Samstag der 9. Woche im Jahreskreis

2 Tim 4,1-8; Ps 71,8-9.14-15b.16-17.22; Mk 12,38-44

2 Tim 4
1 Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich:

2 Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung!
3 Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln;
4 und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden, sich dagegen Fabeleien zuwenden.
5 Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verrichte dein Werk als Verkünder des Evangeliums, erfülle treu deinen Dienst!
6 Denn ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
7 Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt.
8 Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.

Im heutigen Abschnitt gibt Paulus dem bedrängten Timotheus weitere Anweisungen, wie er mit der geoffenbarten Wahrheit umgehen soll, von der gestern die Rede war. Er ist verunsichert wegen gnostischer Gegner, die in Ephesus für Verwirrung sorgen.
So spricht Paulus seine Worte ganz eindringlich („ich beschwöre dich“) und im Namen Jesu Christi, der als Weltenrichter am Ende der Zeiten kommen wird. Auf diese Weise markiert er seine Worte als höchst autoritativ.
„Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen“ – Er soll das Evangelium verkünden, das von dem einen Wort – Jesus Christus zeugt. Und dies soll er ohne Scham tun, sondern ganz freimütig zu jeder Zeit. Es erfordert eine jede Menge Mut und Demut, diese Verkündigung auch in ungelegenen Orten und Situationen zu vollziehen. Denn so wird man auch viel Spott und Feindseligkeit ernten. Paulus weiß, wovon er spricht. Man hat ihn sogar versucht, umzubringen. Das hat ihn nicht davon abgehalten, in derselben Stadt weiterzuwirken. Weitere vorgeschriebene Taten sind das Überführen, das sich auf jene bezieht, die in der Lüge sind und Verwirrung stiften. Sie sollen ihrer Täuschung überführt werden. Auch die Zurechtweisung und Ermahnung sind in diese Richtung zu verstehen. Timotheus soll dabei geduldig sein und immer wieder die Wahrheit verkünden im Gegensatz zu den Gnostikern.
Paulus kündigt eine Zeit an, in der die Menschen nicht mehr die gesunde Lehre ertragen werden und sich lieber solchen Lehren zuwenden werden, die ihre Ohren kitzeln, das heißt die ihnen angenehm sind. Sie werden lieber eine Wohlstandslehre hören, als die Wahrheit. Das klingt sehr aktuell, denken wir an die Patchwork-Mentalität heutiger religiöser Menschen (die sogar lieber spirituell als religiös sagen).
Das von der Wahrheit abgewandte Ohr wird Fabeleien zuhören – Märchen, die nicht wahr sind, aber den Ohren schmeicheln. All dies erklärt Paulus Timotheus, um ihm zu verdeutlichen, dass seine Situation jetzt zu diesen globalen Zuständen gehört. Er muss sich darüber keine Sorgen machen, weil das so kommen muss.
Wenn es auch so kommt – wie Christus selbst immer wieder herausgestellt hat, soll Timotheus jetzt wachsam sein. Hier wird dafür nicht das übliche Wort für die Schlaflosigkeit verwendet, sondern νήφω nefo, was so viel bedeutet wie „nüchtern sein“ im Sinne einer Enthaltung von Alkohol. Timotheus soll sich nicht vom Wein der Wohlstandsreligion berauschen lassen und mit auf den fahrenden Zug springen, sondern bei der Wahrheit bleiben. Die Konfrontationen werden Leiden mit sich bringen, doch diese soll er aushalten. Sein Werk ist die Verkündigung des Evangeliums. Dabei soll er bleiben.
Timotheus soll dies alles gut umsetzen, weil Paulus ahnt, dass er ihn bald alleine lassen wird durch Pauli Tod („Denn ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe“).
Während Paulus Timotheus in die Kampfarena schickt, hat Paulus schon den guten Kampf vollendet bzw. den Lauf vollendet. Auch hier verwendet Paulus wieder Sportmetaphorik, um den Eifer des Christen in den Tugenden auszudrücken.
Paulus hat die Kämpfe durchgestanden und ist nicht vom Glauben abgefallen. Er hat Gott die Treue bewahrt, die er ihm bei der Taufe versprochen hat.
Er weiß, dass schon vor seinem Tod alles für sein Kommen bereitet ist. Er wird den Kranz der Gerechtigkeit erhalten vom Weltenrichter, der wirklich gerecht beurteilen wird. Auch der Kranz ist Sportmetapher, denn er wurde bei den Agonen als Preis verliehen. Und der Preis für den Christen ist das ewige Sein bei Gott. Wie es Paulus ergehen wird, so ist es auch mit allen Menschen, die sich ebenfalls so verhalten wie Paulus – in der Treue bis zum Schluss.

