Montag der 4. Woche im Jahreskreis

2 Sam 15,13-14.30; 16,5-13a; Ps 3,2-3.4-5.6-7; Mk 5,1-20

2 Sam 15
13 Als ein Bote kam und David meldete: Das Herz der Israeliten hat sich Abschalom zugewandt!, 
14 sagte David zu allen seinen Dienern, die bei ihm in Jerusalem waren: Auf, wir müssen fliehen, denn für uns gibt es keine Rettung vor Abschalom. Beeilt euch mit dem Aufbruch, sonst kommt er und holt uns ein, bringt Unglück über uns und schlägt die Stadt mit scharfem Schwert.

30 David stieg weinend und mit verhülltem Haupte den Ölberg hinauf; er ging barfuß und alle Leute, die bei ihm waren, verhüllten ihr Haupt und zogen weinend hinauf.
5 Als König David nach Bahurim kam, siehe, da kam aus der Stadt ein Mann heraus namens Schimi, ein Sohn Geras aus der Sippe des Hauses Saul. Er kam heraus, fluchte 
6 und warf mit Steinen nach ihm und allen Dienern des Königs David, obwohl das ganze Volk und alle Krieger rechts und links um ihn standen. 
7 Schimi schrie und fluchte: Verschwinde, verschwinde, du Mörder, du Niederträchtiger! 
8 Der HERR hat all deine Blutschuld am Haus Sauls, an dessen Stelle du König geworden bist, auf dich zurückfallen lassen. Der HERR hat das Königtum in die Hand deines Sohnes Abschalom gegeben. Nun bist du ins Unglück geraten; denn du bist ein Mörder. 
9 Da sagte Abischai, der Sohn der Zeruja, zum König: Warum flucht dieser tote Hund meinem Herrn, dem König? Ich will hinübergehen und ihm den Kopf abschlagen. 
10 Doch der König antwortete: Was habe ich mit euch zu schaffen, ihr Söhne der Zeruja? Wenn er flucht und wenn der HERR ihm gesagt hat: Verfluch David!, wer darf dann fragen: Warum tust du das? 
11 Und weiter sagte David zu Abischai und all seinen Dienern: Seht, mein leiblicher Sohn trachtet mir nach dem Leben, wie viel mehr erst der Benjaminiter. Lasst ihn fluchen! Sicherlich hat es ihm der HERR geboten. 
12 Vielleicht sieht der HERR mein Elend an und erweist mir Gutes für den Fluch, der mich heute trifft. 
13 David und seine Männer setzten ihren Weg fort.

