Dreifaltigkeitssonntag

Ex 34,4b-6.8-9; Dan 3,52.53.54.55.56; 2 Kor 13,11-13; Joh 3,16-18

Heute feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag wie jedes Jahr am Sonntag zwischen Pfingsten und Fronleichnam. Wir betrachten dabei die Liebe, die Gott in sich ist. Bis er sich aber als solcher den Menschen offenbart hat, musste er zunächst seine Einzigkeit und absolute Transzendenz begreiflich machen. So erfahren wir anthropomorphe Bilder bei Mose, dann aber ein geistigeres Gottesbild in Exilszeit und im Neuen Testament die Liebe und den Frieden Gottes in sich selbst.

Ex 34
4 Früh am Morgen stand er auf und ging auf den Sinai hinauf, wie es ihm der HERR aufgetragen hatte. Die beiden steinernen Tafeln nahm er mit.
5 Der HERR aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen des HERRN aus.
6 Der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der HERR ist der HERR, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue:
8 Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden.
9 Er sagte: Wenn ich Gnade in deinen Augen gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch, mein Herr, in unserer Mitte! Weil es ein hartnäckiges Volk ist, musst du uns unsere Schuld und Sünde vergeben und uns dein Eigentum sein lassen!

Die erste Lesung berichtet von der Gabe der zehn Gebote. Mose steigt auf den Sinai und nimmt zwei steinerne Tafeln mit hinauf, die er zuvor zurechtgehauen hat. Und Gott steigt wie später auch in einer Wolke auf den Berg herab. Das ist ein Theophaniezeichen, wie es sich sogar bis ins Neue Testament zieht, wenn wir an die Taufe und die Verklärung Jesu denken. Gott ist Geist und so müssen wir die Worte in Vers 5 bildlich verstehen. Er kann sich nicht neben Mose stellen. Im Alten Testament gibt es unter anderem angelomorphe Vorstellungen, denen nach Gott sich in seinen Engeln zeigt. So ist es eigentlich Gott selbst, der in den drei Engeln Abraham in Mamre aufgesucht hat. Diese Begebenheit ist später sogar als Dreifaltigkeitserscheinung gedeutet worden. Es ist an dieser Stelle wichtig, dass die Gottesbegegnung auf dem Sinai ein Geheimnis bleibt. Denn es wird keine konkrete Manifestation oder Gestalt Gottes hier beschrieben. So ist auch das Vorübergehen Gottes vor Moses Angesicht eine geheimnisvolle Aussage. Wie zieht er denn vorüber? Heißt das, dass Gott einen Körper hat und sich deshalb von einem Ort zum anderen bewegen kann? Darauf kommt es nicht an. Seine Gegenwart ist für Mose jedenfalls erkennbar und so verneigt er sich so tief, wie er nur kann. Er wirft sich zu Boden, was mit dem hebräischen Wort וַיִּשְׁתָּֽחוּ wajischtachu ausgedrückt wird. Das heißt auf Deutsch, dass Mose mit dieser Geste Gott anbetet.
Wenn er dann im Folgenden mit der Wendung beginnt: „Wenn ich Gnade in einen Augen gefunden habe“, kann man diese mit der conditio jacobaea, der jakobinischen Devotionsformel „wenn Gott will“ (Jak 4,15) vergleichen. Unter der Bedingung des Willens Gottes bittet Mose ihn also nun um seine Gegenwart inmitten des Volkes. Das hebräische Wort für „Gnade“ ist an dieser Stelle חֵ֤ן chen. Die Wortfamilie wird auch für die Vergebung verwendet, was uns Vers 9 besser verstehen lässt: Das Volk Israel ist hartnäckig. Wir sagen auch manchmal „verstockt“ dazu. Es ist so stur, dass es nicht auf Gottes Stimme hört und aus den Fehlern oft nicht lernt. Gott muss Schuld und Sünde erlassen und wird an seine Bundestreue erinnert, weil zuvor Mose schon einmal die Zehn Gebote erhalten hat, dann aber bei seiner Rückkehr beim Volk die götzendienerische Eskalation um das goldene Kalb gesehen und die Tafeln zerstört hat. Gott gibt dem Menschen in seiner unendlichen Güte eine neue Chance. Er kündigt seinen Bund nie auf, obwohl seine Bündnispartnerin Israel ihm immer wieder untreu wird.
In der ersten Lesung wird Gott geheimnisvoll in seiner Andersheit dargestellt und doch als ein Gott, der in seiner personalen Natur mit Menschen spricht.

