehrt ist. Dieses Licht ist den Menschen zuteil geworden und ist zugleich das Gesetz, die Torah! Jesus hat das Gesetz erfüllt, indem er erklärt hat, wie es zu verstehen ist. Und dieses Licht, das das Gesetz ist, ist zugleich das Leben.
Licht und Leben sind auch im Johannesevangelium ganz und gar eins. Und diese beiden werden dort auf das Wort, auf den Logos bezogen.
Baruch sagt ganz deutlich, dass es für das Volk noch nicht zu spät ist. Es kehre jetzt um, damit es die Chance „auf dem Weg zum Licht“ hat.
„Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.“ Ja, das Volk Israel hat die Gebote Gottes empfangen und kennt den Willen Gottes. Doch es hat trotz Wissen darum gegen die Gebote gehandelt. Dabei kann es sich glücklich schätzen, denn es weiß, welcher Weg zum ewigen Leben bei Gott führt.
Das können wir Christen umso mehr sagen. Jesus hat die Gebote ganz konkret vorgelebt, sodass wir genau wissen, wie wir leben müssen, um zum Vater zu gelangen. Wie glücklich können wir uns über die Offenbarung Gottes schätzen! Seien wir dankbar, dass er uns die Chance auf das ewige Leben schenkt!

Ps 19
8 Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. 9 Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle. 11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben. 12 Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; reichen Lohn hat, wer sie beachtet.

Mit Psalm 19 betrachten wir die Weisung des HERRN. Das ist die Torah, die in Jesus Christus Fleisch geworden ist. „Sie erquickt den Menschen.“ Ja, die Gebote zu leben bedeutet das Leben in Fülle und so muss die Seele des Menschen nicht mehr dürsten. Das können wir auch ganz und gar auf Christus beziehen, der nicht umsonst gesagt hat: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke (Joh 7).“
Gottes Zeugnis ist verlässlich und lehrt die Unwissenden. Jesus sagt, dass Gott sich den Unmündigen offenbart hat. Diese Weisheit ist höher als die Weisheit der Welt, so Paulus z.B. im ersten Korintherbrief.
Gott verlangt nicht, dass wir uns verbiegen und uns kaputt machen müssen. Er verlangt, dass wir gerade leben, das heißt einen Lebenswandel nach den Geboten führen sollen. Das ist nichts, was uns überfordert, sondern für den Menschen möglich! Es macht den Menschen glücklich, denn Gottes Gebote sind gerecht und viel kostbarer als alle irdischen Güter wie Gold oder Honig.
„Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen“ – das ist zunächst auf König David zu beziehen, der diesen Psalm gedichtet und selbst gebetet hat. Dies betrifft aber auch Jesus Christus, der die Gebote selbst ganz gehalten hat. Die Weisung des Herrn bringt das ewige Leben – in Buchstaben, aber vor allem als Person Jesu Christi! Deshalb sagt Jesus, dass er die Auferstehung und das Leben ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater, außer durch ihn! Wir merken, dass mit jeder Lesung sich alles immer mehr auf Jesus Christus verdichtet! Die ganze Schrift läuft wie ein Fluchtpunkt auf ihn zusammen! Sie ist ein einziges Zeugnis für ihn.

Ez 36
16 Das Wort des HERRN erging an mich: 17 Menschensohn, als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten, machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein. Wie die monatliche Unreinheit der Frau waren ihre Wege in meinen Augen. 18 Da goss ich meinen Zorn über sie aus, weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten. 19 Ich zerstreute sie unter die Nationen; in die Länder wurden sie vertrieben. Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet. 20 Als sie aber zu den Nationen kamen, entweihten sie überall, wohin sie kamen, meinen heiligen Namen; denn man sagte von ihnen: Das ist das Volk des HERRN und doch mussten sie sein Land verlassen. 21 Da tat mir mein heiliger Name leid, den das Haus Israel bei den Nationen entweihte, wohin es auch kam. 22 Darum sag zum Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr bei den Nationen entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid. 23 Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Nationen – Spruch GOTTES, des Herrn – werden erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. 24 Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden. 25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. 27 Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt. 28 Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe. Ihr werdet mir Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein.