Wir haben in den letzten Tagen gehört, was David angestellt und wie er Gott aufrichtig um Verzeihung gebeten hat. Dieser hat ihm seine Sünden auch vergeben, aber der entstandene Schaden muss wiedergutgemacht werden. Gott hat David angekündigt, dass sein eigenes Fleisch und Blut das Schwert gegen ihn erheben wird. Es wurde ihm auch angekündigt, dass sein Ehebruch mit Batseba auf ihn zurückfallen werde. Dies wird sich nun in Form einer inzestuösen Vergewaltigung erfüllen. Wir lesen die Kapitel laut Leseordnung nicht, in denen beide Erfüllungen geschildert werden. Deshalb fasse ich diese hier kurz zusammen: David hat mehrere Frauen und von ihnen mehrere Kinder. Ein Sohn verliebt sich dabei in seine Halbschwester und lockt sie durch eine Intrige zu sich nach Hause. Es geht um Amnon und Tamar. Er vergewaltigt sie und demütigt sie schwer. Sie ist die Schwester Abschaloms, der sich wiederum zwei Jahre später an dem Halbbruder Amnon rächt, indem er ihn totschlagen lässt. Nach weiteren drei Jahren Flucht kehrt Abschalom zurück, weil sein Vater David barmherzig mit ihm ist. Dabei ist zu beachten, dass Abschalom mithilfe anderer Personen eine List angewandt hat, um David weich zu kochen. Ihm reicht es aber nicht, nur nach Jerusalem zurückkehren zu dürfen, ohne dem Vater vor die Augen zu treten. So wendet er sich erneut an Dritte, die mit ihm aber nichts mehr zu tun haben wollen. Es geht um Joab, den Abschalom mehrfach rufen lässt. Weil dieser ihm nicht Folge leistet, lässt Abschalom sein Feld anzünden. Er setzt seinen Willen immer wieder durch. Wir sehen seinen sturen Charakter durch die Kapitel hindurch. Und dennoch heißt es im zweiten Samuelbuch, dass er von Kopf bis Fuß ohne Makel war.
Nachdem Abschalom wieder einen Fuß im Königshaus hat, beginnt er nun mit einer Verschwörung gegen seinen eigenen Vater, der ihm so viel Barmherzigkeit gezeigt hat: Er fängt in den nächsten vier Jahren immer wieder Menschen ab, die unterwegs zum König sind, dass er über sie Recht spreche. Das ist nämlich zur Aufgabe des Königs geworden, nachdem die Richterzeit in Israel abgeschlossen ist. Abschalom behauptet dann immer wieder, dass der König ihnen kein Recht verschaffen würde und dass es bei ihm anders wäre, wenn er König in Israel wäre. So sammelt er mit der Zeit Männer um sich, die zu seinem „Hofstaat“ werden. Mit einem Vorwand zieht Abschalom dann eines Tages nach Hebron, um einen „Gottesdienst“ zu feiern, und nimmt sein Gefolge mit. Diese Menschen wissen gar nicht, wie ihnen geschieht, aber Abschalom befiehlt ihnen, beim Klang des Widderhorns eine Königs-Akklamation für ihn auszurufen („Abschalom ist König in Hebron“).
Die heutige Lesung setzt dort nun an:
