Montag der 5. Woche der Fastenzeit

Dan 13,1-9.15-17.19-30.33-62; Ps 23,1-3.4.5.6; Joh 8,1-11 oder Joh 8,12-20

Dan 13
1 In Babylon wohnte ein Mann mit Namen Jojakim.

2 Er hatte Susanna, die Tochter Hilkijas, zur Frau; sie war sehr schön und gottesfürchtig.
3 Und ihre Eltern waren gerecht und hatten ihre Tochter nach dem Gesetz des Mose unterwiesen.
4 Jojakim war sehr reich; er besaß einen Garten nahe bei seinem Haus. Die Juden pflegten bei ihm zusammenzukommen, weil er der Angesehenste von allen war.
5 Als Richter amtierten in jenem Jahr zwei Älteste aus dem Volk, von denen galt, was der Herr gesagt hat: Ungerechtigkeit ging von Babylon aus, von den Ältesten, von den Richtern, die als Leiter des Volkes galten.
6 Sie hielten sich regelmäßig im Haus Jojakims auf und alle, die eine Rechtssache hatten, kamen zu ihnen.
7 Hatten sich nun die Leute um die Mittagszeit wieder entfernt, dann kam Susanna und ging im Garten ihres Mannes spazieren.
8 Die beiden Ältesten sahen sie täglich kommen und umhergehen; da regte sich in ihnen die Begierde nach ihr.
9 Ihre Gedanken gerieten auf Abwege und sie wandten ihre Augen davon ab, zum Himmel zu schauen und an die gerechten Strafen zu denken.
15 Während sie auf einen günstigen Tag warteten, kam Susanna eines Tages wie gewöhnlich in den Garten, nur von zwei Mädchen begleitet, und wollte baden; denn es war heiß.
16 Niemand war dort außer den beiden Ältesten, die sich versteckt hatten und ihr auflauerten.
17 Sie sagte zu den Mädchen: Holt mir Öl und Salben und verriegelt das Gartentor, damit ich baden kann!
19 Als die Mädchen weg waren, standen die beiden Ältesten auf, liefen zu Susanna hin
20 und sagten: Das Gartentor ist verschlossen und niemand sieht uns; wir sind voll Begierde nach dir: Sei uns zu Willen und gib dich uns hin!
21 Weigerst du dich, dann bezeugen wir gegen dich, dass ein junger Mann bei dir war und dass du deshalb die Mädchen weggeschickt hast.
22 Da seufzte Susanna und sagte: Ich bin bedrängt von allen Seiten: Wenn ich es tue, so droht mir der Tod; tue ich es aber nicht, so werde ich euch nicht entrinnen.
23 Es ist besser für mich, es nicht zu tun und euch in die Hände zu fallen, als gegen den HERRN zu sündigen.
24 Da schrie Susanna mit lauter Stimme auf. Aber zugleich mit ihr schrien auch die beiden Ältesten
25 und einer von ihnen lief zum Gartentor und öffnete es.
26 Als die Leute im Haus das Geschrei im Garten hörten, eilten sie durch die Seitentür herbei, um zu sehen, was ihr zugestoßen sei.
27 Als die Ältesten ihre Erklärung gaben, schämten sich die Diener sehr; denn noch nie war so etwas über Susanna gesagt worden.
28 Als am nächsten Morgen das Volk bei Jojakim, ihrem Mann, zusammenkam, erschienen auch die beiden Ältesten. Sie kamen mit der verbrecherischen Absicht, gegen Susanna die Todesstrafe zu erwirken. Sie sagten vor dem Volk:
29 Schickt nach Susanna, der Tochter Hilkijas, der Frau Jojakims! Man schickte nach ihr.
30 Und sie kam, begleitet von ihren Eltern, ihren Kindern und allen Verwandten.
33 Ihre Angehörigen aber und alle, die sie erblickten, weinten.
34 Die beiden Ältesten aber standen auf inmitten des Volkes und legten ihre Hände auf den Kopf Susannas.
35 Sie aber blickte weinend zum Himmel auf; denn ihr Herz vertraute dem HERRN.
36 Die Ältesten sagten: Während wir allein im Garten spazieren gingen, kam diese Frau mit zwei Mägden herein. Sie ließ das Gartentor verriegeln und schickte die Mägde fort.
37 Dann kam ein junger Mann zu ihr, der sich versteckt hatte, und legte sich zu ihr.
38 Wir waren gerade in einer abgelegenen Ecke des Gartens; als wir aber die Sünde sahen, eilten wir zu ihnen hin
39 und sahen, wie sie zusammen waren. Den Mann konnten wir nicht festhalten; denn er war stärker als wir; er öffnete das Tor und entkam.
40 Aber diese da hielten wir fest und fragten sie, wer der junge Mann war.
41 Sie wollte es uns aber nicht verraten. Das alles können wir bezeugen. Die versammelte Gemeinde glaubte ihnen, weil sie Älteste des Volkes und Richter waren, und verurteilte Susanna zum Tod.
42 Susanna aber schrie auf mit lauter Stimme und sagte: Ewiger Gott, du kennst auch das Verborgene; du weißt alles, noch bevor es geschieht.
43 Du weißt auch, dass sie eine falsche Aussage gegen mich gemacht haben. Darum muss ich jetzt sterben, obwohl ich nichts von dem getan habe, was diese Menschen mir vorwerfen.
44 Der HERR erhörte ihr Rufen.
45 Als man sie zur Hinrichtung führte, erweckte Gott den heiligen Geist in einem jungen Mann namens Daniel.
46 Dieser schrie mit lauter Stimme: Ich bin unschuldig am Blut dieser Frau.
47 Da wandten sich alle Leute nach ihm um und fragten ihn: Was soll das heißen, was du da gesagt hast?
48 Er trat mitten unter sie und sagte: Seid ihr so töricht, ihr Söhne Israels? Ohne Verhör und ohne Prüfung der Beweise habt ihr eine Tochter Israels verurteilt.
49 Kehrt zurück zum Ort des Gerichts! Denn diese Ältesten haben eine falsche Aussage gegen Susanna gemacht.
50 Eilig kehrten alle Leute wieder um und die Ältesten sagten zu Daniel: Setz dich hier mitten unter uns und sag uns, was du zu sagen hast! Denn dir hat Gott den Vorsitz verliehen.
51 Daniel sagte zu ihnen: Trennt diese beiden Männer, bringt sie weit auseinander! Ich will sie verhören.
52 Als man sie voneinander getrennt hatte, rief er den einen von ihnen her und sagte zu ihm: In Schlechtigkeit bist du alt geworden; doch jetzt kommt die Strafe für die Sünden, die du bisher begangen hast.
53 Ungerechte Urteile hast du gefällt, Schuldlose verurteilt, aber Schuldige freigesprochen; und doch hat der HERR gesagt: Einen Schuldlosen und Gerechten sollst du nicht töten.
54 Wenn du also diese Frau wirklich gesehen hast, sage: Unter welchem Baum hast du sie miteinander verkehren sehen? Er aber sagte: Unter einem Mastixbaum.
55 Da sagte Daniel: Mit deiner Lüge hast du dein eigenes Haupt getroffen. Der Engel Gottes wird dich zerspalten; schon hat er von Gott den Befehl dazu erhalten.
56 Dann ließ er ihn wegbringen und befahl, den andern vorzuführen. Zu ihm sagte er: Du Sohn Kanaans, nicht Judas, dich hat die Schönheit verführt, die Leidenschaft hat dein Herz verdorben.
57 So tatet ihr an den Töchtern Israels und jene verkehrten mit euch, weil sie sich fürchteten; aber eine Tochter Judas duldete eure Gesetzlosigkeit nicht.
58 Nun sag mir: Unter welchem Baum hast du sie ertappt, während sie miteinander verkehrten? Er sagte: Unter einer Eiche.
59 Da sagte Daniel zu ihm: Mit deiner Lüge hast auch du dein eigenes Haupt getroffen. Der Engel Gottes wartet schon mit dem Schwert in der Hand, um dich mitten entzweizuhauen. So wird er euch beide vernichten.
60 Da schrie die ganze Gemeinde laut auf und pries Gott, der alle rettet, die auf ihn hoffen.
61 Dann erhoben sie sich gegen die beiden Ältesten, die Daniel durch ihre eigenen Worte als falsche Zeugen entlarvt hatte. Das Böse, das sie ihrem Nächsten hatten antun wollen, tat man
62 nach dem Gesetz des Mose ihnen an: Man tötete sie. So wurde an jenem Tag unschuldiges Blut gerettet.