Als nächstes hören wir noch eine wunderbare Verheißung aus dem Buch Ezechiel. Auch hier wird der Tod als Entfernung von Gott charakterisiert („machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein“). Ezechiel bekommt eine Deutung der schlechten Zeiten Israels in der Babylonischen Gefangenschaft. Israel hat es sich selbst zuzuschreiben, „weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten.“ Die Zerstreuung und das Verlassen des verheißenen Landes sind Ausdruck des Zornes Gottes. Auch hier muss wieder betont werden, dass es kein Zorn ist wie bei Menschen, sondern eine angemessene und kontrollierte Reaktion Gottes auf Unrecht. Diese rettet Israel, denn dadurch kommt es zur Besinnung und kehrt um zum Leben!
Gott lässt seinen Zorn nur so lange walten, bis Israel es endlich versteht. Dann wird er sein Heil über Israel ausgießen: „Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen.“ Das klingt schon sehr christologisch für uns, die wir gestern noch die Entweihung des Namens Gottes durch die vielen Spöttereien an Jesus Christus gehört haben. Der Name Jesu, der so durch den Dreck gezogen worden ist, wird am Ende der heiligste Namen, in dem so viele Zeichen und Wunder geschehen werden, der das Heil ist für alle Menschen!
„Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.“ Das ist für die Israeliten die höchste Heilsbotschaft! Sie dürfen zurück in ihrer Heimat und müssen nicht mehr in der Zerstreuung leben. Das ist aber auch christologisch zu verstehen: Jesus sammelt sich durch seine Erlösungstat Menschen aus allen Nationen und sie werden zu der neuen übernatürlichen Nation Gottes, dem neuen Volk, von dem wir in den vergangenen Lesungen schon gehört haben! Jesus wird sich seine Kirche sammeln, die auf den Ackerboden seines Leibes Fuß fassen wird. Sie wird schon auf Erden das Reich Gottes begründen und dann am Ende der Zeiten das verheißene Land, das himmlische Jerusalem betreten!
„Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.“ Jesus wird vom Vater seinen Hl. Geist auf sein Volk ausgießen und dadurch die Kirche zum Leben erwecken! Es ist der Geist, der Jesus selbst zum Leben erweckt hat am Ostermorgen! Auch hier haben wir wieder ein Zeugnis für den Gott des Lebens, der immerfort aus dem Nichts Leben schafft! Er ist wahrhaft Creator, immerfort, nicht nur am Anfang der Schöpfung! Diese Geistgabe verleiht Gott jedem seiner geliebten Kinder auf besondere Weise, wenn sie getauft werden. Dann werden sie wiedergeboren im Hl. Geist. Ihnen wird das ewige Leben geschenkt als Erben im Reiche Gottes.
„Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.“ Gott kann dem Menschen auch wieder neues Leben schenken, wenn er umkehrt. Dies gilt für Israel, das durch die Götzendienste von Gott abgerückt war. Dies gilt für uns, die wir getauft sind, aber durch die Sünde von Gott weggegangen sind. Auch dann ist es nicht zu spät! Auch dann möchte Gott an uns ein kleines Ostern erwirken, bei dem wir durch das Sakrament der Buße wieder leben! Und das bewirkt der Geist Gottes, der das Leben ist.
Und wenn wir in diesem versöhnten Zustand sterben, werden wir im Land der Lebenden wohnen zusammen mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, mit allen Engeln und Heiligen. Dann werden wir Gottes Volk sein und er unser Gott für immer. Das ist schon mehr als nur das verheißene Land Israel. Es geht um das ewige Leben.

