Montag der 3. Osterwoche

Apg 6,8-15; Ps 119,23-24.26-27.29-30; Joh 6,22-29

Apg 6
8 Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.
9 Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Kyrenäer und Alexandriner und Leute aus Kilikien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten;
10 aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.
11 Da stifteten sie Männer zu der Aussage an: Wir haben gehört, wie er gegen Mose und Gott lästerte.
12 Sie hetzten das Volk, die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, drangen auf ihn ein, packten ihn und schleppten ihn vor den Hohen Rat.
13 Und sie brachten falsche Zeugen bei, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, gegen diesen heiligen Ort und das Gesetz zu reden.
14 Wir haben ihn nämlich sagen hören: Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diesen Ort zerstören und die Bräuche ändern, die uns Mose überliefert hat.
15 Und als alle, die im Hohen Rat saßen, gespannt auf ihn blickten, erschien ihnen sein Gesicht wie das Gesicht eines Engels.

Heute hören wir von Stephanus, dem ersten Märtyrer. Ich habe schon vor einigen Tagen vorgewarnt, dass das Leiden der Christen nicht lange auf sich warten lasse.
Mit Stephanus beginnt nun diese Leidensgeschichte von Verfolgungen, die bis heute nicht aufgehört hat.
Er ist „voll Gnade und Kraft“, was sein Erfülltsein mit dem Heiligen Geist umschreibt. Er ist mit denselben Früchten, Gaben und Charismen ausgestattet, die wir bei der brennenden Pfingstrede des Petrus bemerkt haben. Wer ist dieser Stephanus eigentlich? Er gehörte der Jerusalemer Urgemeinde an, war ursprünglich hellenistischer Jude und deshalb auch als einer der sieben Diakone ausgewählt worden, die caritative Aufgaben bei den Bedürftigen und vor allem bei den griechischsprachigen Witwen übernehmen sollten.
Er ist also nun Judenchrist, ein ehemaliger Jude, der zum Glauben an Christus gekommen ist. Es gibt in Jerusalem unterschiedliche jüdische Gruppen. Eine davon besteht aus Menschen, die so wie Stephanus sind, bevor er Christ wurde. Sie nennen sich Hellenisten. Die Aufzählung, die wir hier lesen (Libertiner, Kyrenäer, Alexandriner etc.) beweist, dass es eben solche hellenistischen Juden sind. Sie haben ein Problem mit Stephanus und erheben sich, um mit ihm zu streiten. Das Verb ἀνέστησαν anestesan meint an dieser Stelle weniger die physische Bewegung des Aufstehens, als vielmehr den Aufstand, das Rebellieren, sich beschweren. Das Verb συζητοῦντες syzetuntes meint einen Streit als Debatte oder Prüfung. Sie wollen die Rechtgläubigkeit des Stephanus prüfen.
Womöglich regen sie sich auf, weil er solch kraftvolle Zeichen vollbringt und sie nicht. Es spielt vielleicht Neid und Eifersucht eine Rolle so wie bei den Hohepriestern Jesus und seinen Aposteln gegenüber.
Die Gegner des Stephanus versuchen, gegen ihn anzukommen, aber seine Weisheit übertrifft die seiner Feinde. Sie wollen mit ihrer menschlichen Vernunft gegen den Geist Gottes kämpfen. Der Ausgang ist offensichtlich. An diesem Vers erkennen wir, dass der Streit tatsächlich im Debattieren besteht.
Als die Feinde merken, dass sie gegen Stephanus keine Chance haben (vielmehr gegen den Geist Gottes, aber das verstehen sie nicht), greifen sie zu unfairen Mitteln. Sie stiften Männer zu Falschaussagen an. Das ist nicht das erste Mal. Schon bei dem Prozess Jesu hat man Falschaussagen getätigt, die sich aber widersprochen haben. Ihr Plan ist es, Stephanus zu unterstellen, dass er Mose und die Torah lästere und die Lehre verändern wolle.
Mithilfe der religiösen Vertreter Jerusalems hetzen sie die Öffentlichkeit gegen Stephanus auf und schaffen es, ihn vor den Hohen Rat zu bringen. Es ist schon wieder ein ungerechter Prozess, so wie bei Jesus und auch bei den Aposteln nach dem Pfingstereignis.
Und so werden falsche Zeugnisse gegen ihn gebracht, die ihm Feindseligkeit gegenüber der jüdischen Lehre und des Tempels unterstellen.
Sie behaupten sogar: „Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diesen Ort zerstören und die Bräuche ändern, die uns Mose überliefert hat.“ Jesus hat so etwas natürlich nie behauptet. Er hat vielmehr gesagt, dass nicht ein einziges Iota vom Gesetz geändert werden dürfe. Er hat das Gesetz mit seiner ganzen Person aber erfüllt. Jesus hat wirklich gesagt: „Reißt den Tempel nieder und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen“, was aber den Tempel seines Leibes meint. Es war ein prophetischer Zeichenakt, der auf seinen Tod und seine Auferstehung hinweisen sollte. Nun wird dies zum Anlass genommen, Stephanus zu verurteilen. Es wird mit absoluten Lügen vermischt und so entsteht eine falsche Anklage.
Stephanus aber hat keine Angst. Er bleibt ganz ruhig und ist viel mehr wie verklärt. Sein Gesicht leutet, das muss wohl heißen, seine Augen strahlen. Es wird verglichen mit einem Engelsgesicht. Das, was hier so leuchtet, ist die Gnade Gottes auf seinem Gesicht. Der Heilige Geist durchdringt ihn ganz und so wird er auch mit der Frucht des Mutes und der Ruhe beschenkt.
Wir wissen, dass es tödlich endet. Sie steinigen ihn und dieser unschuldige Mensch vergibt im Tod seinen Henkern. Er bittet Gott darum, deren Sünde nicht anzuerkennen. Er hat heroischen Mut und außerordentlich große Liebe bewiesen. Damit ist er wahrlich zum Zeugen für Christus geworden, der ebenfalls sterbend am Kreuz für seine Henker gebetet hat. Ganz wie Christus befiehlt Stephanus sein Leben dem, der ihm alles bedeutet – Gott. Er stirbt im tiefsten Vertrauen und so lebt er in Ewigkeit beim Herrn.

Ps 119
23 Sitzen auch Fürsten zusammen und verhandeln gegen mich, dein Knecht sinnt nach über deine Gesetze.
24 Deine Zeugnisse sind mein Ergötzen, sie sind meine Berater.
26 Meine Wege hab ich dir erzählt und du gabst mir Antwort. Lehre mich deine Gesetze!
27 Den Weg deiner Befehle lass mich begreifen, ich will nachsinnen über deine Wunder!
29 Halte mich fern vom Weg der Lüge, begnade mich mit deiner Weisung!
30 Ich wähle den Weg der Treue, deine Entscheide stelle ich mir vor Augen.

