Heiliger Laurentius (Fest)

2 Kor 9,6-10; Ps 112,1-2.5-6.7-8.9-10; Joh 12,24-26

Heute feiern wir das Fest des Hl. Laurentius. Er war ein Diakon im 3. Jh., stammte aus Hispanien und starb in Rom den Märtyrertod. Als Archidiakon Roms verwaltete er den Kirchenschatz und wurde auf einem glühenden Eisenrost hingerichtet. Mit diesem wird er in der Ikonographie oft dargestellt. Er ist der Patron vieler Berufsgruppen und der einzige Diakon, der im ersten Hochgebet genannt wird, ebenso wird er in der Allerheiligenlitanei angerufen.

2 Kor 9
6 Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten.

7 Jeder gebe, wie er es sich in seinem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber.
8 In seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten, sodass euch allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und ihr noch genug habt, um allen Gutes zu tun,
9 wie es in der Schrift heißt: Er teilte aus, er gab den Armen; seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.
10 Gott, der Samen gibt für die Aussaat und Brot zur Nahrung, wird auch euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen; er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.

In der ersten Lesung geht es passend zum heutigen Tagesheiligen um Geld. Der Ausschnitt aus dem zweiten Korintherbrief hat einen Konflikt im Hintergrund, bei dem es um die Kollekte für die Jerusalemer Urgemeinde geht. Paulus hält die Gemeinde dazu an, großzügig zu geben, aber nicht widerwillig, sondern von Herzen.
„Wer kärglich sät, wir auch kärglich ernten; wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten.“ Alles, was wir aufrichtig abgeben, wird auf uns zurückkommen. Gott wird uns reichlich dafür segnen, wenn wir z.B. Geld an Bedürftige spenden.
Was man aber spendet, soll man „nicht verdrossen und nicht unter Zwang“ abgeben. Man soll ein „fröhlicher Geber“ sein. Wir sollen einander ja gerne helfen. Was bringt es dem Empfänger, wenn er so richtig zu spüren bekommt, dass ihm die Spende nur widerwillig überreicht wird? In der Realität bekommt er das ja nicht mit, doch entscheidend ist: Gott bekommt es mit. Er sieht das Herz des Gebers.
Und davon hängt ab, wie Gott dem Geber vergilt. „In seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten“. Das Spenden für die bedürftigen Christen hängt zusammen mit dem Wort Jesu, dass es uns zuerst um das Reich Gottes gehen muss. Alles Andere werde uns dazugegeben. Wenn wir von Herzen anderen geben – und das gehört zur Sorge für das Reich Gottes – gibt uns Gott immer von allem, was wir brauchen genug zurück. Er wird „das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen“ und „er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen.“ Wenn wir Gottes Segen haben möchten, können wir nicht ängstlich unseren Besitz festhalten in der Befürchtung, bei einer Spende selbst dann nicht mehr genug zu haben. Gott möchte, dass wir ihm ganz vertrauen und so auch für seine Sache bereit sind, nicht nur von unserem Überfluss zu geben, sondern auch da, wo es wehtut. Das ist dann eine Haltung, die Jesus in der Bergpredigt „Armut im Geiste“ nennt. Dann hängen wir nicht an unserem Besitz, sondern geben ihn in der Freiheit unseres Herzens für das Reich Gottes.

Ps 112
1 Halleluja! Selig der Mann, der den HERRN fürchtet und sich herzlich freut an seinen Geboten.
2 Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet.
5 Glücklich ein Mann, der gnädig ist und leiht ohne Zinsen, der nach dem Recht das Seine ordnet.
6 Niemals gerät er ins Wanken; ewig denkt man an den Gerechten.
7 Er fürchtet sich nicht vor böser Kunde, sein Herz ist fest, auf den HERRN vertraut er.
8 Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nicht, er wird herabschauen auf seine Bedränger.
9 Reichlich gibt er den Armen, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer, seine Macht steht hoch in Ehren.
10 Der Frevler sieht es voll Unmut, er wird mit den Zähnen knirschen und vergehen. Die Wünsche der Frevler werden zunichte.