Ps 42-43
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? 5 Ich denke daran und schütte vor mir meine Seele aus: Ich will in einer Schar einherziehn. Ich will in ihr zum Haus Gottes schreiten, im Schall von Jubel und Dank in festlich wogender Menge. 10 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehn, von meinem Feind unterdrückt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. 4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Auf diese wunderbare Verheißung antworten wir mit Sehnsucht. Ja, wir können es kaum erwarten, dass dies geschieht. Wir warten darauf, dass Jesus von den Toten aufersteht, damit wir das ewige Leben haben können. Wir sind schon erlöst, aber doch fiebern wir in der Liturgie heilsgeschichtlich mit. Wir sehnen uns darüber hinaus nach dem zweiten Kommen Jesu Christi, nach der Erlösung von dem Leiden dieser Welt, das immer größer wird. Wir sehnen uns nach der ewigen Gemeinschaft mit Gott, von der aus dem Ezechielbuch gehört haben.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Der Mensch hat Durst, bis er nicht von Gott trinkt. Und Jesus hat es schon der Samariterin am Jakobsbrunnen erklärt: Wer von diesem Wasser trinkt, wird nie mehr dürsten.
Wir klagen Gott unser Leid, die wir trauernd einhergehn. Der Feind unterdrückt uns sehr und die Tendenz ist steigend. Doch auch wenn wir klagen: „Warum hast du mich vergessen?“ Ist dem nicht so. Gott vergisst uns nie. Er hat seinen eigenen Sohn dahingegeben, damit wir das ewige Leben haben und die Rettung unseres Lebens erfahren.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit.“ Dies ist eine tiefgründige Bitte, die unsere Sehnsucht nach dem Messias ausdrückt. So oft haben wir jetzt gehört, dass er das Licht ist, das Gott in diese Welt gesandt hat. Er ist die Wahrheit, wie er selbst im Johannesevangelium erklärt hat. Die Menschen, die den Psalm beten, ersehnen den Messias, der noch nicht gekommen ist. Wir ersehnen die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten.
Und dieser Christus, der die Wahrheit ist, hat schon gesagt, dass wir nur durch ihn zum Vater gelangen. Und hier im Psalm wird das schon deutlich, wenn es heißt: „Sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels.“ Der heilige Berg ist Zion. Gemeint ist für die Juden zunächst das Kommen zum Tempel in Jerusalem auf dem Zionsberg. Wir verstehen es aber schon christologisch: Wir kommen durch Christus zum himmlischen Zion. Dieses wird sakramental schon vorweggenommen in jeder Heiligen Eucharistie. Da berühren sich Himmel und Erde. Dort ist nicht nur der irdische und sichtbare Altar, sondern zugleich der himmlische Altar Gottes, den wir nicht sehen. Die Wohnungen, von denen der Psalm spricht, greift Jesus in seiner Abschiedsrede am Abend vor seinem Leiden auf, wenn er seinen Aposteln sagt: „Bei meinem Vater gibt es viele Wohnungen.“ Es ist der Lebensraum des Himmels, der mit diesem Bild ausgedrückt wird.
Dort werden alle Seelen Gott ewige danken zu der Leier (ein Instrument). Da wird ewiger himmlischer Lobpreis stattfinden.

Röm 6
3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. 5 Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein. 6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. 10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. 11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Tod und Leben. Die ganze Heilsgeschichte läuft hinaus auf den Tod Jesu Christi am Kreuz, der am dritten Tage von den Toten auferstanden ist! Und dies geschieht just in dieser Liturgie! Jesus ist auferstanden und unser Gloria weist darauf hin. Nun hören wir aus dem Neuen Testament aus der Perspektive des bereits auferstandenen Jesus Christus. Paulus reflektiert darin, dass unsere Taufe, der Bundesschluss mit Gott, auf diesem Osterereignis gründet:
„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Das fasst unsere Taufe zusammen. Dass wir diesen Neuen Bund mit Gott überhaupt eingehen können und zu seinen Kinder, zu Erben des Reiches Gottes werden können, verdanken wir dem Tod Jesu Christi!
Unser alter Mensch ist mit Christus zusammen begraben worden. Unsere alte, sündige Natur, die dem ewigen Verderben geweiht war, ist zusammen mit Jesus Christus gestorben. Wir sind durch die Taufe zum neuen ewigen Leben auferweckt! Dadurch sind wir Christen österliche Menschen geworden! Und so wie Jesus jetzt ewig beim Vater lebt, so werden auch wir das ewige Leben beim Vater haben, auch wenn wir biologisch sterben.
Jesus hat unser altes Menschsein mit ans Kreuz genommen, damit wir für die Sünde mitsterben. Er hat uns dadurch aus der ewigen Sklaverei, aus dem ewigen Exil befreit, damit auch wir mit ihm leben würden. So wie Christus durch die Auferstehung den Tod endgültig besiegt hat, kann dieser auch uns nicht mehr schaden.
Wir sind für die Sünde tot, aber leben für Gott. Das ist Grund für eine unerschütterliche Hoffnung bis zum letzten Atemzug! Wir sehen, wie so viele der ersten Christen mit einem Lobpreis und Jubel auf den Lippen in den Tod gegangen sind für diese Osterbotschaft! Nur ein einziger Apostel ist eines natürlichen Todes gestorben. Alle anderen wurden für diese Botschaft umgebracht. Und sie haben bis zum Schluss daran festgehalten. Das zeigt, dass es wahr ist, dass Jesus lebt! Auch wir dürfen diese unerschütterliche Hoffnung haben und unser Leben auf dieser österlichen Botschaft aufbauen, die wir auf dieses Ereignis hin getauft sind.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig! 2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig. 16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie. 17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden. 22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. 23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.

