Samstag der 3. Woche der Fastenzeit

Hos 6,1-6; Ps 51,3-4.18-19.20-21; Lk 18,9-14

Hos 6
1 Auf, lasst uns zum HERRN zurückkehren! Denn er hat gerissen, er wird uns auch heilen; er hat verwundet, er wird uns auch verbinden.
2 Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns wieder auf und wir leben vor seinem Angesicht.
3 Lasst uns ihn erkennen, ja lasst uns nach der Erkenntnis des HERRN jagen! Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.
4 Was soll ich mit dir tun, Efraim? Was soll ich mit dir tun, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht.
5 Darum habe ich durch die Propheten zugeschlagen, habe sie durch die Worte meines Mundes umgebracht. Dann wird mein Recht hervorbrechen wie das Licht.
6 Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.

Heute hören wir noch einmal aus dem Buch Hosea. Auch das heutige Kapitel stellt im Kern einen Aufruf zur Umkehr dar. So ist auch die erste Aussage ein Appell (Auf, lasst uns zum HERRN zurückkehren!“).
Wenn es dann heißt „Denn er hat gerissen“, dann meint das hebräische Wort טָרָ֖ף taraf mit „reißen“ das Reißen von Beute durch Raubtiere (alternative Übersetzung „verschlingen“). Anhand des Parallelismus erkennen wir die Aussage: Sinngemäß heißt es, dass Gott das Leiden zugelassen hat, den Menschen dann aber auch entschädigen wird. Hoseas Gottesbild ist ganz typisch für seine Zeit. Er drückt es so aus, dass Gott selbst dieses Leiden verursacht habe. Das heißt aber nicht, dass wir als Leser einer solchen alten Schrift hier einen tatsächlichen Beleg für Gottes Wirken haben. Gott ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Er ist der Gute, der nichts Böses tut.
Der nächste Vers ist total österlich! „Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns wieder auf und wir leben vor seinem Angesicht.“ Die beiden Zeitangaben sind identisch, denn „am dritten Tag“ heißt „übermorgen“. So ist es auch im griechischen Kontext, wenn z.B. von der Hochzeit zu Kana berichtet wird. Da heißt „am dritten Tag“ auch „übermorgen“. Auf wörtlich-historischer Ebene möchte Hosea damit sagen, dass Gott nach und nach alles wieder in Ordnung bringen wird und sein Volk mit Segen beschenken wird. Das ist das dieses neue Leben, das den Menschen geschenkt wird. Wir lesen es aber schon weiter, nämlich allegorisch und auf Christus bezogen. Dieser hat Leiden und Auferstehung durchgemacht stellvertretend für uns. Das ist dann aber im wahrsten Sinne des Wortes geschehen und nicht sinnbildlich gemeint wie bei Hosea. Jesus ist der Erstgeborene der Toten, von uns, die wir das Angesicht Gottes schauen werden. Er ist uns zum Vater vorausgegangen. Wir, die wir auf seinen Namen getauft sind, werden auch so wie er nach dem Tod auferstehen. Zunächst wird nur unsere Seele weiterleben, aber am Ende der Zeiten wird sie sich mit ihrem Leib wieder vereinen.
Hosea ruft dazu auf, den HERRN zu erkennen, der Gotteserkenntnis gleichsam nachzujagen. Auch wir sollen ihn von ganzem Herzen suchen, dann wird er sich finden lassen. Jesus sagt es uns zu, wenn er formuliert: „Wer suchet, der findet. Wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Und auch das Hohelied ist voll der Sehnsucht nach Gott, wenn es heißt „Ich suchte, den meine Seele liebt.“
„Er kommt so sicher wie das Morgenrot“ ist ein verbreitetes messianisches Motiv. Man erwartete, dass der Messias aus dem Osten komme, die Sonne der Gerechtigkeit mit dem Sonnenaufgang komme (Mal 4,2). Es ist also nicht nur ein Bild für das ganz sichere Kommen Gottes. Auch das Kommen als Regen ist messianische Motivik. In Ps 72,6 heißt es über ihn: „Er ströme wie Regen herab auf die Felder, wie Regenschauer, die die Erde benetzen.“
Gott spricht die Stämme Juda und Efraim an, deren Bundestreue vergänglich sind wie eine Wolke oder Morgentau (das hebräische Wort חֶסֶד chesed heißt „Treue“). Warum eigentlich werden diese beiden Stichworte genannt? Sie fassen das Nord- und Südreich zusammen, denn Israel ist zu jener Zeit ja zweigeteilt.
Weil Gott die Untreue sieht, hat er durch die Propheten immer wieder zugeschlagen. Dieses Zuschlagen geschieht dabei hauptsächlich durch das Wort Gottes, das wie ein zweischneidiges Schwert die Herzen der Menschen „seziert“. Es ist also in erster Linie eine spirituelle Waffe, mit der Gott durch die Propheten dreinschlägt. Wo sie nicht hörten, mussten sie auch am Leib die Konsequenzen zu spüren bekommen – durch die Fremdherrschaften, Kriege, manchmal auch durch Seuchen.
Das Recht Gottes wird „hervorbrechen wie das Licht“, weil es in der Finsternis aufleuchten wird. Dann werden sich die Menschen danach sehnen, dass endlich Gerechtigkeit kommt. So ist jede Gerichtsankündigung Gottes eine Erlösung für die ungerecht Behandelten damals und in unserer heutigen Zeit. Dieses Recht ist hervorgebrochen wie das Licht, als Gott Mensch geworden ist und sein Recht Person wurde. Jesus hat das wirklich das Recht gebracht, weil er den Menschen die Torah richtig erklärt und vor allem selbst vollkommen vorgelebt hat. Jesus hat dann auch den Beziehungsaspekt als den Kern hinter allen göttlichen Geboten herausgestellt – das Doppelgebot der Liebe. Und diese Liebe ist es, die Gott von uns verlangt, ebenso damals von seinen auserwählten Kindern Israels. Das ist es, was er will, die Rückkehr der Herzen zu ihm, eine persönliche Umkehr statt eine Besänftigung durch Schlachtopfer. Das ist auch für uns heute, die wir in der Fastenzeit stehen, absolut notwendig und heilsam. Das ist umso mehr für die heutige Welt vonnöten, die durch die Pandemie ganz und gar in Not gerät. Jetzt ist es höchste Zeit, zu Gott umzukehren und ihn um Vergebung zu bitten!

Ps 51
3 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
4 Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde!
18 Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, an Brandopfern hast du kein Gefallen.
19 Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.
20 Nach deinem Wohlgefallen tu Gutes an Zion, erbaue wieder die Mauern Jerusalems!
21 An Schlachtopfern der Gerechtigkeit, an Brandopfern und an Ganzopfern hast du Gefallen, dann wird man auf deinem Altar Stiere opfern.

