Montag der 6. Woche im Jahreskreis

Jak 1,1-11; Ps 119,67-68.71-72.75-76; Mk 8,11-13

Jak 1
1 Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, grüßt die zwölf Stämme in der Diaspora. 

2 Nehmt es voll Freude auf, meine Brüder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet! 
3 Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt. 
4 Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt. 
5 Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemandem einen Vorwurf. 
6 Wer bittet, soll aber im Glauben bitten und nicht zweifeln; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Wind hin und her getrieben wird. 
7 Ein solcher Mensch bilde sich nicht ein, dass er vom Herrn etwas erhalten wird: 
8 Er ist ein Mann mit zwei Seelen, unbeständig auf all seinen Wegen. 
9 Der Bruder, der in niederem Stand lebt, rühme sich seiner hohen Würde, 
10 der Reiche aber seiner Niedrigkeit; denn er wird dahinschwinden wie die Blume im Gras. 
11 Denn die Sonne geht auf mit ihrer Hitze und versengt das Gras; die Blume verwelkt und ihre Pracht vergeht. So wird auch der Reiche vergehen in allem, was er unternimmt. 

Heute beginnen wir eine Reihe von Lesungen aus dem Jakobusbrief, einem der katholischen Briefe, der der Tradition der Kirche nach von Jakobus dem Jüngeren abgefasst worden ist, dem Sohn des Alphäus, der wiederum ein Verwandter bzw. deren Frau eine Verwandte der Eltern Jesu war. Deshalb wird Jakobus auch der Herrenbruder Jesu genannt. Seine Schrift zeugt von einer sehr guten Kenntnis jüdischer Weisheitstraditionen, weshalb er viel aus den weisheitlichen Schriften zitiert, ebenso die anderen Schriften des AT.
Der Briefbeginn ist klassisch aufgebaut wie jeder antike Brief und auch die Paulusbriefe. Jakobus nennt sich selbst als Absender („Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus“). Danach wird der Empfänger des Briefes genannt („die zwölf Stämme in der Diaspora“). Das Ganze ist als Grußwort gestaltet, wie antike Präskripte es so an sich haben. Bemerkenswert ist, wie Jakobus die Adressaten hier bezeichnet. Das Motiv der „zwölf Stämme“ ist eindeutig dem alten Bund Gottes mit den zwölf Stämmen Israels angelehnt, meint nun aber die Stämme des neuen Bundes. Durch den Zusatz „in der Diaspora“ wird deutlich, dass Jakobus seinen Brief an verschiedene Gemeinden verstreut im ganzen römischen Reich richtet. Dies kennzeichnet seinen Brief als katholisch im wörtlichen Sinn „umfassend“. In diesem Sinne werden diese Schrift sowie die des Petrus, Johannes und Judas als katholisch bezeichnet.
Jakobus möchte mit seinem Schreiben die Christen in der Zerstreuung in ihrer schwierigen Lage trösten und stellt in der Krise die Chance heraus: „Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt“ und deshalb ist die Versuchung sogar ein Grund zur Freude. Wenn Jakobus das hier schreibt, ist sein Wort nicht nur für die damaligen Christen relevant, sondern auch für uns! Gott lässt zu, dass wir allerlei Versuchungen durchstehen müssen. Er gibt uns auch die Kraft und den Trost, es durchzuhalten. Und danach werden wir merken, dass unser Glaube gestärkt worden und unser Geduldsfaden dicker geworden ist. Umgekehrt ist es dann sogar noch so, dass wir uns fragen müssen, was schief läuft, wenn wir nicht versucht werden. Das griechische Wort für „Geduld“ ist ὑπομονή hypomone und kann auch mit „Standhaftigkeit“ übersetzt werden. Durch die Versuchungen wird unsere Standhaftigkeit also immer stärker und so werden Krisen zu Chancen.