Dan 3
52 Gepriesen bist du, HERR, du Gott unserer Väter, gelobt und gerühmt in Ewigkeit. Gepriesen ist dein heiliger, herrlicher Name, hochgelobt und verherrlicht in Ewigkeit.
53 Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit, hoch gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
54 Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront, gelobt und gerühmt in Ewigkeit.
55 Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft, hoch gerühmt und gefeiert in Ewigkeit.
56 Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels, gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.

Statt eines Antwortpsalms beten wir heute aus dem Lobpreis der drei Männer im Feuerofen zur Zeit des Babylonischen Exils. Es sind Lobpreisungen an Gott den Schöpfer und Weltenherrscher.
Alle Lobpreisungen beginnen mit der Wendung „Gepriesen bist du“ und enden mit „in Ewigkeit“. Gott wird direkt angesprochen und die dabei verwendete Form ist typisch jüdisches Gebetsformular.
Es ist der „Gott unserer Väter“, was eine typische Wendung für den Gott Israels darstellt. Er ist so groß und wunderbar, dass sogar sein Name herrlich und anbetungswürdig ist.
Gott ist im Tempel seiner heiligen Herrlichkeit gepriesen. Dies könnte man auf den ersten Blick auf den irdischen Tempel in Jerusalem beziehen, doch in dem Moment des Lobgesangs existiert der Tempel nicht mehr. Er ist von den Babyloniern zerstört worden. Vielmehr kann man hier den himmlischen Tempel annehmen. Dieser ist als Original wahrhaft Tempel seiner heiligen Herrlichkeit, voller Gnade und Licht.
Doch Gott lebt nicht abgeschottet für sich, nur weil er Geist ist und der ganz Andere. Er schaut in die Tiefen. Er weiß um die Dinge, die auf Erden geschehen. Die Tiefe bezieht sich auch auf die Tiefe unseres Herzens. Er weiß um unsere innersten Regungen und Wünsche. Das er in die Tiefe schaut, ist auch auf unsere dunkelsten Stunden des Lebens zu beziehen. Er sieht alles und ist bei uns, gerade in den schwierigsten Momenten. Er thront auf Kerubim, was bildhaft seine Herrlichkeit und die Gemeinschaft riesiger Engelscharen bei Gott umschreibt. Gott ist nicht allein in seinem Reich, sondern er hat einen ganzen himmlischen Hofstaat, der ihn unentwegt lobt und preist. Die Engel dienen ihm als seine Geschöpfe.
Gott ist auch gepriesen auf dem Thron seiner Herrschaft. Es ist auch hier eine bildhafte Aussage, denn es ist kein materieller Thron, wie wir ihn uns vorstellen. Und doch hat Gott einen Thron auf andere Art und Weise. Seine Herrschaft ist eine universale. Er ist Gott über das ganze Universum sowie König des Himmels und der Erde. Alles ist Teil seines Herrschaftsbereichs.
Gott wird am Gewölbe des Himmels gepriesen, also als ganz transzendenter Gott. Er ist nicht der Schöpfung verhaftet oder sogar Teil davon. Viele Religionen vertreten pantheistische oder panentheistische Gottesbilder. Aber Gott ist von seiner Schöpfung kategorial zu unterscheiden. Er ist der Schöpfer und er ist der Schöpfung ganz entzogen. Deshalb braucht es Offenbarung. Dadurch dass Gott sich im Laufe der Heilsgeschichte den Menschen offenbart hat, wissen sie von ihm. Und diese Offenbarungsgeschichte gipfelt in dem Höhepunkt der Offenbarung – seiner eigenen Menschwerdung. Aber bis der Mensch soweit ist, diese zu erfassen, offenbart sich Gott in seiner absoluten Transzendenz als Geist.