Heute beten wir aus dem längsten Psalm des gesamten Psalters und betrachten darin den lebenslangen Wandel nach dem Wort Gottes. Er greift auf, was Stephanus durchgemacht hat.
„Sitzen auch Fürsten zusammen und verhandeln gegen mich, dein Knecht sinnt nach über deine Gesetze.“ Und wenn auch die Mächtigen der Welt einen anklagen, ändert das nichts daran, dass „dein Knecht“, sprich jeder Gläubige (wörtlich gemeint Jude, im geistlichen Sinne Jesus Christus und jeder getaufte Christ) an dem Wort Gotte festhält. Petrus hat zu den Hohepriestern gesagt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Das ist es. Wer Gott von ganzem Herzen liebt, wird seine Gebote immer halten und als oberste Priorität erachten. Er ist die höchste Autorität, höher noch als Könige, heute vielleicht gesagt höher noch als die Politiker, Bänker, Stars und Sternchen.
Der nächste Vers ist etwas ungünstig übersetzt worden: Die Zeugnisse, von denen in Vers 24 die Rede ist, können vielmehr mit „Gebote“ übersetzt werden und statt „Ergötzen“ könnte man auch Freude oder Wonne formulieren. Das ist eine weniger anstößige Übersetzungsmöglichkeit. Was dadurch ausgesagt werden soll: Die Gebote sind keine Bürde, sondern vielmehr eine Erleichterung. Sie verhelfen dem Menschen zu einem gelungenen und glücklichen Leben. Sie sind also erstrebenswert und nicht eine Pflicht.
Der Gläubige hat eine Beziehung zu Gott. Er spricht mit ihm und teilt mit ihm seine Befindlichkeiten. Das können wir auf die Juden beziehen, insbesondere auf David. Das können wir vielmehr noch auf Jesus beziehen, der zum Vater eine derart intime Beziehung führt, dass wir daraus die Liebe Gottes förmlich ergreifen können. Das ist auch mit jedem Christen so, der Jesus nachfolgt auf dem Weg in die Herrlichkeit Gottes.
Gott ignoriert den Menschen nicht, der zu ihm kommt und ihm alles erzählt. Er erhört die Bitten seiner geliebten Kinder. Dies hat er an König David erwiesen, der immer wieder in Gefahr geraten ist. Er hat es ganz besonders an seinem eigenen Sohn gezeigt, den er von den Toten auferweckt hat. Er erhört auch unsere Bitten, die wir vertrauensvoll zu ihm kommen mit unseren Anliegen. Bei ihm gibt es kein Nein. Er hat höchstens ein Später oder ein Anders für uns vorgesehen und dies wiederum, um uns das Heil zu schenken.
„Lehre mich deine Gesetze“ ist der Ausdruck von Eifer. Der Gläubige möchte eine gute Beziehung zu Gott und ihn deshalb immer besser verstehen. Wenn wir einen Menschen lieben, wollen wir alles für ihn tun. So ist es auch bei Gott. Wenn wir ihn lieben, wollen wir alles für ihn tun. Er wiederum verlangt nur das von uns, was uns zum Heil führt.
So ist auch Vers 27 zu verstehen, der von Gottes Befehlen spricht. Die Juden damals wie auch die Christen heute wollen nachsinnen über die Wunder Gottes. Das heißt, dass wir solche Zeichen des Heils schauen möchten. Sie sind Bestätigung dafür, dass Gott auch heute gegenwärtig ist in dieser Welt. Und wenn wir hinschauen, werden wir viele dieser Wunder sehen. Das größte geschieht in jeder Heiligen Messe, wenn ein einfaches Stückchen Brot zum Leib Christi wird.
Gott soll den Menschen vom Weg der Lüge fernhalten. Dies gilt für die Juden damals als auch für uns heute: Ein Leben nach dem Willen Gottes ist ein Leben in Wahrhaftigkeit. Wenn wir uns selbst belügen, leben wir in einer Illusion, die uns nicht zum Vater führt. Erst wenn wir die Welt sehen, wie sie ist, vor allem uns selbst real sehen, dann erst können wir ins Reich Gottes eingehen. Denn diese reale Selbstsicht heißt Demut. Diese bedeutet zugleich, die eigene Armut zu erkennen und alles vom Vater zu erbitten. Das ist die Haltung eines Kindes, die uns in das Reich Gottes bringt.
Gott möge den Menschen mit seiner Weisung begnadigen. „Weisung“ heißt jüdisch gesehen zunächst die Torah. Die Weisung ist für uns heute aber noch viel mehr, denn in Christus ist sie Fleisch geworden. Die Begnadigung wird uns also vielmehr durch Jesus Christus geschenkt, der durch seinen Kreuzestod die Menschen erlöst und vor Gott gerecht gemacht hat.
„Ich wähle den Weg der Treue“ ist das Jawort gegenüber Gott, das wir jeden Tag erneuern müssen. Es ist die Entscheidung, Gott zu lieben und aus diesem Grund, seinen Willen zu tun. Es ist ein Jawort analog zum Ehebund. Liebe ist eine Entscheidung, eine Bejahung des zu Liebenden.
Dieser hier betende Knecht kann im Kontext der heutigen Lesung sehr gut mit Stephanus identifiziert werden. Er ist wirklich ein treuer Knecht Gottes, der erfüllt ist mit den Gaben des Heiligen Geistes. Sein Ja für Gott lässt ihn erstrahlen wie einen Engel. Seine innige Beziehung zu Gott stößt jenen eifersüchtigen Juden auf, die Jesus nicht als den Messias anerkennen und Stephanus die Früchte seiner Verkündigung nicht gönnen. Und doch erhält Stephanus bis zum letzten Atemzug dieses Jawort aufrecht. Er hat sich wirklich ganz für die Treue gegenüber Gott entschieden und die Mächtigen Jerusalems nicht gefürchtet.

Joh 6
22 Am nächsten Tag stand die Menge am anderen Ufer des Sees; sie hatten gesehen, dass nur ein Boot dort gewesen war und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern ins Boot gestiegen war, sondern dass seine Jünger allein abgefahren waren.
23 Von Tiberias her kamen andere Boote in die Nähe des Ortes, wo sie nach dem Dankgebet des Herrn das Brot gegessen hatten.
24 Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus.
25 Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierhergekommen?
26 Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.
27 Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird! Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.
28 Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?
29 Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

Im Evangelium hören wir heute einen Ausschnitt aus der Himmelsbrotrede Christi. Sie ist ein Zeugnis für die Eucharistie.
Letzte Woche haben wir von der wunderbaren Brotvermehrung gehört. Jesus hat die Menschen dort schon für die Eucharistie sensibilisiert, die er im Abendmahlssaal und auf dem Golgota etablieren würde.
Dann fahren die Aposteln mit dem Boot ans andere Ufer des Sees auf Kafarnaum zu, als ihnen der bis dahin auf einem Berg verbliebene Jesus ihnen auf dem See zugelaufen kommt. Das hören wir heute alles nicht, sondern erst die Nachgeschichte einen Tag später. Die Menschenmassen verfolgen die Apostel und Jesus, kommen sogar mit Booten angereist, nur um Jesus wiederzusehen.
Sie suchen regelrecht nach ihm und finden ihn schließlich am anderen Ufer des Sees in Kafarnaum. Zunächst waren sie an den Ort der Brotvermehrung zurückgekehrt. In Kafarnaum fragen sie ihn, wann er dort hingekommen sei (sie haben nicht mitbekommen, dass Jesus plötzlich über den See gewandelt ist).
Jesus antwortet sehr entlarvend: Sie haben sich nicht die ganze Mühe gemacht, ihn zu finden, weil er Zeichen getan hat, sondern wegen der Brote, die sie gesättigt haben. Er spricht hier eine allzu menschliche Haltung an: Wo es etwas zu essen und vor allem etwas umsonst gibt, kommen die Menschen in Scharen. Gerade Nahrung ist etwas Lebensnotwendiges, das man Tag für Tag neu verdienen muss. Gerade jene, die in nicht so guten Verhältnissen leben, müssen umso mehr Mühe aufwenden, das tägliche Brot zu erhalten und so für sich und ihre Familie zu sorgen. Das ist an sich ja nichts Schlechtes und Jesus sagt es nicht, um die Menschen zu entwürdigen, die etwas ganz Natürliches getan haben. Wir müssen bedenken, dass sie einmal weniger hart arbeiten mussten, um sich zu sättigen. Sie durften wenigstens an jenem Tag den Folgen der Erbsünde entgehen, über die es heißt: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen (Gen 3,19).“ Einmal ernten, was man nicht gesät hat! Das gönnt Jesus den Menschen durchaus, aber worauf er hinaus möchte, ist etwas ganz anderes: Er möchte die Menschen auf die übernatürliche Speise vorbereiten. Das war der Zweck seiner wunderbaren Brotvermehrung. Stattdessen haben die Menschen nur das Brot an sich gesehen, nicht die Zeichenhaftigkeit, die auf etwas Größeres hinweist.
Ihre mangelnde Erkenntnis, nicht das Essen von geschenktem Brot, kritisiert Jesus.
Die Speise, die für das ewige Leben bleibt, ist die Eucharistie. Sie ist es, die auch uns nährt auf dem Weg in die Herrlichkeit Gottes. Sie zu erhalten, sollte das höhere Gut sein, denn sie dient dem ewigen Leben. Dieses ist viel erstrebenswerter als das vorübergehende irdische Leben und deshalb jede Mühe wert.
Jesus ist der Menschensohn, der den Menschen diese Speise geben wird. Es ist zukünftig formuliert, weil es noch aussteht. Einerseits verweist er mit dieser Aussage auf die Einsetzung der Eucharistie im Abendmahlssaal, auf die Besiegelung des Neuen Bundes am Kreuz von Golgota einen Tag später, auf die Eucharistie, die die Christen damals und wir bis heute feiern. Er ist es bis heute, der dieses größte Heilsmittel aller Zeiten spendet. Der Priester tut es „in persona Christi“. Seine Hände, seine Stimme, seine Person sind Werkzeug Christi, durch die er selbst die Eucharistie schenkt.
Das Bild des Siegels, das Jesus hier verwendet, ist im antiken Verständnis wichtig im Kontext von Herrschaft (jeder König hat ein Siegel, mit dem er offizielle Dokumente besiegelt). Es ist auch wichtig im Kontext von Gericht und Testamenten (so werden Aussagen und Testamente von Zeugen beglaubigt, wofür auch Siegel eingesetzt werden). Schließlich sind Siegel in der Antike entscheidend bei der Markierung von Eigentum. Was ein bestimmtes Siegel besitzt, gehört dem Siegelträger. Jesus ist beglaubigt vom Vater mit seinem ganzen Sein, mit seinem Tun, mit seinem Auftreten. Das Siegel des Allmächtigen selbst ist ihm aufgedrückt – er hat die höchste Autorität und auch die größte Glaubwürdigkeit. Er gehört ganz dem Vater, denn sie sind ganz eins. Und auch wir, die wir durch die Taufe das Siegel des allmächtigen Gottes in unsere Seele eingeprägt bekommen, gehören ganz ihm als seine geliebten Kinder und Erben im Reich Gottes.
Die Menschen haben aufmerksam seinen Worten gelauscht. Nun fragen sie, was sie tun müssen, um die Werke Gottes zu vollbringen. Sie möchten Gott gefallen und seinen Willen tun. Sie sind nicht beleidigt und ziehen ab, weil Jesus ihr Essen des Brotes irgendwie kritisiert hat. Sie möchten aus Jesu Worten Konsequenzen für ihr Leben ziehen. Und so antwortet Jesus ihnen, dass sie an ihn glauben sollen. Er ist es, den der Vater gesandt hat. Wer an Jesus Christus glaubt, lässt sich auf seinen Namen hin taufen. Das wird das äußere Zeichen für den Glauben an ihn darstellen. All dies wird erst geschehen, nachdem Jesus den Neuen Bund besiegelt hat am Kreuz und nachdem er von den Toten auferstanden, in den Himmel aufgefahren und den Heiligen Geist gesandt hat. Der Glaube an Jesus Christus ist den Anwesenden aber schon jetzt möglich.