Im heutigen Psalm bittet König David um Gottes Barmherzigkeit. Er nimmt genau die Haltung hier ein, die Hosea von den Israeliten des Nord- und Südreiches verlangt. Sie ist auch perfekt für jeden Einzelnen von uns, die wir uns vornehmen, in diesen Tagen in Vorbereitung auf Ostern ebenfalls diesen Bußmodus einzunehmen.
„Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde“, ist ein Vers, den die Priester bei der Gabenbereitung zum Schluss beten, während der Messdiener ihnen Wasser über die Hände gießt. Diese Worte sind ganz wichtig für jeden Büßer und wir stellen uns vor, wie die Israeliten angesichts der assyrischen Bedrohung die Hinwendung zum assyrischen Götzendienst vor Gott bereuen. Auch wir beten dies jedesmal, wenn wir uns in der Hl. Messe befinden, denn das kostbare Blut wäscht uns mehrfach rein. Wir beten es auch jedesmal, wenn wir Weihwasser verwenden und uns damit bekreuzigen.
„Erschaffe mir Gott ein reines Herz“ ist die Erkenntnis, dass der Mensch sich selbst nicht gut machen kann. Vor allem wenn man sich schuldig gemacht hat, kann man nicht selbstständig wieder den Zustand der Schuldlosigkeit zurückerlangen. Gott ist es, der uns wieder in den Stand der Gnade zurückversetzen kann, indem er uns die Schuld vergibt, uns reinigt, uns erneuert durch den Hl. Geist. Er kann unser Herz wieder rein machen und uns einen „neuen beständigen Geist“ schenken. Dies sollten auch die Israeliten lernen, die sich von Gott und ihrer Bundestreue entfernt haben.
David bittet Gott darum, die Freundschaft mit ihm nicht zu kündigen („verwirf mich nicht von deinem Angesicht“). Er bittet ihn darum, die Salbung nicht zurückzunehmen, seinen gesamten Heilsplan mit David („nimm deinen Hl. Geist nicht von mir“, denn Salbung bedeutet Geistgabe). Er bittet Gott insgesamt darum, den Bund mit ihm nicht zu kündigen wegen dem, was er ihm angetan hat. Gott hat ihm aber zugesagt, dass er treu ist und einen Bund nicht zurücknimmt. Er braucht keine Schlachtopfer und Brandopfer, wenn man sie tut, um Gott zu besänftigen, gleichzeitig aber ganz viele Leichen im Keller hat. Gerade König David hat schwere Sünden begangen und versteht, dass er die Beziehung zu Gott zerstört hat. Er konzentriert sich darauf, diese Beziehung wieder zu kitten, nicht einfach nur paar Opfer darzubringen und dann passt das schon. Das heißt nicht, dass wir das jetzt wortwörtlich nehmen müssen und David keine Opfer mehr darbringen soll. Wir sind hier in einem Psalm, einer poetischen Textgattung, die mit solchen rhetorischen Stilmitteln bestückt ist. Wir sehen an Davids Verhalten und an dem seines Sohnes Salomo, dass er diese Verse rhetorisch meint. Er hat den Festkalender mit all den Opfern ja noch ausgebaut und Salomo hat den Tempel gebaut, in dem weiterhin viele Opfer dargebracht wurden!
Es heißt vielmehr, dass Gott keine solchen Opfer braucht, wenn die Menschen ihr Leben nicht ändern wollen, wenn ihr Herz nicht umkehrbereit und reuevoll ist. Das ist sehr aktuell, denn auch heute locken viele Angebote aus der Esoterik damit, dass man Heil, Glück, Erfolg etc. haben kann ohne Umkehr: ob es Meditationen und körperliche Übungen sind (Yoga, Qigong etc), die Umstellung der Möbel im Haus für Glück im Leben (Fengshui) oder sogar Diäten für besseres Karma…
Vielmehr wünscht sich Gott einen zerbrochenen Geist und ein zerschlagenes Herz, das heißt eine innere Bußhaltung und Bereitschaft zur Umkehr. Das ist ihm viel wertvoller. David hat das wirklich vorgelebt und ist deshalb bis heute ein Vorbild im Prozess der Umkehr sowie im Gebet, auch wenn er schlimme Sünden begangen hat.
Für uns heißt das heute nicht, dass wir keine Messen besuchen sollen, dem einzigen Opfer, das wir als Christen noch haben, das alle anderen Opfer der Juden abgelöst hat. Das heißt vielmehr, dass hinter dem knienden Menschen in der Kirchenbank (oder momentan dem Knienden vor dem Livestream), dem Gläubigen, der sich ein Aschekreuz abholt und gesenkten Kopfes die Messe mitmacht, auch ein reuiges Herz stecken muss, ein zerschlagener Geist, der bereit zur Umkehr ist und dies auch durch Taten im Alltag zeigt. Wir alle sollen uns nicht einfach nur zurücknehmen – und schon gar nicht für eitle Gründe wie im säkularen Kontext für die Fastenzeit angepriesen wird! -, sondern dieses Minus auch durch ein Plus barmherziger Taten kompensieren! In der Fastenzeit muss man uns anmerken, dass wir uns darum bemühen, den anderen Menschen gegenüber netter zu sein, ihnen zu helfen, besonders das zu verschenken, das heutzutage zu den Wertvollsten Gütern zählt – unsere Zeit. Das tun wir momentan zum Beispiel dadurch, dass wir den Älteren, Angeschlagenen, Bedürftigen bei den Einkäufen helfen, selber auf Hamsterkäufe verzichten und Kleinunternehmen unterstützen. Tun wir alles aus Liebe zu Gott, weil wir ihm zuliebe ein besserer Mensch werden möchten, dann wird er uns segnen und verwandeln.

Lk 18
9 Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Gleichnis:
10 Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
11 Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.
12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
13 Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause hinab, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

