Montag der 6. Woche im Jahreskreis

Jak 1,1-11; Ps 119,67-68.71-72.75-76; Mk 8,11-13

Jak 1
1 Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, grüßt die zwölf Stämme in der Diaspora. 

2 Nehmt es voll Freude auf, meine Brüder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet! 
3 Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt. 
4 Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt. 
5 Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemandem einen Vorwurf. 
6 Wer bittet, soll aber im Glauben bitten und nicht zweifeln; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Wind hin und her getrieben wird. 
7 Ein solcher Mensch bilde sich nicht ein, dass er vom Herrn etwas erhalten wird: 
8 Er ist ein Mann mit zwei Seelen, unbeständig auf all seinen Wegen. 
9 Der Bruder, der in niederem Stand lebt, rühme sich seiner hohen Würde, 
10 der Reiche aber seiner Niedrigkeit; denn er wird dahinschwinden wie die Blume im Gras. 
11 Denn die Sonne geht auf mit ihrer Hitze und versengt das Gras; die Blume verwelkt und ihre Pracht vergeht. So wird auch der Reiche vergehen in allem, was er unternimmt. 

Heute beginnen wir eine Reihe von Lesungen aus dem Jakobusbrief, einem der katholischen Briefe, der der Tradition der Kirche nach von Jakobus dem Jüngeren abgefasst worden ist, dem Sohn des Alphäus, der wiederum ein Verwandter bzw. deren Frau eine Verwandte der Eltern Jesu war. Deshalb wird Jakobus auch der Herrenbruder Jesu genannt. Seine Schrift zeugt von einer sehr guten Kenntnis jüdischer Weisheitstraditionen, weshalb er viel aus den weisheitlichen Schriften zitiert, ebenso die anderen Schriften des AT.
Der Briefbeginn ist klassisch aufgebaut wie jeder antike Brief und auch die Paulusbriefe. Jakobus nennt sich selbst als Absender („Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus“). Danach wird der Empfänger des Briefes genannt („die zwölf Stämme in der Diaspora“). Das Ganze ist als Grußwort gestaltet, wie antike Präskripte es so an sich haben. Bemerkenswert ist, wie Jakobus die Adressaten hier bezeichnet. Das Motiv der „zwölf Stämme“ ist eindeutig dem alten Bund Gottes mit den zwölf Stämmen Israels angelehnt, meint nun aber die Stämme des neuen Bundes. Durch den Zusatz „in der Diaspora“ wird deutlich, dass Jakobus seinen Brief an verschiedene Gemeinden verstreut im ganzen römischen Reich richtet. Dies kennzeichnet seinen Brief als katholisch im wörtlichen Sinn „umfassend“. In diesem Sinne werden diese Schrift sowie die des Petrus, Johannes und Judas als katholisch bezeichnet.
Jakobus möchte mit seinem Schreiben die Christen in der Zerstreuung in ihrer schwierigen Lage trösten und stellt in der Krise die Chance heraus: „Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt“ und deshalb ist die Versuchung sogar ein Grund zur Freude. Wenn Jakobus das hier schreibt, ist sein Wort nicht nur für die damaligen Christen relevant, sondern auch für uns! Gott lässt zu, dass wir allerlei Versuchungen durchstehen müssen. Er gibt uns auch die Kraft und den Trost, es durchzuhalten. Und danach werden wir merken, dass unser Glaube gestärkt worden und unser Geduldsfaden dicker geworden ist. Umgekehrt ist es dann sogar noch so, dass wir uns fragen müssen, was schief läuft, wenn wir nicht versucht werden. Das griechische Wort für „Geduld“ ist ὑπομονή hypomone und kann auch mit „Standhaftigkeit“ übersetzt werden. Durch die Versuchungen wird unsere Standhaftigkeit also immer stärker und so werden Krisen zu Chancen.
Diese Geduld oder Standhaftigkeit als gewonnene Tugend soll zu einem vollkommenen Werk führen – wir verstehen es moralisch als Heiligkeit, anagogisch als Voraussetzung für den Himmel. Beide Ebenen zeigen sich auch am Nebensatz: „Damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt.“ Einerseits wird hier mit dem griechischen Wort für „vollkommen“ τέλειοι teleioi die Erlangung von Heiligkeit ausgedrückt, andererseits ist eine andere Übersetzung „vollbracht, vollendet“. Dann wird die anagogische Ebene betont, dass wenn die Christen bis zum Ende standhaft geblieben sind, Gottes Herrlichkeit schauen dürfen wie Jesus, der am Kreuze zum Schluss sagte „es ist vollbracht“ (Joh 19,30). Der zweite Teil des Nebensatzes ist etwas ungünstig übersetzt. Man müsste wörtlich formulieren „in nichts zurückbleibend“. So ist es moralisch zu verstehen als „sie können sich dann mit den anderen Heiligen messen, sie stehen ihnen von der Tugendhaftigkeit in nichts nach.“ Die alternative Übersetzungsmöglichkeit „verlassen, zurücklassen“ bringt die anagogische Bedeutung des Verses wieder zum Vorschein in dem Sinne, dass die Vollendeten in nichts zurückgelassen werden wie die törichten Jungfrauen im Gleichnis Jesu. Sie werden mitgenommen ins Himmelreich.