Aufgrund dieses Ereignisses und der überwältigenden Gnade Gottes können wir nicht anders, als unser ganzes Leben als Dankesopfer für den Herrn darzubringen. So wird Psalm 118 zu unserem Lebensprogramm. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Jesus Christus ist wirklich zum Eckstein geworden, nachdem die Bauleute ihn verworfen haben. Dies greifen die Autoren des Neuen Testaments auf wie Petrus im ersten Petrusbrief oder Paulus im Römerbrief. Ja, Jesus selbst hat dieses Schriftwort aufgegriffen und auf sich bezogen, wie wir in allen synoptischen Evangelien lesen. Die Menschen haben ihn nicht angenommen, aber Gott hat diese Ablehnung wiederum ins Heil umgekehrt. Gott ist ein Gott des Heils und hat somit der gesamten Menschheit die Rettung gebracht.

Mt 28
1 Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Und nun, meine Lieben, hören wir die wunderbare Osterbotschaft:
Am ersten Tag der Woche, als der Sabbat vorbei ist, das zugleich das Wochenende des Pessachfestes war, kommen die Frauen zum Grab, um nach dem Leichnam zu sehen. Es hat eine tiefe Bedeutung, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Es gibt zu jener Zeit schon länger jüdische Traditionen (Qumran etc.), denen nach die messianische Heilszeit an Tag 8 anbricht. Somit treten wir Christen als österliche Menschen in eine neue heilsgeschichtliche Epoche ein im Gegensatz zu den Juden, die den Sabbat am siebten Tag feiern! Jesus als Messias lebt wieder am achten Tag. Für die essenischen Kreise ein absolutes Signal und eine Bestätigung ihrer Schriften!
Bei Matthäus hören wir von einem kosmischen Zeichen bei der Auferstehung – einem Erdbeben. Das ist ganz typisch, weil es ein Zeichen der Theophanie Gottes ist. Wo Gott anwesend ist, gibt es immer wieder meteorologische Phänomene wie Gewitter, Wolken oder wie jetzt das Erdbeben. Ein Engel des Herrn wälzt laut Matthäus den Stein weg. Er leuchtet hell und deshalb vergleicht Matthäus sein Aussehen mit einem Blitz und mit Schnee. Das ist die Gnade und Herrlichkeit des Himmels, die so hell leuchtet. Wir haben die Lichtmetapher jetzt schon sehr oft gehört.
Die Wächter der Römer, die das Grab bewachen mussten (man hatte Angst, dass die Jünger Jesu den Leichnam stehlen würden), waren überwältigt und konnten nichts tun. Sie erstarren vor der Herrlichkeit Gottes!
Und dann kommt die Botschaft, die uns die gesamte Bibel hindurch immer wieder begegnet: „Fürchtet euch nicht!“
Der Engel erklärt den Frauen, dass der Gekreuzigte, den sie suchen, nicht mehr da ist, weil er auferstanden ist!
Die Frauen schauen mit eigenen Augen, dass das Grab leer ist. Sie sollen zu den Aposteln gehen und ihnen die frohe Botschaft bringen. Aus dem Grund wird Maria Magdalena in der Kirche als Apostolin der Apostel verehrt. Sie hat ihnen die frohe Botschaft als erste verkündet. Weil sie Jesus immer mit einer besonders innigen Liebe geliebt hat, ist ihr diese Ehre zuteil geworden.
Der Engel kündigt den Frauen an, dass Jesus den Jüngern nach Galiläa vorausgehe.
Und dann sehen sie Jesus, den sie so sehr betrauert haben! Er lebt! Jesus lebt! Er ist echt, denn sie umfassen seine Füße. Er ist keine Fata Morgana, er ist leibhaftig bei ihnen. Auch er spricht zu ihnen und sagt ihnen, dass sie den Aposteln den Aufbruch nach Galiläa verkünden sollen, wohin er ihnen vorausgehe.
Jesus lebt – nicht nur geistig, sondern mit Leib und Seele! Er ist wahrhaftig mitten unter den Menschen. Bei den anderen Evangelisten hören wir sogar, dass Jesus etwas isst. Er ist leibhaftig auferstanden und diese Botschaft kann uns keiner nehmen! So wie er leiblich auferstanden ist, so werden auch wir am Ende der Zeiten mit Leib und Seele auferstehen. Das ist die Eigenschaft der neuen Schöpfung, zu der Jesus und Maria schon gehören.