David erfährt schließlich, was Abschalom im Schilde führt, und flieht mit seinen Leuten aus Jerusalem. Er steigt barfuß und mit verhülltem Haupt den Ölberg hinauf. Das ist eine Situation, die absolut typologisch ist. Denn was dort passiert, ist analog zu der Situation Jesu auf dem Ölberg zu verstehen. Er weint mit seinen Leuten. Jesus hat große Angst, sodass er blutigen Schweiß bildet. Vielleicht hat auch er geweint, als er sein bevorstehendes Leiden sah, vor allem auch den Verrat seines Freundes Judas Iskariot. Jesus nimmt ebenso wie David Begleitung mit. Beide sind Versuchungen ausgesetzt, das heißt konkret der „Ankläger“, der der Satan ist, klagt beide an. In beiden Fällen möchte er die versuchte Person dazu bringen, das Leiden von sich abzuwälzen und nicht zu tragen. Im Falle Davids ist es ein Benjaminiter aus der Sippe Sauls, der ihn als Mörder anklagt. Gott lässt zu, dass David hier beschimpft und mit Steinen beworfen wird. Denn was Schimi David hier vorwirft, ist die Wahrheit. Jesus wurde vom Satan selbst angeklagt, indem dieser ihm einredet, er sei nicht stark genug, all das zu tragen, was kommt. Dass Jesus im Garten vom Teufel versucht wird, muss wiederum typologisch zur Versuchung Adams im Garten Eden betrachtet werden. Jesus macht diese wieder gut, indem er nicht auf die Versuchung hineinfällt wie das erste Menschenpaar.
Einer der Söhne Davids möchte Schimi den Kopf abschlagen, aber David weist ihn mit deutlichen Worten zurecht. Er erkennt nämlich, dass die Anklage Schimis gerechtfertigt ist und er das alles verdient hat. In Jesu Fall wird es Petrus sein, der dem Diener des Hohepriesters ein Ohr abschlagen wird. Und auch er wird zurechtgewiesen, da all die Geschehnisse notwendig sind, um die Welt zu erlösen. Jesus hat es nicht verdient, aber er muss es tragen zur Sühne für die Sünden der ganzen Welt. So fallen beide Personen nicht darauf hinein, das zu tragende Leiden von sich abzuwälzen.
David versteht, dass Gott die Anklage Schimis zulässt. Er lässt es sogar geschehen mit der Absicht, seine eigene Schuld dadurch zu sühnen. Er versteht, dass Gott ihm hier jetzt die Möglichkeit bietet, den damals entstandenen Schaden wiedergutzumachen, zumindest teilweise.
Auch heute lernen wir sehr viel aus dem Verhalten Davids. Er nimmt alles an, was passiert, auch wenn es schmerzhaft ist. Wie viele Tränen muss er heute wegen seiner Kinder vergießen! Er hadert aber nicht mit Gott, sondern erkennt, dass seine eigenen Sünden auf ihn zurückfallen. Er erkennt auch, dass er die sich zutragenden Leiden zum Anlass nehmen muss, um seine Sünden zu sühnen.
So sollen wir mit unserer eigenen Schuldhaftigkeit umgehen. Selbst wenn Gott uns unsere Sünden vergeben hat, ist der entstandene Schaden noch da. Dieser muss wiedergutgemacht werden, weshalb wir alles Leiden, jede Unannehmlichkeit, jeden Schmerz im Leben dafür nutzen sollten, Gott als Sühne unserer Sünden zurückzugeben – nicht weil Gott das zur Besänftigung bräuchte, sondern für uns selbst! Gottes Barmherzigkeit ist dabei so unendlich groß. Er geht sogar so weit, uns auch noch diesen entstandenen Schaden zu erlassen, wenn wir möchten. Das nennen wir Ablass. Aber dieses Prinzip kommt in der heutigen Lesung noch nicht zum Tragen. David ist in seiner ganzen Gottesbeziehung mit den Höhen und Tiefen vorbildlich, motivierend, ermutigend. Er ist vor allem authentisch.