In Vers 5 wird die moralische Ebene weitergeführt, indem es heißt: „Fehlt es aber einem von euch an Weisheit“ (griechisch σοφία sofia). Das erinnert uns an Paulus gestern, der in 1 Kor 2 über den Gegensatz von göttlicher und weltlicher Weisheit spricht. Hier geht es um die Weisheit Gottes, die dem Menschen durch den Hl. Geist als Gabe geschenkt wird. Wie auch an anderer Stelle wird dadurch ausgedrückt, dass wir die Gnadengaben Gottes erbitten müssen bzw. dürfen.
Was Jakobus hier schreibt, entkräftet die Vorwürfe Luthers, der eine Werksgerechtigkeit in den Brief hineingelesen hat. Einerseits soll man tugendhaft sein wie es die vorherigen Verse deutlich machen. Andererseits kann man aus eigener Kraft nicht perfekt werden. Man muss von Gott erbitten, was an einem dennoch mangelhaft bleibt. Hier kristallisiert sich ein Teamwork heraus, das aus den menschlichen Bemühungen und den Gnadengaben Gottes besteht. Die Art und Weise, wie Gott dann gibt, ist allen, einfach/gern (ἁπλός haplos) und ohne zu tadeln. Dieser Nebensatz ist eine Partizipialkonstruktion, die gewählt wird, um Gottes anhaltende Freigiebigkeit und Güte auszudrücken. Gott gibt die Gnade deshalb gern, weil er die Bemühungen des Bittenden sieht. Sein Mangel ist ja nicht selbst verschuldet und so gibt es keinen Grund zu Vorwürfen.
Die Voraussetzung ist aber, dass man nicht zweifelnd bittet (μηδὲν διακρινόμενος meden diakrinomenos). Vielmehr soll man in Glauben bitten (ἐν πίστει en pistei). Sonst ist man wie eine hin und her getriebene Meereswoge. Dieser Vergleich mit einem Naturphänomen erinnert uns an die weisheitlichen Schriften des AT und auch an Jesu Gleichnisse, die ebenfalls an die Weisheit des AT angelehnt sind. Mit so einer Mentalität wird man von Gott aber nichts bekommen. Wir müssen hier verstehen warum: Gott verweigert uns keine Gnade oder stellt Bedingungen. Wir können sie nur dann empfangen, wenn wir fest dazu stehen. Wir selbst stellen uns in den Weg, sodass Gott uns die Gnade nicht schenken kann. Man ist wie ein Mensch mit zwei Seelen (δίψυχος dipsychos). Das Herz soll aber nicht geteilt sein, sondern ganz Gott gehören und so auch die Entscheidungen. Die Unbeständigkeit „auf all seinen Wegen“ ist ein typisch moralischer Ausdruck. Die Wege sind auf den moralischen Lebenswandel zu beziehen. Ein Mensch, der innerlich gespalten ist, wird dieses Hin und Her in alle Entscheidungen und Verhaltensweisen übertragen (ἀκατάστατος akatastatos „nicht stabil, unstet“). Vor einigen Tagen beteten wir im Psalm „ach wären doch meine Schritte fest“, was genau diese fehlende Stabilität sicheren Fußes auf dem Weg ins Himmelreich meint.
Wer niedrig ist, kann sich der hohen Würde freuen, wohingegen der Hochstehende vergehen wird. Es ist wie Jesu Aussage „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden und wer sich selbst erniedrigt wird erhöht werden.“ (z.B. Mt 23). Die Zustände werden sich im Reich Gottes umkehren, sodass die Demütigen (wer sich selbst erniedrigt) am Ende die Großen sind, die Hochmütigen (wer sich selbst erhöht) aber den Kürzeren ziehen. Dies wird ansatzhaft schon in diesem Leben deutlich, was wir an dem Sprichwort sehen können „Hochmut kommt vor dem Fall“. Einen solchen erfährt man durchaus schon in diesem Leben. Aber wie muss man das verstehen? Soll man als Demütiger wirklich angeben? Verliert man dann nicht die Gnade? Das griechische Verb ist hier καυχάομαι kauchaomai, was tatsächlich „sich rühmen, prahlen“ heißt. Wir müssen aber die jeweiligen Bezugswörter beachten, dann werden wir es richtig verstehen: Wir rühmen uns nicht unserer eigenen, selbst verdienten Würde, sondern der Gnade Gottes. Es ist wie ein Lobpreis und eine Anerkennung Gottes, der den Menschen vervollkommnet hat, wo er Mangel hat. Demütig zu sein, heißt nicht, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Vielmehr soll man Gottes Wirken laut preisen und zugleich zugeben, dass es SEIN Werk ist, nicht das eigene. Mithilfe eines weiteren Naturvergleichs stellt Jakobus heraus, wie es aber mit dem Reichen ist (πλούσιος plusios „reich an etwas, vornehm“). Er ist wie eine Blume, die von der Hitze versengt wird. Was ist denn mit „reich“ gemeint? Es ist weniger der finanzielle Reichtum, vielmehr das Erfülltsein vom eigenen Ego oder Stolz. Wer sein Gutsein auf sich selbst bezieht und nicht die Gnade Gottes anerkennt, der verliert das Gutsein ganz schnell wieder. Gott kompensiert den eigenen Mangel nicht, damit man sich mit fremden Federn schmücken kann.
Der Reiche wird keinen Segen mehr haben in dem, was er tut. Das wird durch den letzten Vers ausgesagt.

Ps 119
67 Ehe ich gedemütigt wurde, ging ich in die Irre, nun aber will ich deinen Spruch beachten. 
68 Gut bist du und tust Gutes. Lehre mich deine Gesetze!
71 Dass ich gedemütigt wurde, ist für mich gut, damit ich deine Gesetze lerne. 
72 Gut ist für mich die Weisung deines Munds, mehr als große Mengen von Gold und Silber.
75 Ich habe erkannt, HERR, dass deine Entscheide gerecht sind und dass es Treue ist, wenn du mich beugst. 
76 Tröste mich in deiner Liebe, nach dem Spruch für deinen Knecht!