Heute hören wir aus dem Buch Daniel. Dabei handelt es sich nicht um einen prophetischen Abschnitt, sondern um eine Erzählung.
Es geht um die Frau Jojakims namens Susanna. Sie ist schön und fromm. Ihre Eltern haben sie zur Gottesfurcht erzogen und in der Torah unterwiesen. Was nun passiert, spielt sich zur Zeit des babylonischen Exils ab. Jojakim ist ein reicher Mann, bei dem viele Juden einkehren, unter anderem in Rechtsdingen. Es gibt nun zwei Älteste, die regelmäßig zu Jojakim kommen und nach seiner Frau begehren. Sie spannen sie regelmäßig aus, wenn sie um die Mittagszeit im Garten spazieren geht. Eines Tages möchte sie in der besonders heißen Mittagshitze baden und bittet ihre Bediensteten, die Türen abzuschließen. Die beiden Ältesten erkennen ihre Chance in dieser Situation des absoluten Ausgeliefertseins Susannas und bedrängen die Frau. Sie erpressen sie damit, dass sie sich ihren Gelüsten hingeben soll oder sie würden vor den anderen behaupten, sie hätte mit einem jungen Mann Ehebruch begangen. Sie ist „von allen Seiten bedrängt“, wie sie selbst es ausdrückt. Und doch reagiert sie in dieser Situation geistesgegenwärtig und gottesfürchtig: Sie fällt lieber den Machenschaften von Menschen zum Opfer, als Gott durch so eine schwere Sünde zu beleidigen. Durch diese Entscheidung können wir als Zuhörer schon erahnen, dass Gott sie reichlich segnen wird. Es ist wie eine Glaubensprüfung für sie und zugleich sollen viele weitere Menschen in dieser Situation die Herrlichkeit Gottes bezeugen.
Susanna schreit auf, um die Bediensteten im Haus auf sich aufmerksam zu machen. Blitzschnell reagieren auch die beiden Ältesten, indem auch sie laut aufschreien und den „Tatort“ inszenieren (das Gartentor öffnen). Als die Dienerinnen angelaufen kommen, behaupten die Männer, dass sie Susanna beim Ehebruch ertappt hätten, was die Bediensteten beschämt. Es wird betont, dass Susanna bisher noch nie negativ aufgefallen ist. Zu Anfang der Erzählung hörten wir ja auch, dass sie eigentlich eine sehr fromme Person ist.
Am nächsten Morgen findet ein Gerichtsprozess statt, bei dem die beiden Ältesten gegen die Frau aussagen. Alle Angehörigen und Susanna selbst weinen und sie schaut zum Himmel, denn sie vertraut auf Gott, dem sie durch ihre gestrige Entscheidung die Treue gehalten hat. Die beiden Männer denken sich eine Lüge aus und behaupten, ein junger Mann sei zu ihr gekommen, um mit ihr Ehebruch zu treiben. Er sei entkommen, weil er den Ältesten physisch überlegen gewesen sei. Diese beiden Männer nutzen ihre Position als Älteste, um einer unschuldigen Frau die Todesstrafe zu bringen. Weil die beiden Männer Älteste sind, glauben die Menschen ihnen auch. So wird sie zum Tode verurteilt und schreit ein ganz drastisches Bittgebet zum Herrn. Dieser erhört sie am Tag ihrer Hinrichtung, denn er erfüllt einen jungen Mann namens Daniel mit dem Hl. Geist, sodass dieser laut aufruft: „Ich bin unschuldig am Blut dieser Frau.“ Diese Aussage scheint für die Umstehenden rätselhaft und sie fragen ihn, was das zu bedeuten habe. Wir müssen es so verstehen, dass er sich der Blutschuld der Israeliten gegenüber distanziert, die im Begriff ist, aufgeladen zu werden. Diese lädt sich Israel nämlich dadurch auf, dass sie Susanna unschuldig zum Tod verurteilt. Er spricht die Worte also, bevor es zu spät ist und Israel sich diese Blutschuld aufbürdet. Wir müssen an dieser Stelle innehalten und weiter betrachten: Es ist auch so, dass Gott selbst diese Worte durch den jungen Daniel von sich gibt. Er ist unschuldig an diesem Blutvergießen. Gott ist nicht böse. Er verlangt nicht, dass wir etwas Böses tun. Er ist unschuldig und er ist gut, nur gut. Gott selbst distanziert sich also von dem menschlichen Gericht, das zu einem ungerechten Urteil gekommen ist, das insgesamt falsch abgelaufen ist.
Er erklärt ihnen, dass sie eine Tochter Israels ohne richtige Anhörung verurteilt haben und die Beweise bzw. Zeugnisse nicht richtig geprüft haben. Die Reaktion der Israeliten zeigt, dass sie nicht böse sind, sondern auf die Intrige der Ältesten hereingefallen sind. Sie nehmen Daniels Worte sofort an und erkennen, dass Gott durch ihn spricht. Woher sonst soll er auch wissen, dass die Ältesten eine Falschaussage gemacht haben?
Kurzerhand wird der Gerichtsprozess noch weiter fortgesetzt und Daniel zum Anhörer der Zeugnisse beauftragt. Er hat eine sehr kluge Idee, denn er trennt die beiden Männer voneinander, um sie einzeln anzuhören.
Daniel hört zunächst den ersten Ältesten an und wirft ihm vor, ihn Schlechtigkeit alt geworden zu sein. Er sagt ihm, dass es in der Schrift ja heißt, man solle keinen Menschen unschuldig verurteilen. Er wirft ihm sogar vor, Schuldige freigesprochen zu haben. Und dann stellt er die entscheidende Frage: „Unter welchem Baum hast du sie miteinander verkehren sehen?“ Der Älteste antwortet: „Unter einem Mastixbaum.“
Daraufhin spricht er mit dem zweiten Ältesten und wirft auch ihm Sünden vor. Dabei stellt sich heraus, dass dieser gar kein Israelit, sondern Kanaaniter ist. Er wirft ihm sogar vor, dass er schon zuvor mit anderen Frauen so verfahren hat wie mit Susanna, nur dass sie sich im Gegensatz zu den anderen nicht erpressen ließ. Auf die entscheidende Frage nach der Baumart hin antwortet der zweite Älteste mit einer Eiche. So hat er die Falschaussage und Intrige der beiden Männer selbst offenbart. Das ganze versammelte Volk realisiert, dass durch Daniel unschuldiges Blut gerettet worden ist. Sie preisen Gott und bestrafen die beiden Männer mit der Todesstrafe.
Daniel hat Susanna gerettet, doch es ist Gott selbst, der durch ihn gewirkt hat. Susannas Gebet ist erhört worden. Wir erkennen an dieser Geschichte, dass wir wirklich ganz auf Gott vertrauen dürfen. Wenn Jesus später sagt, dass es uns immer zuerst um das Reich Gottes gehen soll und Gott uns alles Andere dazugeben wird, dann dürfen wir das ganz wörtlich nehmen. Susanna ging es um den Willen Gottes, dem zuliebe sie sich den beiden bösen Männern ausgeliefert hat. Sie weiß, dass Gott stärker ist und für Gerechtigkeit sorgt. So hat er sie nicht im Stich gelassen und nicht nur vor der Todesstrafe gerettet, sondern die schon länger anhaltenden Missetaten der beiden Männer aufgedeckt. Susanna ist so zu einem Werkzeug geworden, ebenso wie Daniel, mithilfe derer Gott ein großes Übel aus seinem Volk entfernen konnte. Hinter jeder Krise können wir Menschen zu allen Zeiten eine Chance und einen Segen erkennen. Susanna musste leiden so wie auch der Blindgeborene im Johannesevangelium zum Beispiel leiden musste. Doch durch ihr Leiden ist ganz viel Segen auf die Menschen gekommen, der alles nicht nur entschädigt, sondern noch viel mehr darüber hinaus den Menschen geschenkt worden ist. Susanna ist nach diesem Ereignis womöglich noch viel mehr Ehre geschenkt worden als zuvor. Auch Daniel ist so zu einer großen Ehre gekommen. Werfen auch wir in unserem Leben nicht sofort das Handtuch, wenn es schwer wird. Versuchen wir in allem immer die Chance zu erkennen und so geistesgegenwärtig wie Susanna und Daniel zu handeln. Behalten wir die oberste Priorität im Blick und vertrauen wir ganz auf Gott, der uns nicht ins offene Messer laufen lassen wird. Im Nachhinein werden wir verstehen, warum Gott Krisen und Leiden in unserem Leben zugelassen hat.