So fragen wir heute mit den Anwesenden: Herr, was sollen wir tun? Und auch uns sagt Jesus heute: Glaube an mich, den Menschensohn, der dir die Nahrung für das ewige Leben spenden möchte. Tue alles dir Mögliche, um sie zu erhalten.
Das ist in unserer heutigen Situation nicht so einfach, denn wir dürfen die Speise nicht empfangen, höchstens in geistiger Form. Und doch möchte der Herr uns auch heute besondere Gnaden erweisen. Fragen wir jeden Tag und in jeder Situation neu nach dem Willen Gottes. Halten wir fest an ihm, der uns ein neues ewiges Leben geschenkt hat, egal was kommt. Dann werden wir so wie Stephanus direkt in die Arme Gottes aufgenommen. Halten wir ganz an ihn, den Gott durch sein eigenes Siegel beglaubigt hat. Ihm können wir wirklich ganz vertrauen, weil er wahres Zeugnis ablegt im Gegensatz zu Menschen, die von Neid und Eifersucht getrieben sogar Falschaussagen tätigen wie in der Apostelgeschichte heute.
Er ist der wahre und treue Zeuge und seine Speise ist wirklich die Nahrung für das ewige Leben.

Ihre Magstrauss

Markus Evangelist (Fest)

1 Petr 5,5b-14; Ps 89,2-3.6-7.16-17; Mk 16,15-20

1 Petr 5
5 Ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt Stolzen entgegen, Demütigen aber schenkt er seine Gnade.
6 Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist!
7 Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!
8 Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.
9 Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder und Schwestern in der Welt die gleichen Leiden ertragen.
10 Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.
11 Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen.
12 Durch Silvanus, den ich für einen treuen Bruder halte, habe ich euch kurz geschrieben: Ich habe euch ermahnt und habe bezeugt, dass dies die wahre Gnade Gottes ist, in der ihr stehen sollt.
13 Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.
14 Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe! Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!

Heute feiern wir das Fest des Evangelisten Markus. Der Überlieferung nach handelt es sich bei Markus um den Petrus- und Paulusbegleiter Johannes Markus, der die Informationen für sein Evangelium von Petrus selbst hat. Deshalb hören wir heute sowohl aus eben jenem Evangelium als auch aus dem ersten Petrusbrief. Am Ende des Briefes wird unter anderem Markus erwähnt, den Petrus als seinen Sohn bezeichnet.
Der Brief behandelt unter anderem das Thema Hierarchie, vor allem die Einordnung der Getauften in das staatliche System. Sie gehören als Getaufte schon der Ewigkeit an, müssen aber in der Welt leben, in der Fremde, wie Petrus gerne zur Welt sagt.
Es geht um verschiedene Ebenen von Unterordnung. So behandelt er auch das Leben in der Familie oder wie hier zu Anfang des Abschnitts in der Gemeinde.
Er betont zunächst, dass die Christen sich ihren Ältesten unterordnen sollen (das griechische Wort ist presbyteros, wovon das Wort „Priester“ sich ableitet). Zugleich sollen die Gemeindemitglieder einander in Demut begegnen, das heißt unabhängig von ihrem Amt oder ihrer Weihe, ihrem Status einander dienen. Die dienende Hingabe ist gottgefällig und „Gott tritt Stolzen entgegen.“ Die Gnade fließt, wo der Mensch demütig ist. Das kann Petrus absolut von sich selbst sagen. Als er hochmütig und in totaler Selbstüberschätzung lebte, konnte Gott ihn noch nicht zum Felsen seiner Kirche machen. Erst als er gedemütigt wurde, seine eigene Armut sah und voller Reue über seine Verleugnung Christi diesem seine Liebe zusagte (Herr, du weißt, dass ich dich liebe), konnte Christus zu ihm sagen: „Weide meine Schafe“.
Wenn wir uns beugen unter die Hand Gottes, die die einzig wahre Macht ist, werden wir erhöht. Das ist mit Christus geschehen, den der Vater erhöht hat über alle anderen, weil er freiwillig in die tiefste Schande gegangen ist. Dies ist der Fall bei allen Aposteln, die ihr Leben hingegeben haben für Christus und für ihn den Märtyrertod gestorben sind (außer Johannes). All die Christen, die verspottet worden sind aufgrund ihres Glaubens, die gesellschaftliche Nachteile erlitten haben und erleiden, die verfolgt werden. Aber auch jene, die ihren Glauben frei leben können und sich ganz aufgeopfert haben für den Nächsten, die sich ganz klein gemacht haben, obwohl sie vor der Welt ganz groß waren (Franziskus, Ignatius von Loyola, Edit Stein, Mutter Teresa etc.). Sie haben sich ganz unter die Hand Gottes begeben und nun wähnt die Kirche sie bei Gott.
„Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!“ Das ist ein tröstliches Wort, das auf Jesus zurückverweist, der den Menschen gesagt hat: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Gott kümmert sich wirklich um jedes seiner Kinder – und zwar so, als ob es das einzige Kind wäre. Er richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf jeden Einzelnen. Keines seiner Kinder wird vernachlässigt. Wir müssen seine Aufmerksamkeit, seine Fürsorge, seine Hilfe aber auch von uns aus suchen und beanspruchen. Das fällt vielen Menschen schwer. Menschen möchten gerne alles selbst machen und sind zu stolz, die Hilfe Gottes in Anspruch zu nehmen. Es wird dann Autonomie genannt, Mündigkeit und Reife. Dabei ist es Torheit, weil die menschliche Natur von Schwäche geprägt ist und eben nicht alles unter Kontrolle haben kann.
„Seid nüchtern, seid wachsam!“ Wir leben in der Endzeit und die Zustände werden immer schlimmer und gottloser. Es ist wichtig, aufmerksam zu beobachten, was um uns geschieht. Wir müssen die Entwicklungen zur Kenntnis nehmen, damit wir ihnen nicht anheimfallen. Wenn wir im Rausch der Welt verbleiben, merken wir nicht, wie wir mit der Masse von Gott weggezogen werden und der Taktik des Bösen auf den Leim gehen. Wachsamkeit und Nüchternheit haben beide nichts mit Angst und Panik zu tun. Wir müssen alles beobachten und richtig einordnen, aber wir brauchen uns nicht zu fürchten. Was kann uns schon passieren? Selbst wenn unser Leben genommen wird, ist es doch nur das irdische Dasein. Unseren Glauben kann man uns nicht nehmen, auch nicht das ewige Leben bei Gott!
Der Böse ist sehr aggressiv in dieser Zeit – das heißt in der angebrochenen Endzeit. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit und er versucht alles, um uns Menschen von Gott wegzuführen. Das wird hier bildhaft mit dem Verschlingen ausgedrückt. Der Satan ist wie ein brüllender Löwe, er ist angsteinflößend und kommt majestätisch daher. Dabei ist er im Vergleich zu Gott nicht mehr als ein jaulendes Kätzchen. Sobald der Mensch die Angst vor ihm verliert, ist er schon größtenteils entmachtet. Geben wir ihm keine Chance!
Alle kämpfen den gleichen Kampf. Alle müssen leiden wegen dem Bösen, der die Menschen von Gott wegzieht. Und alle müssen denselben Widerstand leisten. Die Absage gegen den Bösen und die Waffen gegen ihn sind mächtig. Sie bestehen im Wesentlichen in den Heilsmitteln der Kirche, die ausrüsten gegen den Satan.
Das Leiden wegen der satanischen Angriffe ist zeitlich streng umrissen. Das tröstet, weil der Leidende Licht am Ende der Tunnels erhoffen darf. Und in dieser Zeit rüstet Gott mit allen Gnadenmitteln aus, mit den Sakramenten und Sakramentalien, die der Christ benötigt. („Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch (…) wieder aufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.“).
Diese Zusage schließt er ab mit einer Gebetsformel („Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen“).
Zum Ende hin erwähnt Petrus, dass Silvanus (das ist ein anderer Name für Silas, den wir auch von Paulus kennen) den Brief für ihn abgefasst hat. Durch ihn hat Petrus sich an die Adressaten gerichtet.
Er fasst nochmal zusammen, wozu er die Gemeinden ermahnt hat („dass dies die wahre Gnade ist, in der ihr stehen sollt“).
Dann kommen noch abschließende Grüße und hier kommt nun der Name des Markus ins Spiel.
„Es grüßt euch die mitauserwählte Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.“ Die „mitauserwählte Gemeinde“ sagt aus, dass auch die Gemeinde des Petrus zu den Erwählten zählt (für ihn ein Begriff der Berufenen durch die Taufe, ein Begriff für die Erben im Reich Gottes). Mit Babylon wird eine Chiffre ausgesagt, die in der Bibel oft für Rom verwendet wird. So ist es auch in der Johannesoffenbarung. Petrus ist in Rom, er leitet dort die Gemeinde. Es grüßt auch Markus, der wohl bei Petrus in Rom ist. Wenn Petrus ihn seinen Sohn nennt, ist das nicht biologisch gemeint, sondern geistlich. Die Kirche ist Familie Gottes und die Jünger, die die Apostel begleiten, neu zum Glauben kommen oder einfach jünger sind als ihre Mentoren, werden oft als Kinder bezeichnet. Es ist eine liebenswürdige Bezeichnung, schon fast ein Kosename.
Es endet mit einer üblichen Formel: „Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe!“ bezieht sich dabei auf ein gutes Verhältnis der Gemeindemitglieder zueinander. Sie sollen friedlich miteinander reden und keinen Streit haben. Der Kuss der Liebe, der auch oft als heiliger Kuss bezeichnet wird (so bei Paulus), meint die Geste des Friedensgrußes in der Liturgie. Die Mitglieder sollen sich gut vertragen. Dazu passt dann auch der letzte Satz „Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!“ Es soll Friede bei den Christen sein, der Friede Gottes, die übernatürliche Gabe, die der Heilige Geist spendet. Er schenkt einen Frieden, den die Welt nicht geben kann und der durch die Versöhnung wirksam wird.

