Donnerstag der 4. Woche der Fastenzeit

Ex 32,7-14; Ps 106,19-20.21-22.23-24; Joh 5,31-47

Ex 32
7 Da sprach der HERR zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben.
8 Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht, sich vor ihm niedergeworfen und ihm Opfer geschlachtet, wobei sie sagten: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.
9 Weiter sprach der HERR zu Mose: Ich habe dieses Volk gesehen und siehe, es ist ein hartnäckiges Volk.
10 Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt! Dich aber will ich zu einem großen Volk machen.

11 Mose aber besänftigte den HERRN, seinen Gott, indem er sagte: Wozu, HERR, soll dein Zorn gegen dein Volk entbrennen, das du mit großer Macht und starker Hand aus dem Land Ägypten herausgeführt hast.
12 Wozu sollen die Ägypter sagen können: In böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Lass ab von deinem glühenden Zorn und lass dich das Unheil reuen, das du deinem Volk antun wolltest!
13 Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du selbst geschworen und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben und sie sollen es für immer besitzen.
14 Da ließ sich der HERR das Unheil reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.

Heute hören wir aus dem Buch Exodus die große Sünde des Volkes Israel, das noch nicht einmal vom Sinai weggezogen, jedoch schon untreu geworden ist. Mose verbringt lange Tage auf dem Berg, um von Gott die Zehn Gebote zu erhalten. In seiner Abwesenheit wird das Volk unruhig und fordert Moses Bruder Aaron dazu auf, ein Kultbild zu gießen, das sie als Gott anbeten können. Warum aber gießen sie ein Kalb? Dies hängt mit dem in Ägypten importierten Baalskult zusammen, wo eine Verschmelzung mit dem ägyptischen Gott Seth stattgefunden hat. So wird der Stier zum Symbol des Fruchtbarkeits- und Wettergottes Baal, der mit Stierhörnern dargestellt worden ist. Die Israeliten haben viele Jahrhunderte in Ägypten verbracht und so ist der Baalskult für sie etwas Vertrautes.
Gott warnt Mose nun, dass das Volk ins Verderben läuft. Er möchte nicht, dass sein auserwähltes Volk, seine Braut, mit der er den Bund geschlossen hat, ins offene Messer läuft. So schickt er Mose hinunter, um den Götzendienst des Volkes zu beenden. Innerhalb kürzester Zeit haben sie all das Gute vergessen, dass Gott ihnen getan hat. Sie haben sich ein Kultbild gemacht und Opfer dargebracht. Sie sagen sogar: „Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben.“ Sie tun so, als ob dieser Götze der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sei. Warum heißt es eigentlich „Götter“ und nicht „Gott“, wenn es nur ein Kultbild ist? Im Hebräischen wird hier das Wort אֱלוֹהִים elohim verwendet. Grammatikalisch handelt es sich um einen Plural. Das Wort für Gott gibt es dabei nur als Pluralform, sodass man in der Übersetzung entscheiden muss, ob es wörtlich mit „Götter“ zu übersetzen ist (bei Religionen mit Polytheismus macht das Sinn) oder mit „Gott“ (und dann auf den Monotheismus der Juden bezogen). Hier hat die Einheitsübersetzung sich entschieden, die wörtliche Übersetzung zu verwenden, um den Vielgötterglauben der Ägypter zu betonen.
Das Volk Israel ist hartnäckig, so sagt es Gott zu Mose. Wir könnten auch ein typisch neutestamentliches Wort hier einsetzen, nämlich verstockt. Es ist stur und will nicht auf den Herrn hören. Es lässt sich nicht formen nach Gottes Willen, da es aus einem ganz harten Material ist. Auch die Pharisäer und Schriftgelehrten sind so hart, dass sie sich nicht belehren, das heißt von Jesus formen lassen. Er möchte ihnen so viele Lektionen geben, so viele Chancen, dazu zu lernen. Doch sie erkennen das alles nicht, sondern sehen immer wieder das Haar in der Suppe. Sie haben die Zeit der Gnade weder erkannt noch genutzt. Auch wir Menschen heute sind oft so verstockt, dass Gott gar nicht an uns wirken kann. Das liegt nicht an seiner mangelnden Allmacht, sondern an unserem fehlenden Willen. Er schätzt unsere Freiheit so sehr, dass er nur dann an uns wirkt, wenn wir es freiwillig zulassen. Wie sehr ist doch unser Herz verstockt, dass wir so viele Zeiten der Gnade erhalten und doch nicht erkennen, dass es die Zeit der Umkehr ist! Beten wir füreinander, dass unsere Herzen weich werden und wir ihn in unser Leben lassen, bevor es zu spät ist und er dann nicht auch zu uns sagt: „Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt.“ So möchte Gott sein Volk vernichten, doch Mose versucht alles, um ihn zu besänftigen. Er erinnert ihn daran, dass er doch das Volk aus Ägypten herausgeführt hat, nicht um es dann umzubringen. Das würde den Heiden die Bestätigung geben, dass er kein guter Gott sei. Was wir hier lesen, das Zwiegespräch des Mose mit Gott, ist sehr menschlich geschrieben und so spüren wir den Einfluss des Mose, der diesen Text niedergeschrieben hat. Gott muss sich nicht reuen lassen, denn er ist allein der Gute. Das ist, wie Mose es beschreibt. Reue ist eine menschliche Emotion aufgrund der Sünde. Gott sündigt nicht und muss nicht bereuen. So beschreibt es Mose aber, weil er es zu seiner Zeit nur so ausdrücken kann.
Mose erinnert Gott an die Verheißungen, die er Abraham und seinen Nachkommen gemacht hat. Er erinnert Gott an seinen eigenen Heilsplan.
So lässt sich Gott besänftigen und er verschont sein Volk. Im weiteren Verlauf wird Mose hinuntergehen und dem Volk Israel im wahrsten Sinne des Wortes die Leviten lesen lassen.

Ps 106
19 Sie machten am Horeb ein Kalb und warfen sich nieder vor dem Gussbild.

20 Die Herrlichkeit Gottes tauschten sie ein gegen das Abbild eines Stieres, der Gras frisst.
21 Sie vergaßen Gott, ihren Retter, der einst in Ägypten Großes vollbrachte,
22 Wunder im Land Hams, Furcht erregende Taten am Roten Meer.
23 Da sann er darauf, sie zu vertilgen, wäre nicht Mose gewesen, sein Erwählter. Der trat vor ihn in die Bresche, seinen Grimm abzuwenden vom Vernichten.
24 Sie verschmähten das köstliche Land, sie glaubten nicht seinem Wort.