Ps 3
2 HERR, wie viele sind meine Bedränger; viele stehen gegen mich auf. 

3 Viele gibt es, die von mir sagen: Er findet keine Hilfe bei Gott.
4 Du aber, HERR, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und erhebst mein Haupt. 
5 Ich habe laut zum HERRN gerufen; da gab er mir Antwort von seinem heiligen Berg.
6 Ich legte mich nieder und schlief, ich erwachte, denn der HERR stützt mich.
7 Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht, die mich ringsum belagern.

Im heutigen Psalm, den wir heute beten, heißt es im nicht vorgesehenen Vers 1 „Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Abschalom floh“. Davids Gottesbeziehung wird uns also auch in dieser Situation durch den Psalm offenbart: Er klammert sich auch jetzt ganz an den Herrn. Er klagt ihm sein Leid. „Wie viele sind meine Bedränger“ bezieht sich auf die Meute, die Abschalom gegen ihn versammelt hat, ebenso „viele stehen gegen mich auf“. Er klagt Gott den Aufstand, den sein eigener Sohn angezettelt hat.
Und er klagt auch die Versuchungen an, die schon typologisch auf Jesus verweisen: „Viele gibt es, die von mir sagen: Er findet keine Hilfe bei Gott.“ Das ist nicht wahr, denn David hat bisher immer Gottes Beistand erfahren, auch in den ausweglosesten Notsituationen. Es sind dieselben Versuchungen, denen Jesus bis am Kreuz ausgesetzt ist. Es ist der Versuch des Teufels, in David bzw. Jesus einzupflanzen, dass Gott sie im Stich lasse, dass ihnen keiner mehr helfe, dass sie ganz alleine seien. Das ist nicht wahr und beide fallen darauf nicht hinein.
So betet David, statt der Versuchung nachzugeben „du aber, HERR, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und erhebst mein Haupt.“ So sehr er auch menschlich gesehen entehrt wird durch die Steinwürfe, die erniedrigenden Worte Schimis und der Meuterei Abschaloms. Er weiß, dass sein Wert in Wirklichkeit nur von Gott abhängt. Das ist wahre Demut. Die Heilige Mutter Teresa von Kalkutta hat einmal sinngemäß gesagt: „Wenn du demütig bist, wird dich nichts berühren, weder Lob noch Schande, weil du weißt, was du bist.“ David weiß, was er ist – wir müssen ergänzen – in Gottes Augen. Deshalb lässt er sich nicht dadurch entmutigen, dass Schimi ihn in der heutigen Lesung so niedermacht. Er steht dazu, dass er ein Mörder ist, aber er weiß zugleich, dass Gott ihm das längst vergeben hat. Gott hat ihm die Ehre wieder zurückgegeben. Kein Mensch kann sie ihm streitig machen.
Gott lässt einen auch in diesen Notsituationen nicht im Stich, selbst da nicht, wo wir die Situationen selbst verursacht haben. Gott erhört David vom Hl. Berg. Das ist auf den Tempel zu beziehen, wo David vor der Bundeslade immer sehr intensiv gebetet hat. Gott hat ihm geantwortet und Gott gibt auch uns heute Antwort, wo wir ihn fragen – im Allerheiligsten. Er spricht immer zu uns, aber wir hören nicht immer hin. Gott hat auch Jesus erhört, als er in seiner Sterbestunde noch den Psalm 22 gebetet hat. Er hat ihn von den Toten auferweckt, damit wir von den Toten auferweckt werden können. Wir haben ihm unsere österliche Hoffnung zu verdanken.
Und was auch geschieht, Gott ist immer bei uns. Wenn es uns sehr schlecht geht, so macht es uns David vor, sollen wir uns daran erinnern, was Gott uns Elementares geschenkt hat. Wir gehen schlafen und wachen am nächsten Tag auf. Auch wenn es zurzeit vielleicht schwer ist, hat uns Gott einen weiteren Tag geschenkt, zu leben. Wir dürfen existieren. Das ist immer dankenswert.
Und weil David Gottes Beistand sicher ist, hat er keine Angst, die „tausend Krieger ringsum“ zu konfrontieren. Dieser letzte Vers führt uns schon weiter zu Christus, der ebenfalls gegen eine Legion zu kämpfen hat. Lesen Sie selbst.

Mk 5
1 Sie kamen an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa. 

2 Als er aus dem Boot stieg, lief ihm sogleich von den Gräbern her ein Mensch entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. 
3 Er hauste in den Grabstätten. Nicht einmal mit einer Kette konnte man ihn bändigen. 
4 Schon oft hatte man ihn mit Fußfesseln und Ketten gebunden, aber er hatte die Ketten zerrissen und die Fußfesseln durchgescheuert; niemand konnte ihn bezwingen. 
5 Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabstätten und auf den Bergen und schlug sich mit Steinen. 
6 Als er Jesus von Weitem sah, lief er zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder
7 und schrie laut: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht!
8 Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlass diesen Menschen, du unreiner Geist! 
9 Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Mein Name ist Legion; denn wir sind viele. 
10 Und er flehte Jesus an, sie nicht aus diesem Gebiet fortzuschicken. 
11 Nun weidete dort an einem Berghang gerade eine große Schweineherde. 
12 Da baten ihn die Dämonen: Schick uns in die Schweine! 
13 Jesus erlaubte es ihnen. Darauf verließen die unreinen Geister den Menschen und fuhren in die Schweine und die Herde stürmte den Abhang hinab in den See. Es waren etwa zweitausend Tiere und alle ertranken. 
14 Die Hirten flohen und erzählten es in der Stadt und in den Dörfern. Darauf eilten die Leute herbei, um zu sehen, was geschehen war.
15 Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion Dämonen besessen gewesen war, bekleidet und bei Verstand. Da fürchteten sie sich. 
16 Die es gesehen hatten, berichteten ihnen, wie es mit dem Besessenen und den Schweinen geschehen war. 
17 Darauf baten die Leute Jesus, ihr Gebiet zu verlassen. 
18 Als er ins Boot stieg, bat ihn der Mann, der zuvor von den Dämonen besessen war, dass er bei ihm sein dürfe. 
19 Aber Jesus erlaubte es ihm nicht, sondern sagte: Geh nach Hause und berichte deiner Familie alles, was der Herr für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat! 
20 Da ging der Mann weg und verkündete in der ganzen Dekapolis, was Jesus für ihn getan hatte, und alle staunten.