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
6 Die Himmel preisen deine Wunder, HERR, und die Versammlung der Heiligen deine Treue.
7 Denn wer im Gewölk gleicht dem HERRN, ist dem HERRN ähnlich unter den Söhnen der Götter?
16 Selig das Volk, das den Jubelruf kennt, HERR, sie gehen im Licht deines Angesichts.
17 Sie freuen sich allezeit über deinen Namen und sie jubeln über deine Gerechtigkeit.

Der Psalm des heutigen Festtags ist ein Lobpreis Gottes. Er beginnt wie üblich mit einer Selbstaufforderung zum Lob, das in dem ewigen Gesang von der Huld Gottes besteht. „Von Geschlecht zu Geschlecht“ zeigt, dass es über den Psalmisten hinausgeht. Er lebt ja nur ein Leben und bekommt ja nicht mehrere Geschlechter, also Generationen, mit.
Es ist ein Gebet des Volkes Israel zu jeder Zeit, in jeder Etappe der Heilsgeschichte. Gott hat zu jeder Zeit Pläne des Heils und hilft seinem Volk aus allem heraus.
Seine Huld ist Anlass zu dem Bekenntnis, dass Gott der ewig Treue ist.
Die ganze Schöpfung preist Gott, auch die Natur. „Die Himmel“ bezieht sich überdies auf die unsichtbare Welt, die ebenfalls Schöpfung Gottes ist, bestehend aus den Engeln. Auch die Heiligen preisen ihn. Es ist ein einziger Lobpreis im Himmel und auf der Erde, ein gemeinsames Besingen der Güte Gottes.
Keiner kann sich mit Gott messen, auch die mächtigen Engel sind viel niedriger als Gott. Keiner kann sich mit ihm vergleichen, sondern kann ihn nur lobpreisen.
Wir beten, dass das auserwählte Volk (הָ֭עָם ha’am) sich freuen kann, das den Jubelruf kennt (תְרוּעָה teru’ah heißt auch „Kriegsgeschrei“). „Im Licht deines Angesichts“ ist eine Umschreibung für den Stand der Gnade. Das auserwählte Volk hat den Segen Gottes, wenn es ihn stets lobt und preist, in seinem Namen jauchzt und Gottes Gerechtigkeit anerkennt. Dann geht es im „Licht seines Angesichts“. Dann ist es im Stand der Gnade und auch wir.
Verbunden mit Gottes Namen ist die Freude und der Jubel. Gott kann nur glücklich machen. Wir können nur jubeln, wenn wir erkannt haben, was Gott auch bis heute Gutes tut. Seine Pläne sind wirklich stets Heilspläne.

Mk 16
15 Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!
16 Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden.
17 Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;
18 wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.
19 Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.
20 Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

Im Evangelium hören wir den Abschluss des Markusevangeliums. Er lässt sich einbetten in die Osterzeit, denn wir hören von Jesu letzten Worten, bevor er in den Himmel auffährt.
Es ist der Auftrag an die Jünger, in die ganze Welt hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden. Das meint nicht nur die Apostel, sondern auch den weiteren Jüngerkreis. Es wird so kommen, dass jeder Christusgläubige von seiner Liebe sprechen wird und das Christentum sich durch die römische Infrastruktur rasch verbreiten wird.
„Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“ – die Taufe ist das äußere Zeichen des Glaubens an Christus. Deshalb wird beides getrennt an dieser Stelle genannt. Es ist logisch, dass wer zum Glauben gekommen ist, sich auch taufen lassen will. Die Rettung besteht in einem Leben in Ewigkeit, im Himmelreich. „Wer nicht glaubt, wird verurteilt werden.“ Das bedeutet, dass die Ungläubigen das ewige Leben nicht haben werden. Sie bleiben ewig von Gott abgeschnitten, was wir Hölle nennen. Jesus spricht hier eindeutige Worte. Die Taufe ist heilsnotwendig, weil der Glaube an Gott es ist. Deshalb sollen alle mit der Botschaft des Evangeliums in Kontakt kommen, damit sie dieses ewige Leben haben. Alle sollen gerettet werden, denn Christus ist für alle Menschen gestorben. Der Neue Bund ist besiegelt worden für jeden einzelnen Menschen.
Die Getauften werden folgende Zeichen im Namen Gottes tun: Exorzismus, Zungenrede, Unversehrtheit in Gefahr, Krankenheilung. Diese Dinge sind nicht an eine sakramentale Weihe gebunden, sondern hängen mit der Taufe zusammen (Taufe und Firmung, denn in der ersten Zeit werden beide Sakramente als ein gemeinsames angesehen). Wer den Heiligen Geist empfängt, der wird mit seinen Charismen beschenkt. Zu diesen gehören die aufgezählten Zeichen. Der Befreiungsdienst erfährt in heutiger Zeit eine immer größere Dimension und wird zunehmend professionalisiert. Befreiungsgebete darf jeder sprechen, aber für die Aposteln hat Jesus an anderer Stelle den expliziten Auftrag, Exorzismen durchzuführen. Solche dürfen dann nur von Bischöfen oder bischöflich Beauftragten Priestern durchgeführt werden. Das ist ein Unterschied (diese Exorzismen müssen nach einem festgelegten Ritus geschehen, einfache Befreiungsgebete darf jeder Getaufte beten und gestalten, wie er möchte).
Dann geht Jesus heim zum Vater, um sich zu dessen Rechten niederzulassen. So beten wir es im Glaubensbekenntnis.
Die Jünger setzen gehorsam um, was Jesus ihnen aufgetragen hat. Sie verkünden überall (gewiss geschieht das erst nach dem Pfingstereignis, das hier nicht erwähnt wird).
Und so wie Jesus seine Verkündigung durch Heilstaten unterstrich, wodurch die meisten Menschen überhaupt erst gläubig geworden sind, so ist es mit der Verkündigung seiner Jünger, die von Heilstaten im Namen Jesu begleitet werden. Der Herr steht ihnen bei allem bei, weil er ihnen versprochen hat, immer bei ihnen zu sein. Dies wird uns im Matthäusevangelium zum Schluss explizit gesagt.