Ps 71
8 Mein Mund ist erfüllt von deinem Lobpreis, den ganzen Tag von deinem Glanz.
9 Verwirf mich nicht, wenn ich alt bin, verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden!
14 Ich aber will allezeit hoffen, all deinen Lobpreis noch mehren.
15 Mein Mund soll von deiner Gerechtigkeit künden, den ganzen Tag von deinen rettenden Taten.
16 Ich komme wegen der Machttaten GOTTES, des Herrn, an deine Gerechtigkeit allein will ich erinnern.
17 Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf und bis heute verkünde ich deine Wunder.
22 Dann will ich dir danken mit Harfenspiel/ und deine Treue preisen, mein Gott; ich will dir auf der Leier spielen, du Heiliger Israels.

Im Psalm werden viele Aspekte der Lesung aufgegriffen. Zunächst wird Gott die Zusage des immerwährenden Lobpreises gemacht („den ganzen Tag“). Darauf folgt die Bitte um Gottes Beistand auch im Alter. Es passt sehr gut in die Situation des Paulus, der im Gefängnis sitzt und sich am Ende seines Lebens befindet. So soll Gott ihn nicht verlassen, wenn seine Kräfte schwinden. Wieder versichert der Psalmist seinen steten Lobpreis. So sollen auch wir in jeder Situation Gott loben und preisen unabhängig von unserer Befindlichkeit. Dass wir leben, ist schon so viel Lobpreis wert, dass es gar kein Ende davon geben kann. Zudem ist das Gotteslob nicht etwas, das Gott sich erst bei uns verdienen muss. Das wäre sehr anmaßend von uns Menschen, die er uns schon so überreich mit seiner Gnade beschenkt hat. Vielmehr hat Gott jederzeit Anspruch auf unseren Lobpreis wegen all der wunderbaren Machttaten, die er vollbracht hat.
Zu Paulus passt auch „ich aber will allezeit hoffen“. Er ist selbst in so einer ausweglosen Situation, doch ermutigt Timotheus noch vom Gefängnis aus. Er hat schon so viel durchgemacht und doch gibt er die Hoffnung nicht auf.
Unser Mund soll von Gottes Gerechtigkeit sprechen. Das ist es, was auch Timotheus nahegelegt wird. Der christliche Glaube ist missionarischer Glaube. Was uns Heilsames widerfahren ist in der Erlösung Jesu Christi, sollen wir weitergeben, damit auch andere dieses Heil erfahren. Dabei soll diese Verkündigung „den ganzen Tag“ stattfinden. Es ist eine andere Formulierung, die aber dasselbe aussagt wie „gelegen oder ungelegen“. Verkündigung soll zugleich Erinnerung sein. In der Erinnerung an die machtvollen Taten der Gerechtigkeit Gottes vergessen wir nie, was er an uns getan hat. So sollen wir nicht nur uns selbst daran erinnern, sondern auch andere daran erinnern. In vorbildlicher Weise tut das Paulus in dem zweiten Timotheusbrief. Er erinnert ihn an die heftigen Erlebnisse, die sie gemeinsam durchgestanden haben und in denen Gott seine Gerechtigkeit erwiesen hat. So soll die Hoffnung des Timotheus nicht verloren gehen.
„Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf und bis heute verkünde ich deine Wunder.“ Dies ist ein Satz, den beide Männer aus der Lesung beten können. Paulus ist als Pharisäer unterwiesen worden in der Torah, zwar von Gamaliel, dem berühmten Pharisäer, doch durch ihn gleichsam von Gott selbst. Timotheus ist dank seiner Mutter mit der Torah aufgewachsen und begann in jungen Jahren seinen missionarischen Weg mit Paulus. Bis heute sind beide als Missionare wirksam.
Der Psalm endet mit einer weiteren Lobpreisbekundung. Der Psalmist möchte Gottes Treue mit den gängigen Lobpreisinstrumenten preisen. Paulus ist seinem Lebensende nahe. Mit Blick auf die Ewigkeit können wir uns richtig gut vorstellen, wie diese Lobpreisbekundung sich auf seinen ewigen Lobpreis im Himmel bezieht, der die Belohnung all seiner Hoffnung sein wird.