Gott ist ein Gott des Lebens. Das ist die Hauptbotschaft von Ostern. Die ganze heilsgeschichtliche Zusammenfassung atmet diese Botschaft mit jedem Buchstaben. Gott ist ein Gott des Lebens und wenn wir zu ihm kommen, dann leben auch wir.

Halleluja, Jesus lebt!

Ihre Magstrauss


Mariä Aufnahme in den Himmel – ein unbiblisches Fest??

Mariä Aufnahme in den Himmel – ein unbiblisches Fest??

Liebe Freunde!
Heute feiern wir die Aufnahme Mariens in den Himmel. Dieses Fest basiert auf einem marianischen Dogma aus dem letzten Jahrhundert und wird deshalb als Hochfest begangen. Das heißt für uns Katholiken – keine Arbeit (Beruf natürlich ausgeschlossen) und der obligatorische Besuch der Hl. Messe, ganz wie an Sonntagen!

Aber was hat es mit diesem Fest auf sich, von dem in der Bibel ja nichts explizit erwähnt wird? Wie können wir dieses wunderbare Fest vor unseren lieben protestantischen Geschwistern verteidigen, die uns die vermeintlich unbiblische Lehre oft zum Vorwurf machen (und das, obwohl Luther die Aufnahme Mariens in den Himmel für selbstverständlich hielt)?

Dafür müssen wir die Hl. Schrift tiefer betrachten.

Wie so oft helfen uns typologische Überlegungen. Wenn Jesus der neue Adam ist, der die Schuld des ersten Adam wiedergutmacht (Röm 5,12-15; 1 Kor 15,21f. etc.), muss es auch eine neue Eva geben. Sonst ist die Typologie nicht zuende gedacht. Adam war schließlich nicht allein und Eva spielte beim Sündenfall eine entscheidende Rolle. Diese neue Eva haben bereits die Kirchenväter in der Gottesmutter Maria erkannt. Bereits in Gen 3 werden Verse auf Jesus UND Maria bezogen: In Gen 3,14-15 wendet sich Gott an die Schlange und sagt in V.15 schließlich “ Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.“ Vom Literalsinn her, also wörtlich, ist natürlich Eva gemeint. Aber die Kirche hat von Anfang an in Eva ein Vorbild erkannt, das sich in der Gottesmutter Maria erfüllt hat. Vom allegorischen Sinn her bedeutet der Vers also: Maria und der Satan sind von Anfang an verfeindet und im Kampf, ebenso ihr Nachkomme (Singular!!) und die Nachkommen des Satan. Das hat die Kirche von Anfang an auf den Messias bezogen.

