Mariä Aufnahme in den Himmel – ein unbiblisches Fest??

Liebe Freunde!
Heute feiern wir die Aufnahme Mariens in den Himmel. Dieses Fest basiert auf einem marianischen Dogma aus dem letzten Jahrhundert und wird deshalb als Hochfest begangen. Das heißt für uns Katholiken – keine Arbeit (Beruf natürlich ausgeschlossen) und der obligatorische Besuch der Hl. Messe, ganz wie an Sonntagen!

Aber was hat es mit diesem Fest auf sich, von dem in der Bibel ja nichts explizit erwähnt wird? Wie können wir dieses wunderbare Fest vor unseren lieben protestantischen Geschwistern verteidigen, die uns die vermeintlich unbiblische Lehre oft zum Vorwurf machen (und das, obwohl Luther die Aufnahme Mariens in den Himmel für selbstverständlich hielt)?

Dafür müssen wir die Hl. Schrift tiefer betrachten.

Wie so oft helfen uns typologische Überlegungen. Wenn Jesus der neue Adam ist, der die Schuld des ersten Adam wiedergutmacht (Röm 5,12-15; 1 Kor 15,21f. etc.), muss es auch eine neue Eva geben. Sonst ist die Typologie nicht zuende gedacht. Adam war schließlich nicht allein und Eva spielte beim Sündenfall eine entscheidende Rolle. Diese neue Eva haben bereits die Kirchenväter in der Gottesmutter Maria erkannt. Bereits in Gen 3 werden Verse auf Jesus UND Maria bezogen: In Gen 3,14-15 wendet sich Gott an die Schlange und sagt in V.15 schließlich “ Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.“ Vom Literalsinn her, also wörtlich, ist natürlich Eva gemeint. Aber die Kirche hat von Anfang an in Eva ein Vorbild erkannt, das sich in der Gottesmutter Maria erfüllt hat. Vom allegorischen Sinn her bedeutet der Vers also: Maria und der Satan sind von Anfang an verfeindet und im Kampf, ebenso ihr Nachkomme (Singular!!) und die Nachkommen des Satan. Das hat die Kirche von Anfang an auf den Messias bezogen.

Doch nun zur ganz konkreten Konsequenz des Sündenfalls in der Natur des Menschen:
Der Sündenfall hat eine innere Zerrissenheit im Menschen nach sich gezogen – bis heute. Die Seele des Menschen trennt sich beim Tod vom Körper und bleibt so bis zum letzten Tag, an dem die Seelen mit den Leibern wieder verbunden werden. Das ist keine schräge These, sondern das ist fester Bestandteil unseres Glaubens. Das meint die Kirche, wenn es im Glaubensbekenntnis heißt „Auferstehung der Toten“. Das meint nicht einfach nur, dass die Seele nach dem Tod weiterlebt. Wir glauben und hoffen auf den Moment, an dem wir wieder eine Einheit unseres Selbst erlangen werden. Das müssen wir bedenken, wenn wir die Aufnahme Mariens in den Himmel betrachten. Die Schöpfung war also ab dem Sündenfall defekt. Aber Gott ist so barmherzig, dass er uns wieder reparieren wollte. Wie? Indem er selber Mensch wurde, starb und wieder auferstand. Und ganz entscheidend: Jesus lebt jetzt eben NICHT nur seelisch weiter, während sein Körper verwest ist. Er lebt mit Seele UND Leib. Dies reflektieren die Autoren des NT, wenn sie ihn als Erstgeborenen oder Anfang der Toten/der neuen Schöpfung bezeichnen (1 Kor 15,20; Kol 1,18; Offb 1,5;). Die neue Schöpfung ist dabei nicht nur die Reparatur der alten, sondern ein Update ins Unermessliche. Schon jetzt dürfen wir darauf vertrauen, dass unsere Leiber wiederhergestellt und mit unseren Seelen vereint werden. Das Wie bleibt ein Geheimnis, aber wenn Gott sogar aus dem Nichts das All schaffen konnte, wird er auch dies vollbringen. Bei ihm ist schließlich nichts unmöglich (Lk 1,37).
Wenn wir sagen, dass Jesus deshalb mit Leib und Seele von den Toten auferstanden ist, weil er der neue Adam ist, dann müssen wir folglich daraus schließen, dass Maria ebenfalls mit Leib und Seele auferstanden sein muss, wenn sie die neue Eva ist. Damit verbunden ist nämlich noch ein weiterer Aspekt: Adam und Eva sind ohne Sünde geschaffen worden (Was sie daraus gemacht haben, ist eine andere Geschichte). Als Gott einen neuen Adam und eine neue Eva hervorbrachte mit dem Plan, die Sünde des Menschen wiedergutzumachen und eine neue Schöpfung zu begründen, machte es nur Sinn, es genauso zu tun wie am Anfang, nämlich ohne Sünde. Wenn also die innere Zerrissenheit des Menschen und damit einhergehend die Trennung von Leib und Seele nach dem Tod eine Folge der Erbsünde ist, dann ergibt es absolut Sinn, wenn Jesus UND Maria von dieser Zerrissenheit bewahrt bleiben. Wir können hier nicht alle Bibelstellen anführen, die eine Adam-Eva-Typologie zwischen AT und NT belegen. Dennoch rege ich Sie dazu an, parallel Gen 1-2 und Joh 1-2 zu lesen, insbesondere dort die Hochzeit zu Kana (ganz besonders interessant hier die Anrede Jesu „Frau“ statt „Mutter“ und die Tatsache, dass er auf sie hört – wie Adam auf Eva gehört hat). Ganz besonders möchte ich zudem Offb 12 herausstellen, das verschiedene typologische Verknüpfungen zur Person Mariens in sich vereint. Dort wird die Eva-Typologie ganz deutlich: Es wird eine Frau beschrieben, die unter Schmerzen ein Kind gebiert (Gen 3,16 „Unter Schmerzen gebierst du Kinder“). Die Frau wird von dem Drachen bedroht, die die alte Schlange ist (Offb 12,9). Die Frau gebiert den neuen Menschen und zusammen begründen sie die neue Schöpfung. Im Gegensatz zur Genesis, in der sie auf die Verführung der Schlange hereinfällt und auch Adam ins Verderben führt, bleibt diese Frau davor bewahrt.

Das alles bedeutet für uns: Wenn wir Jesus und Maria anschauen, sehen wir unser zukünftiges Selbst. Dass Jesus und Maria beide mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden sind, ist Zeichen der neuen Schöpfung, der wir durch die Taufe ebenfalls angehören.

Ist das Dogma also unbiblisch? Keineswegs! Wir können nur nicht erwarten, die Bibel aufzuschlagen und nach einem flüchtigen Nachschlagen eine Antwort auf jede Frage unseres Lebens zu erhalten. Die Bibel ist kein Lexikon, sondern muss gegessen, verdaut und immer wieder neu gegessen und verdaut werden. Wir müssen über das Gelesene nachdenken und manchmal so wie hier 1 und 1 zusammenzählen. Manche Dinge erschließen sich uns erst im Gesamtzusammenhang. Wenn wir die einzelnen Mosaiksteinchen, d.h. Bibelstellen, zusammensetzen, ergibt sich erst ein vollständiges Bild, d.h. eine gesamtbiblische Antwort auf unsere Frage.

Lassen wir uns also nicht die Freude des Festes nehmen, sondern schauen wir voller Hoffnung auf unsere liebe Mutter Maria, gleichsam wie in einen Spiegel hinein. Freuen wir uns, dass wir selbst die Aussicht auf ein Leben mit Leib und Seele bei Gott haben!

Ihre Magstrauss

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