Gerade der letzte Teil des Jakobusbriefes wird nun im Psalm reflektiert, wobei der Abschnitt erneut aus Ps 119 entnommen ist. Es handelt sich dabei um den längsten Psalm des gesamten Psalters.
„Ehe ich gedemütigt wurde, ging ich in die Irre“ erklärt schon den Sinn der Demütigung. Gott rüttelt den Menschen wach, der sich verirrt. Er tut es, um ihn zurückzuholen. Gott ist weder Sadist noch schadenfroh. Er möchte, dass wir glücklich werden und Überheblichkeit macht uns unglücklich. Der Beter hat Gottes Lektion auch erkannt und sagt deshalb „nun aber will ich deinen Spruch beachten“. Wie oft verstehen wir Gottes Lektionen aber nicht! Wir bleiben so oft auf dem Holzweg, obwohl uns Gott wiederholt Warnsignale schickt. Diese werden immer lauter und doch wollen wir sie nicht hören. Wie gut, wenn wir dann doch Einsicht haben, denn je später wir unseren Irrweg erkennen, desto schmerzhafter ist der Weg der Umkehr. Schließlich wird es immer anstrengender, je länger der Weg ist, den wir wieder zurücklaufen müssen zur richtigen Route.
Gestern haben wir bedacht, dass Gott nicht schuld für unsere Vergehen ist. Wir selbst schlagen die Irrwege ein. Und dies betont auch der Psalm hier, wenn es heißt: „Gut bist du und tust Gutes.“ Gott ist nicht böse und auch kein Verführer. Er lässt zu, dass wir die Konsequenzen unserer falschen Entscheidungen tragen, aber diese müssen wir uns selbst zuschreiben. Alles, was er tut, dient uns zum Heil und deshalb bittet der Psalmist Gott um seine Unterweisung.
Er versteht sogar, dass die Demütigungen auf seinem Lebensweg heilsam und notwendig und Teil der Einweisung in Gottes Gesetze sind. Wie glücklich wären wir Menschen doch, wenn wir hinter so manchen Krisen unseres Lebens Gottes lehrende Hand erkennen würden! Denn was uns oft Angst bereitet, ist die Gefährdung unseres Egos, unseres guten Rufes etc. Dies erinnert auch an den Beginn des Jakobusbriefs, wo Versuchungssituationen sogar Grund zur Freude sein sollen.
Gottes Lektionen, seine Schulungen und Einweisungen in die Gebote sind viel mehr wert als Gold und Silber. Sie sind ja Güter bis in die Ewigkeit hinein. Gold und Silber können wir dort nicht mit hinnehmen.
„Ich habe erkannt“ freut uns für den Psalmisten und wir beten ja darum, ebenfalls solche Einsicht zu erhalten. Wie heilsam ist es doch, wenn wir die Umwege unseres Lebens aus der Sicht Gottes bewerten können und seine Handschrift in unserem Leben entdecken. Wenn Gott uns Menschen in demütigende Situationen führt, ist es gut für uns, weil wir dadurch zu besseren Menschen werden – aber nur unter der Voraussetzung, dass wir daraus lernen. Es kann genauso sein, dass es uns verbittern lässt und wir mit Gott hadern. Dann hat die Lektion nicht gefruchtet, weil sie als solche nicht erkannt worden ist. Gott könnte uns dem „Schicksal überlassen“, aber er formt uns nach seinem Bild. Deshalb ist es ein Zeichen seiner Treue, wenn er Demütigungen an uns zulässt. Er möchte, dass wir ihm immer ähnlicher werden. Deshalb müssen wir immer wieder vom hohen Ross heruntergeholt werden.
Dass es schmerzhaft ist, gedemütigt zu werden, gibt der Psalm durch den letzten Vers zu, den wir hier beten: „Tröste mich in deiner Liebe“. Es ist schmerzhaft, wenn auch notwendig. Gott ist aber auch wie eine liebende Mutter, die das verletzte Kind auf den Schoß nimmt und die Schramme liebevoll anpustet. Wenn einem das Fahrradfahren beigebracht wird, fällt man auch immer wieder hin. Es ist normal im Lernprozess. Nichtsdestotrotz trösten die Eltern einen auch, wenn man sich verletzt hat. So können wir uns Gottes Pädagogik vorstellen. Er lässt uns fallen, tröstet uns aber auch in unserem Schmerz. So werden wir dann nicht zu verbitterten Seelen, die mit Gott hadern, sondern erkennen seine liebevolle Beziehung zu uns, die wir seine geliebten Kinder sind.

Mk 8
11 Da kamen die Pharisäer und begannen ein Streitgespräch mit ihm; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn zu versuchen. 
12 Da seufzte er im Geist auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, ich sage euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden. 
13 Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer.