Diese Geduld oder Standhaftigkeit als gewonnene Tugend soll zu einem vollkommenen Werk führen – wir verstehen es moralisch als Heiligkeit, anagogisch als Voraussetzung für den Himmel. Beide Ebenen zeigen sich auch am Nebensatz: „Damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt.“ Einerseits wird hier mit dem griechischen Wort für „vollkommen“ τέλειοι teleioi die Erlangung von Heiligkeit ausgedrückt, andererseits ist eine andere Übersetzung „vollbracht, vollendet“. Dann wird die anagogische Ebene betont, dass wenn die Christen bis zum Ende standhaft geblieben sind, Gottes Herrlichkeit schauen dürfen wie Jesus, der am Kreuze zum Schluss sagte „es ist vollbracht“ (Joh 19,30). Der zweite Teil des Nebensatzes ist etwas ungünstig übersetzt. Man müsste wörtlich formulieren „in nichts zurückbleibend“. So ist es moralisch zu verstehen als „sie können sich dann mit den anderen Heiligen messen, sie stehen ihnen von der Tugendhaftigkeit in nichts nach.“ Die alternative Übersetzungsmöglichkeit „verlassen, zurücklassen“ bringt die anagogische Bedeutung des Verses wieder zum Vorschein in dem Sinne, dass die Vollendeten in nichts zurückgelassen werden wie die törichten Jungfrauen im Gleichnis Jesu. Sie werden mitgenommen ins Himmelreich.
In Vers 5 wird die moralische Ebene weitergeführt, indem es heißt: „Fehlt es aber einem von euch an Weisheit“ (griechisch σοφία sofia). Das erinnert uns an Paulus gestern, der in 1 Kor 2 über den Gegensatz von göttlicher und weltlicher Weisheit spricht. Hier geht es um die Weisheit Gottes, die dem Menschen durch den Hl. Geist als Gabe geschenkt wird. Wie auch an anderer Stelle wird dadurch ausgedrückt, dass wir die Gnadengaben Gottes erbitten müssen bzw. dürfen.
Was Jakobus hier schreibt, entkräftet die Vorwürfe Luthers, der eine Werksgerechtigkeit in den Brief hineingelesen hat. Einerseits soll man tugendhaft sein wie es die vorherigen Verse deutlich machen. Andererseits kann man aus eigener Kraft nicht perfekt werden. Man muss von Gott erbitten, was an einem dennoch mangelhaft bleibt. Hier kristallisiert sich ein Teamwork heraus, das aus den menschlichen Bemühungen und den Gnadengaben Gottes besteht. Die Art und Weise, wie Gott dann gibt, ist allen, einfach/gern (ἁπλός haplos) und ohne zu tadeln. Dieser Nebensatz ist eine Partizipialkonstruktion, die gewählt wird, um Gottes anhaltende Freigiebigkeit und Güte auszudrücken. Gott gibt die Gnade deshalb gern, weil er die Bemühungen des Bittenden sieht. Sein Mangel ist ja nicht selbst verschuldet und so gibt es keinen Grund zu Vorwürfen.