Ps 23
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.

2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Heute beten wir den berühmten Psalm 23. Er passt perfekt zur Lesung, weil in diesem Vertrauenspsalm Gott als Hirte beschrieben wird. Zuvor hörten wir davon, dass Gott sich ganz um seine Schäfchen kümmert und Susannas unschuldiges Blut vor der Todesstrafe bewahrt hat.
König David hat diesen Psalm gedichtet und man spürt, dass er sich ganz mit Hirt und Herde identifizieren kann. Gottes wunderbare Vorsehung hat alles so gefügt, dass er mit David tatsächlich einen Hirten zum König erwählt hat.
Gott ist unser Hirte, der uns alles gibt, was wir brauchen. Es mangelt uns an nichts, wenn wir zuerst sein Reich suchen. Das sagt Jesus später nicht umsonst. Es ist vor dem Hintergrund des Psalms absolut nachvollziehbar. Gott lässt uns, seine Schafe, auf grünen Auen lagern. Dies tut er auch mit Susanna. Er führt uns nicht ins Verderben, sondern nährt uns immer ausreichend, damit wir auf dem Weg durchs Leben hin zu ihm nicht zugrunde gehen. Er bewahrt die junge Frau vor einem unschuldigen und ehrlosen Tod. Auch wenn es zeitweise Wüstenlandschaften sind und nicht die grünen Auen, ist es für uns heilsam, damit wir die Auen wieder mehr zu schätzen lernen, in unserem Glauben gestärkt und in unserer Wachsamkeit geschärft werden. So muss Susanna zeitweise die trockene Wüste zu spüren bekommen, doch wird sie am Ende mit umso grüneren Auen beschenkt!
Für uns heute heißt dies, dass Gott uns mit allen irdischen Gaben (Finanzen, Gesundheit, Nahrung und sauberes Trinkwasser, Frieden, Erfolg etc.), aber auch mit allen überirdischen Gaben ausstattet, die wir durch die Heilsmittel der Kirche erhalten. Dazu gehören die Sakramente, allen voran die Eucharistie, und die Sakramentalien, durch die er uns den Hl. Geist senden möchte. Nicht umsonst betet David zuerst „er lässt mich lagern auf grünen Auen“ und dann „und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“. Es sind einerseits zwei Bilder für das Essen und Trinken des Menschen, andererseits die Bilder für die wichtigsten überirdischen Güter – die Eucharistie und der Hl. Geist, das lebendige Wasser.
Gott bringt die Lebenskraft zurück. Das hebräische Stichwort ist an dieser Stelle ist wie so oft nefesch. Gott bringt das ganze Leben zurück. Wir dürfen es sowohl moralisch als auch anagogisch verstehen, das heißt einerseits die Rückführung in den Stand der Gnade und zugleich die Rettung des ewigen Lebens. Vor allem die moralische Ebene wird uns klar, wenn wir danach lesen: „Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit.“ All dies ist auch auf Susanna zu übertragen, deren nefesch Gott gerettet hat. Ihre ganze Existenz stand auf dem Spiel, denn nicht nur ihr irdisches Dasein sollte durch die Todesstrafe beendet werden, sondern auch ihre Ehre und ihr Ansehen vor Gott.
Selbst der Psalm 23 greift die Situation auf, dass es nicht immer die ruhigen grünen Auen sind, auf denen die Herde sich bewegt, sondern auch mal das finstere Tal. So ist das Leben. Es gibt nicht nur schöne Tage, sondern auch die Krisen und dunklen Stunden, von denen wir in der Lesung ein besonders drastisches Beispiel gehört haben. Doch selbst da begleitet Gott einen hindurch und hinaus. Auch David hat dunkle Stunden gehabt, doch gerade in diesen hat er sich umso mehr an Gott geklammert. Er wusste, wie entscheidend sich die Qualität eines Hirten in finsteren Tälern herausstellte. Er wusste auch, wie sicher sich ein Schaf bei einem guten Hirten fühlen konnte. Er ist in dieser Hinsicht nicht nur der Typos des guten Hirten Christus, sondern auch des Lammes Gottes, das sich ganz und gar in die Hände Gottes übergab und selbst am Kreuz noch betete: „Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“ Von David können wir das absolute Gottvertrauen lernen und mit ihm zusammen beten: „Dein Stock und dein Stab trösten mich.“
Gott beschenkt uns, seine Kinder. Er hat nur Gutes für uns bereit. All der Segen Gottes wird hier mit verschiedenen Bildern umschrieben wie dem Decken des Tisches, dem Salben des Hauptes und dem übervollen Becher. All dies können wir zusammenfassen mit den darauffolgenden Worten: „Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang.“
Ins Haus des Herrn heimzukehren, bedeutet in diesem Kontext wörtlich den Tempel Gottes, der zu Davids Zeiten noch in Form des Offenbarungszeltes bestand. Wir lesen es auch vor dem Hintergrund der Lesung als Heimkehr aus dem babylonischen Exil, währenddessen der heutige Zwischenfall in der Lesung passiert ist. Wir lesen dies allegorisch weiter als das Reich Gottes und die Kirche. Moralisch verstehen wir damit unsere eigene Seele, die der Tempel Gottes ist und von wo aus die Entscheidungen zu einem Verhalten nach seinen Geboten getroffen werden. Schließlich kehren wir am Ende unseres Lebens heim in das Haus Gottes, den Himmel.

Joh 8
1 Jesus aber ging zum Ölberg.