Petrus und Markus, sein „Sohn“ haben diesen Auftrag Jesu Christi gewissenhaft umgesetzt. Sie sind bis nach Rom gegangen, um dort das Evangelium Jesu Christi zu predigen und die Gemeinde aufzubauen. Markus hat die Augenzeugenberichte des Petrus aufmerksam gehört und in sein Evangelium geschrieben, um die vielen Heilstaten und Worte Jesu Christi schriftlich festzuhalten. Es musste für die Nachwelt gesichert werden. Man merkt am Evangelium, dass Markus unsortiert mitgeschrieben hat – ganz so, wie Petrus mündlich erzählt und dabei natürlich von Thema zu Thema springt, je nach Situation. Man spürt förmlich, wie der Evangelist es so ungeändert wie möglich belässt, damit dieser Stil beibehalten wird.

Danken wir Gott für diesen Menschen, der Petrus und Paulus zugleich nahestand, der vieles von der frühchristlichen Mission mitbekommen hat und für uns so wichtige Worte schriftlich festgehalten hat. Danken wir Gott dafür, dass die Jünger Jesu Christi dessen Auftrag so ernst genommen und weltweit das Evangelium verkündet haben. Sonst wäre das Christentum nicht zu uns gekommen.

Ihre Magstrauss

Ostermontag

Apg 2,14.22-33; Ps 89,2-3.4-5; 1 Kor 15,1-8.11; Lk 24,13-35

Apg 2
14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte!
22 Israeliten, hört diese Worte: Jesus, den Nazoräer, einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat durch Machttaten, Wunder und Zeichen, die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst –
23 ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
24 Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
25 David nämlich sagt über ihn: Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke.
26 Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen;
27 denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen.
28 Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.
29 Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag.
30 Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen,
31 sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gab ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaute die Verwesung nicht.
32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.
33 Zur Rechten Gottes erhöht, hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen und ihn ausgegossen, wie ihr seht und hört.

Heute geht die Osterfreude weiter. In der ersten Lesung hören wir einen Ausschnitt aus Petrus‘ Ansprache am Pfingsttag. Erfüllt vom Hl. Geist geht ihm auf, dass die Ankündigungen der Hl. Schriften (zu seiner Zeit meint dies das Alte Testament) sich wirklich mit Jesus erfüllt haben. Er erkennt nun die Verbindungslinien, weil es ihm wie Schuppen von den Augen fällt. Zuvor hat er vieles noch gar nicht verstanden. Der Geist Gottes führt die Apostel aber nun in die Wahrheit, wie Jesus bereits angekündigt hat.
Nun hält Petrus also eine Ansprache und diese ist im Grunde eine Taufkatechese. Im Anschluss an diese kraftvolle Predigt lassen sich nämlich sehr viele Menschen taufen.
Er erinnert die Israeliten an die Heilstaten Jesu Christi, die Gott vor ihren eigenen Augen beglaubigt hat. Jesus hat nie okkult (verborgen, im Geheimen) gehandelt, sondern immer in der Öffentlichkeit gesprochen und gewirkt. Es gab immer sehr viele Zeugen für seine Zeichen.
Nun ist die Zeit gekommen, all die Zeichen im Lichte der Heilsgeschichte als messianisch zu erkennen. Die Menschen sollen vor allem den Tod und die Auferstehung Jesu Christi als Erfüllung der Verheißungen begreifen („der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde“).
Petrus ist klar, dass die Zuhörer seiner Predigt selbst Jesus nicht umgebracht haben, sondern dass dies auf die religiöse Elite Jerusalems zurückzuführen ist. Wenn er in seiner Pfingstrede also nun sagt: „Habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht“, dann möchte er verdeutlichen, dass jeder, der „Kreuzige ihn!“ geschrien hat, mitverantwortlich ist. Wenn er das sagt, dann schließt er sich selbst mit ein. Schließlich hat er in der für ihn nachteiligen Situation Jesus verleugnet und behauptet, ihn nicht zu kennen.
Petrus meint mit „Gesetzlosen“ die Römer, die nicht beschnitten sind und die Torah nicht halten. Diese ist aber mit „Gesetz“ gemeint.
„Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.“ Durch den Hl. Geist, dem Geist des Lebens, ist die Auferstehung Jesu Christi erwirkt worden. Er konnte nicht ewig im Grab bleiben, denn er ist Gott und dieser ist ein Gott des Lebens. Der Tod hat keine Macht über ihn. Dass er leben werde, sagt schon König David vorher, als er unter dem Einfluss des Hl. Geistes die Worte des Psalm 16 gedichtet hat: „Ich hatte den Herrn beständig vor Augen. Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke. Darum freute sich mein Herz und frohlockte meine Zunge und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen; denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen. Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt, du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.“ Gott gab seinen Sohn der Unterwelt wirklich nicht preis, obwohl dieser dort hinabgestiegen ist. Er ging zu den Gerechten, die sehnlichst auf ihn warteten, um endlich die Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. Er führte sie aus dem Exil in die himmlische Heimat. Und er erstand von den Toten, noch bevor die Verwesung einsetzen konnte. Er schaute die Verwesung wirklich nicht, er, der frommste der Frommen.
Und so wie er Jesus die Wege zum Leben gezeigt und mit Freude erfüllt hat (die Freude des Himmels), so wird er es auch mit jenen tun, die ihm nachfolgen – mit uns, die wir auf seinen Tod und seine Auferstehung getauft worden sind.
Petrus erklärt nach der ausführlichen Zitation des Psalms, dass es sich nicht auf David selbst beziehe, der ja gestorben ist. Vielmehr hat David selbst schon auf seinen Nachkommen verwiesen, der Jesus Christus ist. Er ist Sohn Davids.
Petrus selbst und die anderen Apostel haben den Auferstandenen mit eigenen Augen gesehen. Sie sind Zeugen dafür, dass Jesus lebt. Diesen glauben sie nun an der Rechten des Vaters, was wir bis heute im Glaubensbekenntnis beten. Von ihm, dem erhöhten Christus, ging der Heilige Geist aus, den die Apostel am Pfingsttag in umfassendem Maße empfangen haben.
„Wie ihr seht und hört“ bezieht sich auf die Manifestationen des Heiligen Geistes, die die Jerusalempilger an jenem Tag gesehen und gehört haben – das Brausen, die Sprachen etc.
Bis zu jenem Ereignis versteckten die Apostel sich im Obergemach eines Hauses, ohne in die Öffentlichkeit zu treten. Doch der Geist Gottes verlieh ihnen die Früchte (z.B. Mut), Gaben (z.B. Einsicht) und Charismen (z.B. Sprachengebet), sodass sie von da an zu den Menschen gehen und freimütig das Evangelium verkünden können. Er hat ihnen ein neues Leben geschenkt, denn die Gemeinschaft der Gläubigen als Leib Christi, die Kirche, ist an jenem Tag zum Leben erweckt worden! Wir feiern an Pfingsten ihren Geburtstag. Der Geist Gottes ist ein Lebensspender. Dies gilt nicht nur für den auferstandenen Christus, das gilt auch für die ersten Christen damals und für uns Christen heute!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.

Nun beten wir im Anschluss an die Pfingstrede des Petrus einen Dankespsalm.
„Von der Huld des HERRN will ich ewig singen“ ist ein typischer Psalmenanfang – die Selbstaufforderung zum Lobpreis. Die Huld des HERRN ist so großartig, dass sie zu allen Zeiten besungen werden muss. Wir können gar nicht anders, es ist die einzig angemessene Reaktion von uns Menschen, auf Gottes große Gnade dankend zu antworten. Und so sind die Worte König Davids bis heute absolut aktuell. „Von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden“ – dies tun wir in jeder Hl. Messe auf dichteste Art und Weise. Eucharistie heißt „Danksagung“. Wir danken Gott für diese alles entscheidende Heilstat Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt mit Gott versöhnt hat.
„Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.“ Die Treue Gottes hat sich am dichtesten erwiesen am Ostertag. Sie ist am intensivsten spürbar geworden am leeren Grab. Gott hat den Menschen gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn nicht im Stich lässt, sondern wie versprochen das Leben schenkt. Wir dürfen glauben, dass er auch uns nicht im Stich lassen wird, wenn wir sterben und vor ihn treten, wenn wir ihm zeitlebens unsere Treue gehalten haben.
Ja, auf ewig gibt Gott dem Haus festen Bestand. Damit ist das Haus Davids gemeint. Jesus der Sohn Davids wird auf ewig leben und nicht nur das. Er erhält den Thron, denn er ist König im Reiche Gottes. Wir beten deshalb im Glaubensbekenntnis, dass er zur Rechten Gottes thront.
Mit dem Haus, das heißt dem Geschlecht Davids, ist nun die Kirche gemeint, die die Familie Gottes ist. Sie wird ewig Bestand haben, denn Gott selbst hat sie zum Leben erweckt. Was Gott aber geschaffen hat, wird ewig leben. Das ist die Botschaft von Ostern. Halleluja!