Heute hören wir im Evangelium von zwei Menschen mit ganz unterschiedlichen Haltungen. Jesus führt sie in einem Gleichnis an, um die Rechtfertigung vor Gott zu erklären. Er beobachtet nämlich die Selbstgerechtigkeit einiger Juden, die die anderen verachten.
Es handelt sich im Gleichnis um zwei Männer, die zum Gebet in den Tempel gehen. Er eine ist Pharisäer und betet: „Gott ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.“ Er verweist damit auf den zweiten Mann, der ganz hinten stehen bleibt. Doch zunächst zum Pharisäer. Was er hier zu Anfang betet, ist noch nicht das Falsche. Auch wir dürfen Gott danken, dass wir noch nicht gefallen sind. Aber der entscheidende Unterschied ist dabei, worauf wir diese Gerechtigkeit zurückführen – auf Gott, der uns die Gnade und Kraft geschenkt hat, der Versuchung zu widerstehen, oder auf uns selbst, die wir durch unsere eigenen Taten diese Gerechtigkeit erreicht haben. Und das ist der springende Punkt, weshalb Jesus den Pharisäer als Negativbeispiel anführt: Er zählt nämlich auf: „Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.“ Der Pharisäer zählt vor Gott auf, was er Gutes getan hat, und setzt dabei voraus, dass dies ihn vor Gott gerecht macht. Er gibt mit den guten Seiten an und blendet komplett aus, was er noch nicht gut gemacht hat. Vor allem aber zählt er Dinge auf, die nichts mit der Beziehung zu Gott zu tun haben. In Psalm und Lesung haben wir heute ja bereits gelernt, dass es Gott auf diese Beziehung ankommt. Also noch einmal: Wir dürfen beten: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht in schwere Sünde gefallen bin.“ Aber dann müssen wir anerkennen, dass es nicht allein unser Verdienst ist, sondern eine Kooperation mit der Gnade Gottes. Dabei können wir auch nicht stehenbleiben, sondern wir müssen uns ganz sehen, auch mit unserem Scheitern. Das vermissen wir beim Pharisäer. Er setzt nicht nach und bittet Gott um Verzeihung, wo er nicht nach dessen Willen gehandelt hat, so als ob er perfekt wäre und keiner Umkehr bedürfe.
Und da sehen wir nun den anderen Mann, der von Beruf Zöllner ist. Er kommt mit einer ganz anderen Haltung zu Gott. Er weiß genau, dass er Unrechtes getan hat. Er kommt mit einem absolut reumütigen Herzen. Er schämt sich seiner Sünde so wie Adam und Eva nach dem ersten Sündenfall, als sie sich vor Gott verstecken. Dieser Mann kommt mutig zu Gott, traut sich aber nicht, den Blick zu erheben. Er schlägt sich an die Brust und betet: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Dies ist eine Haltung, mit der Gott „arbeiten“ kann. Hier kommt jemand zu ihm, weil er sich von Gott verwandeln lassen will. Er kehrt aktiv um, er möchte sein Leben ändern und da kann Gott seine helfende Gnade fließen lassen. Er kann zu einem besseren Menschen werden, weil er sich von Gott helfen lässt.
Der Pharisäer dagegen meint, dass er keine Umkehr nötig hat, deshalb kann Gott ihm keine Gnade erweisen. Er öffnet sich gar nicht dafür und lässt sich nicht helfen, obwohl er ein Mensch ist wie der Zöllner auch. Kein Mensch ist ohne Sünde, nur dass die Sünden unterschiedlich verteilt sind. Der Pharisäer sündigt auch, nur anders als der Zöllner. Er erkennt seine Erlösungsbedürftigkeit nur nicht. Er ist blind und somit verweist das heutige Evangelium auf die Lesungen des morgigen Laetare-Fastensonntags. Dort wird es ebenfalls um biologische und innere Blindheit gehen…
Jesus schließt das Gleichnis damit, dass der Zöllner gerechtfertigt nach Hause geht, der Pharisäer aber nicht. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn einige Kapitel zuvor hat Jesus bereits erklärt, dass dem, der von Herzen bereut und umkehrt, Gott alles vergeben will. Er kann aber nur vergeben, wer um Vergebung bittet.
Und so sagt Jesus zum Schluss: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Erniedrigung heißt aber nicht, dass der Mensch das „Aschenputtel-Syndrom“ bekommen soll, sondern dass der Mensch sich realistisch sieht, mit dem Guten UND vor allem dem Bösen. Erst wenn wir uns so sehen, wie wir wirklich sind – das nennen wir Demut: wissen, was man kann und was man nicht kann; erkennen, wo die Tugenden und die Laster sind – dann können wir Gott das hinhalten und ihn bitten, uns dabei zu helfen, die Schwächen, die Laster, das Schlechte an uns zu überwinden. Nur so können wir ihm immer ähnlicher werden. Wenn wir aber in der Selbstillusion eines unfehlbaren Menschen verharren, wird der Dreck unserer Seele nie zutage kommen, um gereinigt zu werden. Dann gibt es spätestens am Ende unseres Lebens eine böse Überraschung, denn im Angesicht Gottes wird der gesamte angesammelte Dreck auf einmal zutage treten. Dann werden wir selbst uns so sehr schämen und so einen überwältigenden Schmerz verspüren, dann werden wir die ultimative Erniedrigung verspüren. Ändern wir uns jetzt, solange es noch geht! Demütigen wir uns und bitten wir den Herrn um Verzeihung, dann werden wir am Ende unseres Lebens Ehrengäste im himmlischen Hochzeitsmahl sein!

Ihre Magstrauss

Samstag nach Aschermittwoch

Jes 58,9b-14; Ps 86,1-2.3-4.5-6; Lk 5,27-32

Jes 58
9 Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemandem übel nachredest, 

10 den Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. 
11 Der HERR wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser nicht trügt. 
12 Die Deinen bauen uralte Trümmerstätten wieder auf, die Grundmauern vergangener Generationen stellst du wieder her. Man nennt dich Maurer, der Risse schließt, der Pfade zum Bleiben wiederherstellt. 
13 Wenn du am Sabbat deinen Fuß zurückhältst, deine Geschäfte an meinem heiligen Tag zu machen, wenn du den Sabbat eine Wonne nennst, heilig für den HERRN, hochgeehrt, wenn du ihn ehrst, ohne Gänge zu machen und ohne dich Geschäften zu widmen und viele Worte zu machen, 
14 dann wirst du am HERRN deine Wonne haben. Dann lasse ich dich über die Höhen der Erde dahinfahren und das Erbe deines Vaters Jakob genießen. Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.