Die Voraussetzung ist aber, dass man nicht zweifelnd bittet (μηδὲν διακρινόμενος meden diakrinomenos). Vielmehr soll man in Glauben bitten (ἐν πίστει en pistei). Sonst ist man wie eine hin und her getriebene Meereswoge. Dieser Vergleich mit einem Naturphänomen erinnert uns an die weisheitlichen Schriften des AT und auch an Jesu Gleichnisse, die ebenfalls an die Weisheit des AT angelehnt sind. Mit so einer Mentalität wird man von Gott aber nichts bekommen. Wir müssen hier verstehen warum: Gott verweigert uns keine Gnade oder stellt Bedingungen. Wir können sie nur dann empfangen, wenn wir fest dazu stehen. Wir selbst stellen uns in den Weg, sodass Gott uns die Gnade nicht schenken kann. Man ist wie ein Mensch mit zwei Seelen (δίψυχος dipsychos). Das Herz soll aber nicht geteilt sein, sondern ganz Gott gehören und so auch die Entscheidungen. Die Unbeständigkeit „auf all seinen Wegen“ ist ein typisch moralischer Ausdruck. Die Wege sind auf den moralischen Lebenswandel zu beziehen. Ein Mensch, der innerlich gespalten ist, wird dieses Hin und Her in alle Entscheidungen und Verhaltensweisen übertragen (ἀκατάστατος akatastatos „nicht stabil, unstet“). Vor einigen Tagen beteten wir im Psalm „ach wären doch meine Schritte fest“, was genau diese fehlende Stabilität sicheren Fußes auf dem Weg ins Himmelreich meint.
Wer niedrig ist, kann sich der hohen Würde freuen, wohingegen der Hochstehende vergehen wird. Es ist wie Jesu Aussage „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden und wer sich selbst erniedrigt wird erhöht werden.“ (z.B. Mt 23). Die Zustände werden sich im Reich Gottes umkehren, sodass die Demütigen (wer sich selbst erniedrigt) am Ende die Großen sind, die Hochmütigen (wer sich selbst erhöht) aber den Kürzeren ziehen. Dies wird ansatzhaft schon in diesem Leben deutlich, was wir an dem Sprichwort sehen können „Hochmut kommt vor dem Fall“. Einen solchen erfährt man durchaus schon in diesem Leben. Aber wie muss man das verstehen? Soll man als Demütiger wirklich angeben? Verliert man dann nicht die Gnade? Das griechische Verb ist hier καυχάομαι kauchaomai, was tatsächlich „sich rühmen, prahlen“ heißt. Wir müssen aber die jeweiligen Bezugswörter beachten, dann werden wir es richtig verstehen: Wir rühmen uns nicht unserer eigenen, selbst verdienten Würde, sondern der Gnade Gottes. Es ist wie ein Lobpreis und eine Anerkennung Gottes, der den Menschen vervollkommnet hat, wo er Mangel hat. Demütig zu sein, heißt nicht, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Vielmehr soll man Gottes Wirken laut preisen und zugleich zugeben, dass es SEIN Werk ist, nicht das eigene. Mithilfe eines weiteren Naturvergleichs stellt Jakobus heraus, wie es aber mit dem Reichen ist (πλούσιος plusios „reich an etwas, vornehm“). Er ist wie eine Blume, die von der Hitze versengt wird. Was ist denn mit „reich“ gemeint? Es ist weniger der finanzielle Reichtum, vielmehr das Erfülltsein vom eigenen Ego oder Stolz. Wer sein Gutsein auf sich selbst bezieht und nicht die Gnade Gottes anerkennt, der verliert das Gutsein ganz schnell wieder. Gott kompensiert den eigenen Mangel nicht, damit man sich mit fremden Federn schmücken kann.
Der Reiche wird keinen Segen mehr haben in dem, was er tut. Das wird durch den letzten Vers ausgesagt.