1 Kor 15
1 Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht.
2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen.
7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln.
8 Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.
11 Ob nun ich verkünde oder die anderen: Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

In der zweiten Lesung hören wir aus einem wichtigen Kapitel des ersten Korintherbriefes. Dort erklärt Paulus viele Aspekte zum Thema Auferstehung.
Dabei betont er am Anfang, dass das Fundament des Glaubens, den auch die Korinther angenommen haben, die Osterbotschaft ist. Sie nämlich ist der Kern des gesamten Evangeliums.
Wer an diesem Evangelium festhält, wird gerettet werden. Die Bejahung des Evangeliums wiederum geschieht durch die Taufe als äußeres Zeichen des inneren Glaubens. Und deshalb wiederholt er es noch einmal, falls der ein oder andere diese Botschaft unüberlegt angenommen hat.
Dann hören wir aus der ältesten Osterüberlieferung, die das Neue Testament tradiert. Paulus selbst hat sie schon von woanders empfangen, also ist sie sehr alt, das heißt sehr nah an dem Osterereignis selbst dran.
„Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift“ – ja, das ist der Grund – entgegen aller theologischen Bemühungen heutzutage, den Sühnetod wegzuargumentieren. Jesus ist für unsere Sünden gestorben, für jeden einzelnen Menschen!
Die Wendung „gemäß der Schrift“ verdeutlicht uns, dass es schon das Alte Testament angekündigt hat. Das ist wichtig, weil es den frommen Juden zeigt, dass Jesu Tod und Auferstehung heilsgeschichtlich entscheidend ist und sogar den Höhepunkt der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen darstellt.
„Jesus ist begraben worden.“ Das heißt, er war wirklich komplett tot, nicht scheintot, nicht ohnmächtig oder gar nicht erst gestorben. Er ist wirklich gestorben, was für unsere Erlösung absolut notwendig war. Er konnte nicht erlösen, was er nicht selbst durchgemacht hat. Deshalb musste er ganz sterben.
Er ist dann aber am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift.“ Petrus hat diese Schriftstellen teilweise zitiert, als er am Pfingsttag vor die Menschen getreten ist. Jesus selbst hat dies angekündigt, indem er immer wieder Leidensankündigungen vorgenommen hat. Die Apostel haben es damals nicht verstanden, doch nun ist ihnen alles klar.
Er erscheint dem Kephas (also Petrus), dann den Zwölf, sogar 500 Brüdern gleichzeitig. Das kann also keine Einbildung sein, keine Fata Morgana oder Halluzination. Viele der Augenzeugen leben noch zur Zeit des Paulus.
Mit Jakobus ist der „Herrenbruder“ Jakobus gemeint, der die Jerusalemer Gemeinde nach der Abreise des Petrus geleitet hat. Er ist Verwandter Jesu, deshalb heißt er auch „Herrenbruder“. Wir wissen von dem biblischen Zeugnis, dass es sich dabei um den Sohn einer anderen Maria und des Kleopas handelt, der übrigens einer der Emmausjünger ist. Diese andere Maria kann kaum die Schwester der Mutter Jesu sein (diese war laut Protevangelium des Jakobus ohnehin Einzelkind). Es wird sich vielleicht um die Cousine der Mutter Jesu gehandelt haben, also ist Jakobus Jesu Cousin zweiten Grades. Und doch ist es im orientalischen Kontext normal, Bruder zu sagen (Es gibt damals auch nur ein Wort für Bruder, Cousin etc.). Mit „Familie“ ist mehr gemeint als die gerade Linie, wie wir es aus unserem Kontext kennen. Damit ist vielmehr die Großfamilie gemeint.
„Zuletzt erschien er auch mir, gleichsam der Missgeburt.“ Das bezieht sich auf Pauli Begegnung mit Christus vor den Toren von Damaskus. Paulus nennt sich einerseits Missgeburt, weil er sich selbst als den geringsten Apostel erachtet. Er hat schließlich die Christen zunächst verfolgt und somit Christus selbst verfolgt. Er nennt sich andererseits so, weil das griechische Wort ἔκτρωμα ektroma „unzeitige Geburt“ heißt. Es bezieht sich aber in seinem Fall nicht auf die biologische Geburt, sondern auf die Wiedergeburt im Hl. Geist. Seine Bekehrung kommt spät, ist also unzeitig im Gegensatz zu den anderen Aposteln.
Zum Schluss sagt Paulus noch ein wichtiges Wort: Es spielt keine Rolle, ob er selbst diese Botschaft verkündet oder ein anderer. Es ist und bleibt dieselbe Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod. Diese Wendung formuliert er deshalb, weil es in Korinth ja die Rivalitäten und Parteien gibt (die einen halten zu Paulus, die anderen zu Apollos, die anderen zu Kephas…).
Dank Paulus haben wir diese uralte Überlieferung erhalten. Sie bestätigt, was wir glauben – dass Jesu Auferstehung eine historische Tatsache ist, die nachträglich nicht symbolisiert werden kann. Jesus ist leibhaftig auferstanden und so werden auch wir es!

Lk 24
13 Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.
31 Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Im Evangelium hören wir nun von dem Emmausereignis. Kleopas, von dem wir vorhin schon gehört haben, ist unterwegs mit einem weiteren Jünger. Sie sind unterwegs nach Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt. Sie planen, über Nacht in einem Haus einzukehren.
Als sie unterwegs über die ganzen Ereignisse reden, stößt der auferstandene Christus zu ihnen. Sie erkennen ihn aber nicht. Das ist nicht ungewöhnlich. Auch Maria Magdalena hat ihn nicht erkannt und sogar gedacht, er sei der Gärtner (das bringt mich jedesmal zum Lachen…). Das liegt daran, dass Jesu Leib nach der Auferstehung ein anderer ist als vor seinem Tod. Sein Aussehen müssen wir uns so vorstellen, dass er wie das erste Menschenpaar vor dem Sündenfall ist – nicht ganz, da er noch nicht zum Vater heimgekehrt ist, wo er verherrlicht wird (also in ein so helles Lichtkleid gehüllt ist, wie er es bei der Verklärung auf dem Berg Tabor war).
Er fragt nun nach, worüber sie reden. Er weiß natürlich ganz genau, worum es geht, aber Jesus geht es immer darum, dass die Menschen von sich aus selbst Dinge aussprechen, mit eigenen Worten etwas bekennen (so auch beim Sakrament der Buße).
Die Jünger sind traurig. Das ist aber nicht die richtige Reaktion auf das Osterereignis. Jesus kritisiert ihre mangelnde Erkenntnis und erklärt ihnen ausgehend von den Propheten, von all den messianischen Verheißungen, dass sein Tod und seine Auferstehung notwendig waren, um die Welt von ihren Sünden zu erlösen.
Den Jüngern dämmert es und im Nachhinein werden sie auch sagen: „Brannte uns nicht das Herz, als der Herr unterwegs mit uns redete?“ Das Wort Gottes zu hören, es erklärt zu bekommen – all das entzündet in uns schon das Feuer seiner Liebe. Aber „erkennen“ können wir Christus erst so richtig, wenn er vor unseren Augen das Brot bricht, in der Eucharistie. Dann gehen auch uns die Augen auf und wir erkennen den Auferstandenen.
Doch zunächst noch einmal zurück zum Weg. Gott begleitet auch uns auf unserem Lebensweg, auch wenn wir ihn manchmal gar nicht erkennen. Er spricht durch die Heilige Schrift zu uns, auch gerade durch jene, die sie für uns auslegen. Gott schickt uns auf unserem Lebensweg Menschen, durch die er uns etwas sagen möchte – ob Kritik, Lob, Trost, Ermutigung oder Warnung.
Die Kirche ist ebenfalls unterwegs – zum himmlischen Emmaus am Ende der Zeiten. Sie ist das pilgernde Gottesvolk, das gegürtet und mit dem Stab in der Hand das Passahlamm isst – Jesus Christus, den eucharistischen Herrn. Und unterwegs zur Begegnung mit dem Leib Christi hört auch sie das Wort Gottes, dass auf Christus vorbereitet, den die Christen dann in der Kommunion in sich aufnehmen. Deshalb ist die Liturgie im Emmaus-Stil aufgebaut: Zuerst kommt der Wortgottesdienst, dann der Mahlgottesdienst.
Als sie in Emmaus ankommen, möchte Jesus weitergehen, doch die Jünger bitten ihn, mit ihm im Haus einzukehren. Was sie zu ihm sagen, hat in der Wirkungsgeschichte mehrfache Vertonungen erfahren: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Es ist eine Bitte, die wir auf mehrfache Weise verstehen können. Es ist ein Bittgebet der gesamten Kirche darum, dass Jesus seine Braut nie verlasse. Der Tag, der sich geneigt hat und der Abend, der gekommen ist, sind Bilder für die Endzeit, die mit Christus angebrochen ist. Wir gehen der Ewigkeit entgegen. Diese bricht mit dem neuen Tag an. Im Übergang vom alten Tag der alten Schöpfung zum neuen Tag der neuen Schöpfung möge Christus uns beistehen und bei uns sein. Und auch jeder einzelne Christ bei seinem Lebenswandel bittet den Herrn, bei ihm zu bleiben – Tag für Tag und deshalb ist dieses Schriftwort auch ein Abendgebet. Es bezieht sich aber auch auf das gesamte irdische Dasein und wird so zum Abschiedsgebet des Lebens, wenn der Lebensabend angebrochen ist und die Nacht des Todes unmittelbar bevorsteht.
Als sie dann bei Tisch sind, tut Jesus genau das, was er schon beim letzten Abendmahl getan hat – ein Beweis, dass seine Gesten damals wirklich die Begründung eines neuen Bundes mit festem Ritus darstellt.
Von dem eucharistischen Mahl her haben sie im Nachhinein die Auslegung der Schriften verstanden. Es ist analog zu Petrus zu betrachten, der im Nachhinein erkennt, was Jesus die ganze Zeit über gemeint hat, als er von Leiden, Tod und Auferstehung gesprochen hat. Das ist der wunderbare Verstehensprozess der Menschen, den Gott geduldig mit ihnen geht – er erklärt ihnen vieles und sensibilisiert sie für jeden heilsgeschichtlichen Schritt. Durch seinen Heiligen Geist erinnert er sie dann zu späteren Zeiten an das, was er ihnen zuvor erklärt hat. So realisiert der Mensch nach und nach immer mehr von der Offenbarung Gottes.
Die Jünger bleiben nicht in Emmaus, sondern machen sich sofort auf den Heimweg nach Jerusalem, um den Aposteln und den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu erzählen. Dort erfahren sie zudem, dass Jesus auch ihnen erschienen ist.
Jesus ist nicht mehr so wie vor seinem Tod. Er kann an mehreren Orten gleichzeitig erscheinen und kann plötzlich verschwinden. Er kann durch geschlossene Türen hindurch in einem Raum erscheinen und ist doch kein Geist. Er kann nämlich essen und ist berührbar, wie wir bald in der Episode des Apostels Thomas explizit erfahren werden. Jesu Auferstehungsleib gibt uns Aufschluss darüber, wie der Mensch vor dem Sündenfall war.

