Mittwoch der ersten Adventswoche (A)

Jes 25,6-10a; Ps 23,1-6; Mt 15,29-37

Liebe Freunde, heute gratuliere ich allen Barbaras zu ihrem Namenstag! Die Hl. Barbara ist meine Begleiterin schon von klein auf. Als Kinder haben wir schon das wunderbare Gebet gelernt: Sankt Barbara, du edle Braut, mein Sterben sei dir anvertraut, o steh mir bei, dass ich an meinem End‘, empfange das hochheilige Sakrament.

Jes 25
6 Der HERR der Heerscharen wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen. 
7 Er verschlingt auf diesem Berg die Hülle, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt. 
8 Er hat den Tod für immer verschlungen und GOTT, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, denn der HERR hat gesprochen.
9 An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, dass er uns rettet. Das ist der HERR, auf ihn haben wir gehofft. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat. 
10 Denn die Hand des HERRN ruht auf diesem Berg. 

Jesaja verheißt auch im heutigen Abschnitt viele Dinge, die sich spätestens in der Offb erfüllen oder zumindest ihre Entsprechung finden. Insbesondere Offb 7 greift mehrere Aspekte auf wie die Freude der Sieger über die Rettung des Lammes. Auch in diesem Abschnitt stellt der Hl. Berg, d.h. Jerusalem, das Zentrum dar. Die Stadt ist deshalb so heilig und entscheidend, weil in ihr der Tempel Gottes errichtet ist, in dem laut jüdischem Verständnis Gottes Herrlichkeit wohnt. Dort wird ein Festmahl mit Speisen und Weinen angekündigt, was vierfach zu bedenken ist: Einerseits wird damit die Freude über die Befreiung des Volkes Israel aus der Fremdherrschaft ausgedrückt. Andererseits kündigt es die ewige Freude des Himmels an, die noch aussteht. Diese wird sakramental in jeder Hl. Messe vorweggenommen, die ein Freudenfest ist. Gott wohnt in unserer Mitte und wir sind ganz eins mit ihm, wenn wir ihn empfangen. Und wie Jesus durch viele Gleichnisse herausgestellt hat, wird diese Freude schon jedes Mal spürbar, wenn ein Sünder umkehrt. Der barmherzige Vater feiert ein Fest für seinen zurückgekehrten Sohn im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15).
Es heißt sodann, dass dieser Berg enthüllt werden wird (Vers 7), und zwar von Gott selbst. Dies ist, was wir Offenbarung nennen. Er wird alles aufdecken: Seinen Plan mit den Israeliten – er wird ihnen wiederum Propheten senden, die ihnen aufzeigen, was sie tun sollen. Er wird ihnen schließlich seinen eigenen Sohn senden, der ihnen den Vater offenbaren wird. Er wird auch seinen Sohn in jeder Messe offenbaren in Gestalt von Brot und Wein – deshalb lesen wir hier die Rede von Speisen und Weinen eucharistisch! – er wird das Herz jedes Menschen aufdecken (keine Tat bleibt verborgen) und er wird am Ende der Zeiten alles aufdecken, sodass jeder Mensch die Fülle der Erkenntnis erlangen wird, vor allem werden alle Gott schauen, wie er ist.
Die sich anschließenden Verheißungen sind sehr tröstlich und finden wiederum eine Entsprechung in der Offb: Gott wird alles vernichten, sogar den Tod. Er wird alle Tränen abwischen. Diese Dinge geschehen dann tatsächlich am Ende der Offb (20-21). Und wenn es dann bei Jesaja heißt, dass die Hand des Herrn auf dem Berg ruht (תָנ֥וּחַ tanuach, eigentlich Zukunftsform „sie (die Hand) wird ruhen“, aber auch präsentisch übersetzbar), dann ist das ein Beleg für Gottes Gegenwart an diesem Ort. Er ist schon durch den Tempel gegenwärtig. Seine Herrlichkeit zeigt sich im AT ja schon durch Zeichen wie Rauch, Wolke und Feuersäule. Da es aber gerade auch zukünftig zu verstehen ist, geht es um eine andere Art von Gegenwart, die hier angekündigt wird – eine noch vollkommenere. Wir Christen sehen darin zunächst die Ankündigung des Messias an dem Ort. Er wird leibhaftig an diesem Ort wandeln. Wir sagen aber auch, dass seine leibhaftige Gegenwart in der Gemeinschaft der Gläubigen bleibt durch die Eucharistie. Darüber hinaus ist er durch den Empfang der Kommunion leibhaftig im Menschen. Und am Ende der Zeiten wird Gott ganz in der Mitte der Menschen wohnen, sodass es nicht mal mehr einen Tempel brauchen wird (Offb 21,22).

