3. Fastensonntag

Ex 17,3-7; Ps 95,1-2.6-7c.7d-9; Röm 5,1-2.5-8; Joh 4,5-42

Ex 17
3 Das Volk dürstete dort nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Wozu hast du uns überhaupt aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Söhne und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen?
4 Mose schrie zum HERRN: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich.
5 Der HERR antwortete Mose: Geh am Volk vorbei und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh!
6 Siehe, dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.
7 Den Ort nannte er Massa und Meriba, Probe und Streit, weil die Israeliten gehadert und den HERRN auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht?

Am dritten Fastensonntag hören wir vom Volk Israel, das von der Sklaverei Ägyptens befreit wurde, doch statt Dankbarkeit darüber nur Murren auf den Lippen hat. Die Israeliten lassen ihren Frust allzumenschlich an jenem Menschen aus, den sie auf ihre Situation festnageln – ihren Befreier Mose. Sie stellen die Heilstaten Gottes insgesamt infrage und sagen deshalb zu Mose: „Wozu hast du uns überhaupt aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Söhne und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen?“ Es bringt ein grundlegendes Misstrauen gegenüber Gott zum Ausdruck, so als ob er nur scheinbar etwas Gutes getan hat, um im Nachgang die Menschen dann doch ins offene Messer laufen zu lassen. Die kurzfristige Entbehrung widerspricht seinem Heilsplan eigentlich nicht und Gott wird das Volk in der Wüste nicht verdursten lassen. Doch das Murren des Volkes hat den Verlust vieler Gnaden zur Folge. Wir sollen Gott vertrauen und ihm nicht unterstellen, er sei böse.
Mose kommt langsam an seine Grenzen. Er wird ständig zum Sündenbock gemacht für alles, was passiert und was nicht passiert. Er wendet sich an Gott und lässt bei ihm Dampf ab. Gott erhört sein Gebet und schreibt ihm vor, mit dem Stab auf einen Felsen zu schlagen, damit Wasser herauskomme. Das Wasserwunder passiert am Gottesberg Horeb/Sinai, wo auch der Bundesschluss stattfand und Gott die Zehn Gebote gegeben hat.
Dieser Ort wird zum Ort von Probe und Streit, Massa und Meriba. Haben nicht auch wir etliche Massa und Meriba in unserer Zeit? Welcher Altar mit der eucharistischen Wandlung ist kein Ort von Meriba und Massa heutzutage? Wird die Realpräsenz Christi nicht von der großen Masse infrage gestellt? Hadern die Menschen von heute nicht mehrheitlich mit Gott, der ihnen doch so viel Gutes im Leben schenkt? Viele Menschen sind davon überzeugt, dass Gott auch böse ist. Wie schnell vergessen wir in unserem Leben, was Gott uns Gutes getan hat, und beschweren uns bei ihm für die kurzfristigen Unannehmlichkeiten, die aber für die langfristige Glückseligkeit notwendig bzw. nicht zu umgehen sind. Dann misstrauen auch wir Gott und glauben nicht, dass er nur das beste für uns bereithält. Jesus war anders trotz der schrecklichen Dinge, die er bis zum letzten Atemzug durchmachen musste. Er hing sterbend am Kreuz und betete noch zu seinem Vater. Es mag uns einer Kapitulation gleichkommen, wenn Jesus betet: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Aber es handelt sich um einen Klagepsalm, der am Ende in Lob umschwingt. Dass Jesus einen Klagepsalm anstimmt, beweist, dass er jetzt erst recht die Beziehung zum Vater sucht. So sollen wir sein. Wenn es uns schlecht geht und wir Gottes Anwesenheit nicht so recht verspüren, sollen wir uns umso mehr mit aller Kraft an ihn klammern. Er wird uns nicht alleine lassen und so werden wir nicht ewig leiden. Er rettet uns aus all unseren Nöten, aber wir müssen ihm auch vertrauen, wir müssen an seine unendliche Güte glauben.

Ps 95
1 Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN, jauchzen dem Fels unsres Heils!
2 Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, ihm jauchzen mit Liedern!
6 Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
7 Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt. Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
8 Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, wie in der Wüste am Tag von Massa!
9 Dort haben eure Väter mich versucht, sie stellten mich auf die Probe und hatten doch mein Tun gesehen.