Der Psalm reflektiert, was damals am Sinai passiert ist. Es war eigentlich eine ganz wunderbare Hochzeit zwischen Gott und seinem Volk (denn der Bundesschluss ist wie ein Ehebund). Doch noch gar nicht vom Traualtar des Berges weggegangen wird die Braut dem Bräutigam schon untreu, indem sie sich „vor dem Gussbild“ niederwirft. Die Bezeichnung „Horeb“ ist übrigens ein alternativer Name für den Berg Sinai.
Der Psalm betrachtet die Degradierung der Gottesverehrung: Die Herrlichkeit Gottes wird durch ein Gras fressendes Tier ausgetauscht. Das hebräische Wort für Herrlichkeit ist כָּבוֹד kavod, auf Griechisch immer die δόξα doxa, die Glorie, das ihn umhüllende Licht der überströmenden Gnade. Wie kann dieses aufgegeben werden für einen Stier, der auf der Weide steht und Gras frisst? Der Psalm betont, wie unvernünftig das ist und wie leichtfertig das Aufgeben der Gnade Gottes ist. Dies können wir wiederum auf die Zeitgenossen Jesu beziehen, die die Gnade, die seine Menschwerdung in ihr Leben gebracht hat, leichtfertig aufgeben für das Festhalten an dem geschriebenen Wort Gottes. Was ist größer? Der Buchstabe oder das fleischgewordene Wort Gottes!? Das eine schafft das andere nicht ab, so wie ein Stier an sich nicht schlecht ist (schließlich ist er Geschöpf Gottes), aber wie kann man zurückkehren zu der Zeit vor der großen Gnade, wenn man die große Gnade schon erhalten hat? Das hat mit ganz großem Unglauben zu tun. Man glaubt nicht an den großen Gott der Herrlichkeit, der ein ganzes Volk aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit hat und der einen Bund mit ihm geschlossen hat. Man glaubt Jesus Christus nicht, der der Messias ist, der Retter der Welt, die Erfüllung der Torah, ihre Personifizierung! Und auch heute sehen wir diese Haltung bei so vielen etlichen Menschen. Sie sind getauft und so zu Erben im Reiche Gottes eingesetzt worden, doch sie leben so, als wären sie nie getauft worden. Sie gehen zurück zum Zustand vor der großen Gnade, die ihnen im Sakrament erwiesen worden ist. So wie die Israeliten am Sinai und so wie die Zeitgenossen Jesu, die ihn mit eigenen Augen gesehen haben, werden wir Menschen heute Rechenschaft ablegen müssen dafür, dass wir die Gnade Gottes mit Füßen zertreten haben. So wie die Menschen damals vergessen die Menschen heute all die Heilstaten, die Gott in ihrem Leben gewirkt hat.
Und so wie Gott damals Mose berufen hat, für das Volk einzustehen, es aus Ägypten zu führen, ihm die Zehn Gebote zu vermitteln, vor allem aber für das Volk „in die Bresche“ zu springen, so hat er zu allen Zeiten der Heilsgeschichte Propheten zu seinem auserwählten Volk gesandt, dass es zur Vernunft komme und umkehre. Wie viele Menschen sind schon für das Volk Gottes in die Bresche gesprungen! Wie viele haben auch mit dem Beginn der Kirche ihr Leben gelassen, damit die Menschen umkehren! Wenn Gott zu Mose in der Lesung sagt: „Dieses Volk ist hartnäckig“, dann können wir das nicht nur auf das Volk Israel beschränken und uns schön herausreden. Dann ist es über den wörtlichen Sinn hinaus auf das neue Volk Gottes, auf das Volk des Neuen Bundes zu beziehen. Auch wir, die wir das Volk Gottes aus Heiden und Juden gleichermaßen sind, sind so hartnäckig. Gott sendet uns so viele Chancen, umzukehren und in der Kirche aufzuräumen. Wie viele Chancen hat die streitende Kirche auf Erden aber genutzt? Wie viel musste Gott schon zulassen, bis es endlich zu einer inneren Reinigung kam? Und wie ist es heute? Ist die Corona-Pandemie nicht eine dieser großen Chancen, in denen die Kirche sich endlich wieder darauf besinnen sollte, was ihre Berufung ist? Stattdessen schließt sie die Türen statt die Heilsmittel gerade in dieser Zeit zu vermehren…
Wenn es am Ende heißt: „Sie verschmähten das köstliche Land, sie glaubten nicht seinem Wort“, dann ist es auf mehrfache Weise zu verstehen. Wörtlich-historisch heißt es zunächst, dass das Volk Israel die Verheißung Gottes ignoriert hat, der ihnen das gelobte Land versprochen hat, in dem Milch und Honig fließen. Sie haben seinem Wort, dem Wort der Verheißung nicht geglaubt, das er bereits Abraham zugesagt hat. Dies müssen wir über den wörtlichen Sinn hinaus allegorisch lesen: Das Volk hat auch das gelobte Land, das Paradies ignoriert, aus dem es durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares verbannt worden ist. Dabei hat Gott ihnen durch Abraham auch die Rückkehr in dieses gelobte Land versprochen. So hat Israel viele Jahrhunderte und Jahrtausende den Messias erwartet, der die Tür zum Paradies wieder öffnen sollte. Er ist das fleischgewordene Wort Gottes, dem die Juden nicht geglaubt haben. Sie haben dieses Heil ignoriert, indem sie Jesus als den Messias ignoriert haben. Stattdessen haben sie ihn den Römern ausgeliefert und ans Kreuz schlagen lassen. In dieser Leserichtung sprechen wir hier nicht mehr von den Vätern zur Zeit des Mose, sondern von der religiösen Elite zur Zeit Jesu: von den Sadduzäern, Pharisäern und Schriftgelehrten.
Wir müssen es auch moralisch deuten: Mit jeder Sünde, die wir Menschen begehen, ignorieren wir das verheißene Land, das den reinen moralischen Zustand meint, den Stand der Gnade. Durch die Taufe hat Gott uns einen ganz reinen seelischen Zustand geschenkt. Er hat in unserer Seele Wohnung genommen, die der Tempel des Hl. Geistes ist. Mit jeder Sünde ignorieren wir es und entweihen den Tempel Gottes. Wir verlieren das gelobte Land unseres Herzens. Wir glauben dem Wort nicht, das in uns wohnt, Jesus Christus.
Und schließlich müssen wir es anagogisch deuten: Der Herr verheißt uns nach unserem Tod und am Ende der Zeiten das gelobte Land, in dem wir ganz und gar mit ihm in Gemeinschaft leben werden, das Himmelreich. Wir ignorieren dieses ewige Leben, indem wir seinem Wort nicht glauben, indem wir die Gebote nicht halten und fern von ihm leben. So gehen wir ins Verderben und werden auf ewig von ihm abgeschnitten sein. Gott tut alles, damit wir nicht verloren gehen. Er geht uns auf unseren Irrwegen nach, damit wir zu ihm zurückkehren. Eines Tages wird es aber zu spät sein, wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit zurückkehren wird. Kehren wir noch heute um und lassen ab von den Goldenen Kälbern unserer heutigen Zeit!

Joh 5
31 Wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis nicht wahr;
32 ein anderer ist es, der über mich Zeugnis ablegt, und ich weiß: Das Zeugnis, das er über mich ablegt, ist wahr.
33 Ihr habt zu Johannes geschickt und er hat für die Wahrheit Zeugnis abgelegt.
34 Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an, sondern ich sage dies nur, damit ihr gerettet werdet.
35 Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet, doch ihr wolltet euch nur eine Zeit lang an ihrem Licht erfreuen.
36 Ich aber habe ein gewichtigeres Zeugnis als das des Johannes: Die Werke, die mein Vater mir übertragen hat, damit ich sie zu Ende führe, diese Werke, die ich vollbringe, legen Zeugnis dafür ab, dass mich der Vater gesandt hat.
37 Auch der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat über mich Zeugnis abgelegt. Ihr habt weder seine Stimme je gehört noch seine Gestalt gesehen
38 und auch sein Wort bleibt nicht in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat.
39 Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.
40 Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu haben.
41 Ehre von Menschen nehme ich nicht an.
42 Ich habe euch jedoch erkannt, dass ihr die Liebe zu Gott nicht in euch habt.
43 Ich bin im Namen meines Vaters gekommen und ihr nehmt mich nicht an. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, dann werdet ihr ihn annehmen.
44 Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander annehmt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?
45 Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde; Mose klagt euch an, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
46 Wenn ihr Mose glauben würdet, müsstet ihr auch mir glauben; denn über mich hat er geschrieben.
47 Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?