Ps 23
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. 

2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. 
4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. 
5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher. 
6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Der uns allen bekannte Psalm 23 greift einiges aus Jesaja auf. Es geht auch hier um tröstliche Verheißungen, die dann in Offb 7 aufgegriffen werden: Während hier noch der HERR zu den Auen und zum Wasser führt, handelt es sich in der Offb um das Lamm. Dies ist eine Tatsache, die wirklich nachdenklich macht. Ein Lamm, das ja selbst geweidet wird, wird zum Hirten! Jesus, das Lamm Gottes, ist Mensch wie wir geworden, hat gelitten und ist gestorben wie wir. In dieser Hinsicht ist er selbst Teil der Herde. Und doch ist er Gott, ist er der HERR aus Ps 23, also der Hirte. Er sagt dies auch im Johannesevangelium (Joh 10,14). Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch.
Während es im Psalm noch „Ruheplatz am Wasser“ heißt, wird es sich in der Offb steigern und zur Quelle des lebendigen Wassers – einem Sinnbild für den Hl. Geist! Hier im Psalm ist noch die Rede vom Todesschatten (was die Einheitsübersetzung mit „finsterem Tal“ übersetzt). Bei Jesaja klingt jedoch bereits an, dass dieser zerstört werde. Wenn der Psalm dann mit dem Haus des HERRN abschließt, dann ist das eine Umschreibung des Tempels von Jerusalem. Wörtlich-historisch ist dies also zunächst eine Zusage für die Juden, die im babylonischen Exil leben müssen und sich danach sehnen, in ihre Heimat zurück zu kehren, den Tempel wieder aufbauen zu können. Es geht noch darüber hinaus, sonst würden wir als Christen den Psalm heute nicht mehr beachten. Betrachten wir den Gesamtkontext der Heilsgeschichte: Mit dem Sündenfall sind wir in eine noch viel gravierendere Gefangenschaft, in ein schmerzhafteres Exil gekommen – wir Menschen sind aus dem Paradies verbannt worden und hatten keine Aussicht auf den Himmel. Umso glücklicher atmete die Welt auf, als der Messias geboren worden war. Die Chance auf den Himmel wurde wieder freigegeben. Wir sehnen uns auch heute danach, in diesen Himmel zu kommen, der das himmlische Jerusalem, das ewige Haus des HERRN ist. Auch jetzt schon sehnen sich Menschen, ohne dass sie es merken. Sie suchen als Abbild Gottes immer nach IHM, der sie zu sich ruft. Am Ende kommen sie zu ihm, der die Mitte der Kirche ist. Sie lassen sich taufen und gehen den Weg mit IHM, um am Ende vollendet zu werden im himmlischen Haus des HERRN.

Mt 15
29 Jesus zog von dort weiter und kam an den See von Galiläa. Er stieg auf einen Berg und setzte sich. 
30 Da kamen viele Menschen zu ihm und brachten Lahme, Blinde, Krüppel, Stumme und viele andere Kranke; sie legten sie ihm zu Füßen und er heilte sie, 
31 sodass die Menschen staunten, als sie sahen, dass Stumme redeten, Krüppel gesund wurden, Lahme gehen und Blinde sehen konnten. Und sie priesen den Gott Israels.
32 Jesus rief seine Jünger zu sich und sagte: Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Ich will sie nicht hungrig wegschicken, sonst brechen sie auf dem Weg zusammen. 
33 Da sagten die Jünger zu ihm: Wo sollen wir in dieser Wüste so viel Brot hernehmen, um so viele Menschen satt zu machen? 
34 Jesus sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben – und ein paar Fische. 
35 Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. 
36 Und er nahm die sieben Brote und die Fische, sprach das Dankgebet, brach sie und gab sie den Jüngern und die Jünger gaben sie den Menschen. 
37 Und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Stücke ein, sieben Körbe voll.