2 Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es.
3 Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte
4 und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.
5 Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?
6 Mit diesen Worten wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
7 Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.
8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
9 Als sie das gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand.
10 Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?
11 Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Im Evangelium hören wir erneut von einem Fall von Ehebruch. Jesus ist in Jerusalem und kommt am frühen Morgen in den Tempel, um dort das Volk zu lehren. Plötzlich kommen Schriftgelehrte und Pharisäer mit einer Frau zu ihm, die diesmal tatsächlich in flagranti beim Ehebruch erwischt worden ist. Sie haben nicht im Sinn, einen gerechten Gerichtsprozess einzuleiten, sondern ihnen geht es darum, die Frau zu instrumentalisieren. Denn ihre Absicht ist es, Jesus auf die Probe zu stellen. Sie kommen mit der „Mose-Keule“, die sie immer wieder schwingen, um Jesus in die Bredouille zu bringen. Sie sagen zu ihm: „Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?“ Sie möchten ihn dazu bringen, sich gegen Mose zu stellen und so angreifbar zu werden. Jesus lässt sich von dieser ganzen Provokation und Intrige aber überhaupt nicht beeindrucken. Stattdessen tut er etwas auf den ersten Blick Befremdliches: Er bückt sich und schreibt etwas auf die Erde. Wir müssen uns an dieser Stelle wieder daran erinnern, dass Jesus nie, wirklich nie etwas sagt oder tut, das nicht einen tieferen Sinn hat. Er nimmt diese Geste also vor, damit die Menschen sie als Signal erkennen. Es handelt sich also um eine prophetische Zeichenhandlung!
Vor dem Hintergrund der Schriften der Juden (unserem Alten Testament) fallen uns gleich mehrere Bibelstellen ein, in denen diese Geste erklärt wird. Erstens denken wir an Jeremia 17,13: „Alle, die dich verlassen, werden zuschanden. Die sich von mir abwenden, werden in den Staub geschrieben, denn sie haben den HERRN verlassen, den Quell lebendigen Wassers.“ Jesus kündigt somit ein Gerichtsurteil Gottes an! Dieser schreibt jene in den Staub, die sich von seinem Willen entfernt haben. Dies soll den Umstehenden zunächst als Warnung gelten. Es ist noch nicht zu spät, umzukehren. Jesus ist Gott und ruft allen Anwesenden dazu auf, umzukehren. Dieses Signal sollte den Pharisäern und Schriftgelehrten eigentlich als erstes auffallen, da sie sich mit der Schrift ja besonders gut auskennen. Sie sollten auch die Ersten sein, die an Gen 3,19 denken, wo Gott dem Menschen nach dem Sündenfall sagt: Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“ JEDER Mensch ist von der Sünde betroffen. Alle Menschen neigen zum Bösen und können nicht sagen, dass sie von der ersten Sünde des Menschenpaares unberührt geblieben sind.
Doch eben jene, die diesen Code verstehen sollten, bleiben verständnislos. Sie haken vielmehr hartnäckig nach.
Und so richtet Jesus sich auf und sagt es nochmal mit deutlichen Worten: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ Nicht nur die Worte an sich werden sie tief getroffen haben, sie werden es mit seiner Geste zusammengebracht haben, die er nach diesem einen Satz weiter fortgesetzt hat. Und so geht ein Ältester nach dem Anderen fort und lässt den Stein fallen, den er in der Hand gehalten hat, bereit zum Wurf. Vor dem Hintergrund der Lesung fällt uns auf, dass Johannes hier besonders betont, dass zuerst die Ältesten die Szene verlassen. Womöglich werden sie an die Episode aus dem Buch Daniel gedacht haben, die die Begierde und Schuld der Ältesten zutage gefördert hat. Sie entfernen sich beschämt, weil sie erstens ihre eigene Schuldhaftigkeit erkannt, zweitens eine öffentliche Entehrung im Stil des Daniel befürchtet haben.
Am Ende steht die beschuldigte Ehebrecherin alleine bei Jesus. Er richtet sich nach einiger Zeit auf und fragt sie: „Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?“ Er sagt es, damit sie antwortet: „Keiner, Herr.“ Sie soll sehen, dass sie nicht die einzige ist, die sündigt. Zugleich soll es aber nicht heißen, dass ihre Sünde relativiert wird. Jesus sagt nämlich zu ihr: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Jesus hat ihr die Schuld vergeben und an ihr barmherzig gehandelt. Er sagt ihr aber auch, dass sie ausgehend von dieser zweiten Chance von nun an ein Leben nach Gottes Geboten führen soll. So spricht Jesus auch zu uns, wenn wir voller Reue und aufrichtig zu ihm kommen im Sakrament der Beichte: Ich verurteile dich nicht. Gehe und sündige von nun an nicht mehr! Welch große Barmherzigkeit dürfen wir immer wieder erfahren! Gott liebt uns und er möchte nicht, dass wir verloren gehen. Unser Part ist es, immer wieder von unseren Sünden umzukehren, von denen auch wir nicht verschont sind. Wir sind als getaufte Christen von der Erbsünde zwar erlöst, doch die Folgen dieser Sünde sind noch da. Wir neigen immer noch zum Bösen und müssen deshalb immer wieder zum Herrn umkehren. Auch in unserem Fall schreibt Jesus in den Sand, damit an uns der Appell ergeht: „Kehr um, bevor es zu spät ist!“ Er schreibt zugleich unsere Sünden in den Sand, damit der Wind sie wegtrage, der Wind des Hl. Geistes, durch den wir in den Stand der Gnade zurückversetzt werden im Sakrament der Versöhnung! In Stein ist dagegen nur eines geschrieben – die Gebote Gottes! Sie bleiben auf ewig bestehen und ändern sich auch nicht. Jesus hat dies immer wieder betont. Wie soll man diese Episode dann richtig verstehen? Schließlich hat Jesus gegen das mosaische Gesetz gehandelt!
Wie bei der Frage nach der Ehescheidung kommen die Pharisäer und Schriftgelehrten mit einem mosaischen Gesetz zu ihm. Wie auch dort geht Jesus noch weiter zurück, nämlich zur Genesis, um nicht Mose zu zitieren, sondern Gott selbst. Dieser hat selbstverständlich eine höhere Autorität als Mose. Zu Jesu Zeit gibt es in der jüdischen Gelehrsamkeit die Tendenz, innerhalb der Torah unterschiedliche Prioritäten zu setzen. Und Jesus liegt ganz auf dieser Linie, wenn er eben jene Priorisierung vornimmt: Es heißt in dieser jüdischen Tradition, dass Gottes Gebote die höchste Priorität haben, das heißt die Zehn Gebote, die Mose den Berg hinuntergebracht hat. Und als die Israeliten dann das Goldene Kalb angebetet haben, musste Mose noch weitere Gebote erlassen, weil er merkte, dass das Volk nicht so weit ist, die Zehn Gebote richtig umzusetzen. So erließ er die vielen weitere Gebote, die natürlich auch sehr hohe Autorität besitzen, aber eben NACH dem Dekalog kamen. Jesus plädiert bei den Fallen, für die die Pharisäer ständig das mosaische Gesetz missbrauchen, immer wieder auf den Anfang, auf die Genesis, auf die Zehn Gebote, auf die Gottesreden, die uns aus den fünf Büchern Mose bekannt sind. Er stellt die Prioritäten wieder richtig. Es ist also nicht Gesetz gegen Gesetz („Steinige die Ehebrecherin“ gegen „Du sollst nicht töten“), sondern die Überbietung des mosaischen Gesetzes durch Gottes eigene Worte.

Welch Privileg dürfen die Pharisäer und Schriftgelehrten genießen, dass Jesus ihnen das richtige Verständnis der Schriften erklärt! Und doch lassen sie sich keinesfalls belehren, sondern eher provozieren. Sie erkennen nicht, dass er der Messias, dass er der Sohn Gottes ist, der in die Welt kommen soll. Sie erkennen seine göttliche Autorität nicht, die ihnen solche wertvollen Schätze mit auf den Weg geben will. Sie nutzen auch den Appell zur Umkehr nicht, der an alle Anwesenden ergeht.

Heute haben wir viel von Anschuldigungen, Gerichtsprozessen und Exekutionen gehört. Während die erste Frau tatsächlich unschuldig ist, handelt es sich bei der zweiten Frau tatsächlich um eine Ehebrecherin. Es geht heute um Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes zugleich. Er sorgt dafür, dass die Unschuldigen gerettet werden und den Schuldigen, die von Herzen bereuen, vergeben wird. Was wir aus all dem lernen: Kein Mensch kann von sich aus sagen, er sei ohne Sünde. Jeder muss sich zuerst an die eigene Nase fassen und jederzeit umkehren. Das heißt natürlich nicht, dass jene, die die Aufgabe der Gerichtsbarkeit besitzen, diese nicht ausführen dürfen, weil sie selbst Sünde haben. Das Problem in beiden Fällen besteht ja darin, dass die Ältesten die Gerichtsbarkeit mit bösen Absichten ausführen. Im ersten Fall geht es um die Verurteilung einer Unschuldigen und Vertuschung der eigenen Schuld. Im zweiten Fall soll eine echte Täterin instrumentalisiert werden, um Jesus auf die Probe zu stellen. In beiden Fällen geht es also gar nicht um ein gerechtes Gericht. Uns Menschen, die wir keine Richter von Beruf sind, sagt Jesus sogar: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ Menschen können gar kein gerechtes Gerichtsurteil im moralischen Sinne vornehmen, da sie das Herz des Anderen ja nicht erkennen. Sie sehen die Absichten nicht und können gar nicht richtig beurteilen, wie es zu der Sünde gekommen ist. Wir sollen das Richten Gott überlassen, der in die Erde schreibt. Wir sollen uns selbst von dieser überfordernden Bürde befreien und es ihm überlassen, der die Kompetenz hat. Nehmen wir diesen Gedanken mit in die restliche Fastenzeit.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 2. Woche im Jahreskreis

1 Sam 17,32-33.37.40-51; Ps 144,1-2c.9-10; Mk 3,1-6

1 Sam 17
32 David sagte zu Saul: Niemand soll wegen des Philisters den Mut sinken lassen. Dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister kämpfen. 