Im heutigen Evangelium hören wir eine Rede Jesu, nachdem er den Gelähmten am Teich Betesda geheilt hat. Der Tag ist aber ein Sabbat und aufgrund eines Wallfahrtsfestes voller Menschen, die an Jesu Sabbatheilung Anstoß nehmen. Als er daraufhin zu den empörten Juden sagt: „Mein Vater wirkt bis jetzt und auch ich wirke“, provoziert es die Juden nur noch mehr. So hält er ihnen nun eine lange Predigt darüber, wie sein Verhältnis zum Vater ist.
Daraus hören wir heute den zweiten Abschnitt, wobei Jesus im ersten unter anderem gesagt hat: „Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.“ (V.24). Er sagt selbst, was in Ps 106 bereits angeklungen ist: Wir sollen auf sein Wort hören, damit wir beim Gericht Gottes ins Leben hinübergehen können, das heißt in der Bildsprache des Exodus in das gelobte Land!
Jesus erklärt, zu Anfang des gehörten Abschnitts heute, dass nicht er selbst über sich Zeugnis ablegt (das kann nur bedeuten, dass es falsch ist), sondern ein anderer dies getan hat – Johannes der Täufer. Das wird schon im ersten Kapitel des Johannesevangeliums erklärt und nun erneut zur Sprache gebracht: Johannes hat Jesus bezeugt, der die Wahrheit ist (V.33), doch die Juden haben ihm nicht geglaubt, sondern sich nur eine Zeit lang an seinem Licht erfreut – nämlich solange sie durch ihn die Bußtaufe erhalten konnten. Doch er endete wie viele Propheten des Alten Testaments auch als Märtyrer.
Der Vater selbst legt Zeugnis über Jesus ab, indem er ihm die ganzen Vollmachten übertragen hat. Was Jesus alles tut, sollten für die schriftkundigen Juden eigentlich erkennbare messianische Heilstaten sein, die seine Sendung vom Vater beweisen.
Jesus spricht heute harte Worte, aber nicht weil er die Juden fertig machen will, sondern damit sie wachgerüttelt werden. Sie haben die Stimme des Vaters nicht gehört, seine Gestalt nicht gesehen und sein Wort bleibt auch nicht in ihnen. Das müssen wir mehrfach auslegen: Sein Wort ist zunächst seine Weisung, die Torah, die sie nicht richtig halten, wie sie sollten. Deshalb bleibt die Torah nicht in ihnen. Es ist aber auch allegorisch auf Christus zu beziehen, der das Wort ist. Gerade zu Anfang des Johannesevangeliums haben wir feierlich davon gehört, dass Jesus das Wort Gottes ist, das auf der Höhe der Zeit Fleisch geworden ist. Dieses Wort ist zu der Zeit, als Jesus diese Predigt nach der Betesda-Heilung hält, in den Juden: Man kann die griechische Formulierung ἐν ὑμῖν en hymin auch anders übersetzen, nämlich bedeutet das Wörtchen ἐν en in Verbindung mit Personengruppen auch „unter“. Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes ist also unter ihnen! Er wird aber nicht unter ihnen bleiben, sondern sterben. Er wird am dritten Tage auferstehen, aber er wird nach einigen Tagen zum Vater heimkehren. Bleiben wird er bei denen, die den Bund mit ihm eingehen – der Kirche. Dort wird er als Eucharistie realpräsent bleiben bis zum Ende der Zeiten. Dagegen wird er von denen weggehen, die ihn ablehnen, denn Gott schätzt den freien Willen des Menschen.
Wir müssen es auch moralisch verstehen: Er ist das Wort Gottes, er ist die Erfülllung der Gebote, die wir halten sollen und die wir durch die Sünde ablehnen. Dann bleibt das Wort in uns Menschen nicht mehr. Dann lehnen wir ihn ab wie die Juden im heutigen Evangelium. Dann werfen wir ihn aus unserem seelischen Tempel hinaus. Wenn wir uns aber im Sakrament der Beichte wieder mit ihm versöhnen, nimmt er wieder Wohnung in uns.
Schließlich verstehen wir es anagogisch: Wer sich bis zum Ende der Zeiten nicht bekehrt und das Wort aufnimmt, mit dem wird das Wort in der Ewigkeit auch nicht bleiben. Dann wird es den letzten Willen des Menschen ernst nehmen, der sich für die ewige Ferne von Gott entschieden hat, die wir die Hölle nennen. Wer das Wort in seinem Leben aber angenommen hat und entsprechend gelebt hat, mit dem wird das Wort auf ewig bleiben im Himmelreich.
Dann sagt Jesus etwas, das die ganze Heilige Schrift zusammenfasst: „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.“ Die Hl. Schrift ist ein einziges Zeugnis von Jesus Christus, angefangen in der Genesis und abschließend mit der Johannesoffenbarung! Deshalb nennen wir die Bibel auch das Wort Gottes – es ist eigentlich nur ein einziges Gotteswort in vielen Menschenworten. Sie atmet Jesus Christus mit jedem einzelnen Buchstaben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben die Aufgabe, die Hl. Schrift zu lesen und zu studieren (das, was wir heute Altes Testament nennen). Und doch sehen sie so viele etliche Bäume, ohne den Wald zu erkennen. Sie sehen das Offensichtliche nicht. Sie sehen Jesus, hören seine Worte, bezeugen seine Heilstaten, doch sie zählen eins und eins nicht zusammen. Alles, was er sagt und tut, ist die Erfüllung dessen, was im Alten Testament schon angekündigt worden ist. Aber jene, die die Schrift am besten kennen, schaffen es nicht, sie auf Jesus zu beziehen.
Jesus erklärt auch, warum sie es nicht schaffen: Ihnen fehlt die Liebe zu Gott. Sie unternehmen all die Studien aus anderen Gründen, nicht weil sie die Schriften als Liebesbrief des Vaters erkannt haben. Sie suchen ihre eigene Ehre und messen die anderen nach eigenem Maßstab („Ein Mensch tritt aus eigener Ehre auf, weil ich selbst ja auch aus eigener Ehre auftrete“). Sie ziehen nicht in Betracht, dass jemand aus Liebe zu Gott auftritt und nur diesem gefallen möchte, weil sie selbst so verdorben sind.
Jesus entlarvt die Schriftgelehrten, indem er ihr eigenes Handwerkszeug gegen sie verwendet: Mose erklärt alles, doch die Schriftgelehrten halten sich gar nicht daran. Hätten sie die Worte ernst genommen, die Mose dem Volk Israel übermittelt hat, hätten sie Jesus als den Messias erkannt. Denn dieser hat über Jesus geschrieben, der das Wort Gottes ist. Jesus macht nichts Eigenes, er denkt sich nichts Neues aus, sondern er liegt ganz in der Tradition der Heilsgeschichte Gottes. Was er tut, ist die Erfüllung des Gesetzes und die richtige Interpretation dessen.
Jesu Worte sind ganz aktuell, denn auch heute gibt es so viele Schriftgelehrte, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Jesus ist ganz da in der heiligen Eucharistie. Er ist genauso präsent wie damals, als er in Menschengestalt auf Erden gewandelt ist. Er ist nun verborgen in einer kleinen Hostie und nimmt in jeder Hl. Messe Materie an. Alles, was wir in der Hl. Schrift lesen, verdichtet sich in der Liturgie! Und doch erkennen es die Gelehrten unserer Zeit kaum, weil sie eins und eins nicht zusammenzählen. Wie viele meinen, dass sie Gott ganz verstanden haben, weil sie so gelehrt sind. Sie halten es nicht für nötig, der Liturgie beizuwohnen. Dabei lehrt Jesus Christus uns in der Hl. Messe mehr, als wir im ganzen Theologiestudium gelernt haben! Dann sagt auch Jesus uns heute: „Hättet ihr die Hl. Schrift ernstgenommen, die ihr durch eure Wissenschaft so verhunzt, dann hättet ihr mich hier in der Hl. Eucharistie erkannt. Denn diese ist die Verdichtung der gesamten Schrift.“

Es ist nicht zu spät, auch jetzt noch umzukehren. Wir haben so viele Glaubensvorbilder, die als Gelehrte meinten, alles zu wissen, und dann ihre erste Hl. Messe erlebt haben, bei denen es ihnen wie Schuppen von den Augen gefallen ist. Die dann vor dem Herrn in die Knie gegangen sind und wie der Hl. Thomas gesagt haben: „Mein Herr und mein Gott!“ Schauen auch wir genau hin und nehmen auch wir in unserem kirchlichen Leben sowie Alltag den Wald wahr. Dann werden wir aufs Neue das Wort in uns aufnehmen können, sodass es in uns bleibe.

Ihre Magstrauss

Montag der 6. Woche im Jahreskreis

Jak 1,1-11; Ps 119,67-68.71-72.75-76; Mk 8,11-13

Jak 1
1 Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, grüßt die zwölf Stämme in der Diaspora. 

2 Nehmt es voll Freude auf, meine Brüder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet! 
3 Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt. 
4 Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt. 
5 Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemandem einen Vorwurf. 
6 Wer bittet, soll aber im Glauben bitten und nicht zweifeln; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Wind hin und her getrieben wird. 
7 Ein solcher Mensch bilde sich nicht ein, dass er vom Herrn etwas erhalten wird: 
8 Er ist ein Mann mit zwei Seelen, unbeständig auf all seinen Wegen. 
9 Der Bruder, der in niederem Stand lebt, rühme sich seiner hohen Würde, 
10 der Reiche aber seiner Niedrigkeit; denn er wird dahinschwinden wie die Blume im Gras. 
11 Denn die Sonne geht auf mit ihrer Hitze und versengt das Gras; die Blume verwelkt und ihre Pracht vergeht. So wird auch der Reiche vergehen in allem, was er unternimmt. 