Doch nun zur ganz konkreten Konsequenz des Sündenfalls in der Natur des Menschen:
Der Sündenfall hat eine innere Zerrissenheit im Menschen nach sich gezogen – bis heute. Die Seele des Menschen trennt sich beim Tod vom Körper und bleibt so bis zum letzten Tag, an dem die Seelen mit den Leibern wieder verbunden werden. Das ist keine schräge These, sondern das ist fester Bestandteil unseres Glaubens. Das meint die Kirche, wenn es im Glaubensbekenntnis heißt „Auferstehung der Toten“. Das meint nicht einfach nur, dass die Seele nach dem Tod weiterlebt. Wir glauben und hoffen auf den Moment, an dem wir wieder eine Einheit unseres Selbst erlangen werden. Das müssen wir bedenken, wenn wir die Aufnahme Mariens in den Himmel betrachten. Die Schöpfung war also ab dem Sündenfall defekt. Aber Gott ist so barmherzig, dass er uns wieder reparieren wollte. Wie? Indem er selber Mensch wurde, starb und wieder auferstand. Und ganz entscheidend: Jesus lebt jetzt eben NICHT nur seelisch weiter, während sein Körper verwest ist. Er lebt mit Seele UND Leib. Dies reflektieren die Autoren des NT, wenn sie ihn als Erstgeborenen oder Anfang der Toten/der neuen Schöpfung bezeichnen (1 Kor 15,20; Kol 1,18; Offb 1,5;). Die neue Schöpfung ist dabei nicht nur die Reparatur der alten, sondern ein Update ins Unermessliche. Schon jetzt dürfen wir darauf vertrauen, dass unsere Leiber wiederhergestellt und mit unseren Seelen vereint werden. Das Wie bleibt ein Geheimnis, aber wenn Gott sogar aus dem Nichts das All schaffen konnte, wird er auch dies vollbringen. Bei ihm ist schließlich nichts unmöglich (Lk 1,37).
Wenn wir sagen, dass Jesus deshalb mit Leib und Seele von den Toten auferstanden ist, weil er der neue Adam ist, dann müssen wir folglich daraus schließen, dass Maria ebenfalls mit Leib und Seele auferstanden sein muss, wenn sie die neue Eva ist. Damit verbunden ist nämlich noch ein weiterer Aspekt: Adam und Eva sind ohne Sünde geschaffen worden (Was sie daraus gemacht haben, ist eine andere Geschichte). Als Gott einen neuen Adam und eine neue Eva hervorbrachte mit dem Plan, die Sünde des Menschen wiedergutzumachen und eine neue Schöpfung zu begründen, machte es nur Sinn, es genauso zu tun wie am Anfang, nämlich ohne Sünde. Wenn also die innere Zerrissenheit des Menschen und damit einhergehend die Trennung von Leib und Seele nach dem Tod eine Folge der Erbsünde ist, dann ergibt es absolut Sinn, wenn Jesus UND Maria von dieser Zerrissenheit bewahrt bleiben. Wir können hier nicht alle Bibelstellen anführen, die eine Adam-Eva-Typologie zwischen AT und NT belegen. Dennoch rege ich Sie dazu an, parallel Gen 1-2 und Joh 1-2 zu lesen, insbesondere dort die Hochzeit zu Kana (ganz besonders interessant hier die Anrede Jesu „Frau“ statt „Mutter“ und die Tatsache, dass er auf sie hört – wie Adam auf Eva gehört hat). Ganz besonders möchte ich zudem Offb 12 herausstellen, das verschiedene typologische Verknüpfungen zur Person Mariens in sich vereint. Dort wird die Eva-Typologie ganz deutlich: Es wird eine Frau beschrieben, die unter Schmerzen ein Kind gebiert (Gen 3,16 „Unter Schmerzen gebierst du Kinder“). Die Frau wird von dem Drachen bedroht, die die alte Schlange ist (Offb 12,9). Die Frau gebiert den neuen Menschen und zusammen begründen sie die neue Schöpfung. Im Gegensatz zur Genesis, in der sie auf die Verführung der Schlange hereinfällt und auch Adam ins Verderben führt, bleibt diese Frau davor bewahrt.

Das alles bedeutet für uns: Wenn wir Jesus und Maria anschauen, sehen wir unser zukünftiges Selbst. Dass Jesus und Maria beide mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden sind, ist Zeichen der neuen Schöpfung, der wir durch die Taufe ebenfalls angehören.

Ist das Dogma also unbiblisch? Keineswegs! Wir können nur nicht erwarten, die Bibel aufzuschlagen und nach einem flüchtigen Nachschlagen eine Antwort auf jede Frage unseres Lebens zu erhalten. Die Bibel ist kein Lexikon, sondern muss gegessen, verdaut und immer wieder neu gegessen und verdaut werden. Wir müssen über das Gelesene nachdenken und manchmal so wie hier 1 und 1 zusammenzählen. Manche Dinge erschließen sich uns erst im Gesamtzusammenhang. Wenn wir die einzelnen Mosaiksteinchen, d.h. Bibelstellen, zusammensetzen, ergibt sich erst ein vollständiges Bild, d.h. eine gesamtbiblische Antwort auf unsere Frage.

Lassen wir uns also nicht die Freude des Festes nehmen, sondern schauen wir voller Hoffnung auf unsere liebe Mutter Maria, gleichsam wie in einen Spiegel hinein. Freuen wir uns, dass wir selbst die Aussicht auf ein Leben mit Leib und Seele bei Gott haben!

Ihre Magstrauss