Das Evangelium ist heute sehr kurz. Warum? Weil die Pharisäer, denen Jesus heute begegnet, die ganze Sache abkürzen.
Jesus hat die Menge gespeist und ist direkt im Anschluss mit dem Boot nach Dalmanuta gefahren. Dort hat er nun angelegt und trifft dort auf die ansässigen Pharisäer. Das Problem ist nicht, dass es ein Streitgespräch gibt, denn das griechische Wort συζητεῖν syzetein meint zunächst eine Debatte und nichts Verwerfliches. Das Problem ist vielmehr, dass sie Gott auf die Probe stellen wollen wie der Satan Jesus in der Wüste versucht: Sie fordern ein Zeichen vom Himmel von Jesus. Das ist insofern eine Versuchung, weil sich Jesus bei seiner Menschwerdung entäußert hat. Gott verzichtet auf seine göttliche Allmacht, verbirgt seine Weisheit, wird den Menschen gleich und ist derjenige, der sich maximal gedemütigt hat. Er könnte mit einem Schnips alles umwerfen und die Welt zusammenbrechen lassen. Stattdessen lässt er sich verspotten, sogar noch am Kreuz. Er tut es, um die Menschheit zu erlösen. Und wenn die Pharisäer nun ein Zeichen vom Himmel wollen, dann fordern sie ihn heraus, seine Göttlichkeit zu offenbaren, die Entäußerung aufzugeben. Wer eigentlich dahintersteckt, das erkennt Jesus sofort. Es ist der Böse, der sich der Pharisäer hier bedient, um Jesus anzugreifen.
Die Pharisäer von Dalmanuta haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Jesus hätte sie so viel lehren können, doch sie sitzen auf einem zu hohen Ross. Jesus spricht harte Worte zu ihnen, damit sie von dort oben heruntergeholt werden („Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben“). Er tut es nicht, weil er sie nicht ausstehen kann, sondern gerade weil er auch sie liebt. Er möchte, dass auch sie gerettet werden. Deshalb rüttelt er an ihrem Ego. Sie sind zu verstockt, sodass Jesus sich auf den Rückweg machen muss. Wir wissen nicht, was aus diesen Menschen geworden ist. Womöglich haben sie sich dann doch noch bekehrt. Dafür ist es ja noch nicht zu spät.
Mit den Pharisäern haben wir heute ein Negativbeispiel und einen Gegensatz zur Haltung des Psalmisten. Er durchschaut die Lektionen Gottes und bewertet Gottes Demütigungen positiv. Er weiß, dass er so zu einem besseren Menschen wird. Die Pharisäer sind im heutigen Evangelium leider noch nicht so weit.
Jesus steigt wieder ins Boot und fährt ans andere Ufer. Er geht zu jenen, die ihn annehmen, denn Gott ist ein Gentleman. Er drängt sich nicht auf, sondern zieht sich zurück, wo wir ihn ablehnen. Dann muss er schmerzhaft zusehen, wie wir die Konsequenzen dieser Ablehnung tragen müssen. Er wird dann wieder ein Lebenszeichen geben, hier und da nach uns rufen und immer wieder um uns werben. Und nach und nach wird er die Versteinerung unseres Herzens abbauen wie in einem Steinbruch, um Edelsteine zutage zu fördern, die wir nicht einmal selbst dort erwartet haben. Gott gibt uns nicht auf, selbst wenn er sich manchmal zurückzieht. Denn wir alle sind seine geliebten Kinder.

Ihre Magstrauss

Freitag der 4. Woche im Jahreskreis

Sir 47,2-11 (2-13); Ps 18,31 u. 47.48-49.50-51; Mk 6,14-29

Sir 47
2 Wie Fett ausgesondert wird vom Heilsopfer, so war es David von den Söhnen Israels. 

3 Mit Löwen spielte er wie mit jungen Ziegen, mit Bären wie mit Lämmern der Herden. 
4 Hat er nicht in seiner Jugend einen Riesen getötet und die Schmach des Volkes beseitigt, indem er die Hand mit der Steinschleuder erhob und die Prahlerei Goliats zunichtemachte? 
5 Denn er hatte den Herrn, den Höchsten, angerufen und der gab seiner Rechten Kraft, um einen im Krieg geübten Menschen zu beseitigen, um die Macht seines Volkes zu erhöhen. 
6 So ehrten sie ihn unter Zehntausenden und lobten ihn mit Preisungen auf den Herrn, indem sie ihm eine Ehrenkrone brachten. 
7 Denn er vernichtete die Feinde ringsum und erniedrigte die gegnerischen Philister, bis heute hat er ihre Macht gebrochen. 
8 Bei all seinem Tun legte er ein Bekenntnis ab zum Heiligen, dem Höchsten, mit einem Wort der Verherrlichung; mit seinem ganzen Herzen sang er ein Loblied und er liebte den, der ihn gemacht. 
9 Er stellte Psalmensänger auf gegenüber dem Opferaltar, um durch ihren Klang die Lieder zu versüßen, und täglich werden sie ihn mit ihren Gesängen loben. 
10 Er verlieh den Festen Glanz und ordnete die Festzeiten bis zur Vollendung, durch ihr Lob seines heiligen Namens und den Widerhall vom frühen Morgen im Heiligtum. 
11 Der Herr nahm seine Sünden weg und erhöhte seine Macht für die Ewigkeit. Er gab ihm den Bund der Könige und den Thron der Herrlichkeit in Israel. 
12 Nach ihm erhob sich ein verständiger Sohn und seinetwegen wohnte er in weitem Raum. 
13 Salomo regierte als König in Friedenszeiten; ihm hat Gott ringsum Ruhe verschafft, damit er seinem Namen ein Haus baue und ein Heiligtum für die Ewigkeit bereite. 