Alles, was bisher nur verheißen wurde und in den Menschen Sehnsucht geweckt hat, erfüllt sich nun im Evangelium: Jesus steigt interessanterweise auch auf einen Berg, wo die Handlung nun spielt. Da fragt man sich vielleicht, warum er ausgerechnet so einen Ort aufsucht. Schließlich müssen die vielen Menschen ihm folgen, die dort mit Beschwerden zu ihm kommen. Der springende Punkt ist: Jesus tat nie etwas ohne tieferen Sinn. Schauen wir auf den Hl. Berg, dem Zion, auf dem das Haus des HERRN errichtet war, können wir nicht umhin – und so die frommen Juden auch – mit Jesus eine Erfüllung der Verheißung zu erkennen. Er unterweist die Menschen wie ein Rabbi (denn er setzte sich als Geste des Lehrens). Dies erinnert an die Bergpredigt und an das, was wir die letzten Tage bei Jesaja bereits gelesen haben: Die Weisung (Torah) wird vom Berg ausgehen. Jesus ist die Personifikation der Torah und erfüllt dieses Wort. Jesus erfüllt noch mehr. Es heißt, dass er heilt – genau die Gruppen, genau die Heilstaten, die Jesaja über den Messias ankündigt. Er heilt Lahme, Blinde, Krüppel, Stumme usw. Die Menschen sehen dies und staunen. Sie preisen den Gott Israels, was auf ihren Aha-Effekt hinweist. Sie haben verstanden, woher diese Taten kommen. Das ganze geht drei Tage so weiter und Jesus sagt zu seinen Jüngern, er habe Mitleid („ich erbarme mich“), was wiederum einen Hinweis darauf gibt, dass er der barmherzige Gott ist, von dem wir in den Jesaja-Lesungen der letzten Tage gehört haben. Er tut dann etwas Ungewöhnliches mitten auf einem Berg in der Wüste: Er sättigt die Anwesenden mit nur sieben Broten und wenig Fischchen, anstatt sie wegzuschicken. Auch dies ist nicht nur ein Akt der leiblichen Stärkung („sonst brechen sie auf dem Weg zusammen“). Jesus möchte uns auf dem Lebensweg nähren durch sein Wort und seine Sakramente, damit wir auch seelisch nicht zusammenbrechen. Er möchte uns die Kraft geben, nach dem Willen Gottes leben zu können. Den Menschen, die ihm bis in die Wüste gefolgt sind, ging es zuerst um das Reich Gottes, deshalb gab Jesus ihnen alles Andere dazu! Auch uns möchte er mit Überfülle beschenken, wenn wir zuerst ihn suchen. Und die Kirche ist ja auch Volk Gottes auf dem Weg, die Wegzehrung braucht. Deshalb ist es so überlebenswichtig für sie, die Eucharistie jeden Tag zu feiern. Diese ist das Brot, mit dem die Kirche genährt wird, um alles zu überstehen, auch jedes Schisma, jede Anschuldigung, jede Attacke. Schließlich haben wir ja auch bei Jesaja vom Festmahl gehört, bei dem wir am Ende der Zeiten genährt werden.
Jesus bittet die Menge, sich hinzusetzen. Eigentlich steht da wörtlich das Verb ἀναπίπτω anapipto, was unter anderem die Bedeutung „sich zu Tisch legen“ aufweist und verwendet wird, wenn man sich zu Tisch begibt. In dem Kulturkreis lag man am Tisch, anstatt zu sitzen. Sich niederlegen in der Wüste auf einem Berg scheint absurd? Nicht für den Messias, der in seiner pädagogischen Feinfühligkeit den Juden zu verstehen geben will, dass sich nun ein weiteres Schriftwort erfüllt, nämlich Jesaja, den wir vorhin gelesen haben! Jesus lädt zum Festmahl ein