Der Psalm reflektiert die Episode aus Exodus. Er beginnt psalmenspezifisch mit einer Lobaufforderung. Gott ist „der Fels unseres Heils“ im wahrsten Sinne, denn das verdurstende Volk wurde mit Wasser aus einem Felsen getränkt. Das ist kein Zufall, dass Gott ausgerechnet aus einem Felsen hat Wasser hervorsprudeln lassen. Das war eine ganz große Lektion und im Nachhinein erkennen wir Christen diesen Typos: Das Wasser ist ein Zeichen des lebendigen Wassers, des Heiligen Geistes! Dass es ausgerechnet aus einem Felsen kommt, ist für uns auch kein bisschen zufällig: Jesus sagt zu Petrus in Mt 16: „Du bist Petrus, der Fels. Und auch diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Durch den Hl. Geist nahm die Kirche am Pfingsttag ihren Anfang, die Petrus zum Fels in der Brandung hat, damals bei der Pfingstpredigt wie heute mit dem Papst.
Der Psalm ruft zur Dankbarkeit auf, zum Jauchzen „mit Liedern“. Das ist es, was Gott immer verdient hat, egal, ob es uns gerade gut oder schlecht geht. Er hat nur Gutes für uns bereit und tut uns nur Heilsames. Wer sind wir, dass wir unser Lob, das ihm immer zusteht, von unserer eigenen Befindlichkeit abhängig machen? Er ist schließlich unser Schöpfer. Dass wir existieren, dafür allein gebührt ihm auf ewig unser Lob. Das allein ist schon Grund genug, dass der Psalm auffordert: „Wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!“
Gott ist keine undurchschaubare Macht, sondern teilt mit uns immer wieder seinen Heilsplan. Er kümmert sich schon damals um seine Herde, die Israeliten. Er kümmert sich auch heute um uns, indem er uns alles Notwendige in unserem Leben schenkt. Weil er ein guter Hirte ist, so wie Jesus es im Johannesevangelium sagt, dürfen und müssen wir auf seine Stimme hören.
Das Volk Israel soll nicht verstockt und verbittert sein wie die Väter im Exodus, als sie Gott auf die Probe stellten, obwohl sie so große Heilstaten gesehen haben. Auch wir sollen angesichts des temporären Dursts nicht Gottes Güte infragestellen, sondern fragen: „Was hast du mit mir vor? Wofür ist diese Situation gut?“ Wir sollen uns an die Zeiten erinnern, in denen Gott uns überreich getränkt hat, in denen er uns so große Heilszeichen erwiesen hat. Und so wie Jesus sollen wir uns in diesen Zeiten noch mehr an Gott klammern. Dann wird er unser Vertrauen reich belohnen, indem er uns in das verheißene Land führt, in dem Milch und Honig fließen – auf Erden in den Stand der Gnade, nach dem Tod ins Himmelreich.

Röm 5
1 Gerecht gemacht also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
2 Durch ihn haben wir auch im Glauben den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
6 Denn Christus ist, als wir noch schwach waren, für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben.
7 Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen.
8 Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Die zweite Lesung ist heute aus dem theologischen Paulusbrief an die Gemeinde in Rom. Darin geht es heute um die entscheidende Bedeutung des Glaubens. „Gerecht gemacht also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Frieden mit Gott haben wir durch Glauben. Das fehlt den Israeliten ja in der ersten Lesung heute. Sie glauben nicht, dass Gott nur Gutes mit ihnen vorhat. Auch in unserer heutigen Zeit ist das ein großer Mangel und der Kern der Krise – der fehlende Glaube an die Güte Gottes unabhängig von der gegenwärtigen Situation.
Aber dieser unbedingte Glaube an ihn ist Voraussetzung, damit auch wir mit ihm im Frieden sind und den „Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen“. Wir versagen uns diese Gnade selbst, wenn wir Gott misstrauen. Es ist nicht Gott, der gemein ist und bei seiner Gnade Bedingungen stellt.
Wir tragen in uns den Hl. Geist, der in unsere Herzen ausgegossen ist. Er ist gegossen, weil er das lebendige Wasser ist. Wir haben ihn auf umfassende Weise durch Taufe und Firmung empfangen und er ist unsere unerschütterliche Hoffnung. Aus dieser Quelle dürfen und sollen wir schöpfen. Wir haben keinen Grund, Gott zu misstrauen, nachdem er uns mit der Erlösung so ein großes Geschenk gemacht hat: Jesus ist für jene gestorben, die der Erlösung bedürfen, deshalb heißt es hier „für die Gottlosen“. So groß ist Gottes Liebe, die die menschliche Bereitschaft bei weitem übersteigt. Menschen würden für einen guten Menschen vielleicht ein gewisses Risiko eingehen, aber nicht für ihn sterben, geschweige für einen bösen Menschen!
Gott dagegen schenkte uns alles, was er hatte, seinen einzigen Sohn, obwohl wir so böse waren. Wenn das kein Grund zum Glauben, zur Hoffnung und Liebe ist, was dann! Wenn wir ihm jetzt immer noch misstrauen, ist es eine besonders große Undankbarkeit. Wir sind dann noch viel schlimmer als die Israeliten in Massa und Meriba. Denn Gott offenbarte sich diesmal in seinem Sohn und gab das Maximum für uns her!
Und wenn wir ihm nicht ganz vertraut haben, dann ist es dennoch nicht zu spät. Auch dann können wir ihn um Vergebung bitten und umkehren. Er wird uns die Schuld vergeben, wenn wir aufrichtig bereuen. Wir dürfen unseren Bund mit ihm dann erneuern und von da an als vertrauensvolle Menschen unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen, der uns nur Gutes will.