Heute hören wir von der Episode in Gerasa, einem Ort in der heidnisch geprägten Dekapolis. Zur Zeit Jesu war die früher unbedeutende Stadt im Aufschwung als Teil der Dekapolis. Es wurden mehrere heidnische Tempel errichtet wie ein Zeus- und ein Artemistempel. Jesus und seine Jünger kommen am anderen Ufer des Sees Gennesaret an. Direkt nach dem Betreten des Festlands kommt ihnen ein Besessener entgegen. Die Dämonen in ihm werden Jesus schon von Weitem gespürt haben. Womit sich Jesus und seine Begleiter hier konfrontiert sehen, ist nicht nur eine ganze Legion von Dämonen, sondern jüdisch gesehen ein mehrfaches kultisch verunreinigendes Potenzial: Erstens handelt es sich um einen Besessenen, zweitens lebt dieser bei den Gräbern. Der Tod ist jüdisch gesehen besonders verunreinigend. Das dritte Moment der Verunreinigung ist heute durch die Schweineherde gegeben, da es sich um unreine Tiere handelt. Die Unkoscher-Trias unreiner Geist-unreiner Ort-unreine Tiere kann Jesus aber nichts anhaben. Er ist zwar von seiner Menschheit her ein frommer Jude, der sich kultisch verunreinigt, aber er ist zugleich Gott, der über den jüdischen Reinheitsgeboten steht.
Der Besessene kommt zu Jesus gelaufen und wirft sich vor ihm nieder. Die Dämonen wagen es nicht, den Sohn Gottes anzugreifen, sondern haben Angst vor ihm. Das ist für uns ein ganz starkes Signal und sollte jegliche Angst vor dem Teufel austreiben! Die Dämonen haben Angst vor Gott. Sie können uns also nichts anhaben, wenn wir ganz in Gott sind. Dann haben sie auch vor uns Angst. Es besteht also kein Grund zur Angst vor dem Teufel, egal wie mächtig er erscheint. Seine Macht, die Gott ihm nicht genommen hat, ist nur begrenzt und verschwindend gering im Vergleich zum Hl. Geist! So wird dieser Mann, der als charakteristische Begleiterscheinung seiner Besessenheit herkulische Kräfte erlangt hat, ein Häufchen Elend vor Jesus. Wir lesen in den Versen 3-4, dass keine Fesseln oder Ketten ihn festhalten können.
Heute lernen wir noch etwas von den Dämonen: Sie haben Angst vor dem Verlassen des Körpers. Es ist für sie eine schmerzhafte Prozedur, weshalb sie Jesus sogar bitten, einen anderen Körper einnehmen zu dürfen. Die Boshaftigkeit des Bösen ist so maximal, dass er sogar selbst Schaden in Kauf nimmt, solange er die Menschen quälen kann. Dämonen gehen ja immer das Risiko ein, von einem Exorzisten exorziert zu werden und bei dem Prozess in die Hölle verbannt zu werden. Das ist für sie ein sehr leidvoller Vorgang. Ihnen ist es aber wichtiger, die Menschen von Gott wegzuführen, sie zu zerstören. So abgrundtief ist die Bosheit des Satan.
Wir lernen noch etwas: Die Dämonen bitten Jesus, nicht aus diesem Gebiet verbannt zu werden. Das heißt, dass geographische Begebenheiten mit dämonischer Präsenz zusammenhängen. Gerasa ist ein Ort heidnischer Praktiken. Wenn es einen Artemiskult gab, der eventuell wie so oft in dieser Gegend die griechische Interpretation lokaler Besessenheitskulte darstellte, dann ist der ganze Lebensraum von diesem geistigen Klima besetzt. Wir kennen es von Berichten heutiger Exorzisten, dass ganze Städte dämonisch belastet sein können. Viele Exorzisten haben das für Städte festgestellt, in denen in Vergangenheit Massaker, Massenvergewaltigungen etc. stattgefunden haben. Viele Städte, in denen die Nazis gewütet haben, müssten eigentlich exorziert werden.
Jesus hat gar keine Arbeit mit den tausend Dämonen in dem Mann. Sie verraten ohne Zögern Jesus ihren Namen. Bei Exorzisten wie zu jener Zeit die Pharisäer kann dieser Vorgang langatmig und sehr anstrengend sein. Wenn ein Dämon den eigenen Namen verrät, entmachtet er sich nämlich selbst. Seinem Austreiben steht dann grundsätzlich nichts mehr im Wege.