2 Kor 13
11 Im Übrigen, Brüder und Schwestern, freut euch, kehrt zur Ordnung zurück, lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes, haltet Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
12 Grüßt einander mit dem heiligen Kuss! Es grüßen euch alle Heiligen.
13 Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Als zweite Lesung hören wir aus dem zweiten Korintherbrief. Es handelt sich um den Abschluss des Briefes, bei dem abschließende Ermahnungen formuliert werden und dann am Ende ein Segenswunsch erfolgt. So sollen die Korinther zur Ordnung zurückkehren und sich freuen. Dahinter steckt ein Konflikt, den Paulus mit den Korinthern austragen musste und der im zweiten Korintherbrief ein großes Thema ist. Bei diesem Konflikt haben die Korinther Paulus persönlich angegriffen und das hat ihn tief getroffen. Nachdem aber die meisten der Gemeindemitglieder wieder Buße getan und alles bereut haben, besteht nun kein Grund, niedergeschlagen zu sein. Paulus ermutigt sie sogar, Freude zu haben. Vor dem Hintergrund dieser Streitereien verstehen wird die Ermahnung zum Frieden in diesen abschließenden Worten noch intensiver. Sie sollen einmütig sein und keine schismatischen Unruhestifter dulden. Wenn sie Gottes Gegenwart in ihrer Gemeinde wollen, müssen sie Frieden halten.
Sie sollen einander mit dem heiligen Kuss grüßen, was vielleicht auf die liturgische Geste des Friedensgrußes anspielt. Die ersten Christen gaben sich zum Friedensgruß in der Liturgie nicht die Hand, sondern küssten sich. Paulus möchte, dass sie sich versöhnen, damit der Friede in die Gemeinde einkehrt.
Der Abschlussgruß „es grüßen euch alle Heiligen“ bezieht sich auf mehrere Christen, die gemeinsam mit Paulus entweder den Korinthern einen Gruß bestellen wollen oder Mitabsender sind. Es bleibt offen und am Ende dieses Briefes werden keine Namen genannt. Mit „Heiliger“ ist im frühchristlichen Sprachgebrauch immer der Getaufte gemeint.
In diesen Versen erfahren wir über Gott, dass er ein Gott des Friedens und der Liebe ist. Dies ist für uns schon ein wichtiger Hinweis auf sein Wesen: Wenn Gott die Liebe ist, ist er in sich Gemeinschaft und Beziehung – friedliche Beziehung. Wäre dem nicht so, könnte Gott nicht ein Gott der Liebe sein. Allein sich selbst zu lieben, ist keine Liebe, sondern Egoismus.

Joh 3
16 Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.

Und weil Gott die Liebe ist, hören wir heute diese wunderbaren Worte aus dem Johannesevangelium: Gott, den wir in den alttestamentlichen Lesungen als den ganz Anderen, als den Herrscher über das All, als den Schöpfer und Herrlichen im himmlischen Tempel kennengelernt haben, liebt über sich selbst hinaus die Welt, die er aus Liebe geschaffen hat. Und weil er sie so sehr liebt, gab er uns seinen Sohn, das Liebste, was er hat. Er tat es, um unsere Erlösung zu erwirken und unsere ewige Gemeinschaft mit ihm im Himmelreich zu gewährleisten.
Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt zum Gericht, sondern zur Rettung. Das bezieht sich auf Jesu erstes Kommen. Seine Menschwerdung dient unserer Erlösung. Erst wenn er wiederkommt am Ende der Zeiten, wird er als Richter auf die Erde kommen. Die Erlösung besteht darin, uns Menschen aus dem Exil der Sünde zu befreien, damit wir uns für Gottes Liebe frei entscheiden können, an ihn glauben, umkehren und uns taufen lassen. Der Sinn unseres Lebens besteht darin, Gott zurückzulieben, der in sich die Liebe ist zwischen Vater, Sohn und Geist. Von Ewigkeit her sind wir dazu berufen, in diese Gemeinschaft hineingenommen zu werden, auch wenn wir niemals Gott werden.
Der Glaube an Gott ist es, der uns vor dem Gericht bewahrt. Es ist aber kein leerer und theoretischer Glaube, sondern einer, der sich in einem bestimmten Lebenswandel beweist. Dies wird uns durch das gesamtbiblische Zeugnis deutlich.
Jesus sagt, dass das Gericht Gottes von uns abhängt. Es ist unsere Entscheidung, ob wir letztendlich bei Gott sein werden oder ewig von ihm abgeschnitten. Denn er sagt, dass wer nicht glaubt, schon gerichtet ist. Der Mensch bringt das Urteil über sich selbst und kann somit nicht Gott für das eigene Leiden verantwortlich machen. Gott ist der rein Gute.

Gott ist Liebesgemeinschaft in sich. Und weil Liebe immer über sich selbst hinausverweist, möchte er nicht ohne seine Schöpfung sein – die unsichtbare Schöpfung mit den Engelscharen um seinen Thron sowie die sichtbare Schöpfung mit den Menschen, die erlöst werden sollen. Unser Gott ist so einzigartig und überwältigend auf unerwartete Weise. Seine absolute Allmacht zeigt er in seiner Freiheit, auf die Allmacht zu verzichten, indem er ein Mensch wird. Viele wollten wie Gott sein, zu allererst der Teufel. Doch nur ein Gott wurde Mensch in Jesus Christus. Nur so kann der einzig wahre Gott sein! Das ist so überwältigend, dass wir heute wirklich nur im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes leben, loben und lieben können.

Ihre Magstrauss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s