Heute beginnen wir eine Reihe von Lesungen aus dem Jakobusbrief, einem der katholischen Briefe, der der Tradition der Kirche nach von Jakobus dem Jüngeren abgefasst worden ist, dem Sohn des Alphäus, der wiederum ein Verwandter bzw. deren Frau eine Verwandte der Eltern Jesu war. Deshalb wird Jakobus auch der Herrenbruder Jesu genannt. Seine Schrift zeugt von einer sehr guten Kenntnis jüdischer Weisheitstraditionen, weshalb er viel aus den weisheitlichen Schriften zitiert, ebenso die anderen Schriften des AT.
Der Briefbeginn ist klassisch aufgebaut wie jeder antike Brief und auch die Paulusbriefe. Jakobus nennt sich selbst als Absender („Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus“). Danach wird der Empfänger des Briefes genannt („die zwölf Stämme in der Diaspora“). Das Ganze ist als Grußwort gestaltet, wie antike Präskripte es so an sich haben. Bemerkenswert ist, wie Jakobus die Adressaten hier bezeichnet. Das Motiv der „zwölf Stämme“ ist eindeutig dem alten Bund Gottes mit den zwölf Stämmen Israels angelehnt, meint nun aber die Stämme des neuen Bundes. Durch den Zusatz „in der Diaspora“ wird deutlich, dass Jakobus seinen Brief an verschiedene Gemeinden verstreut im ganzen römischen Reich richtet. Dies kennzeichnet seinen Brief als katholisch im wörtlichen Sinn „umfassend“. In diesem Sinne werden diese Schrift sowie die des Petrus, Johannes und Judas als katholisch bezeichnet.
Jakobus möchte mit seinem Schreiben die Christen in der Zerstreuung in ihrer schwierigen Lage trösten und stellt in der Krise die Chance heraus: „Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt“ und deshalb ist die Versuchung sogar ein Grund zur Freude. Wenn Jakobus das hier schreibt, ist sein Wort nicht nur für die damaligen Christen relevant, sondern auch für uns! Gott lässt zu, dass wir allerlei Versuchungen durchstehen müssen. Er gibt uns auch die Kraft und den Trost, es durchzuhalten. Und danach werden wir merken, dass unser Glaube gestärkt worden und unser Geduldsfaden dicker geworden ist. Umgekehrt ist es dann sogar noch so, dass wir uns fragen müssen, was schief läuft, wenn wir nicht versucht werden. Das griechische Wort für „Geduld“ ist ὑπομονή hypomone und kann auch mit „Standhaftigkeit“ übersetzt werden. Durch die Versuchungen wird unsere Standhaftigkeit also immer stärker und so werden Krisen zu Chancen.
Diese Geduld oder Standhaftigkeit als gewonnene Tugend soll zu einem vollkommenen Werk führen – wir verstehen es moralisch als Heiligkeit, anagogisch als Voraussetzung für den Himmel. Beide Ebenen zeigen sich auch am Nebensatz: „Damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt.“ Einerseits wird hier mit dem griechischen Wort für „vollkommen“ τέλειοι teleioi die Erlangung von Heiligkeit ausgedrückt, andererseits ist eine andere Übersetzung „vollbracht, vollendet“. Dann wird die anagogische Ebene betont, dass wenn die Christen bis zum Ende standhaft geblieben sind, Gottes Herrlichkeit schauen dürfen wie Jesus, der am Kreuze zum Schluss sagte „es ist vollbracht“ (Joh 19,30). Der zweite Teil des Nebensatzes ist etwas ungünstig übersetzt. Man müsste wörtlich formulieren „in nichts zurückbleibend“. So ist es moralisch zu verstehen als „sie können sich dann mit den anderen Heiligen messen, sie stehen ihnen von der Tugendhaftigkeit in nichts nach.“ Die alternative Übersetzungsmöglichkeit „verlassen, zurücklassen“ bringt die anagogische Bedeutung des Verses wieder zum Vorschein in dem Sinne, dass die Vollendeten in nichts zurückgelassen werden wie die törichten Jungfrauen im Gleichnis Jesu. Sie werden mitgenommen ins Himmelreich.
In Vers 5 wird die moralische Ebene weitergeführt, indem es heißt: „Fehlt es aber einem von euch an Weisheit“ (griechisch σοφία sofia). Das erinnert uns an Paulus gestern, der in 1 Kor 2 über den Gegensatz von göttlicher und weltlicher Weisheit spricht. Hier geht es um die Weisheit Gottes, die dem Menschen durch den Hl. Geist als Gabe geschenkt wird. Wie auch an anderer Stelle wird dadurch ausgedrückt, dass wir die Gnadengaben Gottes erbitten müssen bzw. dürfen.
Was Jakobus hier schreibt, entkräftet die Vorwürfe Luthers, der eine Werksgerechtigkeit in den Brief hineingelesen hat. Einerseits soll man tugendhaft sein wie es die vorherigen Verse deutlich machen. Andererseits kann man aus eigener Kraft nicht perfekt werden. Man muss von Gott erbitten, was an einem dennoch mangelhaft bleibt. Hier kristallisiert sich ein Teamwork heraus, das aus den menschlichen Bemühungen und den Gnadengaben Gottes besteht. Die Art und Weise, wie Gott dann gibt, ist allen, einfach/gern (ἁπλός haplos) und ohne zu tadeln. Dieser Nebensatz ist eine Partizipialkonstruktion, die gewählt wird, um Gottes anhaltende Freigiebigkeit und Güte auszudrücken. Gott gibt die Gnade deshalb gern, weil er die Bemühungen des Bittenden sieht. Sein Mangel ist ja nicht selbst verschuldet und so gibt es keinen Grund zu Vorwürfen.
Die Voraussetzung ist aber, dass man nicht zweifelnd bittet (μηδὲν διακρινόμενος meden diakrinomenos). Vielmehr soll man in Glauben bitten (ἐν πίστει en pistei). Sonst ist man wie eine hin und her getriebene Meereswoge. Dieser Vergleich mit einem Naturphänomen erinnert uns an die weisheitlichen Schriften des AT und auch an Jesu Gleichnisse, die ebenfalls an die Weisheit des AT angelehnt sind. Mit so einer Mentalität wird man von Gott aber nichts bekommen. Wir müssen hier verstehen warum: Gott verweigert uns keine Gnade oder stellt Bedingungen. Wir können sie nur dann empfangen, wenn wir fest dazu stehen. Wir selbst stellen uns in den Weg, sodass Gott uns die Gnade nicht schenken kann. Man ist wie ein Mensch mit zwei Seelen (δίψυχος dipsychos). Das Herz soll aber nicht geteilt sein, sondern ganz Gott gehören und so auch die Entscheidungen. Die Unbeständigkeit „auf all seinen Wegen“ ist ein typisch moralischer Ausdruck. Die Wege sind auf den moralischen Lebenswandel zu beziehen. Ein Mensch, der innerlich gespalten ist, wird dieses Hin und Her in alle Entscheidungen und Verhaltensweisen übertragen (ἀκατάστατος akatastatos „nicht stabil, unstet“). Vor einigen Tagen beteten wir im Psalm „ach wären doch meine Schritte fest“, was genau diese fehlende Stabilität sicheren Fußes auf dem Weg ins Himmelreich meint.
Wer niedrig ist, kann sich der hohen Würde freuen, wohingegen der Hochstehende vergehen wird. Es ist wie Jesu Aussage „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden und wer sich selbst erniedrigt wird erhöht werden.“ (z.B. Mt 23). Die Zustände werden sich im Reich Gottes umkehren, sodass die Demütigen (wer sich selbst erniedrigt) am Ende die Großen sind, die Hochmütigen (wer sich selbst erhöht) aber den Kürzeren ziehen. Dies wird ansatzhaft schon in diesem Leben deutlich, was wir an dem Sprichwort sehen können „Hochmut kommt vor dem Fall“. Einen solchen erfährt man durchaus schon in diesem Leben. Aber wie muss man das verstehen? Soll man als Demütiger wirklich angeben? Verliert man dann nicht die Gnade? Das griechische Verb ist hier καυχάομαι kauchaomai, was tatsächlich „sich rühmen, prahlen“ heißt. Wir müssen aber die jeweiligen Bezugswörter beachten, dann werden wir es richtig verstehen: Wir rühmen uns nicht unserer eigenen, selbst verdienten Würde, sondern der Gnade Gottes. Es ist wie ein Lobpreis und eine Anerkennung Gottes, der den Menschen vervollkommnet hat, wo er Mangel hat. Demütig zu sein, heißt nicht, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Vielmehr soll man Gottes Wirken laut preisen und zugleich zugeben, dass es SEIN Werk ist, nicht das eigene. Mithilfe eines weiteren Naturvergleichs stellt Jakobus heraus, wie es aber mit dem Reichen ist (πλούσιος plusios „reich an etwas, vornehm“). Er ist wie eine Blume, die von der Hitze versengt wird. Was ist denn mit „reich“ gemeint? Es ist weniger der finanzielle Reichtum, vielmehr das Erfülltsein vom eigenen Ego oder Stolz. Wer sein Gutsein auf sich selbst bezieht und nicht die Gnade Gottes anerkennt, der verliert das Gutsein ganz schnell wieder. Gott kompensiert den eigenen Mangel nicht, damit man sich mit fremden Federn schmücken kann.
Der Reiche wird keinen Segen mehr haben in dem, was er tut. Das wird durch den letzten Vers ausgesagt.

Ps 119
67 Ehe ich gedemütigt wurde, ging ich in die Irre, nun aber will ich deinen Spruch beachten. 
68 Gut bist du und tust Gutes. Lehre mich deine Gesetze!
71 Dass ich gedemütigt wurde, ist für mich gut, damit ich deine Gesetze lerne. 
72 Gut ist für mich die Weisung deines Munds, mehr als große Mengen von Gold und Silber.
75 Ich habe erkannt, HERR, dass deine Entscheide gerecht sind und dass es Treue ist, wenn du mich beugst. 
76 Tröste mich in deiner Liebe, nach dem Spruch für deinen Knecht!

Gerade der letzte Teil des Jakobusbriefes wird nun im Psalm reflektiert, wobei der Abschnitt erneut aus Ps 119 entnommen ist. Es handelt sich dabei um den längsten Psalm des gesamten Psalters.
„Ehe ich gedemütigt wurde, ging ich in die Irre“ erklärt schon den Sinn der Demütigung. Gott rüttelt den Menschen wach, der sich verirrt. Er tut es, um ihn zurückzuholen. Gott ist weder Sadist noch schadenfroh. Er möchte, dass wir glücklich werden und Überheblichkeit macht uns unglücklich. Der Beter hat Gottes Lektion auch erkannt und sagt deshalb „nun aber will ich deinen Spruch beachten“. Wie oft verstehen wir Gottes Lektionen aber nicht! Wir bleiben so oft auf dem Holzweg, obwohl uns Gott wiederholt Warnsignale schickt. Diese werden immer lauter und doch wollen wir sie nicht hören. Wie gut, wenn wir dann doch Einsicht haben, denn je später wir unseren Irrweg erkennen, desto schmerzhafter ist der Weg der Umkehr. Schließlich wird es immer anstrengender, je länger der Weg ist, den wir wieder zurücklaufen müssen zur richtigen Route.
Gestern haben wir bedacht, dass Gott nicht schuld für unsere Vergehen ist. Wir selbst schlagen die Irrwege ein. Und dies betont auch der Psalm hier, wenn es heißt: „Gut bist du und tust Gutes.“ Gott ist nicht böse und auch kein Verführer. Er lässt zu, dass wir die Konsequenzen unserer falschen Entscheidungen tragen, aber diese müssen wir uns selbst zuschreiben. Alles, was er tut, dient uns zum Heil und deshalb bittet der Psalmist Gott um seine Unterweisung.
Er versteht sogar, dass die Demütigungen auf seinem Lebensweg heilsam und notwendig und Teil der Einweisung in Gottes Gesetze sind. Wie glücklich wären wir Menschen doch, wenn wir hinter so manchen Krisen unseres Lebens Gottes lehrende Hand erkennen würden! Denn was uns oft Angst bereitet, ist die Gefährdung unseres Egos, unseres guten Rufes etc. Dies erinnert auch an den Beginn des Jakobusbriefs, wo Versuchungssituationen sogar Grund zur Freude sein sollen.
Gottes Lektionen, seine Schulungen und Einweisungen in die Gebote sind viel mehr wert als Gold und Silber. Sie sind ja Güter bis in die Ewigkeit hinein. Gold und Silber können wir dort nicht mit hinnehmen.
„Ich habe erkannt“ freut uns für den Psalmisten und wir beten ja darum, ebenfalls solche Einsicht zu erhalten. Wie heilsam ist es doch, wenn wir die Umwege unseres Lebens aus der Sicht Gottes bewerten können und seine Handschrift in unserem Leben entdecken. Wenn Gott uns Menschen in demütigende Situationen führt, ist es gut für uns, weil wir dadurch zu besseren Menschen werden – aber nur unter der Voraussetzung, dass wir daraus lernen. Es kann genauso sein, dass es uns verbittern lässt und wir mit Gott hadern. Dann hat die Lektion nicht gefruchtet, weil sie als solche nicht erkannt worden ist. Gott könnte uns dem „Schicksal überlassen“, aber er formt uns nach seinem Bild. Deshalb ist es ein Zeichen seiner Treue, wenn er Demütigungen an uns zulässt. Er möchte, dass wir ihm immer ähnlicher werden. Deshalb müssen wir immer wieder vom hohen Ross heruntergeholt werden.
Dass es schmerzhaft ist, gedemütigt zu werden, gibt der Psalm durch den letzten Vers zu, den wir hier beten: „Tröste mich in deiner Liebe“. Es ist schmerzhaft, wenn auch notwendig. Gott ist aber auch wie eine liebende Mutter, die das verletzte Kind auf den Schoß nimmt und die Schramme liebevoll anpustet. Wenn einem das Fahrradfahren beigebracht wird, fällt man auch immer wieder hin. Es ist normal im Lernprozess. Nichtsdestotrotz trösten die Eltern einen auch, wenn man sich verletzt hat. So können wir uns Gottes Pädagogik vorstellen. Er lässt uns fallen, tröstet uns aber auch in unserem Schmerz. So werden wir dann nicht zu verbitterten Seelen, die mit Gott hadern, sondern erkennen seine liebevolle Beziehung zu uns, die wir seine geliebten Kinder sind.