Ps 119
67 Ehe ich gedemütigt wurde, ging ich in die Irre, nun aber will ich deinen Spruch beachten. 
68 Gut bist du und tust Gutes. Lehre mich deine Gesetze!
71 Dass ich gedemütigt wurde, ist für mich gut, damit ich deine Gesetze lerne. 
72 Gut ist für mich die Weisung deines Munds, mehr als große Mengen von Gold und Silber.
75 Ich habe erkannt, HERR, dass deine Entscheide gerecht sind und dass es Treue ist, wenn du mich beugst. 
76 Tröste mich in deiner Liebe, nach dem Spruch für deinen Knecht!

Gerade der letzte Teil des Jakobusbriefes wird nun im Psalm reflektiert, wobei der Abschnitt erneut aus Ps 119 entnommen ist. Es handelt sich dabei um den längsten Psalm des gesamten Psalters.
„Ehe ich gedemütigt wurde, ging ich in die Irre“ erklärt schon den Sinn der Demütigung. Gott rüttelt den Menschen wach, der sich verirrt. Er tut es, um ihn zurückzuholen. Gott ist weder Sadist noch schadenfroh. Er möchte, dass wir glücklich werden und Überheblichkeit macht uns unglücklich. Der Beter hat Gottes Lektion auch erkannt und sagt deshalb „nun aber will ich deinen Spruch beachten“. Wie oft verstehen wir Gottes Lektionen aber nicht! Wir bleiben so oft auf dem Holzweg, obwohl uns Gott wiederholt Warnsignale schickt. Diese werden immer lauter und doch wollen wir sie nicht hören. Wie gut, wenn wir dann doch Einsicht haben, denn je später wir unseren Irrweg erkennen, desto schmerzhafter ist der Weg der Umkehr. Schließlich wird es immer anstrengender, je länger der Weg ist, den wir wieder zurücklaufen müssen zur richtigen Route.
Gestern haben wir bedacht, dass Gott nicht schuld für unsere Vergehen ist. Wir selbst schlagen die Irrwege ein. Und dies betont auch der Psalm hier, wenn es heißt: „Gut bist du und tust Gutes.“ Gott ist nicht böse und auch kein Verführer. Er lässt zu, dass wir die Konsequenzen unserer falschen Entscheidungen tragen, aber diese müssen wir uns selbst zuschreiben. Alles, was er tut, dient uns zum Heil und deshalb bittet der Psalmist Gott um seine Unterweisung.
Er versteht sogar, dass die Demütigungen auf seinem Lebensweg heilsam und notwendig und Teil der Einweisung in Gottes Gesetze sind. Wie glücklich wären wir Menschen doch, wenn wir hinter so manchen Krisen unseres Lebens Gottes lehrende Hand erkennen würden! Denn was uns oft Angst bereitet, ist die Gefährdung unseres Egos, unseres guten Rufes etc. Dies erinnert auch an den Beginn des Jakobusbriefs, wo Versuchungssituationen sogar Grund zur Freude sein sollen.
Gottes Lektionen, seine Schulungen und Einweisungen in die Gebote sind viel mehr wert als Gold und Silber. Sie sind ja Güter bis in die Ewigkeit hinein. Gold und Silber können wir dort nicht mit hinnehmen.
„Ich habe erkannt“ freut uns für den Psalmisten und wir beten ja darum, ebenfalls solche Einsicht zu erhalten. Wie heilsam ist es doch, wenn wir die Umwege unseres Lebens aus der Sicht Gottes bewerten können und seine Handschrift in unserem Leben entdecken. Wenn Gott uns Menschen in demütigende Situationen führt, ist es gut für uns, weil wir dadurch zu besseren Menschen werden – aber nur unter der Voraussetzung, dass wir daraus lernen. Es kann genauso sein, dass es uns verbittern lässt und wir mit Gott hadern. Dann hat die Lektion nicht gefruchtet, weil sie als solche nicht erkannt worden ist. Gott könnte uns dem „Schicksal überlassen“, aber er formt uns nach seinem Bild. Deshalb ist es ein Zeichen seiner Treue, wenn er Demütigungen an uns zulässt. Er möchte, dass wir ihm immer ähnlicher werden. Deshalb müssen wir immer wieder vom hohen Ross heruntergeholt werden.
Dass es schmerzhaft ist, gedemütigt zu werden, gibt der Psalm durch den letzten Vers zu, den wir hier beten: „Tröste mich in deiner Liebe“. Es ist schmerzhaft, wenn auch notwendig. Gott ist aber auch wie eine liebende Mutter, die das verletzte Kind auf den Schoß nimmt und die Schramme liebevoll anpustet. Wenn einem das Fahrradfahren beigebracht wird, fällt man auch immer wieder hin. Es ist normal im Lernprozess. Nichtsdestotrotz trösten die Eltern einen auch, wenn man sich verletzt hat. So können wir uns Gottes Pädagogik vorstellen. Er lässt uns fallen, tröstet uns aber auch in unserem Schmerz. So werden wir dann nicht zu verbitterten Seelen, die mit Gott hadern, sondern erkennen seine liebevolle Beziehung zu uns, die wir seine geliebten Kinder sind.