Jesus lässt zu, dass die Dämonen in die große Schweineherde einfahren können, die am Abhang weidet. Warum eigentlich? Das soll nicht heißen, dass Gott den Dämonen gegenüber barmherzig ist – sie haben sich ja endgültig gegen Gott entschieden und da auch sie Geschöpfe mit einem freien Willen sind, muss Jesus das respektieren. Das hätte also nichts mit Barmherzigkeit zu tun. Er lässt es zu als Zeichen für die anwesenden Menschen, seine Jünger, aber auch für die Bewohner Gerasas. Diese sollen erkennen, dass kultische Besessenheit durch die „Artemis“, die sie als Gotteserfahrung und Ekstase interpretierten, von ihm gebrochen wird, der der Sohn Gottes ist. Er steht über den Dämonen. Gottes Macht ist stärker als die „Macht“ ihrer „Götter“. Was mit diesem Mann geschehen ist, war womöglich ein ungewollter Nebeneffekt dieses Besessenheitskultes, ein Verlust der Kontrolle des Kultes. Der Mann selbst muss schwer gelitten haben, da die Dämonen ihn sehr gequält haben. Er schlug sich selbst mit Steinen. Hier lernen wir noch etwas Wichtiges durch die Besessenheit des Mannes: Die Neigung, sich selbst schaden zu wollen, ist dämonisch. Der dramatische Anstieg von Selbstmorden, Selbstverletzung, selbstzerstörerischem Verhalten unserer Zeit ist ganz klar auf den Einfluss des Bösen zurückzuführen. Er gebraucht den Menschen auf psychischer und seelischer Ebene, um so das irdische Leben des Menschen zu nehmen. Dass die Dämonen im Evangelium ebenso selbstmörderische Geistwesen sind, erkennen wir an den Schweinen, die sich in den Tod stürzen, sobald die Dämonen in sie hineingefahren sind. Das muss ein richtig unheimliches Szenario dargestellt haben! 2000 Schweine stürzen sich einen Abhang hinunter und ertrinken im Wasser! Wie Jesus sehr oft Zeichenhandlungen vollzieht, damit die gläubigen Juden die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen erkennen, tut er dies nun mit den Heiden: Es gibt bei den Griechen bekannte Mysterien, die sich über die griechische Welt hinaus auch im orientalischen Bereich verbreitet haben. Sie waren allen im gesamten römischen Reich bekannt – die sogenannten Mysterien von Eleusis. Diese uralten Kulte gehen auf den Mythos der Demeter zurück, deren Tochter Kore von Hades entführt und zwangsverheiratet worden ist. Bei den Mysterien empfinden diejenigen, die in die Mysterien eingeweiht werden, die verschiedenen Stationen Demeters bei der Suche nach ihrer Tochter nach. An einem Tag dieser mehrtägigen Mysterien muss man mit einem Schwein ein Bad im Meer nehmen, um sich zu reinigen. Nach altgriechischer Vorstellung überträgt sich das Böse im Menschen auf die Schweine. Danach werden sie geopfert. Das ist nur eine von vielen paganen Vorstellungen, gemäß welcher exorzismusähnliche Vorgänge mit Schweinen vorgenommen worden sind. Wenn Jesus also den Dämonen erlaubt, in Schweine einzufahren, ist das eine pädagogische Maßnahme für die heidnischen Bewohner Gerasas. Sie sollen erkennen, dass Jesus Gott ist, größer als ihre üblichen „Götter“.
Seine Tat zeigt Wirkung. Die verschreckten Hirten rennen in die Stadt und erzählen alles. Die Bewohner eilen herbei und sehen den zuvor besessenen Mann in normalem Zustand, gekleidet und gesittet. Den Bewohnern ist dies nicht geheuer und sie wollen Jesus in ihrer Stadt nicht haben. Das ist insofern verständlich, als sie es erst einmal verstehen müssen. Jesus ist verständnisvoll und steigt zurück ins Boot. Er weiß, dass die Bewohner Gerasas die Zeit brauchen. Gott möchte die Menschen auf andere Weise für sich gewinnen.
Der befreite Mann möchte mit Jesus mitreisen, was für seine Bekehrung spricht. Er möchte Jünger Jesu werden. Wenn Jesus ihm die Mitfahrt nicht erlaubt, hat das nicht damit zu tun, dass der Exbesessene irgendwie bleibende Schäden hat oder nicht gut genug ist, sondern Jesus hat einen Auftrag für ihn. Er soll den gerasener Heiden von seiner Befreiung erzählen. Er soll im ganzen heidnischen Gebiet evangelisieren. Seine Verwandlung soll dabei als Zeichen der Macht Gottes dienen. Jesus ist so feinfühlig, dass er sieht, auf welche Weise die Bewohner das Evangelium annehmen können.
Der Mann befolgt gehorsam Jesu Auftrag und „alle staunten“. Auf diese Weise hat Jesus den Menschen wieder das Evangelium durch Heilszeichen verkündet. Wäre Jesus trotz ihrer Ablehnung in die Stadt gegangen und hätte dort das Wort Gottes verkündet, wäre es viel weniger angenommen worden. Was die Menschen überzeugt, ist das gelebte Evangelium. Der befreite Mann aus Gerasa ist zum Träger des Evangeliums geworden, an dem sich dieses vollzogen hat.
Wir merken, dass Jesus bei den Juden und den Heiden unterschiedliche Wege der Verkündigung wählt. Er tut es, um den jeweiligen Mentalitäten entgegen zu kommen. So sensibel ist Gottes Pädagogik! Hier begrüßt er sogar, dass seine Gottessohnschaft erzählt wird im Gegensatz zu den jüdischen Gebieten.