Heute hören wir aus dem Buch Jesus Sirach, das die heilsgeschichtliche Bedeutung Davids und Salomos reflektiert. Rückblickend schauen wir mit Jesus Sirach auf das Leben und Wirken der Könige.
David wird mit dem Fett von Opfertieren verglichen, das bei Heilsopfern ausgesondert wird. Von den „Söhnen Israels“ ist er ausgesondert, das heißt Gott hat ihn unter seinen Brüdern auf besondere Weise erwählt.
Er war ein messianischer Typos, weil er mit wilden Tieren umgehen konnte. Wir lasen davon, wie er im ersten Samuelbuch von den Kämpfen gegen wilde Tiere sprach, die seine Schafe angriffen. Dies macht ihn deshalb messianisch, weil er darin die neue Schöpfung andeutet, wie wir sie in der Friedensvision Jesajas lesen. Dort liegt der Löwe beim Lamm und ein Knabe kann die wilden Tiere hüten. Es wird eine Versöhnung sein zwischen Mensch und Tier. Diese Typologie klingt schon hier im Buch Jesus Sirach an! In Vers 4 wird ganz deutlich Bezug genommen auf dieses Ereignis, als er nämlich Goliat mit einer Steinschleuder erlegte. Auch deutet dieser Vers schon die mehrfache Befreiung des Volkes von Goliat: Einerseits ist es die physische Gefahr und die drohende politische Unterdrückung. Andererseits hat er das Volk Gottes und Gott selbst beleidigt.
Davids Heldentat besteht also nicht nur in der militärischen Rettungsaktion, sondern vor allem in der Wiedergewinnung der Ehre Israels und Gottes. Dies zeigt der folgende Vers, in dem der Sieg Gottes über den Gotteslästerer als eigentlicher Sieg bezeichnet wird. Mit Gottes Hilfe ist ein gestandener „Veteran“ mit einer einfachen Steinschleuder eines Knaben besiegt worden.
Er hat sich den Königsthron regelrecht erkämpft. Auch die Lobgesänge an den Sieger werden hier angedeutet, die Saul so neidisch gemacht haben.
Jesus Sirach stellt daraufhin den Sieg Davids über alle seine Feinde heraus und merkt sogar an, dass bis zu seiner Zeit die Philister besiegt bleiben.
Sirach erkennt auch an, dass David bei allem immer gottesfürchtig und fromm geblieben ist. Er hat Gott wirklich von Herzen geliebt. Das können wir als Leser und Hörer der letzten Wochen bestätigen. Was auch passiert ist, er hat sich immer um Versöhnung bemüht, weil Gott, „der ihn gemacht“, das heißt sein Schöpfer, ihm so viel bedeutet hat. Er ist auch mit einer Ausnahme immer auf dem Boden geblieben. Er hat seinen wahren Wert in Gottes Augen immer berücksichtigt und sich nicht überhöht. Seinen Erfolg hat er immer auf Gott zurückbezogen. Auch seine Stärke im Lobpreis wird erwähnt, da es heißt „mit seinem ganzen Herzen sang er ein Loblied.“ Diesen Lobgesang hat er auch ausgebaut und die vielen Psalmen geschrieben für verschiedene Anlässe. Dies wird in Vers 9 beschrieben, wo die Rede von Psalmensängern gegenüber dem Opferaltar ist. Verbunden mit dem liturgischen Liedgut ist auch der Festkalender zu nennen, den David geregelt hat. Es gab die Festzeiten ja schon, aber er „verlieh ihnen Glanz“. Er hat die gesamte Liturgie und Tempelpraxis aufgewertet.
Auf den Punkt trifft Sirach es auch im nächsten Vers: „Der Herr nahm seine Sünden weg“. Dies tat er mehrfach. So wurde David der Ehebruch, der Mord an Urija, die Lügerei und auch die Überheblichkeit bei der Volkszählung vergeben. Dies geschah jedoch deshalb, weil David seine Sünden erkannte, bekannte, bereute und wiedergutmachte. Das ist der springende Punkt auch für uns, die wir ihn als Glaubensvorbild sehen: Nichts von unseren Sünden darf uns entmutigen, sodass wir meinen, Gott könne es uns nicht vergeben. Alles möchte er uns verzeihen, solange wir es wirklich von Herzen bereuen. Und auch wenn wir schuldig geworden sind, ist es nicht zu spät, heilig zu werden. Wie viele große Heilige sind zuvor ganz große Sünder gewesen? Das ist für uns ein großer Trost und soll zugleich nichts von unseren bösen Taten beschönigen.
Gott ging sogar noch weiter. Er hat David nicht nur die Schuld vergeben, sondern auch noch seine Macht erhöht. Er hat ihm so viel zugetraut und ihn mit großen Gaben ausgestattet, nicht weil er perfekt war, sondern weil er echt war. Er war ehrlich zu sich selbst und zu Gott. Er wusste genau um seine Schlechtigkeit. Er hat sich eingeschätzt, wie er wirklich war. Das hat ihn dazu befähigt, von Gott so beschenkt zu werden. Wenn wir uns unter- oder überschätzen, sind wir dagegen nicht fähig, den Auftrag Gottes zu erfüllen, den er für uns bereithält. Diese richtige Selbsteinschätzung ist aber die Demut.
Wenn es heißt, dass Gott David „den Bund der Könige“ gegeben hat, bezieht es sich auf den Bundesschluss Davids mit Gott. Die Bundesschlüsse im Alten Testament werden von Mal zu Mal umfassender, sodass während bei Adam und Eva noch ein Ehebund zwischen zwei Menschen besteht, bei David ein Bund zwischen ihm und allen Stämmen Israels geschlossen wird.
„Nach ihm erhob sich ein verständiger Sohn“ bezieht sich auf Salomo, der auf bereitetem Boden wirken konnte. Dass er dann zu so einer großen Herrschaft kommen konnte, hat er seinem Vater David zu verdanken. Verständig ist er in dem Sinne, dass er Gottes Willen verstand. Er wünschte sich von Gott dessen Weisheit in seinem königlichen Handeln. Mit dieser wurde er ausgestattet, sodass er Gott wirklich verstehen konnte.
Wir lesen im letzten Vers heute eine weitere rückblickende Deutung der Geschichte: Als Salomo regierte, war ein dauerhafter Frieden zu beobachten. Dieser ist dem Volk Israel geschenkt worden, weil es sich auf den Tempelbau konzentrieren sollte. Daraus lernen wir, dass wenn Gott uns einen Auftrag gibt, uns auch die passenden Umstände, die Kraft, den Mut, alle notwendigen Mittel dazu gibt. Wenn wir immer nach seinem Willen suchen, wird er uns reich beschenken mit allen notwendigen Gaben.