Er erscheint Menschen, um ihnen die Osterbotschaft begreiflich zu machen. Wo, wann und wem er dabei erscheint, ist ganz im Willen des Vaters. Er lebt und deshalb haben wir allen Grund zu feiern!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 3. Woche der Fastenzeit

Dtn 4,1.5-9; Ps 147,12-13.15-16.19-20; Mt 5,17-19

Dtn 4
1 Und nun, Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide, die ich euch zu halten lehre! Hört und ihr werdet leben, ihr werdet in das Land, das der HERR, der Gott eurer Väter, euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen.
5 Siehe, hiermit lehre ich euch, wie es mir der HERR, mein Gott, aufgetragen hat, Gesetze und Rechtsentscheide. Ihr sollt sie innerhalb des Landes halten, in das ihr hineinzieht, um es in Besitz zu nehmen.
6 Ihr sollt sie bewahren und sollt sie halten. Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker. Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennenlernen, müssen sie sagen: In der Tat, diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk.
7 Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie der HERR, unser Gott, uns nah ist, wo immer wir ihn anrufen?
8 Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsentscheide, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege?
9 Jedoch, nimm dich in Acht, achte gut auf dich! Vergiss nicht die Ereignisse, die du mit eigenen Augen gesehen, und die Worte, die du gehört hast! Lass sie dein ganzes Leben lang nicht aus dem Sinn! Präge sie deinen Kindern und Kindeskindern ein!

Heute hören wir aus der großen Rede des Mose, aus dem das Buch Deuteronomium („zweites Gesetz“) besteht. Dort fasst er zum zweiten Mal die Weisung Gottes zusammen. Dabei ermahnt er zu Anfang der Lesung: „Und nun, Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide, die ich euch zu halten lehre!“ Das spricht Mose zwar zum Volk Israel als Ermahnung unmittelbar vor dem Einzug ins verheißene Land, aber es ist darüber hinaus eine Mahnung auch an uns, die Gebote Gottes zu halten, damit auch wir ins verheißene Land einziehen, moralisch gesehen der Stand der Gnade, anagogisch gesehen das Himmelreich am Ende unseres Lebens. Wir stehen unmittelbar vor dem Ende der Zeiten. Jesus hat uns gesagt, dass das Reich Gottes nahe ist. Es ist kurz vor zwölf.
Gott lässt die Menschen nicht allein und so gibt er ihnen mit der Inbesitznahme des Landes Regeln, aber nicht zur Einschränkung und Aufbürdung, sondern für ein friedliches Zusammenleben in optimaler Freiheit. So ist es auch mit uns, die die Gebote Gottes halten sollen. Gott möchte uns nicht einschränken und den Spaß verderben, sondern uns ein möglichst freies, erfülltes und friedliches Leben garantieren. Seine Gebote führen uns nämlich erst in diese Freiheit entgegen aller Vorurteile.
Wenn das Volk die Torah umsetzt, wird es den anderen Völkern zum Vorbild. Warum sie das überhaupt merken? Die Torah beinhaltet Gesetze, die zu jener Zeit absolut neuartig waren. Die Einschränkung der Rache auf das genaue Maß des Schadens (Auge für Auge) stellte zum Beispiel einen riesigen humanen Fortschritt dar. Ebenso die Bruderliebe und Solidarität des gesamten Bundesbuches fällt vor den Nachbarvölkern auf. Dies gilt nicht nur für das Alte Israel, sondern umso mehr für die ersten Christen. Die Heidenvölker, so ist es bei Tertullian belegt, bewunderten die Christen dafür, dass sie die Nächstenliebe auf so intensive Weise gelebt haben („Seht, wie sie einander lieben!“). Die absolute Vergebungsbereitschaft, die Feindesliebe und der Verzicht auf Rache sind vor den umliegenden Heiden aufgefallen. So sind die Christen durch das Halten der Gebote Gottes zu einer Stadt auf dem Berg geworden. Sie konnten nicht verborgen bleiben.
„Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie der HERR, unser Gott“ ist ein besonders eindrücklicher Satz, der den Kern des ganz anderen Verhaltens Israels im Gegensatz zu den Nachbarvölkern ausdrückt. Die radikale Liebe (für die Israeliten war die Bruderliebe und „Auge für Auge“ das mögliche Maximum) speist sich aus der innigen Beziehung zu Gott. Kein anderes Volk hat in diesem Maße ein barmherziges Gottesbild und insgesamt ein personales Du. Das können wir Christen umso mehr sagen, denen Jesus den barmherzigen Vater beigebracht hat, der uns das Vaterunser lehrte, der uns erlaubte, seinen Vater Abba, Papa zu nennen.
Es gibt in keinem anderen Volk eine derart gerechte Gesetzgebung wie in Israel zu jener Zeit. Das Maß an Solidarität, die Option für die Armen, das heißt vor allem für die Witwen, Waisen, Kranken und Fremden im Land, ist mit keinem anderen Volk vergleichbar. Gott ist wirklich gerecht und hat ein Herz für seine geliebten Kinder. Ebenso können wir Christen das sagen, für die die zehn Gebote nach wie vor gelten und die Ausdruck der absoluten Gerechtigkeit Gottes sind.
Im letzten Vers schärft Mose den Israeliten ein, nie zu vergessen, was Gott ihnen Gutes getan hat. Sie haben mit ihren eigenen Augen spektakuläre Wunder gesehen. Gott ist immer für sie dagewesen. Damit auch die nachfolgenden Generationen das nie vergessen, sollen diese Dinge immer weiter erzählt werden. Gerade der Auszug aus Ägypten wird am Sederabend des Paschafestes erzählt. Der Jüngste der Familie soll rituell die Erzählung einleiten, indem er auch heute noch fragt: „Warum unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Das Paschamysterium hat sich mit Jesus antitypisch erfüllt und so sagt er beim letzten Abendmahl: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Und so beten wir es in der Hl. Messe. Auch wir sollen nie vergessen, was Gott uns eigentlich für ein Heil geschenkt hat. Wir sind erlöst und haben wieder Aussicht auf das Himmelreich! Gott setzt uns als seine Erben ein! Auch wir sollen deshalb dieses große Geschenk und die Gebote Gottes unseren Nachkommen weitergeben, damit auch sie nicht vergessen, welches große Geschenk ihnen zuteil geworden ist.

Ps 147
12 Jerusalem, rühme den HERRN! Lobe deinen Gott, Zion!
13 Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet.
15 Er sendet seinen Spruch zur Erde, in Eile läuft sein Wort dahin.
16 Er gibt Schnee wie Wolle, Reif streut er aus wie Asche.
19 Er verkündet Jakob sein Wort, Israel seine Gesetze und seine Entscheide.
20 An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, sie kennen sein Recht nicht. Halleluja!

