Tabor. Vorfreude auf die Herrlichkeit Gottes.

Heute ist das Fest der Verklärung des Herrn. Dieses Fest ist so tief mit dem Osterfest verbunden, dass wir zusammen mit den drei Aposteln Petrus, Johannes und Jakobus einen Moment lang auf den verherrlichten Jesus schauen dürfen, auf den, der seine Gottheit nicht mehr verbirgt. Den Dreien ist damit ein unvergleichliches Privileg geschenkt worden: Sie erhaschen einen Blick nicht „nur“ auf den Auferstandenen, sondern sogar mehr – auf den Jesus, wie er nach der Himmelfahrt ist und den der Rest der Menschheit erst am Ende der Zeiten sehen wird. Dann wird er in seiner Herrlichkeit auf einer Wolke zu uns herabfahren.
Was dort auf dem Tabor geschehen ist, schließt einen Kreis, den Gott im Laufe der Heilsgeschichte zu zeichnen begonnen hat: Bereits im AT hat er sich in seiner Herrlichkeit gezeigt. Damals stieg Mose zusammen mit Aaron, Nadab, Abihu und den siebzig von den Ältesten Israels auf den Berg Sinai (Ex 24), um die Herrlichkeit zu schauen. Bis ganz nach oben durften sie aber nicht, sondern hielten einen Abstand ein. Nur Mose durfte ganz zu Gott vordringen, um die Gesetze des HERRN zu erhalten. Und doch konnte er Gottes Herrlichkeit nicht ganz schauen. Etwas später erfahren wir von der Gunst, die Gott dem Mose zuteil werden ließ: Er ließ Mose beim Vorbeiziehen seinen Rücken sehen (Ex 33).

Auch im ersten Buch der Könige war der Sinai Ort der Gottesbegegnung. Elija flüchtete dort hin, als man ihm nach dem Leben trachten wollte – zum Dank für sein Bemühen um das Gesetz Gottes. Und auch hier forderte Gott auf: „Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Als Elija sich nach dem Vorüberziehen von Sturm, Erdbeben und Feuer beim leisen Säuseln bereit machte, verhüllte er sein Gesicht. Auch er sah Gottes Herrlichkeit nicht ganz.

Was diesen beiden Großen verwehrt blieb, dürfen nun die Apostel schauen: die Herrlichkeit Gottes. Lassen wir es uns auf der Zunge zergehen. Welche Gnade ist diesen drei einfachen Männern geschenkt worden, dass sie nicht auf der Stelle gestorben sind, als sie diese geballte Liebe schauen durften! Und das ist nicht alles. Plötzlich sehen sie zwei Gestalten bei Jesus. Und es sind ausgerechnet Mose und Elija! Die zwei, die das Gesetz und die Propheten repräsentieren, die den Messias so sehnlichst angekündigt haben, deren Lebensende so besonders war. Ausgerechnet sie beide stehen bei Jesus und unterhalten sich mit ihm. Die drei Apostel kannten die Hl. Schrift. Sie haben den Code verstanden. Der Kreis hat sich geschlossen. Oder er wird weiter gezeichnet:

Jesus zeigt jenen drei Aposteln seine Herrlichkeit, die wenig später mit ihm im Garten Gethsemani ausharren würden. Er zeigt sich jenen drei Aposteln, die feste Säulen der Jerusalemer Urgemeinde und darüber hinaus werden würden. Es ist eine Stärkung vor der großen Versuchung – und ein Vorgeschmack auf das Ostergeheimnis.

Betrachten wir das Ereignis weiter. Das Privileg der Apostel erhalten wir zwar nicht auf jene Art und Weise, doch ist jede Hl. Messe ein wenn auch verborgener Blick auf die Herrlichkeit Gottes. Wenn der Priester die Hostie erhebt, werden wir zu Petrus, Jakobus und Johannes, die angestrahlt werden von der Liebesglut Gottes. Natürlich ist dieser Moment vor allem ein Golgota-Moment. Für Johannes, der als einziger unter dem Kreuz stand, wird sich auch dieser Zusammenhang gezeigt haben. Der Verklärte ist zugleich der, der sich ganz für uns verschenkt hat. Und doch ist es auch Tabor. Die Eucharistie ist vorläufig. Sie ist Sakrament, Geheimnis des Glaubens, das wir feiern, bis er wiederkommt. Wie das Passahlamm in Exodus essen wir es in Aufbruchstimmung. Wir empfangen Jesus als Gottesvolk auf dem Weg. Nicht nur in der Gemeinschaft erfahren wir diesen Tabormoment. Auch ganz individuell haben wir diese Tabormomente, in denen wir gestärkt, berührt, erfüllt werden von der Liebe Gottes. Und kurz darauf folgt die schmerzliche Phase, die Versuchung oder einfach der trockene Alltag. Dann ist es Zeit, von dem Tabormoment zu zehren und durchzuhalten. Es kann nicht immer Tabor sein. Zu gern sind wir versucht, wie Petrus Hütten bauen zu wollen, den wunderbaren Moment festhalten zu wollen. Jesus schickt uns aber bewusst wieder zurück in den Alltag, ins tägliche Leben. Ob wir nun in unserem eigenen Leben oder im sakramentalen Leben der Kirche Tabor erfahren – wir bewegen uns in Richtung Ewigkeit. Und wenn wir sterben, werden wir Gott schauen, wie er ist (1 Joh 3,2). Wir werden unser Gesicht in keinen Mantel hüllen, wir brauchen auch keine Hütten bauen. Denn dieses Tabor wird ein ewiges sein.

Wir dürfen uns jetzt schon darauf freuen und wachsam sein, immer in seiner Liebe bleiben und alles tun, was wir von uns aus tun können – aus Liebe seine Gebote halten.

Ihre Magstrauss

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