Mk 8
11 Da kamen die Pharisäer und begannen ein Streitgespräch mit ihm; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn zu versuchen. 
12 Da seufzte er im Geist auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, ich sage euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden. 
13 Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer.

Das Evangelium ist heute sehr kurz. Warum? Weil die Pharisäer, denen Jesus heute begegnet, die ganze Sache abkürzen.
Jesus hat die Menge gespeist und ist direkt im Anschluss mit dem Boot nach Dalmanuta gefahren. Dort hat er nun angelegt und trifft dort auf die ansässigen Pharisäer. Das Problem ist nicht, dass es ein Streitgespräch gibt, denn das griechische Wort συζητεῖν syzetein meint zunächst eine Debatte und nichts Verwerfliches. Das Problem ist vielmehr, dass sie Gott auf die Probe stellen wollen wie der Satan Jesus in der Wüste versucht: Sie fordern ein Zeichen vom Himmel von Jesus. Das ist insofern eine Versuchung, weil sich Jesus bei seiner Menschwerdung entäußert hat. Gott verzichtet auf seine göttliche Allmacht, verbirgt seine Weisheit, wird den Menschen gleich und ist derjenige, der sich maximal gedemütigt hat. Er könnte mit einem Schnips alles umwerfen und die Welt zusammenbrechen lassen. Stattdessen lässt er sich verspotten, sogar noch am Kreuz. Er tut es, um die Menschheit zu erlösen. Und wenn die Pharisäer nun ein Zeichen vom Himmel wollen, dann fordern sie ihn heraus, seine Göttlichkeit zu offenbaren, die Entäußerung aufzugeben. Wer eigentlich dahintersteckt, das erkennt Jesus sofort. Es ist der Böse, der sich der Pharisäer hier bedient, um Jesus anzugreifen.
Die Pharisäer von Dalmanuta haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Jesus hätte sie so viel lehren können, doch sie sitzen auf einem zu hohen Ross. Jesus spricht harte Worte zu ihnen, damit sie von dort oben heruntergeholt werden („Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben“). Er tut es nicht, weil er sie nicht ausstehen kann, sondern gerade weil er auch sie liebt. Er möchte, dass auch sie gerettet werden. Deshalb rüttelt er an ihrem Ego. Sie sind zu verstockt, sodass Jesus sich auf den Rückweg machen muss. Wir wissen nicht, was aus diesen Menschen geworden ist. Womöglich haben sie sich dann doch noch bekehrt. Dafür ist es ja noch nicht zu spät.
Mit den Pharisäern haben wir heute ein Negativbeispiel und einen Gegensatz zur Haltung des Psalmisten. Er durchschaut die Lektionen Gottes und bewertet Gottes Demütigungen positiv. Er weiß, dass er so zu einem besseren Menschen wird. Die Pharisäer sind im heutigen Evangelium leider noch nicht so weit.
Jesus steigt wieder ins Boot und fährt ans andere Ufer. Er geht zu jenen, die ihn annehmen, denn Gott ist ein Gentleman. Er drängt sich nicht auf, sondern zieht sich zurück, wo wir ihn ablehnen. Dann muss er schmerzhaft zusehen, wie wir die Konsequenzen dieser Ablehnung tragen müssen. Er wird dann wieder ein Lebenszeichen geben, hier und da nach uns rufen und immer wieder um uns werben. Und nach und nach wird er die Versteinerung unseres Herzens abbauen wie in einem Steinbruch, um Edelsteine zutage zu fördern, die wir nicht einmal selbst dort erwartet haben. Gott gibt uns nicht auf, selbst wenn er sich manchmal zurückzieht. Denn wir alle sind seine geliebten Kinder.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der 1. Woche im Jahreskreis

1 Sam 3,1-10.19-20; Ps 40 (39),2 u. 4ab.7-8.9-10; Mk 1, 29-39

1 Sam 3
1 Der junge Samuel versah den Dienst des HERRN unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des HERRN selten; Visionen waren nicht häufig.
2 Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden und er konnte nicht mehr sehen. 
3 Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen und Samuel schlief im Tempel des HERRN, wo die Lade Gottes stand. 
4 Da rief der HERR den Samuel und Samuel antwortete: Hier bin ich. 
5 Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. 
6 Der HERR rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!
7 Samuel kannte den HERRN noch nicht und das Wort des HERRN war ihm noch nicht offenbart worden. 
8 Da rief der HERR den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben gerufen hatte. 
9 Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich ruft, dann antworte: Rede, HERR; denn dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. 
10 Da kam der HERR, trat heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört. 
19 Samuel wuchs heran und der HERR war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten zu Boden fallen. 
20 Ganz Israel von Dan bis Beerscheba erkannte, dass Samuel als Prophet des HERRN beglaubigt war.

Gestern hörten wir von der wunderbaren Gebetserhörung Hannas. Es ist jedesmal eine große Freude, wenn kinderlosen Paaren endlich ein Kind geschenkt wird, die so sehr darunter gelitten haben. Wir haben uns die letzten zwei Tage wirklich für Hanna mitgefreut! Heute hören wir nun von diesem besonderen Sohn, der von klein auf im Tempel bei Eli aufwächst. Er ist in dieser Hinsicht mit der Mutter Jesu zu vergleichen, die laut Protevangelium des Jakobus ebenfalls im Tempel als geweihtes Kind aufgewachsen ist – ebenfalls von unfruchtbaren Eltern, die die Weihe des Kindes als Versprechen der Gebetserhörung einlösen.
Das Kind wächst zunächst auf wie jedes andere. Es ist in den Tempel gebracht worden, sobald es „entwöhnt“, also abgestillt worden ist. Eli ist mittlerweile alt und sieht schlecht. Er schläft und es ist Nacht. Dieses Detail ist wichtig, damit man versteht, warum Samuel im Folgenden denkt, dass Eli ihn ruft – er ist so blind, dass er der Hilfe des Jungen bedarf.
Samuel schläft im Tempel in der Nähe der Bundeslade. Das ewige Licht brennt noch (laut Ex 27,20-21 soll die Lampe von Abend bis zum Morgen brennen), weshalb wir wissen, dass es noch Nacht ist. Samuel sieht außerdem, dass sonst kein anderer im Raum ist, der ihn rufen könnte. Eigentlich könnte und müsste man jetzt einen langen Aufsatz über diesen Leuchter, die Menora, schreiben, weil sie typologisch zum Symbol für Christus wird, dem Licht der Welt. Ihre tiefe Symbolik entfaltet sich Stück für Stück gemäß Psalm 119,105: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade.“ Die Menora umfasst nämlich in ihren Details die Gesamtheit der Schriften der gesamten Bibel (Jesus, das Wort Gottes!), hat insgesamt die Form eines Baumes mit Mandelblüten (der Baum des Lebens, der zum Holz des Kreuzes wird, an dem der neue Adam hängt!), sie ist das ewige Licht (Jesus, das Licht, das den Völkern gebracht wird, die in der Finsternis wohnen!) und ohne das Öl brennt die Lampe nicht (die Salbung des Hl. Geistes!). Ich höre jetzt aber auf, denn das ist keine Abhandlung über die Menora, sondern eine Auslegung der Schriftstelle.
Gott ruft Samuel und dieser sagt „hier bin ich“. Wir dürfen uns das so vorstellen, dass die Stimme von der Bundeslade kommt. Sie ist analog zur Stimme aus dem brennenden Dornbusch zu betrachten. Verweilen wir kurz bei „hier bin ich“. Im Hebräischen steht הִנֵּנִי hinneni. Diese Antwort hat die Kirche zum terminus technicus auf den Ruf Gottes gemacht – sie hat ihn integriert in den Ritus der Priesterweihe. Der Weihebewerber wird namentlich aufgerufen so wie Samuel in dieser Perikope. Daraufhin antwortet der Bewerber mit „hier bin ich“ oder „adsum“.
Samuel läuft daraufhin zu Eli, dessen Rufen er vermutet. Wiederholt sagt er zu ihm „hier bin ich“, um ihm zu signalisieren, dass er da ist. Eli hat ihn aber nicht gerufen und schickt ihn wieder schlafen. Gott ruft Samuel dann zum zweiten Mal und da bemerkt man schon ein gewisses Zögern. Samuel steht zwar auf, aber er geht nun und rennt nicht zu Eli (וַיֵּ֣לֶךְ wajelech). Er ruft auch nicht sofort „hier bin ich“, sondern erst, als er beim alten Mann angekommen ist. Dieser schickt ihn erneut weg, weil er ihn nicht gerufen hat.
Daraufhin kommt die Bemerkung, dass Samuel den HERRN noch nicht kannte. Man muss dieses „kennen“ als „kennenlernen“ verstehen (die Verbform ist hier יָדַע jada), denn Samuel ist das „Wort des HERRN noch nicht offenbart worden“. Zu Anfang der Perikope wurde ja schon erklärt, dass Gott sich den Menschen in jener Zeit selten durch Eingebungen („Wort des HERRN“) offenbarte. Samuel hat dergleichen noch kein Mal erfahren, also noch keine Begegnung mit Gott gehabt. Das ist auch der Grund, warum er selbst beim dritten Rufen nicht versteht, wer ihn ruft. Er geht wieder in Ruhe zu Eli und sagt hinneni, „hier bin ich“. Der alte Mann versteht nun, was passiert, und trägt dem Jungen auf, beim nächsten Mal „Rede HERR; denn dein Diener hört“ zu sagen. Eli hat verstanden, dass der Junge sich das Rufen nicht dreimal eingebildet haben kann, und dass es Gott selbst sein muss.
Es kommt nun dazu, dass Gott den Samuel erneut ruft. Dabei wird in Vers 10 gesagt, dass Gott hinzutritt (וַיִּתְיַצַּ֔ב wajitjazaw). Dies ist natürlich ein Anthropomorphismus, denn Gott ist Geist, kann also nicht hinzutreten. Gemeint ist, dass Gott gegenwärtig ist. Samuel tut, was Eli ihm erklärt hat, und sagt nun „rede HERR, denn dein Diener hört“.
Samuel wächst heran und Gott gibt ihm im Laufe seines Älterwerdens Worte ein, die dieser nie „zu Boden fallen“ lässt. Dieser Ausdruck erinnert an Onan, der seinen Samen zu Boden fallen lässt, damit dieser keine Frucht bringt, also kein Kind entsteht. Samuel lässt Gottes Worte immer fruchtbar werden, denn er ignoriert sie nie.
Ganz Israel erkennt seine Vollmacht als Prophet an, die Gott ihm verliehen hat.