Heute hören wir in der Lesung die Fortsetzung der gestrigen. Es ging um das Volk Israel, das sich schwer verschuldigt, ein unmoralisches Leben geführt und sich dann über die ausgebliebene Gebetserhörung Gottes gewundert hat. Jesaja soll dem Volk den Grund ausrichten und dazu auffordern, Werke der Barmherzigkeit zu tun, damit ihre dargebrachten Opfer aufrichtig vor Gott sind. Die Worte, die Jesaja dem Volk ausrichten soll, setzen sich heute fort.
„Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst“ bezieht sich auf Unterdrückung der Ärmeren und Schwächeren einer Gesellschaft durch Reiche und Mächtige.
Die Israeliten sollen nicht mehr lästern und niemanden verurteilen (mit dem Finger auf sie zeigen).
Sie sollen denen etwas zu essen geben, die hungern, damit das passiert, was ich gestern schon angedeutet habe: damit ihr Licht aufgeht in der Finsternis. Dieses Licht ist moralisch zu sehen – es wird hell aufgrund der Tugenden der Israeliten, wo vorher Finsternis war, nämlich die Dunkelheit ihrer bösen Taten. Zugleich können wir das Licht mit der Gnade Gottes verbinden, die hell leuchtet an einem Ort, wo aufgrund der Sünde die Gnade nicht hinkam. Der Stand der Gnade wird wieder erlangt und von diesem aus wird „der HERR (…) dich immer führen“. Man lebt wieder in Gemeinschaft mit ihm und er zeigt einem den Weg. Gott wird einen nähren und die Glieder stärken. Das ist bemerkenswert, weil es den barmherzigen Taten ähnelt, die man zuvor an anderen Menschen getan hat. Gott gibt einem Gutes zurück, und zwar auch in unmöglichen Situationen wie der Dürre.
Es geht um den Stand der Gnade, in dem die Israeliten zuvor nicht waren wegen ihrer Vergehen. Das sehen wir nun auch an dem Bild des bewässerten Gartens. Wasser ist ein Symbol für den Hl. Geist – auch schon im Alten Testament. Gott erfüllt uns mit seinem Hl. Geist und deshalb sind wir wie ein bewässerter Garten. Wir wachsen durch ihn prächtig heran und bringen schöne Blüten und köstliche Früchte hervor.
In Vers 12 wird verheißen, dass die Israeliten „uralte Trümmer“ wieder aufbauen. Das ist ein Hinweis einerseits auf die Ruinen der Stadt und des Tempels, der von den Babyloniern zerstört werden wird. Andererseits sind die Ruinen geistig zu verstehen – als Symbol der Auferstehung Jesu, der „uralt“ ist und dessen Trümmer des Todes am dritten Tag wieder zum Leben erweckt werden, ebenso auf die Kirche bezogen, deren Trümmer durch die Krisenzeiten hervorgegangen sind und die durch den Hl. Geist eine Erneuerung erfahren hat. Wir denken an jeden einzelnen Menschen, der sein Leben durch die Sünde zu einem Trümmerhaufen gemacht hat, den der Hl. Geist aber wieder aufbauen kann. Und so ist es auch mit der ganzen gefallenen Welt. Durch den Hl. Geist werden die Trümmer der alten Schöpfung am Ende der Zeiten wieder aufgebaut zu einer neuen Schöpfung!
In den letzten zwei Versen wird noch einmal ein konkretes Verhalten angeführt, durch das man gerecht vor Gott wird: wenn man den Sabbat hält. Gott hat den Israeliten vorgeworfen, am Sabbat oder am Fastentag Geschäfte zu machen. Gott ist nicht an erster Stelle bei ihnen und sie vertrauen nicht darauf, dass er sie mit allem versorgen wird, auch wenn sie einen Tag nicht arbeiten. So war es doch damals bei den Vätern in der Wüste. Sie haben am sechsten Tag doppelt so viel bekommen (Manna oder Tauben), damit sie am Sabbat nicht arbeiten müssen und auch dann noch versorgt sind. Wer sich dem widersetzte und dennoch heimlich etwas angesammelt hat, bei dem verdarb das Vorrätige. Am Sabbat Geschäfte zu machen, ist ein Ausdruck von Misstrauen gegenüber der göttlichen Vorsehung. Das Ironische ist dabei, dass der Mensch alles verspielt, was er so krampfhaft für sich haben wollte. Wenn man dagegen am Sabbat Gott die Ehre gibt, der den ersten Platz im Leben des Menschen hat, dann wird er einen versorgen und man wird „das Erbe deines Vaters Jakob genießen“. Dann werden sie das verheißene Land ganz und gar haben. Und auch dies ist mehr als nur wörtlich zu verstehen. Das betrifft vor allem auch die moralische und anagogische Bedeutung: Wer das dritte Gebot hält, wird im Stand der Gnade sein, der Gemeinschaft mit Gott, der den Menschen dann mit Gnaden überschüttet. Und am Ende des Lebens wird man dann auf ewig das verheißene Land, das Erbe Jakobs, den Himmel genießen.
„Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen“ signalisiert das Ende der Botschaft, die Jesaja dem Volk Gottes ausrichten soll.
Es sind insgesamt sehr eindrückliche Worte, die auch für uns jetzt in der Fastenzeit hochaktuell sind bzw. generell in heutiger Zeit. Gerade der letzte Teil sollte uns zu denken geben. Halten wir den Sonntag heilig? Danken wir an diesem Tag dem Herrn für die ganze Woche und tun dies in der Eucharistie – der Danksagung? Wie viele Katholiken gehen nicht mal jeden Sonntag zur Kirche. Das ist ein schweres Vergehen ohne einen gerechtfertigten Grund. Dann können wir kein gewässerter Garten sein, dann können wir nicht mit allem gesegnet sein, denn wir schneiden von uns aus den Gnadenstrom ab! Dann kann Gott unsere Gebete nicht erhören.
So ist es mit allen Geboten. Wir können keinen Segen erwarten, wenn wir Gottes Gebote nicht halten. Die Fastenzeit ist eine ideale Gelegenheit, das eigene Verhalten zu überdenken, die uralten Trümmer wieder aufzubauen und die Beziehung zu Gott wieder zu erneuern.

Ps 86
1 Ein Bittgebet Davids. Neige dein Ohr, HERR, und gib mir Antwort, denn elend und arm bin ich! 

2 Beschütze mich, denn ich bin dir ergeben! Rette, du mein Gott, deinen Knecht, der auf dich vertraut! 
3 Mein Herr, sei mir gnädig, denn zu dir rufe ich den ganzen Tag! 
4 Erfreue die Seele deines Knechts, denn zu dir, mein Herr, erhebe ich meine Seele! 
5 Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben, reich an Liebe für alle, die zu dir rufen. 
6 Vernimm, HERR, mein Bittgebet, achte auf mein lautes Flehen! 