und bittet seine Gäste sozusagen „zu Tisch“. Hier ist die Endstation der Erfüllung noch nicht erreicht. Sie endet im Abendmahlssaal mit den zwölf Aposteln. Und doch werden die Menschen dafür schon vorbereitet, wenn Jesus neben den Fischchen ausgerechnet Brot nimmt und dem Vater dafür dankt (die Danksagung heißt im Griechischen εὐχαριστία eucharistia!). Interessant ist, dass er die Brote nicht selbst an die Menschen verteilt, sondern seine Jünger die Verteilung vornehmen lässt. Dies ist auch auf ekklesiologischer Ebene eine Vorbereitung ganz bestimmter liturgischer Dienste. In der Urkirche wurde die Austeilung der Eucharistie deshalb von Diakonen unterstützt. Bemerkenswert und wiederum ein göttliches Wunder ist, dass ganze zwölf Körbe von den sieben Broten übrig bleiben. Auch dies ist den Menschen ein Zeichen: Wenn Gott gibt, dann gibt er im Überfluss. Die Zahlen Sieben und Zwölf sind biblisch immer Zahlen der Fülle, Vollkommenheit und Vollständigkeit. Dies verdeutlicht das in dem Kontext stehende Verb ἐχορτάσθησαν echortasthesan „sie wurden gemästet“, was die Einheitsübersetzung in Vers 37 mit „sie wurden satt“ übersetzt. Die dort Anwesenden werden begriffen haben, dass die Verheißung der „fetten Speisen“ aus Jesaja sich nun vor ihren Augen erfüllt hat. Die frommen Juden werden vielleicht auch an das Manna in der Wüste gedacht haben. Dies erklärt auch, warum Jesus diese Speisung ausgerechnet in der Wüste vorgenommen hat. Auch damals war es zunächst eine Sättigung der Leiber und doch ging es damals schon darüber hinaus. Das alte Israel ist darauf vorbereitet worden, was nun mit Jesus geschah. Die Menschen mit ihm sind nicht nur körperlich, sondern auch im Glauben gesättigt worden – durch die Unterweisung, die Heilungen und die Speisung. Ein letzter Impuls, den dieses Evangelium gibt und den ich Ihnen heute besonders ans Herz legen möchte: In jeder Hl. Messe ist zunächst ein Wortgottesdienst vorgesehen, bei dem das Wort Gottes verkündigt wird. Es wird auch ausgelegt, die Menschen sozusagen unterwiesen. Und im Anschluss werden die Gaben bereitet und ein eucharistisches Festmahl gefeiert! Jesus bereitet im heutigen Evangelium auf das vor, was die Kirche nun sakramental nachempfindet!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie die Eucharistie als Speisung der Seele heute besonders für sich entdecken, auch besonders auf dem Weg auf Weihnachten zu. Der Weg des Advents ist wie ein Gang durch die Wüste, durch die Einsamkeit hin zum Licht von Bethlehem.

Ihre Magstrauss

Ein Kommentar zu „Mittwoch der ersten Adventswoche (A)

  1. Danke für Ihre wertvollen und tiefgehenden Gedanken. Frauen werden zwar keine Bischöfe, Pfarrer, Kardinäle oder Päpste… Und das ist gut so, da die aktive Verbreitung des Glaubens oft eine Berufung ist, die gefährlich ist und übelste Folter zur Folge haben kann… Aber Frauen werden immer wieder weise Kirchenlehrerinnen. Und man sieht an Ihnen, dass es sie immer wieder gibt, die klugen, demütigen Frauen, die dem Herrn folgen und von Gott berufen werden. Alles Gute, Matteo P.A.

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