33 Saul erwiderte ihm: Du kannst nicht zu diesem Philister hingehen, um mit ihm zu kämpfen; du bist zu jung, er aber ist ein Krieger seit seiner Jugend.
37 Und David sagte weiter: Der HERR, der mich aus der Gewalt des Löwen und des Bären gerettet hat, wird mich auch aus der Gewalt dieses Philisters retten. Da antwortete Saul David: Geh, der HERR sei mit dir.
40 nahm seinen Stock in die Hand, suchte sich fünf glatte Steine aus dem Bach und legte sie in die Hirtentasche, die er bei sich hatte, in den Vorratsbeutel. Die Schleuder in der Hand, ging er auf den Philister zu.
41 Der Philister kam immer näher an David heran; sein Schildträger schritt vor ihm her. 
42 Als der Philister aufblickte und David sah, verachtete er ihn, denn er war jung, rötlich und von schöner Gestalt. 
43 Der Philister sagte zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock zu mir kommst? Und er verfluchte David bei seinen Göttern. 
44 Er rief David zu: Komm nur her zu mir, ich werde dein Fleisch den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben. 
45 David antwortete dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast.
46 Heute wird dich der HERR mir ausliefern. Ich werde dich erschlagen und dir den Kopf abhauen. Die Leichen des Heeres der Philister werde ich noch heute den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben. Alle Welt soll erkennen, dass Israel einen Gott hat. 
47 Auch alle, die hier versammelt sind, sollen erkennen, dass der HERR nicht durch Schwert und Speer Rettung verschafft; denn es ist ein Krieg des HERRN und er wird euch in unsere Hand geben. 
48 Als der Philister weiter vorrückte und immer näher an David herankam, lief auch David schnell auf die Schlachtreihe zu, dem Philister entgegen. 
49 Er griff in seine Hirtentasche, nahm einen Stein heraus, schleuderte ihn ab und traf den Philister an der Stirn. Der Stein drang in die Stirn ein und der Philister fiel mit dem Gesicht zu Boden. 
50 So besiegte David den Philister mit einer Schleuder und einem Stein; er traf den Philister und tötete ihn, ohne ein Schwert in der Hand zu haben. 
51 Dann lief David hin und trat neben den Philister. Er ergriff sein Schwert, zog es aus der Scheide, tötete ihn und schlug ihm den Kopf ab. Als die Philister sahen, dass ihr starker Mann tot war, flohen sie. 