Heute beten wir einen Bittpsalm passend zur Lesung. Wir können uns vorstellen, wie es das Volk Israel betet, nachdem es die Botschaft Gottes durch den Propheten Jesaja erhalten hat. Wir können es auch selbst beten als Kinder Gottes, die sich durch ein sündiges Verhalten von Gott entfremdet haben. Gott soll sein Ohr neigen, das heißt, die Bitten des Volkes erhören. „Elend und arm“ ist der Beter, weil er mit Gott im Streit liegt. Deshalb beten die Israeliten auch „beschütze mich, denn ich bin dir ergeben!“ Das hebräische Wort für „ergeben“ ist חָסִ֪יד chasid. Es heißt wörtlich „ich bin ein Jünger“. Die Israeliten bitten um Schutz, weil sie Gottes Jünger sind, weil sie ihm nachfolgen.
Sie rufen Gott „den ganzen Tag“. Das hat Jesaja ja bereits thematisiert. Die hebräische Verbform אֶ֝קְרָ֗א ekra ist dabei eine sogenannte PK-Form. Diese ist entweder präsentisch oder futurisch zu übersetzen. Einerseits besagt der Satz hier also, dass sie den ganzen Tag Gott anrufen, andererseits, dass sie es zukünftig tun werden. Es wird so zum Versprechen des Volkes, von nun an anders zu handeln. Ebenso ist es mit dem nachfolgenden Vers, da auch dort als Argumentation für die Bitte eine Handlung als PK-Form ausgedrückt wird („denn zu dir (…) erhebe ich meine Seele!“). Das Verb für „erheben“ ist אֶשָּֽׂא esa. Das Volk sagt also, dass es dies jetzt schon tut, es aber in Zukunft auch tun wird. Das Wort für Seele ist נַפְשִׁ֥י nafschi. Es ist eigentlich zu übersetzen mit „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz und nicht nur einen bestimmten Teil im Menschen. David erhebt also sein ganzes Leben zu Gott in dem Sinne, dass er sein ganzes Dasein auf Gott ausrichtet, ohne etwas für sich zu behalten. Und so tut es das Volk Israel immer wieder im AT, nachdem Gott ihm die Leviten gelesen hat. Gott soll die נֶ֣פֶשׁ nefesch, also das ganze Leben des Volkes erfreuen, weil es sein Leben Gott ganz widmet. Das ist für uns ein gutes Beispiel. Auch wir müssen Gott unser ganzes Leben hinhalten, wenn wir möchten, dass er es verwandelt. Dies tut er nur, wenn wir es ihm freiwillig überlassen. Und er tut es gern. Das bedeutet auch, dass er uns das ewige Leben schenken möchte.
„Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben, reich an Liebe für alle, die zu dir rufen“ – das Volk hat Gottes Vergebung immer wieder erfahren und kann mit Vertrauen diese Worte beten.
Gott ist wirklich ein barmherziger Gott und bereit, unsere Schuld zu vergeben. Wir müssen seine Barmherzigkeit aber auch annehmen. So tut es David immer wieder, so tut es später auch Petrus, so tut es der verlorene Sohn im Gleichnis Jesu. So tun es die Gläubigen, die zur Beichte kommen. Dann umarmt Gott die Menschen bereitwillig mit seiner vergebenden Liebe und verändert das Leben jedes Reumütigen. Nutzen wir dafür die Fastenzeit, denn jetzt hat Gott ganz besondere Gnaden für uns bereit.

Lk 5
27 Danach ging Jesus hinaus und sah einen Zöllner namens Levi am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! 

28 Da verließ Levi alles, stand auf und folgte ihm nach. 
29 Und Levi gab für Jesus in seinem Haus ein großes Gastmahl. Viele Zöllner und andere waren mit ihnen zu Tisch. 
30 Da murrten die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten und sagten zu seinen Jüngern: Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken? 
31 Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. 
32 Ich bin nicht gekommen, um Gerechte, sondern Sünder zur Umkehr zu rufen.

Auch das Evangelium thematisiert heute die Barmherzigkeit. Jesus beruft Levi/Matthäus zu seinem Apostel, der von Beruf Zöllner ist. Er sitzt gerade am Zoll, als Jesus ihn ruft. Er macht einen unbeliebten Job, bei dem es oft um kleinere und größere Betrügereien geht, also nichts Aufrichtiges. Und doch ist dieser Mensch herzensoffen. Als Jesus ihn ruft, lässt er alles stehen und liegen und folgt Jesus nach. Er hat die optimale Herzenshaltung, denn er lässt sich von Jesus etwas sagen.
Wie es oft bei Jesus der Fall ist, hält er mit den jeweiligen Menschen Mahl. Er ist bei Levis großem Gastmahl eingeladen und weil Levi ein Zöllner ist und diese seine einzigen Freunde sind (wer will sonst schon mit einem Betrüger und Lügner befreundet sein? Alle sind misstrauisch.), besteht Jesu Tischgemeinschaft aus sündigen Menschen.
Offensichtlich ist Jesus nicht alleine bei Levi, sondern auch die Jünger Jesu sind eingeladen. Dies wird daran deutlich, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten die Jünger so ansprechen, dass sie mit dabei sind. Ihre Kritik besteht dabei darin, dass Jesus und seine Jünger mit Zöllnern und Sündern Tischgemeinschaft haben. Entweder ist diese aus moralischer oder aus ritueller Sicht verwerflich: Die genannten Personengruppen sind Sünder vor Gott und das Essen mit ihnen impliziert für einen Juden dann, dass man ihr Verhalten gutheißt. Die genannten Personengruppen als rituell Unreine können am Kult nicht teilnehmen und übertragen die eigene Unreinheit noch auf den Reinen, der mit ihnen am Tisch ist. Diese beiden Möglichkeiten müssen wir in Betracht ziehen, zugleich zeigen sie, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus als Messias nicht erkannt haben. Diese Dinge mögen vielleicht für einen normalen Juden gelten, aber nicht für den Sohn Gottes, der im Gegenteil noch Menschen in den Stand der Gnade (moralischer Begriff) zurückversetzen kann durch Sündenvergebung und der nicht kultisch unrein wird, sondern seine Heiligkeit auf die Menschen um sich herum abfärbt!
Jesus möchte durch sein Verhalten eben nicht gutheißen, dass die Sünder und Zöllner gegen die Gebote Gottes verstoßen. Er möchte sie in seiner entgegenkommenden Barmherzigkeit berühren, deren Herzen er ganz weit geöffnet sieht. Er erkennt, dass man mit ihnen „arbeiten“ kann, und verwandelt ihre Herzen in diesem ganzen Prozess. So ist es auch schon mit Zachäus, der dann umkehrt und seine ganze Schuld vielfach zurückzahlen möchte. Das ist der springende Punkt: Wenn Jesus mit ihnen fertig ist, sind sie keine Sünder mehr, sondern brennende Jünger für Gott.
Und was Jesus durch die Antwort auf die Kritik der Pharisäer und Schriftgelehrten verdeutlicht, ist ein therapeutisches Verständnis von Sünde im Gegensatz zu einem juristischen. Sünde ist wie eine Krankheit, die man heilen muss. Jesus ist der Arzt, der die Seele der Menschen wieder gesund macht. Sie sind dabei wie Patienten, die sich bereitwillig behandeln lassen. Sie sind nicht verstockt wie die Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich einbilden, keinen Arzt zu benötigen. Dabei ist jeder Mensch krank durch die Erbsünde. Keiner kann von sich behaupten, sündlos und perfekt zu sein. Jeder und jede muss auf die je eigene Weise zum Arzt kommen.
Wenn Jesus zum Schluss sagt: „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte, sondern Sünder zur Umkehr zu rufen“, dann heißt das nicht, dass die echten Gerechten Pech gehabt haben. Er meint diejenigen, die sich für gerecht halten. Er ist gekommen, um die zur Umkehr zu rufen, die erkennen, dass sie Sünder sind und der Umkehr auch wirklich bedürfen. Wer selbstgerecht ist, ist versteinert, sein Herz ist geschlossen und blockiert die Gnade Gottes. Dabei muss sich jeder seiner Sündigkeit und Umkehrbedürftigkeit bewusst werden.

Wir befinden uns jetzt in der österlichen Bußzeit, in der wir uns unsere eigene Schuldhaftigkeit auf besondere Weise bewusst machen. Gott möchte in dieser Zeit besondere Gnaden schenken, um auch den besonders harten Fällen die Herzen zu erweichen. Dann kommt Jesus auch in unser Leben und möchte mit uns Gemeinschaft haben. Dann arbeitet er in uns, bis wir unser eigenes Schlechtes erkennen, bereuen und umkehren. Er verwandelt uns, sodass wir immer mehr zu den ursprünglichen Menschen werden, die Gott geschaffen hat – Menschen wie er.