Ps 18
31 Gott, sein Weg ist lauter, das Wort des HERRN ist im Feuer geläutert. Ein Schild ist er für alle, die sich bei ihm bergen. 

47 Es lebt der HERR, gepriesen sei mein Fels. Der Gott meiner Rettung sei hoch erhoben. 
48 Gott, der mir Vergeltung verschaffte, er unterwarf mir Völker. 
49 Du rettest mich vor meinen zornigen Feinden, du erhöhst mich über die, die gegen mich aufstehen, du entreißt mich dem Mann der Gewalt. 
50 Darum will ich dir danken, HERR, inmitten der Nationen, ich will deinem Namen singen und spielen. 
51 Seinem König verleiht er große Hilfe, Huld erweist er seinem Gesalbten, David und seinem Stamm auf ewig.

Der Psalm, aus dem wir heute beten, ist ein Lobpsalm, den David nach dem Sieg über seine Feinde, vor allem aber auch über Saul komponiert hat.
Gottes Weg ist lauter. Dieses alte Wort bedeutet, dass Gottes Wege rein sind. Dies untermauert auch das Bild des Geläutertseins im Feuer. Wenn wir Gottes Wege gehen, also seinen Willen tun, ist das kein korrupter Weg. Er ist klar, so klar, dass er manchmal schmerzt wie Feuer. Wenn wir den Weg gehen und selbst noch nicht reines Gold sind, werden wir Feuer fangen und das Unechte in uns wird brennen. So war es auch bei David. Gott ließ zu, dass er in manchen Situationen erprobt wurde und auch manchmal nicht bestanden hat. Dann musste er geläutert werden.
Zugleich ist Gottes Weg „ein Schild für alle, die sich bei ihm bergen“. Gottes Weg beschützt uns, nämlich vor dem ewigen Tod. Auch wenn er uns „beschneidet“, dient dies nur zum besseren Wachstum. Wir sind geborgen in seiner Gegenwart und der Böse kann uns nichts anhaben. Mit Gottes Schild wehren wir die Angriffe des Bösen ab.
Auch als Kirche haben wir diesen klaren und eindeutigen Weg zu begehen, den Gott uns aufzeigt. Es ist der Weg der Lehre Christi. Nur so werden wir dem Auftrag Christi gerecht. Er hat die Kirche gestiftet und die Lehre selbst begründet. Wo wir uns davon entfernen, ist es nur ein Katzensprung zum Schisma entfernt. Zugleich ist seine Lehre ein Schild für die Kirche. Je mehr die Kirche in seiner Lehre verankert ist, desto weniger können Häresien sie verwirren oder verunsichern. Gottes Geist wird ihr dann die Gabe der Unterscheidung der Geister geben. Dies ist auch moralisch und anagogisch weiterzulesen: Je mehr der einzelne Christ in Gott verankert ist, desto weniger können ihn Versuchungen verwirren, desto mehr wird er diese als solche entlarven und nicht auf sie hereinfallen. Und der gesamte Weg ist als Lebensweg ein Übergang in die Ewigkeit. Wo der Mensch Zeit seines Lebens noch nicht ganz geläutertes Gold ist, muss er nach dem Tod geläutert werden, um Gott überhaupt aushalten zu können. Zugleich kann der Mensch sich sicher sein, dass er vom Bösen, also von der Hölle bewahrt wird. Der zu läuternde Mensch weiß, dass er nach der Läuterung ganz bei Gott sein darf.
Die kirchlich-allegorische Lesart ist auch im nächsten Vers herauszustellen: „Es lebt der HERR, gepriesen sei mein Fels.“ Ja, der HERR lebt, wir Christen beten noch genauer „Ja, Jesus lebt!“ Und er ist der Fels, auf dem wir die Kirche bauen. Deshalb können die Mächte der Finsternis sie ja nicht überwältigen. Jesus ist es also, der durch seinen Stellvertreter Fels der Kirche ist. Petrus und die Nachfolger Petri sind Fels in persona Christi.
„Der Gott meiner Rettung“ kann David wirklich mit Überzeugung beten. Wie oft hat Gott ihn aus militärischer/politischer Not sowie aus seelischer Not gerettet! Und wir können dies auch christologisch verstehen, indem wir das hebräische Wort für Rettung unübersetzt lassen: „Der Gott meines Jesus sei hoch erhoben.“ Jesus hat uns den Vater gezeigt, wie er ist.
Gott hat David die Völker unterworfen. Was David damit anerkennt, ist Gottes Wirken in den ganzen Siegen. Nicht er selbst hat dies alles vollbracht, sondern er hat seine Siege Gott zu verdanken. So sollen auch wir unseren ganzen Erfolg nicht uns selbst in die Schuhe schieben, sondern erkennen, wer uns wirklich so weit gebracht hat.
Gott schenkt auch uns Christen heute die Kraft, im Kampf gegen den Bösen zu siegen. Er hilft uns, die Versuchungen zu überstehen und gestärkt herauszugehen. Er ist es, der die Kirche vor ihren Feinden schützt, sodass sie sogar noch gestärkt aus Schismen und häretischen Angriffen hervorgeht. Und diese Worte kann Jesus nach seinem Tod wirklich beten: Gott hat ihn vor dem zornigen Erzfeind gerettet, dem Bösen. Jesus hat den Tod besiegt und Gott hat ihn über alle erhöht, wie es der Philipperhymnus feierlich zusammenfasst.
Gottes große Taten an David, an seinem eigenen Sohn, an der Kirche, an jedem einzelnen Christen sind den immerwährenden Lobpreis Gottes wert. „Inmitten der Nationen“ weist dabei schon auf den Neuen Bund hin, denn „inmitten der Heiden“ wird Gott durch den Bundesschluss Christi gepriesen.
Und wenn es zum Ende hin heißt, dass Gottes Hilfe „David und seinem Stamm auf ewig“ gelte, müssen wir das absolut ernst nehmen. Der Alte Bund, den Gott mit seinem auserwählten Volk geschlossen hat, besteht auf ewig. Dieser ist durch den neuen Bundesschluss nicht aufgehoben. Der spezifische Stamm Davids ist ja der Stamm Juda. Hier wird also auch schon auf den Neuen Bund hingewiesen, der mit Christus, dem Sohn Davids geschlossen Gottes Hilfe auch 1000 Jahre nach David offenbart. Gottes Hilfe, sein Jesus, wird in diesen Stamm hineingeboren.