Mk 12
38 Er lehrte sie und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt,
39 und sie wollen in der Synagoge die Ehrensitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben.

40 Sie fressen die Häuser der Witwen auf und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
41 Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.
42 Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.
43 Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle anderen.
44 Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Im Evangelium spricht Jesus weiter über die Schriftgelehrten, die er im gestrigen Abschnitt wegen einer inhaltlichen Sache bereits kritisiert hat. Heute geht es um ihre Selbstgerechtigkeit und heuchlerische Art. Jesus spricht diese Worte nicht, um jemanden in Grund und Boden zu stampfen. Er möchte, dass die Menschen Heuchelei und Selbstgerechtigkeit ablegen.
Die Schriftgelehrten legen Wert auf Äußeres, weil dies von anderen Menschen gesehen und gelobt werden kann. So tragen sie lange Gewänder und genießen die Begrüßungen an öffentlichen Orten. Weil sie sich für besonders halten, erwarten sie die Ehrenplätze bei religiösen und festlichen Veranstaltungen. Sie nehmen dabei die Witwen aus, die sowieso schon nichts haben, und beten lange Gebete. Nicht die langen Gebete an sich sind Jesus nach das Schlimme, sondern die Scheinheiligkeit, mit der sie sie verrichten. Sie wollen anderen imponieren und nicht ein langes Gespräch mit ihrem geliebten Gott führen. Sie haben von sich ein ganz falsches Bild, denn sie wähnen sich in einem gerechten Zustand vor Gott. Umso größer wird die böse Überraschung beim Gericht, wenn sie nicht umkehren.
Natürlich ist es nicht schlimm, lange Gewänder zu tragen, von anderen begrüßt zu werden oder auf Ehrenplätzen zu sitzen. Was Jesus kritisiert, ist ja ihr Streben nach alledem. Ihre Absicht ist in allem ganz verdorben. Sie wollen das alles gerade, sie ergötzen sich daran und streben nach Anerkennung anderer. Ihnen geht es bei allem nicht um Gott, um Liebe und Beziehung zu ihrem Schöpfer. Jesus kann das alles so sagen, weil er ihre Herzen kennt. Er durchschaut ihre Falschheit.
Dann wird von einer Begebenheit berichtet: Jesus beobachtet einmal die unterschiedlichen Menschen, die Spenden in den Opferkasten werfen. Dabei sieht er reiche Menschen, die viel spenden. Zugleich kommt eine Witwe und wirft zwei kleine Münzen hinein. Dies nimmt er zum Anlass, seinen Jüngern etwas zu erklären. Und was er nun erklärt, hängt mit dem zusammen, was er schon im ersten Teil des Evangeliums gesagt hat: Der Schein trügt. So kommen reiche Männer hier vorbei und geben viel und man könnte beeindruckt sein über ihre Großzügigkeit. Zugleich könnte die mickrige Spende der Witwe für Unmut sorgen. Doch was Jesus von seinen Jüngern möchte, ist das genaue Hinsehen: Die Reichen spenden von ihrem Überfluss. Sie merken nichts von dem Verlust des überschüssigen Geldes. Die Witwe, die in bitterer Armut lebt, weil es keine Versorgung von Witwen gibt, kann diese zwei mickrigen Münzen eigentlich selbst gebrauchen. Es ist ihr gesamter Lebensunterhalt. Doch sie gibt dieses Geld her, weil sie auf Gott vertraut, dass er für sie sorgen wird. Im Verhältnis zu ihrem Besitz hat sie alles gespendet. So hat sie mehr gegeben als die Reichen, die im Gegensatz zu ihrem Besitz nur einen kleinen Teil gegeben haben.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt und Gott ist Wahrheit. Er will den echten Menschen und entlarvt jede Falschheit an ihm. Jesus möchte seine Jünger dafür sensibilisieren.

Beten wir heute für eine Reinigung der Kirche in der Wahrheit Gottes. Wo die Falschheit entweicht, kann echte Liebe kommen.

Ihre Magstrauss

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