Joh 4
5 So kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.
7 Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
8 Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen.
9 Die Samariterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
10 Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
11 Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser?
12 Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?
13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.
15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!
16 Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her!
17 Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.
18 Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.
19 Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.
24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
25 Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.
26 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, der mit dir spricht.
27 Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, doch keiner sagte: Was suchst du? oder: Was redest du mit ihr?
28 Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten:
29 Kommt her, seht, da ist ein Mensch, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Christus?
30 Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm.
31 Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!
32 Er aber sagte zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.
33 Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?
34 Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden.
35 Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte!
36 Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.
37 Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät und ein anderer erntet.
38 Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt; andere haben sich abgemüht und euch ist ihre Mühe zugutegekommen.
39 Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
40 Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage.
41 Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte.
42 Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

Jesus kommt heute nach Samarien. Das allein ist schon unerhört, denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern. Der Pilgerweg nach Jerusalem verläuft um Samarien herum, sodass man erst gar nicht das Territorium betreten soll.
Jesus geht nie einfach so an einen Ort, sondern wählt ganz bewusst Sychar, wo Jakob einen Brunnen errichtet hat. Dies ist eine Typologie, die mit Christus im heutigen Evangelium eine Entsprechung findet. Er ist der neue Jakob, der nicht mehr nur einen irdischen Brunnen für die Menschen und das Vieh anlegt, sondern den himmlischen Brunnen für die Menschen bereitstellt. Dieser Brunnen ist nicht an einem Ort fixiert, sondern zutiefst mit seiner Person verbunden. Er ist der Brunnen des lebendigen Wassers, des Hl. Geistes, den er vom Vater senden will.
Seine göttliche Pädagogik ist wie immer prophetisch. Er tut etwas, das dann bildlich zu verstehen ist und auf eine innere Wirklichkeit bezogen wird. Er hat Durst von der Reise und bittet die Samariterin, ihm aus dem Brunnen zu geben. Das ist der wörtliche Sinn. Zugleich dürstet Jesus nach der Liebe und dem Glauben der Frau, die sie aus dem Brunnen ihrer Seele für ihn schöpfen soll. Gott möchte auch unsere Liebe und auch am Kreuz wird er deshalb sagen: „Mich dürstet.“ Es dürstet ihn nach unserer Liebe. Die Frau ist zunächst erstaunt darüber, dass Jesus überhaupt mit ihr spricht, denn wie gesagt ist das Verhältnis zwischen Juden und Samaritern nicht gut. Jesus macht daraufhin Andeutungen, dass er nicht nur Jude ist, sondern Gott selbst, der jeden Menschen ansprechen will und der es ist, der das entscheidende Wasser geben kann. Die Frau reagiert nicht mit Abwehr, sondern wünscht sogar nach dem lebendigen Wasser, das Jesus hier andeutet und das umfassend tränkt, sodass man nicht mehr Durst bekommt. Die Haltung dieser Frau ist für uns ein großes Vorbild. In diesen Tagen, in denen wir alle nach Gesundheit dürsten und die ganze Gesellschaft von Angst erfüllt ist, sollten wir von ihr lernen und wieder die Sehnsucht nach den ewigen Gütern bekommen, die Sehnsucht nach dem Geist Gottes, der als Einziger unseren inneren Durst stillen kann.