Ihre Magstrauss

Samstag der 1. Woche im Jahreskreis

1 Sam 9,1-4.17-19; 10, 1; Ps 21,2-3.4-5.6-7; Mk 2,13-17

1 Sam 9
1 Damals lebte in Benjamin ein Mann namens Kisch, ein Sohn Abiëls, des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechorats, des Sohnes Afiachs, ein wohlhabender Benjaminiter. 
2 Er hatte einen Sohn namens Saul, der jung und schön war; kein anderer unter den Israeliten war so schön wie er; er überragte alle um Haupteslänge. 
3 Eines Tages verliefen sich die Eselinnen von Sauls Vater Kisch. Da sagte Kisch zu seinem Sohn Saul: Nimm einen von den Knechten, mach dich mit ihm auf den Weg und such die Eselinnen! 
4 Sie durchquerten das Gebirge Efraim und durchstreiften das Gebiet von Schalischa, fanden sie aber nicht. Sie zogen durch das Gebiet von Schaalim – ohne Erfolg; dann durchwanderten sie das Land Jemini, fanden sie aber wieder nicht.
17 Als Samuel Saul sah, sagte der HERR zu ihm: Das ist der Mann, von dem ich dir gesagt habe: Der wird über mein Volk herrschen. 
18 Saul trat mitten im Tor zu Samuel und fragte: Sag mir doch, wo das Haus des Sehers ist! 
19 Samuel antwortete Saul: Ich bin der Seher. Geh vor mir her zur Kulthöhe hinauf! Ihr sollt heute mit mir essen. Morgen früh will ich dich dann weiterziehen lassen. Ich werde dir Auskunft über alles geben, was du auf dem Herzen hast.
1 Da nahm Samuel den Ölkrug und goss Saul das Öl auf das Haupt, küsste ihn und sagte: Hiermit hat der HERR dich zum Fürsten über sein Erbe gesalbt.

Heute lesen wir nun, wie die angekündigte Lektion Gottes sich nach und nach bewahrheitet. Es wird der erste König angekündigt, den Gott zwar zulässt, aber nicht gutheißt – König Saul. Wie es für Juden wichtig ist, wird dessen Abstammung verdeutlicht. Er ist aus dem Stamm Benjamin. Er wird auch als sehr schön und groß beschrieben. Das kann einerseits erwähnt werden, um die Schönheit von innen und außen hervorzuheben, das kann andererseits auch auf einen überheblichen Charakter schließen. Wir werden noch sehen, dass vor allem der zweite Aspekt bei Saul zutrifft.
Die Begegnung zwischen Samuel und Saul, die zur Königssalbung führt, wird wie so oft in Gottes Vorsehung durch ein Problem veranlasst: Die Eselinnen Kischs, des Vaters Sauls, verlaufen sich im Gebirge. Saul soll daraufhin die Tiere suchen. Er durchsucht alle möglichen Gebiete (Efraim, Schalischa, Schaalim, Jemini) und wird doch nicht fündig. Durch seine langen Streifzüge begegnet er schließlich Samuel. Als dieser ihn sieht, gibt Gott ihm zu verstehen, dass er der König werden soll.
Dann heißt es, dass Saul mitten im Tor zu Samuel kommt. Dieser sitzt im Tor, weil er Richter ist. Als solcher praktizierte er üblicherweise im Tor die Rechtsprechung.
Warum kommt Saul dort überhaupt hin? Er hat eine Auskunftsfrage und möchte eigentlich den Propheten Samuel sprechen. Dieser entgegnet ihm, dass er es ist. Saul möchte vermutlich durch die prophetische Begabung Samuels erfahren, wo die Tiere sind. Samuel lädt Saul ein, mit ihm zur „Kulthöhe“ hinaufzuziehen. Damit ist wohl das Heiligtum von Schilo gemeint. Was wir heute nicht mehr lesen, sind die Ereignisse auf der Kulthöhe. Saul wird zu einem Gastmahl eingeladen und erhält dort das beste Stück Fleisch. Er übernachtet bei Samuel und am nächsten Tag führen beide eine Unterredung. Dabei erklärt ihm Samuel zunächst, dass die Tiere mittlerweile gefunden worden sind. Dann bereitet Samuel Saul auf dessen Herrschaft vor, woraufhin dieser es aber noch nicht begreift. Schließlich kommt es im nächsten Kapitel zur eigentlichen Salbung mit Öl, als die beiden allein sind und sich am Rande des Stadtgebietes befinden.
Gottes wunderbare Vorsehung ist ein unendliches Geheimnis. Einerseits hat Gott für uns alle das Heil bereitet und einen Plan für jeden einzelnen. Aber zugleich schätzt er unseren freien Willen. Seine Vorsehung ist mit einem Navigationssystem vergleichbar, das eine Route vorgibt. Wenn man sich von der Route entfernt, berechnet Gott den Weg zum Himmelreich neu. Er kann auch auf Umwegen sein Heil für uns umsetzen. Israel entfernt sich vom Willen Gottes und möchte auf eigene Faust einen König. Gott „berechnet“ dies um und so ist die Salbung Sauls Teil des Heilsplans Gottes, wenn auch ein Umweg zum wahren König David.

Ps 21
2 HERR, an deiner Macht freut sich der König; über deine Hilfe, wie jubelt er laut. 
3 Du hast ihm den Wunsch seines Herzens gewährt, ihm nicht versagt, was seine Lippen begehrten.
4 Ja, du kommst ihm entgegen mit Segen und Glück, du setzt auf sein Haupt eine goldene Krone. 
5 Leben erbat er von dir, du gabst es ihm, lange Jahre, immer und ewig. 
6 Groß ist seine Herrlichkeit durch deine rettende Tat, du legst auf ihn Hoheit und Pracht. 
7 Ja, du machst ihn zum Segen für immer; du beglückst ihn mit Freude vor deinem Angesicht.