Die letzten Tage hörten wir von einigen militärischen Siegen unter König Saul und vom ausstehenden Sieg über die Philister. Heute spitzt sich die Lage zu, weil die Erzfeinde Israels einen regelrechten Riesen ins Rennen schicken, Goliat aus Gat. Die Israeliten fürchten sich vor diesem starken Kämpfer, der einen „Einsatz“ macht: Bei einer Niederlage der Philister dürfe Israel über die Philister herrschen, bei einer Niederlage der Israeliten dürften die Philister über Israel herrschen.
Wir lesen zu Anfang des Kapitels 17, dass David wie immer die Schafe seines Vaters hütet und eines Tages zu seinen drei ältesten Brüdern an den Ort der Schlacht mit Proviant hingeschickt wird. Dort wird er Zeuge der aussichtslosen Situation, die sich ganze vierzig Tage hingezogen hat.
Was David vor allem empört, ist die Gotteslästerung des Philisters, mit der er das heilige auserwählte Volk, die Soldaten Gottes, beleidigt und auch Gott selbst. Deshalb beschließt der Junge, sich mit dem Riesen in den Kampf zu begeben. Saul wehrt Davids Vorschlag ab, da er mit menschlicher Logik argumentiert: „Du bist zu jung, er aber ist ein Krieger seit seiner Jugend.“
David bewertet die Situation aber aus einem ganz anderen Blickwinkel, was ihn ja so besonders macht: Die Israeliten sind auf der Seite Gottes, der ihnen die Kraft gibt. Zudem hat er Erfahrung darin, Angriffe von wilden Tieren gegenüber den von ihm gehüteten Schafen abzuwehren. Gott hat sich bewusst diesen Menschen als König ausgesucht, der im Beschützen absolut erfahren ist.
An diesen beiden Aspekten sehen wir, wie es beim Menschen grundsätzlich sein sollte: Einerseits soll der Beistand Gottes vollkommen zugelassen werden, andererseits soll der Mensch selbst alles ihm Mögliche mit einbringen. Dieses vollkommene Teamwork macht den Menschen „fruchtbar“ für alles, was er tut. In dieser Einheit erhält er den Mut, alles zu meistern. Dann muss er keine Angst haben wie die Israeliten, die heute vor Goliat zurückschrecken.
Gestern haben wir vom Casting Samuels gelesen, zu dem Gott sprach: „Sieh nicht auf sein Aussehen“ und „der HERR aber sieht das Herz.“ Goliat, der sich David im Kampf nun nähert, hat schon verloren, weil er genau dies falsch macht. Er sieht auf das Aussehen Davids, auf seine zarte und jugendliche Gestalt, die alles Andere als typisch für einen Kämpfer ist. Aber wie wir es auch aus dem Sport kennen, ist der größte Fehler die Unterschätzung des Gegners. David dagegen scheut nicht den Kampf, weil er die Situation „mit Gottes Augen“ sieht: Die Körpergröße und physische Stärke des Philisters mögen die meisten einschüchtern, aber der Beistand Gottes, der auf Seiten der Israeliten liegt, ist ungleich stärker. Der Philister hat in Wirklichkeit seine absolute Schwachheit dadurch offenbart, dass er Gott gelästert hat. Deshalb entgegnet David Goliat auch in Vers 45: „Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast.“ Dann geschieht, was allgemein bekannt ist. David erschlägt Goliat mit einem Stein, den er ihm direkt an die Stirn schleudert. Nicht die physische Stärke hat den Philister besiegt, sondern erstens der Beistand Gottes, zweitens die Geschicktheit des Hirten. Die Philister fliehen, als ihr stärkster Mann gefallen ist. Somit hat ein Junge das ganze Volk gerettet – nicht nur der Junge, sondern Gott mit ihm.
Was wir heute lesen, hat eine typologische Entsprechung im Neuen Testament. Auch dort wird ein Kampf geschildert, der vierzig Tage dauert und bei dem der Gotteslästerer verliert: Die Versuchung Jesu in der Wüste. Über die typologische Verbindung von David und Jesus, dem Sohn Davids haben wir die letzten Tage bereits gesprochen. Heute wird sie noch deutlicher: Wie im ersten Samuelbuch befindet sich Jesus in einem vierzigtägigen Kampf gegen den Teufel, der alle möglichen Methoden versucht, Jesus zu Fall zu bringen. Er versucht ihn mit den drei Hauptversuchungen. Er möchte unter anderem, dass Jesus ihn anbetet. Das ist die größte Gotteslästerung, die es geben kann. Deshalb hat der Teufel schon verloren, weil er sich einbildet, er als Geschöpf könne Gott dem Schöpfer auch nur annähernd das Wasser reichen. Jesus kämpft mit geistigen Waffen, nämlich mit dem Wort Gottes. Er zitiert aus der Hl. Schrift, um den Versucher zu entmachten. So wie David betrachtet er die Situation aus der Sicht Gottes und erkennt dadurch die wirklichen Erfolgschancen. Würde er menschlich denken, könnte er einknicken: Er hat z.B. Hunger vom Fasten, weshalb Steine zu Brot zu machen, sehr verlockend wirkt. So wie David, um nicht zu sagen noch viel mehr als David, besiegt Jesus seinen Versucher haushoch mit geistigen Waffen. Zur Zeit Davids ist das noch nicht so ausschließlich. Er ist immer noch Kind seiner Zeit und die brutale Geste des Enthauptens ist von diesem kulturell-zeitlichen Kontext her zu bewerten. Von beiden lernen wir aber: Der größte Kampf ist ein geistiger. Es geht darum, für den HERRN einzustehen und ihn nicht zu verraten. Dann wird er einem den Rücken stärken und unbesiegbar machen.