Ps 40
2 Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien. 
4 Er gab mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf unseren Gott. 
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. 
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern. 
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.

Der heutige Psalm ist durchaus anzulehnen an die Episode des Samuelbuches. Die Mutter Samuels Hanna hat die Hoffnung auf den HERRN und ihr Schreien ist erhört worden. Sie bekommt einen Sohn und weiht ihn dem Tempel. Auch Hanna hat einen Lobgesang auf Gott erhalten – „er gab mir ein neues Lied in den Mund“ zeigt, dass es vom Heiligen Geist eingegeben worden ist. Wir beteten gestern diesen Lobgesang der Hanna über die Gebetserhörung Gottes. Diese Verse schreibt David, für den dies alles auch gilt: Gott hat sein Gebet immer wieder erhört und auch er hat vom Hl. Geist viele Lobgesänge geschenkt bekommen. Wir haben sie als Psalter überliefert.
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist auch darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Uns geht dies vor allem auf, wenn wir an die Söhne Elis denken, von denen wir noch im ersten Samuelbuch hören werden: Hofni und Pinhas erledigen den Tempeldienst und sind dabei total gierig. Sie leben nicht, wie es Gott gefällt und deshalb bringen die Opfer in ihrem Fall nichts. Diese machen sie nicht gerecht vor Gott.

Mk 1
29 Sie verließen sogleich die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. 
30 Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen sogleich mit Jesus über sie 
31 und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie diente ihnen.
32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. 
33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt
34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu sagen, dass sie wussten, wer er war.
35 In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. 
36 Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,
37 und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. 
38 Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich gekommen. 
39 Und er zog durch ganz Galiläa, verkündete in ihren Synagogen und trieb die Dämonen aus.

Wir lesen im heutigen Evangelium die Fortsetzung des gestrigen Abschnitts. Direkt im Anschluss an den Exorzismus Jesu geht dieser mit seinen Jüngern zu Petrus und seinem Bruder nach Hause. Das ganze findet ja in Kafarnaum statt.
Dort tut Jesus nun ein weiteres Wunder, denn er heilt die kranke Schwiegermutter des Petrus. Wir stellen uns vor, wie die fünf Männer bei Petrus zuhause erscheinen und die Schwiegermutter sie eigentlich bewirten muss.
Jesus tut etwas, was wir öfter lesen: Er fasst sie bei der Hand und richtet sie auf. Das ist natürlich zunächst aus praktischen Gründen eine notwendige Geste. Jesus heilt sie, sodass sie nicht mehr niederliegen muss. Er hilft ihr also auf. Gleichzeitig lesen wir dahinter etwas viel Tieferes, genauso bei der Erweckung des toten Mädchens an anderer Stelle: Jesus erfüllt Jes 41 durch diese scheinbar banale Geste und jeder fromme Jude müsste es wie Schuppen vor den Augen fallen: „Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand ergreift und der zu dir sagt: Fürchte dich nicht, ich habe dir geholfen.“ Durch die Erfüllung der jesajanischen Verheißung muss der fromme Jude aber auch anerkennen, dass Jesus „der HERR“ ist, dass sie eins sind! Das Fieber verschwindet und die Schwiegermutter kann die Gäste bedienen. Auch das ist uns eine ganz große Lehre:
Gott heilt nicht, damit wir ein bequemeres Leben führen können. Gott lässt gerade körperliche Heilung zu, damit wir durch die gewonnene Gesundheit IHM besser DIENEN können. Er tut dies, wenn er einen besonderen Auftrag für den Menschen hat. Darum geht es in erster Linie: um die genesene Person zu berufen und um ihren Glauben zu stärken bzw. den Glauben der Umstehenden.
Übrigens findet diese Heilung an einem Sabbat statt. Das ist eigentlich ein Grund zur Anklage, aber erstens steht Jesus als Messias über dem Sabbat, zweitens können wir davon ausgehen, dass die Schwiegermutter des Petrus in Lebensgefahr schwebt, wo die Heilung an einem Sabbat ausnahmsweise erlaubt ist.
Die ganzen Menschenmassen, die nach Sonnenuntergang zum Haus des Petrus und Andreas kommen, halten sich an die jüdischen Gesetze, denn ab dem Sonnenuntergang ist in jüdischer Zählung der neue Tag angebrochen. Jesus heilt die Kranken und treibt die Dämonen aus, als es also nicht mehr Sabbat ist!
Am nächsten Tag tut Jesus, was er immer nach ausführlichen Heilungen und Verkündigungen tut – allein mit seinem Vater sein. Er füllt sich neu mit der Liebe des Vaters auf. Das ist für die Jünger Jesu eine große Lehre. Sie sollen sehen, wie sie es später selbst tun sollen – vielen Menschen die Liebe Gottes schenken, aber dann in der Zweisamkeit mit Gott wieder auftanken – und zwar nicht körperlich, sondern seelisch. Sie müssen das erst einmal noch lernen. Deshalb reagieren sie hektisch (sie „eilen ihm nach“) und wollen ihn zurück zu den Menschen bringen, die nach ihm suchen.
Jesus sagt ihnen aber deutlich, dass er sich nicht von den Bewohnern Kafarnaums festnageln lässt. Er ist für alle Menschen gekommen, muss überall das Evangelium verkünden und vor allem: Er kann sich nicht von einzelnen Menschen binden lassen. Das ist die Lebensweise von Geistlichen. Sie gehören keinen Einzelpersonen, sondern sie sind ungebunden. Deshalb sind sie ja auch zölibatär, um sich ganz und gar nur an einen zu binden – an Gott. Es ist natürlich gut für einen Geistlichen, bestimmte Bezugspersonen zu haben, die einen stützen und helfen, aber auch an sie soll er sich nicht binden, vor allem nicht emotional. Ein Priester ist der Vater der ganzen Gemeinschaft der Christen, die eine einzige Familie ist. Jesus zeigt ihnen dadurch noch etwas Anderes: In erster Linie muss der Geistliche ganz und gar in Gott sein. Die Zwiesprache im Gebet, das komplette Versunkensein in der Liebe Gottes, die Kontemplation muss der Ausgangspunkt jedes priesterlichen Dienstes sein. Dann ist es wirklich ein gnadenhaftes Tun, das die Menschen näher zu Gott bringt.
Und so zieht Jesus durch ganz Galiläa, lehrt in den Synagogen – d.h. er legt dort vor allem die Schrift neu aus. Es wird auch explizit gesagt, dass er Dämonen austreibt. Das ist ein wichtiger großer Dienst, den Jesus ausübt. Es ist eine messianische Heilstat, die die Herrschaft Gottes gegenüber dem Reich des Teufels signalisiert. Anhand der Exorzismen sieht man zudem am eindrücklichsten, wie Jesu Befreiung aus der Sklaverei zu verstehen ist. Er will in erster Linie unsere Seele retten, deshalb ist der Exorzismus im Markusevangelium auch das erste Wunder, das überliefert wird. Erst danach kommt die erste körperliche Heilung an der Schwiegermutter des Petrus.