Mk 8
11 Da kamen die Pharisäer und begannen ein Streitgespräch mit ihm; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn zu versuchen. 
12 Da seufzte er im Geist auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, ich sage euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden. 
13 Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer.

Das Evangelium ist heute sehr kurz. Warum? Weil die Pharisäer, denen Jesus heute begegnet, die ganze Sache abkürzen.
Jesus hat die Menge gespeist und ist direkt im Anschluss mit dem Boot nach Dalmanuta gefahren. Dort hat er nun angelegt und trifft dort auf die ansässigen Pharisäer. Das Problem ist nicht, dass es ein Streitgespräch gibt, denn das griechische Wort συζητεῖν syzetein meint zunächst eine Debatte und nichts Verwerfliches. Das Problem ist vielmehr, dass sie Gott auf die Probe stellen wollen wie der Satan Jesus in der Wüste versucht: Sie fordern ein Zeichen vom Himmel von Jesus. Das ist insofern eine Versuchung, weil sich Jesus bei seiner Menschwerdung entäußert hat. Gott verzichtet auf seine göttliche Allmacht, verbirgt seine Weisheit, wird den Menschen gleich und ist derjenige, der sich maximal gedemütigt hat. Er könnte mit einem Schnips alles umwerfen und die Welt zusammenbrechen lassen. Stattdessen lässt er sich verspotten, sogar noch am Kreuz. Er tut es, um die Menschheit zu erlösen. Und wenn die Pharisäer nun ein Zeichen vom Himmel wollen, dann fordern sie ihn heraus, seine Göttlichkeit zu offenbaren, die Entäußerung aufzugeben. Wer eigentlich dahintersteckt, das erkennt Jesus sofort. Es ist der Böse, der sich der Pharisäer hier bedient, um Jesus anzugreifen.
Die Pharisäer von Dalmanuta haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Jesus hätte sie so viel lehren können, doch sie sitzen auf einem zu hohen Ross. Jesus spricht harte Worte zu ihnen, damit sie von dort oben heruntergeholt werden („Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben“). Er tut es nicht, weil er sie nicht ausstehen kann, sondern gerade weil er auch sie liebt. Er möchte, dass auch sie gerettet werden. Deshalb rüttelt er an ihrem Ego. Sie sind zu verstockt, sodass Jesus sich auf den Rückweg machen muss. Wir wissen nicht, was aus diesen Menschen geworden ist. Womöglich haben sie sich dann doch noch bekehrt. Dafür ist es ja noch nicht zu spät.
Mit den Pharisäern haben wir heute ein Negativbeispiel und einen Gegensatz zur Haltung des Psalmisten. Er durchschaut die Lektionen Gottes und bewertet Gottes Demütigungen positiv. Er weiß, dass er so zu einem besseren Menschen wird. Die Pharisäer sind im heutigen Evangelium leider noch nicht so weit.
Jesus steigt wieder ins Boot und fährt ans andere Ufer. Er geht zu jenen, die ihn annehmen, denn Gott ist ein Gentleman. Er drängt sich nicht auf, sondern zieht sich zurück, wo wir ihn ablehnen. Dann muss er schmerzhaft zusehen, wie wir die Konsequenzen dieser Ablehnung tragen müssen. Er wird dann wieder ein Lebenszeichen geben, hier und da nach uns rufen und immer wieder um uns werben. Und nach und nach wird er die Versteinerung unseres Herzens abbauen wie in einem Steinbruch, um Edelsteine zutage zu fördern, die wir nicht einmal selbst dort erwartet haben. Gott gibt uns nicht auf, selbst wenn er sich manchmal zurückzieht. Denn wir alle sind seine geliebten Kinder.

Ihre Magstrauss

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