Dann tut Jesus etwas Bemerkenswertes. Wie so oft sucht Jesus den Kontakt zu den Sündern, damit sie am Ende der Begegnung mit ihm keine mehr sind. So sagt Jesus zu der Frau: „Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her!“ Dabei weiß er ganz genau, dass sie mit keinem Mann verheiratet ist. Er ist Gott und weiß alles. Er sieht auch in unsere Seelen hinein und ruft auch uns. Es ist wie mit Gott, der nach dem ersten Sündenfall nach Adam ruft, obwohl er genau weiß, wo er ist und was er getan hat. Er gibt die Chance zum Sündenbekenntnis auf eine Art und Weise, dass die Menschen sich auch trauen und in seiner Gegenwart nicht bloßgestellt werden. Auch in unserem Fall ist das so. Er schenkt uns Priester, denen er seine Vollmacht zur Sündenvergebung verliehen hat, und gibt uns Raum und Zeit, eine anonyme Form und schließlich die Gnade, dass wir bereit und voller Reue unser Bekenntnis ablegen.
Die Frau sagt, wie es ist, anstatt sich vor dem Bekenntnis zu drücken: „Ich habe keinen Mann.“ Und Jesus schätzt ihre wahrhaftige Antwort: „Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.“ Jesus tut das in Liebe, aber ohne Beschönigung. So ist es auch bei uns. Gott spricht zu uns durch andere Menschen, durch unser Gewissen, durch sein Heiliges Wort – in Liebe, aber ohne Beschönigung. Und die Erkenntnis tut weh. Deshalb nennen wir die Läuterung nach dem Tod auch Fegefeuer. Es ist diese schmerzliche Einsicht, dass wir Gott, der die Liebe ist, abgelehnt haben. Jesus tut es auch, damit die Frau sagt: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.“
Dann sprechen sie über die Anbetungsstätte. Jesus sagt nicht, dass weder die eine noch die andere Stätte schlecht ist und wir keinen Ort haben dürfen, wo Gottes Gegenwart anwesend ist. Er sagt dies, weil er erstens die Zerstörung des Tempels in Jerusalem ankündigt, zweitens auf die Universalität des Heils, auf die globale Kirche und seine Realpräsenz in der Eucharistie weltweit hinausweist. Und wenn Jesus dann sagt, dass Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet werden wird, dann ist es zutiefst trinitarisch! Den Vater im Geist und in der Wahrheit anzubeten bedeutet im Hl. Geist und in Christus, der die Wahrheit ist! Und die Dreifaltigkeit ist nicht an einen Ort gebunden, so wie der Geist Gottes, das lebendige Wasser nicht aus einem örtlich fixierten Brunnen kommt, sondern aus Christus. Gott ist Geist und deshalb muss er im Geist und in der Wahrheit angebetet werden. Jesus offenbart der Frau, dass er der Messias sei. Er erkennt ihren Glauben, da sie den Messias erwartet. Die mittlerweile zurückgekehrten Jünger wundern sich, dass Jesus mit ihr spricht, bemerkenswerter Weise nicht wegen ihrer samaritanishen Identität, sondern weil sie eine Frau ist. Sie geht in die Stadt und verkündet den Bewohnern die Taten Christi. Sie sagt ihnen auch, dass er der Messias sein könnte. Es ist amüsant wie es daraufhin zu einem Missverständnis zwischen Jesus und seinen Jüngern kommt wegen der leiblichen Nahrung und der Speise des Wortes Gottes. Jesus nimmt auch hier den biologischen Hunger zum Anlass für eine Lektion, nämlich den Hunger nach dem Willen Gottes anzusprechen. Jesus spricht von der Ernte. Das ist ein gängiges Bild der Endzeit. Jesus sagt ihnen, dass die Endzeit angebrochen ist, nämlich die messianische Heilszeit, mit der das Ernten der Früchte gekommen ist. Für uns ist das absolut eucharistisch gemeint! Die Früchte, die uns geschenkt werden, die wir aber nicht verdient haben, sind die Eucharistie, die Sakramente und Sakramentalien, die Gaben des Hl. Geistes. Sie sind Gnadengaben, weil wir sie geschenkt bekommen. In Sychar kommen viele Menschen zum Glauben wegen der Taten Christi.

Jesus gibt uns heute das lebendige Wasser, den Hl. Geist. Ohne ihn müssen wir auf ewig verdursten. Dieser Durst ist noch viel drastischer als der leibliche Durst, denn er betrifft das ewige Leben. Und so stillt das lebendige Wasser ewig im Gegensatz zum irdischen Wasser. Setzen wir also auch in der heutigen Zeit die richtigen Prioritäten. Das betrifft auch den Verzicht auf die Heilsmittel der Kirche in der Coronakrise.

Ihre Magstrauss

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