Ps 21 ist ein Davidpsalm, der die israelitische Königsherrschaft aufgreift. König David betet zum HERRN, der seine Macht und Hilfe ist. Er ordnet seine eigene irdische Macht Gott unter, was ihn zu einem gerechten Herrscher macht. Dadurch, dass er nicht überheblich wird, sondern in Gottes Angesicht seinen Wert sieht – das nennen wir Demut -, ist er im Stand der Gnade. Dies erkennen wir daran, dass Gott seine Gebete erhört („den Wunsch seines Herzens gewährt, ihm nicht versagt…“).
David hat „Segen und Glück“ (בִּרְכֹ֣ות טֹ֑וב birchot tof, für Glück heißt es also wörtlich „Gutes“). Die Geste des Aufsetzens einer goldenen Krone ist zunächst als Krönungszeremonie zu verstehen – Gott ist es, der sich einen Kandidaten aussucht (so haben wir es ja schon in der Lesung gehört) und die Königssalbung gültig macht. Im übertragenen Sinne meint dieser Gestus aber noch viel mehr. Wir lesen in der Johannesoffenbarung, wie die „Sieger“ mit Goldkronen ausgestattet sind als Zeichen ihrer besonderen Würde und ihres Triumphes. Bei der Taufe werden wir ja auch gesalbt und zu Königskindern in Gottes Reich. Diese königliche Würde wird am Ende unseres Lebens offenbar.
David erbittet ein langes Leben und Gott schenkt es ihm. Das ist laut jüdischem Verständnis ein Zeichen für Segen. Es setzt noch keinen Auferstehungsglauben voraus, sondern ist ein Zeichen für die Erinnerung des eigenen Namens durch die Nachkommen, ein erfülltes irdisches Leben und eine Bestattung bei den Vorfahren. Hier hat der Geist Gottes König David aber schon prophetisch eingegeben, dass es wirklich ein ewiges Leben gibt (עֹולָ֥ם וָעֶֽד olam wa’ed „immer und ewig“). David vermittelt uns noch etwas Wichtiges, das Jesus noch viel verdichteter erklären wird: Gott offenbart durch seine Heilstaten seine Herrlichkeit (hebräisch כָּבוֹד kavod, im griechischen AT und NT δόξα doxa). Die Hoheit des israelitischen Königs kommt von Gott und nicht vom König selbst. Deshalb bleibt David „auf dem Boden“. Auch wir, die wir durch die Taufe mit einer königlichen Würde ausgestattet sind, können das von uns sagen: Sie kommt von Gott. Was wir Gutes vollbringen, tun wir aus Gottes Gnade heraus, der uns unsere Fähigkeiten geschenkt hat. Alles, was wir tun, soll deshalb ihm zur Ehre, ihm zur Verherrlichung dienen. Dieses Leben wird so wie David auch uns beglücken, mit Freude erfüllen. Diese Freude wird nicht nur eine vorübergehende, irdische sein, sondern eine ewige, die im Bild des himmlischen Hochzeitsmahls zum Ausdruck kommt.
Davids Art zu beten, die wir vor allem durch die Psalmen bis heute vermittelt bekommen, ist uns ein großes Vorbild. Er ist so ein großer König, der viel erreicht hat. Er hat auch nicht immer alles richtig gemacht, aber dennoch können wir seine Frömmigkeit und Gottesfurcht als gutes Beispiel für unser eigenes Leben übernehmen.

Mk 2
13 Jesus ging wieder hinaus an den See. Da kamen Scharen von Menschen zu ihm und er lehrte sie. 
14 Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf und folgte ihm nach. 
15 Und als Jesus in dessen Haus zu Tisch war, da waren viele Zöllner und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern zu Tisch; es waren nämlich viele, die ihm nachfolgten. 
16 Als die Schriftgelehrten der Pharisäer sahen, dass er mit Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? 
17 Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Heute lesen wir von einer weiteren Jüngerberufung und von weiteren Heilstaten Jesu. Es geht um Levi, der im Matthäusevangelium Matthäus genannt wird. Es handelt sich um einen Zöllner, dessen Berufsgruppe nicht gut angesehen ist. Das liegt daran, dass Zöllner immer mehr als nötig eintreiben müssen, um das Risiko von Missernten etc. zu berücksichtigen. Sie gelten deshalb als unehrlich, erhalten keine bürgerlichen Ehrenrechte und werden vor Gericht nie als zuverlässige Zeugen einbezogen. Jesus hat im heutigen Evangelium aber einen wunderbaren Plan mit diesem Menschen. Er sieht mehr als nur den unehrlichen Zöllner. Er sieht das Potenzial eines von Gott geliebten Kindes. So ist es auch bei uns Menschen. Wir drücken anderen schnell einen Stempel auf. Wir schreiben andere ab, obwohl wir sie erstens gar nicht richtig kennen können (also nicht in ihr Herz schauen können), zweitens noch so schlimme Menschen jederzeit eine Umkehr erleben, ein besserer Mensch werden können. Jeder hat jederzeit eine neue Chance verdient. Und wie Levi in Wirklichkeit ist, sieht nur Gott. Der sehr bekannte Billy Graham sagte es einmal sinngemäß: Es gibt drei Arten des Ichs – das Ich, das ich selbst kenne, das Ich, das die Menschen kennen und das Ich, das Gott kennt. Jesus sieht in Levi, was sonst keiner bisher gesehen hat – vielleicht nicht mal er selbst.
Warum eigentlich hat dieser Zöllner, der dann Jesu Jünger wird, zwei verschiedene Namen? Das hängt wohl damit zusammen, dass er beide Namen besaß. Die moderne Exegese bestreitet dies, weil im Gegensatz zu Paulus kein jüdischer und römischer Name vorlag, sondern zwei jüdische. Dem ist entgegen zu halten, dass es auch eine latinisierte Form gibt (nämlich eben Matthäus) und eine doppelte Namensgebung auch mit seiner römischen Bürgerschaft zusammenhängen kann wie bei Paulus. Eine andere Erklärung ist, dass er später von Jesus den Namen Matthäus erhalten hat. Das alles spielt für uns eine untergeordnete Rolle. Für uns ist es lehrreich, dass Jesus so einen Menschen überhaupt beruft.
Wie schon bei den anderen Aposteln steht der Berufene direkt auf und folgt Jesus nach, ohne zu zögern.
Wie auch bei Zachäus hält Jesus gemeinsames Mahl mit Levi und seinen Freunden. Da er bei den meisten Juden nicht beliebt ist, hat er in seinem Umfeld Menschen seines Berufsstandes.
Jesus isst mit Sündern, weil er Gott ist. Dieser ist so allmächtig, dass er höchstpersönlich tief in das sündige Leben von uns Menschen eintauchen kann, ohne dass es ihm irgendwie schadet. Er tut es, um uns Menschen aus der Sünde herauszuholen, nicht weil er die Sünde an sich gutheißt. Sein Verhalten ist also kein Anlass, Sünder zur Kommunion zuzulassen, wie heutzutage gerne instrumentalisiert wird. Jesus hält Mahl als „Rettungsaktion“ für die echten Sünder (die vor Gott Sünder sind, nicht die von den Menschen abgestempelt werden) und als prophetische Zeichenhandlung für die Selbstgerechten (Gott hält Mahl mit allen Menschen guten Willens, beim letzten Abendmahl mit seinem berufenen Zwölferkreis, in der eucharistischen Gemeinschaft mit allen Getauften und zur Eucharistie Gekommenen, am Ende des Lebens beim himmlischen Hochzeitsmahl). Wer daran teilnimmt, wird nicht automatisch nach den Maßstäben der Pharisäer und Schriftgelehrten entschieden, sondern allein nach Gottes Maßstab – mit so einigen Überraschungen. Warum Überraschungen? Weil nur Gott das Herz der Menschen sieht und genau weiß, wer wirklich gerecht ist (nicht nur nach außen so tut).
Sie sind es auch, die auf Jesu Mahlgemeinschaft mit den von ihnen bezeichneten „Sündern“ unzufrieden reagieren. Sie zeigen durch ihre Reaktion, dass sie Jesus als Messias und Gott nicht erkannt haben. Sie sehen Jesus als üblichen Rabbi, der sich an die jüdischen Gesetze halten soll. Sie sehen nicht, dass der Messias Herr über die Torah ist.
Jesus bekommt ihre Reaktion mit und weil er alle Menschen retten will, geht er auch auf diese Menschen zu mit den Worten: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“. Gott ist der Arzt unserer Seelen. Er macht uns wieder heil, wo wir uns von ihm behandeln lassen. Jesu Mahlgemeinschaft ist also nicht nur „Rettungsaktion“ und prophetische Zeichenhandlung, sondern vor allem eine „Therapiesitzung“. Wir könnten uns jetzt fragen: „Heißt das, dass die Zöllner und Sünder bei Jesu Mahlgemeinschaft die Kranken sind und die Pharisäer und Schriftgelehrten nicht?“ Wir können uns getrost selbst beantworten: Natürlich ist jeder Mensch krank, nämlich durch die Erbsünde. Es gibt niemanden, der ganz gesund ist. Jeder ist nur unterschiedlich „krank“. Das ist eine Sache. Die andere ist aber hier entscheidend: Wer erkennt die eigene Krankheit und lässt sich auf die Therapie Gottes ein? Wer meint, keine Umkehr nötig zu haben, weil er schon gerecht genug ist, wird die eigene Krankheit nicht sehen und deshalb nie therapiert. Jesus verrät uns durch seine Antwort jedoch wirklich, dass er die Sünde der Zöllner nicht bagatellisiert. Es ist Stehlen und Lügen. Das sind ernstzunehmende Sünden. Jesus redet uns unsere Sünden auch nicht weg. Er hält sie uns in Liebe vor, damit wir unser eigenes sündiges Spiegelbild sehen, betroffen sind und uns ändern. Die Zöllner sind in dieser Hinsicht wirklich krank, aber sie lassen sich wenigstens behandeln. Wie ist es mit uns? Reagieren wir auch unwirsch, wenn Gott anderen seine Barmherzigkeit zeigt? Sollten wir nicht froh sein und uns mit diesen Menschen mitfreuen, dass sie zu Gott umkehren? Uns erinnert diese ganze Situation an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Auch dort geht es nicht nur um einen einzigen Sohn, sondern um zwei, die je auf ihre Weise versöhnt werden müssen. Wollen wir zum unbarmherzigen großen Bruder werden, der dem jüngeren die Umkehr nicht gönnt?
Wenn Jesus dann am Ende noch sagt: „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder“, müssen wir genau überlegen, was Jesus damit meint. Im griechischen Original steht es tatsächlich so: Gerechte und Sünder. Jesus beruft dabei Menschen, nicht ihre Sünde. Wen Jesus ruft, der wird dabei immer verändert. Wir denken z.B. an Zachäus, der am Ende alles, was er zuviel eingenommen hat, sogar noch vierfach zurückgezahlt hat. Wir denken auch an Maria Magdalena, die durch die Begegnung mit Jesus von sieben Dämonen befreit worden ist und von da an Jesu Verkündigung u.a. finanziell unterstützt hat. Die Sünder waren keine Sünder mehr, aber befreit wurden sie erst davon, als sie es einsahen und umkehrten. Deshalb sagt Jesus, dass er Sünder beruft, nicht Gerechte – Sünder ist jeder Mensch, aber nicht jeder erkennt sich als Sünder. Ihm nachfolgen kann nur, wer die Demut besitzt, sich zu sehen, wie man wirklich ist, arm und erlösungsbedürftig. Wer sich selbst aber als Gerechter bezeichnet, der keiner Umkehr bedarf, kann Jesus nicht nachfolgen. Es geht also bei der Aussage Jesu weniger darum, wie viel, wie arg, welche Art von Sünde man auf dem Konto hat, sondern vielmehr darum, wie viel man von den Sünden tatsächlich bereut. Gleichzeitig verharmlost er keine einzige Sünde. Sonst würde er nicht zu den großen Sündern sagen: „Geh und sündige von nun an nicht mehr.“