Was wir heute im Evangelium gehört haben, ist der Antitypos des Psalmwortes: „Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht, die mich ringsum belagern“. Jesus hat einen „Kampf“ geistiger Art ausgetragen. Es ist kein richtiger Kampf, da Jesus keine Mühe hat. Die Legion kapituliert in dem Moment, in dem Jesus den Boden des Gebietes betritt. Die Legion legt förmlich ihre Waffen vor dem Sohn Gottes nieder! Während König David noch kämpfen muss und vor den Kriegern seines eigenen Sohnes fliehen muss, müssen die dämonischen Gegner Jesu direkt das Handtuch werfen. Was ist denn der Unterschied zwischen beiden? Jesus ist Gott und David ist Mensch. Ja. Aber Jesus ist ja auch ganz Mensch. In allem ist er uns gleich, außer der Sünde! Das ist der entscheidende Punkt. David ist geschwächt durch die Sünde, die auch ihn nicht verschont. Vor Jesus kapitulieren die Mächte der Finsternis, weil er von der Sünde frei ist. Wenn wir uns ganz an Christus klammern und uns immer bemühen, im Stand der Gnade zu sein, dann werden auch wir nicht den Kampf verlieren. Es wird für uns manchmal sehr mühsam sein, weil wir durch unsere sündige Natur geschwächt sind, aber Gottes Gnade wird uns dann stützen. Angst brauchen wir dabei aber nie zu haben. Die Dämonen erzittern vor uns, wenn wir in Gott sind und Gott in uns. Deshalb ist ein sakramentales Leben für uns der größte Schutz und die stärkste Waffe. Weil auch Maria ohne Sünde war und Gott ihr Ja gegeben hat, erzittert der Satan auch vor ihr. Wenn wir uns unter ihren schützenden Mantel stellen, kann uns der Böse nichts antun. In steter Gemeinschaft Jesu und Mariens haben wir die besten Begleiter, die es gibt!

Ihre Magstrauss

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