Mk 6
14 Der König Herodes hörte von Jesus; denn sein Name war bekannt geworden und man sagte: Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm. 

15 Andere sagten: Er ist Elija. Wieder andere: Er ist ein Prophet, wie einer von den alten Propheten. 
16 Als aber Herodes von ihm hörte, sagte er: Johannes, den ich enthaupten ließ, ist auferstanden. 
17 Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. 
18 Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zur Frau zu haben. 
19 Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte es aber nicht durchsetzen, 
20 denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Wenn er ihm zuhörte, geriet er in große Verlegenheit und doch hörte er ihm gern zu. 
21 Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. 
22 Da kam die Tochter der Herodias und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu dem Mädchen sagte: Verlange von mir, was du willst; ich werde es dir geben. 
23 Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. 
24 Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich verlangen? Herodias antwortete: Den Kopf Johannes’ des Täufers. 
25 Da lief das Mädchen zum König hinein und verlangte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf Johannes’ des Täufers bringen lässt. 
26 Da wurde der König sehr traurig, aber wegen der Eide und der Gäste wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. 
27 Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. 
28 Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. 
29 Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.

Heute hören wir von einem wirklich bemitleidenswerten Menschen, König Herodes. Er ist deshalb so bemitleidenswert, weil er trotz seiner Königschaft ein Sklave ist, ein Sklave seiner eigenen Sünden. Man kann ihn mit Blick auf die bisherigen Lesungen des heutigen Tages als Gegenbild zu David betrachten:
Er hört von Jesu Machttaten und von den Gerüchten, er sei der auferstandene Täufer, den er hatte hinrichten lassen.
Jesus wird dabei unterschiedlich bewertet. Die einen setzen ihn mit Johannes den Täufer in Beziehung, wiederum andere sehen in Jesus einen Propheten wie jene aus dem Alten Testament.
Dann wird rückblickend erzählt, wie Johannes der Täufer umgekommen ist.
Herodes wurde Opfer einer Intrige seiner Frau. Eigentlich mochte er den Täufer, auch wenn seine Worte ihn beunruhigten. Das können wir ganz einfach erklären: Johannes rührte Herodes‘ Gewissen an, deshalb wurde dieser immer unruhig. Tief in seinem Innern wusste Herodes nämlich, dass er große Sünden begangen hat. Johannes‘ Worte machten ihn immer verlegen, weil er sich seiner Sünden schämte. Und doch hörte er ihm gern zu, denn der Täufer war wirklich geisterfüllt.
Herodias konnte dem Täufer nicht verzeihen, dass dieser deren Ehebruch mit Herodes öffentlich angeprangert hat. Sie war nämlich eigentlich die Frau seines Bruders Philippus. Herodes beging also Ehebruch mit ihr, denn Philippus lebte zu der Zeit noch. Die Tochter der Herodias war dabei eine gemeinsame Tochter mit Philippus. Herodias konnte ihre Tötungsabsichten nie durchsetzen, weil Herodes sie daran hinderte. Er respektierte den Täufer sehr, hatte sogar Angst. Das heißt er wusste, dass er einen Gottesmann nicht umbringen durfte.
Herodias sah ihre Chance nun am Geburtstag des Königs, als dieser viele Gäste einlud. Sie ließ ihre Tochter vor der Geburtstagsgesellschaft tanzen und verführte so den König. Es muss viel Alkohol geflossen sein, dass Herodes so leicht zu verführen war. Er ließ sich zu einem leichtsinnigen Schwur vor allen hochrangigen Anwesenden verleiten, dem Mädchen alles zu geben, was sie sich wünschte. Sie ließ die Mutter wählen und diese nutzte die Chance, nach dem Kopf des Täufers zu verlangen. So kam Herodes in ein Dilemma. Einerseits wollte er den Täufer nicht töten, andererseits wollte er vor seinen Gästen nicht das Gesicht verlieren. Er war gottesfürchtig, aber die Menschenfurcht war größer. Er tat, was er versprochen, und ließ den Täufer umbringen.
Herodias hat bekommen, was sie wollte. Herodes hat sich schwer versündigt. Johannes der Täufer musste sein Leben hingeben für die Gebote Gottes, genauer gesagt für das sechste Gebot.
Die Johannesjünger bestatteten Johannes den Täufer in einem Grab.
Wir lernen sehr viel vom heutigen Evangelium. Der Mensch ist ein zwiegespaltenes Wesen aufgrund der Erbsünde. Einerseits ist die Liebe zu Gott noch da, andererseits überdeckt die Sünde diese Liebe oft. So ist die Selbstliebe manchmal stärker als die Gottesliebe. Der Mensch entscheidet sich gegen Gott. Herodes ist eine arme Seele, weil er trotz Erkenntnis seiner Sünden nicht davon ablässt. Gott gibt ihm die Chance, umzukehren. Er rüttelt Herodes durch den Täufer regelrecht wach. Es trifft Herodes auch, denn er gerät in Verlegenheit. Doch er hat kein Rückgrat. Seine Schwäche ist die Manipulierbarkeit durch Frauen und die Menschenfurcht. Er lässt sich hinreißen zu bösen Taten durch schöne Frauen. Er möchte zudem vor anderen Menschen gut dastehen, vor allem politisch relevanten Menschen. Auch wenn er als Jude den Glauben kennt und versteht, was die Gebote Gottes sind, kann sich dieser kleine Glauben nicht durchsetzen gegenüber seiner großen Schwachpunkte.