Das können wir auf die Kirche übertragen sowie auf uns selbst. Die Mächte der Finsternis werden die Kirche nicht überwältigen, so hat Jesus es uns versprochen, als er in Mt 16 Petrus zum Felsen seiner Kirche ernennt. Das heißt aber nicht, dass wir uns als Kirche bequem zurücklehnen können und nichts tun müssen. Es ist auch heute ein vollkommenes Teamwork. Wir sollen unsere Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen, um den geistigen Angriffen zu widerstehen, den Bösen zurückzudrängen und den Versuchungen unserer heutigen Zeit nicht zu erliegen. Dann wird Gott, für den wir jederzeit einstehen, auch heute der Kirche den Rücken stärken und sie unbesiegbar machen. Wo wir aber die Mentalität Goliats übernehmen und menschlich bewerten, wo wir aufs Äußere schauen und vor allem unseren Feind unterschätzen, machen wir uns sofort angreifbar. Die heutigen Gefahren müssen stets klar benannt und bekämpft werden, auch wenn die Kirche dafür noch mehr Verachtung erntet.
Wir selbst müssen unser ganzes Leben, das ein einziges Schlachtfeld ist, immer aus der Sicht Gottes betrachten. Wir sollen nichts und niemanden aus rein menschlicher Logik bewerten, sondern immer nach dem Willen Gottes fragen, seine Logik (von Logos!), seinen Sohn als Schablone auf alles anlegen, um alle Herausforderungen zu bestehen. Wie sehr werden wir versucht, Tag für Tag. Da müssen wir die eigentlichen Gefahren hinter allem erkennen und mit geistigen Waffen dagegen ankämpfen. Stehen wir für Gott ein, wird er auch uns den Rücken stärken und unbesiegbar machen. Manchmal scheinen die Probleme riesig wie Goliat, dann müssen wir genau hinschauen und den eigentlichen Schwachpunkt hinter dem Problem erkennen. Mit einem „Steinwurf“ fällt es in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Gott ist immer stärker. Deshalb wird er auch am Ende der Zeiten eingreifen und das die Erde verderbende Kartenhaus des Bösen fällt in sich zusammen. Dann wird selbst der Tod vernichtet und Gott wird ewig mitten unter den Menschen im himmlischen Jerusalem wohnen.

Ps 144
1 Von David. Gepriesen sei der HERR, mein Fels, der meine Hände den Kampf lehrt, meine Finger den Krieg! 
2 Er, meine Huld und meine Festung, meine Burg und mein Retter, mein Schild, dem ich vertraue, der mir mein Volk unterwirft. 
9 Gott, ein neues Lied will ich dir singen, auf der zehnsaitigen Harfe will ich dir spielen, 
10 dir, der den Königen Sieg verleiht, der David, seinen Knecht, vom Schwert des Unheils befreit.

Auch heute lesen wir eine Reflexion dessen, was Gott David Gutes getan hat. Es ist ein Dankespsalm an Gott den „Felsen“. Ich habe bereits die Typologie zwischen David und Jesus angesprochen sowie die Ernennung Simon bar Jonas zu Petrus, dem Felsen. Jesus ist eigentlich der Felsen, auf den wir bauen sollen, doch Jesus bevollmächtigt einen Menschen als seinen irdischen Stellvertreter. Deshalb ist es kein Zufall, dass er das Bild des Felsens in den Evangelien mehrfach aufgreift. In den Psalmen lesen wir Gott als Felsen regelmäßig. Gott ist es, „der meine Hände den Kampf lehrt, meine Finger den Krieg“. Zur Zeit Davids ist es noch nicht so eindeutig, aber wir verstehen spätestens seit der Versuchung Jesu, dass es um einen geistigen Kampf, um geistige Waffen geht. David kämpft noch wörtlich. Gott ist es, der rettet und der ein wirklich vertrauensvolles Schild ist. Wir lesen im ersten Samuelbuch, dass der Riese Goliat einen Waffenträger vor sich herlaufen lässt. Dieser ist nichts im Gegensatz zu Gottes Assistenz im Kampf.
Wir können diese Worte Davids genauso dankbar beten wie David selbst. Auch uns rettet Gott immer wieder aus geistigen Kämpfen und Versuchungen, sodass ihm stets unser Dank gebührt. So bleiben wir übrigens auch bescheiden und demütig: Wenn wir den Fall Anderer sehen und schadenfroh mit dem Finger drauf zeigen, weil wir nicht dieselbe Sünde getan haben, fallen wir in Null Komma nichts wegen derselben Sünde. Wenn wir aber dankbar auf uns selbst schauen und sagen: „Danke HERR, dass du mich davor bewahrt hast, dass du mir die Kraft gegeben hast, derselben Versuchung zu widerstehen“, erkennen wir an, dass unser Gutsein durch Gottes Gnade ermöglicht wird. Wir rühmen ihn statt uns selbst.
David, so werden wir noch hören, ist ein begnadeter „Harfenspieler“ (es ist keine richtige Harfe wie unser heutiges Instrument, sondern ein antikes Saiteninstrument). Er wird für Saul spielen und sein musikalisches Talent gepaart mit seiner Frömmigkeit sowie seiner Kreativität haben uns den Psalter geschenkt, das Psalmenbuch, das heute einen festen Ort in der katholischen Liturgie hat.
Lernen wir von David und beten wir ihm nach, der Gottes Werk anerkennt, „der den Königen Sieg verleiht“ und der „vom Schwert des Unheils befreit“. Dieses Unheil ist in erster Linie geistiger Art. Es bringt von Gott weg. Wir beten dies im Vaterunser, wenn wir sagen „und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“.