Heute beten wir einen Makarismus, eine Seligpreisung des Gottesfürchtigen im Psalm.
Selig zu preisen ist jener, der gottesfürchtig ist und an Gottes Geboten Gefallen hat. Im Hebräischen steht dort wörtlich „und die Gebote sehr wünscht“. Das Wünschen steht hier im Partizip und betont die anhaltende Sehnsucht nach Gottes Geboten, also ein Leben lang.
Wer so eingestellt ist, hat Segen von Gott. Dies wird anhand der typischen Segensindizien ausgedrückt: zahlreiche Nachkommen (Vers 2), Wohlstand und Reichtum (Vers 3, den wir heute nicht beten), bestehende Gerechtigkeit (Vers 3, heute auch nicht vorgesehen).
Der Mensch soll barmherzig sein wie Gott im Himmel. Dies zeigt sich konkret z.B. an dem Verleih ohne Zinsen (Vers 5). So zu sein macht glücklich, weil man dann der Habgier nicht so schnell verfällt, die einen beherrschen und einschränken kann. Vor Gott ist so ein Mensch gut (dort steht טֹֽוב tov, „gut“), also gerecht. Das ist die Haltung, die Paulus den Korinthern nahelegt und die Jesus durch den Begriff der „Armut im Geiste“ meint.
Der Psalm ist ein Zeugnis dafür, wie jemand gottesfürchtig ist – nicht nur durch „Herr, Herr“-Bekenntnis, sondern gerade auch durch barmherziges Handeln.
Wenn es dann in Vers 6 heißt „ewig denkt man an den Gerechten“, ist das auch ein Ausdruck von Segen. Das Vergessen des Namens durch die nachfolgenden Generationen ist nämlich ein Fluch und Zeichen des Todes. Dass man dagegen im Namen weiterbesteht, ist Zeichen des Wohlwollens Gottes.
Wer ein untadeliges Leben führt, muss auch keine Angst vor übler Nachrede oder bösen Gerüchten haben („böser Kunde“), da er sich nichts hat zuschulden kommen lassen. Er vertraut auf Gott, weil er vor ihm gerecht ist. Die üble Nachrede fällt auf den Feind zurück, weshalb es hier heißt, dass „er (…) auf seine Bedränger [hinabschauen wird].“ Und auf das gerechte Leben folgt die Macht „hoch in Ehren“. Gott verleiht denen Macht, die gerecht und barmherzig leben, nicht denen, die nach Macht streben. So ist es auch mit Reichtum: Gott schenkt jenen viel, bei denen er erkennt, die daran nicht hängen und es gar nicht anstreben. Die dagegen reich sein wollen um des Reichtums willen, wird er ihn nicht schenken. Habgier und falscher Umgang sind vorprogrammiert.
Der Frevler findet das natürlich nicht gut, denn er ist wütend. Er sieht dann beim Armen im Geiste, wie er das erhält, was er selbst begehrt. Er wird mit den Zähnen knirschen – auch im Hinblick auf die Ewigkeit. Die Begierde wird den Frevler in den Tod stürzen.

Joh 12
24 Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

25 Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.
26 Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

Wenn wir nun das Evangelium hören, begreifen wir, warum Gott von uns großherzige Spenden erwarten kann: Er selbst ist aufs Ganze gegangen und ist wie das Weizenkorn gestorben.
Jesus umschreibt mit dem Bildwort vom Weizenkorn die heilsgeschichtliche Notwendigkeit seines Sterbens. Er ist kurz vor dem Einzug nach Jerusalem, dem Ort seines Todes. Und so sagt er unmittelbar vor dem gehörten Abschnitt: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.“ Diese Verherrlichung meint im Johannesevangelium seine Kreuzigung. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Er erklärt diese Worte im darauffolgenden Vers in ihrer paränetischen Konsequenz: „Wer sein Leben liebt, verliert es“ und umgekehrt. Jesus hat sein Leben nicht „geliebt“, das heißt sein irdisches Dasein nicht über alles Andere gestellt. Er hat es verschenkt, damit andere das ewige Leben haben. Er hat seine eigenen Worte umgesetzt, die da lauten: „Es gibt keine größere Liebe, als dass einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Und wenn wir Christen sein wollen, müssen wir mit derselben verschenkenden Liebe lieben. Wir müssen jetzt nicht aktiv das Martyrium aufsuchen (wenn es passiert, sollen wir es natürlich annehmen), aber wir sollen auf andere Weise immer wieder füreinander sterben: Wenn wir den Mitmenschen unsere Liebe, unsere Zeit, unsere Finanzen, unseren Willen schenken. Heutzutage ist die Zeit das größte Gut, das wir einander geben können. Und es ist ein besonders großes Zeichen unserer Liebe, je mehr es schmerzt. Wenn wir nur von unserer übrigen Zeit abgeben, bedeutet es für uns ja keine Einschränkung. Wenn wir uns dagegen Zeit nehmen, wo wir eigentlich keine haben, ist es wirklich ein Liebesdienst. Dasselbe gilt für unseren Reichtum und da schließt sich der Kreis: Was wir spenden, das von unserem Überfluss kommt, tut nicht so weh wie die Spende von unserem Lebensunterhalt. Und doch sollen wir den Sprung ins Nirgendwo aus Liebe zu Gott wagen. Er wird uns nicht nur auffangen und über Wasser halten, sondern mehrfach zurückgeben.
Wenn wir Christi Jünger sein wollen, ist das die Nachahmung seines Wesens. Dann sind wir ganz bei ihm und da ist auch der Vater. Und dieser wird uns ehren. Das heißt, er wird uns alles Gute vergelten, was wir ihm zuliebe bereitwillig auf uns genommen haben. Am intensivsten ist Jüngerschaft beim Erleiden des Martyriums. Der Hl. Laurentius, dessen wir heute gedenken, hat dies angenommen. So hat Gott ihn geehrt, indem er ihn direkt in seine Herrlichkeit aufgenommen hat.

Wenn Gott so weit gegangen ist, sein Leben bis auf den letzten Blutstropfen für uns zu verschenken, wirklich gar nichts mehr für sich zurückzuhalten, können wir da nicht ein wenig spenden für seine geliebten Kinder in Not? Er erwartet ja nicht gleich, dass wir zu einer zusätzlichen Sühnegabe werden wie Christus, sondern einen Geldbetrag, den wir nach eigenem Ermessen zu geben bereit sind. Es ist nur ein kleiner Teil des „Sterbens“ im Gegensatz zu den vielen Märtyrern wie Laurentius. Und wenn wir nicht wissen, wie viel und wofür wir unser Geld spenden sollen, bitten wir den Hl. Laurentius um seine Fürsprache. Der Geist Gottes möge uns aufzeigen, was das Beste und Gerechte ist.

Ihre Magstrauss

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