Sowohl in der Lesung als auch im Evangelium müssen die Berufenen zunächst einmal etwas lernen. Samuel versteht zunächst nicht, dass Gott es ist, den er ruft. Er lernt diesen erst noch kennen. Im Evangelium müssen die Jünger Jesu zunächst lernen, was es heißt, ein ungebundener Geistlicher zu sein, der sich zugleich allen Menschen schenkt. Wichtig ist auch für uns, dass wir Gottes Lektionen dankbar annehmen und gehorsam sind – ge-hor-sam, ihm Gehör schenken. Lassen wir uns dabei vom Hl. Geist erfüllen, damit er durch uns wirkt, selbst wo wir nicht alles verstehen. Letztendlich geht es um die Intimität mit Gott. Samuel beginnt seine Beziehung mit dem HERRN ja erst, ebenso müssen die Jünger Jesu Intimität mit dem Vater erst einmal begreifen. Aber dies ist das A und O. Von dort ausgehend geschieht alles Weitere.

Ihre Magstrauss

Donnerstag der ersten Adventswoche (A)

Jes 26,1-6; Ps 118,1-2.8-9.19-20.25-27a; Mt 7,21.24-27

Liebe Freunde, die heutigen Lesungen thematisieren weiterhin die Stadt. Heute geht es aber noch weiter, denn Jesus spricht vom Hausbau.

Jes 26
1 An jenem Tag wird dieses Lied im Land Juda gesungen: Wir haben eine starke Stadt. Zum Heil setzt er Mauern und Wall. 

2 Öffnet die Tore, damit eine gerechte Nation einzieht, die Treue bewahrt. 
3 Festem Sinn gewährst du Frieden, ja Frieden, denn auf dich verlässt er sich. 
4 Verlasst euch stets auf den HERRN; denn GOTT, der Herr, ist ein ewiger Fels. 
5 Denn die Bewohner der Höhe hat er niedergebeugt, die hoch aufragende Stadt erniedrigt; er hat sie erniedrigt bis zur Erde, sie bis in den Staub gestoßen. 
6 Füße zertreten sie, die Füße der Armen, die Tritte der Schwachen.

Das erste Verb in diesem Abschnitt aus dem Buch Jesaja zeigt wieder an, dass es sich um eine Verheißung handelt, denn es steht im Futur, in der Zukunft (יוּשַׁ֥ר juschar „er/es wird gesungen werden“). Einerseits ist es eine Verheißung für das Volk Israel, das von der Fremdherrschaft frei sein und die Stadt Jerusalem wieder für sich haben wird. Andererseits ist es eine messianische Verheißung, die die Stadt Jerusalem dann als seinen Leib, die Kirche, voraussetzt. Es heißt im Hebräischen an der Stelle „Zum Heil setzt er Mauern und Wall“ יְשׁוּעָ֥ה  jeschuah, was denselben Stamm besitzt wie der Name Jesu! Wenn man diese Jesajastelle hört, klingt es identisch und die Zuhörer verstehen sofort diese messianische Tragweite. Das starke Gebäude meint natürlich nicht die Kirchenmauern, sondern den mystischen Leib, dessen Stabilität und Schutzmechanismus von höchster Qualität sind. Es ist auch ein weiterer messianischer Hinweis durch die Ortszuschreibung „im Land Juda“ gegeben, da sich dies mit Jesus Christus erfüllt hat: Er kommt aus dem Stamm Juda. Es heißt weiter dann „öffnet die Tore“, was sich ja primär auf die Tore der Stadt beim Einzug des Volkes bezieht, das endlich in die Stadt zurückkehren darf. Diese Aufforderung hat jedoch auch eine größere Tragweite: Wir singen im Advent schließlich auch „macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ aus messianischer Sicht. Der Messias soll durch das Tor der Welt hindurch kommen und in dieser Welt gegenwärtig sein. Dies hat wiederum mehrere Dimensionen: Einerseits bezieht es sich auf Christi Menschwerdung durch Maria (dann ist sie das Tor), andererseits auf das geöffnete Tor zum Himmel, das er durch seine Erlösungstat wieder ermöglicht hat (das Tor war ja durch den Sündenfall versperrt). Die Tore des himmlischen Jerusalem sollen geöffnet werden, sodass die ewigen Bürger einziehen können. Es meint schließlich auch das Tor zum Herzen, das für das Kommen Jesu Christi in der Eucharistie geöffnet werden soll.
Es ist dann in Vers 3 die Rede vom festen Sinn. Jüdisch gelesen bezieht es sich auf jene, die nach der Torah leben. Diesen wird Frieden (שָׁלֹום schalom) verheißen. Dieser Satz ist für uns sehr wichtig im Hinblick auf die weiteren Lesungen. Behalten wir es im Hinterkopf. Denn allegorisch lesen wir hier die Torah als fleischgewordenes Wort Gottes, der später dann sagen wird: Frieden gebe ich euch, MEINEN Frieden gebe ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt. Wahre Schalom kommt von Jesus und wir als Kirche haben diesen Frieden anfangshaft schon in den Sakramenten. Als Zeichen dafür geben wir uns den Friedensgruß – den österlichen Frieden, den wir weitergeben sollen. Und im Herzen haben wir echten Frieden, wenn wir die Gebote Gottes halten und im Stand der Gnade sind. Ewigen Frieden dürfen wir am Ende der Zeiten haben, wenn wir bei Gott sind.
Das Bildfeld der Stadt wird weitergeführt, wenn es ab Vers 4 heißt, dass Gott der Fels ist. Dies erinnert uns schon an Jesu Verkündigung, in der er vom Felsen als Fundament des Hausbaus spricht. Wir werden es gleich noch gemeinsam lesen.
Ein wichtiger Aspekt ist noch die Zerstörung der hochragenden Stadt. Dies erinnert uns jüdisch gelesen an Babel, die Stadt, die einen hohen Turm errichten wollte. Es bezieht sich auch auf die Feinde Israels, die das Volk unterdrückt haben, ob es die Assyrer, die Babylonier, die Perser oder später dann die Römer meint. Doch Hochmut kommt vor dem Fall und Gott greift ein. Solche Babels, Babylons und Assurs gibt es auch im NT. Rom als städtisches Symbol einer ganzen Herrschaft ist auch in seiner (vermeintlichen, weil weltlich begrenzten) Pracht und Schönheit schließlich untergegangen. In der Offb wird die Zerstörung Roms ganz und gar Gott zugeschrieben, der damit einen Akt der Gerechtigkeit für die bedrängten Christen vollzogen hat. Rom hat, um es mit neutestamentlichen Worten zu formulieren, auf Sand gebaut. Nun zertreten es diejenigen, die zuvor zertreten worden sind. Wir haben es bereits in den Lesungen der letzten Tage kennengelernt. Gottes Gericht ist unerwartet und verläuft nach ganz anderen Maßstäben, die die Welt kennt. Das ist für uns jetzt schon ein Trost, denn es wird ganz anders ausgehen, wie es jetzt offensichtlich erscheint. Und wenn auch die Christen, insbesondere die Katholiken scheinbar überall abgelehnt und schlechtgeredet werden, wird es am Ende ganz anders ausgehen. Die Zerstörung der hochragenden Stadt bezieht sich auch auf die Seele des Menschen. Gott beschneidet uns, wo wir hochmütig sind. Er lässt zu, dass wir in Situationen gedemütigt werden, um vom hohen Ross herabzusteigen. Er tut es aus Liebe, weil wir nur so für die himmlische Stadt bereitgemacht werden können. Gott wird am Ende der Zeiten die hochragende Stadt, also die gottlose Welt zunichte machen. Nur so wird Platz sein für das himmlische Jerusalem, für einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der es keine bösen Taten mehr geben wird.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig! 
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
8 Besser, sich zu bergen beim HERRN, als zu vertrauen auf Menschen. 
9 Besser, sich zu bergen beim HERRN, als zu vertrauen auf Fürsten. 
19 Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, ich will durch sie hineingehn, um dem HERRN zu danken! 
20 Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte dürfen hineingehn. 
25 Ach, HERR, bring doch Rettung! Ach, HERR, gib doch Gelingen!
26 Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN her. 
27 Gott ist der HERR. Er ließ Licht für uns leuchten. Tanzt den Festreigen mit Zweigen bis zu den Hörnern des Altars! 