Wir erkennen in der Familie des Herodes noch einen weiteren Aspekt wieder, der auch in heutigen Familien ein großes Übel darstellt: Intrigen zwischen den Familienmitgliedern. Herodias ist die Personifikation der Folgen der Erbsünde. Wie sie sich verhält, ist in Gen 3 angekündigt worden. Die Frau wird Verlangen nach ihrem Mann haben. Sie wird versuchen, ihn um den Finger zu wickeln, da sie auf andere Weise nicht über ihn herrschen kann. Physisch ist sie ihm unterlegen. Im Falle der hier beschriebenen Familie ist es sogar noch so, dass der Mann über sie herrscht als König. Die Tochter ist ebenfalls nur ein Schachzug der Mutter, sodass diejenige, die in dieser Familie das Sagen hat, Herodias ist. Die ganzen Umstände und Beziehungen zeigen, dass die Familie nicht so ist, wie Gott sie möchte. Somit wird Herodes‘ Familie zum Gegenbild der Heiligen Familie. Dort ist es Josef, der die Entscheidungen trifft, aber diese vom Willen Gottes abhängig macht. Weil seine Gottesfurcht stärker als alles üble Gerede der Menschen ist, kann seine Frau Maria ihm ganz und gar vertrauen. Bei ihnen ist nichts manipulativ oder intrigant. Sie kommunizieren zudem richtig. Sie nutzen Jesus nicht als Instrument einer Intrige. Es gibt keine zwei Parteien innerhalb der Familie Jesu, sodass dieser von einer Partei vereinnahmt und dann gegen die andere Partei aufgehetzt wird. Diese Familie hat eine Einheit abbildhaft wie die Einheit der Dreifaltigkeit. Wir Menschen sollen in den Familien nicht die Schwächen der Mitglieder für unsere eigenen Interessen ausnutzen. Ganz tragisch ist es auch, die eigenen Kinder gegen das andere Elternteil aufzuhetzen. Das zerstört die Seele der Kinder, die gleichermaßen Mutter und Vater brauchen, deren eigene Partnersuche, geschlechtliche Identität und Sicht auf das andere Geschlecht vom Beispiel der Beziehung der Eltern zueinander geprägt werden.
Wir sehen an Herodes als Gegenbild zu David, warum es so weit gekommen ist. Gott hat ihm genauso wie König David die Chance zur Umkehr gegeben. Beide sind dem Ehebruch verfallen. Aber Herodes hat diese Chance nicht genutzt. Er hätte seine Sünde bekennen, sein Leben ändern und das Unrecht wiedergutmachen können wie es David getan hat. Doch ihm war es wichtiger, vor den Menschen gut dazustehen. Er hat im Dilemma die falsche Entscheidung getroffen. So hat er aber das Kostbarste aufs Spiel gesetzt – sein Seelenheil. David ist über alle anderen erhöht und mit großer Macht ausgestattet worden, eben weil er sich selbst gedemütigt hat vor Gott. Seine Gottesbeziehung war ihm immer wichtiger als sein Ansehen als König. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Königen.
Wir lernen heute erneut, dass die Sünde immer Unschuldige mit ins Verderben reißt. Johannes der Täufer hat nichts Unrechtes getan, sondern die Sünde klar benannt. Aufgrund der Feigheit und Begierde des Herodes sowie der Sturheit und Manipulation der Herodias musste Johannes seinen Kopf hinhalten. Auch die Tochter ist in eine Intrige hineingezogen worden und hat sich so an einem Mord mitschuldig gemacht.
Auch heute halten Menschen ihren Kopf dafür hin, dass sie gerade das sechste Gebot verteidigen. Wie sehr werden jene Geistliche von den Medien zerrissen, die den Geboten Gottes treu bleiben möchten, damit aber den gesellschaftlichen Konventionen die Stirn bieten. Wie viele Heilige wurden dafür hingerichtet, dass sie die Unauflöslichkeit der Ehe und die Monogamie verteidigt haben! Und es waren mehrere Heilige, die gerade Königen dieses Unrecht ins Gesicht gesagt haben. Neben Johannes dem Täufer hat auch Thomas Morus so sein Leben verloren, weil er König Henrys VIII ehebrecherisches Verhalten nicht unterstützen wollte. Er wurde genauso wie Johannes der Täufer enthauptet.

Wenn wir in unserem Leben wirklich Segen haben wollen und das Rückgrat, bei Versuchungen eben nicht einzuknicken wie Herodes, müssen wir uns stets um eine intakte Beziehung zu Gott bemühen. Wenn wir auf seinen Wegen gehen, also seine Gebote halten und im Stand der Gnade sind, dann wandelt uns Gott immer mehr nach seinem Bild so wie König David. Wo wir den Weg verlassen, werden wir immer wieder in solche Dilemmata geraten wie König Herodes und nicht die Kraft haben, uns für das Richtige zu entscheiden. Es geht hier um unser Seelenheil. Entscheiden wir uns für Gottes Weg.

Ihre Magstrauss