Was hat das mit König Saul zu tun oder mit König David, dem frommen Psalm-Komponisten? Denken wir an Saul, sehen wir einen schönen Menschen, der Potenzial hat. Leider werden wir lesen, dass sich sein Potenzial nicht realisieren wird, sondern sich zum Schlechten wendet. Er wird die Chancen nicht nutzen, die Gott ihm schenkt, er wird David sogar nach dem Leben trachten, weil er sich auf dessen Gnade und Macht konzentrieren wird, die er ihm nicht gönnt. Was den Psalm betrifft, sehen wir ebenfalls ein gutes Beispiel für die Berufung von Sündern: David ist ein so gottesfürchtiger und frommer Mann – und dennoch ein gar nicht so kleiner Sünder. Er begeht u.a. eine der gravierendsten Sünden, den Ehebruch. Aber er ist ein reumütiger Mensch. Er bereut die Sünde und bekennt sie sogar. Darin ist er uns ebenfalls ein Vorbild: Kein Mensch ist ohne. Keiner kann von sich sagen: „Ich bin so gerecht, ich brauche nicht umzukehren. Ich muss nicht zur Beichte.“ Sogar Petrus, der von allen Aposteln die größte Aufgabe erhalten hat, tat eine gravierende Sünde, einen Hochverrat an Gott. Das Entscheidende ist aber, dass er es sofort bereut hat und sein ganzes Leben dafür gesühnt hat.
Diese Menschen waren Sünder – und erkannten sich vor allem als Sünder. Sie erkannten, dass alles Gute, was sie taten, nicht von ihnen selbst kam, sondern von Gott. Wir haben darüber schon beim Psalm nachgedacht. Gottes Herrlichkeit ist es, die durch die guten Taten offenbart wird, nicht unser eigenes Ego. Wenn man sich allerdings für selbstgerecht hält, verwechselt man genau dies. Man denkt, dass das Gute vollkommen eigenes Verdienst ist (gewiss tun wir unser Bestes, aber es ist immer ein Teamwork und nicht unser eigenes Gutsein).

Solche Menschen beruft Gott. Menschen, die ihr echtes, unvollkommenes Ich sehen und wissen, dass alles Gute von Gott kommt. Seien wir bekennende Sünder – erkennen wir unsere eigene Erlösungsbedürftigkeit. Das heißt nicht, dass wir schön weiter sündigen, sondern damit aufhören sollen. Wenn wir anfangen, echt zu sein, werden wir zu brauchbarem Material, aus dem Gott schöne Gefäße für sein Werk formen kann.

Ihre Magstrauss