Dieser Psalm muss uns Christen stets vor Augen stehen. Wir haben immer, ich wiederhole, immer Grund, Gott zu danken. Wir existieren dank ihm. Wir atmen dank ihm. Wir werden geliebt, ohne dafür etwas getan zu haben. Er beschenkt uns jeden Tag mit so vielen Gaben. Das ist immer den Lobpreis Gottes wert, unabhängig davon, wie wir uns fühlen oder was wir gerade durchmachen. Wenn wir uns das bewusst machen, werden wir nicht mehr fälschlicherweise denken, dass wir ein Recht auf irgendwelche eingeforderten Dinge haben.
Der Psalm thematisiert ebenfalls das Thema aus Jes 26, das Verlassen auf Gott statt auf Menschen (ab Vers 8). Was hier mit Fürsten übersetzt wird, meint Edle, Wohltätige. Das heißt wir sollen uns auch nicht auf jene verlassen, die uns Gutes tun. Wir gewöhnen uns zu schnell daran und vergessen, dass ihre Wohltätigkeit eine Grenze hat. Gottes Güte ist dagegen unendlich. Bemerkenswert ist das auch hier verwendete Tor-Motiv. Der Psalm ist ja ein Wallfahrtspsalm, weshalb in diesem Kontext zunächst auch wieder die Stadttore Jerusalems und des Tempels gemeint sind. Dass v.a. das zweite zu verstehen ist, sieht man an der Bemerkung, dass nur Gerechte hineingehen dürfen. Dem HERRN zu danken, meint nicht nur mit Worten, sondern auch mit Dankopfern. Umso mehr ist also der Tempel in Jerusalem gemeint. Wir Christen beten auch diesen Psalm, also müssen wir ihn auch allegorisch betrachten. Die Tore sind dann die Kirchentore, durch die wir zum Allerheiligsten gelangen, das die Eucharistie im Tabernakel/in der Monstranz oder in der Hl. Messe ist. Der entscheidende und berührende Unterschied: Jeder darf zum Allerheiligsten kommen, auch die Ungetauften. Bei den Juden gab es verschiedene Bereiche auf dem Tempelgelände, die, je näher man dem Allerheiligsten (der Bundeslade) kam, von immer weniger Befugten betreten werden durften. Hier dürfen nun alle kommen (wir lasen davon die letzten Tage bei Jes 2 z.B.: alle Nationen werden zu ihm strömen…). Empfangen dürfen aber auch heute nur die Gerechten, wir sagen theologisch die im Stand der Gnade Seienden. In dieser moralischen Auslegung versteht man die Aussage „Tore der Gerechtigkeit“. Durch die Taufe und danach durch die Beichte öffnen sich diese Tore der Gerechtigkeit, sodass man in Gemeinschaft mit Gott sein kann.
Wenn die Bitte erfolgt „Ach, HERR, bring doch Rettung“, dann horchen wir wieder auf. Das hebräische Wort für Rettung hat wieder dieselbe Wurzel wie der Name Jesu. Das Volk ruft nach der Rettung. Am Ende kommt Gott selbst, um zu retten. Sein Name Jesus ist Programm.
Zum Ende hin wird ein wichtiger Hinweis gegeben: „Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.“ Das heißt wörtlich zunächst vom Tempel her. Dieser Segen hat besondere Kraft, da er direkt ausgeht von der Herrlichkeit Gottes, die im Tempel wohnt. Der Segen erhält eine neue Dimension durch den Messias, der unter uns Menschen gelebt und sie gesegnet hat. Vom Haus des HERRN her bezieht sich dann auf den Tempel seines Leibes. Diese noch direktere Form des Segens erhalten auch wir heute, wenn er uns im eucharistischen Segen segnet. Dann ist vom Haus der HERRN her, vom Allerheiligsten, vom Herzen der Kirche her. Schließlich segnet uns Gott vom Inneren unserer Seele her, wenn wir im Stand der Gnade sind. Wenn wir nach seinen Geboten leben, segnet er unser Leben. Diese moralische Ebene ist keine Nebensache, wie wir gleich im Evangelium erfahren werden. Schließlich segnet uns der HERR von seinem himmlischen Haus her. Von diesem geht das eschatologische Heil aus, das ewige Heil des Himmels, seine ewige Gegenwart unter den Menschen.

Mt 7
21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. 
24 Jeder, der diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. 
25 Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. 
26 Und jeder, der diese meine Worte hört und nicht danach handelt, ist ein Tor, der sein Haus auf Sand baute. 
27 Als ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.

Die moralische Auswirkung des gerade besprochenen Psalms verdeutlicht Jesus zu Anfang des heutigen Evangeliums: Das ewige Heil erhalten wir nicht durch schöne Worte, sondern durch Taten. Diesen Segen vom Haus des HERRN her erhalten wir, wenn wir unseren Glauben und unsere Liebe (Herr, Herr) durch Taten unter Beweis stellen, und zwar durch das Tun des Willens Gottes. Dies bedeutet konkret, nach Gottes Geboten zu leben. Wenn wir Gott gehorchen, nicht nur theoretisch (Herr, Herr), sondern auch praktisch („Willen meines Vaters“ tun), dann bauen wir auf Felsen, statt auf Sand. Jesus lässt durch seine Worte übrigens durchblicken, dass der Vater und er eins sind („Willen meines Vaters“, aber auch „meine Worte“).
Jesus warnt auch vor, dass es beim Halten der Gebote Gottes Widerstände geben wird. Dies zeigt er im Gleichnis des Hausbaus durch die Stürme und Wassermassen auf. Dies ist in diesem moralischen Grundduktus zunächst auf die Versuchungen zu beziehen, die jeder Mensch erfährt. Allegorisch meint es aber darüber hinaus auch die Kirche, die Verfolgung erleiden wird, wenn sie ihm nachfolgt. Hat sie ihn zur Mitte (Felsen), dann wird sie nicht untergehen. Dies hat er ja auch in Mt 16 verheißen (die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen, da seine Kirche auf Petrus gebaut wird). Wo die Eucharistie das Zentrum kirchlichen Lebens bleibt, allgemein die Sakramente, Sakramentalien, die Liturgie, die Inanspruchnahme der Heilsmittel, dann baut die Kirche auf Felsen. Die Angriffe von außen und innen werden sie dann nicht einstürzen lassen. Eine Kirche, die das alles nicht hat, ist zum Einsturz vorherbestimmt. Sie hat kein Fundament (sondern Sand). Dies betrifft jeden Menschen. Der Mensch, der getauft ist, der an Christus glaubt und ihm nachfolgt, baut auf Felsen. Mit Blick auf die Ewigkeit wird dieser Mensch gerettet werden. Durch die Stürme und Wassermassen hindurch (der Teufel und seine begrenzte Herrschaft) wird der Mensch in das himmlische Jerusalem eingehen.

Nutzen wir die Adventszeit, um an unserem Fundament zu bauen. Schaufeln wir den Sand weg und kehren wir um. Erneuern wir unsere Beziehung zu Christus und holen wir uns das Felsenmaterial vom HERRN. Die größten und stabilsten Steine sind die der Eucharistie. Tragen wir den Sand zunächst ab durch die Beichte und fangen wir von vorne an. Auch Jesus ist in einem Felsen geboren, nämlich in einer Höhle aus Stein (laut historischen Zeugnissen eben nicht in einem Holzstall). Bereiten wir in unseren Herzen diese Grotte vor, damit der HERR zu Weihnachten dann auch in uns geboren werden kann.

Ihre Magstrauss

Und sie dienten den Baalen

Und sie dienten den Baalen

Liebe Freunde,

heute erlebte ich einen nicht gerade kleinen Schock auf Twitter: Da wurde mir ein Artikel (https://www.catholicregister.org/item/30057) angezeigt, der die Vorbereitungen auf die Amazoniensynode zum Thema hatte. Das dazugehörige Bild verschlug mir den Atem. Darauf zu erkennen ist ein Schamane in voller Montur, der eine Menschengruppe „segnet“, darunter katholische Geistliche.

Was ist denn da schief gelaufen? Seit wann heißt Inkulturation des Christentums, die religiösen Riten indigener Völker zu übernehmen? Ist uns Christen mittlerweile abhanden gekommen, welch immense Auswirkungen so ein „Segen“ für unsere Seele hat? Als ich das Foto heute Morgen sah, dachte ich mir: Dieses Bild fasst das instrumentum laboris zur Amazoniensynode perfekt zusammen. Um genau das geht es, wie Eduard und ich neulich in einem Podcast herausgestellt haben. DAS ist die Art von Vorbereitung, die die Zuständigen für die Amazoniensynode treffen.

Dabei ist das alles nicht neu. Just am heutigen Tag hören wir in der Lesung von genau solch einer Haltung: Der Ausschnitt aus dem Buch der Richter erzählt uns heute von dem Volk Israel, das im Heiligen Land Fuß fasst. Und was passiert? Ganz vergisst das Volk die Heilstaten Gottes und wendet sich den einheimischen Göttern zu. Es heißt wörtlich: “ Sie verließen den Herrn, den Gott ihrer Väter, der sie aus Ägypten herausgeführt hatte, und liefen anderen Göttern nach, den Göttern der Völker, die rings um sie wohnen. Sie warfen sich vor ihnen nieder und erzürnten dadurch den Herrn.“ Es könnte keinen aktuelleren Text für unsere heutige Situation geben! Das Christentum soll in die verschiedensten Kulturen hineingetragen werden laut Missionsauftrag Christi an seine Apostel in Mt 28. Natürlich soll das nicht heißen, dass man unter Zwang die Menschen zum Christentum bekehren soll. Hier erleben wir jedoch das andere Extrem. Und das wird nicht ohne Folgen bleiben. Wir lesen schon im Buch der Richter, dass durch das Verhalten des Gottesvolkes der Zorn des Herrn entbrennt und Gott zulässt, dass dem Volk dies und das zustößt, damit es wieder zur Besinnung kommt. Müssen wir es auch erst so weit kommen lassen? Können wir als Kirche wirklich für alles offen sein, bis wir nicht mehr ganz dicht sind? Was wir dringend brauchen, ist Umkehr. Umfassend.

In diesem Sinne rufe ich hiermit ein weiteres Mal zum Sturmgebet für die Amazoniensynode und den Zustand der Katholischen Kirche auf. Bekanntlich sind die Waffen, mit denen wir als Kinder Gottes kämpfen sollen, die spirituellen. Schließlich hat der Rosenkranz schon Kriege gestoppt.

Ihre Magstrauss