Mk 3
1 Als er wieder in die Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer verdorrten Hand. 

2 Und sie gaben Acht, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn. 
3 Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! 
4 Und zu den anderen sagte er: Was ist am Sabbat erlaubt – Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen. 
5 Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand wurde wiederhergestellt. 
6 Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten zusammen mit den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen.

Im heutigen Evangelium lesen wir von einem weiteren messianischen Heilszeichen und der Provokation der Pharisäer.
Es ist wieder Sabbat, denn Jesus geht in die Synagoge. Dort ist ein Mann mit einer verdorrten Hand. Die Gegner Jesu warten schon darauf, dass Jesus wieder gegen die Torah verstößt, indem er am Sabbat Verbotenes tut. Was heißt es denn, eine verdorrte Hand zu haben? Das bedeutet in erster Linie, keiner Arbeit mehr nachgehen zu können, wahrscheinlich sind dem Mann auch schwere Sünden unterstellt worden, sodass die verdorrte Hand ihm als Strafe Gottes zugeschrieben worden ist.
Umso bemerkenswerter ist es, dass er sich in die Synagoge traut, wo viele Menschen mit dem Finger auf ihn zeigen könnten. Seine Hand ist vielleicht vertrocknet, aber sein Herz dürstet nach dem Wort Gottes. Er kommt, um zu lernen.
Dagegen haben die anwesenden Pharisäer intakte Hände, doch ein verstocktes Herz.
Jesus scheut die Konfrontation nicht, obwohl diese die Pharisäer noch mehr provozieren wird. Er stellt den Mann mit der verdorrten Hand in die Mitte. Diese geographische Zuordnung ist wichtig. In der Mitte befindet sich nämlich das Lesepult, an dem die Torah verlesen wird. Wenn Jesus den Geplagten nun in die Mitte stellt, wird er zum Mittelpunkt und zum konkreten Beispiel dessen, was die Torah beschreibt. Jesus tut dies also zur Veranschaulichung und aus pädagogischen Gründen. Alle Anwesenden können aus dem Folgenden also lernen, wenn sie wollen. Die Pharisäer bleiben jedoch verstockt und lernen deshalb nicht aus der Situation. Was möchte Jesus denn erklären? Am Sabbat geht es darum, mehr Zeit zu haben, um Gott die Ehre zu geben, zu ruhen wie er und dem Vieh sowie den Arbeitern eine Erholung zu gönnen. Wie geben wir Gott die Ehre? Indem wir ihn von ganzem Herzen lieben und deshalb seine Gebote halten. Gleichzeitig sollen wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst und deshalb die Gebote Gottes, die den Nächsten betreffen, ebenso halten.
Jesus tut einen Akt der Nächstenliebe an dem Mann mit der verdorrten Hand. Er tut dies an der Stelle der Torah, um herauszustellen, dass ihr Kern die Liebe ist. Er heilt den Mann nicht nur körperlich und rettet sein Leben, wie er es hier sagt. Er gibt ihm wieder die Möglichkeit, Geld zu verdienen und seine Familie zu versorgen, die er vielleicht hat. Er bringt ihn zurück in die Gesellschaft. So wie wir gestern gelesen haben, geht es am Sabbat nicht darum, unter allen Umständen tatenlos zu sein um der Tatenlosigkeit willen. Man soll die Arbeit ruhen lassen, um diese Zeit und Kraft Gott zu schenken. Durch die Heilung des Mannes tut Jesus genau dies. Die Pharisäer haben den ursprünglichen Sinn des Gebotes längst vergessen und echauffieren sich deshalb über Jesu „Verstoß“. Auch hier sehen sie die Gebote, aber nicht den Geber der Gebote. Auch hier erkennen sie Jesus als Messias nicht.
Jesus sieht uns an. Er schaut jeden Menschen und dabei in das Herz hinein. Er sieht, was wir gar nicht mal selbst sehen. Es stimmt nicht, dass Gott unser Leben egal ist. Er sieht alles und weiß alles. Wir sind es nur, die vor dem Blick flüchten so wie Adam und Eva nach dem Sündenfall. Wir wollen nicht angesehen werden und schauen selber weg. Das macht den Herrn traurig. Er will, dass wir wie David heute im ersten Samuelbuch mit ihm zusammen im Teamwork unser Leben bestehen. Er möchte, dass wir den Versuchungen widerstehen und uns nicht über Gott erheben, der uns den Sinn seiner Gebote erklärt.
Heute haben die Pharisäer erneut die Zeit der Gnade nicht erkannt. Im Gegenteil. Sie beschließen sogar das „Teamwork“ mit den Anhängern des Herodes und planen die Ermordung Jesu.
Ist uns bewusst, dass wenn wir verstockt sind und uns von Gott nicht belehren lassen, so werden wie die Pharisäer? Wir versuchen dann, den Herrn mundtot zu machen, damit er uns nicht mehr belästigt, damit wir unser Leben weiterleben können, ohne uns ändern zu müssen. Verhärten wir nicht unser Herz wie sie, sondern lassen wir uns belehren. Nehmen wir die Lektionen Gottes ernst, der der perfekte Pädagoge ist. Gehen wir die Partnerschaft mit Gott in den Kämpfen unseres Lebens ein und sehen wir alles mit Gottes Augen. Dann werden wir seine Gebote aus Liebe halten, nicht um der Gebote selbst willen.

Ihre Magstrauss