Heute beten wir einen Psalm aus dem sogenannten Kleinen Hallel, einer Gruppe von Lobpsalmen, die den Psalter abschließen. Jerusalem wird in Vers 12 zum Lobpreis aufgefordert – typischer Psalmenstil. „Lobe deinen Gott, Zion!“ bezieht sich zwar auf Jerusalem, doch ist es rhetorisch gemeint, denn es handelt sich um ein pars pro toto. Das ganze Volk Israel ist gemeint und diese Aufforderung erinnert an die Worte des Mose in Dtn 4. Der Psalm ist viele Jahrhunderte bzw. Jahrtausende älter als das Deuteronomium und vieles ist seitdem geschehen. Gott hat auf Israels Irrwegen immer wieder seinen Segen gespendet. Und so hat Israel trotz seiner Treuebrüche und daraus resultierenden Schicksalsschläge immer wieder Grund zum Lob: „Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, die Kinder in deiner Mitte gesegnet.“ Die Sicherheit des Landes oder der Stadt Jerusalem wird als Zeichen des Segens Gottes bewertet.
„Er sendet seinen Spruch zur Erde, in Eile läuft sein Wort dahin“ meint im wörtlichen Sinn zunächst seine Weisung, die Torah. Wo sie nicht gehalten wird, sendet er seinen Spruch zu auserwählten Personen, die als Propheten auftreten und Gottes Spruch den Israeliten übermitteln. Wir lesen diesen Vers aber schon weiter, nämlich als höchst messianische Weisung! Gott sendet sein Gesprochenes zur Erde, das heißt sein Wort! Und dieses Wort ist Jesus Christus, das fleischgewordene Wort. „In Eile läuft sein Wort dahin“, denn er kommt bald. Während es vom Kontext des Psalms her noch das erste Kommen meint, betrachten und ersehnen wir sein baldiges zweites Kommen am Ende der Zeiten.
Der nächste Vers ist rätselhaft, weil von Schnee und Reif, von Wolle und Asche die Rede ist. Es bezieht sich auf das wirkmächtige Wort Gottes, durch das Gott seine Schöpfung nicht nur hervorgebracht hat, sondern auch am Leben erhält. Es ist vergleichbar mit den Worten Jesajas in Kapitel 55, wo es heißt: „Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“ Gott wirkt durch Jesus Christus große Taten in der Welt, damals wie heute! Auch jetzt erblüht die Welt mit jeder Hl. Messe, die gefeiert wird. Es ist wie ein Regen, der die verdorrte Landschaft wieder tränkt und zum Leben erweckt, insbesondere die Wüstenlandschaft Europa, in der wir leben! Wir brauchen Gottes Wort, das uns am Leben erhält.
„Er verkündet Jakob sein Wort“ – Gott weist den Menschen moralisch einen Weg, damit sie friedlich miteinander leben können. Davon hörten wir ja bereits in der Lesung. Gott verkündet auch heute seine Weisung, nämlich durch sein Sprachrohr, die Kirche. Ein wichtiger Grundvollzug ist die Verkündigung. Wo die Weisung nicht mehr vollständig und authentisch den Menschen übermittelt wird, vergessen sie die Heilstaten Gottes und verirren sich. Dann muss man wirklich sagen: Aufgrund der mangelhaften Verkündigung tragen die Verkündiger eine Mitschuld an der moralischen Verirrung der Menschen. Dann können unsereins wirklich nur noch beten: Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ja, die Menschen wissen es nicht besser, weil keiner sie mehr richtig anleitet. So können sie nicht in die Freiheit geführt werden, die die Gebote Gottes aber in Aussicht stellen. Das Wissen um die Gebote Gottes bringt Verantwortung mit sich, denn so wird Gott von den Wissenden mehr Rechenschaft ablegen als von den Unwissenden. Dennoch ist es weniger Bürde als Privileg, Gott kennengelernt zu haben. Wünschen wir nicht jedem Menschen, den wir lieben, nur das Beste? Es ist immer die bessere Wahl, Gottes Liebe im eigenen Leben erfahren zu haben und als sein Erbe eingesetzt worden zu sein!
Während es noch im Psalm heißt „an keinem anderen Volk hat er so gehandelt“, können wir als österliche Menschen sagen: Das Heil wurde allen Völkern geschenkt, Jesus ist für die ganze Menschheit gestorben! Und wer es annimmt, gehört zum neuen Volk Gottes, gleichermaßen bestehend aus Juden und Heiden!

Mt 5
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.
18 Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.
19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

Wir hörten bisher schon viel von der Weisung Gottes und davon, dass Gott uns dadurch in die Freiheit führen möchte. Jesus ist nicht gekommen, um all das über den Haufen zu werfen, sondern um es zu erfüllen. Im heutigen Evangelium hören wir davon, dass die Gebote Gottes unter keinen Umständen abgeschafft werden dürfen. Eine klare Ansage für uns Christen heute, die demokratisch über diese Gebote abstimmen möchten!
Jesus sagt dagegen: „Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein.“ Das Jota ist im griechischen Alphabet der kleinste Buchstabe, deshalb wird er hier genannt. Auch Häkchen sind kleine, aber nicht zu unterschätzende Elemente der griechischen Sprache. Jesus schärft auch uns Christen heute ein, das Gesetz nicht zu verändern. Auch die unscheinbaren Gebote, die scheinbar wenig Gewicht besitzen, sollen ernst genommen werden. Denn wer in kleinen Dingen nicht mal treu sein kann, wie will er oder sie es in den großen Dingen sein? Jesus sagt das nicht, weil er eine Buchstabentreue nach pharisäischer Manier unterstützt. Er tut es, weil das der Kern von Liebe ist – Radikalität als Konsequent sein. Wenn ich jemanden liebe, gehe ich aufs Ganze. Dann stehe ich eines Tages am Traualtar und verspreche die ewige Treue in guten und in schlechten Zeiten, nehme den Ehepartner ganz an mit allen Stärken und Schwächen, ohne wenn und aber. Dabei ist die Ehe ja ein Abbild der Liebe Gottes, die er in sich ist. Er ist das Original und so möchte er unser ganzes Sein, wenn wir seine Liebe erwidern. Er hat uns immer zuerst geliebt, indem er uns aus Liebe ins Dasein gerufen hat. Er möchte unsere ganze Liebe wie der Ehepartner am Traualtar. Deshalb ist es logisch, jedes Gebot Gottes zu halten, mag es noch so klein sein, aber nicht aus juristischem Verständnis, sondern vom Beziehungsaspekt her. Und dieser Liebesaspekt sollte auch der Kern der Verkündigung des Evangeliums sein. Wenn die Kirche die Gebote Gottes den Menschen erklärt, soll dieser Beziehungsaspekt der rote Faden sein. Dann werden die Menschen verstehen, warum die Gebote zu halten sind.
Groß sein im Himmelreich können nur jene, die als Verkündiger des Evangeliums erstens die Gebote selbst halten und zweitens die Gebote vollständig lehren, auch jene, die Anstoß erregen. Und in unserer heutigen Zeit sind das ganz klar die Gebote, die die Keuschheit des Menschen betreffen. Dafür müssen die Verkündiger des Evangeliums diese Keuschheit zunächst wieder selbst leben. Wenn wir hier von Geistlichen sprechen, meint es die Form der Keuschheit für Menschen im geistlichen Stand wie Priester und Ordensleute. Wenn wir von Katecheten sprechen, dann meint es die eheliche Keuschheit (ja, die gibt es!!) oder die voreheliche Keuschheit für die noch nicht Verheirateten. Es geht um die Reinheit des Herzens und die soll in jedem Lebensstand gewährleistet werden. Das ist nämlich der größte Ausdruck von Freiheit und überzeugt die Menschen letztendlich. Das wird anstecken und so möchten auch die Hörer der Verkündigung eine solche Freiheit erlangen. Wäre dem nicht so, würden wir nicht beobachten, dass die zeitgeistig Denkenden leere Kirchenbänke vor sich haben, während die, die vom Evangelium ganz überzeugt sind und sich um die Umsetzung zunächst selbst bemühen, eine fast platzende Kirche haben. Menschen spüren, wo Wasser gepredigt und Wein getrunken wird. Sie merken auch, wo noch authentische Verkündigung ist. Heute lädt Jesus uns wieder ein, zu diesem authentischen Leben zurückzukehren bzw. überhaupt erst umzukehren. Dann wird die Kirche wieder aufblühen. Das ist die einzige Chance. Er ist schließlich das Wort, das wie Regen die Erde tränkt und neue Pflanzen hervorbringen kann. Dies kann kein zeitgeistiger Aktivismus erlangen. Es ist noch nicht zu spät und jetzt in der Fastenzeit fließen besonders viele Gnaden dafür! Beten wir um Umkehr, damit viele jetzt die Zeit der Gnade nutzen und zum lebenspendenden Wort Gottes umkehren!

Ihre Magstrauss